Im September 2015 geriet VW durch den Dieselskandal in eine historische Krise. Doch nicht nur die Manipulation der Abgaswerte führte zu massiven Verlusten an der Börse, auch die mangelhafte Krisenkommunikation wirkte sich weiter darauf aus. Damals zeigte sich, was passiert, wenn Manager unter Druck agieren: Statt sofort Transparenz zu schaffen, wählte VW die „Salamitaktik“. Es wurde nur häppchenweise das öffentlich zugegeben was die Öffentlichkeit eh schon wusste. Dazu kam ein Koordinationsproblem: Das US-Management kommunizierte teilweise andere Inhalte als die Konzernzentrale in Deutschland. Das wirkte auf die Öffentlichkeit unehrlich, sodass die Menschen noch mehr das Vertrauen in die Marke verloren.
Was KI hätte leisten können
Hätte das PR-Team damals auf KI-Systeme zugreifen können, wäre der Ablauf vermutlich strukturierter gewesen. Erfahrene Kommunikationsprofis hätten diese Fehler auch ohne Technologie verhindern können, die Gefahren der Salamitaktik und mangelnder Abstimmung sind auch für Menschen lösbar. Doch in akuten Stresssituationen bietet KI ein nützliches Hilfswerkzeug.
Dabei spielt vor allem der Faktor Zeit eine entscheidende Rolle: In der ersten Stunde einer Krise ermöglicht es die Technik, tausende globale Presseanfragen und Social-Media-Daten zu clustern, um sofort die kritischsten Narrative zu identifizieren.
Über das reine Monitoring hinaus hätte KI als strategisches Simulationswerkzeug dienen können. Durch Vorab-Analysen hätten verschiedene Kommunikationsstrategien digital durchgespielt werden können. Dies hätte dem Management vermutlich deutlich vor Augen geführt, dass die gewählte Salamitaktik nicht die vielversprechendste Option war. Zudem hätte die Technik geholfen, zwischen den USA und Deutschland eine einheitliche Haltung zu erzeugen und Entwürfe für internationale Statements zu erarbeiten. Die KI ist dabei ein Werkzeug, das Informationen ordnet und dem Team Zeit verschafft, wenn die Lage unübersichtlich wird.
Fazit
Das Beispiel zeigt, dass unklare Kommunikation eine Krise spürbar verschärft. Künstliche Intelligenz bietet heute praktische Instrumente, um in solchen Phasen den Überblick zu behalten. Sie nimmt den Menschen nicht das Denken ab, aber sie liefert Daten und Textentwürfe, die im Ernstfall entlasten. Ein Algorithmus kann Prozesse beschleunigen und gut formulierte Statements vorbereiten.
Die eigentliche Verantwortung bleibt jedoch beim Menschen. Glaubwürdigkeit und Vertrauen entstehen erst dann, wenn echte Personen Fehler offen eingestehen und daraus sichtbare Konsequenzen ziehen.

