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Das war 2010 – Kleiner PR-Rückblick

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Das Jahr 2010 neigt sich dem Ende zu und überall gibt es jetzt Jahresrückblicke, die das vergangene Jahr noch einmal Revue passieren lassen. Da es dieses Jahr auch einige Ereignisse gab, die direkt oder indirekt die PR betrafen, haben wir mal ein paar davon gesammelt und sie hier als kleinen Rückblick zusammengefasst. Wir erheben hierbei keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Wem also noch das ein oder andere Ereignis einfällt, der darf das gerne in den Kommentaren einfügen.

Die Arbeit als Pressesprecher ist nicht immer einfach. Besonders  dann nicht, wenn man Pressesprecher von Wolfgang Schäuble ist. Weil Michael Offer Unterlagen auf einer Pressekonferenz im November nicht rechtzeitig verteilen ließ, rügte Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble ihn vor laufenden Kameras. Offer zog daraufhin seine Konsequenzen und trat als Pressesprecher zurück.
Hier gibt’s das Video zur Pressekonferenz:

Für einen Social-Media-Eklat sorgten dieses Jahr auch Greenpeace und Nestlé. Greenpeace veröffentlichte im März ein Video, in dem Nestlé beschuldigt wurde, in seinem Schokoriegel Kitkat Palmöl zu verwenden und dadurch Orang Utans zu töten. Greenpeace verbreitete das Video mit Hilfe von Social Media. Nestlé reagierte verärgert, versuchte das Video sperren zu lassen, nahm sogar seine Facebook-Seite aus dem Netz. Das verärgerte vor allem Social Media Nutzer, die Nestlés Vorgehensweise kritisierten und nicht verstehen konnten, warum Nestlé versuchte, Social Media Aktivitäten zu unterbinden, statt den Leuten genau dort zu begegnen.
Das Kampagnen-Video noch einmal zum Anschauen:

Eines der spektakulärsten Ereignisse des Jahres war die Explosion der Ölplattform Deepwater Horizon im Golf von Mexiko. Im April brach auf der Bohrinsel Feuer aus, mehrere Menschen starben und unzählige Tonnen Öl gelangten ins Meer. Für viele reagierte BP auf den Vorfall nicht angemessen. Einige unbedachte Äußerungen und Handlungen des BP-Vorstandsvorsitzenden Tony Hayward verschlechterten zudem den Ruf von BP. Nach zahlreichen PR-Pannen trat Hayward dann im Juli von seinem Posten zurück.

Aus PR-Sicht richtig reagiert, hat dagegen OTTO. Im November hatte das Versandhaus zu einem Modelcontest aufgerufen. Der Gewinner sollte einen Monat lang das Facebook-Profil von Otto zieren. Viele Tausend Leute nahmen am Contest teil. Die Facebook-Nutzer konnten über den Sieger abstimmen. Und dazu wählten die Nutzer ausgerechnet Sascha. Er hatte, aus Spaß, als Brigitte verkleidet beim Contest mitgemacht. Weder er noch OTTO hatten mit diesem ungewöhnlichen Sieg gerechnet. Doch die Verantwortlichen des Versandhändlers nahmen es gelassen und luden „Brigitte“ zum Fotoshooting. Das Ergebnis ist momentan auf der Facebook-Seite von OTTO zu sehen.

Alles andere als gelassen hat dagegen die Baden-Württembergische Landesregierung auf die Proteste gegen Stuttgart 21 reagiert. Im Laufe des Jahres wurden die Proteste zum umstrittenen Bahnprojekt immer größer. Zum endgültigen Eklat kam es schließlich, als die Polizei am 30. September mit Wasserwerfern und Pfefferspray massiv gegen die Demonstranten vorging. Viele Bürger waren daraufhin enttäuscht von der Reaktion der Landesregierung, die eher auf Konfrontation statt auf Diskurs zu setzen schien. Auch ein eingeleitetes Schlichtungsverfahren konnte dem angekratzten Image nicht wirklich helfen. Dass immer wieder Vorwürfe auftauchten, PR-Agenturen hätten eine Pro-Stuttgart 21-Bewegung initiiert (Astroturfing) trug natürlich auch nicht zu einer Verbesserung bei. Derweil gehen die Proteste auch nach dem Schlichtungsverfahren weiter, ebenso die Baumaßnahmen.

Dass der Einsatz von Social Media in Unternehmen wichtig und sinnvoll ist, sehen mittlerweile immer mehr Leute ein. Auch dass dafür eine gewisse Kenntnis der Netzwerke und Tools wichtig ist, leuchtet immer mehr Leuten ein. Um das aber alles nutzen zu können, muss sich ein Unternehmen erst einmal die für es relevanten Accounts sichern. Was passiert, wenn ein Unternehmen das verpasst, zeigt das Beispiel der Deutschen Bahn. Ein Nutzer hatte sich vor der Bahn den Twitter-Account „@deutschebahn“ gesichert und verfasst dort nun regelmäßig amüsante und ironische Kommentare über die Bahn. Peinlich für die Bahn, lustig für die über 2500 Follower.

Die Social Media Aktivitäten der Bahn sind generell eher umstritten. In Erinnerung geblieben ist in diesem Jahr neben Stuttgart 21 besonders die „Chef-Ticket-Problematik“ auf Facebook. Die Bahn rief eine Facebook-Seite ins Leben, um dieses Ticket zu bewerben. Kunden der Bahn und Facebook-Nutzer hofften auf einen öffentlichen Diskurs der Bahn mit ihren Kunden, wurden aber enttäuscht. Dafür musste die Bahn heftige Kritik einstecken. Mittlerweile ist die Facebook-Seite wieder deaktiviert.