Tech4Good Awards

In den letzten Wochen, haben wir über verschiedene Tech for Good Projekte erfahren, die unser Leben um einiges bereichern und sogar Leben retten können. Aber wie steht es eigentlich um die Personen, die hinter den Innovationen stecken? Damit auch die Initiatoren dieser Projekte geehrt werden, gibt es die sogenannten Tech4Good Awards. 

 

AbilityNet

AbilityNet ist eine nationale Non-Profit-Organisation mit ihrem Sitz in Großbritannien. Das Unternehmen steht dafür ein, Menschen mit Behinderungen und ältere Menschen in technologischer Hinsicht zu unterstützen. Beispielsweise bieten Sie Zuschüsse für behinderte Studierende an. Damit auch sie die Möglichkeit erhalten, das Beste aus Ihrer Hochschulbildung herauszuholen. Zusätzlich stellt AbilityNet eine Reihe kostenloser Services für behinderte und ältere Menschen, ihre Familie und Freunde, ihre Arbeitgeber und andere Personen, die sich um sie kümmern, zur Verfügung.

Und gerade weil AbilityNet stets darum bemüht ist, Technologie jedem Menschen mit jeglicher Beeinträchtigung näher zu bringen, unterstützen sie die harte Arbeit von Menschen und sorgen mit den Tech4Good Awards dafür, dass diese nicht übersehen wird.

(Photo: abilitynet.org.uk)

Die Tech4Good Awards

Die Tech4Good Awards wurden 2011, von AbilityNet und mit Hilfe von viele weiteren Sponsoren, ins Leben gerufen. Dabei erhält jeder Mensch, ob als Einzelperson, als Gemeinschaft/Organisation und egal welchen Alters, die Möglichkeit ihre Technologie zu präsentieren. Diese Technologien tragen zum Nutzen der Gemeinschaft bei und verbessern das Leben anderer.

 

Der Ablauf

Eine Expertenjury, welche Selbst in den Bereichen Technologie und Wohltätigkeitsorganisationen tätig ist, wird mit der Aufgabe vertraut, aus über 250 Beiträgen 28 Finalisten festzulegen. Anschließend legt die Jury die Gewinner für die unten folgenden neun Preiskategorien fest. Der am beliebtesten 10. Preis, der People’s Award, wird von der Öffentlichkeit gewählt.

Zum achten mal, am 17. Juli 2018, versammelten sich über 200 Menschen bei der Preisverleihung und feierten die erstaunlichen Individuen, die digitale Technologien für Gutes einsetzen. In jeder Kategorie konnten sich 4-5 Beiträge als Finalisten nominieren, aus denen letztlich jeweils ein Beitrag gewann.

 

And The Award Goes To…

AbilityNet Tech4Good Awards 2018 Winners (Photo: tech4goodawards.com)

Den AbilityNet Accessibility Award 2018 gewann die App, Be My Eyes. Be My Eyes ist eine kostenlose App, die blinde und sehbehinderte Menschen mit sehenden Freiwilligen und Unternehmensvertretern über ein Live-Videoanruf zur visuellen Unterstützung verbindet – mehr zur App gibt es hier!

Der BT Connected Society Award 2018 ging an Small Robot Company, die Landwirtschaft im Roboterzeitalter neu erfunden hat.                                        Den BT Young Pioneer Award 2018 gewann Water Watcher. Das Team besteht aus vier Schülern, zwischen 9 und 16 Jahren, die eine einfache und kostengünstige Lösung für das Problem des Wasserhahns und der Wasserverschwendung weltweit bieten.

Unlocking Talent Through Technology gewann den Comic Relief Tech4Good for Africa Award 2018. Das Unlocking Talentprojekt hat es sich zur Aufgabe gemacht, Schulen in Malawi mit solarbetriebenen Tablets und speziell entwickelten Anwendungen für das Rechnen und Schreiben, zu versorgen. Mehr zu diesem Projekt findet Ihr auf der Website.

Der Community Impact Award 2018 ging an Mind of My Own (MOMO). MOMOs Ziel: allen Kindern und Jugendlichen eine Stimme zu geben und für Ihre Sicherheit Unterstützung zu leisten.

Den Digital Health Award 2018 gewann die App TapSOS, welche eine nonverbale Methode zur Kontaktaufnahme mit den Rettungsdiensten bietet. Wie die App genau funktioniert, wird ganz einfach auf der Homepage erklärt.

Generation Code erlang den Digital Skills Award 2018. Mit Generation Code sollen junge Menschen die Möglichkeit erhalten, ihre Fähigkeiten zu entwickeln und ihr Interesse für Digitales zu wecken.

Der Tech Volunteer of the Year Award 2018 ging an Anna Holland Smith. Für Ihr Engagement an der Demokratisierung der Codierungsbildung und für die Förderung einer vielfältigeren, inkludieren und gerechteren Tech-Belegschaft (und zahlreichen Freiwilligendienst für die Gesellschaft) gewann sie den Award.

Den Tech4good Special Award gewann Lewis Hine mit Friend Finder Official. Er benutzt Roboter, um Kinder zu verbinden, die zu krank sind, um Freundschaften zu küpfen.

People’s Award 2018 (Photo:tech4goodawards.com)

Der letzte und begehrteste Award, Tech4Good People’s Award 2018, ergatterte die App WaytoB. Sie ist eine innovative Orientierungs-App für Menschen mit Lernbehinderung.

 

Zukunftsausblick

„Unser 20. Geburtstag ist eine Chance zu erkennen, dass Technologie jetzt vollständig in unserem Leben verankert ist und weiterhin die Macht hat, das Leben von Menschen mit Behinderungen und älteren Menschen zu verändern. Was auch immer in den nächsten 20 Jahren entstehen wird, bleibt AbilityNet verpflichtet, dafür zu sorgen, dass dies zugänglich ist an alle und hilft ihnen, ihr wahres Potenzial zu Hause, bei der Arbeit und in der Bildung zu erreichen.“ (Nigel Lewis, AbilityNet CEO)

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DroneSeed – ein Start-up rettet den Wald

Bäume pflanzen aus der Luft mit Drohnen und künstlicher Intelligenz. DroneSeed ist ein Start-up mit dem Potenzial, die Welt zu verbessern.

Kalifornien hatte 2018 mit einer der schwersten Naturkatastrophen der Geschichte des US-Bundesstaates zu kämpfen. Fast ein Jahr lang wüteten an der Westküste Amerikas verheerende Waldbrände und Wind, Trockenheit und hohe Temperaturen ließen das Feuer kaum bändigen. Die traurige Bilanz im November 2018: über 40.000 Hektar Wald wurden in elf Monaten zerstört.

Die Erde hat in den letzten drei Jahrzehnten durch Abholzung und unkontrollierte Waldbrände über 121 Millionen Hektar Waldfläche verloren. Diese Fläche der Größe Perus wieder aufzuforsten, würde 90 Milliarden Euro kosten. Eine Mammutaufgabe, die mit den herkömmlichen Mitteln der Aufforstung kaum zu bewältigen ist. Laut Grant Canary, dem CEO und Mitgründer von DroneSeed, lassen sich die CO2-Emissionen nur verbessern, wenn unsere Wälder wieder zurückkommen und für dieses Problem hat DroneSeed eine Lösung.

“Big Boy”

Diesen Spitznamen trägt die Wunderwaffe von Canary, die helfen soll. Eine Drohne mit einem Durchmesser von 2,40 Meter und einem Tank für 11 Liter Dünger oder Wasser. Acht Propeller lassen den großen Jungen fliegen, aber das Herzstück sitzt unter dem Tank. Dort befinden sich Kapseln mit bis zu 200 verschiedenen Arten an Baumsamen. Diese werden mit hohem Luftdruck senkrecht in den Boden geschossen.

Seine Software lässt Big Boy nahezu selbstständig arbeiten. Er berechnet mit Hilfe seiner Kameras und Sensoren den perfekten Standort für jeden einzelnen Baum. Ein Mensch kann mit klassischen Methoden um die 800 Bäume am Tag pflanzen. Durch seine autonome Arbeit schafft es ein Drohnenpilot mit 15 Drohnen gleichzeitig über 100.000 Baumsamen am Tag zu pflanzen. Damit ersetzt diese Technologie 380 manuellen Arbeitsstunden am Tag.

Das Unternehmen

Seit 2016 arbeitet DroneSeed mit drei der fünf größten Holzunternehmen der Vereinigten Staaten zusammen. Als erstes und derzeit einziges Unternehmen darf DroneSeed die Drohnen für die landwirtschaftliche Nutzung einsetzen. Mit Samen, Düngemitteln, Herbiziden und Wasser befüllt, rücken die Drohnen in Schwärmen aus. Das Unternehmen hat aktuell die einzige offizielle Genehmigung, unbemannte Flugobjekte über 55 Kilogramm fliegen zu lassen. Momentan sind die Drohnen in Amerika und Kanada im Einsatz.

Wer gerne eine Drohne von DroneSeed besitzen möchte, sucht in den Regalen der Geschäfte leider vergeblich. Das Start-up plant keine Markteinführung der Drohnen, sondern sieht sich vielmehr als eine Art Dienstleister und arbeitet lediglich mit Forstbetrieben und Staaten zusammen. Trotzdem gibt es Investoren für DroneSeed, denn schon bald sollen die Drohnen auf der ganzen Welt zur Aufforstung eingesetzt werden.

Die nächsten Jahre werden zeigen, ob die Vision von DroneSeed fruchtet und das Unternehmen seinem Ziel “Mission Weltrettung” ein Stück näher kommt.

 

 

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3D-Druck – Der Mensch druckt sich gesund 

Stellt euch vor, Ihr oder einer euren Lieben wird krank und es wird ein neues Organ benötigt und Ihr wollt oder könnt nicht die lange Wartezeit auf der Spender-Liste verbringen.

Wie wäre es, wenn Ihr nicht warten müsstet? – Die Ärzte drucken auf Wunsch, mit etwas “Tinte” 3D-Ersatzorgane. Was sich zunächst wie eine Folge bei Grey’s Anatomy anhört, ist schon längst mehr Science als Science-Fiction.  

 

Wenn Ihr glaubt, das 3D-Druckverfahren gäbe es erst seit neuestem, irrt Ihr euch. Tatsächlich gibt es erste Versuche zum 3D-Druck bereits seit den 80-er Jahren. Was damals mit Experimenten begann, wird in der heutigen Zeit in den verschiedensten Bereichen eingesetzt. Vorwiegend wird Sie als die Zukunft der Medizin bezeichnet. Aber wissen wir wirklich was genau das ist und in welcher Relation es mit dem 3D-Druck steht? – und die wichtigste Frage: Welchen Mehrwert bringt uns eben diese Technik?  

Das Druckverfahren ist längst so weit, dass ganze Häuser in wenigen Stunden gedruckt werden können. Aber sieht so unsere Zukunft aus? 3D-gedruckte Menschen wohnen in 3D-gedruckten Häusern und essen 3D-gedrucktes Essen? Wahrscheinlich nicht ganz so, doch trotz alledem ist der Drucker genauso in der Medizin angekommen – ob Herzklappen, Kiefergelenke, Knorpel- und Knochenelemente, Hautflächen oder selbst ganze Ersatz-Organe sollen in naher Zukunft, bzw. entstehen bereits auf Knopfdruck.

 

3D-Biodruck – Wie der Mensch seine Organe druckt 

3D bioprinter (Photo: Cellink.com)
3D bioprinter (Photo: Cellink.com)

Das größte Wachstum in den letzten Jahren wies der 3D-Biodruck (vom englischen “Bioprinting”) auf, welches als einer der Entwicklungen des 3D-Drucks definiert ist.   

Bei einem 3D-Biodrucker handelt es sich um einen 3D-Drucker, das mit organischen Substanzen arbeitet. Dieses Verfahren gestattet das Drucken von menschlichem oder tierischem Gewebe (z.B. Haut oder Zellen). Durch die Gewinnung von Stammzellen sollen Biodrucker die Erzeugung von Organen realisieren.   

Beim Biodrucker gibt es gegenwärtig zwei gängige Methoden, die zur Herstellung von künstlichem Gewebe eingesetzt werden. Zum einen das “Laser-Prinzip” und zum anderen das “Tintenstrahl-Prinzip”. Bei dem ersten Prinzip wird, wie der Name bereits verrät, mit einem Laserstrahl und mit Zellen angereicherten Gel gearbeitet. Wohingegen beim zweiten Prinzip mit 2 Düsen, gefüllt mit jeweils Hydrogel und lebende Zellen (z.B. Körperzellen oder Vorläuferzellen).  

 

Hoffnungsvolle Zukunft   

Mit Hilfe der Einführung des 3D-Druckverfahren in der Medizin ist es jetzt schon in der Gegenwart möglich, Objekte schnell und kostengünstig zu produzieren – vor allem stellt dies für die ärmere Bevölkerungsschicht oder gar für Entwicklungsländer eine Möglichkeit dar, betroffenen Menschen schneller und günstiger, als bisher, Prothesen zur Verfügung zu stellen.  

Zudem gibt es in dieser Branche zahlreiche Unternehmen, Labore und Universitäten auf dem gesamten Globus, die in dieser Branche arbeiten. Einen bedeutenden Meilenstein auf diesem Gebiet erzielte 2017 die Technischen Hochschule Zürich (kurz ETH Zürich). Den Forschern gelang es erstmals, ein voll funktionsfähiges Herz aus Silikon im 3D-Drucker nachzubilden. Zwar funktioniert das Kunstherz und bewegt sich ähnlich wie ein echtes, jedoch hält es nur rund 3000 Schläge durch (Laufdauer ca. 30-45 Minuten), bis das Gewebe reißt.

3D-Kunstherz aus Silikon (Bild: Zurich Heart)
3D-Kunstherz aus Silikon (Photo: Zurich Heart)

Sobald es den Forschern gelingt (die guter Hoffnung sind) die Biotinte für dieses Organ zu optimieren, kann dies die Rettung für weltweit Millionen von Menschen bedeuten. Denn durch Mangel an Spenderorgane (besonders bei Herzen) sind die Wartezeiten enorm lang für viele Patienten.  

Angesichts der Tatsache, dass wir bereits lebendes Gewebe drucken können, hat dies auch das Interesse der Kosmetikindustrie geweckt. Denn auch Tierversuche könnten dank der neuen Technologie schon bald der Vergangenheit angehören. In diesem Sinne arbeitet bereits der französische Konzern “L’Oréal” mit dem Biotech Unternehmen “Organovo” zusammen, um gemeinsam eine Technik zu entwickeln, mit dessen Hilfe sich menschliche Haut künstlich reproduzieren lässt.  

 

Die Schwierigkeiten & die große Herausforderung

Forscher räumen ein, wir sind noch lange nicht so weit, bis ein voll funktionsfähiges Organ einem bspw. Herzkranken-Patienten transplantiert werden kann. Zu dieser Thematik äußerte sich James Yoo, Leiter der Bioprinting-Gruppe.

Die großen Probleme dabei macht jedoch nicht die Drucktechnik, sondern die Biologie selbst, so der Wissenschaftler – denn bei der Züchtung und Vermehrung der Millionen Zellen vergehen schon mal mehrere Wochen, die eben für den Aufbau eines Gewebes oder Organs benötigt werden. Darüber hinaus müssen zu diesem Zweck die richtigen Zelltypen am rechten Ort auf den Zehntelmillimeter platziert werden. Die größte Herausforderung dabei ist es jedoch, die Zellen auch noch dazu zu bringen, wie beim natürlichen Vorbild ein lebendiges Netzwerk zu bilden. Welches zusammenwächst und die vielen verschiedenen Aufgaben in einem Organ übernehmen kann.  

 

Resümee  

Selbstverständlich hat jedes einzelne 3D-Druckverfahren seine eigenen Eigenschaften und ist nicht ganz so einfach in der Realisierung, wie in einer Science-Fiction. Aber dennoch lässt sich abschließend feststellen, dass der 3D-Druck sich bereits jetzt, obwohl diese Technologie nicht in jedem Bereich voll ausgereift ist, als ein großer Gewinn für die Medizin erwiesen hat.

Somit liegt der Vorteil des vorgestellten 3D-Drucks innerhalb der Medizin im Zusammenhang mit Tech for Good auf der Hand. Besonders weil Sie, wie bereits erwähnt, eine große Hilfe für Millionen von Menschen auf der gesamten Welt ist. Sie wird auch noch in Zukunft dafür sorgen, das Leben betroffener Patienten zu bessern und zu retten.   

 

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Virtual Reality: Serious Games als Lebensretter

Dank moderner VR-Technologie erleben die Nutzer innerhalb der Gaming-Szene ein grenzenlos realistisches Spielerlebnis mit größtmöglichem Spaß-Faktor. Das ungeahnte Potenzial der Virtual Reality bleibt dabei oft ungesehen. Wie die VR-Brille jenseits der Unterhaltungsbranche zum Lebensretter wird, erfahrt ihr im folgenden Artikel.

Innerhalb der Virtual Reality können verschiedenste Situationen und Umgebungen detailgetreu mithilfe des 3D-Scans visuell nachgebildet werden. Im Gaming-Bereich wird die VR-Technologie schon länger genutzt und ist inzwischen auch für Privatpersonen zugänglich. Nun wurde das weitaus größere Potenzial der VR-Brillen erkannt, sodass die Technologie seit einiger Zeit in den Bereichen Medizin, Katastrophenschutz und Sicherheit zum Einsatz kommt.

 

Unterschätztes Potenzial der VR-Brillen

Die sogenannten Serious Games breiten sich aktuell weiter innerhalb des Rettungsdienstes aus. Gemeint sind tatsächlich „Ernste Spiele“: Digitale Spieleanwendungen, die an erster Stelle nicht der Unterhaltung dienen, dennoch aber Elemente des Spiels beinhalten können. Dahinter steht die Vorstellung des „Game-based Learnings“, also das spielerische Lernen, das bereits in vielen Bereichen bereits eingesetzt wird.

Vor allem im Rettungsdienst und bei der Feuerwehr sind die Einsatzkräfte und Notfallsanitäter ständig einem besonders hohen Risiko und lebensbedrohlichen Situationen ausgesetzt. Die Anzahl der deutschlandweiten Verkehrsunfälle im Jahr 2017 zeigt, wie enorm die Ersthelfer täglich gefordert werden: Allein im letzten Jahr wurden 302.656 Unfälle mit Personenschaden, darunter 66.513 Schwerverletzte und 3.180 Verkehrstote, polizeilich erfasst (Statistisches Bundesamt).

Deshalb ist regelmäßiges Einsatztraining ein absolutes Muss. Die Ersthelfer werden dadurch auf die schockierenden Momente vorbereitet, damit sie im Ernstfall ruhig und konzentriert arbeiten können. Bestimmte Szenarien von besonderer Gefahr kommen glücklicherweise seltener vor, können deshalb aber kaum trainiert werden. Zum Teil erleben die Rettungskräfte diese Umstände zum ersten Mal vor Ort, in der Situation selbst.

 

Das Deutsche Rote Kreuz als Vorreiter

Um das zu verhindern, setzt das Deutsche Rote Kreuz seit März 2017 auf VR-Brillen und arbeitet in Kooperation mit HTC Vive. Das DRK Rheinhessen-Nahe nutzt die Brillen sowohl in der Aus- und Weiterbildung sowie innerhalb spezieller Gefahrensimulationen. Aktuell stechen dabei zwei Pilotprojekte heraus: Das MANV3D, ein virtuelles Einsatztraining, und der virtuelle Rettungswagen RTW360VR.

Der Rettungswagen ist dabei vollständig mit Hilfe von 3D-Scans nachgestellt und für die Sanitäter in Aus- und Weiterbildung virtuell erlebbar. Dadurch erlernen die Auszubildenden bestimmte Tätigkeiten mit weniger Aufwand und kostengünstiger. Theoretische Prozesse können dennoch praxisnah vermittelt werden und der Teilnehmer kann mit Schritt-für-Schritt-Anleitungen bestimmte Handlungen gezielt üben. Auszubildende können beispielsweise ohne jegliche menschliche Beteiligung Infusionen virtuell vorbereiten und legen. Mehr Infos zum virtuellen Rettungswagen findet ihr auf der Homepage des DRK-Rheinhessen-Nahe.

Darüber hinaus bietet das DRK das MANV3D an: Ein virtuelles Einsatztraining, das die Sanitäter auf sehr gefährliche und lebensbedrohliche Situationen vorbereitet. Die Rettungskräfte befinden sich in einer nachgestellten Unfall-Umgebung und haben die Möglichkeit diese zu erkunden und die Verletzten zu sichten:

Offizieller Hinweis des DRK: Das Video ist für Kinder nicht geeignet und zeigt ggf. verstörende Inhalte. Die abgebildeten Personen sind professionell präparierte Darsteller im Rahmen des Projektes. (Quelle: Youtube-Kanal des DRK Rheinhessen-Nahe)

Zukünftig folgen neue Projekte, wie das 3D-Modell eines Patienten, um die Ausbildung im Rettungsdienst weiter zu optimieren.

 

Augmented Reality in der Praxis

Neuere Forschung beschäftigt sich darüber hinaus mit dem Einsatz von Augmented Reality (erweiterte Realität) bei echten Rettungseinsätzen. Das Projekt AUDIME (Audiovisuelle Medizinische Informationstechnik) erforscht den Einsatz von AR-Brillen in den Helmen der Rettungskräfte und wird dabei vom Bundesministerium für Bildung und Forschung unterstützt.

Die Ersthelfer tragen während des Einsatzes eine Datenbrille mit integrierter Kamera, die visuelle Informationen (Bilder, Texte und Objekte) einblendet und den Rettungsprozess dadurch unterstützt. Oftmals finden die Ersthelfer ihre Unfallopfer mit schweren Verletzungen vor, die eigentlich Facharzt-Wissen und eine Behandlung im Krankenhaus benötigen.

Die eingeblendeten Informationen sind für die Notfallsanitäter eine Hilfestellung, um auch in komplizierteren Situationen die Patienten entsprechend behandeln zu können. Sogar die direkte Kommunikation mit Ärzten im Krankenhaus sowie mit anrückenden Einsatzkräften, ist mit den AR-Brillen möglich. Weitere Informationen zum Projekt AUDIME und konkrete Szenarien findet ihr hier.

Virtual Reality kann sehr vielfältig zum Einsatz kommen, da annähernd jede Situation und Räumlichkeit virtuell nachgestellt werden kann. So finden beispielsweise auch virtuelle Trainings und 3D-Simulationen im Bereich des Katastrophenschutzes, bei verschiedenen Wetter-Szenarien oder Massenpaniken, statt.

 

Weiter gedacht…

Der konkrete Nutzen der vorgestellten VR-Projekte innerhalb des Rettungsdienstes steht im Zusammenhang mit Tech for Good außer Frage. Erfreulicherweise entwickelt sich die Forschung in diesem Bereich ständig weiter und neue Projekte folgen. Das Potenzial der Virtual Reality jenseits der Unterhaltungsbranche ist enorm: Die Technologie kann auf Rettungseinsätze in der ganzen Welt, in Krisen- und Kriegsgebieten ausgeweitet werden. Ärztliche Versorgung und die Behandlung von komplizierten Fällen könnte somit auch in Entwicklungsländern garantiert werden.

Gleichzeitig kommt die VR-Technologie aber auch im Bereich Verteidigung und Militär zum Einsatz, indem Gefechtssituationen und Waffenhandling virtuell trainiert werden können. An diesem Punkt wird deutlich, dass der Übergang zwischen Tech for Good und Tech for Bad fließend ist.

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