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ORF-Protest: Aufforderung zur Revolution oder PR in eigener Sache?

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1.020 Kommentare, 9.221 „Mag ich“-Klicks und 314.584 Views auf Youtube innerhalb von nicht mal 48 Stunden. Dabei handelt es sich nicht um das neuste Musikvideo von Justin Bieber und auch nicht um den neusten Hollywood Blockbuster. Es scheint eher wie eine Aufforderung zur Revolution. Eine Revolution gegen solche, die mit der wirtschaftlich ohnehin schon gescholtenen Medienlandschaft oft tun und lassen was sie möchten: Politiker. Diese entscheiden oft nicht zum Wohle des Volkes, sondern zum Wohle der eigenen Partei oder sogar der eigenen Person.

Die Hauptdarsteller in diesem Video sind 55 Journalisten des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in Österreich, kurz ORF. Sie protestieren in diesem Video gegen die Personalpolitik von Generaldirektor Alexander Wrabetz. Der hat, wie es scheint, einen seiner Befürworter zum Bürochef ernannt. Wie das im Zusammenhang steht?

Schauen wir uns kurz die Organisation des ORF an: An der Spitze steht der Generaldirektor, der vom Stiftungsrat für fünf Jahre gewählt wird und Alleingeschäftsführer des Gesamtunternehmens ist. Der Stiftungsrat besteht, ähnlich wie in Deutschland der Fernsehrat, aus Politikern der Bundesländer und der Regierung und Personen des öffentlichen Lebens. Einer dieser Politiker im Stiftungsrat ist Nikolaus Pelinka, 25 Jahre alt, Lobbyist und leitender Sprecher des SPÖ-Freundeskreises in eben diesem. Also ein Partei- und Politikerfreund. Pelinka hat Wrabetz bei seiner Wahl 2007 maßgeblich mit der Unterstützung der SPÖ, die den Bundeskanzler stellt, zum Job des Generaldirektors verholfen. Der Vorwurf der 55 Journalisten nun: Der Generaldirektor bedankt sich bei seinem Unterstützer und verschafft ihm einen Job als Bürochef.

Es ist aber nicht nur ein Vorwurf – von Erpressung ist die Rede. Ist es also wirklich eine Aufforderung zur Revolution gegen Politiker, die versuchen die Medien zu ihren Gunsten zu manipulieren? Oder begehen die Journalisten PR in eigener Sache, indem sie darauf hinweisen, dass sie für einen unabhängigen ORF stehen und mit solchen Entscheidungen nichts zu tun haben möchten?

  1. Tobias SchmidtNo Gravatar

    Zunächst mal ist das Video echt gut gemacht und ich finde es durchaus mutig sich gegen seinen Arbeitgeber zu stellen.
    Meiner Meinung nach ist es eine Art PR, da die Journalisten sich von der Art und Weise des ORF abgrenzen wollen. Es ist aber auch eine kleine Revolution: Wenn man sich gegen seinen Arbeitgeber stellt und sich von seine Entscheidungen abgrenzt, ist das schon mehr als Protest. Vor allem wenn dies von Journalisten kommt.
    Wie sehr das Verhältnis angespannt ist, zeigt meiner Meinung nach der Satz im Abspann: „Dieser Film wurde ausschließlich mit privatem Equipment …“!

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