Meine erste Begegnung mit KI hatte ich in der 12. Klasse im Bio-Leistungskurs. Mein Sitznachbar zeigte mir, wie er seine Hausaufgaben mit ChatGPT erledigte. Ich war skeptisch, probierte es aber selbst aus und hatte innerhalb weniger Sekunden die fertige Lösung vor mir. Was zunächst beeindruckend wirkte, fühlte sich gleichzeitig ungewohnt einfach an.
Wenig später saß ich in einer Englischklausur und beobachtete zwei Schüler, die ihre Handys unter dem Tisch hielten. Sie schrieben handschriftlich die Antworten von ChatGPT ab. Ich musste innerlich lachen. Ist das die neue Art zu spicken?
Im ersten Semester meines Studiengangs Onlinekommunikation hatte ich das Gefühl, dass KI das Denken zunehmend ersetzte, statt es zu unterstützen. Es wurde weniger diskutiert, weniger gemeinsam erarbeitet, weniger hinterfragt. Stattdessen: eingeben, kopieren, einfügen.
Besonders in Gruppenarbeiten fiel mir das auf. Aufgaben, die eigentlich vom Austausch leben, wurden an KI ausgelagert. Ideen entstanden nicht mehr im Gespräch, sondern mit leeren Blicken in Bildschirme.
Das Problem ist dabei nicht die Technologie selbst. KI kann ein extrem hilfreiches Werkzeug sein. Sie strukturiert Denkprozesse, erweitert Perspektiven und hilft beim Einstieg in komplexe Themen. Gerade im Bereich Onlinekommunikation ist sie kaum noch wegzudenken.
Kritisch wird es dort, wo sie das Denken ersetzt.
Wer Texte übernimmt, ohne sie zu hinterfragen, entwickelt kein echtes Verständnis. Wer Argumente nicht mehr selbst erarbeitet, verliert etwas Zentrales am akademischen Arbeiten. Und die Inhalte verlieren ihre Individualität.
Die Nutzung ist bereits etabliert. Jetzt muss die Kompetenz folgen. Hört auf, Künstliche Intelligenz als Ersatz für eigene Gedanken zu nutzen.
Lernt, wie ihr sie sinnvoll einsetzt.

