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Wie weit darf PR gehen?

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Täglich sterben weltweit 5.000 Menschen an AIDS, allein in Deutschland gibt es nach aktuellen Schätzungen des Robert-Koch-Instituts (RKI) in Berlin 63.500 HIV-Infizierte. Trotz der steigenden Zahl der Neuinfektionen (ca. 3.000 jährlich) ist die öffentliche Wahrnehmung des Themas AIDS stark zurückgegangen. Eine neue Anti-AIDS-Kampagne „AIDS ist ein Massenmörder“ des Saarbrücker Vereins „Regenbogen“ sorgt derzeit für großes Aufsehen und heftige Kritik. In einem Video-Spot, die die Werbeagentur das comitee zusammen mit dem Verein entworfen hat, wird ein Hitler-Imitator beim Sex mit einer jungen Frau gezeigt. Der Slogan dazu lautet: „AIDS ist ein Massenmöder – Schütz dich!“
Bislang ist der umstrittene Spot nur im Internet zu sehen, auch wenn YouTube und Facebook das Video aufgrund des Verstoßes gegen die Nutzungsbedingungen gesperrt haben.

Zusätzlich läuft ein Radiowerbespot, in dem Hitler die Zuhörer fragt: „Wollt ihr alle AIDS?“. Außerdem gibt es drei Plakate auf denen Adolf Hitler, Saddam Hussein und Josef Stalin als Verkörperung der Krankheit abgebildet sind. Die Frage, die die Öffentlichkeit bewegt: Darf man eine solche Kampagne überhaupt starten?

Der Zentralrat der Juden ist empört und auch die Deutsche AIDS-Hilfe verurteilt den Spot aufs Schärfste. „Dieser widerliche Spot (…) verhöhnt alle Opfer des Nationalsozialismus und setzt HIV-positive Menschen mit Massenmördern gleich“, so Carsten Schatz. Dirk Silz von der Werbeagentur hält dagegen: „Wir wollen dem Virus ein Gesicht geben, nicht den Erkrankten. Dass die Kampagne möglicherweise über das Ziel hinausschießt, haben wir in Kauf genommen, um Aufmerksamkeit zu erzeugen.“ In einer Internetabstimmung des Bayrischen Rundfunks (BR-online) halten 71,9 Prozent „die Kampagne für in Ordnung, Hauptsache AIDS wird öffentlich thematisiert“.

Eins steht auf jeden Fall fest: die A.I.D.A- Formel (Attention, Interest, Desire and Action) scheint hier zu funktionieren. „Attention“ hat die Kampagne zumindest bereits ausreichend erhalten. Ob das Interesse am Thema dadurch wieder mehr in die Köpfe gerufen wird und zum Ende auch in „Action“ umgesetzt wird, wenn man eine neue Bekanntschaft noch auf einen Kaffee zu sich mitnimmt, bleibt abzuwarten.