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Wahlkampf und PR?

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Vergangene Nacht ließ Spiegel Online bereits den Triumph von Barack Obama über Hillary Clinton verlauten. Nur wenige Stunden später wurde es dann auch bestätigt. Dem Spektakel der vergangenen Nacht ging übrigens dieser Artikel voraus. Ein Bericht über Obamas neueste Geheimwaffe, seine eigene Ehefrau. Ein geschickter Schachzug im momentanen Gefecht, denn Michelle Obama spricht wieder andere Zielgruppen oder besser gesagt Wähler auf ganz andere Art und Weise an, als es ihr Ehemann könnte.

Obama zeigt damit aber auch, dass die Vorwahlen in Amerika zunehmend kreativer und einfallsreicher werden. Und mit dem Verfolgen des Wahlkampfs in den USA, stellt sich mir zunehmend die Frage, inwieweit sich (Politik-)PR und Wahlkampfmaßnahmen eigentlich gleichen bzw. vergleichen lassen?

Ein durchaus spannendes Thema, obwohl ich bekennen muss, dass ich sonst nicht die Politikbegeisterung in Person bin. Dennoch: Nehmen wir als Beispiel doch einmal die Testimonials; seither ein probates Mittel um Aufmerksamkeit und neue Zielgruppen zu generieren. Ursprünglich kommt der Begriff Testimonial aus der Werbung bzw. dem Marketing. Grundziel war es in diesem Metier, durch konkrete Fürsprache einer prominenten relativen oder absoluten Person der Zeitgeschichte eine Dienstleistung oder ein Produkt soweit ins Gedächtnis der Kunden zu bewegen, dass sie es auch kaufen. Schließlich steht die Überzeugung der prominenten Person „X“ klar für die Qualität des angepriesenen Produkts. Ein gutes Testimonials kann aber auch Vertrauen bilden, Glaubwürdigkeit schaffen und die Reputation bzw. das ganze Image verbessern.

Huckabees Testimonial

Nicht zuletzt deswegen sind Testimonials auch in PR-Kreisen eine beliebte Maßnahme, wobei man sich hier nicht nur auf Schauspieler beschränkt, sondern auch gerne Musiker, große Persönlichkeiten aus der Wirtschaft oder Politiker zu Rate zieht. Wenn man nun aber selbst Politiker ist und dennoch nicht auf ein Testimonial verzichten möchte, macht man es wie Mike Huckabee, Republikaner und derzeit einer der Konkurrenten von Barack Obama. Huckabee machte jüngst von sich Reden, da er mit folgendem Video in den Wahlkampf zog.

Zweifelsohne muss es als höchstphantasievoller Versuch gewertet werden, seinen Busenfreund Chuck Norris für ein Wahlkampfthema einzusetzen. Chuck Norris dürfte vielen als wahre Kultfigur bekannt sein. Der „Texas Ranger“ und urbane Mythos, die Legende des B- und C-Movie-Segments von anno dazumal. Viele kennen ihn auch nur durch die berühmten „Fakten“ – „Chuck Norris Facts“, die ihn im Internet erst zu seinem momentanen Kultstatus verholfen haben. Chuck Norris hat etliche Filmabende und ein vieles mehr an Scherz-Emails bereichert, doch qualifiziert ihn das für ein Testimonial?

Erfolg(los)?

Ob „Chuck Norris approved“ Mike Huckabee im Wahlkampf wirklich geholfen hat, kann man nicht zweifelsfrei sagen, doch zumindest gehe ich davon aus, dass junge Wähler auf ihn aufmerksam wurden. Doch trotz seiner Bemühungen strauchelt der ehemalige Gouverneur von Arkansas im momentanen republikanischen Wahlkampf-Ranking nur auf Platz drei. Seine beiden Kollegen McCain und Romney scheinen es richtiger zu machen. Auch die Resonanz in Blogs gestaltet sich bisweilen eher überschaubar und wenn berichtet wird, dann eher amüsiert über den Versuch, „ausgerechnet“ mit Chuck Norris zu punkten. Andere können es gar nicht erst glauben, dass „das“ wirklich ernst gemeint ist und wieder andere reden von einer Persiflage auf Huckabee selbst und rechnen so mit einem Wahlkampfaufenthalt auf der Politikstrafbank.

Kann man hier also behaupten, die Maßnahme „Testimonial“ – ob nun als Wahlkampf oder PR-Thema – wäre ein Schuss nach hinten gewesen? Möglich! Vielleicht haben sich Huckabee und Norris für diese Art von Humor aber auch nur einfach den falschen Zeitpunkt ausgesucht. Ziemlich genau um dasselbe Datum hatte nämlich noch eine andere „Weltmacht“ die gleiche Idee. Die Marketingspezialisten von Blizzard Entertainment rührten nämlich zur selben Zeit kräftig die Werbetrommel für eines der berühmtesten und beliebtesten Massen-Mehrspieler-Online-Rollenspiele unserer Zeit. In den Hauptrollen u.a.: Mr. T, Jean-Claude Van Damme und William Shatner.

  1. Tilman

    Im US-Wahlkampf heißen die politischen Testimonials „Endorsements“.
    Laut Time Magazine lassen sich die amerikanischen Wähler üblicherweise nicht von Ihren Promis zum Wählen eines bestimmten Kandidaten überreden. Dieses Mal spielen die Promis jedoch eine ungewöhnlich große Rolle: http://www.time.com/time/politics/article/0,8599,1709745,00.html

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