Der Weg zur authentischen Kommunikation

Jeder Mensch spielt verschiedene Rollen – fast wie in einem Theaterstück. Doch wie ist authentische Kommunikation im Social Web dann überhaupt noch möglich?

Es gibt verlässliche Rollen, wie die Rolle der Mutter oder die Rolle des Freundes und bei jeder dieser Rollen gibt es eine gewisse Art und Weise, wie man ihr gegenübertritt. Stellt euch vor, ihr würdet mit eurer Mutter bei Kaffee und Kuchen zusammensitzen und euch so verhalten, wie ihr es gegenüber euren Freunden bei einem abendlichen Bier tun würdet. Eine wie ich finde, eher unangenehme Vorstellung.

Doch wie ist das dann im Social Web, wenn wir im realen Leben schon mehrere Rollen einnehmen? Was empfinden wir dort als glaubwürdig und authentisch? Vor allem bei Personen, die uns eigentlich fremd sind?  Genau das hängt von der Kommunikation ab, die bereits stattgefunden hat. Beim Vortrag auf der re:publica von Konrad Langer und Oliver Brügmann von visumate GmbH erzählte Langer von seinem privaten Instagram-Account “konaction”. Sein Stil zeichnet sich aus durch  geometrische Formen, Stadtbilder und dem Spiel mit Farben und Kontrasten. Bevor er seinen Account zeigte, wurde ein Bild von ihm und dem Hund seiner Freundin in der Küche gezeigt (siehe Abbildung). Seine Frage dazu war, ob es authentisch wäre, dieses Bild auf seinem Account zu posten. Der erste Gedanke dabei war natürlich, dass nichts mehr Authentizität ausstrahlt als so ein Schnappschuss. Doch das ist nicht richtig. Dieses Bild würde nicht zu seiner Bildsprache und der sonstigen Kommunikation passen. Es würde die Erwartung seiner Follower nicht erfüllen. Dementsprechend wäre es nicht authentisch und nicht glaubwürdig. Es ist also wichtig, einem Stil treu zu bleiben und diesen wie einen roten Faden durchzuziehen.

Konrad Langer zusammen mit dem Hund seiner Freundin

Achtung: Stories können auch nach hinten los gehen

Mittlerweile gibt es nicht nur Snapchat- (siehe Mit den Followern im Bett – Storytelling auf Snapchat) und Instagram-Stories, sondern auch Facebook- und sogar Whatsapp-Stories. Wenn man diese richtig nutzt, kann es die authentische Kommunikation steigern und Neuigkeiten können damit schnell und effizient verbreitet werden. Durch diesen Firsthand Content kann zwar ein Blick hinter die Kulissen geworfen werden, jedoch sollte man gut aufpassen, denn manchmal ist weniger mehr. Wer hat schon Lust, ewig lange Stories von einer unbekannten Person oder einem Unternehmen durch zu klicken? Vor allem im Hinblick darauf, dass die Aufmerksamkeitsspanne im Social Web sehr gering ist. Wenn man zu viele Stories postet, kann das ins Belanglose abrutschen und vielleicht sogar zum Abspringen der Follower führen. Die Story sollte nicht einfach genutzt werden, nur weil es diese Funktion gibt. Vielmehr sollte sie einen Nutzwert haben und dem oben genannten roten Faden folgen. Konrad Langer dazu:

“Oft gibt es da eine klare Diskrepanz zwischen den auf Instagram gezeigten, durchgestylten, durchgeplanten Content und dem was dann in den Instagram-Storys gezeigt wird, wo dann auch so ein bisschen Luftleerer Raum gelassen wird, was mir das jetzt als Nutzwert bringt”

Die Zielgruppe hat die Hosen an

Es ist nichts Neues, wenn ich schreibe, dass die Zielgruppe das höchste Gut für ein Unternehmen ist. Sie ist letztendlich ja auch diejenige, die eine Leistung oder ein Produkt in Anspruch nimmt und dafür bezahlt. Deswegen sollte man sich immer vor Augen führen, was die Zielgruppe will und was sie anspricht. Damit das Unternehmen die Wünsche kennt und seiner Zielgruppe auch einen Mehrwert bieten kann, können Zielgruppen-Studien für Unternehmen sehr hilfreich sein. Zudem kann man durchaus auch über das Social Web die Follower fragen, was für sie relevant ist und was sie sich wünschen.

Doch auch Algorithmen können dabei helfen, zu zeigen, was relevant ist. In dem Artikel “Kommunikation im Netz – Recap von der republica 2017” von Cathrin Tusche, schreibt die Autorin, dass bei Facebook- und Instagram-Algorithmen bestimmen, was der Nutzer zu sehen bekommt und was nicht. Des Weiteren schreibt sie, dass nur der Content als relevant gilt, welcher in kürzester Zeit oft geliked, geteilt, kommentiert oder gespeichert wurde. Auch wichtig ist die Verweildauer auf Social Media-Posts. Wenn man sich also mit einem Post längere Zeit beschäftigt, bedeutet das im Umkehrschluss, dass es sich um relevanten Content handelt und es werden zukünftig ähnliche Inhalte gezeigt.

Wiedererkennbarkeit durch Alleinstellungsmerkmale

Wer sich von der Masse abheben möchte, sollte einen Unique Selling Point (USP) haben. Zuallererst sollte man sich Gedanken darüber machen, wofür man stehen will und für was nicht. Eine eigene Tonalität und eine einheitliche Visualisierung können eine Wiedererkennbarkeit schaffen. Wenn der Content dazu noch nachhaltig ist, ist man auf der sicheren Seite.

Edeka wurde in dem Vortag als ein best-practice Beispiel genannt: Das Unternehmen nutzt Instagram, um dort Essen, Getränke sowie Rezepte zu posten.

Die Macht der Influencer

In einem Zitat, welches Konrad Langer und Oliver Brügmann von Scott Cook mitgebracht hatten, heißt es:

“A brand is no longer what we tell the consumer it is – it is what consumers tell each other it is”

Man glaubt also nicht mehr der Werbung, sondern geht lieber online und liest sich Produktbewertungen durch oder sieht sich Videos an, in denen die besagten Produkte getestet werden. Man vertraut am meisten den Menschen, die so sind wie man selbst. Die meisten Social Media Influencer haben zu ihrer Community schon eine enge Beziehung. Sie können Botschaften meist glaubwürdiger vermitteln als die Unternehmen selbst. Auf Social Media ist es generell sinnvoll, immer erst eine Beziehung zu seinen Followern aufzubauen und danach Emotionen zu wecken. Denn man reagiert ganz anders auf Botschaften, wenn bereits eine Beziehung aufgebaut wurde, als wenn man sie von einer fremden Person mitgeteilt bekommt. Wenn sich ein Unternehmen dazu entscheidet, dass ein Influencer die eigene Marke repräsentieren soll , muss auch ein Influencer ausgewählt werden, der schon mit der Marke in Berührung kam und diese verkörpert. Er sollte an die Marke und deren Zielgruppe angepasst sein, ansonsten wäre es nicht authentisch.

Doch nicht nur Influencer bringen Glaubwürdigkeit rüber, sondern auch User Generated Content ist hierfür sehr gut geeignet. Wenn ein Kunde zufrieden mit einem Produkt ist und das mit der Welt teilt, ist das schon mal sehr positiv. Wenn man diesen Post dann als Unternehmen auf den eigenen Seiten publizieren kann, steigert das die Authentizität. Manchmal bekommt man dadurch auch eine tolle Geschichte zu dem Post mitgegeben und kann Erlebnisse miteinander teilen.

Das Wichtigste zum Schluss

Es gibt vieles, was man machen kann, um authentischer zu kommunizieren. Zum Abschluss hat Oliver Brügmann es nochmal auf den Punkt gebracht. Er sagte, dass an erster Stelle zwar immer eine Strategie stehen muss, jedoch im Mittelpunkt die Geschichte steht, welche von innen nach außen getragen wird. Man kann daraus Themen ableiten, wie auch die Protagonisten bestimmen und die Formate entwickeln. An letzter Stelle stehen die Kanäle und in dem Zusammenhang die Content-Formate, die dort adaptiert werden und letztendlich zielgruppenspezifisch verbreitet werden.

Die wichtigsten Punkte haben die Vortragenden nochmal in eine Visualisierung gepackt.

Zusammenfassung der wichtigsten Punkte für authentische Kommunikation

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Der vorauseilende Gehorsam der „Generation Facebook“

Viele der Beiträge, die hier in den PR-Fundsachen erscheinen, haben ihren Ursprung nicht im stillen Kämmerlein. Einmal in der Woche besprechen wir Studis aktuelle Diskussionen der PR-Fachcommunities, aber auch neue Entwicklungen in der Welt des Digitalen und der sozialen Netzwerke insgesamt. In fünfminütigen Elevator Pitches stellen wir uns dann gegenseitig PR-Kampagnen vor – oder Themen, die in irgendeiner Weise für uns als Kommunikationsmenschen interessant sein könnten.

Als wir in einer dieser Diskussionen auf politische Meinungsäußerung im Social Web zu sprechen gekommen sind, konfrontierte der Professor uns Studierende mit unserer eigenen – zumindest digitalen – Politikverdrossenheit. Er beobachte bei unserer Generation einen vorauseilenden Gehorsam, nichts Politisches in Social Media zu posten. Das finde er übertrieben.

Neben dem „Da kann man eh nichts machen“-Defätismus, mit dem eine grundsätzliche Entpolitisierung einher geht, hat das weitgehende Schweigen meiner Generation zu politischen Themen auf Facebook und Co. aus meiner Sicht einen weiteren Grund. Ich glaube, es ist die Angst, später im Leben, vielleicht im Bewerbungsgespräch, einen Nachteil zu haben, durch das, was man einmal gepostet hat. Auf eine Online-Aussage reduziert zu werden, als verzerrtes Bild seiner selbst wahrgenommen zu werden.

Angst vor dem eigenen digitalen Spiegelbild?
Angst vor dem eigenen digitalen Spiegelbild? Foto: m.a.d.78, flickr

Wie oft wurde uns eingebläut, ja keine Partyfotos, auf denen wir betrunken zu sehen sind, ins Netz zu stellen? Das Internet vergisst nichts, wurde uns gesagt. Und jetzt? Jetzt sind wir so eingeschüchtert, dass wir denken: Wenn das Internet nichts vergisst, dann sage ich lieber nichts. Oder nichts, womit ich anecken könnte.

Auf der anderen Seite ist die Gefahr, dass durch unser Post-Verhalten falsche Annahmen über uns gemacht werden, durchaus konkret. Als ich zum Beispiel einmal über Facebook mehrere “taz”-Artikel angesurft habe, da hat mir das soziale Netzwerk eine Gruppe vorgeschlagen: „Sozialistische Irgendwas Gruppe Frankfurt“. Den genauen Namen weiß ich nicht mehr, weil ich sie so schnell weggeklickt habe. Hey, Facebook: Ja, ich lese hin und wieder diese alternative Tageszeitung aus Berlin. Aber nein, ein eingefleischter Sozialist bin ich deshalb noch lange nicht. Der Algorithmus hat einen falschen Schluss über meine Persönlichkeit aus meinem Leseverhalten geschlossen und mich in eine Schublade gesteckt.

Was passiert, wenn die Personalabteilung eines potentiellen Arbeitgebers diese Daten nutzt? Das Problem ist, dass wir selbst noch nicht wissen, wo wir später einmal landen werden. Vielleicht werde ich in einem konservativen Unternehmen arbeiten, vielleicht in einer kleinen NGO. Wege verbauen will ich mir keine. Doch was ist die Folge, wenn junge Menschen damit rechnen, dass Personalabteilungen in Zukunft versuchen werden, an ihre Facebook-Daten zu kommen? Die “FAZ” hat es 2012 so beschrieben: „Es gibt ein verstärktes Bewusstsein für etwaige Konsequenzen übermäßiger Mitteilungsfreude, etwa wenn der Chef Partyfotos oder politische Meinungsbekundungen sieht. Viele Nutzer haben daher mit Privatsphäreeinstellungen auf der Seite ihre Profile so angelegt, dass die meisten Inhalte nicht für die Öffentlichkeit einsehbar sind, sondern nur für ihre Freunde.“ In anderen Worten: Weil es der Chef oder die Chefin sehen könnte, exponiere ich mich politisch nicht öffentlich. Vorauseilender Gehorsam.

Algorithmen denken zwar nicht, stecken uns aber trotzdem in Schubladen. Foto: G. Kraftschik CC-BY
Algorithmen denken zwar nicht, können uns aber trotzdem in Schubladen stecken. Foto: G. Kraftschik CC-BY

Erst vor Kurzem hat mir bei ein Kommilitone aus einem anderen Studiengang der h_da erzählt, ein Freund von ihm sei gefeuert worden, kurz nachdem sein Vorgesetzter anarcho-libertäre Facebook-Postings von ihm entdeckt hatte. Wir alle kennen die Geschichte der US-amerikanischen Pressesprecherin, die auf Twitter über Obamas Töchter gelästert hat und solch einen Shitstorm kassiert hat, dass sie zurückgetreten ist.

Ich denke, junge Menschen können sich im Social Web nur unter einer Bedingung frei zu politischen Themen äußern: Sie sollten keine Angst davor haben müssen, dass in Zukunft irgendjemand ihre Posts aus dem Keller holt und diese – außerhalb ihres eigentlichen Kontextes – gegen sie verwendet. Eine Lösung wäre das im Juni von den Justiz- und Innenministern der EU in einer Datenschutzreform gestärkte Recht auf Vergessen. Es würde ermöglichen, später einmal zu verlangen: Facebook, lösche, was ich damals gepostet habe. Das braucht heute niemanden mehr zu interessieren.

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Wo erreichen wir wen?

Gibt es eine Faustregel bei der Platzierung von Content im Social Web? Bei der Auseinandersetzung mit dieser Frage sieht PR-Student Martin Imruck ein Problem bei der Erreichbarkeit der Stakeholder.
Gibt es eine Faustregel bei der Platzierung von Content im Social Web? Bei der Auseinandersetzung mit dieser Frage sieht PR-Student Martin Imruck ein Problem: Die Vielzahl der Plattformen. (Bild: Imruck)

Nach dem Start unserer Blogparade zum Thema „Content Strategie“ habe ich mich gezielt mit dem Thema Content-Platzierung im Social Web beschäftigt. Welche Kanäle bieten sich an, nach welchen Gesetzmäßigkeiten können wir arbeiten und gibt es diese überhaupt? „Wo erreichen wir wen?“, ist die Frage, die ich mir im Redaktionsalltag für FuPa.net und die Verlagsgruppe Rhein Main immer wieder stelle.

Im Jahr 2015 leben über 7,4 Milliarden Menschen auf der Welt. Etwas mehr als die Hälfte der Erdbewohner besitzt einen Internetzugang. Die Anzahl der „Onliner“ steigt ebenso, wie die der sozialen Plattformen, die in einem enormen Tempo aus dem digitalen Boden sprießen. Doch je mehr Kanäle PR-Praktikern zur Verfügung stehen, desto mehr Möglichkeiten haben sie, zu kommunizieren. Und umso schwerer ist es für sie, ihre Stakeholder zu erreichen. Dieser theoretische Ansatz soll sich einen Weg durch den Dschungel der Social Networks bahnen und dorthin vordringen, wo es nur wenige Botschaften im PR-Alltag schaffen: zu den Zielgruppen.

Werfen wir zunächst einen Blick auf eine Gruppe der größten und beliebtesten Social Media Plattformen weltweit. Die Zahlen wurden mittels eines Zwischenwertes ermittelt und sollen als Orientierung dienen. Da auch immer mehr Unternehmen „WhatsApp“ als Kommunikationskanal nutzen, ist auch er aufgeführt.

Social Media Anbieter Nutzer in Deutschland Nutzer Weltweit
Facebook 28 Millionen  1,4 Milliarden
Twitter 10 Millionen 300 Millionen
Google Plus   9 Millionen 350 Millionen
Xing   6 Millionen   20 Millionen
Instagram   5 Millionen 300 Millionen
Whatsapp 35 Millionen 750 Millionen

Die Frage ist folgende: Ist es so einfach, zu sagen, eine Person „X“ mit dem Interesse „Y“ nutzt das soziale Netzwerk „Z“? Die Antwort ist ziemlich einfach – sie lautet: „Nein, ist es nicht“. Die Nutzungsmotive der User sind die jeweiligen Social Media Kanäle sind ebenso unterschiedlich, wie die Beweggründe innerhalb einer Zielgruppe an sich. Dazu kommt, dass viele Nutzer auf mehreren Plattformen gleichzeitig unterwegs sind. Das erfolgreiche Verbreiten einer Botschaft über Social Media an eine möglichst große Gruppe seine Stakeholder gestaltet sich daher sehr schwierig.

So kann stets nur ein Bruchteil erreicht werden, da zum einen nicht alle Stakeholder auch automatisch dem Social Media Kanal des Unternehmens folgen. Einige wissen vielleicht gar nicht von dem Unternehmen und seinem Auftritt, obwohl sie die Thematik unglaublich interessiert. Dazu kommt, dass Plattformen mit dem größten Nutzeranteil – vor allem Facebook – ihre Meldungen durch ihren Algorithmus nur einem Bruchteil der User zuspielen. Die Facebook-Seite selbst wird von den Usern eher selten direkt anvisiert. Die Mitglieder einer Zielgruppe und die Nutzer eines sozialen Netzwerkes haben also nur in seltenen Ausnahmen die gleichen Interessen und Verhaltensweisen. Nach aktuellem Dafürhalten der Branche haben die Plattformen mit den meisten Nutzern Recht.

Modell der Zielgruppen innerhalb eines Zielraumes. Grafik: Martin Imruck
Modell der Zielgruppen innerhalb eines Zielraumes. Grafik: Martin Imruck

Das bloße Denken in Zielgruppen oder Stakeholdern macht bei der Platzierung einer Botschaft demnach keinen Sinn. Meiner Ansicht nach ist der Ort der Botschaftsplatzierung vielmehr einem „Zielraum“ gleichzusetzen, der möglichst viele Interessensvertretungen einschließt. Wie die Grafik zeigt, umfasst dieser Zielraum, in dessen Mitte die Botschaft steht, nicht alle Zielgruppen. Einige Interessensgruppen fallen komplett in den definierten Raum, andere weisen innerhalb ihrer Mitglieder nur eine Teilmenge auf, für welche die Botschaft des Unternehmens von Interesse ist.

Über einen spezifischen Social Media Kanal lassen sich diese vielfältigen Zielgruppen nicht ansprechen. Daher schließt sich die Suche nach einer geeigneten Plattform an, die allen Interessensgemeinschaften den Zugriff auf Informationen ermöglicht. Die weltweit über drei Milliarden Menschen mit Internetzugang haben in der Summe etwa zwischen 3,5 und 4,5 Milliarden Email-Konten. Bei allen Ausspielkanälen, ist Email die Plattform mit den meisten Nutzern. Mailing bietet den Unternehmen eine Informationsübermittlung, die vor allem folgende Eigenschaften umfasst:

  • Unabhängig
  • Systematisch
  • Chronologisch
  • Umfassend
  • Einheitlich

Über drei Milliarden Stakeholder, die sich über ihre Mailkonten bequem die wichtigsten Botschaften per Newsletter kostenlos zusenden lassen können. Damit ergibt sich für das Unternehmen die Option, News gezielt zu versenden. Damit können sie den Zielraum pflegen – und kontinuierlich erweitern.

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Personalstudie 2012: Azubi-Marketing im Social Web sei zu zeitintensiv

Ich bin kürzlich auf einen Artikel der Financial Times Deutschland gestoßen, der über die „Personalstudie 2012“ des U-Form-Verlages Solingen berichtet. Der Verlag befragte in Kooperation mit der Hochschule Heilbronn mehr als 250 Ausbildungsverantwortliche aus klein- und mittelständischen Betrieben sowie Mitarbeiter von Großkonzernen. Die Umfrage ergab, dass Unternehmen ins Azubi-Marketing stärker investieren. Doch soziale Medien werden bisher kaum genutzt. Der hohe Zeitaufwand hält die Unternehmen ab. Der Nutzen wird in jedem dritten Betrieb als zu gering eingeschätzt. Die befragten Unternehmen setzen lieber ihre Schwerpunkte auf Praktika, wollen Kontakte über Arbeitsagenturen knüpfen, eine eigene Karriereseite im Internet anbieten und Jobbörsen nutzen.

Schade eigentlich, dass Unternehmen im Social Web eher zurückhaltend sind, denn gerade Jugendliche und junge Erwachsene sind nicht selten stundenlang am Tag im Netz unterwegs. Ein großer Vorteil von Social-Media-Aktivitäten ist, dass Neuigkeiten der Unternehmen durch die Kommunikationskanäle direkt zur Zielgruppe gelangen. Der User sucht nicht nach Informationen, er bekommt sie auf seiner Social-Media-Plattform automatisch gebündelt. Wie oft besucht ein User die Internetseite von Unternehmen, um nach Neuigkeiten zu schauen? Vermutlich nicht täglich. Der User könnte aber täglich durch die sozialen Netzwerke beispielsweise viele Stellenangebote von Unternehmen erhalten. Ein weiteres großes Plus: Interessierte können auch einfacher und schneller in Dialog mit Unternehmen treten. Manche Unternehmen setzen das in dieser Form um, wie mein folgendes Beispiel zeigt:

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Über die Enstehung eines speziellen Social-Web-Tools für Wissenschaftler

Seit 15. Februar 2010 gibt es eine eigene Social Software für Wissenschaftler – ScienceFeed. Dabei handele es sich aus einer Mischung aus Facebook und Twitter, wie Marc Scheloske von „Echolot – Beobachtungen aus der Wissenschaft“ feststellt. In seinem Blog hält er fest:

Es sieht aus wie ein schlanker, eleganter Mix aus Twitter, FriendFeed, Blogkommentaren und Buzz. Und es ist – so jedenfalls die Idee – zugeschnitten auf die Bedürfnisse von Wissenschaftlern, die sich zu aktuellen wissenschaftlichen Themen miteinander austauschen.

ScienceFeed stammt aus dem Entwickler-Haus ResearchGATE, das bereits mit dem gleichnamigen Produkt auf sich aufmerksam machte. Das Xing-Pardon für Forscher sei laut des Blog-Autors ein beachtliches Erfolgsmodell. Die Zahlen geben ihm recht: 250.000 Wissenschaftler legten bereits Profile bei ResearchGATE an.

Doch brauchen Wissenschaftler überhaupt ein eigenes Web 2.0-Tool? Bieten die bisherigen Tools, die mehr oder weniger für alle User-Gruppen konzipiert wurden, nicht genügend Abgrenzungspotenzial? Oder wollen Wissenschaftler lieber unter sich sein? Denn auf den ersten Blick sieht es so aus, als könne ScienceFeed gar nicht viel mehr als FriendFeed oder Posterous. Wer entscheidet eigentlich, dass ein neues Tool her muss und wie sieht eigentlich die „Produktionskette“ für Tools aus? Um das einmal näher zu untersuchen, melde ich mich kurzerhand bei ScienceFeed an. Ich bin zwar kein Wissenschaftler, aber ich forsche ja doch irgendwie, nicht wahr?

Bei ScienceFeed angekommen stelle ich eine große Ähnlichkeit zu Facebook fest. Selbst das Schema ist ähnlich. Später werde ich lesen, dass ScienceFeed an FriendFeed angelehnt ist, welches wiederum von Facebook abgekupfert sein soll. Auch bei ScienceFeed kann man zwischen privaten und öffentlichen Accounts unterscheiden. Außerdem sind Direkt-Nachrichten möglich. Ich klicke mich einfach mal durch. Ich suche die Diskussionen, die im Echolot-Blog angepriesen wurden. Doch kein Klick führt zu ihnen. Also versuche ich es einfach mal mit dem Suchfeld, das mir – ganz nach Gutenberg-Diagramm – auf der Startseite sofort ins Gesicht springt. Dort trage ich „king“ ein. Sofort spuckt ScienceFeed eine Abfolge von twitterähnlichen Kurzmitteilungen aus, die überwiegend von Twitter oder FriendFeed kommen. Die meisten Tweets stammen von einer Handvoll Mitglieder. Aber folgender Tweet von Martin Fenners Twitteraccount fällt mir besonders auf:

„I asked Ijad Madisch „What is the advantage of having a social networking tool specifically for scientists?“… re: http://ff.im/fYJvF

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Das neue Zeitalter des Spendens – Ein beeindruckendes Beispiel, was mit Social Media möglich ist

April 2009. Um die Medienlese-Rubrik „6 vor 9“ mit ihren interessanten und abwechslungsreichen Linktipps zu retten, sammelten eifrige Blogger und Freunde um die 2000 Euro. Die Reihe konnte gerettet werden, wenn auch nicht für alle Ewigkeit. [leider fand sich der Retter-Link nicht mehr, sorry]

Ende letzten Jahres gab es eine ähnliche, wenn doch auch andere Wiederholung. Um das Geschäft Blumenladen seiner Freunde zu retten, rief Sachar Kriwoj zur Aktion „Rettet den kleinen Blumenladen“ auf. Auch hier waren die benötigten 10.000 Euro innerhalb weniger Wochen durch Online-Kleinstspenden aufgebracht und der Blumenladen tatsächlich gerettet. [alle Beiträge zur Rettung gibt es unter massenpublikum.de, Suchbegriff „blumenladen“]

Und nun Haiti. Nach dem ersten Beben mit seinen katastrophalen Folgen war es Johnny Häusler von Spreeblick, der seinen Rettungsanker auswarf und über helpedia, eine Online-Spendenplattform, sammelte. Damit seine Spendenaktion auch so viele Helfende wie möglich erreichen konnte, verlinkte Häusler nach allen Kräften zur Verbreitung seines Anliegens – und hatte Erfolg. Mittels Twitter, Social Networks, Blogposts und Verlinkungen sowie Mund-zu-Mund-Propaganda wusste bald die (gefühlte) ganze Blogosphäre in kürzester Zeit von seiner Aktion und jeder gab, was er geben konnte. Denn sie alle wollten Häusler nicht nur helfen, weil es eine wichtige Geste ist, sondern weil sie alle ihm vertrauen. Ein Vertrauen, aufgebaut durch jahrelange Bekanntheit und Reputation in allem, was er anfasst und umsetzt.

So wurden die zuerst anvisierten 5.000 Euro Spendengelder nahezu unverzüglich erreicht, die 10.000 Euro fielen nach nicht einmal einer Woche und auch die 25.000 Euro-Grenze war nach knapp acht Tagen durchbrochen (Stand: 23.01.2010).

Nun soll die Spendenaktion bis Ende April weiterlaufen, während die Erlöse allesamt an die Organisation „Aktion Deutschland hilft“ gehen, die sich um die Verwaltung und Verteilung der Gelder kümmern wird.

Es zeigte sich einmal mehr, dass im Begriff „Social Web“ viel mehr „Soziales“ verbirgt, als mancher denken mag. Aber auch, welche Kraft ein im Grunde nur digitales Netzwerk erreichen kann, wenn sich Nachrichten und Aktionen wie diese in Windeseile von Netzwerk zu Netzwerk und Profil zu Profil verbreiten.
Natürlich half es, dass der Initiator sein enormes Netzwerk in Bewegung setzen konnte und an den richtigen Stellen ansetzte, doch seine Leistung schmälert das nicht im Geringsten.

Und wenn jeder bis zum Hieven des Rettungsankers auch nur einen Euro gibt, dann hilft auch das all jenen, die in dieser Zeit darauf angewiesen sind.

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Twitter: Wenn das zwitschern verstummt

Einbahnstraße: Twitter als One-Way-Medium

„Stell dir vor, du tweetest, und keiner antwortet“ – um ganz frei Carl Sandbergs Vision überdrüssiger Kriegshandlungen zu zitieren. Schwer vorstellbar, feiern doch User und Medien gemeinsam Twitter als den Star der Peer-to-Peer-Kommunikation. Mit Blick auf eine aktuelle Studie von Harvard Business kommt der Microblogging-Dienst wohl eher nicht über das Dasein eines Starlets hinaus. Denn gerade einmal zehn Prozent der Twitter-User produzieren 90 Prozent aller Inhalte – jedes konventionelle Social Network besitzt eine weitaus höhere Beteiligungsquote.

Für die Untersuchung wurde das Nutzungsverhalten von rund 300.000 Twitter-Usern ausgewertet. Die Erkenntnisse waren eine Überraschung: Der durchschnittliche Twitterer beteiligt sich nur sehr verhalten am 140-Zeichen-Austausch.

Among Twitter users, the median number of lifetime tweets per user is one.

Die aus meinungspluralistischer Sicht eher ernüchternde Erkenntnis zeigt, dass sich Twitter vielmehr einem altbekannten Informationfluss zuneigt: wenige erzählen der Masse etwas, ohne dass es zu einem Austausch oder gar zum Diskurs kommt.

Bei typischen sozialen Netzwerken – z.B. Facebook – zeigt sich eine ganz anderes Bild: die aktivsten 10 Prozent der User generieren gerade mal 30 Prozent der Posts bzw. Inhalte.

Unterstützt wird das Studienergebnis auch durch die Erkenntnisse der Marktforscher von Nielsen. Nicht zu widerlegen ist zwar ein rasantes Wachstum der Twitter-Community in kurzer Zeit, aber in Sachen Kundenbindung sieht es schlecht aus. Nielsen zufolge verlassen rund 60 Prozent der User das Netzwerk bereits nach einem Monat wieder. Damit erreicht Twitter eine maximale Bindungsrate von 40 Prozent – Facebook oder Myspace hätten im vergleichbaren Entwicklungsstand eine bis zu doppelt hohe Rate erreicht.

Dumm nur, dass ein großes Publikum systemrelevant ist, um große Reichweiten zu generieren und letztlich Geld zu verdienen. Das genau plant Twitter: Mitbegründer Biz Stone kündigte bereits im Mai an, man wolle zukünftig Business-Tools gegen Bares anbieten. Höchste Zeit, sammelte Twitter doch mindestens 22 Millionen Dollar Risikokapital ein, um den Dienst am Laufen zu halten. Eine weitere Möglichkeit Twitter endlich mit der „Lizenz zum Gelddrucken“ auszustatten, wäre doch die Nutzerdaten zu verkaufen – theoretisch kein Problem: die Privacy Policies schließen es ja nicht aus.

Business Transfers: Twitter may sell, transfer or otherwise share some or all of its assets, including your personally identifiable information, […]

Was fehlt, ist eine beständige standhafte Userschaft. Was bleibt ist die Frage: wann der letzte Vogel verstummt.

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