Mit den Followern im Bett – Storytelling auf Snapchat

Eine Foto-App, bei der sich Bilder nach 10 Sekunden löschen – wer braucht das schon? Doch Snapchat kann so einiges mehr als das!

Snapchat gibt es mittlerweile seit 2011 und seitdem sind die Nutzerzahlen rasant angestiegen. Auch auf der re:publica war das Thema präsent. Es gab mehrere Sessions zu der App, welche alle sehr gut besucht waren. Doch was ist das eigentlich, dieses Snapchat? Und was macht die App so besonders?

Snapchat Benutzeroberfläche

Mal ganz von vorne…

Snapchat unterscheidet sich von vielen anderen Messaging Diensten durch seinen Aufbau. Statt Textnachrichten werden sogenannte „Snaps“ versendet. Das können Fotos, aber auch Videos sein. Diese sind nur temporär verfügbar, da sie maximal zehn Sekunden angesehen werden können. Da normale Fotos und Videos jedoch nicht besonders spannend sind, können die Snaps noch mit Filtern, Schriftzügen und Malereien „aufgepimpt“ werden. Die Filter werden täglich von Snapchat geupdatet, es kommen neue Filter dazu und ältere verschwinden wieder. So entsteht eine gewisse Dynamik und der Anreiz, die App zu verwenden.

Wem zehn Sekunden zu kurz sind, der kann seine Snaps auch der „Story“ hinzufügen. Stories sind ab der Veröffentlichung 24 Stunden sichtbar und können von allen Snapchatkontakten beliebig oft angesehen werden. Mit den Jahren hat sich Snapchat weiterentwickelt, sodass mittlerweile auch über die App gechattet werden kann. Bei Snapchat gibt es keine Notifications, wenn eine neue Story hochgeladen wurde. Wer up-to-date bleiben möchte, muss also regelmäßig die App checken. Damit passt sich die App dem  Nutzerverhalten der U20-Generation an, die keine Push-Notifications mehr als Anreiz benötigt.

Mit den Followern im Bett

Auf Snapchat ist eine vergleichsweise junge Zielgruppe zu finden. Das Durchschnittsalter der Nutzer liegt zwischen 14 und 20 Jahren. Anders als bei Facebook und Instagram gibt es auf Snapchat keine Algorithmen und Filterbubbles – und genau das macht Snapchat für viele Blogger, Journalisten und PR-Schaffende so attraktiv.

Sobald man einem Account folgt, wird dessen Story auch definitiv angezeigt. Zudem wird nicht zwischen privaten und öffentlichen Accounts unterschieden. Zwischen den Snapchat-Stories von Freunden taucht somit der Content von gefolgten Marken, Zeitschriften und Stars auf. Da die häufigste Nutzung von Snapchat morgens und Abends in der Horizontalen stattfindet, geht man mit den Followern buchstäblich ins Bett – und kommt ihnen so extrem nah.

Snapchat unterwegs

Ehrlicher und authentischer Content

Da auf Snapchat weder geliked noch kommentiert werden kann, besteht weniger der Druck, etwas zu posten was anderen gefällt. Das führt dazu, dass vorrangig authentischer Content gepostet wird. Seien es Schnappschüsse aus dem Schwimmbad oder lustige Videos mit Freunden – auf Snapchat ist alles möglich, außer gephotoshoppte und inszenierte Bilder. Viele Blogger machen sich das zunutze. Während auf Instagram schicke Selfies und Outfitbilder gepostet werden, findet man auf Snapchat kurze Videos vom Einkaufen im Supermarkt oder der letzten Partynacht, sowie Snaps mit lustigen Filtern über dem Gesicht. Durch Snapchat kann man hinter die Kulissen der scheinbar perfekten Blogger-Welt blicken und seinem Idol ganz nah sein.

Was hat Snapchat mit Storytelling zu tun?

Snapchat kann hervorragend für Storytelling genutzt werden. Allen voran beim Storytelling auf Snapchat ist Eva Schulz. Sie ist Snapchat-Reporterin bei „hochkant“, dem Snapchatkanal von „funk“, einem Online-Format von ARD und ZDF für 14- bis 29-Jährige.

Auf „hochkant“ werden von insgesamt drei Reportern tagesaktuelle News geliefert, sei es von den Wahlen in den USA oder vom Kirchentag in Berlin. Dadurch, dass bei Snapchat alles live ist und die Story publiziert wird, bevor sie überhaupt fertig ist, ist man als User sehr nah dran am Geschehen. Massenfeedback kann man auf Snapchat nicht erwarten, jedoch entstehen über die Chatfunktion oftmals persönliche Dialoge mit den Usern, so Schulz. Zudem ist für den Storyinhaber sichtbar, wer sich die Story angesehen hat und auch wenn ein Screenshot von einem Snap gemacht wurde. Somit hat man einen guten Anhaltspunkt, wie viele Menschen sich die Snaps angeschaut haben. Laut Schulz gäbe es zudem auf keinem Netzwerk so konstruktive und intensive Interaktion mit den Followern wie auf Snapchat. Perfektionismus ist hier nicht notwendig um gute Geschichten zu erzählen. Das authentische und persönliche ist das, was Snapchat wirklich ausmacht.

Schnappschuss von der Media Convention

Was ist zu beachten?

Wenn man nicht gerade Prominent ist, sollte man auf zu viele Selfieaufnahmen verzichten. Maximal dreimal hintereinander sollte das Gesicht in der Story zu sehen sein, spätestens dann muss etwas anderes gefilmt oder fotografiert werden. Sonst wird es für den Follower langweilig, so Schulz. Da die Aufmerksamkeitsspanne bei jugendlichen Nutzern oftmals geringer ist als bei Erwachsenen, sollte auf zu viel Gerede verzichtet werden. Durch die Kürze der Videos sind Erzählsprünge vorprogrammiert. Das sollte man sich zu Nutze machen und die Snaps geschickt zu einer Storyline verknüpfen. Um den Zuschauer nicht zu verlieren ist ein starker Anfang extrem wichtig. Jedoch muss man letztendlich auch einhalten, was man am Anfang verspricht. Um eine gute Geschichte zu erzählen, sollte man grob wissen was man vor hat, welche Geschichte es zu erzählen gibt und auf welche Reise man die Leute mitnehmen möchte. Gleichzeitig sollte man aber auch bereit sein alles über den Haufen zu werfen und Gelegenheiten nutzen, wenn sich beispielsweise zufällig ein Interview ergibt oder Begebenheiten sich ändern. Spontanität ist hier das A und O!

Da fast ein Drittel aller Snaps ohne Ton angesehen werden, ist es sehr zu empfehlen diese zusätzlich  zu beschriften. Zudem gilt: je vielfältiger die Snaps sind, desto besser! Die Filter bieten eine hervorragende Möglichkeit herumzuspielen und zu experimentieren – und auch um mal spontan etwas neues auszuprobieren, denn: nach 24 Stunden ist eh alles wieder verschwunden.

Viel Spaß beim Snappen!

Snapchat-Filter

 

Photocredit:
CC BY 2.0 – Daria Nepriakhina (unsplash.com)

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Der Einsatz sozialer Medien in der Polizeiarbeit

Mittlerweile sind über zwei Wochen vergangen und der spannende Roadtrip zur diesjährigen re:publica nach Berlin geht mir immer noch nicht aus dem Kopf. In der, nach eigenen Angaben, größten Konferenz der digitalen Gesellschaft, drehte es sich in diesem Jahr besonders um die Themen Hassrede und Falschmeldungen. Wir, die Redakteure von PR-Fundsachen verfolgten drei Tage lang die Veranstaltung und geben euch einen kleinen Einblick der Sessions, die wir besucht haben.

Es gab auf der re:publica sehr interessante Themen. Ich persönlich interessierte mich für das Thema „Der Einsatz sozialer Medien in der Polizeiarbeit“. Die Digitalredakteurin Alexa Brandt, Kommunikationswissenschaftlerin Katharina Kleinen-von Königslöw, Polizist sowie Social Media- und Community Manager André Karsten und Kriminologe Thomas-Gabriel Rüdiger berichteten, wie wichtig es für die Gesellschaft sei, dass auch die Polizei im Internet aktiv wird. Es wurde erzählt, dass die Polizei immer häufiger im PR-Bereich soziale Kanäle nutzt. Mittlerweile sind viele Bundespolizisten mit mindestens einem Account im Netz aktiv. Die erste Punkt, der von Alexa Brandt geklärt wurde, war:

„Was macht überhaupt die Polizei auf sozialen Kanälen?“

Die deutsche Polizei betreibt Präventionsarbeit, um der Kriminalität im Netz den Kampf anzusagen. Außerdem betreibt sie Storytelling, um ihr Image aufzubauen und zu stärken. Frau Brandt informierte ebenfalls darüber, dass zur Polizeiarbeit im Netz Zeugenermittlung, klassische PR (Bsp. Berufsinfotag), Krisenkommunikation und Community Management dazu gehören, um mit den Usern in Kontakt zu treten. Um sich nicht nur als ernsten, sondern auch als authentischen Arbeitgeber im Netz zu präsentieren, gehört auch die nötige Portion Selbstironie dazu.

Schnellere Informationsbeschaffung

Fakt ist, dass der Großteil Teil unserer Gesellschaft über Facebook oder Twitter kommuniziert, also sollte das auch die Polizei tun, sagte der Polizist sowie Social Media- und Community Manager André Karsten! Seit Jahren ist die deutsche Polizei dabei die Relevanz sozialer Medien, für die Polizei zu erforschen. Die Polizei bekommt dadurch Kenntnisse über den Einsatzort. Auf dieser Grundlage kann die Polizei ihren Einsatz koordinieren. Dadurch könnten die Behörden über soziale Netzwerke direkt die Bürger erreichen, die vor Ort gewarnt werden müssten.

Der Vergleich zu anderen Ländern!

Der Kriminologe Thomas-Gabriel Rüdiger ist der Meinung, dass nach heutigem Stand die Nutzung von sozialen Kanälen von Polizeibeamten noch mangelhaft sei. Insgesamt nutzt die deutsche Polizei 216 Twitter-Accounts. In Niederlande hingegen sind es schon über 2500 Accounts und es werden sogar immer mehr. Laut Herrn Rüdiger haben in der Niederlande sogar einzelne Beamte einen eigenen Account, was die Ermittlung vereinfachen soll. Um mit der Niederlande mithalten zu können, müssten in Deutschland mindestens 10.000 Ordnungshüter im Netz vertreten sein.

Die Broken-Web-Theorie

Was ich sehr interessant fand, war das Prinzip der Broken-Web-Theorie, die von Thomas-Gabriel Rüdiger angesprochen wurde. Die Broken-Web-Theorie sagt aus, dass Straftaten vor allem dann Nachahmer finden, wenn ihre Taten nicht geahndet werden. Er ist der Meinung, dass die Polizeipräsenz im Netz wichtig sei, damit Kriminalität im Netz nicht außer Kontrolle gerät.

Polizist am Smartphone

Da die Session sich dem Ende neigte, war noch eine ganz wichtige Frage zu klären:

„Wie sieht die Polizeiarbeit im Netz in 5 Jahren aus?“

Die Kommunikationswissenschaftlerin Katharina Kleinen-von Königslöw war der Meinung, dass die Nutzung von sozialen Kanälen bei der Polizeiarbeit stets steigen und ein erfolgreiches Tool für schnelle Informationsbeschaffung sein wird, um mit der Gesellschaft in Kontakt treten zu können. Das Ignorieren sozialer Kanäle in der Polizeiarbeit wäre in unserer heutigen digitalen Gesellschaft daher unvorstellbar.

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Die Renaissance des Podcasts: Aus der Nische zum Massenmedium

Podcasts sind so angesagt wie nie zuvor. Manch einer spricht gar von einem regelrechten Boom. Trotz allem haben Podcasts den Sprung aus der Nische noch nicht endgültig geschafft. Wie kam es zum Hype und welche weiteren Hürden müssen noch überwunden werden?

Auch auf der re:publica waren Podcasts in aller Munde. Neben besuchten Sessions trafen wir uns vor Ort mit Max Jacob Ost vom Fußball-Podcast Rasenfunk, der uns einige Fragen beantwortete und seine Eindrücke aus dem Alltag eines Podcast-Produzenten teilte.

Interview mit Max Jacob Ost
Max Jacob Ost (rechts) vom Rasenfunk Fußball-Podcast

Immer mehr Deutsche hören zu

Laut der ARD/ZDF-Onlinestudie 2016 liegt die aktuelle Anzahl der Podcast-Hörer bei 7,5 Millionen Menschen in Deutschland. Immerhin 3,5 Millionen Hörer mehr als noch im Jahr 2014. Für ein fast 20 Jahre altes Medium ein beachtlicher Aufwärtstrend. Wie ist dieser Aufschwung zu erklären?

Anzahl der Nutzer von Podcasts in Deutschland bis 2016
Anzahl der Podcast-Nutzer in Deutschland

Für Max kommen da zwei Faktoren zusammen: Die einst sehr technisch geprägte Podcast-Szene hat sich infolge der einfacher werdenden Produktionsmöglichkeiten auch dem Mainstream geöffnet. Vielfalt ist das Stichwort: Sport, Politik oder Lifestyle – Podcasts informieren, unterhalten und helfen beim Einschlafen. Darüber hinaus können Hörer eigenständig entscheiden, wann sie was hören möchten. Egal, ob beim Kochen, im Fitnessstudio oder auf dem Weg zur Arbeit: On demand beherrscht den Markt – linearer Konsum war gestern.

Stiefmutter Apple und iTunes vergeudetes Potenzial

Obwohl noch ca. 70 % aller Podcasts über iTunes abgerufen werden, scheint Branchenprimus Apple seine zentrale Podcast-Bibliothek weitestgehend zu vernachlässigen. Die unübersichtliche Benutzeroberfläche, eine schlechte Suchfunktion und die seit Jahren von öffentlich-rechtlichen Formaten dominierten iTunes-Charts verdeutlichen diesen Eindruck aus der Sicht des Nutzers.

Apple iTunes Podcast-Mediathek
Apple iTunes Podcast-Mediathek

Aber auch die Podcast-Produzenten haben an der Abhängigkeit von iTunes zu knabbern. Wer auf der Suche nach Metriken ist, die über die einfachen Download- und Abonnentenzahlen hinausgehen, wird bitter enttäuscht. Fehlende Analysemöglichkeiten zur Vermarktung bei Hörerschaft und Werbepartnern hemmen die Professionalisierung der Formate.

Als Podcast-Romantiker hält sich die Melancholie bei Max diesbezüglich jedoch in Grenzen. Denn mit mehr Zahlen steigt auch die Gefahr, dass der Podcast-Markt zukünftig von einer Werbeflut überschwemmt wird. Kann man mit dem Podcasting also kein Geld verdienen und bleibt es für die meisten Produzenten nur ein sehr zeitaufwendiges Hobby?

It’s all about the money

Für die Vorbereitung der Rasenfunk-Schlusskonferenz investiert Max ca. 12–14 Stunden, exklusive der Aufzeichnung und Postproduktion. Zusätzlich zu Beruf und Familie ein nicht zu unterschätzender, zeitlicher Aufwand. Grund genug, den Rasenfunk zum Beruf machen zu wollen. Wie geht man dieses Vorhaben richtig an? Zur Monetarisierung von Podcasts haben sich drei unterschiedliche Herangehensweisen herauskristallisiert:

Der vermutlich erfolgreichste Weg ist die Einführung einer Pay Wall. Zusätzliche Inhalte im Austausch gegen Bezahlung – klingt nach einem fairen Deal. Da iTunes keine Bezahlfunktion unterstützt, nutzen Produzenten neben PayPal oder direkter Überweisung das Angebot vom Crowdfunding-Service Patreon. Nutzer haben hier die Möglichkeit, einen regelmäßigen, selbstbestimmten Beitrag zur Unterstützung der aufgeführten Projekte zu zahlen.

Mit zunehmender Reichweite werden Podcasts auch für Werbetreibende interessanter. In den USA belief sich das Werbevolumen in 2016 auf 167 Millionen US-Dollar – Tendenz steigend. Die Werbebotschaft wird meist vom Podcast-Moderator selbst zu Beginn einer Episode vorgetragen und wirkt dementsprechend authentisch.

Werbevolumen in den USA
Werbevolumen in den USA

Max hingegen hat sich für das zäheste der drei Modelle entschieden. Er finanziert sich ausschließlich durch Spenden und nimmt derzeit zwischen 800 und 1.000 Euro ein. Um seinen eigentlichen Beruf als freischaffender Social-Media-Berater aufgeben zu können, müsste sich diese Summe mindestens verdreifachen. Dennoch möchte er auf Premiuminhalte und Werbung verzichten. Seine Hörer mit kleinem Geldbeutel und die Unabhängigkeit gegenüber Werbetreibenden sind ihm wichtiger. Es braucht also eine größere Reichweite, um den Rasenfunk auf eigene Beine zu stellen.

Streaming-Dienste in Lauerstellung

Eine größere Hörerschaft, Monetarisierungsmöglichkeiten und mehr Statistiken versprechen insbesondere die Streaming-Dienste Spotify, Deezer und Amazon-Tochter Audible. Abseits von iTunes und RSS-Feeds dringen sie in den Markt ein und möchten das Medium Podcast endlich massentauglich machen. Mit der exklusiven Bereitstellung des erfolgreichsten deutschen Podcasts „Fest & Flauschig“ von Jan Böhmermann und Olli Schulz gelang Spotify bereits ein erster Coup. Mit ihrem Call for Papers-Format wählte Audible einen anderen Ansatz auf der Suche nach neuen Formaten.

Spotify auf iPad

Innerhalb der Community mehren sich jedoch auch kritische Stimmen, die den Podcast als ur-demokratisches Medium in Gefahr sehen. Durch entstehende Abhängigkeiten einer Plattformisierung könnten Zugangsbarrieren aufgebaut werden und die lebendige Community auseinanderbrechen.

Was braucht es denn zur Massentauglichkeit?

In einer aktuellen Statista-Umfrage nannten Befragte die fehlende Zeit als einen der Hauptgründe gegen das Hören von Podcasts. Auch wenn die Einstiegshürde mit einer zweistündigen Folge des Rasenfunks sehr hoch sei, hält Max diese Annahme für einen Irrglauben: „Wenn man dem Medium erst mal eine Chance gibt, kommt man so schnell nicht mehr davon los. Denn beim Abwaschen oder auf dem Weg zur Uni findet man plötzlich die Zeit.“

Ein weiteres Hemmnis ist die Unbekanntheit vieler Podcasts. Christian Bollert, Geschäftsführer des Internetradios detektor.fm, sieht hierbei insbesondere „die Anderen“ in der Pflicht. Auf der re:publica legte er in seiner Session „Wie Podcasts mehr Leute erreichen können“ den Finger in die Wunde und formulierte einen Wunschzettel, um das Medium Podcast weiter voranzubringen:

Zuallererst braucht es „offene Standards statt closed Shops“. Dazu gehört die barrierefreie Bereitstellung der Podcasts sowie die Versorgung der Produzenten mit Daten & Statistiken. Digitalkonzerne, Öffentlich-Rechtliche und Podcast-Szene müssen hierfür zusammenarbeiten.

Die eigentliche Grundvoraussetzung für das Streamen von Podcasts ist aber eine stabile Internetverbindung. Da Podcasts oftmals unterwegs gehört werden, sieht Christian auch die Mobilfunkanbieter in der Pflicht: „Wieso bezahlen wir im europäischen Vergleich so viel für unsere mobilen Daten? Warum werden in Deutschland nach wie vor keine echten Flatrates angeboten?“

Auch in Sachen Netzneutralität besteht Handlungsbedarf. Wenn bestimmte Dienste, wie beispielsweise Spotify, bevorzugt werden und das Datenvolumen nicht belastet wird, sehen kleinere Podcast-Produzenten alt aus.

Fragt Christian bei Autobauern oder der Deutschen Bahn nach einer Podcast-Strategie, schaut er meist in ratlose Gesichter. Entertainment-Systeme in Autos, Zügen und Flugzeugen werden immer größer und aufwendiger. An die Einbindung von Podcast-Datenbanken dachte offensichtlich noch niemand.

Innerhalb der Podcast-Community wächst der Wunsch nach der Entwicklung einer sozialen Audioplattform. Bisherige Ansätze wie Clammr oder Anchor haben noch nicht im gewünschten Maße gefruchtet. Es bleibt abzuwarten, ob die Live-Audio-Funktion von Facebook hierbei einen neuen Stein ins Rollen bringt.

Die Nische als Chance?

Es braucht also noch so einiges, um den Podcast der breiten Masse schmackhaft zu machen. Einige Beteiligte haben die Zeichen der Zeit bereits erkannt, andere scheinen die Attraktivität des Mediums zu übersehen. Vielleicht ist das aber auch gar nicht so schlecht. Die Podcast-Szene lebt von ihrer aktiven Community, der dezentralen Organisation und den vielen Idealisten wie Max, die den Podcast vor einer zu starken Kommerzialisierung schützen möchten. Mit dem Nischendasein hat es sich in eine Position gebracht, aus der das Medium langsam und stetig wachsen kann.

 

tl;dr

Podcasts erfreuen sich großer Beliebtheit. Derzeit hören ca. 7,5 Millionen Deutsche Podcasts. iTunes wird als zentrale Podcast-Bibliothek von Apple vernachlässigt und bietet wenig Möglichkeiten für Nutzer und Produzenten. Streaminganbieter haben die Zeichen der Zeit erkannt und positionieren sich im Podcastgeschäft. Die Podcast-Community hingegen fordert offene Standards und sucht die Zusammenarbeit mit Digitalkonzernen und Öffentlich-Rechtlichen.

Photo credit:
CC BY 2.0 – My Podcast Set I by Patrick Breitenbach (Flickr)

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Darknet – unser Internet der Zukunft?

Darknet_Titelbild

Wir, die Redakteure von PR-Fundsachen, waren die letzten drei Tage in Berlin auf der re:publica unterwegs und stets auf der Suche nach interessanten Themen. Die Session „Lebensretter und Schmuddelkind des Internets“ hat mich neugierig gemacht, da auch ich mich schon mit dem Darknet beschäftigt habe. Der Begriff  „Darknet“ verunsichert und wirkt mysteriös, doch wie mysteriös ist das Darknet denn wirklich?

Von sehr unterschiedlichen Standpunkten aus erklärten die drei Gäste, Daniel Moßbrucker (Reporter ohne Grenzen), Ahmad Alrifaee (Syrischer Journalist) und Andreas May (Generalstaatsanwalt) ihren Bezug zum Darknet.

Das Darknet oder auch Dark Web genannt ist mit normalen Browsern wie Google Chrome, Firefox, Opera oder Safari nicht zugänglich. Um im Darknet aktiv zu werden, muss man sich zuerst den sogenannten „Tor“-Browser herunterladen. Danach ist man auf .onion-Webadressen angewiesen, da der Tor-Browser einen „normalen“ Link aus einem „normalen“ Browser, wie oben genannt, nicht aufrufen kann.

Eine solche Webadresse („DuckDuckGo“ -Suchmaschine) sieht wie folgt aus: http://3g2upl4pq6kufc4m.onion/      

So funktioniert das Tor-Netzwerk

Das Tor Netzwerk verwendet verschiedene Methoden, um eine vollständige Anonymisierung zu gewährleisten. Alle fließenden Datenpakete sind, ähnlich wie bei WhatsApp, Ende-zu-Ende verschlüsselt. Zudem werden alle Verbindungen über mindestens drei zufällig ausgewählte Knotenpunkte des Tor-Netzwerkes umgeleitet, bevor sie den End Server erreichen.

Die Kombination aus Verschlüsselung und zufälliger Umleitung führt dazu, dass Datenpakete nicht (oder nur sehr schwierig) zurückverfolgt werden können.

Das Darknet als Chance für Aktivisten

Egal, ob Schmuddel-Websites, Gore Videos oder Marktplatz für Drogen und Waffen: Im Darknet scheint alles möglich. Doch an die positiven oder sogar lebensrettenden Möglichkeiten des Darknets denken die wenigsten. Der syrische Journalist Ahmad Alrifaee war auf das verschlüsselte Darknet angewiesen, da er auf diesem Wege seine Beiträge und Videos ohne Zensur aus dem Land schaffen konnte. Das syrische Regime verhaftet normalerweise Journalisten, die selbigem kritisch gegenüber stehen. Auch einige seiner Freunde hat es erwischt. Somit war das Darknet für ihn eine lebensrettende Maßnahme, um andere Länder und Organisationen mit Bildern und Videos aus erster Hand über die kritische Lage in Syrien zu informieren. Ohne das Darknet hätte er sich auf sehr dünnes Eis begeben, da es nach seinen Angaben nur wenige Stunden dauerte, bis Anhänger des Regimes Wohnungsdurchsuchungen veranlassten. Viele seiner Freunde sind aufgeflogen, da sie das Darknet nicht nutzten.

In Deutschland hingegen hat der Generalstaatsanwalt Andreas May dem illegalen Geschäft im Darknet den Kampf angesagt. Da es auf technischer Ebene so gut wie unmöglich ist, Waffen- oder Drogenhändler zu enttarnen, geben sich Ermittler selbst als mögliche Käufer aus. So treten sie mit den Verkäufern in direkten Kontakt. Andreas May betonte, dass es sehr mühsam ist, die Händler von Drogen und Waffen zu enttarnen. Denn nur eine Handvoll erscheinen zu einem persönlichen Treffen, um die Waren zu übergeben. Innerhalb der letzten beiden Jahren haben die Ermittler rund 50 Händler dingfest machen können.

Den illegalen Markt tolerieren

Der Referent für Informationsfreiheit Daniel Moßbrucker arbeitet für die NGO „Reporter ohne Grenzen“ und sieht das Darknet als Chance für all diejenigen, die in ihrem Land nicht die Möglichkeit haben, ohne Zensur zu publizieren oder zu informieren. Es ist womöglich sogar die einzige Chance für Reporter und Journalisten, Informationen sicher außer Landes zu bringen. Reporter ohne Grenzen betreibt selbst zwei Knotenpunkte im Darknet. Das Risiko, dass dort auch Drogen oder Waffen verkauft werden, geht die NGO ein, da sie an die Menschen denkt, die auf das Darknet angewiesen sind.

Die Zukunft des Internet sehe ich allerdings nicht im Darknet, da sich „normales“ Surfen, wie man es sonst kennt, dort als eher zeitaufwändig  gestaltet. Durch die Verschlüsselung über die verschiedenen Server kann es durchaus einige Sekunden oder manchmal sogar Minuten dauern, bis die gewünschte  Webseite aufgerufen wird. Die Webadressen muss man sich im sogenannten Hiddenwiki (Listen mit Webadressen) zusammensuchen. Laut Daniel Moßbrucker funktionieren rund 80 Prozent dieser Webadressen nicht.

Allerdings ist das Darkweb für Menschen, die in jenen Ländern leben, in denen das Internet zensiert wird, eine Möglichkeit, um zum Beispiel Facebook zu nutzen. In Nordkorea wird das Internet streng überwacht und Facebook ist über das „normale“ Internet nicht zu erreichen. Facebook hat also auch den Nutzen verstanden, einen Server im Darknet zu hosten, der all denjenigen, die sonst keine Chance haben, Facebook zu nutzen, den Dienst bereitstellt.

Ich vermute, dass das Darknet in dieser Form immer bestehen wird und vergleiche es oft mit einer Großstadt. In einer Großstadt gibt es schöne Parks und eher unschöne Ecken. Ich sehe das normale Internet, wie wir es kennen und wie es die breite Masse nutzt, als den Stadtkern. Das Darknet ist der Brennpunkt, wie es Ihn in fast jeder Stadt gibt. Die Justiz tut alles in Ihrer Macht stehende, um die Brennpunkte einzudämmen und den Stadtkern sauber zu halten. Ich bin zugleich dagegen, den Menschen, die auf das Darknet angewiesen sind, diese Grundlage zu entziehen und finde den gewissenhaften Umgang mit diesem Teil des Internets gerechtfertigt.

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Unsere Fundstücke des Tages (3/3)

Zum Abschluss der re:publica komplettieren wir unsere Minirubrik mit dem dritten Teil der Fundstücke des Tages. Viele lesenswerte Inhalte und die wichtigsten Meldungen der PR-Fundsachen von DER Digitalkonferenz im Überblick.

Hoher Besuch aus der Politik: Während Arbeitsministerin Andrea Nahles gestern noch gegen ein bedingungsloses Grundeinkommen plädierte, stellte sich Innenminister Thomas de Maiziére heute den kritischen Fragen von Markus Beckendahl (netzpolitik.org) und Constante Kurz (CCC) im netzpolitischen Dialog.

Euch interessiert, über was und wen auf der #rp17 sonst so gesprochen wurde? Talkwalker liefert im Dashboard Live-Statistiken. Reinschauen lohnt sich!

Viele Unternehmen nutzen die re:publica, um sich zu aktuellen digitalen Themen zu positionieren. Dies passiert jedoch nicht nur vor Ort. Eine Kostprobe bietet das Mercedes-Benz Passion Blog.  

Eine Konferenz als reine Spaßveranstaltung? Dass auf der re:publica, entgegen vieler Meinungen, durchaus härter geschuftet wurde als in so manchem Großraumbüro, beschreibt Lars Hahn in seinem Blog systematischkaffeetrinken.de.

Wer noch mehr über die vergangenen drei Tage re:publica erfahren will, dem empfehlen wir einen Blick in den offiziellen Newsroom der #rp17. In Zusammenarbeit mit der Evangelischen Journalistenschule und Fink & Fuchs wurden dort von 15 Studierenden und VolontärInnen Meldungen zu Talks und Thementracks umfassend zusammengefasst.

Twitter

Auch der letzte Tag lieferte genug, um unseren Twitter-Kanal ausreichend zu füllen. Spannende Einblicke gab es insbesondere aus der Session „Does 5G give us a new perspective?„.

Alles, was unsere Redakteure privat von der re:publica twittern, findet ihr unter #onkomm und #rp17.

Snapchat

Auch unser Snapchat-Team war wieder auf der Jagd nach Impressionen und interessanten O-Tönen. Für die volle Story folgt unserem Account pr-fundsachen.

Instagram

Heute haben wir Botschaften von Kübra Gümüşay, Katharina Nocun, Dominik Ruisinger und Thomas Pleil für Euch. Schaut doch mal rein! 

Kübra Gümüşay

Katharina Nocun

Dominik Ruisinger

Thomas Pleil

Facebook

Wegen technischer Probleme konnte das Facebook-Team erst um 20 Uhr ihren täglichen Livestream abhalten. Heute berichteten euch Niklas und Johannes, wie sie den letzten Tag der re:publica erlebt haben. Ihr kleines Resümee:

Thanks goes to #rp17.
Livestreams @ https://re-publica.com/en/17/news/republica-2017-live-streaming

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Unsere Fundstücke des Tages (2/3)

Auch heute liefern wir in den Fundstücken des Tages ein kleines Roundup zum heutigen Tag auf der re:publica. Alle von uns produzierten Inhalte und was sonst noch so wichtig ist, hier im Überblick.

Was Sascha Lobo für den Montag Abend der re:publica ist, ist Gunter Dueck für den Dienstag Morgen. Gewohnt kurzweilig eröffnete der freie Schriftsteller den zweiten Tag der #rp17 und philosophierte über den Flachsinn unserer digitalen Gesellschaft:

Heute muss man auffallen, um positiv wahrgenommen zu werden. Früher war das anders herum.

Ganz getreu dem diesjährigen Motto “Love Out Loud” sprechen sich viele Speaker gegen Hatespeech und alternative Fakten aus. Wieso die Social-Media-Chefin der Welt “Fake News” künftig komplett aus ihrem Wortschatz streichen will, schreibt Marvin Schade auf meedia.de.  

Die Konsequenzen einer extra Stromzufuhr ins Gehirn beleuchtete Miriam Meckel auf Stage 1. Dabei ließ sie auch kritische Fragen zu möglichen Zweiklassengesellschaften nicht aus. Ziemlich mutig, ein unzertifiziertes Gerät an ihrem Gehirn auszuprobieren (Facebook Video). Eine andere Perspektive dazu zeigt uns wired.

Twitter

Erneut waren wir in vielen Sessions zu Gast und berichteten live auf unserem Twitter-Kanal über folgende Themen:

Flachsinn – über gute und schlechte Aufmerksamkeit , wie man sie bekommt, wer gewinnt und wohin alles führt

Coca Cola statt RTL, EDEKA statt Prosieben: Marken produzieren Shows und Formate im Social Web

Mission Possible: Authentische Kommunikation im Social Web

Alles was unsere Redakteure privat von der re:publica twittern, findet ihr unter #onkomm und #rp17

Snapchat

Auch unser Snapchat-Team war wieder auf der Jagd nach Impressionen und interessanten O-Tönen. Für die volle Story folgt uns unter unserem Account pr-fundsachen.

Snapcode - re:publica
Snapcode – re:publica

Instagram

Wir haben die Experten Sascha Lobo, Schiwa Schlei und Lena Rogl gefragt, was sie #onkomm-Studierenden mit auf den Weg geben würden. Was sie dann sagten, war einfach unglaublich:

Sascha Lobo

Schiwa Schlei

Lena Rogl

Facebook

Jeden Tag um 16:30 Uhr geht unser Facebook-Team online. Johannes und Philip berichteten wie sie die re:publica erlebt haben.

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