Wie sieht gute Online-PR in der Praxis aus? – Wir haben die Deutsche Telekom unter die Lupe genommen

Foto Telekom Schild

Was gehört zu einer guten Online-PR? Wo machen Unternehmen Fehler und was läuft besonders gut? Diesen Fragen haben wir uns in unserem Wahlfach Online-PR im zweiten Semester der Onlinekommunikation gewidmet. Dazu haben wir uns in Kleingruppen die Online-PR verschiedener Unternehmen genauer angeschaut – in unserem Fall ging es um die Deutsche Telekom, um von der Online-PR dieses großen Konzerns zu lernen.

Zunächst recherchierten wir die Grundlagen. Wo findet Online-PR bei der Telekom überhaupt statt und wie leicht ist es, den PR-Auftritt im Netz zu finden? Dabei sind uns zwei verschiedene Kommunikationskanäle aufgefallen: Social Media, genauer gesagt Twitter, und die Webseite “telekom.com”.

Twitter …

Im Bereich Social Media haben wir uns auf die Plattform “Twitter” beschränkt. Uns fiel auf, dass die Telekom dort viele verschiedene Accounts pflegt. Warum sie das so macht, war uns erst einmal unklar, da wir es eher als verwirrend empfanden.

Philipp Schindera, der Leiter der Unternehmenskommunikation der Telekom, klärte uns via Twitter auf: Jeder Account sei für einen anderen Teil der Kommunikation zuständig. So gebe es einen Kanal für die Online-PR, einen für den Kundenservice, einen für das Marketing und viele weitere mit einem jeweiligen bestimmten Hintergrund. Diese Einteilung der Accounts konnten wir bei unseren Untersuchungen auch auf allen Plattformen wiederfinden. Wie man im ersten Link sehen kann, wird hier schon im Titel klar, um was es bei “Telekom_hilft” geht.

… die dortige Aktivität …

Die Telekom schafft es sogar auch, trotz der Vielzahl an Accounts, auf allen aktiv zu posten. Ohne eine gute Organisation und klare Verteilung der Accounts auf verschiedene Abteilungen des Unternehmens, wäre dies nicht möglich.

Anschließend haben wir uns genauer mit den Online-PR-Accounts beschäftigt. In der Regel tragen diese den Namen “Deutsche Telekom AG”. Dort informiert das Unternehmen über eigene Events, den Netzausbau oder andere Themen über den technischen Tellerrand hinaus und aktuell. Sie liefern einen Mehrwert beim Anschauen und sind abwechslungsreich und gut gestaltet. So twitterte die Telekom zum Christopher Street Day, dass sie Homosexuelle unterstützt und zeigte dabei das Telekom-Zeichen in den Regenbogenfarben. Es wird natürlich auch der Content der anderen Twitter-Accounts und Plattformen der Telekom geteilt.

Uns haben die Web-Auftritte durchgängig gut gefallen – interessant, hilfreich und die qualitativ guten Beiträge passen zum Unternehmen und dessen Image. Leider verrät nur “Telekom_hilft” schon im Namen, mit welcher Thematik sich dieser Account beschäftigt. 

Allgemein haben wir festgestellt: Noch hilfreicher wäre es, wenn die anderen Accounts ebenfalls einen solchen Zusatz in ihrem Namen hätten. Somit müsste man das nicht erst in der Beschreibung nachlesen, um sich einen Überblick zu verschaffen und dadurch Klicks und somit Zeit zu sparen.

Telekom_hilft

Wir möchten noch einmal auf den gerade angesprochenen Social Media-Account “Telekom_hilft” eingehen. Mit diesem separaten Profil kann sichergestellt werden, dass Kundenanfragen schnell und lösungsorientiert beantwortet werden können und nicht untergehen. Diese Strategie ist ebenfalls sehr hilfreich für die Online-PR der Telekom. Sofortiges Kümmern um Kundenanliegen schafft ein sehr positives Image und zeigt die Kundenorientierung.

Die Webseiten: Telekom.com und Telekom.de

Nachdem wir uns mit dem Twitter-Account der Deutschen Telekom beschäftigt haben, wollten wir uns auch den PR-Auftritt auf der Website anschauen. Unser erster Gedanke: Googeln wir einfach mal “Telekom” und werden schon etwas finden. Klar, Google spuckte uns sofort eine Website aus: Telekom.de. Als wir auf die Website kamen, stellten wir fest, dass es sich hierbei um die Website für Kunden handelt. Alles schön gestaltet, mit passenden Icons – aber nicht das, was wir suchten. Wir wollten nichts über Mobilfunktarife wissen, sondern etwas über das Unternehmen.

Nachdem wir Telekom.de durchsucht und keine Informationen, einen Link oder etwas ähnliches gefunden hatten, starteten wir einen neuen Versuch mit Google: “Telekom Unternehmen”. Diesmal hatten wir Erfolg: Wir kamen auf die Webseite Telekom.com und sahen auf den ersten Blick, dass wir hier richtig waren.

Telekom.com ist sehr schön und übersichtlich gestaltet. Man scrollt durch ein Kachelmuster und erhält dadurch einen Überblick über die neuesten Themen. In der Menüleiste sind die Oberbegriffe Konzern, Verantwortung, Investor Relations, Medien, Karriere und der unternehmensinterne Blog “blog.telekom” aufgelistet und übersichtlich unterteilt. Wenn man sie anklickt, erhält man weitreichende Informationen. Natürlich haben wir zwei Bereiche unter die Lupe genommen: den Bereich für die Medien und den Blog.

Verbindung beider Webseiten

Um dem angesprochenen Problem der beiden Webseiten entgegenzuwirken, empfehlen wir der Telekom auf jeden Fall, Telekom.com und Telekom.de sichtbar miteinander zu verlinken. Somit erleichtert sie sowohl den Kunden, als auch den Journalisten die Suche.

Pressebereich

Der Unterpunkt “Medien” ist im Zusammenhang mit Public Relations essenziell. Die Deutsche Telekom bietet hier umfassende Informationen für die Presse. Als erstes schafft auch hier die Kachelstruktur eine Übersicht über aktuelle Themen bei der Telekom. Es werden ein Eventkalender, Pressemappen, Ansprechpartner und viele weitere Informationen angeboten, die für Journalisten relevant sind. Auf diese Weise finden sich Besucher schnell und problemlos zurecht.

blog.telekom

Der Unternehmens-Blog “blog.telekom” wird von sogenannten internen Influencern geführt. Interne Influencer sind Mitarbeiter des Unternehmens, die über ihr Unternehmen auf Social Media posten oder eben auf dem Blog Beiträge schreiben. Der Blog der Telekom beinhaltet viele verschiedene, für die Telekom relevante Themen: Netzausbau, Drohnen und einiges mehr. Die Autoren werden mit einem kleinen Steckbrief und Bild vorgestellt. Dort sind zum Beispiel Links zu den privaten Social Media-Accounts vermerkt.

Diese Strategie lässt die Mitarbeiter und damit auch die Telekom sympathisch und kundennah wirken. Dies ist eine bewusste Maßnahme der Online-PR. Wenn die Mitarbeiter sich soweit mit dem Unternehmen identifizieren können, um über die Deutsche Telekom positiv zu posten, werten diese Beiträge das Image des Unternehmens enorm auf.

Der Blog wird unserer Meinung nach jedoch noch nicht ausreichend publik gemacht. “blog.telekom” könnte gezielt über Social Media verbreitet werden, um die Kunden darauf aufmerksam machen, dass es ihn überhaupt gibt. Wir wussten das auch nicht.

Der Blog verbunden mit #Werkstolz wirft ein positives Licht von Seiten der Mitarbeiter auf die Telekom, was deren Image sehr zugute kommen würde.

Ziele der Online PR

Nachdem wir die Online-PR der Telekom beleuchtet haben, stellte sich uns die Frage, was die übergeordneten Ziele, die das Telekommunikationsunternehmen mit der PR verfolgt, eigentlich genau sind. Das erste Ziel war uns schnell klar: die Imagepflege. Public Relations ist dafür da, das Image eines Unternehmens zu pflegen und zu verbessern.

Ein weiteres Ziel der Online-PR ist die Kundengewinnung beziehungsweise -bindung. Dies erfolgt im Prinzip auch durch ein gutes Image. Ist der Ruf eines Unternehmens gut, werden mehr Produkte verkauft. Somit beeinflusst die PR auch stark das Marketing. Ein gutes Marketing kann nicht unbedingt über ein schlechtes Image hinwegtäuschen und mangelndes Vertrauen wirkt sich negativ auf die Verkaufszahlen aus.

Dialoggruppen

Eine weitere Frage, die wir uns gestellt haben: Welche Zielgruppe hat die PR-Arbeit der Telekom? Zum einen natürlich die Presse und Journalisten. Der große Pressebereich auf der Website ist ein deutlicher Hinweis darauf. Aber wer kann und wird noch von ihrer Online-PR angesprochen?

Corporate Influencer, externe Blogger oder andere Fachleute, welche die Telekom aufgrund ihres positiven Images, an eine große Gruppe von (potentiellen) Kunden weiterempfehlen. Wenn diese Zielgruppe über die Deutsche Telekom, auch aufgrund ihres Rufs, positive Word-of-Mouth-Kommunikation betreibt, hat die PR eines ihrer Ziele erreicht.

Noch einmal ein paar Worte zu den Corporate Influencern der Telekom. Sowohl interne, als auch externe Influencer sind eine Bereicherung für jedes Unternehmen. So verfolgt die Deutsche Telekom die Strategie, ihre Mitarbeiter als Markenbotschafter einzusetzen. Ein Vorteil hierbei ist, dass die Beiträge der privaten Accounts der internen Influencer über die Telekom mehr Interaktion erlangen als die Unternehmensaccounts.

Eine andere zündende Strategie war der Newcomer-Sänger ELI. Durch das Projekt “ELIs Traum” mit Live-Konzert und verschiedenen Gigs konnte eine enorme Reichweite erzielt werden.

Nicht zuletzt sind auch die Endverbraucher Teil der Dialoggruppe der Online-PR, sowohl Privat-, als auch Geschäftskunden. Wie bereits bei den Zielen erläutert, inwiefern das Image auch eine Rolle bei den Verkaufszahlen spielt, liegt auf der Hand, dass die Kunden natürlich auch eine Zielgruppe der Online-PR sind. Diese ist gerade über soziale Medien sehr gut zu erreichen.

Das i-Tüpfelchen: Das Corporate Design

Wer assoziiert die Farbe Magenta nicht mit der Deutschen Telekom? Genau dieses Corporate Design dient dazu, dass sich das Unternehmen einen Wiedererkennungswert geschaffen und gesichert hat. Ebenfalls hat sich auch der Telekom-Sound als fester Bestandteil der Marke etabliert und ist als solcher nicht mehr wegzudenken. Diese Wiedererkennungsmerkmale spiegeln eine Vertrautheit wieder, welche sich natürlich ebenfalls positiv auf das Image auswirkt.

Fazit

Die Telekom hat alles in allem einen sehr guten Online-PR-Auftritt, was man an den gut durchdacht gestalteten Kanälen mit vielfältigen Informationen sieht. Die Aufteilung ist übersichtlich und ansprechend. Auf Social Media gibt es eine Vielzahl von Plattformen, was im ersten Moment etwas verwirrend oder erdrückend wirkt. Wenn man sich allerdings einen Moment einarbeitet, findet man sich zurecht. Die Themenbeiträge sind vielseitig gestaltet und qualitativ gut. Verbesserungspotenzial sehen wir auf jeden Fall in einer sichtbaren Verlinkung der beiden Webseiten.

Mesut Özil und NGO-PR – Politisches zur Sommerpause

Das ist unser letzter DRILLLINK für dieses Semester. Wir freuen uns Euch noch einmal spannende Links und unsere Kommentare präsentieren zu dürfen – zum krönenden Abschluss sogar in Überlänge.

 

I. Mesut Özil: Reflektion und Selbstreflektion

Nach langem Schweigen hat sich Fußball-Nationalspieler Mesut Özil am Sonntag per Twitter zu Wort gemeldet und seinen Rücktritt verkündet. Mit einer dreiseitigen Mitteilung kommentierte er dabei das gesamte WM-Drama um seine Person – angefangen beim Foto mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayip Erdogan vor der WM über die glücklosen Spiele der Nationalelf in Russland bis hin zu den anschließenden Medienanalysen. An vielseitiger Kritik sparte der Fußballprofi dabei nicht.

Das können wir natürlich nicht einfach unkommentiert lassen. Aber wir wollen nicht zu sehr auf die inhaltliche Ebene gehen. Die Verstrickungen zwischen festgefahrenen Strukturen, persönlichen Eitelkeiten, komisch anmutenden „Stellvertreterkriegen“, finanziellen Interessen und krasser Ausländerfeindlichkeit sind einfach zu dicht, um hier adäquate Einordnungen treffen zu können. Noch mehr interessiert uns aber natürlich, welche Kommunikationsprozesse bei der Verkündung des Rücktritts abliefen und als Folgeerscheinung noch immer ablaufen. Der Mediensoziologe und Sportjournalist Siegfried Weischenberg hat das für den Spiegel analysiert. Was können wir daraus für professionelle PR lernen?

Man kann zuerst einmal analysieren, was genau Herr Özil auf Twitter veröffentlicht hat. Und da muss man im Ergebnis anerkennen, dass sein Kommunikationsmanagement ganze Arbeit geleistet hat, wie auch Weischenberg feststellt. Indem sie das gesamte Potenzial der knapp 70 Millionen Follower auf Social Media ausnutzen und die Themen Integration und Ausländerfeindlichkeit an die Spitze der Agenda setzen, wurde aus einer problematischen Angelegenheit für den DFB ganz schnell eine emotionalet. Dies konnte man auch sehr gut in den Kommentarspalten auf sämtlichen Kanälen beobachten – die Emotionalität gab der Sache den benötigten, zusätzlichen Kick.

Aber man muss aufpassen: Zu einfach liest sich das Schreiben, zu kohärent aufeinander aufbauend ist die Verteidigung, die eher einem Angriff gleicht.. Das liegt daran, dass die Vorwürfe und ihre Begründung einfach sehr verkürzt sind. Dahinter könnte man auch eine populistische Methode vermuten. Im Detail wird eben gar nicht klar, warum genau Herrn Özil das alles (Kritik für das Erdogan-Bild, Widerruf einer Sozialpartnerschaft, Kündigung bestimmter Sponsoren-Verträge usw.) widerfahren sein soll. Aufgrund von Ausländerfeindlichkeit? Die Begründung könnte etwas knapp sein, bezichtigt er dieser doch eigentlich nur Einzelpersonen.

Weischenberg merkt zurecht an, dass die Massenmedien an der Aufdeckung solcher Details gar nicht mehr interessiert waren. Hart getroffen von der Medienschelte, die die PR-Verantwortlichen von Herrn Özil nebenbei noch in das Schreiben eingebaut hatten, zogen die Journalisten entweder die Köpfe ein oder gingen wie die BILD direkt zum Konter über. Dass sich nur einzelne Medien (wie z.B. die eben genannte BILD) überhaupt vom Vorwurf der tendenziösen Berichterstattung hätten treffen lassen müssen, fällt da ein bisschen unter den Tisch. Weischenberg hat Recht, wenn er sagt, dass die Berichterstattung zu Herrn Özil kritisch, aber dennoch überwiegend differenziert war.

Zum Schluss bleibt der DFB in Person des Präsidenten Reinhard Grindel. Hier gibt es nicht viel zu sagen, wurde doch nicht viel unternommen, um der Krise entgegen zu wirken. Von den Mitspieler von Herrn Özil hat man bis heute nichts gehört. Auch um Bundestrainer Löw ist es sehr still. Der Präsident ließ sich schließlich mehrere Tage später zu einem halbseidenen Statement herab. Naja, was Herr Özil über den DFB gesagt hat, geht dann wohl nicht sehr weit an der Realität vorbei – gleich ob das Schweigen in Wahrheit ein stilles Eingeständnis oder ein versuchtes Kleinhalten der Sache ist.

Was nehmen wir als Kommunikationsstudierende daraus mit? Social Media hat einmal wieder seine gesamte Macht bewiesen. Den traditionellen Medien hingegen fehlt augenscheinlich die Strategie, mit solchen Vorwürfen gegen sich umzugehen, was auch Weischenberg zum Schwerpunkt seiner Analyse macht. Auch wenn das Kommunikationsmanagement von Herrn Özil mit maximaler Aufmerksamkeit eine breite Basis pro Herrn Özil mobilisiert hat, ist die Frage, ob die beidseitige Stiftung maximaler Empörung der richtige Weg ist, um dieses Ziel zu erreichen. Ich für meinen Teil finde, man sollte die öffentliche Person Özil vom Profifußballer Özil trennen können. Nur so kann man nüchtern die Handlungen der beiden Personen (in der Öffentlichkeit und auf dem Feld) analysieren. Und genau so sollte sich Herr Özil einmal nüchtern selbstreflektieren. Aber für Nüchternheit sind die heutigen Zeiten offensichtlich nicht gemacht…

 

II. NGOs: Konfrontation als Strategie – wie sieht’s mit den Inhalten aus?

Es bleibt politisch. Volker Thoms hat für das PR-Journal einen brandneuen Artikel zu NGO-Kommunikation verfasst und stellt eine entscheidende Frage: Wenn Konfrontation die Strategie ist – bleibt dann überhaupt noch Platz für Inhalte?

Thoms stellt zuerst einmal fest, dass auch NGOs in den letzten Jahren an Vertrauen eingebüßt haben. Die Marktlage sei vor allem für solche NGOs problematisch, die sich mit den großen Problemen beschäftigen – Klimawandel, Artensterben und weltweiter Hunger. Diese Themen seien für Verbraucher mitunter zu „abstrakt“. An dieser Stelle kann man dem Autor eigentlich nur zustimmen: die inhaltlichen Auseinandersetzungen haben doch eigentlich immer erst dann Relevanz, wenn die Themen in der Lebensrealität der Menschen angekommen sind.

So ist das z.B. mit ungesunder Ernährung. Ein Thema, das die NGO Foodwatch aufgreift. Mithilfe von Events (Verleihung des „Goldene[n] Windbeutel[s]), aber auch von Publikationen („Coca-Cola-Report“) sollen Verbraucher auf Intransparenzen in der Zutatenliste und der Werbung hingewiesen werden. Möglichst konkret festmachen will Foodwatch seine Kampagnen an Marken und Produkten.

Die angegriffenen Unternehmen wehren sich dann meist mit dem Vorwurf, NGOs würden unwissenschaftlich arbeiten. Thoms kann diesen Vorwurf am „Coca-Cola-Report“ nicht bestätigen. Er vergleicht ihn mit einer Studie einer Unternehmensberatung – mit externen Experten und Quellenbelegen. Die Frage bleibt, ob das ausreicht, um glaubwürdige Inhalte zu vermitteln. Erfolg hat es offensichtlich: Bestimmte Medien beschäftigten sich explizit mit Themen wie der Zuckersteuer. Und manche Einzelhandelsketten reduzieren künftig den Zuckeranteil in ihren Eigenmarken. Laut Foodwatch sind genau solche konkreten Veränderungen das Ziel.

Zusammenfassend kann man sagen, dass NGOs sicherlich keine objektiven Player sind und man ihre Veröffentlichungen durchaus mit Skepsis betrachten sollte. Gleiches gilt aber nicht minder für Veröffentlichungen und Medienangebote von Unternehmen. Deshalb kann man eigentlich nur auf eine starke, unabhängige und öffentlich finanzierte Wissenschaft plädieren, die für ihre Forschung nicht auf Unternehmensgelder angewiesen ist. So können solche gesellschaftlich relevanten Themen wie die Ernährung im wissenschaftlichen Diskurs untersucht werden.

 

III. Sommer, Sonne, Sonnenschein: Wir verabschieden uns!

Nach einem kurzen und intensiven Semester mit 11x DRILLLINK verabschieden wir uns in die DRILLLINK-Sommerpause. Wir freuen uns darauf, die Redaktion der DRILLLINK‘s im nächsten Semester an die nächste #onkomm-Generation weitergeben zu können. Aber wer weiß – vielleicht haben die ja auch ganz andere Ideen?

In den nächsten Wochen wird es bei den PR-Fundsachen trotzdem noch Einiges zu lesen geben – wir haben viele interessante Artikel für Euch auf Lager. Stay tuned und genießt den Sommer! Bis bald!

 

Wie verbindet man Praxis und Lehre in der Onlinekommunikation? – Yashar Azad im Interview

“Die Social-Media Abteilung haben wir ganz abgeschafft, weil Onlinekommunikation zum Skill-Set eines jeden Kommunikators gehören muss”

… berichtet Yashar Azad aus seinem Job in der Konzernkommunikation bei Siemens.

Dabei kommt auch der Lehre die Verantwortung zu, diese nötigen Skills für den Berufsalltag bei Kommunikatoren der Zukunft von Anfang an zu etablieren. Die Lehre in der Kommunikationsbranche lebt daher auch von einem starken Praxisbezug. Die schnelllebige Branche erfordert stetig über aktuelle Entwicklungen und Trends aus dem Arbeitsalltag informiert zu sein. Dementsprechend profitieren wir Studierende der Onlinekommunikation auch stark von zahlreichen Lehrenden, die aus der Wirtschaft kommen. Die umfassenden Einblicke, die uns die Praktiker in die Seminarräume mitbringen bereiten uns optimal auf unseren späteren Berufsalltag vor.

Praxisprojekte wie unsere Redaktion der PR-Fundsachen oder verschiedene Lernagenturen (Praxisprojekte mit realen Kunden) ermöglichen es uns, die gelernte Theorie direkt umzusetzen. So werden Inhalte für uns greifbarer als durch ausschließliche Frontbeschallung.

Auf praxisnahe Lehre setzt auch Yashar Azad von Siemens. Neben seiner Stelle als Global Spokesman lehrt er seit dem aktuellen Sommersemester im Modul Online-PR am Mediencampus.

Wie er sein Wissen und praktisches Know-How vermittelt, erklärt Yashar Azad im Interview mit den PR-Fundsachen:

Was ist Ihre persönliche Motivation, neben der Praxis noch eine lehrende Tätigkeit auszuüben?

#Lifeisforsharing – Erfahrungen zu teilen – das ist eine große Motivation. Aber die gesamte PR-Branche durchlebt momentan auch einen Wandel und Online-PR, Daten-Analyse oder Influencer Relations sind Disziplinen, die in der Praxis immer mehr an Bedeutung gewinnen. Entsprechend verändern sich auch Anforderungs- und Kompetenzprofile von Kommunikatoren in diesem Bereich – ich finde es daher wichtig, dass neben der Theorie auch diese Veränderungen in der Lehre vermittelt werden.

 

Fließen Ihre Erfahrungen aus dem Berufsalltag bei Siemens in die Inhalte Ihrer Lehrveranstaltung mit ein?

Ja, meine Erfahrungen aus der Praxis spielen eine ausschlaggebende Rolle – vor allem weil der Wandel in der Praxis auch immer die Theorie beeinflusst. Insbesondere in einer sich so schnell verändernden digitalen Welt, die immer neue Kompetenzen von Kommunikatoren erfordert. Unsere Kommunikationsabteilung befindet sich gerade in einer solchen Transformation und Digitalisierung spielt dabei eine sehr wichtige Rolle. Wir arbeiten heute mit Tools wie Slack und Trello, setzen auf Corporate Influencer und künstliche Intelligenz, betreiben Social-Listening und führen aktiv Dialog im Netz. Die Social-Media Abteilung haben wir ganz abgeschafft, weil Onlinekommunikation zum Skill-Set eines jeden Kommunikators gehören muss. Ich will den Studierenden in meiner Lehrveranstaltung neben der Theorie auch genau diese Veränderungen und geforderten Kompetenzen aus der Praxis näherbringen.

 

Was sind Ihrer Meinung nach Kernkompetenzen, die man speziell im Bereich der Online-PR mitbringen muss?

Ich würde sagen, neben journalistischen Kompetenzen wie kreativem Schreiben und ein gutes Gespür für Themen – viel Neugierde und Kreativität. Aber auch Erfahrungen mit Analyse-Tools und Community-Management sind wichtige Kompetenzfelder. Denn bei der Flut von Content und Themen, wird heute mehr denn je von Kommunikatoren verlangt, dass sie die digitale und analoge Welt um sich herum aufmerksam beobachten, zuhören und nicht nur einfach zuschauen, sondern mitreden und Kommunikation aktiv gestalten können.

 

Nutzen Sie spezielle Methoden um den Studierenden diese Kompetenzen zu vermitteln?

Ich setze da auf „Learning by Doing“ – das erlernte direkt in die Praxis umsetzen und ausprobieren. Die Studierenden sollen neben der Theorie von Beginn an mit Analyse- und Kollaborations-Tools arbeiten, sich in Twitter-Communities einbringen, Themen recherchieren, Influencer identifizieren, die Online-PR von Unternehmen unter die Lupen nehmen und aktiv Dialog führen. Bestimmte Kompetenzen in der Online-PR lassen sich am besten vermitteln, wenn die Studierenden selbst die Erfahrungen sammeln können.

 

Aus Ihrer persönlichen Sicht: was ist die wichtigste Botschaft für Studierende der (Online)-PR?

Es gibt nicht die eine Botschaft, aber ich würde sagen, nutzt als Kommunikatoren von Morgen mehr die Möglichkeiten aus, die euch digitale Plattformen und die Onlinekommunikation bieten. Führt Dialog, vernetzt euch mit Experten und sammelt parallel frühzeitig Praxis-Erfahrung.

 

Wir Studierenden diskutierten in letzter Zeit öfters die Frage, wie viel Privates man als Sprecher und Vertreter eines Unternehmens im Netz preisgeben sollte. Auf Ihrem Twitter Profil kombinieren Sie erfolgreich private Inhalte mit Neuigkeiten aus Ihrem beruflichen Umfeld bei Siemens. Haben Sie Tipps, wie dieser Spagat zwischen Privatem und Beruflichem gelingt? Gibt es gewisse Grundregeln für die Auswahl der Inhalte?

Also im Netz gilt doch die Regel: Menschen folgen erst Menschen – dann Marken und Unternehmen. Inhalte sollten auf diesen Plattformen daher unterhaltend, bereichernd und relevant sein. Insofern finde ich es entscheidend, authentisch zu bleiben und auch ausgewählte private Inhalte zu teilen, wie meine Leidenschaft für Fußball und den FC Bayern München.

Ich finde aber, dass mehr Sprecher in Deutschland den Weg ins Netz finden sollten – egal ob mit oder ohne private Inhalte – denn wir wirken nicht mehr nur als Strategie- und Imagevermittler, sondern auch als Moderatoren zwischen Interessengruppen und das vermehrt auch auf digitalen Plattformen.

Wenn ich meine Timeline sehe, würde ich sagen für mich gilt das Pareto-Prinzip (80/20-Regel), also 80% direkter oder unternehmensnaher Content und 20 % privater, aber am Ende sollte die Entscheidung bei jedem selbst liegen.

 

Abschließend können wir aus unserer studentischen Sicht nur hinzufügen:

Profis aus Unternehmen wie beispielsweise Siemens geben besonders wertvolle Einblicke in die Praxis, was wir Studierende sehr schätzen. Frischen Wind aus dem Berufsalltag und konkrete Tipps werden uns bei zukünftigen Herausforderungen außerhalb der Vorlesungssäle helfen. Dozenten aus der Praxis bieten hier einen echten Mehrwert und verknüpfen die theoretische mit der praktischen Lehre.

 

 

Buzzwords, Kulturwandel, Fake News: Diese Woche im DRILLLINK

I. Gehaltlose Buzzwords und Floskeln

Im Zuge der schnell voranschreitenden Digitalisierung, von deren Auswirkungen vor allem auch die PR- und Medienbranche betroffen ist, nimmt auch die zunehmende Verwendung von Floskeln und Buzzwords zu. “Big Data”, “Algorithmen” oder “Digital Native” sind dabei nur eine Auswahl der Bekanntesten. Zu letzterer Gruppierung, den Digital Natives, gehören wir Studierende wohl selbst. Jedoch gestaltet es sich mit zunehmender Komplexität der entsprechenden technischen Innovationen und Entwicklungen in vielen Fällen schwierig, gehaltvolle Aussagen und Einordnungen über diese zu treffen. So findet man sich bisweilen auch mal in einem Seminar wieder, in dem mit einem technischen Halbwissen über die Einsatzmöglichkeiten der Blockchain diskutiert wird, das jedem Informatiker Tränen in die Augen treiben würde. Das ist natürlich auch zu erwarten, da Einsatzgebiet und Kompetenzen bei Studierenden der Onlinekommunikation an anderer Stelle liegen. Doch es zeigt gut den floskelhaften Charakter von Begriffen wie „Digital Native“: So suggeriert dieser oft, ein Geburtsdatums irgendwann innerhalb der 1990er-Jahre würde ausreichen, vollkommen selbstverständlich die komplexen, mitunter hochmathematischen Hintergründe aktueller Technologien zu verstehen. Punkt 1 des Artikels können wir also bestätigen: „Digital Natives“ mögen sich in der digitalen Welt besonders gut zurecht finden. Über eine (Zitat) „übernatürliche Neuland-Kraft“ welche uns hochkomplexe, technische Fachthemen als triviale, leicht verständliche Kost erscheinen lässt, verfügen wir allerdings nicht.

Auch in der Kommunikation wird es somit zunehmend zur Herausforderung, digitale Entwicklungen einzuordnen. Reines Floskeldropping wirkt dabei nicht sonderlich kompetent. Gerade die PR, welche gleichzeitig auch schnell auf Trends reagieren muss, läuft hier Gefahr, komplexe Technologien und Neuerungen unfreiwillig zu inhaltsleeren Buzzwords zu degradieren. Moderne Kommunikatoren stehen dabei vor der Herausforderung, nicht nur Phrasen zu wiederholen und Trends nachzueifern, sondern realistisch und faktisch den Mehrwert und das Potential von Technologien einzuordnen und dieses vor allem entsprechend zu nutzen.

Treffend kritisiert diese Problematik Frank Zimmer, Redaktionsleiter Digital bei W&V. Er plädiert für einen gewissen Pragmatismus anstelle großen Getöses und den immer gleichen Weisheiten: „Zufriedene Kunden oder die große Powerpoint-Kirmes.“ Kurz gesagt: es gilt, digitale Möglichkeiten kundenzentriert, zum Wohle der Kunden einzusetzen und nicht in Buzzword-Dropping zu verfallen.
Auch wird die Digitalisierung oft im Zuge kategorischer Überschätzung als Allheilmittel verklärt. Denn wie der Artikel treffend bemerkt: Marketing- und Kommunikationsstrategen müssen sich primär noch immer in den Kunden hineinversetzen können und eine klare Strategie verfolgen. Diese Grundproblematik löst ein enormes Know-how zu digitalen Technologien alleine auch nicht.

 

II. Kulturwandel in der PR

Machen wir doch direkt weiter mit Buzzwords: „die Unternehmenskommunikation befindet sich in der digitalen Transformation.“ Wie moderne Kommunikation mit Content Marketing gestaltet werden kann, erklärt Karsten Lohmeyer auf lead-digital. In diesem Fall allerdings mit dem nötigen Know-how. Dem geneigten Onlinekommunikationsstudent mag bei der Lektüre des Beitrags auffallen: der beschriebene Kulturwandel in der PR-Branche entspricht im Grunde auch den Inhalten, welche unser Studium vermittelt.
In der Rolle der Gatekeeper werden Journalisten zunehmende abgelöst, an deren Stelle nun Blogger und Influencer treten. Man spricht also längst nicht mehr nur zur Presse, sondern kommuniziert digital direkt mit Bezugsgruppen. Dabei werden multimediale Formate genutzt, Storytelling und SEO betrieben. Der Artikel liest sich stellenweise wie Teile unseres Modulhandbuchs.
Lohmeyer fordert: Know-how und handwerkliches Können in diesen Umfeldern ist zwingend nötig, um in Zukunft erfolgreich zu kommunizieren.
Eine aus unserer Sicht sehr treffende Zusammenfassung zum längst stattfindenden Wandel in der Medienwelt, den wir auch in unserem Studiengang behandeln.

Dass Digital aber nicht zwingend die Lösung aller Probleme ist, sondern durchaus auch welche mit sich bringt, zeigt auch die aktuelle Diskussion rund um Vertrauen in den Medien. Nachdem es im letzten DRILLLINK dazu vor allem um Fake News ging, nun Ansätze wie man sich davor schützen kann.

 

III. Fake News – und wie man sich vor ihnen schützen kann

Fake News. Man kann den Begriff eigentlich kaum noch hören. Schon gar nicht, wenn man in der Kommunikations- und Medienbranche aktiv ist. Omnipräsent scheinen „Fake News“ spätestens seit Trumps Wahlkampf das Netz zu überfluten. Der Schein trügt in diesem Fall leider nicht: Fake News entwickeln sich mehr und mehr zu einem der größten Probleme des Informations- und Massenkommunikationszeitalters.

Dabei sind Fake News schon seit jeher ein Problem. Wie der Artikel treffend feststellt: Es gibt Lügen wohl schon so lange wie Menschen kommunizieren können. Aktuell bekommen diese lediglich eine digital erhöhte und unkontrollierte Reichweite. Damit steigt auch die Gefahr für Unternehmen. Auch unter Studierenden im Medien- und Kommunikationsbereich ist das Thema Falschinformation stets präsent. Wir wuchsen auf in einem Zeitalter, in dem man frühzeitig lernen musste, dass das Netz nicht bloß Vorteile bietet und längst nicht alles wahr sein muss. Die so antrainierte Skepsis gegenüber Informationen aus dem Netz wurde vor allem in politischen Themenbereichen in den letzten Jahren leider zunehmend verstärkt. So stellt sich auch für den Nachwuchs die Frage:

Wie können sich auch Kommunikatoren vor Fake News gegen das eigene Unternehmen schützen?

Komplette Sicherheit gibt es dabei sicherlich nicht. Jedoch gibt die aktuelle „PR-Werkstatt“ des PR-Report ein paar hilfreiche Anhaltspunkte.
Der Einblick zeigt die Kernaussage: Unternehmen sollten sich nicht in eine Opferrolle begeben und frühzeitig mögliche Quellen für Fake News antizipieren. Bei der Prävention helfe ein geschärfter Blick auf zwielichtige Plattformen und verdächtige Nachrichten.

Eine tiefgreifendere Beleuchtung des Themas und weitere Handlungsoptionen gegen Fake News findet sich in der Print-Ausgabe der „PR-Werkstatt“.

Krise, Stunts und Werte – die PR-Welt im Wandel: Diese Woche im DRILLLINK

Die Vertrauenskrise, der Bayer-Stunt und die Zukunft der Werten in der PR – eine Welt im Wandel.

 

I. PR Trust Crisis und wie sie zu überwinden ist

Thomas Dillmann, Chefredakteur des PR-Journal, traf sich mit Richard Edelman, dem CEO und Präsidenten der weltweit größten inhabergeführten Kommunikationsagentur Edelman.

Im Interview geht es in erster Linie um jüngste Entwicklungen der deutschen Edelman-Niederlassung. Der neue CEO Ernst Primosch ist ein guter bekannter von Richard Edelman und wurde aufgrund seiner Überzeugungen in Bezug auf Kommunikation ausgewählt. Seine Ansichten passen perfekt auf die Philosophie der weltweit agierenden Agentur.

Edelman erstellt regelmäßig einen weltweiten Trust-Barometer. Der jüngste Barometer aus dem Frühjahr 2018 besagt: nur noch 42% der Deutschen vertraut auf die Medien. Für Unternehmen sei das eine Herausforderung, der man sich stellen muss. Richard Edelman meint: “Reinhängen, statt raushalten!”. Laut einer Sonderausgabe des Trust-Barometers vertrauen nur 27% der Deutschen den Informationen, die sie aus sozialen Medien bekommen. Man kann von einer waschechten Vertrauenskrise für Unternehmen sprechen. Edelman ist der Meinung, dass Unternehmen sich selbst um den Wiederaufbau von Vertrauen bemühen müssen. Jedes Unternehmen hat eine gesellschaftliche Verantwortung und sollte sich dieser auch bewusst werden.

 

II. PR Stunt: Bayer und der Monsanto Deal

Wo wir schon dabei sind, machen wir bei einer weiteren relevanten Entwicklung zum Thema Trust Crisis weiter. Bayer ist nämlich seit neuestem etwas größer geworden. Das Pharmaunternehmen hat am 7. Juni den US-Riesen Monsanto offiziell übernommen und dafür 60 Milliarden Dollar hingeblättert. Monsanto steht als Hersteller von Unkrautbekämpfungsmittel mit dem umstrittenen Wirkstoff Glyphosat und als Hersteller von gentechnisch verändertem Saatgut stark in der Kritik. Als Pharmaunternehmen muss sich Bayer sowieso oft mit harter Kritik auseinandersetzen. Die Übernahme von Monsanto dürfte also PR-technisch ein doch sehr kompliziertes Kunststück werden.

Bereits Mitte September 2016 wurde bekannt, dass Bayer Monsanto übernehmen wird. Die Kommunikationsabteilung von Bayer hatte also reichlich Zeit, sich zu überlegen, wie genau die Übernahme behandelt werden sollte, um das Abfärben des schlechten Images von Monsanto auf Bayer zu vermeiden – beziehungsweise zu minimieren. Der Schlüssel ist maximale Dialogorientierung. Bayer muss den Diskurs führen. Sich nicht wegducken. Der Kritik entgegenstehen und aufgrund von Fakten argumentieren. In Zeitungen duellierten sich Bayer-Top-Manager bereits mit dem Chef der Grünen und mit einem Mitglied der Geschäftsleitung von WWF. Der Dialog mit WWF wurde durch einen vorausgegangenen Video-Schlagabtausch zwischen WWF und Bayer.

Die Themenplattform “Hier sind die Fakten” wurde von Bayer ins Leben gerufen. Hier werden Fragen rund um Glyphosat, Pflanzenschutz, Landwirtschaft und Gentechnik geklärt. User können hier Fragen an Bayer richten und Kritiker bekommen eine Plattform. Das sorgt für mehr Dialog und sollte Bayer zugute kommen. Wir sind dabei zweigeteilter Meinung.
Einerseits: Die Kommunikationsmaßnahmen von Bayer scheinen Früchte zu tragen. Die vorher emotionalisierte Debatte um Glyphosat ist mittlerweile stärker faktenbasiert und betrachtet Pro und Contra relativ ausgewogen.
Andererseits: von einer ausgewogenen Diskussion kann an vielen Stellen nicht geredet werden. Bayer kommuniziert stark von oben herab, wie wir im DRILLLINK vom 8. Juni bereits kritisierten.

 

III. Das DPRG Zukunftsforum 2018 – ein Camp für Werte

Am 28. und 29. Juni fand das vierte DPRG Zukunftsforum in Hamburg statt. Es ging verstärkt um Wertvorstellungen, deren Vermittlung und Weiterentwicklung – vor allem in der digitalen Transformation – und welche Rolle dabei Berufsverbände wie die DPRG spielen. Die Konferenz wurde als Barcamp angekündigt und sorgt damit für die richtige Menge an Dialog zwischen alten Hasen und jungen Talenten, Unternehmen und Agenturen oder auch Journalisten und Pressesprechern.

Christian Maertin ist Head of Corporate Communications bei Bayer und fordert die PR dazu auf, Transparenz im Sinne von ehrlicher, umfassender Information und einer Offenheit gegenüber anderen Ansichten zu verstehen. Die Glaubwürdigkeit einer Botschaft wird seiner Meinung nach durch das Schaffen von Dialog gefördert. Unternehmen brauchen unbedingt Werte. Wie genau diese Werte zu verstehen sind, wie sie kommuniziert werden und für welche Werte eine Organisation einstehen sollte, sind wichtige Fragen, die im Rahmen einer dialogbasierten Konferenz vorangebracht werden. Werte sollen dabei nicht nur leere Worte sein, sondern auch das Ableiten von Handlungsempfehlungen ermöglichen. Ein Unternehmen ohne auf Werte bezogene Positionierung wird in Zukunft immer schwieriger Vertrauen gewinnen können.

 

Krisenkommunikation – was muss ich da eigentlich können?

Foto aus dem Krisenkommunikations-Kurs mit Sebastian Riedel

Die Bewältigung von Krisen ist in der Unternehmenskommunikation eine große Herausforderung. Dies bedarf besonderer Kompetenzen. Manchmal sendet eine Krise Vorboten, manchmal ist sie vermeidbar und manchmal ist sie ad-hoc da. Mit dem Wissen und den Fähigkeiten, die eine gute Krisenkommunikation ausmachen, haben sich Studierende der Onlinekommunikation an der Hochschule Darmstadt in diesem Semester beschäftigt.

Die Krise als “Interruption des Normalzustandes” (so eine wissenschaftliche Definition) ist oft eine Bedrohung für ein Unternehmen. Sie kann sich negativ auf die Reputation, die Wahrnehmung bei den Stakeholdern und auch die Handlungsmöglichkeiten des Unternehmens auswirken. Die Angst vor einer Krise ist bei vielen Unternehmen sehr verbreitet. Aber warum ist das so? Liegt es an der mangelnden Erfahrung mit Krisen oder fehlt es ihnen an Schulungen im Umgang mit Krisen?

Wir üben uns als Krisenkommunikatoren

In der Krise die Kommunikation zu übernehmen, ist eine herausfordernde Aufgabe, der wir uns in diesem Semester gestellt haben. Wir wollten die Rolle des Krisenkommunikators erleben und lernen wie man eine Krise erfolgreich bewältigen kann. Aus diesem Grund haben wir in unserem Kurs eine Krisensimulation unter der Anleitung von Sebastian Riedel, unter anderem Krisentrainer bei der Frankfurter Agentur Klenk & Hoursch, durchgeführt. Zuvor hatten wir ein Semester lang die Grundlagen der Krisenkommunikation erlernt – angefangen von wissenschaftlichen Studien und Ansätzen bis hin zu konkreten Strategien und Werkzeugen.

Es folgte die Krisensimulation: „Am Freitag um 9:00 Uhr ist Krise!“ Wenn das im echten Unternehmensalltag nur immer so vorhersehbar und planbar wäre. Aber wie bereiten wir uns vor? Das Szenario war unbekannt. Bekannt war aber das prototypische Unternehmen, das die Krise treffen würde. Also auf alle Eventualitäten vorbereiten. Zu Beginn der Krise waren wir natürlich bestens vorbereitet und hatten vorgeschriebene Holdingstatements, Pressemitteilungen und vieles mehr in der Hinterhand.

Tweet von @happydrinks am 8. Juni 2018 um 10:49 Uhr.
Tweet von @happydrinks am 8. Juni 2018 um 10:49 Uhr.

Als die ersten Tweets auf unserem Medientrainer erschienen und die ersten kritischen Anrufe eingingen, wurden wir dann doch ziemlich nervös. Wir haben festgestellt, dass uns das Tempo und die Multimedialität doch sehr unter Druck gesetzt haben. Wir mussten in unserer Simulation Social Media, das Intranet, Journalistenanfragen und Mitarbeiterrückfragen bedienen. Ganz wie im echten Leben, zum Glück allerdings war unsere erste Krise auf nur zwei Stunden begrenzt. Am Ende waren wir alle glücklich und erschöpft. Krise erfolgreich abgewendet.

Im Anschluss an die Krise hatte ich Blut geleckt und wollten mehr wissen. Neben dem theoretischen Wissen über Krisenmanagement interessierte mich besonders die Rolle des Krisenkommunikators in einer Krise – also meine potentielle Rolle. Mit Sebastian Riedel hatten wir einen erfahrenen Krisenkommunikator an unserer Seite, der regelmäßig Krisentrainings, u.a. am Frankfurter Flughafen, durchführt. Im Verlauf des Semesters hat er uns immer wieder spannende Einblicke in seinen Arbeitsalltag gewährt. Meine eigene erste Erfahrung durch die Krisensimulation und ein Gespräch mit Sebastian Riedel helfen, meine Fragen nach der Rolle und den Kompetenzen von Krisen-Profis zu beantworten.

Was macht gute Krisenkommunikation aus?

In der Simulation und dem Gespräch mit Sebastian Riedel wurde mir deutlich, dass besonders die Ruhe, Vorbereitung und das Handeln mit Bedacht Pfeiler für eine erfolgreiche Krisenkommunikation sind. Überschnelle Handlungen und Stress führen zu unpräzisen und eventuell sogar voreiligen Äußerungen. Besonders in der Krise ist es wichtig, das Informationsbedürfnis der Stakeholder zu stillen, dabei aber immer die Fakten im Auge zu behalten und keine falschen Versprechungen zu machen. Und: “Es gibt immer eine Person im Team, die hysterisch wird, darauf muss man vorbereitet sein und damit umgehen können”, sagt Sebastian. Ruhe und Besonnenheit helfe da.

Die Instrumente eines Krisenkommunikators zur Bewältigung einer Krise

Während unserer Krisensimulation habe ich gemerkt, dass mir besonders die ausführliche Vorbereitung sehr geholfen hat, Ruhe zu bewahren. Die zahlreichen Dokumente, die wir im Vorfeld vorbereitet hatten, haben mir Sicherheit gegeben. Ein wichtiger Tipp von Sebastian Riedel dazu: “Ein zentraler Ablageplatz aller Dokumente und eine klare Versionierung sind essentiell. Dies erleichtere die Kommunikation und verringere den Druck aufgrund der Geschwindigkeit.” Diese Erfahrung haben auch wir während der Simulation gemacht. Die gemeinsame Plattform hat den Medienaustausch enorm vereinfacht und damit auch unsere Reaktionsgeschwindigkeit erhöht.

Riedel ergänzt, dass heutzutage nichts mehr ohne Monitoring gehe. Die Schnelllebigkeit erfordere ein konsequentes Social-Media- und Medien-Monitoring. “Aber nicht jede Krise ist sichtbar, manche entwickeln sich langsam –  manchmal kommt man in das Büro und hat ein Issue auf dem Tisch”. Damit müsse man rechnen. Im Alltag helfe ein gutes Team im Rücken. Auch diese Erfahrung haben wir gemacht. Sebastian Riedel erklärt, dass man sich auf das Team verlassen können muss in der Krise. Denn unangemessene Statements können auf die Kollegen zurückfallen. Um dies zu verhindern, würden unter anderem regelmäßig Medientrainings durchgeführt.

In diesem Zusammenhang habe ich mich gefragt, wie ich mich selber fortbilden kann. Dazu empfiehlt Sebastian Riedel mir den Austausch mit anderen über Krisen, sei es im Gespräch oder in Foren. Besonders das Krisenmanagement der Münchner Polizei während des Amoklaufs 2016 sei ein sehr lehrreiches Beispiel.

Wie wahrt man persönliche Distanz?

Diese Frage hat mir unter den Nägeln gebrannt, nachdem Sebastian Riedel uns von seinen Erfahrungen mit Krisen, bei denen Menschen verunglückt sind, erzählt hat. Wie geht man damit um, zahlreichen Menschen den Verlust ihrer Angehörigen zu kommunizieren?

Er gesteht, dass er immer gedacht habe, er würde nie in solch eine Situation kommen. Als es dann doch so weit war, habe ihm das Gespräch mit seinen eigenen Angehörigen geholfen, die Geschehnisse zu verarbeiten. Er empfiehlt uns, sich bewusst zu machen, dass wir anderen Menschen in der Krise helfen und nicht Profit orientiert sind. So können wir das eigene Tun vor uns rechtfertigen und uns von der Situation distanzieren.

Für mich klingt das zwar logisch, aber trotzdem kompliziert. Das Themengebiet ist spannend und reizvoll, aber die Schattenseiten kann ich nicht so leicht ausblenden. Aus Sebastian Riedels Worten ziehe ich, dass man mit der Erfahrung eine Gelassenheit entwickelt, aber trotzdem seine Menschlichkeit bewahren kann. Das beruhigt mich.

Der Reiz am Beruf des Krisenkommunikators

Abschließend hat mich natürlich noch interessiert, warum Sebastian Riedel gern in der Krisenkommunikation arbeitet. Bei einigen der vorherigen Fragen hat er erst etwas nachgedacht, bei dieser kam die Antwort wie aus der Pistole geschossen: “Mich reizt die Herausforderung, die Vielfältigkeit durch viele verschiedene Aufgaben und Themengebiete und die Menschlichkeit, die immer wieder mit rein spielt. Krisenkommunikation ist immer spannend!”

Tl:dr

Studierende der Onlinekommunikation an der Hochschule Darmstadt haben in einem Kurs eine Krisensimulation durchgeführt. Dabei haben sie sowohl die Vorbereitung, als auch die Simulation durchgeführt. Sebastian Riedel, Krisenkommunikator bei Klenk & Hoursch, hat sie dabei betreut und im Anschluss unsere Fragen zum Berufsbild des Krisenkommunikators beantwortet.

Uploadfilter, IGTV und PR als Sündenbock: Diese Woche im DRILLLINK

 

Nach einer Pause – #cosca18-bedingt – startet der DRILLLINK diese Woche bunt gemischt. Wir kommentieren die Urheberrechtsreform durch die EU, stellen die neue Instagram-Funktion IGTV vor und beschäftigen uns mit der Wahrnehmung von PR in der Öffentlichkeit.

I. Kommen Leistungsschutzrecht und Uploadfilter? -Das Ende der Netzfreiheit?!

Der Rechtsausschuss des EU-Parlaments hat sich am Mittwoch für die Einführung von Uploadfiltern und eines Leistungsschutzrechts für Presseverlage ausgesprochen. Im Juli wird darüber entschieden, ob das Parlament über die beiden Artikel 11 und 13 mit den EU-Staaten verhandelt. Diese beiden Artikel stehen stark in der Kritik. Viele Kritiker fürchten eine weitgehende Netzüberwachung und Zensur. Jegliche Form der Aktivität im Internet würde durch eine ständige Kontrolle der Inhalte beeinträchtigt werden.

Eigentum ist generell schützenswert. Und deshalb finden wir den Grundgedanken hinter den Gesetzesentwürfen erst einmal gut. Es sollen die Verlage und Urheber geschützt werden. Die wirkliche Tragweite der Gesetze scheint noch recht ungewiss. Generell ist jegliche Einschränkung von journalistischer Arbeit oder der Meinungsfreiheit zu kritisieren. Die Urheberrechtsreform würde eine unverhältnismäßige Kontrolle bewirken. Aus diesem Grund haben im Netz unter anderem Youtuber dazu aufgerufen, die Uploadfilter mit Petitionen zu verhindern. Auch die deutsche Politikerin der Piratenpartei Julia Reda, Mitglied des europäischen Parlaments, macht auf ihrer Website die Nachteile des Leistungsschutzrechts deutlich. Wir denken, dass das Gesetz kritisch betrachtet werden muss, aber die Grundidee nicht grundsätzlich verwerflich ist.

 

II. IGTV – das neue “Fernsehen” für die Generation Y und Z auf Instagram?

Instagram bietet ein neues Feature: IGTV. Damit steigt das Unternehmen auch in das Business von Youtube, Netflix und Co ein. Es ist in Anlehnung an das klassische Fernsehen entwickelt. Das neu gelaunchte IGTV gibt es nicht nur integriert, sondern auch extern in einer eigenständigen App. Aber was kann dieses IGTV? Die wichtigsten Fakten: Videos können bis zu 60 Minuten Länge haben, passen sich mit ihrem Hochkantformat an die Gewohnheiten der mobilen Nutzer an und starten wie beim klassischen Fernseher direkt nach dem Öffnen der App. Wie man es von sozialen Netzwerken gewohnt ist, lässt auch diese App eine Interaktion mit den Inhalten zu.

Wir finden das neue Feature interessant. Bei YouTube funktionieren die Inhalte gut. Auch die Instagram-Stories sind mittlerweile nicht mehr wegzudenkender Bestandteil. Es stellt sich natürlich die Frage, ob sich nun alle Contentproduktionen immer mehr auf eine Plattform verlagern werden. Wird IGTV Youtube langfristig ablösen können? Wir vermuten nicht, da Youtube eine so etablierte Plattform ist. Aber diese neue Funktion wird sicherlich einen Veränderung mit sich bringen, die besonders Plattformen wie Youtube spüren werden. Wie gut das Hochkantformat wirklich bei längeren Videos akzeptiert wird, ist abzuwarten – die Content-Produktion über Plattformen hinweg wird hierdurch vermutlich zur Herausforderung. Dennoch: Eine erfrischende Entwicklung. Wir freuen uns auf die kommenden Inhalte.

 

III. Die PR muss als Sündenbock für alles herhalten – Ein Kommentar

PR-Gau, PR-Desaster, PR als Fußabtreter – immer wenn etwas schief läuft, wird die PR dafür verantwortlich gemacht, so die These von Frank Zimmermann, Inhaber der Agentur für Kommunikationsberatung FCZ PR. Er kritisiert die Wahrnehmung und Darstellung von PR-Beratern in der Öffentlichkeit. Das Selbstverständnis der PR-Berater entspreche dieser Darstellung nicht. Gute PR-Berater würden für ihre seriösen Informationen geschätzt. Er appelliert daran sich der generellen Verpflichtung der PR-Branche bewusst zu werden und nicht jeden Fauxpax als PR-Fail zu deklarieren.

Der lesenswerte Kommentar lässt uns als anstrebende Kommunikatoren in der PR innehalten. Wir lernen stetig in der Hochschule, uns der Wahrheit zu verpflichten und transparent zu kommunizieren. Es ist bedauerlich, dass unsere Darstellung in der Öffentlichkeit nicht immer unserem Berufs-Ethos entspricht, aber auch nicht verwunderlich. Denn es gibt nicht immer nur Sympathisanten. Die Wahrnehmung der Öffentlichkeit kann nur durch Handlungen, die dem eigenen Selbstverständnis entsprechen, verändert werden. Anders können wir nicht gegen eine Etikettierung der Branche von außen angehen.

 

 

Krisenkommunikation – was muss ich da eigentlich können?

Foto aus dem Krisenkommunikations-Kurs mit Sebastian Riedel

Die Bewältigung von Krisen ist in der Unternehmenskommunikation eine große Herausforderung. Dies bedarf besonderer Kompetenzen. Manchmal sendet eine Krise Vorboten, manchmal ist sie vermeidbar und manchmal ist sie ad-hoc da. Mit dem Wissen und den Fähigkeiten, die eine gute Krisenkommunikation ausmachen, haben sich Studierende der Onlinekommunikation an der Hochschule Darmstadt in diesem Semester beschäftigt.

Die Krise als “Interruption des Normalzustandes” (so eine wissenschaftliche Definition) ist oft eine Bedrohung für ein Unternehmen. Sie kann sich negativ auf die Reputation, die Wahrnehmung bei den Stakeholdern und auch die Handlungsmöglichkeiten des Unternehmens auswirken. Die Angst vor einer Krise ist bei vielen Unternehmen sehr verbreitet. Aber warum ist das so? Liegt es an der mangelnden Erfahrung mit Krisen oder fehlt es ihnen an Schulungen im Umgang mit Krisen?

Wir üben uns als Krisenkommunikatoren

In der Krise die Kommunikation zu übernehmen, ist eine herausfordernde Aufgabe, der wir uns in diesem Semester gestellt haben. Wir wollten die Rolle des Krisenkommunikators erleben und lernen wie man eine Krise erfolgreich bewältigen kann. Aus diesem Grund haben wir in unserem Kurs eine Krisensimulation unter der Anleitung von Sebastian Riedel, unter anderem Krisentrainer bei der Frankfurter Agentur Klenk & Hoursch, durchgeführt. Zuvor hatten wir ein Semester lang die Grundlagen der Krisenkommunikation erlernt – angefangen von wissenschaftlichen Studien und Ansätzen bis hin zu konkreten Strategien und Werkzeugen.

Es folgte die Krisensimulation: „Am Freitag um 9:00 Uhr ist Krise!“ Wenn das im echten Unternehmensalltag nur immer so vorhersehbar und planbar wäre. Aber wie bereiten wir uns vor? Das Szenario war unbekannt. Bekannt war aber das prototypische Unternehmen, das die Krise treffen würde. Also auf alle Eventualitäten vorbereiten. Zu Beginn der Krise waren wir natürlich bestens vorbereitet und hatten vorgeschriebene Holdingstatements, Pressemitteilungen und vieles mehr in der Hinterhand.

Tweet von @happydrinks am 8. Juni 2018 um 10:49 Uhr.
Tweet von @happydrinks am 8. Juni 2018 um 10:49 Uhr.

Als die ersten Tweets auf unserem Medientrainer erschienen und die ersten kritischen Anrufe eingingen, wurden wir dann doch ziemlich nervös. Wir haben festgestellt, dass uns das Tempo und die Multimedialität doch sehr unter Druck gesetzt haben. Wir mussten in unserer Simulation Social Media, das Intranet, Journalistenanfragen und Mitarbeiterrückfragen bedienen. Ganz wie im echten Leben, zum Glück allerdings war unsere erste Krise auf nur zwei Stunden begrenzt. Am Ende waren wir alle glücklich und erschöpft. Krise erfolgreich abgewendet.

Im Anschluss an die Krise hatte ich Blut geleckt und wollten mehr wissen. Neben dem theoretischen Wissen über Krisenmanagement interessierte mich besonders die Rolle des Krisenkommunikators in einer Krise – also meine potentielle Rolle. Mit Sebastian Riedel hatten wir einen erfahrenen Krisenkommunikator an unserer Seite, der regelmäßig Krisentrainings, u.a. am Frankfurter Flughafen, durchführt. Im Verlauf des Semesters hat er uns immer wieder spannende Einblicke in seinen Arbeitsalltag gewährt. Meine eigene erste Erfahrung durch die Krisensimulation und ein Gespräch mit Sebastian Riedel helfen, meine Fragen nach der Rolle und den Kompetenzen von Krisen-Profis zu beantworten.

Was macht gute Krisenkommunikation aus?

In der Simulation und dem Gespräch mit Sebastian Riedel wurde mir deutlich, dass besonders die Ruhe, Vorbereitung und das Handeln mit Bedacht Pfeiler für eine erfolgreiche Krisenkommunikation sind. Überschnelle Handlungen und Stress führen zu unpräzisen und eventuell sogar voreiligen Äußerungen. Besonders in der Krise ist es wichtig, das Informationsbedürfnis der Stakeholder zu stillen, dabei aber immer die Fakten im Auge zu behalten und keine falschen Versprechungen zu machen. Und: “Es gibt immer eine Person im Team, die hysterisch wird, darauf muss man vorbereitet sein und damit umgehen können”, sagt Sebastian. Ruhe und Besonnenheit helfe da.

Die Instrumente eines Krisenkommunikators zur Bewältigung einer Krise

Während unserer Krisensimulation habe ich gemerkt, dass mir besonders die ausführliche Vorbereitung sehr geholfen hat, Ruhe zu bewahren. Die zahlreichen Dokumente, die wir im Vorfeld vorbereitet hatten, haben mir Sicherheit gegeben. Ein wichtiger Tipp von Sebastian Riedel dazu: “Ein zentraler Ablageplatz aller Dokumente und eine klare Versionierung sind essentiell. Dies erleichtere die Kommunikation und verringere den Druck aufgrund der Geschwindigkeit.” Diese Erfahrung haben auch wir während der Simulation gemacht. Die gemeinsame Plattform hat den Medienaustausch enorm vereinfacht und damit auch unsere Reaktionsgeschwindigkeit erhöht.

Riedel ergänzt, dass heutzutage nichts mehr ohne Monitoring gehe. Die Schnelllebigkeit erfordere ein konsequentes Social-Media- und Medien-Monitoring. “Aber nicht jede Krise ist sichtbar, manche entwickeln sich langsam –  manchmal kommt man in das Büro und hat ein Issue auf dem Tisch”. Damit müsse man rechnen. Im Alltag helfe ein gutes Team im Rücken. Auch diese Erfahrung haben wir gemacht. Sebastian Riedel erklärt, dass man sich auf das Team verlassen können muss in der Krise. Denn unangemessene Statements können auf die Kollegen zurückfallen. Um dies zu verhindern, würden unter anderem regelmäßig Medientrainings durchgeführt.

In diesem Zusammenhang habe ich mich gefragt, wie ich mich selber fortbilden kann. Dazu empfiehlt Sebastian Riedel mir den Austausch mit anderen über Krisen, sei es im Gespräch oder in Foren. Besonders das Krisenmanagement der Münchner Polizei während des Amoklaufs 2016 sei ein sehr lehrreiches Beispiel.

Wie wahrt man persönliche Distanz?

Diese Frage hat mir unter den Nägeln gebrannt, nachdem Sebastian Riedel uns von seinen Erfahrungen mit Krisen, bei denen Menschen verunglückt sind, erzählt hat. Wie geht man damit um, zahlreichen Menschen den Verlust ihrer Angehörigen zu kommunizieren?

Er gesteht, dass er immer gedacht habe, er würde nie in solch eine Situation kommen. Als es dann doch so weit war, habe ihm das Gespräch mit seinen eigenen Angehörigen geholfen, die Geschehnisse zu verarbeiten. Er empfiehlt uns, sich bewusst zu machen, dass wir anderen Menschen in der Krise helfen und nicht Profit orientiert sind. So können wir das eigene Tun vor uns rechtfertigen und uns von der Situation distanzieren.

Für mich klingt das zwar logisch, aber trotzdem kompliziert. Das Themengebiet ist spannend und reizvoll, aber die Schattenseiten kann ich nicht so leicht ausblenden. Aus Sebastian Riedels Worten ziehe ich, dass man mit der Erfahrung eine Gelassenheit entwickelt, aber trotzdem seine Menschlichkeit bewahren kann. Das beruhigt mich.

Der Reiz am Beruf des Krisenkommunikators

Abschließend hat mich natürlich noch interessiert, warum Sebastian Riedel gern in der Krisenkommunikation arbeitet. Bei einigen der vorherigen Fragen hat er erst etwas nachgedacht, bei dieser kam die Antwort wie aus der Pistole geschossen: “Mich reizt die Herausforderung, die Vielfältigkeit durch viele verschiedene Aufgaben und Themengebiete und die Menschlichkeit, die immer wieder mit rein spielt. Krisenkommunikation ist immer spannend!”

Tl:dr

Studierende der Onlinekommunikation an der Hochschule Darmstadt haben in einem Kurs eine Krisensimulation durchgeführt. Dabei haben sie sowohl die Vorbereitung, als auch die Simulation durchgeführt. Sebastian Riedel, Krisenkommunikator bei Klenk & Hoursch, hat sie dabei betreut und im Anschluss unsere Fragen zum Berufsbild des Krisenkommunikators beantwortet.

Uploadfilter, IGTV und PR als Sündenbock: Diese Woche im DRILLLINK

 

Nach einer Pause – #cosca18-bedingt – startet der DRILLLINK diese Woche bunt gemischt. Wir kommentieren die Urheberrechtsreform durch die EU, stellen die neue Instagram-Funktion IGTV vor und beschäftigen uns mit der Wahrnehmung von PR in der Öffentlichkeit.

I. Kommen Leistungsschutzrecht und Uploadfilter? -Das Ende der Netzfreiheit?!

Der Rechtsausschuss des EU-Parlaments hat sich am Mittwoch für die Einführung von Uploadfiltern und eines Leistungsschutzrechts für Presseverlage ausgesprochen. Im Juli wird darüber entschieden, ob das Parlament über die beiden Artikel 11 und 13 mit den EU-Staaten verhandelt. Diese beiden Artikel stehen stark in der Kritik. Viele Kritiker fürchten eine weitgehende Netzüberwachung und Zensur. Jegliche Form der Aktivität im Internet würde durch eine ständige Kontrolle der Inhalte beeinträchtigt werden.

Eigentum ist generell schützenswert. Und deshalb finden wir den Grundgedanken hinter den Gesetzesentwürfen erst einmal gut. Es sollen die Verlage und Urheber geschützt werden. Die wirkliche Tragweite der Gesetze scheint noch recht ungewiss. Generell ist jegliche Einschränkung von journalistischer Arbeit oder der Meinungsfreiheit zu kritisieren. Die Urheberrechtsreform würde eine unverhältnismäßige Kontrolle bewirken. Aus diesem Grund haben im Netz unter anderem Youtuber dazu aufgerufen, die Uploadfilter mit Petitionen zu verhindern. Auch die deutsche Politikerin der Piratenpartei Julia Reda, Mitglied des europäischen Parlaments, macht auf ihrer Website die Nachteile des Leistungsschutzrechts deutlich. Wir denken, dass das Gesetz kritisch betrachtet werden muss, aber die Grundidee nicht grundsätzlich verwerflich ist.

 

II. IGTV – das neue “Fernsehen” für die Generation Y und Z auf Instagram?

Instagram bietet ein neues Feature: IGTV. Damit steigt das Unternehmen auch in das Business von Youtube, Netflix und Co ein. Es ist in Anlehnung an das klassische Fernsehen entwickelt. Das neu gelaunchte IGTV gibt es nicht nur integriert, sondern auch extern in einer eigenständigen App. Aber was kann dieses IGTV? Die wichtigsten Fakten: Videos können bis zu 60 Minuten Länge haben, passen sich mit ihrem Hochkantformat an die Gewohnheiten der mobilen Nutzer an und starten wie beim klassischen Fernseher direkt nach dem Öffnen der App. Wie man es von sozialen Netzwerken gewohnt ist, lässt auch diese App eine Interaktion mit den Inhalten zu.

Wir finden das neue Feature interessant. Bei YouTube funktionieren die Inhalte gut. Auch die Instagram-Stories sind mittlerweile nicht mehr wegzudenkender Bestandteil. Es stellt sich natürlich die Frage, ob sich nun alle Contentproduktionen immer mehr auf eine Plattform verlagern werden. Wird IGTV Youtube langfristig ablösen können? Wir vermuten nicht, da Youtube eine so etablierte Plattform ist. Aber diese neue Funktion wird sicherlich einen Veränderung mit sich bringen, die besonders Plattformen wie Youtube spüren werden. Wie gut das Hochkantformat wirklich bei längeren Videos akzeptiert wird, ist abzuwarten – die Content-Produktion über Plattformen hinweg wird hierdurch vermutlich zur Herausforderung. Dennoch: Eine erfrischende Entwicklung. Wir freuen uns auf die kommenden Inhalte.

 

III. Die PR muss als Sündenbock für alles herhalten – Ein Kommentar

PR-Gau, PR-Desaster, PR als Fußabtreter – immer wenn etwas schief läuft, wird die PR dafür verantwortlich gemacht, so die These von Frank Zimmermann, Inhaber der Agentur für Kommunikationsberatung FCZ PR. Er kritisiert die Wahrnehmung und Darstellung von PR-Beratern in der Öffentlichkeit. Das Selbstverständnis der PR-Berater entspreche dieser Darstellung nicht. Gute PR-Berater würden für ihre seriösen Informationen geschätzt. Er appelliert daran sich der generellen Verpflichtung der PR-Branche bewusst zu werden und nicht jeden Fauxpax als PR-Fail zu deklarieren.

Der lesenswerte Kommentar lässt uns als anstrebende Kommunikatoren in der PR innehalten. Wir lernen stetig in der Hochschule, uns der Wahrheit zu verpflichten und transparent zu kommunizieren. Es ist bedauerlich, dass unsere Darstellung in der Öffentlichkeit nicht immer unserem Berufs-Ethos entspricht, aber auch nicht verwunderlich. Denn es gibt nicht immer nur Sympathisanten. Die Wahrnehmung der Öffentlichkeit kann nur durch Handlungen, die dem eigenen Selbstverständnis entsprechen, verändert werden. Anders können wir nicht gegen eine Etikettierung der Branche von außen angehen.

 

 

#cosca18: So war das Content Strategy Camp 2018

Foto vom Das Content Strategy Camp 2018
#cosca18: Das Content Strategy Camp 2018

Das sechste Content Strategy Camp in Dieburg. 49 Sessions in zwei Tagen. Fundamentale Twitter-Diskussionen unter #cosca18.

Die PR-Fundsachen-Redaktion war rund um die Uhr live dabei. Wir berichteten nicht nur aus den Sessions, sondern versorgten auch alle Dieburg-Neulinge mit Service-Tweets, die ihnen z. B. die Parkplatzsuche erleichterten. Zum Auftakt des #cosca18 konnten wir bereits mit Barcamp-Newbies und alten Hasen sprechen und einfangen, was sie für beide Tage erwarten.

Unser Content an beiden #cosca18-Tagen für die mehr als 200 Besucher: 156 Tweets mit mehr als 44.640 organischen Impressionen. Ganz besonders gefreut hat es uns, dass die kleinen Video-Interviews so gut angekommen sind. So konnten wir für viele Themen noch kleine zusätzliche Zusammenfassungen liefern. Und damit sogar noch knapp 70 weitere Follower auf Twitter von unserem Format überzeugen. Unser Content scheint also zumindest schon mal ganz gut angekommen zu sein. Generell war die Twitter-Performance aller TeilgeberInnen natürlich überwältigend.

Viel gelernt haben wir dabei nicht nur in Sachen Live-Kommunikation: Jeder von uns hat aus den besuchten (und sogar aus den nicht-besuchten!) Sessions wichtige Erkenntnisse, neue Ansichten oder inspirierende Eindrücke bekommen. Inhaltlich hatte das #cosca18 dabei Einiges zu bieten – 49 Sessions und 24 davon mit “Content” im Namen. Die Bandbreite war aber noch viel größer: Social Media, visuelle Kommunikation und SEO waren unter anderem auch dabei. Kann man da überhaupt einzelne Highlights herausstellen? Wir probieren es.

Die Top-Sessions der PR-Fundsachen-Redaktion

Foto aus einer Session beim Content Strategy Camp 2018
Aus einer Session beim Content Strategy Camp 2018

Sven Wielandt: Mir persönlich hat die Session “Stirbt Social Media? – 5 Thesen” (hier geht’s zu den Slides) von Stefan und Katja besonders gefallen. Die Frage, ob Social Media stirbt, lässt sich nach der Diskussion eher mit “ja” beantworten. Allerdings hat sich im Verlauf auch herauskristallisiert, dass es in den Händen der Social Media Betreiber liegt. Es gilt, den richtigen Mittelweg zwischen Werbeplattform und sozialem Medium zu finden. User sollten die groben Stellschrauben des Anzeige-Algorithmus so personalisiert wie nur möglich stellen können. Anstatt den Tod durch eine der fünf Thesen dann wohl doch lieber “Leben durch die Selbstbestimmung der User”.

Screenshot vom Tweet von @ebru_sen82 am 15.06.18 um 15 Uhr.
Tweet von @ebru_sen82 am 15. Juni 2018 um 15:00 Uhr.

Annkathrin Clemens: Puhhh! Eine Top-Session ist schwierig zu bestimmen. Mitnehmen konnte man aus jeder Session etwas. Methodisch hat mir aber die Session unserer Kommilitonen Juri, Christopher und Aaron sehr gut gefallen. Der Ansatz, die eigene Hashtag-Studie interaktiv in Gruppenarbeit überprüfen zu lassen und sich so zahlreiche Expertenstimmen einzuholen, hat mir gefallen. Die Jungs konnten viel mitnehmen und auch die Besucher haben von den Erkenntnissen zu Hashtags profitiert.

Screenshot vom Tweet von @JulianeBenad am 15.06.18 um 12:38 Uhr.
Tweet von @JulianeBenad am 15. Juni 2018 um 12:38 Uhr.

Lea Matusiak: In der Session von Kai ging es darum, wie mit Storytelling die digitale Transformation gestaltet werden kann. Er machte klar: Strategischer Content hängt von den verfügbaren Fähigkeiten innerhalb eines Unternehmens ab. Kai zielte auch darauf ab, dass sich jede Generation mit ihrer eigenen Sozialisation einbringen kann. Mitgenommen habe ich auch, dass Mitarbeiter mit einer geringer Motivation erst einmal vom persönlichen Nutzen konkreter digitaler Lösungen überzeugt werden müssen.

Screenshot vom Tweet von @AAnAndAndrAndre am 16.06.18 um 14:44 Uhr.
Tweet von @AAnAndAndrAndre am 16. Juni 2018 um 14:44 Uhr.

Tim Bartelsen: Meine Top-Session habe ich erst ziemlich zum Schluss gefunden: Wie kann man wissenschaftliche Denkweisen zur Entwicklung von Content-Strategien einsetzen? Fazit: Gerade komplexe Themen kann man sich mit wissenschaftlichen Methoden (intern) gut zugänglich machen. Für Kunden oder die Öffentlichkeit ist das aber vielleicht ein bisschen zu sehr auf der Meta-Ebene – vor allem wenn es um Consumer-Produkte geht. Die Methode muss eben zum Ziel passen.

Screenshot vom Tweet von @PRFundsachen am 16.06.18 um 13:53 Uhr.
Tweet von @PRFundsachen am 16. Juni 2018 um 13:53 Uhr.

Neben zahlreichen Sessions gab es auch zwei unterstützenswerte soziale Projekte. Einmal die “Digital Libaries in Malawi”, die Schulen und Lehrer in Malawi mit digitalen Lexika unterstützt. Es konnten fast 900 € gesammelt werden. Wir finden: Eine super Leistung!

Für die Initiative “Kreative gegen Krebs” von GWA und krebsuzette ließen darüber hinaus außerdem noch viele Teilgeber*innen einen Wangenabstrich da. Die Stammzellenregister wachsen damit weiter und weiter.

Screenshot vom Tweet von @BendlerBlogger am 15.06.18 um 8:58 Uhr.
Tweet von @BendlerBlogger am 15. Juni 2018 um 8:58 Uhr.

Wir vier PR-Fundsachen-Redakteure hatten zwei wirklich aufregende und interessante Tage. Diese haben wir an Tag eins und Tag zwei jeweils mit einem Abschlussvideo resümiert.

Wir freuen uns jetzt schon auf das #cosca19!

tl;dr

Das sechste Content Strategy Camp fand 2018 natürlich in Dieburg statt. Die PR-Fundsachen-Redaktion berichtete über 49 Sessions in zwei Tagen und alle fundamentalen Twitter-Diskussionen unter #cosca18. Wir vier Redakteure fassen unsere Top-Sessions auf und beschreiben, was das #cosca18 dieses Jahr besonders gemacht hat.

Die Redaktion der PR-Fundsachen auf dem #cosca18

Es ist wieder soweit: am kommenden Wochenende wird unser Mediencampus in Dieburg zum 6. Mal Gastgeber für das Content Strategy Camp. Mit rund 200 Teilnehmern aus Deutschland, Österreich und der Schweiz ist das CosCa ein zentrales Barcamp rund um das Thema Content. Die TeilnehmerInnen erwarten spannende Sessions rund um aktuelle Entwicklungen im Bereich Content Strategie, Content Marketing, Unternehmenskommunikation, Webdesign, User Experience und Informationsarchitektur.

Für alle, die diesmal nicht vor Ort dabei sein können, werden wir live vom Cosca berichten. Damit niemand etwas verpassen muss, werden wir euch aus ausgewählten Sessions mit den jeweiligen Highlights versorgen. Da die Kommunikation über Twitter während dem Cosca immer sehr populär ist – letztes Jahr gab es über 4000 Interaktionen – werden auch wir uns wieder auf die Berichterstattung über den Microblog konzentrieren. Verfolgt dafür ab Freitag morgen unseren Twitter-Kanal @PR-Fundsachen. Dieses Jahr sind wir mit nur vier Studierenden ein recht kleines Team, viel ausprobieren wollen wir trotzdem: so haben wir uns vorgenommen, kurze Videointerviews mit Teilnehmern hochzuladen. Außerdem werden wir an beiden Tagen nach den Sessions das Gehörte in einem Livestream diskutieren. Dabei binden wir auch euch als Zuschauer mit ein: gerne könnt ihr euch mit eigenen Fragen in die Diskussion im Stream einklinken.

Wir freuen uns auf viel Input und interessante Denkanstöße beim #cosca18 – und wir planen das ein oder andere Thema in einem Artikel im Blog erneut aufzugreifen.

Da wir viel vorhaben und das Wochenende ganz im Zeichen des Cosca steht, pausiert der DRILLLINK am Freitag. Ihr seht: es gibt viel zu tun. Daher suchen wir immer nach helfenden Händen. Zum Beispiel als Unterstützung beim Twittern aus den Sessions oder bei der Entwicklung von Video- und Bildmaterial. Falls uns dabei kurzfristig noch jemand unterstützen möchte: Meldet euch bei uns, gerne einfach über Twitter an @PR-Fundsachen!

 

Drohnen, NGOs und Angriff: Diese Woche im DRILLLINK

I. Google und die Drohnen

Erst vor kurzem startete Google zusammen mit dem Pentagon das umstrittene Militärprojekt „Maven“. Während mit „Maven“ künstliche Intelligenz für den Drohnenkrieg entwickelt werden soll, wurde fast zeitgleich der Slogan „Don’t be evil“ aus dem firmeninternen Verhaltenskodex gestrichen. Der einstige Weltverbessererkonzern schien sich langsam aber sicher auf die dunkle Seite der Macht zu schlagen, das Ansehen schwand.

Prompt kündigten zwölf Mitarbeiter aus Protest und 4000 Mitarbeiter unterschrieben eine Petition gegen die Zusammenarbeit mit dem Pentagon. Das schien Google nicht weiter ignorieren zu können. Der radikale Richtungswechsel: das umstrittene Projekt wurde als Reaktion auf die Petition aus dem eigenen Haus gestoppt und der Vertrag mit dem Pentagon über 2019 hinaus nicht verlängert.

So sehr uns der gelungene Protest gegen die militärische Nutzung von Algorithmen und KI freut: es überrascht doch sehr, dass ein milliardenschwerer Konzern wie Google einer Petition derart eindeutig folgt. Dass ein paar Mitarbeiter als letzte moralische Instanz den kompletten Konzern nun so einfach zurück auf die helle, zivile Seite der Macht führt, erscheint unwahrscheinlich. Ob Google seinen Standpunkt im Bezug auf die Angelegenheit tatsächlich überdacht hat, bleibt fraglich. Viel mehr hat wohl die negative Presse über das Drohnenprojekt, den Protest dagegen und der damit verbundene Imageschaden Google dazu bewegt die eigene vermeintlich weiße Weste im letzten Moment doch noch zu wahren.

Einerseits: Durch die Planung des Projekts büßte Google massiv an Ansehen ein. Der spontane Kurswechsel macht die Ereignisse nicht ungeschehen im Gedächtnis der Öffentlichkeit . Es bleibt offen wie stark sich die Angelegenheit noch auf das Image des Konzerns auswirken wird.
Andererseits: einen unangefochtenen Monopolisten wie Google scheint das bisschen Drohnen-Shitstorm kalt zu lassen.

 

II. Good NGO – Bad NGO?

Vor der allzu wohlwollenden Berichterstattung über NGOs durch Journalisten warnte Sebastian Frevel aktuell auf kress.de.
Inwieweit NGOs zu viel Spielraum in den Medien bekommen, wird auch auf Twitter unter dem Hashtag #NGODebatte diskutiert. In Frage gestellt wird dabei inwieweit NGOs mit ihrem Handeln tatsächlich das Wohl der Gesellschaft fördern.

Grundsätzlich ist absolut richtig: NGOs erscheinen in der Öffentlichkeit meist auf der Seite der „Guten“ zu stehen. Trotzdem ist auch deren Kommunikationsarbeit durch die eigene Agenda bestimmt. Was dort hineinpasst wird kommuniziert und genutzt, was nicht fällt unter den Tisch. Dabei gibt es sicher auch immer wieder kritische Maßnahmen seitens der NGOs. Berichte über Abmahnwellen sind da ein gutes Beispiel.
Das zeigt deutlich: auch NGOs sollten wie jede andere Organisation innerhalb der Gesellschaft kritisch betrachtet werden.
Diese korrekte, wie triviale Grundbotschaft macht auch der Artikel klar. Sich aber danach ausschließlich auf die bösen NGOs zu konzentrieren, wirkt ein wenig einseitig und wird einer solch komplexen Situation nicht gerecht. Weshalb hier eine – Zitat – “Warnung” explizit vor NGOs an Journalisten nötig ist, erschließt sich uns nicht ganz.

Die Bedingungen im gesellschaftlichen Diskurs sind für alle gleich, egal ob Organisation, Unternehmen oder Individuum: ohne Legitimation keine Handlungsfähigkeit. Selbstverständlich ist das Kommunizieren im Sinne der eigenen Agenda dabei unabdingbar. Davon können sich Unternehmen ebenso wenig lossagen wie NGOs.

Passend dazu bemerkt der Artikel: „Wenn Foodwatch eine Lebensmittel-Ampel fordert, ist nicht zu erwarten, dass sie auf ihrer Website darüber aufklären, was für und was gegen eine solche Ampel sprechen würde.“ Ganz richtig. Was aber verschwiegen wird: Ebenso wenig objektiv weißen Konzerne wie Coca Cola in ihrer öffentlichen Kommunikation darauf hin, was für und was gegen den Verzehr seiner Produkte spricht.
Weder von NGOs noch von Unternehmen ist also eine sonderlich objektive Berichterstattung zu erwarten. Dass die Ziele beider Parteien seriösen Journalisten bewusst ist, darf man doch wohl annehmen.

Man kann selbstverständlich der Meinung sein, dass Erwachsene genug Verstand besitzen, um die Gesundheitsrisiken von Cola zu kennen. Das macht die Aufklärung über derartige Probleme aber nicht weniger wichtig oder legitim.
Mit einer solchen „Warnung“ dann ausgerechnet auf jene zu zeigen die auf entsprechende Problematiken aufmerksam machen, ist fragwürdig.
Denn auch wenn die Parteien konträrer nicht sein könnten: im Endeffekt sitzen doch beide im selben Boot. Wenn auch auf den gegenüberliegenden Seiten. Gegenseitige Schuldzuweisungen führen dabei aber zu keinem Ergebnis.

 

III. Bayers Angriff

Auf den ersten Blick wirkt sie freundlich und offen, die Seite “hier-sind-die-fakten.de”, auf welcher der Konzern Bayer über Umweltprobleme diskutieren möchte. Es sollen nach eigenen Angaben „Meinungen, Sichtweisen und Fakten“ zusammenführen.
Präsentiert wird auf der Website unter anderem eine offene Diskussion mit der indischen Umweltaktivistin Vandana Shiva, welche seit Jahren gegen Konzerne wie Bayer kämpft.

Ein fader Beigeschmack – aus menschlich-ethischer sowie PR-technischer Sicht – ergibt sich trotzdem auf verschiedenen Ebenen während man die Diskussion liest:

Schon nach den ersten paar Zeilen ist klar: die „Diskussion“ ist von vornherein entschieden und wird zugunsten des vermeintlich fehlerfreien Bayer Konzerns ausgehen. Von der anfänglich auf der Startseite vorgetäuschten Offentheit und fairen Diskursbereitschaft ist dann nicht mehr viel übrig. Einzelne Argumente Shivas werden aufgegriffen und nacheinander mit Fakten untermauert widerlegt. Das einzige Ziel der Seite ist die „Gegnerin“ des Konzerns mundtot zu machen und ihr jegliche Glaubwürdigkeit abzusprechen. Unabhängig davon, wer hier Recht hat: Warum kommuniziert Bayer hier so angriffslustig, rechthaberisch und von oben herab? Der Konzern hat doch nach eigener Aussage die Fakten auf seiner Seite, wieso also die Stimmung weiter aufheizen? Gerade bei aktuell scharf diskutierten Themen wie Glyphosat oder Gentechnik sollte man vielleicht mehr auf echten Dialog setzen. Sich wie David gegen Goliath aufzuspielen und Diskussionsgegnern so arrogant gegenüberzustehen wirkt allerdings wenig sympathisch.

Durch Skandale um gekaufte Wissenschaftler ist die Glaubwürdigkeit der präsentierten Quellen ohnehin stark angekratzt. Sich dann derart arrogant auf die eigenen Quellen zu berufen ist in so einer Situation wohl unangebracht.
Auch im Angesicht von Berichten über fragwürdige PR-Praktiken innerhalb des Konzerns erscheint ein solchen Auftreten zusätzlich unpassend. Vor dem Hintergrund solcher Negativpresse sollte man vielleicht doch einen Gang zurück schalten und fairen Diskurs fördern, anstatt eine indische Umweltaktivistin auf der eigenen Website höflich und formell durch den Kakao zu ziehen.

Insgesamt wird schnell deutlich, dass es wohl nur darum geht, die eigene Reputation zu verbessern. In Zeiten der Kritik um die Übernahme von Monsanto wohl besonders wichtig. Ob sich die Vertrauenskrise allerdings auf diese Art und Weise lösen lässt, bleibt doch sehr fraglich. Zweifler und Gegner des Konzerns werden sich durch als „Dialog“ getarnte Konfrontation, gerade im aktuellen Kontext rund um den Konzern, wohl eher nicht umstimmen lassen.

 

 

Wie Studierende der Onlinekommunikation ihre Praktikumsstelle auswählen

Abbildung Person mit Tasse "Like a boss" für Praxissemester, Photo by Brooke Lark on Unsplash

Agentur oder Unternehmen? Ist das Praxissemester mein Ticket zum Traumjob? Kann Twitter bei der Praktikums-Findung helfen? Und was möchte ich im Praxissemester alles lernen?

Im anstehenden fünften Semester geht es für uns Studierende der Onlinekommunikation (#onkomm) vom Seminarraum und dem World Wide Web hinaus in die wirkliche weite Welt! Und da jeder von uns nun seinen Praktikumsplatz gefunden hat, möchten wir in diesem Beitrag über unsere Motive, Visionen und Erwartungen berichten. Jeder Weg, für den man sich entscheidet, eröffnet einem zahlreiche neue Wege. Für diese Weggabelung galt es, außerordentlich gründlich abzuwägen und, sich zu entscheiden. Viele Diskussionen unter den Kommilitonen haben sich deshalb damit beschäftigt.

In einem Punkt sind wir uns alle einig: Wir möchten SEHR viel lernen. Aber nicht nur das. Wir möchten lernen, das Gelernte anzuwenden. Wir möchten von Dingen hören, die wir noch nie gehört haben. Wir möchten neue Erfahrungen sammeln, erleben und alles miteinander kombinieren. Wir möchten alles supergut machen. Wir brennen darauf. Wir sind wissbegierig.

Aber was sucht sich ein hungriger Studierender nun zum Fressen aus? Was wir innerhalb von Praxisprojekten und Lernagenturen in der Hochschule gelernt haben, wollen wir jetzt in der Realität umsetzen. An ein bisschen Content-Strategie knabbern genügt uns nämlich nicht!

Agentur oder Unternehmen?

Ja, die Frage wurde im Kommilitonenkreis häufig gestellt. Oder nach einer Begründung für das eine oder andere gesucht. Wer nicht davon gesprochen hat, ist insgeheim leise seine persönliche Liste durchgegangen: Man zähle die eigene Arbeitserfahrung in Unternehmen und vergleiche sie mit derselben aus Agenturen. Oder umgekehrt. Um anschließend die bisher weniger gut ausgebildete Hälfte entlarven zu können.

Unsere PR-Fundsachen Redakteurin Annkathrin wird ihr Praxissemester in einer großen PR-Agentur absolvieren. Sie konnte bisher nur Erfahrungen in Unternehmen sammeln und bilanzierte daher: Es herrschen viele verschiedene Meinungen über Agenturen vor. Sie möchte sich daher selbst ein Bild machen, indem sie sechs Monate lang “Agenturluft schnuppert” und die Arbeitsweise dort kennenlernt. Annkathrin sieht ihre Chance in der Diversität der Branchen und Projekte, durch die sie möglichst unterschiedliche und viele Eindrücke zu sammeln hofft. Dass hierbei gleichzeitig neben der Konzeption von Kommunikationsstrategien und aktiver Kommunikation auch das Beraten zu den Hauptaufgaben der Agentur gehört, ist ganz nach ihrem Geschmack.

Ist das Praxissemester mein Ticket zum Traumjob? Wenn ja: Was ist mein Traumpraktikum?

So manche Vorurteile gegenüber Agenturen haben sich aus der Sicht unseres leitenden Redakteurs Lasse beim Besuch des PR Report Camps im November leider bestätigt. Die dortige Podiumsdiskussion habe kaum darauf schließen lassen, dass die Mehrzahl der Agenturen Neueinsteigern gesonderte Wertschätzung entgegenbringt. Der Nachwuchskampagne der Agenturen zum Trotz. Daher bewarb er sich ausschließlich bei Unternehmen, speziell interessiert ihn die Luftfahrtbranche. Jetzt will er dieses Umfeld aus der PR-Sicht erleben. Mit seinem Praktikumsplatz direkt am Flughafen Frankfurt kann er sich jetzt für ein halbes Jahr einen Kindheitstraum erfüllen.

Kann Twitter bei der Praktikums-Findung helfen?

Es spielen aber noch andere Faktoren im Entscheidungsprozess für ein Praktikum eine Rolle. Sucht man auf Twitter beispielsweise nach dem Hashtag #Praxissemester, so spiegelt einem dieser Filter (wie immer) einige wertvolle, lustige und lesenswerte Infos, denn besonders unsere #onkomm-Vorgänger twitterten fleißig über ihre Bewerbungs- und Praktikumsphase.

Twitter wurde also nicht nur dazu genutzt, das Mitteilungsbedürfnis über den eigenen Bewerbungsprozess zu stillen, hier wurde sogar aktiv nach Praktikumsplätzen gesucht. Und unser Jahrgang twittert ebenfalls den ein oder anderen persönlichen #onkomm-Moment. Auf das Kommunikations-und-Karma-Konto zahlt ein Dank mit Sicherheit positiv ein. Und so mancher Praktikumsgeber twittert auch mit Freude zurück:

Und was möchte ich im Praxissemester alles lernen?

Für unseren Redakteur Tim ist die Wahl auf ein Großunternehmen in der Dienstleistungsbranche gefallen. Was neu für ihn sein wird: Dort wird die Steuerung von Kommunikationsdienstleistern (z. B. Agenturen) eine zentrale Rolle einnehmen. Und auch die Content-Produktion soll sich stärker auf Branchen-Themen, den Dienstleister und den Kunden (als Menschen) denn auf einzelne Produkte konzentrieren. Ihm werden dadurch vermutlich hochspezialisierte Themen begegnen, die viel Fachwissen erfordern.

“Es wird spannend zu sehen sein, wie es in meiner Praktikumsstelle gelingt, mit Vertrauen und Vernetzung die License to operate zu sichern.” (Tim)

Annkathrin hat sich mit ihrem Praktikum für den Bereich CSR entschieden. Das ist nicht nur eine ihrer persönlichen Leidenschaften, sondern auch hinsichtlich der Komplexität, die Kommunikation in dem Bereich erfordert, spannend. Ähnlich komplexen Aufgaben möchten wir uns also alle gerne stellen und lernen, wie Kommunikationsprofis gewisse Konflikte und Thematiken kommunikativ angehen. Lasse erhofft sich viel konzeptionelles Vorgehen und Strategie. Er bringt bereits Erfahrungen im Bereich Content durch seinen Werkstudentenjob als Presseassistent mit.

“Ich bin auch besonders auf den crossmedialen Teil meines Praktikums gespannt und wie es ist, Website und App simultan zu betreuen.” (Lasse)

Die Geschichten digitaler Transformation erzählen? Oh ja! Ich selbst werde mein Praktikum in einer Agentur absolvieren, die kreative Digitalberatung anbietet. Von der Digitalstrategie und
-innovation über Customer Journey bis hin zu Corporate Ventures erhoffe ich mir tiefe Einblicke aus der Sicht eines PR-Beraters. Ich bin ganz aufgeregt, das ganz besondere Maß an Innovation, Vernetzung und Kreation erleben zu dürfen. Die Herausforderung wird sein, möglichst eigenverantwortlich und selbstständig an Projekten zu arbeiten aber gleichzeitig hoffentlich in so viele Prozesse wie möglich Einblicke zu bekommen. Aber gerade diese Flexibilität sehe ich als große Chance. Tim wirft ein, dass die Vorurteile der Inflexibilität von Unternehmen seiner Meinung nach oftmals wohl eher unbegründet sind. Für ihn steht während des Praxissemesters ganz oben auf dem Plan: Herausfinden, ob das stimmt!

Wenn wir uns etwas wünschen könnten…

…würde unser Redakteur Sven antworten: “Da bleiben, wo ich gerade bin!” Denn er fühlt sich in seinem aktuellen Werkstudentenjob so wohl, dass er seinen Arbeitgeber sich gleich als seinen Praktikumsgeber sicherte. Es ist ein Start-Up, das sich nach der Findungsphase stark wandelt. Dabei ist Sven jetzt schon ein tragender Teil des Teams. Er freut sich darauf, im Praxissemester endlich mehr Zeit zu haben als begleitend neben dem Semester mit dem Kopf voller Projekte und Verantwortungen. Die Arbeit findet Sven vielfältig und spannend.

“Wir bauen ein festes Marketing-Team auf und holen uns Profis ins Boot. Es gibt einiges zu tun und die Hierarchie ist flach. Das gefällt mir.” (Sven)

Mehr Fehler!

Ich möchte an dieser Stelle einen Impuls aus unserer Lernagentur Online-PR einfügen: Ein Kundengespräch war nicht optimal verlaufen und das Kernteam, dem ein Fehler unterlaufen ist, war ziemlich niedergeschlagen. Unser Dozent dankte ihnen jedoch für den Fehler. Ganz richtig. Er sagte:

“Jetzt habt ihr die Chance, es das nächste Mal besser zu machen.”

Denn es kommt momentan nicht darauf an, dass wir alles schon perfekt können. Dass wir jedes Kommunikationsinstrument beherrschen und jeden Kniff kennen. Wir dürfen Fehler machen, ohne die wir sonst nicht in der Lage wären, die Lage erneut zu meistern. Ohne so manchen Fehler wäre man nie der einen oder anderen bahnbrechenden alternativen Lösung begegnet. Es gilt stetig dazu zu lernen – deshalb betone ich explizit unseren Studienschwerpunkt zum lebenslangen Lernen. Denn wir brauchen einen ständigen Wissenszustrom und müssen unseren Kopf lebenslang füttern. Und das ist nicht nur absolut toll, sondern verbindet jeden von uns.

Ob in unserem Praxissemester all unsere Erwartungen und Wünsche erfüllt werden, können wir natürlich nicht mit letzter Gewissheit wissen. Aber wir werden die Chance haben, zu zeigen, was in uns steckt und das kennenzulernen, was wir vielleicht nicht noch einmal zeigen möchten. Und vielleicht werden durch diese Bereicherung dabei auch all unsere Erwartungen und Wünsche übertroffen. Oder (weniger pathetisch): Den Besten über die Schulter schauen und die Ohren spitzen!

 

Tl;dr

Das Praxissemester steht vor der Tür. Wir erwarten Großartiges. Dafür haben wir abgewogen, ob wir dieses lieber in einer Agentur oder in einem Unternehmen absolvieren möchten und berichten, dass die am meisten gewünschte Herausforderung im Kennenlernen komplexer Kommunikation liegt. Wir interessieren uns für Strategie, das Erleben bestimmter Branchen aus der PR-Sicht und brennen für die Anwendung des bereits Erlernten. Wir möchten dabei die Geschichten digitaler Transformation erzählen und herausfinden, ob Vorurteile, die man sich erzählt, wirklich wahr sind.

Daten-Paradoxon, Intelligenzkritik und PR-Bilanz: Diese Woche im DRILLLINK

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Wer zum Wochenende, das zumindest bei uns in Hessen durch einen Feiertag eingeläutet wurde, gerne in unsere Link-Schatzkiste greift, wird zu dieser Ausgabe die Lust am Lesen englischer Texte mitbringen müssen. Wem das zu viel ist, erhält mit unserer kurzen Zusammenfassung einen guten Überblick über die drei PR-Themen der Woche. Der Feierabend sei euch gegönnt, viel Spaß beim Lesen!

I. Wenn die Maschine den Menschen besser versteht als der Mensch sich selbst

Um künstlicher Intelligenz Leben einzuhauchen, gilt es, Intelligenz zuvor ganzheitlich zu begreifen. Genau darum geht es in einem sehr lesenswerten Interview auf quantamagazine.org mit Judea Pearl, einem scharfen Kritiker des Bereichs künstliche Intelligenz. Ein Punkt seiner kritischen Argumentation lässt sich mit der Kantenglättung eines Graphen vergleichen und erklären: Pearl findet, künstliche Intelligenz werte Datenmengen bislang einfach nur aus und entdecke dabei halt die ein oder andere versteckte Regelmäßigkeit.

Was nach seinen Forschungsarbeiten über die Korrelation von Ursache und Wirkung fehle, sei die Fähigkeit der Maschinen, selbstständig begründen zu können. Die asymmetrische Sprache der Mathematik biete hierfür jedenfalls nicht das benötigte Fundament, das es braucht, ein menschliches Verständnis zu erfassen. Aber das ist nicht alles: Die Entwicklung künstlicher Intelligenz solle sich hin zu moralischen Entitäten, einem freien Willen und auch der dadurch erst möglichen Inklusion des Bösen hin bewegen. Also weg vom Diagnosemodus hin zu einem kausalen Modell. Das Böse beschreibt Pearl im Übrigen wie folgt: Wenn eine Maschine sich für ein mögliches Handeln entgegen der universellen erlernten Normen der Gesellschaft entscheidet.

Was uns aus PR-Sicht dazu durch den Kopf geht: Klar, der Einzug der künstlichen Intelligenz in der PR ist längst vollzogen. Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt: Mit Hilfe von Maschinen, schneller qualitativ hochwertigen Content generieren können oder ganze Konzepte schreiben können werden, soweit so gut. Die Unfähigkeit des Menschen, sich selbst zu beschreiben, lässt sich womöglich als eine perspektivische Verzerrung für dieses Themengebiet verstehen. Und die führt dazu, dass die Maschine das Abbild des augenblicklichen Verständnisses ist, die durch selbstlernende Funktionen auch in der Lage ist, den Mensch mit ultrahoher Leistung zu übertreffen – und ihn handlungsunfähig machen kann. Was der Gesellschaft momentan auch Angst macht, kann also genau die Folge sein, wenn sich Pears’ Forschung und die neuen Technologien auf diesen Fortschritt zubewegen. Sofern die Kommunikation von Robotern, die unserer Intuition entsprechen soll, funktioniert und ethischen sowie humanitären Grundsätzen entspricht, sollte diese Dystopie besser eine Dystopie bleiben.

Wir sind gespannt, wie sich die Landschaft hier weiter entwickeln wird. Ich stelle mir spontan einen von Coca Cola gesponserten Roboter vor, der auf Weihnachtsmärkten Cokes an Familien ausgibt (und dabei nicht die Softwarekomponenten Mitgefühl, Gerechtigkeit und schlechtes Gewissen bewusst ignoriert), zwischendurch ein paar Fotos twittert und jüngst aufgeschnappte tolle Zeilen postet. Anschließend wertet er aus, wie erfolgreich und viral sein ganzheitlicher Einsatz war und lernt gleich für das nächste Mal dazu.

II. Praxisgeprüfte PR-Bilanz

Der Kommunikationsberater Timo Lommartzsch zog kürzlich bei einer DPRG-Veranstaltung Zwischenbilanz, wo aus seiner Sicht  PR in digitalen Zeiten steht. Die wichtigsten Erkenntnisse: Wenn digitale Trends in Unternehmen Einzug halten, empfiehlt sich zunächst ein integrierter Ansatz für die Gesamtkommunikation. Durch ein rasantes Verschwimmen der Grenzen bedeutet das für PR-Fachleute, dass sie sich immer stärker Know-how zu Online-Marketing-Themen aneignen müssen. Umgekehrt benötigt das Marketing zunehmend PR-Kompetenz. Die interne Kommunikation ist dem Wandel ebenfalls unterlegen und sollte für Veränderungen flexibel sein. Essenziell für die Kommunikationsstrategie der PR-Fachleute: der Aufbau von Vertrauen und Reputation eines Unternehmens oder einer Organisation sowie das Vertrauen der Nutzer und ein gutes Netzwerk. Und nicht zu vergessen: Es braucht starken, zielgruppengenauen Content gepaart mit einem stimmigen Distributionskonzept, das es der PR ermöglicht, „owned, earned und paid media“ in die Tat umzusetzen.

III. Das Daten-Paradoxon

Blick über das große Gewässer: In ihrem jährlichen Internet-Trendbericht präsentierte Mary Meeker vor kurzem auf der Code Conference in Rancho Palos Verdes, Kalifornien, die Trends des Jahres. Logisch: Mit steigender Digitalisierung der Menschen stagniert das Wachstum der Smartphone-Welt. Da hilft womöglich der weltweite durchschnittlich sinkende Verkaufspreis auch nicht mehr weiter. Wo gleichzeitig bereits mehr als die Hälfte der Menschheit online ist, gilt es nun, am Stellschräubchen der Surfdauer zu drehen. Und auch hier prallen verschiedene Interessen aufeinander: Einerseits sollen die Zahlen steigen, andererseits möchte man auch immer weniger Zeit am Handy verbringen. Dabei wird es noch komplizierter: Tech-Unternehmen stehen vor dem Paradoxon der Privatsphäre. Einerseits möchten viele Anbieter mit Hilfe personenbezogener Daten besserer Nutzererlebnisse schaffen, andererseits sind gerade diese Daten in der Diskussion, wenn es um den Schutz der Privatsphäre geht. Der Report stellt einen großen Fundus dar, der rund um aktuelle Entwicklungen der Internetnutzung aus US-Sicht informiert.

 

Plus: Wer Lust auf fünf unschlagbare Argumente für die Digitalisierung hat, ist auf dem aktuellen Beitrag des Blog der Digitalagentur RCKT genau richtig. Sie nutzt den Karneval der Kulturen in Berlin, um alle Vorzüge der Ära der Digitalisierung darzustellen. Da macht unser Studium gleich fünffach Spaß!

Trennungsschmerz oder Hochzeitsglocken: Diese Woche im DRILLLINK

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I. DSGVO und Blogs – Trennung

Die DSGVO (Datenschutzgrundverordnung) tritt nach zweijähriger Übergangsphase heute EU-weit in Kraft. Die Verunsicherung über die Folgen sind groß. Hohe Bußgelder sind angedroht, Betreibern von Klein- und Kleinst-Websites ist unklar, wie sie diese DSGVO-konform gestalten und im Internet tummelt sich neben einigen wertvollen Informationen auch noch ein riesiger Berg von Mythen. Erste Blogger haben nun reagiert und trennen sich komplett von ihren Blogs. Ab morgen also “Shut down”.

Das finden wir als Teil der Blog-Landschaft natürlich extrem schade. Das Bürokratie-Monster, das die EU hier geschaffen hat, ist für viele Menschen, die das Schreiben und Teilen im Internet nebenbei als Hobby betreiben, einfach extrem schwer zu überwinden. Allein die Zeit, die man braucht, um sich durch die Fülle an Stoff zu arbeiten… Gefürchtet sind vor allem die Schreiben sogenannter “Abmahnanwälte” und die Bußgelder von staatlicher Stelle. Verständlich, dass einige Blogger da einfach nicht mehr wollen. Andererseits: Rechts- und Verbraucherschutzexperten sehen der DSGVO eher gelassen entgegen. Während sie für Unternehmen mit entsprechender Rechtsberatung gar keine Folgen erwarten, dürften auch Abmahnungen und Bußgelder für Blogbetreiber eher eine Seltenheit sein. Warum? Das erklären Nina Diercks und Malte EngelerAuch mithilfe von Datenschutzgeneratoren ließe sich für viele Blogbetreiber einfache Abhilfe schaffen.

 

II. Influencer und PR – Trennung oder Hochzeit?

Eine heiß diskutierte Studie wurde Ende letzter Woche veröffentlicht. Die dpa-Tochter news aktuell fand in einer Umfrage unter 590 Fach- und Führungskräften in deutschen Pressestellen heraus, dass mehr als drei Viertel der Befragten von einer steigenden Bedeutung von Influencern für die PR ausgehen. Da läuten doch schon die Hochzeitsglocken. Der Hochzeitstermin ist aber zumindest nicht in allzu naher Zukunft zu erwarten. Denn: Über die Hälfte der befragten Pressesprecher halten Influencer für ihre eigene Pressearbeit für unwichtig.

Aus der positiven Grundhaltung heraus ergibt sich in diesem Fall also offensichtlich nicht direkt die logische Folgehandlung. Aber warum? Diese Frage stellte auch #onkomm-Professor Dr. Lars Rademacher auf Twitter. Wir von den PR-Fundsachen beteiligten uns natürlich an der Diskussion:

 

Influencer sind v.a. bekannt für die Streuung trivialer Botschaften – hier ist der Erfolg ja überwältigend. Sobald es komplex wird, wird der (Fach-)Presse vllt. einfach immer noch die höhere Vermittlungsleistung zugetraut. Dann ist natürlich die Frage, wie viele Pressestellen überwiegend komplexe Botschaften verarbeiten. Und da kommt man dann bestimmt recht schnell auf die [min.] 41%, die Influencer-PR für irrelevant halten… – Tim Bartelsen

 

Ergänzend dazu lässt sich neben komplexer Vermittlungskompetenz, möglicher mangelnder Glaubwürdigkeit und zu niedriger Passgenauigkeit (und damit Kommunikationskomplexität!) die Frage stellen, inwieweit Influencer einfach das ultimative Instrument für jeden und alle darstellen (sollen). – Lea Matusiak

 

Man sollte darüber hinaus noch erwähnen, dass das Umfragedesign natürlich einen kausalen Schluss zwischen Haltung und Handlung auch nicht so einfach zulässt. Allgemein zu fragen, ob Influencer wichtiger werden, drückt ja nicht automatisch aus, dass man diese Entwicklung auch gut findet.

 

III. Prinz Harry und Meghan – Hochzeit

Jetzt aber mal zur echten Liebe. Die Royal Wedding. Ja, und wir geben zu: Auch wir haben am Samstag einige Minuten vor dem Fernseher verbracht – vielleicht auch Stunden… Viel interessanter als die Hochzeit selbst sind ja aber in der Regel die Diskussionen im Voraus: Welches Kleid trägt die Braut? Wann kommt der öffentliche Kuss? Und wie konnte diese Hochzeit ein solches PR-Desaster werden?

Ihr lest richtig. Genau diese Frage brachte die Daily Mail drei Tage vor der Hochzeit auf. In zehn Punkten versucht Kolumnistin Sarah Vine darzulegen, was alles in der Kommunikation rund um die Vorbereitungen der Hochzeit schiefgelaufen ist. Und da man hier – mal ganz nüchtern betrachtet – durchaus etwas über die PR für Großereignisse und Einzelpersonen lernen kann, wollen wir uns die Vorwürfe mal etwas genauer ansehen.

Im Gegensatz zur Autorin, die (typisch für die Yellow Press) sehr redundant schreibt, möchten wir das Ganze auf drei Kernpunkte zusammendampfen.

 

1) Meghan komme aus (teilweise) schwierigen Familienverhältnissen.

Das ist kein Kommunikationsproblem und daher in dieser Analyse zu vernachlässigen. Niemand kann etwas für seine Familie.

 

2) Das Königshaus habe über die schwierigen Familienverhältnisse nichts gewusst und deshalb auch nicht darüber kommunizieren können.

Merkste selbst, gell? Umgekehrt wird eher ein Schuh daraus: Der Palast hat sehr wohl über die Familienverhältnisse gewusst und die Storys darum nicht noch zusätzlich befeuert. Das freut die Boulevardpresse natürlich wenig, ist aber aus Kommunikationssicht durchaus nachvollziehbar. Der Kommunikationsinhalt stammt hier eindeutig aus dem Privatleben von Meghan und ist daher nicht geeignet, offensiv in irgendwelche Kampagnen gepackt zu werden. Wenn dann Artikel wie der Vorliegende erscheinen, könnte man auf Offensive schalten. Aber in diesem Fall: Absolut unnötig. Das Königshaus schweigt, die Daily Mail bellt und im Kopf bleiben bei den meisten Menschen nur die schönen Bilder der Hochzeit zurück.

 

3) Prinz Harry und Meghan stünden dem Trubel um ihre Personen stets ablehnend gegenüber. In diesem Zusammenhang könne man keine Hollywood-Hochzeit mit Schloss, Kutsche und einer ganze Reihe VIPs feiern.

Erst einmal: Doch, man kann – wie man am Samstag gesehen hat. Auf den zweiten Blick lässt sich hier aber eine Lücke im Taktikverbund der adeligen Kommunikation erkennen. Prinz Harry ging vor der Hochzeit tatsächlich erstaunlich oft mit der Botschaft hausieren, dass er gerne ein “normal guy” wäre. Und auch Meghan ließ bisher eher wenige Starallüren erkennen. PR lebt von der Einheit aus Sagen und Handeln. Diese Einheit ist hier nicht zu erkennen – natürlich auch aus Gründen der Tradition. Aber wie wäre es denn, wenn man eine Royal Wedding einfach mal ganz anders – zur Abwechslung etwas bodenständiger – begehen würde? Bei Prinz Harry und Meghan wäre es authentisch gewesen. Schade um die vergebene Chance.

Insgesamt war die Royal Wedding sicherlich kein PR-Desaster – wie man auch unschwer an der begeisterten Netzreaktion erkennen konnten. Man sieht auch: Kommunikation aus gefestigten Strukturen heraus zu machen, bringt entscheidende Vorteile mit sich. Und das britische Königshaus ist wohl die gefestigtste Struktur von allen…

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