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Zwei Züge, Guinness und das Meer

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Was früher in der PR möglich war, geht heute oft nicht mehr. Denn als die PR  noch jung oder als Begriff  gänzlich unbekannt war, waren noch Experimente möglich, die heute nur auf Kopfschütteln stoßen würden.

 

Über 150.000 Flaschen ließ die irische Brauerei Guinness 1959 ins Meer werfen. Der Inhalt: Botschaften von Meereskönig Neptun. Darin bewirbt der Gott die Marke Guinness, erzählt von der Geschichte der Firma und lädt den Leser zum Trinken ein. Zum Trinken von Guinness natürlich. Auch heute noch werden Flaschen aus der Zeit dieser kreativen PR-Aktion gefunden, von Spaziergängern am Strand beispielsweise. Und sie verkaufen sich glänzend auf ebay! Damit ist das die am längsten laufende Kampagne in der Geschichte der Firma Guinness. Und gleichzeitig eine, die heute nicht mehr möglich wäre. Denn bei solch eine gewaltigen Umweltverschmutzung, auch noch mit Absicht und nur zu Werbezwecken – da wäre der Shitstorm vorprogrammiert.

Bildquelle: Wikipedia
Bildquelle: Wikipedia

Noch viel wagemutiger war man im 19. Jahrhundert: Damals ließ die Firma Missouri-Texas-Railroad zwei Züge frontal aufeinanderprallen. Die Aktion wurde vorher groß angekündigt, Zehntausende kauften Tickets, um das Event zu sehen. Ein finanzieller Erfolg. Tragisch allerdings, dass viele der Zuschauer verletzt wurden, drei kamen durch herumfliegende Teile ums Leben. Was der Planer hinter dem Stunt nicht bedacht hatte: Die Tanks der Loks explodierten beim Aufprall und Trümmerteile flogen hunderte Meter weit. Der Fotograf, dem es gelang, den Moment kurz vor der Kollision einzufangen, bezahlte dafür mit einem Auge.
Selbstverständlich wurde der Mann hinter dem Stunt, William Crush, nach dieser Katastrophe sofort gefeuert. Und am nächsten Tag wieder eingestellt, als er Missouri-Texas-Railroad vorschlug, man könne sich nach dieser Erfahrung doch auf Eisenbahnsicherheit spezialisieren.
Heutzutage würde man wohl schon allein für den Vorschlag einer solchen Aktion den Job verlieren.

Florian Wurster