Für Unternehmen sind Deepfakes längst kein abstraktes Zukunftsszenario mehr. Sie stellen ein konkretes und wachsendes Reputationsrisiko dar. Die Gefahr liegt dabei nicht nur in der technischen Raffinesse der Fälschungen, sondern vor allem in ihrer Geschwindigkeit und Reichweite.
Reputationsschäden durch manipulierte Inhalte
Ein täuschend echtes Video, in dem ein CEO kontroverse Aussagen tätigt, oder eine gefälschte Sprachaufnahme mit kritischen bzw. fragwürdigen Anweisungen. Solche Deepfakes können innerhalb von Minuten viral gehen.
Selbst wenn das Unternehmen schnell reagiert und die Echtheit bestreitet, bleibt die Unsicherheit. Bis Beweise vorliegen, hat sich der Schaden oft bereits manifestiert.
Vertrauensverlust bei Stakeholdern
Die Auswirkungen gehen über kurzfristige PR-Krisen hinaus. Wenn Kunden, Investoren oder Partner nicht mehr sicher sein können, ob ein Statement echt ist, leidet das Grundvertrauen in die gesamte Unternehmenskommunikation. Lieferanten stoppen Auslieferungen, Banken fragen nach, Mitarbeitende werden nervös. Der Schaden ist real, auch wenn das Ausgangsmaterial synthetisch ist.
Beispiele aus der Praxis
- CEO-Fraud mit Stimmenklon: Kriminelle nutzen geklonte Stimmen von Führungskräften, um Mitarbeitende zu angeblich dringenden Überweisungen zu bewegen. Die Stimme klingt vertraut, der Kontext plausibel und die Täuschung fliegt oft erst auf, wenn das Geld weg ist.
- Fake-Anrufe bei Politikern: Der Fall eines gefälschten Videoanrufs, bei dem sich jemand als Vitali Klitschko ausgab und mit der Berliner Bürgermeisterin sprach, zeigt, wie überzeugend solche Angriffe sein können und wie leicht selbst erfahrene Personen getäuscht werden (obwohl es hier streng genommen offenbar gar nicht einmal KI war).
- Erpressung mit synthetischem Material: Täter drohen mit der Veröffentlichung belastender Videos, auch wenn diese vollständig gefälscht sind. Bereits die Frage „Ist das echt?“ erzeugt genug Druck, um Unternehmen in Zugzwang zu bringen.
Fazit
Deepfakes verschieben die Spielregeln der Unternehmenskommunikation fundamental. Die klassische Annahme, dass ein Video oder eine Audioaufnahme als Beweis gilt, ist nicht mehr haltbar. Für PR-Abteilungen bedeutet das: Vorbereitung ist alles. Wer erst im Krisenfall reagiert, hat das Rennen oft schon verloren.



