Journalismus vs. PR: Nutella produziert mit Hilfe von RTL ein Mega-PR/Marketing-Event
RTL II will am 11. Juni zur Primetime eine Werbe-Abendshow aus der Arena AufSchalke präsentieren. Grund für die süsse TV-Dauerwerbeveranstaltung: "nutella" wird 40 Jahre alt. Aus diesem Grund "zelebriert" der Münchner Sender das Jubiläum mit vielen Prominenten und Fans mit einem Mega-Event in der Arena AufSchalke.
Was haben Martin Luther und Madonna, Ludwig XIV. und John F. Kennedy, Guido Westerwelle und Margarethe Schreinemakers gemeinsam? Alle sind sie Profis in Sachen Public Relations (PR). Jedenfalls nach Meinung von Claudia Cornelsen, die mit ihrem Buch Lila Kühe leben länger eine Geschichte des PR-Gags von der Antike bis heute vorlegt.
Es ist eines der meist diskutierten Themen der Branche: Wo ist sie eigentlich, die Grenze zwischen Marketing, Werbung und Public Relations?
Eine 100-prozentige Aussage darüber bislang noch niemand gefunden. So manch einer hat sich aber im Laufe der Jahrzehnte interessante Gedanken gemacht…
Attraktiv: Ja! Initiative: Weniger! Auch wenn viele Unternehmen bereits Weblogs als neue Werbefläche erkannt haben, ist die Zurückhaltung jedoch noch deutlich zu spüren. Die meisten Firmen würden sich nicht trauen, weil die Online-Tagebücher zu unberechenbar seien, berichtet der Wall Street Journal. Kommentare könnten urplötzlich ins Negative umschlagen.
Hier wurde natürlich längst eine Marktlücke vom Anbieter Blogads entdeckt. Um also jene Weblogs, die der eigenen Philosophie entsprechenden, für Anzeigenschaltungen zu finden, nutzen immer mehr Unternehmen die spezialisierte Plattform.
Berthold Brecht hätte am Internet und vor allem an den Weblogs seine Freude gehabt! Er träumte schließlich schon 1932 in einer Rede zur „Funktion des Rundfunks“ davon, dass damals neue Medium „aus einem Distributionsapparat in einen Kommunikationsapparat“ zu verwandeln und den „Hörer zu einem Lieferanten“ werden zu lassen. Was letztlich an den technischen Voraussetzungen scheiterte, wird mit dem Internet möglich und durch die Weblogs zu einem weiteren, neuen Höhepunkt gebracht: Jeder kann am medialen Geschehen teilnehmen, jeder kann mitgestalten, seine Meinung und sein Wissen einbringen.
Ein Silberstreif am Horizont? Einem Artikel von Newsaktuell nach schätzen mehr als die Hälfte aller befragten PR-Agenturen, dass die Honorarumsätze für 2005 wieder steigen werden. Zudem soll sich eine vorsichtige Entspannung für PR-Kräfte auf dem Arbeitsmarkt abzeichnen.
Doch nicht überall herrscht Euphorie: Viele Pressestellen von Unternehmen sprechen hingegen von stagnierenden Budgets.
Vor ein paar Tagen habe ich hier einen Blog-Eintrag von Richard Edelman erwähnt, dem Präsidenten und CEO von Edelman, der größten unabhängigen PR-Firma der Welt. Darin hat er beschrieben, wie wichtig es ist, dass die PR-Branche sich strengen ethischen Regeln unterwirft, um so für ein besseres Image der Branche zu kämpfen.
Doch ist das überhaupt machbar? Wird die PR-Branche jemals geschlossen auftreten und sich einen moralischen Verhaltenskodex auferlegen?
Es gibt zwar erste Ansätze in dieser Richtung (national: Leitlinien des DPRG; international: Code d’Athènes, Code de Lisbonne), doch letztlich glaube ich nicht daran. Es wird einfach nicht passieren und das aus einem ganz einfach Grund:
Wie kann man sich gegen Angriffe aus der Blogosphäre zur Wehr setzen? Das ist ein Thema, das in Zukunft noch viele PR-Fachleute beschäftigen wird.
Von Hasstiraden über bestimmte Produkte oder den Service bis hin zu direkten Angriffen gegen die Unternehmensführung: PR-Abteilungen sehen sich mit einer Vielzahl von neuen Kriegsschauplätzen in Form von Blogs konfrontiert. Was sollte man auch Anderes erwarten von einer Technologie, die jedem die Möglichkeit (und die Zuhörer) gibt, seinen Senf abzugeben. Open-Source Journalismus bringt nun mal die Zyniker auf die Bühne der Meinungsbildung.
Was kann man als PR-Fachmann dagegen tun?
