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Crowdsourcing: Die Quelle schmeckt nach Hähnchen

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Crowdsourcing: Die Ideen anderer nutzen, und das meist noch völlig kostenlos – was kann es Schöneres geben? Das hat sich Henkel mit dem Wettbewerb „Mein Stil – mein Pril“ wohl auch gedacht: Ein neues Flaschendesign muss her, die kreativen Internetuser sollen‘s richten. Doch die verhalten sich so gar nicht angepasst. Auf Platz 1: eine braune Flasche mit der Aufschrift „Schmeckt lecker nach Hähnchen“. Na, das ist doch mal kreativ! Zu kreativ für Henkel?

Von vorn: „Neteye verleiht Pril durch Design-Wettbewerb neuen Glanz“, so überschrieb das Marketing- und Medienportal Horizont.net vergangene Woche einen Artikel über das Crowdsourcing-Projekt, das eine Hamburger Kreativagentur für die Henkel-Marke „Pril“ entwickelt hat: Unter dem Namen „Mein Stil – mein Pril“ fordert Henkel die kreativen Internet-Nutzer auf, eine neue Verpackung für das Geschirrspülmittel zu entwerfen. Gekoppelt ist das Ganze an einen Wettbewerb: Die beiden besten Designs sollen sogar als Limited Edition in den Handel kommen.

Die Resonanz auf die Aktion ist groß. Mehr als 35.000 Vorschläge haben die fleißigen User schon auf die Aktionshomepage hochgeladen. Doch das Projekt läuft nicht wie geplant. Das meistgewählte Design mit einem Vorsprung von kapp 3.000 Stimmen ist eher ungewöhnlich für ein Spülmittel: Ein braunes Etikett mit der Aufschrift „Schmeckt lecker nach Hähnchen“ (siehe Screenshot oben). Peter Breuer, der Mann hinter dem Hähnchen-Etikett, hat am 8. April via Twitter dazu aufgerufen: „Votet für mich bei Pril. Das wäre mir soooo wichtig. http://mein.pril.de/gallery#/design/17429“. Auch die Folgeplätze sind nicht weniger humorvoll: Auf Platz 2 liegt momentan die Zeichnung eines Monsters und auf Platz 3 prangt eine Bratwurst auf dem Etikett. Vielleicht hätte man die Aktion einfach nicht am 1. April starten sollen.

Die Ergebnisse zeigen einmal mehr, dass Social Media-Aktionen unberechenbar sind. Das konnte man in der jüngeren Vergangenheit beispielsweise auch bei Otto beobachten: Das Versandhaus hatte Mitte November 2010 über Facebook zu einem Model-Contest aufgerufen. Die Facebook-Mitglieder sollten den Sieger bestimmen. Gewonnen hat: „Brigitte“, ein BWL-Student mit blonder Perücke in Frauenkleidung.

Aktuell setzt auch der Kondomhersteller Billy Boy auf Crowdsourcing: Von Juni bis August sollen Filmtalente ab 18 Jahren Ideen für neue Werbespots liefern. In den Hauptrollen: Die B² Kondome und das Billy Boy Gleitgel. Bleibt die spannende Frage: Wenn eine einfache Spülmittelflasche mit einem Hähnchen geschmückt wird, zu welchen Ideen regen dann Kondome und Gleitgel an?

Für Henkel stellt die neueste Entwicklung der Pril-Aktion bisher kein Risiko dar, das Unternehmen erklärt auf der Wettbewerbsseite, dass die beiden Gewinner-Designs nicht direkt vom Publikum, sondern von einer fünfköpfigen Jury gewählt werden. Die Jury wird darauf achten, dass das neue Design zur Marke passt. Allerdings heißt es auf der Seite auch, dass die Preisrichter „aus den zehn beliebtesten Entwürfen der Galerie die beiden Gewinner-Designs“ auswählen. Wenn also am  letzten Wettbewerbstag die zehn beliebtesten Designs aus Hähnchen- und Bratwurst-Etiketten bestehen – ist es der Jury dann noch möglich, ein markenkonformes Etikett auszuwählen?

Eins ist jedenfalls sicher: Dank „Hähnchengeschmack“ und weiterer skurriler Vorschläge gibt es gratis obendrauf: Jede Menge Aufmerksamkeit. Ziel erreicht!?

  1. Ricca T.

    Wirklich Schade, dass McDonalds noch weniger Freiraum für Kreativität in ihrer „Mein Burger“-Aktion gelassen hat als es Pril mit seinem Stempel-und-Malstift-System getan hat. Ein schnöder Konfigurator gab die Zutaten vor. So kam im Extremfall lediglich eine Scheibe Fleischkäs´mit Kartoffelsalat zwischen die Brötchenhälften. http://www.mcdonalds.de/mein_burger/index.cfm#/galerie/detail/12266/deepfinal. Unlustig. Hätte doch auch gerne gewusst, was man noch dazwischen klemmen könnte.
    Ich persönlich bin großer Fan von solchen Social-Media-Kampagnen. Die Teilnehmer haben Spaß am Unsinn und die Firmen sind im Gespräch. Nur Ernst nehmen dürfen sie die Aktion sicherlich nicht 🙂 User sind nun mal unberechenbar.

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