Mit Wiki-Prinzip soll Transparenz entstehen

Der Bau des Berliner Flughafens schafft es nicht aus den Schlagzeilen zu kommen. Immer teurer wird er und die Eröffnung rückt in immer weitere Ferne. Ein neuer Ansatz der Piratenpartei schickt sich nun an, die so oft geforderte Transparenz in diese undurchsichtigen Bürokratiegeflechte zu bringen. Vergangenen Freitag ging mit „BERwatch“ eine Dokumentationsplattform online, die auf dem OpenSource-Prinzip basiert. Jeder kann dort helfen, ein bisschen Licht ins Dunkel zu bringen.

Screenshot der t3n-Fan-Seite. Quelle: Facebook

Aus der Kommunikations-Perspektive

Eine Frage die sich nun stellt, ist ob und wie „BERwatch“ letztlich von den Bürgern angenommen wird. Auch wenn die Nutzeraktivitäten noch recht überschaubar sind. Schließlich ist die Seite noch keine Woche im Netz, sind doch schon einige Kommentare, Fragen und Beziehungen zwischen Dokumenten zu sehen. Stellt sich nun die Frage nach der Art und Weise der Beiträge. Bei den Kommentaren reicht die Spannweite von zynischen Bemerkungen (vgl.: Kommentar von HaDi am 19.01.13 um 14.33 Uhr) über gut gemeinte Ratschläge (vgl.: Kommentar von pewlow am 19.01.13 um 16.03 Uhr) bis hin zu Einschätzungen (vgl.: Kommentar von Guderian am 19.01.13 um 04.02 Uhr), die sich tatsächlich näher mit einem der Sachverhalte beschäftigen und versuchen einen Mehrwert zu schaffen. Auch existieren bereits einige Dokumentbeziehungen, die mit einordnenden Kommentaren versehen sind. Festzuhalten ist also, dass die Plattform genutzt wird, wenn auch noch auf unterschiedliche Art und Weise. Es ist keine Selbstverständlichkeit, dass solche Systeme auch genutzt werden, nur weil sie zur Verfügung gestellt werden. Im Fall des Berliner Flughafens, der in der Öffentlichkeit so kontrovers diskutiert wird, dürfte das Interesse aber wohl groß genug sein um engagierte Bürger auch weiterhin zur Partizipation zu motivieren. Motivation ist hierbei ein entscheidendes Stichwort. Der Erfolg der Plattform wird nicht zuletzt auch dadurch begründet, wie gut den Piraten die Moderatorenrolle gelingt. So könnte es von Vorteil sein, engagierte Nutzer durch immer wieder neu eingepflegte Dokumente dazu bringen, am Ball zu bleiben. Auch ist es sehr wichtig, die Plattform hinsichtlich ihrer Usability immer wieder zu überprüfen oder besser noch, auf Anregungen der Community einzugehen. Hier lässt sich bereits das geschickte Verhalten (vgl.: Antwort von Martin Delius, Vorsitzender des U-Ausschusses, zum Kommentar von nikita am 19.01.13 um 13.33 Uhr) der Seitenbetreiber erkennen.

Wie geht es weiter?

Den Erfolg von „BERwatch“ vorauszusagen ist schwierig. Die Idee an sich aber ist sehr erfrischend und stößt mit ihrem basisdemokratischen Charakter auch in anderen Fraktionen auf Zustimmung. Auch auf Twitter erhielten die Piraten viel Zuspruch. Es gibt aber auch die eine oder andere Hürde, die das Projekt noch vor sich hat. So muss der Bürger zunächst einmal Durchhaltevermögen beweisen und einen kühlen Kopf bewahren, bei der Fülle an Material die einen zu Beginn zu erschlagen droht. Wer sich aber genauer mit der Seite befasst, kann sich zum Beispiel über die Kategorien eine Nische aussuchen und darin zum Experten werden. Zudem muss man davon ausgehen, dass streng vertrauliche Dokumente mit Geschäftsgeheimnissen oder Fragen der Sicherheit aus rechtlichen Gründen nicht auf der Seite publiziert werden. Der Vorsitzende des Untersuchungsausschusses Martin Delius hat bereits klar gemacht, dass man sich hierbei im Rahmen der Gesetzte bewegen werde. Aber immerhin hat die Bevölkerung nun eine Möglichkeit, per Mausklick an Dokumente zu gelangen, die bislang nur schwer oder gar nicht für die Öffentlichkeit zugänglich waren. Die Datenlage zur wiederholten Verschiebung der Eröffnung und der immer weiter ausufernden Kosten, also dessen was der Untersuchungsausschuss eigentlich unter die Lupe nehmen soll, ist noch sehr gering. Vor allem hier ist das Crowdsourcing-Projekt darauf angewiesen, dass sich (ehemalige) Beteiligte rund um den Bau des Flughafens melden und Dokumente zur Verfügung stellen.

Twitter-Stimmen zu BERwatch
Stimmen im Netz zu BERwatch. Quelle: Twitter

Ob es nun – zugespitzt formuliert – zu einer Erfolgsstory wird oder zur Müllhalde für Kommentare verärgerter Bürger, das Projekt an sich besitzt Modellcharakter. Es ist ein Gewinn für die Gesellschaft und Anreiz für mehr Demokratie und Transparenz. Der Erfolg hängt letztlich von vielen Faktoren ab und davon, wie gut die Piraten es schaffen werden diesen speziellen Fall zu steuern. Ähnliche, wenn auch weniger komplexe Beispiele wie das GuttenPlag-Wiki zeigen, dass solche Projekte durchaus funktionieren können.

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Online: Was jetzt ist und was die Zukunft bringt

Foren, Web- und Microblogs oder Podcasts – all dies sind Instrumente der Online-PR. Wer diese momentan nutzt und was der Blick in die Zukunft zeigt, berichten aktuell verschiedenste Experten aus der Praxis.

Die PR-Agentur index veröffentlichte vergangene Woche bereits zum dritten Mal eine Umfrage zum Thema Online-PR. Demnach verbringt etwa ein Viertel der 137 Teilnehmer, die hauptsächlich in der PR oder im Marketing tätig sind, mehr als die Hälfte der täglichen Arbeit im Online-Bereich. Mehr als 80 Prozent der Befragten nehmen an, dass der Anteil der Onlinekommunikation in den nächsten fünf Jahren erheblich zunehmen wird. Als klarer Vorteil wird dabei die Schnelligkeit der Informationsbereitstellung gesehen, als großes Manko dagegen die schwere Wahrnehmbarkeit, meinen 47 Prozent der PR-Experten aus Unternehmen verschiedenster Branchen. Zwar bezieht laut der Umfrage immer noch weniger als ein Drittel der Teilnehmer selbst Stellung in Foren oder Blogs, trotzdem haben aber im Vergleich zu 2007 die Aktivitäten der Unternehmen in diesem Bereich stark zugenommen.

Diese Beobachtungen bestätigt auch der Wirtschaftswissenschaftler Professor Dr. Martin Michelson. Während seines Forschungssemesters untersuchte er, in wie weit Unternehmen Web 2.0-Anwendungen als Kommunikationsmaßnahmen nutzen. Vor allem Social-Software-Anwendungen wie Wikis gewinnen demnach immer mehr an Bedeutung.

„Interne Unternehmens-Wikis fördern den Wissensaustausch und optimieren das Wissensmanagement“, so der Dozent am Studienbereich Informationsmanagement der Hochschule Darmstadt. Weiter, so Michelson, können diese auch zu einer stärkeren Identifikation der Mitarbeiter mit dem jeweiligen Unternehmen führen.

Welche Rolle das Internet im Bereich Werbung und Unternehmenskommunikation in der Zukunft spielen wird, berichtet der Mainzer PR-Experte Professor Dr. Lothar Rolke am kommenden Mittwoch beim Forum für Vordenker der Profilwerkstatt Darmstadt. Das Ergebnis seiner aktuellen Trendstudie „Mediennutzungsverhalten in der Web-Gesellschaft 2018“ zeigt, dass die Weiterentwicklung und Durchsetzung der Online-Angebote schneller erfolgen wird, als die meisten Experten erwarten. Größte Herausforderung für Unternehmen seien die neuen Umgangsregeln und Werte, die die Internetgesellschaft hervorbringe, so der Mainzer Experte.

Wir können also gespannt sein, wie viel Kommunikation in der Zukunft über das Internet läuft und was mit traditionellen PR-Maßnahmen wie der Pressemappe geschieht.

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Stöckchen goes Wiki

Uups, jetzt ist das Stöckchen auch in unser Spielfeld gefallen. Ganz schön mutig von Orakel-Bloggerin Susanna, denn unser Spiel – äh Semester – ist schon abgepfiffen, und die meisten PR-Fundsucher haben den Platz für eine Weile verlassen. Bei dieser Gelegenheit Grüße an Taucherinnen, Agenturjobber und andere hart arbeitende Studies. Aber das Schöne an einem Gruppenblog ist ja, dass doch irgendwo immer ein paar Leute rumhängen. Und damit wir das Stöckchen nicht zu lange innerhalb unseres Blogs rumtragen, haben wir’s mit in unser Wiki genommen. Dort haben sich seit gestern nachmittag bisher immerhin vier [Update 1.8.: fünf] Antworten gesammelt. Danke schön für’s mitspielen. Vielleicht kommen sogar noch welche dazu?

Ach ja: Von hier aus wollen wir zumindest das Stöckchen weiterwerfen, und zwar an das Agenturblog, Schlaflos in München und an die Bürgeruni. Wir werfen nur dreimal, weil einer, der von uns geantwortet hat, zwar zum Studiengang, aber nicht zu den PR-Fundbloggern gehört. War sozusagen ein interner Stöckchen-Wurf.

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