Netzwerkdurchsetzungsgesetz – unsere Rettung vor den Fake News?

Hate Speech, Fake News und die Rettung durch das Netzwerkdurchsetzungsgesetz (im folgenden: NetzDG). Den aktuellen Hype um diese Themen hat Markus Reuter von https://netzpolitik.org/ auf der re:publica hinterleuchtet, die wir für Euch besucht haben.

Mit dem Wahlkampf von Hillary Clinton und Donald Trump kamen auch die Fake News als eine große Welle über den Atlantik zu uns herüber geschwappt. Viele der Berichte rund um die zwei amerikanischen Präsidentschaftskandidaten wurden im Nachhinein als Fake News enttarnt und deren Inhalte revidiert.

Spätestens als Donald Trump öffentlich auf Twitter alle großen amerikanischen Nachrichtensender als “Fake News Medien” bezeichnete, wurden Fake News in das Bewusstsein der Bevölkerung gerufen.

Fake News: Tweet von Donald Trump

Schon immer gab es Nachrichten, die sich als nicht wahrheitsgetreu entpuppten. Eine sehr bekannte ist zum Beispiel die Bielefeld-Verschwörung, die besagt Bielefeld existiert nicht. Leider – oder unter anderen Umständen zum Glück – ist das Vertrauen hier in Deutschland in Nachrichten online wie offline sehr hoch. Früher waren Nachrichten der einzige Weg, um etwas über das Geschehen in der Welt zu erfahren. Die Nachrichten waren gut recherchiert und weitestgehend vertrauenswürdig.

Durch die Online Medien verbreiten sich Neuigkeiten heutzutage rasanter. Das ist für den User sehr von Vorteil, da brandaktuelle Neuigkeiten direkt für alle zugänglich sind. Auf der anderen Seite ist es für Journalisten und Nachrichtensender ein immenser Druck dieser Geschwindigkeit gerecht zu werden, Inhalte detailliert zu recherchieren und in angemessener Zeit zu veröffentlichen.

Das Problem an Fake News ist, dass sie wahrgenommen werden wie wahrheitsgetreue Nachrichten und schneller geschaffen werden können. Sie setzten sich in den Köpfen der Leser fest, welche sich dadurch eine Meinung bilden. Fake News mit dem Ziel der bewussten Steuerung von Meinungsbildern in der Gesellschaft können somit sehr gefährlich werden.

Nun kommen zu den ohnehin schon sehr schnellen Online Medien auch noch Social Bots hinzu. Social Bots sind algorithmusbasierte Computerprogramme, die in Sozialen Netzwerken Beiträge verbreiten. Eine detailliertere Erklärung dazu ist hier zu finden: www.Gedankentojaner.de. Durch die Geschwindigkeit der Verbreitung durch diese Programme, entsteht eine sehr hohe Reichweite der News. Wenn also Social Bots Fake News verbreiten, erreichen diese sehr viele Leser.

Nun liegt die Vermutung nahe, dass ein programmierter Algorithmus in Form eines Social Media Profils, als solcher auffallen sollte. Leider sind Social Bots nicht so leicht zu erkennen, wie zuerst gedacht. Durch die gut programmierten Algorithmen, sind die Social Bots lernfähig und täuschen ein menschliches User-Verhalten vor: Zum Beispiel die Verzögerung von Antworten, das Lernen neuer Wörter und das abwechslungsreiche Reagieren in Diskussionen.

Welchen Nachrichten und welchen Social Media Plattformen und Profilen können wir noch glauben?

Rettet uns das Netzwerkdurchsetzungsgesetz?

Durch das große Aufkommen von Fake News und der zunehmenden Hate Speech im Netz kam nun die spontane Idee auf, diese gesetzlich zu regulieren. Mit dem Netzwerkdurchsetzungsgesetz. Ich sage bewusst spontane Idee, da es sich als genau solche anfühlt. Undurchdacht, nicht ausgefeilt, lückenbehaftet.

Ziel des NetzDG ist es, in Zukunft strafbare Inhalte innerhalb kürzester Zeit zu eliminieren. Offensichtlich rechtswidrige Inhalte müssen dem Gesetzesentwurf zufolge innerhalb von 24 Stunden gelöscht werden. Andere rechtswidrige Inhalte innerhalb von sieben Tagen.So weit, so gut. Doch was sind rechtswidrige Inhalte? Da beginnt die erste Lücke des Gesetzesentwurfs: Eine Definition über rechtswidrige Inhalte ist nicht zu finden. Darüber hinaus: Wie sollen diese Inhalte innerhalb von sieben Tagen überprüft werden?

Facebook bekommt mit diesem Gesetz die Entscheidungsgewalt übertragen, was rechtswidrig ist und was nicht. Ein von einem Nutzer als rechtswidrig gemeldeter Inhalt verpflichtet Facebook dazu diesen zu überprüfen. Findet das nicht statt, oder wird ein rechtswidriger Inhalt nicht gelöscht, drohen Facebook Geldstrafen von bis zu 50 Millionen Euro. Darf Facebook somit entscheiden was rechtswidrig ist und was nicht?

Die logische Handlung von Facebook mit Androhung dieser Strafe, ist bei fraglichen Inhalten „im Zweifelsfall löschen um sich selbst zu schützen“.Umgekehrt gibt es allerdings keine Bußgelder für das Löschen von einem rechtmäßigen Inhalt. Wenn Facebook alle Inhalte löscht, die als rechtswidrig gemeldet wurden, ist Facebook straffrei. Heißt das für uns, wir müssen ab jetzt aufpassen was wir sagen? Ist das nicht ein Eingriff in die Meinungsfreiheit, auf die wir hier in Deutschland so stolz sind?

Die Zweite Lücke verbirgt sich hinter der Definition, welche Sozialen Netzwerke von dem Gesetz betroffen sind. Im Gesetzesentwurf heißt es:

„Dieses Gesetz gilt für Telemediendiensteanbieter, die mit Gewinnerzielungsabsicht Plattformen im Internet betreiben, die es Nutzern ermöglichen, beliebige Inhalte mit anderen Nutzern auszutauschen, zu teilen oder der Öffentlichkeit zugänglich zu machen (soziale Netzwerke). Plattformen mit journalistisch-redaktionell gestalteten Angeboten, die vom Dienstanbieter selbst verantwortet werden, gelten nicht als soziale Netzwerke im Sinne dieses Gesetzes.“

Mit dieser Definition könnten sogar Messenger Dienste wie WhatsApp oder Video Chat Dienste unter dieses Gesetz fallen. In der erweiterten Definition sind es laut Justizministerium ungefähr 10 Plattformen, die von dem Gesetz betroffen wären.

Ein weiterer Punkt des Gesetzes ist das Verhindern von wiederkehrenden rechtswidrigen Inhalten. Daten dürfen nicht wieder online gestellt werden, wenn sie einmal gelöscht wurden. Durch einen digitalen Fingerabdruck werden die Inhalt gekennzeichnet. Das würde bedeuten, dass eine digitale Zensur damit gefördert wird. Wenn das Löschen von Bildern damit automatisiert wird, weil sie gemeldet wurden, dann wird ein Bild auch in einem anderen Kontext als rechtswidrig bewertet und nicht veröffentlicht. Maschinen können diesen Job nicht übernehmen. Die Sozialen Netzwerkdienste müssten Geld in die Hand nehmen und Arbeitsstellen schaffen.

Der Widerstand gegen dieses Gesetz wurde vom ersten Vorlegen des Entwurfs an lauter. Auf der Sitzung des Bundesrats am 2.Juni wurde eine Empfehlung zur Änderung des Gesetzes abgegeben. Die Empfehlung fordert mehrere Änderungen und Verbesserungen des Gesetzesentwurfs. Der Wirtschaftsausschuss kritisiert zum Beispiel, dass der

„Gesetzentwurf [ist] in wichtigen Teilen durch unbestimmte und offene Formulierungen und Rechtsbegriffe gekennzeichnet“ sei.

Nichtsdestotrotz will Heiko Maas, nach aktuellem Stand, das Gesetz noch in dieser Legislaturperiode umsetzen und sich eine Niederlage nicht eingestehen.

Können wir das Netz noch verbessern?

Was ist, wenn es nur ein kleiner Teil der Gesellschaft ist, der Hate Speech im Netz verbreitet, Social Bots programmiert oder/und Fake News veröffentlicht. Gibt es keinen anderen Weg an diese Sache heranzugehen? Wenn wir diese Störquellen ausrotten, statt das System im Großen und Ganzen neu zu schreiben, flacht der Hype dann nicht ab? Sollte nicht erst dem ganzen auf den Grund gegangen werden, bevor ein Gesetz verabschiedet wird, dass die Sache im Grunde nicht besser macht?

Unlängst seit dem Fall von Tuğçe Albayrak im Jahr 2014, die als sie helfen wollte ums Leben kam, ist Zivilcourage bewusst in unseren Köpfen verankert. Wieso nicht auch Zivilcourage in Sozialen Netzwerken beweisen? Hinschauen, statt wegschauen. Würde damit das Netz nicht auch zu einem “besseren Ort“ werden? So wie dadurch ebenso der Umgang mit unseren Mitmenschen besser werden würde.

Ein weiterer Ansatz zur Verbesserung der Netzkompetenz ist, als allererstes Artikel bis zum Ende zu lesen bevor sie geteilt, geliked oder kommentiert werden. Viele Nutzer geben an, genau das nicht zu machen. Fake News haben damit ein leichtes Spiel zu überzeugen und sich zu verbreiten. Sie können nur identifiziert werden, indem wir sie kritisch hinterfragen und nicht alles glauben was wir Online lesen. Wir sollten mehr Zeit damit verbringen Nachrichten kritisch zu hinterfragen, statt uns so viele Posts wie möglich auf der Timeline von Facebook anzuschauen.

Sowohl bei Fake News als auch beim NetzDG fehlt ein gesamtgesellschaftlicher Lösungsansatz. Der Gesetzesentwurf ist ein Schnellschuss, der leider bislang in der Umsetzung schief ging.

Für den Anfang würde “Love out Loud”, wie das Motto der re:publica lautete, helfen. Laut heraus lieben statt wegschauen. Für mehr Liebe und weniger Hass und somit auch weniger Hass und Fake im Netz. “Shout out Loud”: Aussprechen, statt klein machen. ♥

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Mit den Followern im Bett – Storytelling auf Snapchat

Eine Foto-App, bei der sich Bilder nach 10 Sekunden löschen – wer braucht das schon? Doch Snapchat kann so einiges mehr als das!

Snapchat gibt es mittlerweile seit 2011 und seitdem sind die Nutzerzahlen rasant angestiegen. Auch auf der re:publica war das Thema präsent. Es gab mehrere Sessions zu der App, welche alle sehr gut besucht waren. Doch was ist das eigentlich, dieses Snapchat? Und was macht die App so besonders?

Snapchat Benutzeroberfläche

Mal ganz von vorne…

Snapchat unterscheidet sich von vielen anderen Messaging Diensten durch seinen Aufbau. Statt Textnachrichten werden sogenannte „Snaps“ versendet. Das können Fotos, aber auch Videos sein. Diese sind nur temporär verfügbar, da sie maximal zehn Sekunden angesehen werden können. Da normale Fotos und Videos jedoch nicht besonders spannend sind, können die Snaps noch mit Filtern, Schriftzügen und Malereien „aufgepimpt“ werden. Die Filter werden täglich von Snapchat geupdatet, es kommen neue Filter dazu und ältere verschwinden wieder. So entsteht eine gewisse Dynamik und der Anreiz, die App zu verwenden.

Wem zehn Sekunden zu kurz sind, der kann seine Snaps auch der „Story“ hinzufügen. Stories sind ab der Veröffentlichung 24 Stunden sichtbar und können von allen Snapchatkontakten beliebig oft angesehen werden. Mit den Jahren hat sich Snapchat weiterentwickelt, sodass mittlerweile auch über die App gechattet werden kann. Bei Snapchat gibt es keine Notifications, wenn eine neue Story hochgeladen wurde. Wer up-to-date bleiben möchte, muss also regelmäßig die App checken. Damit passt sich die App dem  Nutzerverhalten der U20-Generation an, die keine Push-Notifications mehr als Anreiz benötigt.

Mit den Followern im Bett

Auf Snapchat ist eine vergleichsweise junge Zielgruppe zu finden. Das Durchschnittsalter der Nutzer liegt zwischen 14 und 20 Jahren. Anders als bei Facebook und Instagram gibt es auf Snapchat keine Algorithmen und Filterbubbles – und genau das macht Snapchat für viele Blogger, Journalisten und PR-Schaffende so attraktiv.

Sobald man einem Account folgt, wird dessen Story auch definitiv angezeigt. Zudem wird nicht zwischen privaten und öffentlichen Accounts unterschieden. Zwischen den Snapchat-Stories von Freunden taucht somit der Content von gefolgten Marken, Zeitschriften und Stars auf. Da die häufigste Nutzung von Snapchat morgens und Abends in der Horizontalen stattfindet, geht man mit den Followern buchstäblich ins Bett – und kommt ihnen so extrem nah.

Snapchat unterwegs

Ehrlicher und authentischer Content

Da auf Snapchat weder geliked noch kommentiert werden kann, besteht weniger der Druck, etwas zu posten was anderen gefällt. Das führt dazu, dass vorrangig authentischer Content gepostet wird. Seien es Schnappschüsse aus dem Schwimmbad oder lustige Videos mit Freunden – auf Snapchat ist alles möglich, außer gephotoshoppte und inszenierte Bilder. Viele Blogger machen sich das zunutze. Während auf Instagram schicke Selfies und Outfitbilder gepostet werden, findet man auf Snapchat kurze Videos vom Einkaufen im Supermarkt oder der letzten Partynacht, sowie Snaps mit lustigen Filtern über dem Gesicht. Durch Snapchat kann man hinter die Kulissen der scheinbar perfekten Blogger-Welt blicken und seinem Idol ganz nah sein.

Was hat Snapchat mit Storytelling zu tun?

Snapchat kann hervorragend für Storytelling genutzt werden. Allen voran beim Storytelling auf Snapchat ist Eva Schulz. Sie ist Snapchat-Reporterin bei „hochkant“, dem Snapchatkanal von „funk“, einem Online-Format von ARD und ZDF für 14- bis 29-Jährige.

Auf „hochkant“ werden von insgesamt drei Reportern tagesaktuelle News geliefert, sei es von den Wahlen in den USA oder vom Kirchentag in Berlin. Dadurch, dass bei Snapchat alles live ist und die Story publiziert wird, bevor sie überhaupt fertig ist, ist man als User sehr nah dran am Geschehen. Massenfeedback kann man auf Snapchat nicht erwarten, jedoch entstehen über die Chatfunktion oftmals persönliche Dialoge mit den Usern, so Schulz. Zudem ist für den Storyinhaber sichtbar, wer sich die Story angesehen hat und auch wenn ein Screenshot von einem Snap gemacht wurde. Somit hat man einen guten Anhaltspunkt, wie viele Menschen sich die Snaps angeschaut haben. Laut Schulz gäbe es zudem auf keinem Netzwerk so konstruktive und intensive Interaktion mit den Followern wie auf Snapchat. Perfektionismus ist hier nicht notwendig um gute Geschichten zu erzählen. Das authentische und persönliche ist das, was Snapchat wirklich ausmacht.

Schnappschuss von der Media Convention

Was ist zu beachten?

Wenn man nicht gerade Prominent ist, sollte man auf zu viele Selfieaufnahmen verzichten. Maximal dreimal hintereinander sollte das Gesicht in der Story zu sehen sein, spätestens dann muss etwas anderes gefilmt oder fotografiert werden. Sonst wird es für den Follower langweilig, so Schulz. Da die Aufmerksamkeitsspanne bei jugendlichen Nutzern oftmals geringer ist als bei Erwachsenen, sollte auf zu viel Gerede verzichtet werden. Durch die Kürze der Videos sind Erzählsprünge vorprogrammiert. Das sollte man sich zu Nutze machen und die Snaps geschickt zu einer Storyline verknüpfen. Um den Zuschauer nicht zu verlieren ist ein starker Anfang extrem wichtig. Jedoch muss man letztendlich auch einhalten, was man am Anfang verspricht. Um eine gute Geschichte zu erzählen, sollte man grob wissen was man vor hat, welche Geschichte es zu erzählen gibt und auf welche Reise man die Leute mitnehmen möchte. Gleichzeitig sollte man aber auch bereit sein alles über den Haufen zu werfen und Gelegenheiten nutzen, wenn sich beispielsweise zufällig ein Interview ergibt oder Begebenheiten sich ändern. Spontanität ist hier das A und O!

Da fast ein Drittel aller Snaps ohne Ton angesehen werden, ist es sehr zu empfehlen diese zusätzlich  zu beschriften. Zudem gilt: je vielfältiger die Snaps sind, desto besser! Die Filter bieten eine hervorragende Möglichkeit herumzuspielen und zu experimentieren – und auch um mal spontan etwas neues auszuprobieren, denn: nach 24 Stunden ist eh alles wieder verschwunden.

Viel Spaß beim Snappen!

Snapchat-Filter

 

Photocredit:
CC BY 2.0 – Daria Nepriakhina (unsplash.com)

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Der Einsatz sozialer Medien in der Polizeiarbeit

Mittlerweile sind über zwei Wochen vergangen und der spannende Roadtrip zur diesjährigen re:publica nach Berlin geht mir immer noch nicht aus dem Kopf. In der, nach eigenen Angaben, größten Konferenz der digitalen Gesellschaft, drehte es sich in diesem Jahr besonders um die Themen Hassrede und Falschmeldungen. Wir, die Redakteure von PR-Fundsachen verfolgten drei Tage lang die Veranstaltung und geben euch einen kleinen Einblick der Sessions, die wir besucht haben.

Es gab auf der re:publica sehr interessante Themen. Ich persönlich interessierte mich für das Thema „Der Einsatz sozialer Medien in der Polizeiarbeit“. Die Digitalredakteurin Alexa Brandt, Kommunikationswissenschaftlerin Katharina Kleinen-von Königslöw, Polizist sowie Social Media- und Community Manager André Karsten und Kriminologe Thomas-Gabriel Rüdiger berichteten, wie wichtig es für die Gesellschaft sei, dass auch die Polizei im Internet aktiv wird. Es wurde erzählt, dass die Polizei immer häufiger im PR-Bereich soziale Kanäle nutzt. Mittlerweile sind viele Bundespolizisten mit mindestens einem Account im Netz aktiv. Die erste Punkt, der von Alexa Brandt geklärt wurde, war:

„Was macht überhaupt die Polizei auf sozialen Kanälen?“

Die deutsche Polizei betreibt Präventionsarbeit, um der Kriminalität im Netz den Kampf anzusagen. Außerdem betreibt sie Storytelling, um ihr Image aufzubauen und zu stärken. Frau Brandt informierte ebenfalls darüber, dass zur Polizeiarbeit im Netz Zeugenermittlung, klassische PR (Bsp. Berufsinfotag), Krisenkommunikation und Community Management dazu gehören, um mit den Usern in Kontakt zu treten. Um sich nicht nur als ernsten, sondern auch als authentischen Arbeitgeber im Netz zu präsentieren, gehört auch die nötige Portion Selbstironie dazu.

Schnellere Informationsbeschaffung

Fakt ist, dass der Großteil Teil unserer Gesellschaft über Facebook oder Twitter kommuniziert, also sollte das auch die Polizei tun, sagte der Polizist sowie Social Media- und Community Manager André Karsten! Seit Jahren ist die deutsche Polizei dabei die Relevanz sozialer Medien, für die Polizei zu erforschen. Die Polizei bekommt dadurch Kenntnisse über den Einsatzort. Auf dieser Grundlage kann die Polizei ihren Einsatz koordinieren. Dadurch könnten die Behörden über soziale Netzwerke direkt die Bürger erreichen, die vor Ort gewarnt werden müssten.

Der Vergleich zu anderen Ländern!

Der Kriminologe Thomas-Gabriel Rüdiger ist der Meinung, dass nach heutigem Stand die Nutzung von sozialen Kanälen von Polizeibeamten noch mangelhaft sei. Insgesamt nutzt die deutsche Polizei 216 Twitter-Accounts. In Niederlande hingegen sind es schon über 2500 Accounts und es werden sogar immer mehr. Laut Herrn Rüdiger haben in der Niederlande sogar einzelne Beamte einen eigenen Account, was die Ermittlung vereinfachen soll. Um mit der Niederlande mithalten zu können, müssten in Deutschland mindestens 10.000 Ordnungshüter im Netz vertreten sein.

Die Broken-Web-Theorie

Was ich sehr interessant fand, war das Prinzip der Broken-Web-Theorie, die von Thomas-Gabriel Rüdiger angesprochen wurde. Die Broken-Web-Theorie sagt aus, dass Straftaten vor allem dann Nachahmer finden, wenn ihre Taten nicht geahndet werden. Er ist der Meinung, dass die Polizeipräsenz im Netz wichtig sei, damit Kriminalität im Netz nicht außer Kontrolle gerät.

Polizist am Smartphone

Da die Session sich dem Ende neigte, war noch eine ganz wichtige Frage zu klären:

„Wie sieht die Polizeiarbeit im Netz in 5 Jahren aus?“

Die Kommunikationswissenschaftlerin Katharina Kleinen-von Königslöw war der Meinung, dass die Nutzung von sozialen Kanälen bei der Polizeiarbeit stets steigen und ein erfolgreiches Tool für schnelle Informationsbeschaffung sein wird, um mit der Gesellschaft in Kontakt treten zu können. Das Ignorieren sozialer Kanäle in der Polizeiarbeit wäre in unserer heutigen digitalen Gesellschaft daher unvorstellbar.

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Die Renaissance des Podcasts: Aus der Nische zum Massenmedium

Podcasts sind so angesagt wie nie zuvor. Manch einer spricht gar von einem regelrechten Boom. Trotz allem haben Podcasts den Sprung aus der Nische noch nicht endgültig geschafft. Wie kam es zum Hype und welche weiteren Hürden müssen noch überwunden werden?

Auch auf der re:publica waren Podcasts in aller Munde. Neben besuchten Sessions trafen wir uns vor Ort mit Max Jacob Ost vom Fußball-Podcast Rasenfunk, der uns einige Fragen beantwortete und seine Eindrücke aus dem Alltag eines Podcast-Produzenten teilte.

Interview mit Max Jacob Ost
Max Jacob Ost (rechts) vom Rasenfunk Fußball-Podcast

Immer mehr Deutsche hören zu

Laut der ARD/ZDF-Onlinestudie 2016 liegt die aktuelle Anzahl der Podcast-Hörer bei 7,5 Millionen Menschen in Deutschland. Immerhin 3,5 Millionen Hörer mehr als noch im Jahr 2014. Für ein fast 20 Jahre altes Medium ein beachtlicher Aufwärtstrend. Wie ist dieser Aufschwung zu erklären?

Anzahl der Nutzer von Podcasts in Deutschland bis 2016
Anzahl der Podcast-Nutzer in Deutschland

Für Max kommen da zwei Faktoren zusammen: Die einst sehr technisch geprägte Podcast-Szene hat sich infolge der einfacher werdenden Produktionsmöglichkeiten auch dem Mainstream geöffnet. Vielfalt ist das Stichwort: Sport, Politik oder Lifestyle – Podcasts informieren, unterhalten und helfen beim Einschlafen. Darüber hinaus können Hörer eigenständig entscheiden, wann sie was hören möchten. Egal, ob beim Kochen, im Fitnessstudio oder auf dem Weg zur Arbeit: On demand beherrscht den Markt – linearer Konsum war gestern.

Stiefmutter Apple und iTunes vergeudetes Potenzial

Obwohl noch ca. 70 % aller Podcasts über iTunes abgerufen werden, scheint Branchenprimus Apple seine zentrale Podcast-Bibliothek weitestgehend zu vernachlässigen. Die unübersichtliche Benutzeroberfläche, eine schlechte Suchfunktion und die seit Jahren von öffentlich-rechtlichen Formaten dominierten iTunes-Charts verdeutlichen diesen Eindruck aus der Sicht des Nutzers.

Apple iTunes Podcast-Mediathek
Apple iTunes Podcast-Mediathek

Aber auch die Podcast-Produzenten haben an der Abhängigkeit von iTunes zu knabbern. Wer auf der Suche nach Metriken ist, die über die einfachen Download- und Abonnentenzahlen hinausgehen, wird bitter enttäuscht. Fehlende Analysemöglichkeiten zur Vermarktung bei Hörerschaft und Werbepartnern hemmen die Professionalisierung der Formate.

Als Podcast-Romantiker hält sich die Melancholie bei Max diesbezüglich jedoch in Grenzen. Denn mit mehr Zahlen steigt auch die Gefahr, dass der Podcast-Markt zukünftig von einer Werbeflut überschwemmt wird. Kann man mit dem Podcasting also kein Geld verdienen und bleibt es für die meisten Produzenten nur ein sehr zeitaufwendiges Hobby?

It’s all about the money

Für die Vorbereitung der Rasenfunk-Schlusskonferenz investiert Max ca. 12–14 Stunden, exklusive der Aufzeichnung und Postproduktion. Zusätzlich zu Beruf und Familie ein nicht zu unterschätzender, zeitlicher Aufwand. Grund genug, den Rasenfunk zum Beruf machen zu wollen. Wie geht man dieses Vorhaben richtig an? Zur Monetarisierung von Podcasts haben sich drei unterschiedliche Herangehensweisen herauskristallisiert:

Der vermutlich erfolgreichste Weg ist die Einführung einer Pay Wall. Zusätzliche Inhalte im Austausch gegen Bezahlung – klingt nach einem fairen Deal. Da iTunes keine Bezahlfunktion unterstützt, nutzen Produzenten neben PayPal oder direkter Überweisung das Angebot vom Crowdfunding-Service Patreon. Nutzer haben hier die Möglichkeit, einen regelmäßigen, selbstbestimmten Beitrag zur Unterstützung der aufgeführten Projekte zu zahlen.

Mit zunehmender Reichweite werden Podcasts auch für Werbetreibende interessanter. In den USA belief sich das Werbevolumen in 2016 auf 167 Millionen US-Dollar – Tendenz steigend. Die Werbebotschaft wird meist vom Podcast-Moderator selbst zu Beginn einer Episode vorgetragen und wirkt dementsprechend authentisch.

Werbevolumen in den USA
Werbevolumen in den USA

Max hingegen hat sich für das zäheste der drei Modelle entschieden. Er finanziert sich ausschließlich durch Spenden und nimmt derzeit zwischen 800 und 1.000 Euro ein. Um seinen eigentlichen Beruf als freischaffender Social-Media-Berater aufgeben zu können, müsste sich diese Summe mindestens verdreifachen. Dennoch möchte er auf Premiuminhalte und Werbung verzichten. Seine Hörer mit kleinem Geldbeutel und die Unabhängigkeit gegenüber Werbetreibenden sind ihm wichtiger. Es braucht also eine größere Reichweite, um den Rasenfunk auf eigene Beine zu stellen.

Streaming-Dienste in Lauerstellung

Eine größere Hörerschaft, Monetarisierungsmöglichkeiten und mehr Statistiken versprechen insbesondere die Streaming-Dienste Spotify, Deezer und Amazon-Tochter Audible. Abseits von iTunes und RSS-Feeds dringen sie in den Markt ein und möchten das Medium Podcast endlich massentauglich machen. Mit der exklusiven Bereitstellung des erfolgreichsten deutschen Podcasts „Fest & Flauschig“ von Jan Böhmermann und Olli Schulz gelang Spotify bereits ein erster Coup. Mit ihrem Call for Papers-Format wählte Audible einen anderen Ansatz auf der Suche nach neuen Formaten.

Spotify auf iPad

Innerhalb der Community mehren sich jedoch auch kritische Stimmen, die den Podcast als ur-demokratisches Medium in Gefahr sehen. Durch entstehende Abhängigkeiten einer Plattformisierung könnten Zugangsbarrieren aufgebaut werden und die lebendige Community auseinanderbrechen.

Was braucht es denn zur Massentauglichkeit?

In einer aktuellen Statista-Umfrage nannten Befragte die fehlende Zeit als einen der Hauptgründe gegen das Hören von Podcasts. Auch wenn die Einstiegshürde mit einer zweistündigen Folge des Rasenfunks sehr hoch sei, hält Max diese Annahme für einen Irrglauben: „Wenn man dem Medium erst mal eine Chance gibt, kommt man so schnell nicht mehr davon los. Denn beim Abwaschen oder auf dem Weg zur Uni findet man plötzlich die Zeit.“

Ein weiteres Hemmnis ist die Unbekanntheit vieler Podcasts. Christian Bollert, Geschäftsführer des Internetradios detektor.fm, sieht hierbei insbesondere „die Anderen“ in der Pflicht. Auf der re:publica legte er in seiner Session „Wie Podcasts mehr Leute erreichen können“ den Finger in die Wunde und formulierte einen Wunschzettel, um das Medium Podcast weiter voranzubringen:

Zuallererst braucht es „offene Standards statt closed Shops“. Dazu gehört die barrierefreie Bereitstellung der Podcasts sowie die Versorgung der Produzenten mit Daten & Statistiken. Digitalkonzerne, Öffentlich-Rechtliche und Podcast-Szene müssen hierfür zusammenarbeiten.

Die eigentliche Grundvoraussetzung für das Streamen von Podcasts ist aber eine stabile Internetverbindung. Da Podcasts oftmals unterwegs gehört werden, sieht Christian auch die Mobilfunkanbieter in der Pflicht: „Wieso bezahlen wir im europäischen Vergleich so viel für unsere mobilen Daten? Warum werden in Deutschland nach wie vor keine echten Flatrates angeboten?“

Auch in Sachen Netzneutralität besteht Handlungsbedarf. Wenn bestimmte Dienste, wie beispielsweise Spotify, bevorzugt werden und das Datenvolumen nicht belastet wird, sehen kleinere Podcast-Produzenten alt aus.

Fragt Christian bei Autobauern oder der Deutschen Bahn nach einer Podcast-Strategie, schaut er meist in ratlose Gesichter. Entertainment-Systeme in Autos, Zügen und Flugzeugen werden immer größer und aufwendiger. An die Einbindung von Podcast-Datenbanken dachte offensichtlich noch niemand.

Innerhalb der Podcast-Community wächst der Wunsch nach der Entwicklung einer sozialen Audioplattform. Bisherige Ansätze wie Clammr oder Anchor haben noch nicht im gewünschten Maße gefruchtet. Es bleibt abzuwarten, ob die Live-Audio-Funktion von Facebook hierbei einen neuen Stein ins Rollen bringt.

Die Nische als Chance?

Es braucht also noch so einiges, um den Podcast der breiten Masse schmackhaft zu machen. Einige Beteiligte haben die Zeichen der Zeit bereits erkannt, andere scheinen die Attraktivität des Mediums zu übersehen. Vielleicht ist das aber auch gar nicht so schlecht. Die Podcast-Szene lebt von ihrer aktiven Community, der dezentralen Organisation und den vielen Idealisten wie Max, die den Podcast vor einer zu starken Kommerzialisierung schützen möchten. Mit dem Nischendasein hat es sich in eine Position gebracht, aus der das Medium langsam und stetig wachsen kann.

 

tl;dr

Podcasts erfreuen sich großer Beliebtheit. Derzeit hören ca. 7,5 Millionen Deutsche Podcasts. iTunes wird als zentrale Podcast-Bibliothek von Apple vernachlässigt und bietet wenig Möglichkeiten für Nutzer und Produzenten. Streaminganbieter haben die Zeichen der Zeit erkannt und positionieren sich im Podcastgeschäft. Die Podcast-Community hingegen fordert offene Standards und sucht die Zusammenarbeit mit Digitalkonzernen und Öffentlich-Rechtlichen.

Photo credit:
CC BY 2.0 – My Podcast Set I by Patrick Breitenbach (Flickr)

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Unsere Fundstücke des Tages (3/3)

Zum Abschluss der re:publica komplettieren wir unsere Minirubrik mit dem dritten Teil der Fundstücke des Tages. Viele lesenswerte Inhalte und die wichtigsten Meldungen der PR-Fundsachen von DER Digitalkonferenz im Überblick.

Hoher Besuch aus der Politik: Während Arbeitsministerin Andrea Nahles gestern noch gegen ein bedingungsloses Grundeinkommen plädierte, stellte sich Innenminister Thomas de Maiziére heute den kritischen Fragen von Markus Beckendahl (netzpolitik.org) und Constante Kurz (CCC) im netzpolitischen Dialog.

Euch interessiert, über was und wen auf der #rp17 sonst so gesprochen wurde? Talkwalker liefert im Dashboard Live-Statistiken. Reinschauen lohnt sich!

Viele Unternehmen nutzen die re:publica, um sich zu aktuellen digitalen Themen zu positionieren. Dies passiert jedoch nicht nur vor Ort. Eine Kostprobe bietet das Mercedes-Benz Passion Blog.  

Eine Konferenz als reine Spaßveranstaltung? Dass auf der re:publica, entgegen vieler Meinungen, durchaus härter geschuftet wurde als in so manchem Großraumbüro, beschreibt Lars Hahn in seinem Blog systematischkaffeetrinken.de.

Wer noch mehr über die vergangenen drei Tage re:publica erfahren will, dem empfehlen wir einen Blick in den offiziellen Newsroom der #rp17. In Zusammenarbeit mit der Evangelischen Journalistenschule und Fink & Fuchs wurden dort von 15 Studierenden und VolontärInnen Meldungen zu Talks und Thementracks umfassend zusammengefasst.

Twitter

Auch der letzte Tag lieferte genug, um unseren Twitter-Kanal ausreichend zu füllen. Spannende Einblicke gab es insbesondere aus der Session „Does 5G give us a new perspective?„.

Alles, was unsere Redakteure privat von der re:publica twittern, findet ihr unter #onkomm und #rp17.

Snapchat

Auch unser Snapchat-Team war wieder auf der Jagd nach Impressionen und interessanten O-Tönen. Für die volle Story folgt unserem Account pr-fundsachen.

Instagram

Heute haben wir Botschaften von Kübra Gümüşay, Katharina Nocun, Dominik Ruisinger und Thomas Pleil für Euch. Schaut doch mal rein! 

Kübra Gümüşay

Katharina Nocun

Dominik Ruisinger

Thomas Pleil

Facebook

Wegen technischer Probleme konnte das Facebook-Team erst um 20 Uhr ihren täglichen Livestream abhalten. Heute berichteten euch Niklas und Johannes, wie sie den letzten Tag der re:publica erlebt haben. Ihr kleines Resümee:

Thanks goes to #rp17.
Livestreams @ https://re-publica.com/en/17/news/republica-2017-live-streaming

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Unsere Fundstücke des Tages (2/3)

Auch heute liefern wir in den Fundstücken des Tages ein kleines Roundup zum heutigen Tag auf der re:publica. Alle von uns produzierten Inhalte und was sonst noch so wichtig ist, hier im Überblick.

Was Sascha Lobo für den Montag Abend der re:publica ist, ist Gunter Dueck für den Dienstag Morgen. Gewohnt kurzweilig eröffnete der freie Schriftsteller den zweiten Tag der #rp17 und philosophierte über den Flachsinn unserer digitalen Gesellschaft:

Heute muss man auffallen, um positiv wahrgenommen zu werden. Früher war das anders herum.

Ganz getreu dem diesjährigen Motto “Love Out Loud” sprechen sich viele Speaker gegen Hatespeech und alternative Fakten aus. Wieso die Social-Media-Chefin der Welt “Fake News” künftig komplett aus ihrem Wortschatz streichen will, schreibt Marvin Schade auf meedia.de.  

Die Konsequenzen einer extra Stromzufuhr ins Gehirn beleuchtete Miriam Meckel auf Stage 1. Dabei ließ sie auch kritische Fragen zu möglichen Zweiklassengesellschaften nicht aus. Ziemlich mutig, ein unzertifiziertes Gerät an ihrem Gehirn auszuprobieren (Facebook Video). Eine andere Perspektive dazu zeigt uns wired.

Twitter

Erneut waren wir in vielen Sessions zu Gast und berichteten live auf unserem Twitter-Kanal über folgende Themen:

Flachsinn – über gute und schlechte Aufmerksamkeit , wie man sie bekommt, wer gewinnt und wohin alles führt

Coca Cola statt RTL, EDEKA statt Prosieben: Marken produzieren Shows und Formate im Social Web

Mission Possible: Authentische Kommunikation im Social Web

Alles was unsere Redakteure privat von der re:publica twittern, findet ihr unter #onkomm und #rp17

Snapchat

Auch unser Snapchat-Team war wieder auf der Jagd nach Impressionen und interessanten O-Tönen. Für die volle Story folgt uns unter unserem Account pr-fundsachen.

Snapcode - re:publica
Snapcode – re:publica

Instagram

Wir haben die Experten Sascha Lobo, Schiwa Schlei und Lena Rogl gefragt, was sie #onkomm-Studierenden mit auf den Weg geben würden. Was sie dann sagten, war einfach unglaublich:

Sascha Lobo

Schiwa Schlei

Lena Rogl

Facebook

Jeden Tag um 16:30 Uhr geht unser Facebook-Team online. Johannes und Philip berichteten wie sie die re:publica erlebt haben.

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Onkomm-Studierende berichten von der re:publica TEN aus Berlin


republica-prf-logo

#onkomm goes #rpTEN! Studierende des Studiengangs Onlinekommunikation fahren zur re:publica nach Berlin, um von der größten Digitalmesse der Welt zu berichten.

Besonderes Interesse gebührt hierbei Vorträgen unter dem Gesichtspunkt der Content-Strategie: Wie können multimediale Inhalte in strukturierte Bahnen gelenkt werden? Wie kann man technische Algorithmen für die Contentproduktion nutzen? Und was passiert eigentlich auf Snapchat, wenn der Medien-Hype vorüber ist?

Content-Strategie auf der #rpTEN

Der Studiengang Onlinekommunikation setzt sich mit Themen aus den Schwerpunkten Online-PR, Online-Marketing und Corporate Learning auseinander. Unter der Leitung von Prof. Dr. Thomas Pleil findet dieses Sommersemester das Seminar Content Strategy statt. Die Exkursion zur re:publica verspricht Einblicke in aktuell diskutierte Themen der digitalen Gesellschaft. Im vergangenen Jahr waren über 850 SpeakerInnen aus 80 verschiedenen Ländern auf der Bühne. Mit zuletzt über 7.000 BesucherInnen ist die Messe ein wichtiger Faktor für den Internetstandort Deutschland.

Auf PR-Fundsachen versuchen wir die vielfältig angebotenen Talks, Workshops und Seminare zum Thema Content-Strategie abzubilden. Natürlich können wir nicht allumfassend von der Messe berichten – vielmehr möchten wir auf die inhaltlichen Überschneidungspunkte der re:publica und unserem Studiengang eingehen. Vom 2. – 4. Mai bloggen wir auf PR-Fundsachen über die von uns besuchten Vorträge. Ausgewählte Texte werden zudem auf unserer Publikation “Wandel durch Content-Strategie” auf Medium veröffentlicht. Beiträge zur re:publica erkennt ihr an unserem neuen #rpTEN-Banner.

Livekommunikation über Snapchat

Aber wir wären nicht Studierende der Onlinekommunikation, wenn die sozialen Medien leer ausgehen würden: Deswegen begleiten wir unsere Exkursion zur re:publica sowohl auf Facebook, Twitter sowie – ganz taufrisch – ab sofort auf Snapchat.

pr-fundsachen-snapchat

Wer dieses Jahr nicht auf der Messe ist, aber Lust hat, immer auf dem Laufenden zu bleiben, behält am besten die Hashtags #onkomm und #rpTEN im Auge. Über die Hashtags werden wir auch eventuelle Treffpunkte kommunizieren.

Stay tuned und wir sehen uns im nächsten Blogbeitrag!

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re:publica: Sascha Lobo tadelt die Netzgemeinschaft

Sascha Lobo auf der re:publica 2014 (Flickr-Bild: HolgerRings; Lizenz: CC)
Sascha Lobo auf der re:publica 2014 (Flickr-Bild: HolgerRings; Lizenz: CC)

Die re:publica ist vorbei. “I’ve been looking for digital freedom”, so sang David Hasselhoff auf der Berliner Internetmesse.  Es war jedoch nicht der US-Entertainer, der die  Schlagzeilen über die re:publica dominierte.  Denn auch Internetspezialist und Blogger Sascha Lobo widmet sich dem Thema Internetfreiheit in seiner “Rede zur Lage der Nation”.

Sascha Lobos „Rede zur Lange der Nation“ vom 06.05.2014

Eine etwas andere Keynote

Es ist mittlerweile Tradition, dass Sascha Lobo am ersten Tag der re:publica eine Keynote-Rede hält. Normalerweise besticht der Mann mit dem Irokesen-Haarschnitt durch Redegewandtheit und Witz – ein Grund, warum die Halle fast aus den Nähten platzt. Doch das gespannte Publikum wird desillusioniert: Heute gibt es keinen lustigen Sascha Lobo, der mit jedem zweiten Satz einen Lacher provoziert – heute ist Sascha Lobo nüchtern und seriös. Mit seiner „Rede zur Lange der Nation“ möchte er der Netzgemeinschaft ein Thema ans Herz legen, das er für wichtig erachtet.  Seine eröffnende Aussage lautet:  „Ihr habt versagt, was die Unterstützung jener angeht, die versuchen, das Internet frei, sicher und offen zu halten“ Ein Vorwurf an jeden, dem das Thema Internetsicherheit am Herzen liegt.  Eine rhetorische Taktik, die  Aufmerksamkeit erzeugt und an der einige Anstoß finden.

Bundessprecherin der Piratenpartei Anita Möllering twittert live von der re:publica.
Bundessprecherin der Piratenpartei Anita Möllering twittert live von der re:publica.

 

Das Versagen der Internetgemeinde

Warum „wir“ versagt haben? Lobos Aussage: „Weil ihr nicht spendet! Ihr wollt zwar ein freies Internet und heißt es nicht gut, von NSA  und Co ausspioniert zu werden, aber trotzdem verzeichnet ein Bayrische Vogelschutzverein jährlich mehr Zuwendungen als alle deutschen Netzpolitischen Organisationen gemeinsam“

„Politische Prozesse sind so lang, so schwierig. Da muss jemand dran bleiben. Das kostet Geld!“, appelliert der Internetpunk. Lobo fordert auf, aktiv zu werden und durch Investition in Organisationen wie Netzpolitik.org aus der Hobby-Lobby fürs Internet eine ernsthafte Lobby zu gestalten.

 

Neue Hashtags braucht das Land

Im Eiltempo erinnert Lobo en Detail an die NSA-Affäre. Einige Seiten Notizen später hält er kurz inne und sagt: „Und das war nur der Juni!“ Er will zeigen: Der Späh-Skandal war wie ein Meteoriten-Einschlag ins Internet. „Der Meteorit schlägt immer noch ein. Und ihr? Ihr installiert ein weiteres Plug-In und macht ansonsten weiter wie bisher. Ein bisschen twittern und sich über Profalla lustig machen – das war‘s“, so das nüchterne Urteil des Kultbloggers.

Aber eigentlich will er ja gar nicht das Wort NSA-Affäre gebrauchen. Denn eine Affäre ist schließlich irgendwann beendet. Stattdessen möchte Lobo Hashtags wie: #Spähangriff, #Spitzelattacke oder #Totalüberwachung prägen. Und auch die Geheimdienste bekommen von ihm einen neuen Namen –  #Überwacher oder #Spähradikale. Twitter-User gewöhnen sich an das neue Vokabular und fangen an, umzudenken.

Twitter-User lernen neue Vokalen
Twitter-User lernen neue Vokalen

 

Apell und Reaktion

Lobo hofft auf Unterstützung durch  Konzerne und Politik. Er fordert dazu auf, Bündnisse zu schließen und endet mit der Aussage:  „Wir sind nicht machtlos.“ Noch ein letzter Apell an alle, mit zu machen und im Zuschauerraum bricht tosender Applaus aus.

Die Reaktionen von Bloggerszene und Presse sind gemischt.

 

„Lobos Standpauke hat gesessen – bleibt zu hoffen, dass möglichst viele sie sich wirklich zu Herzen nehmen.“  – Techblog t3n

 

„Die Ermahnung von Sascha Lobo bei seiner jährlichen Grundsatzrede auf der re:publica […] Er mahnte Ähnliches auch schon vergangenes Jahr an, an selber Stelle. Ohne etwas zu bewirken.“manager-magazin.de

 

„Sascha Lobo ist jetzt offiziell nicht mehr lustig. […]Lobo mahnt aber nicht nur, er beschimpft sein Publikum auch.taz.de

 

„Sascha Lobo als Priester der Netzgemeinde: Er legte den Finger in die Wunde der mangelhaften Bemühungen für ein freies Internet – und er hat recht: Die Netzgemeinde hat immer noch nicht begriffen, wie sie ihre Ziele in der Politik nachhaltig durchsetzt.“ –  welt.de

 

Wie die Aufmerksamkeit umschägt

Obwohl die Presse Sascha Lobos Rhetorik kritisiert, scheint das Publikum seine Drohung ernst zu nehmen.  Die Frankfurter Allgemeine Zeitung widmet sich Lobos Behauptung, es gebe keine politischen Ansprechpartner zum Thema „Weltüberwachung per Internet“ ausführlich im Feuilleton. Im Interview sind drei Experten aus Politik, Internetszene und Wissenschaft – und diese schließen sich Lobos Meinung an.

Es scheint, als habe Lobo eine Welle losgetreten – zumindest Aufmerksamkeit gab es genug. Die Reaktion der Öffentlichkeit: Experten-Interviews in überregionalen Zeitungen und unzählbare Blogeinträge so wie Twitter-Posts. Die Netzgemeinde ist gewillt, Lobos Aussage weiter zu transportieren – ob sie wie gewünscht spenden, wird sich noch herausstellen.

 

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