PR Tools für Social Media

Es ist lange her, seitdem Social Media ein Synonym für Facebook war. Die Anzahl an sozialen Kanälen ist exponentiell gestiegen, und sie steigt weiter.
Für jedes Hobby, für jede Spezialisierung steigen die Alternativen. Für Videos gibt es YouTube und Vimeo als Big Fish, Vine bietet sich vor allem für kleinere Videos an. Fotobegeisterte benutzen das Urgestein Flickr, die hippe Plattform 500px und die Smartphone Version Instagram. Für Musik gibt es Soundcloud, Live-Übertragungen gehen mit Twitch, Meerkat oder Periscope. Die Kommunikation untereinander kann mit Whatsapp, Snapchat, Facebook Messenger, Telegram erfolgen. Blogs können über WordPress, Blogger und Tumblr laufen. Für Berufliche Zwecke kann man Xing und LinkedIn benutzen. Facebook sollte mit Ello Konkurrenz bekommen. Twitter etabliert sich auch im deutschen Raum immer mehr. Sogar Dating ist mit Tinder als Social Media Kanal vertreten. Die Liste bewegt sich Richtung Unendlichkeitssymbol.

In der PR arbeitet man naturgemäß mit Social Media, ob man Kanäle betreut und bedient, oder überwacht. Das Problem der Vielfalt der sozialen Kanäle, ist ein Organisations- und Zeitproblem. Bevor 50 verschiedene Browser-Tabs abgearbeitet sind, kann direkt von vorne angefangen werden. Wir brauchen PR Tools, genauer gesagt: Social Media Monitoring Tools. Und davon gibt es, wie bei den Sozialen Netzwerken, Allrounder, Spezialisten und Alternativen. Eine kleine Auswahl:

 

Hootsuite

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Foto: Hootsuite (Presse Kit)

 

Hootsuite erstellt ein Dashboard aus verknüpften Kanälen. In einem Tab kann der Twitter Feed, die Facebook Timeline, Nachrichten, Listen oder Gruppen angezeigt werden. Zusätzlich stellt Hootsuite Untertabs zur Verfügung. Es können also verschiedene Dashboards mit den persönlichen Interessen angelegt werden. Zwar können bei Weitem nicht alle Kanäle mit Hootsuite verknüpft werden, aber es gibt einen hauseigenen Store, indem Drittanbieter beispielsweise ein Instagram oder YouTube PlugIn anbieten. Mit Hootsuite kann man aber nicht nur überwachen und organisieren, sondern Beiträge publizieren.Gleichzeitig erhält man eine Analysetool, um Reichweite und Klicks zu kontrollieren. Hootsuite ist ein Allrounder, der auch mobil auf allen großen Betriebssystemen funktioniert. Doch Hootsuite hat einen riesigen Nachteil: Es ist teuer.

Zwar gibt es eine kostenlose Version, doch damit lassen sich nur drei Kanäle verbinden, wobei ein Facebook Account zum Beispiel nicht ein Kanal ist, sondern das Profil, die Fanpage und jede einzelne Gruppe als eigener Kanal betrachtet werden. Auch auf die Analyse muss man verzichten. Bedeutet: Ohne Pro-Account ist Hootsuite kein brauchbares Monitoring Tool. Die Pro-Version kostet minimum zehn Euro im Monat, dafür erhält man 50 Kanäle, einen Analysebericht und andere begrenzte Optionen. Diese kann man für mehr Geld pro Monat erweitern.

 

Tweetdeck

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Foto: Screenshot

 

Vom Aussehen fast identisch ist das von Twitter entwickelte Tweetdeck. Zwar kann man hier nur Twitter in dem Dashboard anzeigen lassen, aber dafür gleichzeitig mehrere Accounts. Tweetdeck ist eine gute Lösung für Twitteruser, mit mehreren Profilen und zahllosen Listen, die nach eigenen Wünschen angeordnet und angezeigt werden können. Somit hat man beim Monitoring komplett Twitter abgedeckt. Auch die Teamarbeit ist mittlerweile möglich, so können mehrere Personen über Tweetdeck auf den Account zugreifen. Noch eine spannende Funktion ist das schedulen von Tweets, also das Planen von Posts, was bisher nur über Drittanbieter wie Buffer möglich war. Eine mobile App gibt es allerdings noch nicht.

Das Tweetdeck ist kostenlos.

 

Feedly

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Foto: Screenshot

 

Als bester RSS-Reader bezeichnet, erfüllt Feedly die RSS Vorteile in einem organisierten und anschaulichem Weg. Verfolgt man viele Blogs und Nachrichtenkanäle, ist Feedly ein Muss. Das Dashboard ist aufgeräumt, die Darstellung überzeugt mit einem simplen Design. Mit der Option Artikel für später zu speichern, direkt zu teilen oder mit Tools wie Pocket zu sichern ist Feedly ein tolles Tool. Aber Feedly ist ein geschlossenes System. Für Social Media Monitoring ist es kaum geeignet. Zwar ist es möglich Hashtags zu verfolgen, das reicht aber bei Weitem nicht. Eine Möglichkeit dieses System zu durchbrechen ist IFTTT (If This Then That), wodurch Verknüpfungen erstellt werden können. Dafür benötigt man jedoch einen Feedly Pro-Account, der mit 45 Euro im Jahr zwar verschmerzbar, aber natürlich nicht optimal ist.

 

IFTTT

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Foto: Screenshot

 

If This Then Than ist eine Automatisierung für Kanäle. Mit IFTTT lassen sich beispielsweise Tweets direkt auf Facebook teilen, Instagram Favoriten in der Pocket speichern, Retweets in einem Google Doc sichern und und und. IFTTT hat ein überdimensionales Potenzial, da Automatismen, genannt Rezepte, selbst erstellt werden können. Als Monitoring Tool ist es zwar nicht zu bezeichnen, doch lassen sich durch IFTTT die Kanäle bündeln und z.B. in Evernote abspeichern. Auch ist es kein Tool zum Posten von Beiträgen, dient jedoch zur Vereinfachung der Bedienung von Kanälen.

 

Fazit

Eine All-in-One Lösung gibt es nicht, auch nicht durch den Kauf einer Pro-Version. Alle Kanäle zu vereinen ist allein durch die Anzahl der Social Media Plattformen nicht möglich. Doch es existieren Tools, die das Monitoring und das Bedienen der Plattformen deutlich erleichtern. So kann man zwar nicht alles auf einen Tab, aber auf einige Wenige reduzieren. Nach eigenem Geschmack kann man sich so eine bunte Mischung aus Tools zusammenstellen. Dabei muss man jedoch immer beachten, inwiefern man den Drittanbietern vertraut, da man natürlich angreifbarer für Netzattacken wie Passwortklau usw. wird. Die simpelste Lösung zum Abschluss: Email. Mit Email kann man alle Benachrichtigungen vereinen, jedoch ist ein extra, von der privaten Mail abgekoppelter Account empfehlenswert.

 

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Weniger als ein Goldfisch

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Unser Alltag ist geprägt von Smartphones, Laptops und Online-Medien, die unsere Denk- und Lebensweise immer mehr beschleunigen. Ein Selbstversuch: Setzen Sie sich einmal acht Sekunden lang bewusst und ausschließlich mit der Startseite Ihres Facebook-Accounts auseinander. Vermutlich wird Ihnen diese Zeitspanne schon lange vorkommen und Ihnen werden Dinge auffallen, die Sie vorher nie bemerkt hatten. Vor allem die Verwendung von Suchmaschinen hat enorme Auswirkungen auf unsere Konzentrationsfähigkeit.

 

Vor zwei Wochen saß ich während des Content Strategy Camps in einer Session mit dem Thema Storytelling. Geschichten zu erzählen und Menschen zu emotionalisieren wird vor allem für geglücktes Marketing oder PR immer wichtiger. Der Dozent sprach im Laufe des Vortrags eine aktuelle Studie des National Center for Biotechnology Information an, die mich schockierte. Im Jahr 2000 betrug unsere Aufmerksamkeitsspanne noch zwölf Sekunden. Ein Goldfisch kann sich für neun Sekunden konzentrieren – wir sind inzwischen bei acht angekommen.

Die Studie offenbarte noch weitere Ergebnisse: Ein Büromitarbeiter checkt im Durchschnitt pro Stunde 30 Mal sein E-Mail Postfach. Und auch im emotionalen Bereich zeigt unser „always online“-Lebensstil vor allem bei den jüngeren Generationen erschreckende Auswirkungen: Jeder vierte Teenager vergisst wesentliche Details oder Informationen, die sein näheres Umfeld oder seine Familie betreffen. Wir scheinen verlernt zu haben, unseren eigenen internen Speicher – unser Gehirn – zu benutzen. Schließlich ist alles auf unseren Smartphones oder Tablets abgespeichert. Und wenn man andere Informationen benötigt, kann man ja immer noch danach googlen.

Das digitale Zeitalter wird zum Nervenkiller

Wir überfliegen Nachrichtenseiten und sind auch nach Feierabend noch für Kollegen oder den Chef erreichbar. Wir schauen Fernsehen, während wir die richtige Antwort auf eine „Wer wird Millionär?“-Frage googlen und uns gleichzeitig mit Freunden via Facebook zum Grillen verabreden. Und dann wundern wir uns, dass wir uns gestresst fühlen.

Dieser Stress entsteht, weil man denkt, etwas Wichtiges zu verpassen. Offensichtlich sind die meisten Informationen allerdings nebensächlich und trivial. Und dennoch: Würde ich beispielsweise nicht regelmäßig meinen Facebook-Account checken, würde ich wesentliche und wichtige Absprachen und Ankündigungen bezüglich meines Studiums verpassen. Denn die hauptsächliche Kommunikation mit meinen Kommilitonen verläuft über Facebook (egal ob nachts oder tagsüber, am Wochenende oder Werktag).

Als Konsequenz passt sich uns das Internet an und ist jederzeit, schnell und nahezu überall verfügbar. Auch die Strategien in Sachen Online-Marketing und Anzeigenformate fügen sich dem humanen, wissenshungrigen Eiltempo. Der US-amerikanische Wirtschaftsjournalist Nicholas Carr analysiert in seinem Buch „Wer bin ich, wenn ich online bin… Und was macht mein Gehirn solange?“ genau diese Entwicklung: Wir überfliegen Texte, Posts, Tweets immer automatisierter und setzen uns selten mit Inhalten konzentriert auseinander. Wir möchten immer up to date sein – in der Regel tun wir das über Online-Medien.

In unserer digitalisierten Welt

„(…) gewöhnen wir durch zunehmende Internetnutzung unser Gehirn immer mehr daran, abgelenkt und zerstreut zu werden – sprich: Informationen sehr schnell und sehr effizient zu verarbeiten, aber ohne dauerhafte Aufmerksamkeit“.

Doch was bedeutet das für Unternehmen und Arbeitgeber?

Viele Unternehmen haben bereits auf diesen Trend reagiert. PR-Maßnahmen oder Werbung über das Internet müssen auffallen, fesseln und in wenigen Sekunden die wichtigsten Informationen liefern. Es zählen die Klicks, Follower und Views und oftmals gar nicht, ob der potentielle Kunde vorm Bildschirm dann tatsächlich etwas bei einem Online-Versandhaus bestellt und zum Käufer wird. Bei Youtube ist es die Auto-Play Funktion, die am Ende eines Videos automatisch ein neues startet. Das Datenmonster Google perfektioniert sein Werbesystem, bei dem Versuch, schnellstmöglich unsere Interessen herauszufinden und passende Botschaften und Werbevorschläge dann so auffällig und optimal wie möglich anzuzeigen.

„Jeder Klick, den wir im Internet machen, bedeutet eine Unterbrechung unserer Konzentration (…) – und es ist im wirtschaftlichen Interesse von Google, dass wir so oft wie irgend möglich klicken. Das Letzte, was das Unternehmen will, ist, zu gemütlichem Lesen oder langsamem, konzentrierten Denken anzuregen“, so Carr.

Die oben genannte Studie zeigt außerdem, dass wir sowieso nur rund ein Drittel der Wörter einer Internetseite beachten. Wäre es nicht erfrischend, diesem Informationswahn mit einem Hauch Minimalismus entgegenzusteuern?

 

Zitate entnommen aus: Nicholas Carr: „Wer bin ich, wenn ich online bin… und was macht mein Gehirn solange? Wie das Internet unser Denken verändert“, Karl Blessing Verlag, 2010.

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„Das wichtigste Qualitätskriterium ist die Weiterverbreitungsrate“

Im Vorfeld des Content Strategy Camp 2015  (#cosca15) am Mediencampus in Dieburg haben wir den Sponsoren des Barcamps drei Fragen zum Thema Inhalte und Platzierung gestellt. Wir starten in dieser Ausgabe mit Susanne Ullrich von Brandwatch. Ullicht ist der Meinung, dass in der Social Media-Welt vor allem die Weiterverbreitungsrate entscheidend ist.

Quelle: Privat
Quelle: Privat

Susanne Ullrich ist Head of Marketing DACH bei dem internationalen Social Media Monitoring Tool-Anbieter Brandwatch und leitet das Berliner Büro. Zuvor war sie im Kommunikationsbereich bei einem Suchmaschinenspezialisten sowie in einer Agentur tätig. Im BVDW ist sie als stellvertretende Vorsitzende der Fokusgruppe Social Media aktiv. Darüber hinaus engagiert sie sich bei den Digital Media Women.
Twitter: @ullrichsusanne

 

  1. Was brauchen Inhalte um zu überzeugen?

Inhalte überzeugen immer dann, wenn sie für die Zielgruppe relevant und nützlich sind. Deshalb ist es wichtig, das Firmen ihren Content so aufbereiten, dass er einen echten Mehrwert für die Kunden darstellt – sei es, weil er unterhaltsam ist, zusätzliche Informationen bereitstellt oder einen praktischen Nutzen bietet. Einen wichtigen Trend stellt in diesem Zusammenhang das “Real Time Marketing” dar. Mittels Social Media Monitoring Tools können Unternehmen in Echtzeit erkennen, welche Themen gerade für die Community interessant sind und zeitnah mit passendem Content darauf reagieren. Das kommt sehr gut an, wie aktuelle Beispiele von KitKat, Oreo oder SIXT zeigen.

  1. Wie platziert man Inhalte erfolgreich?

Das kommt ganz darauf an, wo sich die eigenen Zielgruppen bewegen. Ist man beispielsweise ein Hersteller von Motorradhelmen kann es zielführender sein, die Inhalte in spezifischen Motorsport-Foren zu platzieren statt sie in aller Breite über die gängigen Social Networks wie Facebook oder Twitter zu streuen. Aber auch hier gibt es die Möglichkeit, über Gruppen & Co. ganz bestimmte Gruppen anzusprechen. Als Marke mit einer sehr breiten Zielgruppe hingegen kann es durchaus eine gute Methode sein, die Inhalte weit gefächert über die gängigen Netzwerke zu verbreiten. Es ist immer gut, eine Basis zu haben, auf der der Content zentral zu finden ist – sei es z. B. ein Blog oder andere Sektionen der eigenen Webseite. Zu dieser Stelle kann man über alle Kanäle zurücklinken und schafft dadurch eine gute Struktur. Darüber hinaus können Influencer und eine starke Community dazu beitragen, dass Inhalte erfolgreich weiterverbreitet werden.

  1. Welche Möglichkeiten gibt es, die Qualität von Inhalten zu bewerten?

Das wichtigste Qualitätskriterium ist in der Social Media-Welt die Weiterverbreitungsrate der Inhalte. Ist der Content aus Sicht der Zielgruppen wirklich relevant, gut und teilenswert, wird er von der Community weiterempfohlen. Dies muss natürlich im Kontext betrachtet werden, denn nicht jeder Inhalt, der sich rasant im Netz verbreitet, ist hochqualitativ, sondern manchmal einfach nur unterhaltsam. Darüber hinaus gibt es weitere geschäftsrelevante Metriken, um die Qualität zu bewerten – so beispielsweise das Feedback auf den Content (z. B. durch Umfragen oder Social Media Monitoring), die Download-Zahlen oder die Klicks auf weiterführende Links innerhalb der Inhalte.

Im Rahmen der Interviewserie sprachen wir auch mit Saim Alkan und Christian Gericke.

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#RotationCuration

Nicht nur Privatpersonen können einen Twitter Account besitzen und fröhlich vor sich hin twittern. Seit 2011 gibt es das Prinzip RotationCuration. Bei diesem Konzept wird ein einzelner Social Media Account von Woche zu Woche an eine andere Person weitergegeben. Klingt erst einmal sehr kompliziert und verrückt, funktioniert aber.

2011 haben sich zwei Institutionen aus Schweden gedacht: Wieso hat eigentlich jeder einen eigenen Twitter Account, wenn wir einen für das gesamte Land kreieren können? Gesagt getan. So entstand erstmals in der Geschichte ein Twitter Account für ein ganzes Land: @Schweden.

Das Prinzip funktioniert, indem man sich auf der Seite der Gründer als “Kurator” für eine Woche bewirbt. Die Zugangsdaten werden wöchentlich weitergegeben. Der Grundgedanke dieser Idee basiert darauf, dass eine einzelne Stimme nicht ausreicht, um ein ganzes Land zu repräsentieren. Indem ganz verschiedene Menschen über @Schweden von ihrem Leben und aus ihrer Perspektive berichten, soll das Land stärker mit der Welt und die Welt stärker mit dem Land verknüpft werden. Bisher hat sich dieser Trend aber nur auf Instagram und Twitter durchgesetzt.

Auch in Deutschland und Europa findet diese Idee Zuspruch. Bereits 2012 wurden die Accounts @I_am_Germany und @iameurope gegründet. Über den Account @iameurope wird fleißig aus allen Ländern getwittert. Auch hier geht es wieder darum, alle Menschen aus Europa miteinander zu vernetzen und zu vereinen. Somit kann man erfahren, was in unseren Nachbarländern passiert  und welche Probleme es dort gibt.

Ein etwas anderes Projekt, welches sich aus RotationCuration ableitet, ist das #LocationRotation Projekt. Auch hierbei werden Twitter Accounts weitergegeben, jedoch geht es nicht primär um ein Land, sondern eher um eine „Location“, also eine Stadt oder eine kulturelle Einrichtung. Beispielsweise gibt es den Account @WeAreUkraine. Hier können alle Ukrainer, egal ob sie in der Ukraine oder in einem anderen Land leben, twittern und ihre Meinung frei äußern. Bei diesem Projekt geht es eher um kulturelle und ethnische Beiträge, zum Beispiel um das Land besser kennenzulernen. Natürlich steht hier das Thema „Ukraine Krise“ ebenfalls auf der Tagesordnung. Menschen können darüber schreiben wie sich das Leben in der Ukraine verändert hat. Aber auch Ukrainer, die in einem anderen Land leben, können hierzu ihre Sichtweise schildern.

In Deutschland existieren solche #LocationRotation Accounts für Frankfurt, München und Hamburg.

Als Kurator kann sich grundsätzlich jeder bewerben, der einen eigenen Twitter Account besitzt und Spaß daran hat zu twittern. Vorausgesetzt wird, das mindestens zweimal in der Woche gewittert wird, dabei spielt der Inhalt keine Rolle.

 

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Facebook vs. Snapchat

Facebook ist ein Dauerbrenner. Oder? Seit Jahren muss sich der Social Media Riese gegen zahlreiche Mitstreiter behaupten. Doch die Konkurrenz kommt bis lange nicht an das 1,44 Milliarden Mitglieder schwere Social Media Unternehmen an. Zumindest bis jetzt.

In den 2000er Jahren boomte es auf dem Social Media Markt nur so von Neuerscheinungen wie Twitter, Tumblr oder Pinterest. Marc Zuckerbergs Idee „The Facebook“  ist bislang allerdings der Spitzenreiter unter den sozialen Kommunikationskanälen geblieben. Doch wie sieht das in der Zukunft aus? Vor vier Jahren tauchte plötzlich eine neue App auf, die Facebook in die Enge treiben könnte. Mit 30 Millionen Nutzern und 400 Millionen gesendeten „Snaps“ ist das sogenannte Spapchat offensichtlich ein beliebtes Kommunikationstool.

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Bildquelle: flickr.com/photos/mkhmarketing

Doch was kann Snapchat überhaupt und warum macht es Facebook Konkurrenz? Die Startup-Unternehmer Evan Spiegel und Bobby Murphy (bei der Gründung 22 und 24 Jahre alt) kamen auf die Idee eine Anwendung zu entwerfen, bei der man hauptsächlich über Fotos kommuniziert. Das besondere an einem aufgenommenen Foto ist, dass es sich nach einigen Sekunden selbst zerstört und somit nur für kurze Zeit für den Empfänger sichtbar ist. Diese Fotos können für jeden zugänglich gemacht oder aber privat versendet werden. Die Idee kommt besonders bei der jüngeren Generation gut an. Die Hälfte aller Snapchat-User sind zwischen 16 und 24 Jahre alt, 70% davon weiblich. Auch finanziell sieht es für den Neuzugang nicht schlecht aus. Im Jahr 2014 sammelte Snapchat 485 Millionen Dollar von Investoren ein und wurde mit 10 Milliarden Dollar bewertet.

Ebenfalls ist Snapchat  für viele User im Vergleich zu Facebook sehr viel sympathischer, da man nicht dazu gebracht wird, sein Leben von Beginn an in einer Timeline festzuhalten. Im Gegensatz. Snapchat setzt auf Aktualität und  hält nichts von archivierten Inhalten, die noch Jahre später nachzuverfolgen sind. Wer allerdings seine Zeit lieber mit dem Notebook auf Social Media Seiten verbringt, der ist auf Snapchat falsch. Das Tool ist bislang nur als App für Smartphones oder Tablets zu erhalten.

Am Ende ist es jedem selbst überlassen, über welche Art und Weise man am liebsten kommuniziert. Fest steht nur, dass sich Facebook auf Konkurrenz gefasst machen sollte. Snapchat ist sicherlich nicht das letzte Kommunikationstool das in den Startlöchern steht.

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Musicians meet Social Network

Bildquelle: Wikimedia Commons, Author: Radiusfirst
Bildquelle: Wikimedia Commons, Author: Radiusfirst

Wenn Beethoven heute noch leben würde, hätte er auch einen Twitter-Account? Warum nicht? Zu solchen Gedanken hat mich Heike Matthiesen (@gitarra) auf der Musikmesse in Frankfurt geführt. In ihrem Vortrag ging es darum, ob Klassikszene und Social Media zusammen funktionieren können.

Die Kommunikation im Social Web fällt allen Musikern schwer. Die häufigsten Antworten auf die Frage „Was hindert Sie daran, Twitter zu nutzen?“ sind:

-Ich möchte die Leute nicht mit Belanglosigkeiten nerven
– Passt nicht zu meinem Image
-Mein Fokus soll sich nicht auf die Kommunikation, sondern auf die Musik richten
-Ich vertraue der Kritik nicht
-Ich fühle mich unsicher in Bezug auf das Medienrecht.

Bei den klassischen Musikern gibt es da andere Schwierigkeiten. Sie sind Träger einer großen Tradition, von einer Kultur, die unsere Seele und Ohren fasziniert. Sie spielen Musik, die oft schon vor Jahrhunderten gespielt wurde, mit der Hoffnung, dass es zum besten Live-Erlebnis für das Publikum wird. Das birgt schon die erste Gefahr: Die Künstler schaffen einmalige Momente. Sie möchten diese Einmaligkeit als einen besonderen Faktor haben. Das bedeutet, die meisten klassischen Musiker können es nicht leiden, bei der Aufführung gefilmt zu werden. Der Zauber ginge dadurch verloren, dass der Zuschauer schon nicht im Moment ist, sondern sich mit der Reproduktion des Moments beschäftigt.

Ein anderer Aspekt, den Heike Matthiesen erwähnt hat, ist der „Content“. Woraus besteht inhaltlich eine typische Facebook-Seite eines Künstlers? Sie besteht aus seinen Werken. Sie sind das Einzige, was der Künstler zum Anschauen und Anhören ausstellen kann. Und hier findet sich das zweite große Problem: Wie kann man das eigene Werk gleichzeitig an die Öffentlichkeit bringen und schützen? Doch niemand verspricht, dass man nach dem online Anschauen noch Lust hat,das Ganze live zu erleben. Aber gehen wir mal davon aus, dass der Künstler den Social Networks vertraut. Das Video mit dem Konzert ist da, ein Aufruf zum „Liken“ und „Sharen“ auch. Es passiert aber nichts. Die Anzahl der Follower und potentiellen Fans bleibt konstant. In diesem Fall macht die Kommunikation den Weg für eine Selbstvermarktung frei. Um aber langfristige und feste Beziehungen mit dem Publikum aufzubauen, muss man die Musik nicht nur spielen, sondern auch kommunizieren. Das heißt über die Musik reden, eigene Eindrücke untereinander zu teilen und erklären, warum die Musik ein Teil des Lebens ist.

Eine weitere Schwierigkeit für die Künstler: Der Trend von der  Desktopnutzung zur Mobilnutzung.  Durch Handys wird die Informationsmenge, die beim Nutzer ankommt, noch kleiner. Will heißen: Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Video mit einem beeindruckenden Klavierspiel schon nach 2 Minuten  ausgeschaltet wird, ist sehr hoch. Wie die Musiker darauf reagieren sollen, bleibt noch offen.

Also, auch in der Klassik-Branche – „Schweigen ist Silber, Reden ist Gold“. Und hätte Beethoven auch einen Twitter-Account, würde ich dem auf jeden Fall folgen. Und ihr?

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Tweets aus der Raumstation

„Es war ein ziemlicher Erfolg: viele Gäste, Twitter Trending Topic Platz 2 hinter Bayern in der Champions League und erstmals auch Video-Livestreams“, resümiert Fink & Fuchs PR Vorstand Stephan Fink im Newsroom seiner Agentur den 12. Twittwoch Rhein-Main. Der fand in der vergangenen Woche am Frankfurter Flughafen statt. In den Vorträgen ging es um ein spannendes Thema: Social Media in Luft- und Raumfahrt.

Ganz wichtig am Twittwoch: W-LAN für die Twitternden.
Ganz wichtig am Twittwoch: W-LAN.

Einen passenderen Ort als das futuristisch anmutende Fraport-Forum hätten die Veranstalter, Social Media Manager Nico Kirch, Marketing Director Sascha Hüsing und Agenturvorstand Stephan Fink, für den 12. Twittwoch Rhein-Main wohl nicht finden können. Immerhin betonte ein Fraport-Vertreter, der die 120 Twittwoch-TeilnehmerInnen im Namen des Flughafenbetreibers begrüßte, die vielleicht wichtigste Grundlage der sozialen Medien sei die Vernetzung. Und die werde an fast keinem Ort in Deutschland so gelebt, wie am Frankfurter Flughafen: die infrastrukturelle des Verkehrs und die menschliche der rund 60 Millionen Fluggäste pro Jahr. Die entsprechende Geräuschkulisse durfte natürlich auch während der Vorträge nicht fehlen.

Wer mit Swarmapp am Airport eincheckt, dem kann es schon mal passieren, direkt vom Flughafenbetreiber Willkommen geheißen zu werden – zum Beispiel mit einem „Ei Gude, wie?“ auf Twitter. Dafür ist ein Communication Center Team zuständig, das rund um die Uhr arbeitet und zehn Sprachen spricht. Neben der Weltsprache Hessisch zum Beispiel Türkisch oder Spanisch.

 

 

„Wir sind da sehr flexibel in der Ansprache unserer Passagiere“, erklärt Yasmin Tuncay, Social Media Managerin bei Fraport, in ihrem Vortrag „Community Management 24/7 des Airport Hubs FRA“. Es ist der erste von dreien am Twittwoch. Die Kommunikation mit der Community geschehe „sehr live“, betont sie.  „Gerade bei Twitter nehmen wir das Feedback ernst.“ Etwa mit Passagieren, die aus dem Flugzeug twittern, wie lange es denn noch bis zum Abflug dauere. Auf die Frage aus dem Publikum, was das Communication Center Team mit Themen mache, die drohen, sich zu verselbstständigen, sagt sie, ihr Arbeitgeber habe eine Monitoring-Agentur beauftragt, um genau diese Themen früh mit zu bekommen. Gerade im Winter hat ein Flughafen viel zu tun, um den Betrieb am laufen zu halten. Stichwort: De-Icing. Wenn deshalb Flüge ausfallen, können die Gemüter schnell hochkochen. In solchen Krisensituationen müsse mit Fingerspitzengefühl von Fall zu Fall entschieden werden, ob auf jede Frage geantwortet werden könne, sagt die PRlerin.

Neben dem Team des Communication Center bespielen MitarbeiterInnen der Unternehmenskommunikation und RedakteurInnen die Social Media Kanäle der Fraport. In diesem Jahr startet das Unternehmen die Kampagne „#FRAmoments“, um die Community ­– dazu zählt das Unternehmen sowohl Reisende als auch MitarbeiterInnen – dazu zu bringen, emotionale Momente mit Fraport zu teilen, damit der Flughafenbetreiber sie wiederum weiter teilen und für das eigene Image nutzen kann.

Vorträge in´s Netz gestreamt: Kamera.
Vorträge in´s Netz gestreamt: Kamera.

 

Um’s Image ging es auch im zweiten Vortrag des Twittwochs. Bevor Carolin Biebrach begonnen hat, unter dem Titel “Die Luft hängt voller Geschichten“ über Storytelling bei der Lufthansa zu reden, hatte sie die TeilnehmerInnen gefragt, welche Attribute sie mit der Fluggesellschaft verbinden. Nachdem ihr „deutsch“ und „unentschlossen“ an den Kopf geworfen wurden, ergänzte sie selbst „altbacken“ und „kleinkariert“, um festzustellen: „Wir können so, wie wir zurzeit wahrgenommen werden, nicht mehr weiter machen.“

Statt um Transport, Technik und Transaktionen gehe es Lufthansa von nun an um Erlebnisse, Menschen und Beziehungen. Mit Storytelling sollen mit Reise verbundene Empfindungen in den Fokus der Onlinekommunikation gerückt werden. „Wir haben die Geschichten. Auch andere haben die Geschichten. Wir müssen sie erzählen“, sagt die Verantwortliche für Digital Innovations.

 

 

Auf Instagram klappt das besonders gut. Mit einem Anstieg von 28 000 auf 93 000 Abonnenten in acht Monaten habe es dort ein großes Wachstum gegeben. „Wachstum…“, raunt sofort ein Twittwoch-Teilnehmer im Publikum ironisch. Es gehe aber nicht darum, direkten Abverkauf zu generieren, sondern die Lufthansa wieder in’s „Mindset“ rein zu holen. Und zwar bei der “Lost Generation” 18- bis 35-jähriger Reisender, die die Lufthansa „nicht auf dem Schirm haben“, weil: zu altbacken, zu traditionell. Bei denen soll die Message ankommen: Hey, so langweilig, wie du denkst, sind wir gar nicht.

Dafür produziert Lufthansa Content. Und wenn Carolin Biebrach von Content spricht, meint sie oft: Videocontent. Zum Beispiel das Video „Are you Klaus-Heidi?“, das ihre schwedischen KollegInnen haben produzieren lassen. Es ist 2013 Mittelpunkt einer viralen Kampagne gewesen, die junge Menschen aus Schweden dazu aufgerufen hat, ihren Namen in den genderneutralen Namen „Klaus-Heidi“ ändern zu lassen, um ein Jahr lang von der Lufthansa ein Berliner Hipsterleben in Saus und Braus inklusive minimalistisch eingerichteter Wohnung und Rennrad finanziert zu bekommen. Der Clip hat für lautes Gelächter im Publikum gesorgt und damit bestätigt, was die Vortragende kurz zuvor behauptet hat: „Eigentlich sind wir ganz witzig.“

 

 

Die TeilnehmerInnen unterhalten hat auch der dritte und letzte Vortragende des 12. Twittwoch Rhein-Main: Andreas Schepers, Communication Officer der European Space Agency (ESA) in Darmstadt, dem „europäischen Houston“. Seine Kurzbeschreibung der europäischen Behörde, für die er arbeitet, – „wir bauen Raketen“ – steht für den simplen, witzigen Ton, in dem er rund 50 Minuten über die Onlinekommunikation der ESA gesprochen hat. Und da gab es einiges zu berichten.

 

 

2014 hätte die ESA nämlich fast das Internet kaputt gemacht. Ist es doch das Jahr gewesen, in dem die Behörde ihre Kometenmission Rosetta online live kommunizierte. Und in dem das „Space-Selfie“ des deutschen Astronauten Alexander Gerst um die Welt ging.  Schepers betont, „Astro Alex“, der auf Twitter mehr als 200 000 Follower hat, sei in erster Linie Wissenschaftler. Seine Disziplin: komplexe, schwer zu erklärende Grundlagenforschung. Trotzdem muss laut dem Communication Officer die ESA als Organisation, die Steuermittel aufwendet, den Menschen erklären, was sie macht. „Und dabei“, sagt er, „sind natürlich die sozialen Medien ein super Geschenk.“

Fotos sind im Social Web das Hauptkommunikationsmittel der ESA. Ob in hoher Auflösung bei Facebook hochgeladene Nachtbilder mit Blick auf die Erde, oder Spacies auf Twitter. Das Problem ist nur, dass es mit dem Internetzugang auf einer Raumstation so eine Sache ist. Die Station befindet sich oftmals außerhalb der Sichtweite der Telekommunikationssatelliten. „Astro Alex“ hat laut Andreas Schepers zwar einen eigenen Laptop mit an Bord. Doch das Interface von Twitter oder Facebook baue sich im Browser nicht auf. Das Netz ist in einer Raumstation nämlich, wie es der Vortragende ausdrückt, „ganz, ganz, ganz, ganz langsam.“ Die Frage, ob Alexander Gerst nun selbst getwittert habe, beantwortet der PRler mit: „Ja – per Mail.“ Der Selfies knipsende Raumfahrer habe sich sein Mailprogramm extra so eingestellt, dass nach 140 Zeichen ein Umbruch kommt.

Die Verhashtaggung oder Übersetzung der Tweets habe man oftmals in Darmstadt vorgenommen. Interessanter als Twitter ist für die ESA während Alexander Gersts Mission jedoch Facebook gewesen. Denn: „Wir haben Leute erreicht, wo wir sonst niemals unsere Message hingebracht haben.“ Auch im Zuge der Kometenmission Rosetta ist die ESA neue Wege in der Onlinekommunikation gegangen. Einen eigenen Kurzfilm mit dem Darsteller von Game of Thrones´ Littlefinger, Aidan Gillen, hat die Behörde produzieren lassen und bei einem Sci-Fi-Filmfestival in London gezeigt. Das habe sich, gemeinsam mit einer neuen, offeneren Kommunikationsstrategie, ausgezahlt: „In Großbritannien hat das eine neue Euphorie für die Raumfahrt ausgelöst“, sagt Andreas Schepers. Was wiederum dazu geführt habe, dass einige Mitgliedsstaaten zur Finanzierung der europäischen Behörde ESA tiefer in den Geldbeutel gegriffen haben.

 

 

Wie wichtig das richtige Timing für den Erfolg eines Postings sein kann, hatte schon Carolin Biebrach am Beispiel eines Fotos der deutschen Elf verdeutlicht. Die ESA zeigt, wie fatal sich ein falscher Zeitpunkt auswirken kann: Ausgerechnet für den Tag, an dem Rosetta auf einem Kometen landen wollte, hatte sich Kim Kardashian vorgenommen, mit ihrem entblößten, gephotoshopten Hinterteil das Internet „kaputt zu machen“. Hat nicht geklappt. Stattdessen hat das Internet die Sonde der ESA per Fotocollage auf dem Po der Promi-Dame platziert. Da kann Andreas Schepers nur sagen: „Sorry, Kim.“

Vernetzt: Twittwoch-TeilnehmerInnen diskutieren die Landung der ESA-Sonde auf Kim Kardashians Hinterteil.
Vernetzt: Twittwoch-TeilnehmerInnen.

 

Noch ein wenig Bretzeln, Cola und Vernetzung nach dem dritten Vortrag und der kurzweilige Twittwoch am Frankfurter Flughafen ist schon wieder vorbei gewesen. Das nächste Mal wird er am 15. April um 18 Uhr wieder in Frankfurt stattfinden. An welchem Ort sich getroffen wird, steht laut Veranstalter Sascha Hüsing allerdings noch nicht fest.

Von Julia Anna Moor und Tom Weimar

Fotos: Tom Weimar

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Plague – Virales Marketing per Fingerzeig

Wir alle wissen spätestens seit der Ice Bucket Challenge, was virales Verbreiten von Inhalten im Netz bedeutet. Content, sei es Bild, Ton oder Video, wird wie verrückt über alle möglichen Social Media Kanäle geteilt. Wie wäre es nun aber Inhalte verbreiten zu können, ohne einem sozialen Netzwerk angehören zu müssen? Plague hat die Antwort hierauf: Die App teilt Content einfach und schnell über Geolokation.

Das litauische Unternehmen Deep Sea Marketing wollte eine Möglichkeit finden um virale Contentverbreitung im Netz noch einfacher zu machen. Sie entwickelten Plague, eine App, die nicht etwa über existierende Freundeskreise Inhalte verbreitet, sondern ganz einfach Leute in der Umgebung des Users ortet und an diese den Content weiterträgt. Mögliche Inhalte zu diesem Zeitpunkt sind Bilder, Texte, kurze Gifs und Links. Gefällt einem, was man sieht, wischt man nach oben und teilt diesen Beitrag augenblicklich mit Personen, die sich in der Nähe befinden. Ist man vom gebotenen Content nicht überzeugt oder gar gelangweilt, wischt man auf dem Display nach unten und schiebt es somit “in die Tonne”.

Um fremde Inhalte zu teilen und zu verbreiten, ist eine Registrierung nicht nötig. Hier kann auch ohne Anmeldung munter geswiped werden. Registrierte User können zusätzlich eigene Inhalte erstellen und Statistiken zur Beitragsreichweite einsehen.

Genau wie ein Grippevirus, sucht Plague die räumlich und körperlich am nächsten gelegenen Personen auf und gibt die Inhalte an diese weiter. Bei der Registrierung kann man frei wählen welchen Benutzernamen man sich geben möchte. Es wird auch nur dieser bei den eigenen Beiträgen angezeigt, inklusive des Ortes, an dem der Inhalt hochgeladen wurde. Wenn einem ein Beitrag besonders gut oder schlecht gefällt oder man einfach seinen Senf abgeben möchte, hat der User die Möglichkeit einen Kommentar zu hinterlassen und somit mit anderen Benutzern eine Unterhaltung zu beginnen.

BildPlague
So sieht das Runter- und Hochwischen in Plague aus.

Persönliches Fazit: Aktuelles “Nice-to-have” mit spannendem Zukunftspotenzial

Natürlich habe ich mir die App direkt aus dem App Store geladen, da ich mir ein eigenes Bild machen wollte. Plague birgt meines Erachtens nach großes Potential in den verschiedensten Bereichen der digitalen Kommunikation, vor allem aber im Bezug auf Marketing bzw. virales Marketing. Aktuell merkt man dem Stand der App noch an, dass sie noch in den Kinderschuhen steckt. Viele Aktionen bietet einem Plague noch nicht, das gängige Angebot fügt sich aus einigen generischen Bildern und wenigen selbst erstellten Fotos/Textzeilen zusammen, die in die virale Verbreitung oder das Datennirvana gewischt werden können. Laut Entwicklern soll künftig neben der aktuellen GPS-Ortung noch eine Bluetooth Option angeboten werden, um nahegelegene Personen aufzuspüren und sich mit ihnen verknüpfen zu können.

Plague bietet ein hohes Potenzial und muss jetzt nur noch weiterentwickelt und optimiert werden. Auch das anonyme Teilen ist für viele Nutzer sicherlich sehr attraktiv, gleichzeitig sehe ich aber auch ein Gefahrpotenzial, was das unkontrollierte Verbreiten anstößiger, extremistischer oder anderweitig unangebrachter Inhalte angeht. Ob sich solche Hiobsbotschaften bewahrheiten werden oder die App ausschließlich positiv den Markt erobern wird, werden die künftigen Entwicklungen zeigen. Bis dahin werde ich gespannt weiter swipen, tolle Inhalte teilen und den Plague-Virus weiter verbreiten.

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