Anfänge des Tourismus

Von 0 auf über 1,3 Milliarden Touristen. Die anfänglichen Schritte des Tourismus waren nicht größer als ein Kinderschritt. Um Tourismusmarketing zu verstehen muss man zuerst auf die Geschichte des Tourismus blicken. Vom ersten analogen Reiseführer bis hin zum 360° Video auf Youtube – die Tourismusbranche boomt!

 

Alle Wege führen nach Rom

Die Alten Ägypter erfanden den Tourismus, indem sie für ihre Bildung verreisten. In der Antike sah man das locker, wodurch man erstmals zum Vergnügen verreiste. Aus ihren Schriften geht hervor, dass sie gerne mal einen Abstecher zur Sphinx und den großen Pyramiden machten.

Bereits 300 n.Chr. (wir befinden uns in der römischen Antike) stand eine Infrastruktur mit 90.000 Kilometern als Verbindung zu anderen Ländern. Vor allem Bildungs- und Vergnügungsreisende nutzen diese Strecken. Der Reiseverkehr war noch jung und bekam endlich die Chance zum Wachsen. Als es das Römische Reich dahinraffte, wurde das Straßennetz seinem einsamen Schicksal überlassen.

Menschen, in Gewändern, reisen auf Kamelen durch die Wüste.

Tourismus stammt aus dem griechischen Vokabular (τορνοζ = tornos) und beschreibt ein zirkelähnliches Werkzeug. Damit lässt sich eine kreisartige Bewegung vom Heimatort, bis hin zum Ziel und eine Retour (tour = franz. für Rundgang, Umlauf) zur Heimat zeichnen.

 

Psychologischer Exkurs

Woher kommt unser Gefühl, dass Reisen etwas mit Selbstverwirklichung zu tun hat?

Im Mittelalter wanderten die Menschen zum Beispiel nach Paris und Oxford, um dort zu lernen. Allerdings wurde der Weg zum Ziel und man reiste, um des Weges willen. Jeder vollkommen individuell auf seine Weise. Seither wird Wandern als ein spiritueller Weg zu sich selbst empfunden.

Ein Wanderer genieß den Ausblick von einem Aussichtspunkt auf den Bergen.

Um an die Spiritualität anzuknüpfen: Wir alle erinnern uns an die Zünfte, die im 16 Jh. im Handwerk sogar eine Wanderpflicht einführten. Auf Reisen sollte der Auszubildende die Welt und sein Handwerk kennen lernen, um nach der Wanderschaft als gestandener Mann zurück zu kommen. Von Anfang an begleitete das Reisen eine persönliche Entfaltung, ähnlich wie sie heute von vielen Reisebloggern gepredigt wird.

 

Grand Tour

Junge Adlige traten bis ins 18 Jh. eine Kavaliersreise oder auch Grand Tour an. Das kann als Wegbereiter des neuzeitlichen Tourismus betrachtet werden. Sie bereisten vor allem die antiken Gegenden Italiens, aber auch München und Prag. Das Ziel? Jugendliche sollten auf ihre gesellschaftlichen Pflichten vorbereitet werden.

Von dieser ein bis dreijährigen Reise erhoffte man sich den Übergang ins Erwachsenenleben. Aus diesem Grund besuchten sie andere Adelsfamilien. Sie erlernten z.B. fechten, Sprachen oder Tänze. Die Adeligen reisten nur in Begleitung von Personal, wie z.B. Tutoren, Mentoren, Reisemarschällen, Kutscher und Begleitpersonal.

Eine große braune Burg. Dahiner strahlt die Sonne auf einen leicht bewölkten Himmel.

Nach einigen Jahren entwickelte sich diese strenge Reise weiter. Kunst und Vergnügen spielten nun eine große Rolle. Man reiste nicht nur zu Erziehungs- und Bildungszwecken, denn Genuss und Kunst standen ebenfalls auf dem Tagesplan. Man reiste nicht nur für andere, sondern auch zum Selbstzweck, so wie es auch heute oft der Fall ist.

 

Der allererste Reisebericht

Dichter und Denker aus dem Bildungsbürgertum wie zum Beispiel Johann Wolfgang von Goethe (1749–1832) oder Jean-Jacques Rousseau (1712–1778) schrieben Reisejournale, Romane oder andere Werke, um ihre Reiseerfahrungen zu teilen.

Der allererste Reisebericht stammt von Pytheas von Massalia (380 v. Chr. bis um 310 v. Chr.), einer der großen Entdecker der Antike. Sein Werk hieß vermutlich „Über den Ozean“.

 

Bevor „Touri“ zum Schimpfwort wurde

Im 18 Jh. war der Bädertourismus in Großbritannien ganz stark im Kurs. Zuerst erfreuten sich sowohl Adlige als auch das wohlhabende Großbürgertum an den Reisen zu Heilquellen und Kurorten, doch schon bald zog die Mittel- und Unterschicht nach. Manche Historiker datieren den Anfang des Massentourismus auf dieses Jahrhundert.

Einen Fixpunkt bildet die kleinbürgerliche Sommerfrische. Familien verbrachten ihren Urlaub gerne bequem auf dem Land in der Nähe ihres Wohnortes.

Ein Fluß fließt an einem Tannenwald entlang, während dieser sich im Fluss spiegelt.

Lasst uns kurz über das Wort „Urlaub“ sprechen. Der Begriff stammt aus dem althochdeutschen „urlub“ und erlaubte einem Ritter fortzugehen. Früher erteilte ein Höherstehender diese Erlaubnis, heute ist es der Arbeitgeber, obwohl du die Ironie in diesen beiden Wörtern bestimmt erkannt hast.

Die Sommerfrische setzte einen Meilenstein in der Geschichte der Touristik. Man machte sich Gedanken und markierte erstmals Wanderwege für mögliche andere Touristen. Gaststätten und Aussichtstürme wurden ausgebaut. Die gesamte Infrastruktur bekam eine touristische Ader.

 

Reiselektüre wird Pflicht!

Im 19 Jh. standen kürzere Reisen wie Tagesausflüge auf dem Programm. Der technische Fortschritt ermöglichte mit der Dampfschifffahrt und der Eisenbahn einfacher als je zuvor zu reisen. Bereits 1808 wirft eine kleine Verlagsbuchhandlung aus London den allerersten Reiseführer über Holland, Belgien und das Rheinland auf den Markt. Fortan wird die Reiselektüre zur Pflicht.

Langsam, aber sicher können wir hier vom frühmodernen Massentourismus sprechen!

Thomas Cook ist in der Tourismusbranche ein Begriff. 1840 erfand der junge Unternehmer aus England die organisierten Pauschalreisen. 1841 verreisten schon 571 Personen mit dem Zug von Leicester nach Loughborough. Zum unschlagbaren Preis von einem Schilling, Verpflegung und Blasmusik inklusive. Schon bald gab es sogar Reisen ins Ausland, bevor es 1878 um die ganze Welt ging!

Eine Lokomotive fährt durch ein Waldstück. Der Himmel ist strahlend blau.

Cook führte Hotelcoupons und Kundenzeitschriften ein, die maßgeblich für den Erfolg wurden. Carl Stangen gründete daraufhin 1867 das erste deutsche Reisebüro.

Die Zeit änderte menschliche Bedürfnisse. Industrialisierung, Verstädterung, Verbesserung der sozial- und arbeitsrechtliche Regelungen und gestiegene Löhne weckten ein tiefes Erholungsbedürfnis. Reisen wurde zur Volksbewegung. Zwischen 1871 und 1913 stieg der Tourismus in Deutschland um 417% an.

 

Diversifizierung

Ab diesem Jahr fuhren die Europäer am liebsten mit ihrem geliebten Auto oder Wohnwagen in den Urlaub. Dank kommerziellen Reiseanbietern wie Neckermann, TUI und Co. wurden Preise strategisch gedrückt, sodass auch Flugreisen erschwinglich wurden. Innerhalb von 40 Jahren hat sich die Zahl der Reisenden auf 32 Millionen verdreifacht.

Ein Auto im Retrolook fährt, während eines Sonnenuntergangs, eine Straße entlang.

Errungenschaft des Tourismus: In Deutschland wurde 1963 ein gesetzlicher Ferienanspruch in den Normalarbeitsvertrag eingetragen.

Die Tourismusbranche konstituierte einen global bedeutsamen Geschäftszweig. Ursächlich liegt der Boom in der Wohlstandssteigerung, technischem Fortschritt und vor allem der Diversifizierung d.h. mehr Reiseziele werden angeboten. Des Weiteren werden neue Urlaubswelten wie Disneyland oder Sun City populär.

 

Tourismusmarketing ist überlebenswichtig!

Die heutige Urlaubsplanung beginnt mit Apps wie swoodoo oder opodo. Weiter geht’s zu Check24, um das günstigste Hotel zu finden.

Der analoge Wandel von Reisebüros, Reiseberichten und Katalogen hin zu digitalisierten Vergleichsportalen ist eine unüberschaubare Entwicklung des modernen Tourismusmarketings. Langweilige Bilder reichen längst nicht mehr aus. 360°Bilder und Videos vom Reiseziel und Hotel wirken modern und kundenorientiert. Einen innovativen Roboter am Empfang würden viele Hotelgäste sogar sympathisch finden.

Der Tourismus hat eine unglaubliche Reise hinter sich gebracht und sie ist noch lange nicht vorbei. Die Antike brachte den Stein ins Rollen und wir bauten daraus Flugzeuge und hoben einfach ab.

Tl;dr

Der stetige Wandel des Tourismus.

 

Lesetipps:

Tourismus und Tourismusgeschichte, Rüdiger Hachtmann, 2010

Social Media Marketing und -Mangement im Tourismus, Thomas Hinterhoolzer, Mario Jooss, 2013

Entwicklung des modernen Tourismus (ab 18. Jh. in Europa), Anton Sölch, 1995

 

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