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„Das Erfolgsrezept“ – ein Rezept zum Erfolg?

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Seit Anfang Januar sind RTL und Edeka auf der Suche nach einem neuen „Erfolgsrezept“. RTL mit der gleichnamigen Sendung im Sonntagnachmittag-Programm und Edeka in Form des Siegerproduktes für die eigenen Supermarktregale. In vier Folgen des Doku-Formats bewertet ein Mentorenteam innovative Rezeptideen deutscher Hobbyköche und Freizeitbäcker und begleitet diese anschließend bis zur finalen Produktpräsentation im Kampf um einen Platz im Verkaufsregal. Damit gibt es eine neue Castingshow im deutschen Fernsehen, die sich allerdings in einem Punkt von DSDS, Germany’s next Topmodel und Co. wesentlich unterscheidet: der Kooperation mit dem Einzelhandelsverbund Edeka, der vor allem sich selbst inszeniert.

Das Mentorenteam (v.l.): Peter John Mahrenholz, Inga Koster und Tim Raue
Das Mentorenteam (v.l.): Peter John Mahrenholz, Inga Koster und Tim Raue

In den ersten drei Sendungen wählt das Mentorenteam, bestehend aus Marketingexperte Peter John Mahrenholz, Sternekoch Tim Raue und Unternehmerin Inga Koster unter vielen Kandidaten jeweils drei einzigartige Rezeptideen mit vermeintlich hohem Marktpotenzial aus. Nach dem Urteil von 100 Testessern bleiben noch zwei Kandidaten oder Kandidatenteams übrig. Diese bekommen von den Mentoren ein Coaching zum Rezept und der Vermarktung ihres Produktes und dürfen es schließlich den Marketing- und Kommunikationschefs von Edeka präsentieren. Die jeweils erfolgversprechendsten Ideen stehen dann in der vierten Sendung im Finale, wenn die Kunden der Supermarktkette selbst über das beste Produkt entscheiden.

Das vermeintliche Erfolgsrezept der Sendung sind allerdings nicht in erster Linie die alten Familienrezepte und innovativen Food-Kreationen. Im Vordergrund stehen die besonders schrägen oder sympathischen Kandidaten. Kurze Einspielfilme porträtieren sie zu Beginn und vertiefen im Laufe der Sendung die Geschichte der Ideen und der Köpfe dahinter. Dabei weist RTL den Kandidaten eine klare Rolle zu, wie man es auch aus anderen Castingshows kennt. So wundert es nicht, dass es die auffälligsten Hobbyköche ins Finale schaffen. Nicht nur hier finden sich bekannte Elemente anderer Sendungen. Das kompetente und vielfach ausgezeichnete Mentorenteam, das zunächst als Jury auftritt, wählt ganz besondere Orte für Entscheidungen während der Sendung: Zu Großküchen umgebaute Fabrikhallen und Fußballstadien bieten imposante Kulissen.

Der Clou der Sendung spiegelt sich allerdings in Form eines großen Bürokomplexes in Hamburg wider: der Edeka-Zentrale, in der die Kandidaten auf die Konzernchefs treffen. Die gesamten 50 Minuten drehen sich nur um Edeka, wobei die Kandidaten und deren Rezepte unterhaltsame Geschichten erzählen – es gibt schlechtere Werbung. Natürlich wird dabei besonders das Produkt beworben, das demnächst als Edeka-Eigenmarke erhältlich sein wird. Durch den „Auftrag von RTL“ bleiben die Kosten für den Einzelhandelsverbund wohl gering und Edeka kann bezüglich der Produktideen aus den Vollen schöpfen. Stichwort Crowdsourcing.

Stellt sich dieses Format nun als wahres Erfolgsrezept heraus, gibt es nach Werbepausen, eingeblendeten Anzeigen und (un)auffälligen Produktplatzierungen wohl bald einen neuen Standard der Fernsehreklame.

  1. Definitiv eine spannende Art das eigene Unternehmen über lange Zeit „unauffällig“ im Fernsehen zu bewerben.

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