Trennungsschmerz oder Hochzeitsglocken: Diese Woche im DRILLLINK

Logo DRILLLINK

I. DSGVO und Blogs – Trennung

Die DSGVO (Datenschutzgrundverordnung) tritt nach zweijähriger Übergangsphase heute EU-weit in Kraft. Die Verunsicherung über die Folgen sind groß. Hohe Bußgelder sind angedroht, Betreibern von Klein- und Kleinst-Websites ist unklar, wie sie diese DSGVO-konform gestalten und im Internet tummelt sich neben einigen wertvollen Informationen auch noch ein riesiger Berg von Mythen. Erste Blogger haben nun reagiert und trennen sich komplett von ihren Blogs. Ab morgen also “Shut down”.

Das finden wir als Teil der Blog-Landschaft natürlich extrem schade. Das Bürokratie-Monster, das die EU hier geschaffen hat, ist für viele Menschen, die das Schreiben und Teilen im Internet nebenbei als Hobby betreiben, einfach extrem schwer zu überwinden. Allein die Zeit, die man braucht, um sich durch die Fülle an Stoff zu arbeiten… Gefürchtet sind vor allem die Schreiben sogenannter “Abmahnanwälte” und die Bußgelder von staatlicher Stelle. Verständlich, dass einige Blogger da einfach nicht mehr wollen. Andererseits: Rechts- und Verbraucherschutzexperten sehen der DSGVO eher gelassen entgegen. Während sie für Unternehmen mit entsprechender Rechtsberatung gar keine Folgen erwarten, dürften auch Abmahnungen und Bußgelder für Blogbetreiber eher eine Seltenheit sein. Warum? Das erklären Nina Diercks und Malte EngelerAuch mithilfe von Datenschutzgeneratoren ließe sich für viele Blogbetreiber einfache Abhilfe schaffen.

 

II. Influencer und PR – Trennung oder Hochzeit?

Eine heiß diskutierte Studie wurde Ende letzter Woche veröffentlicht. Die dpa-Tochter news aktuell fand in einer Umfrage unter 590 Fach- und Führungskräften in deutschen Pressestellen heraus, dass mehr als drei Viertel der Befragten von einer steigenden Bedeutung von Influencern für die PR ausgehen. Da läuten doch schon die Hochzeitsglocken. Der Hochzeitstermin ist aber zumindest nicht in allzu naher Zukunft zu erwarten. Denn: Über die Hälfte der befragten Pressesprecher halten Influencer für ihre eigene Pressearbeit für unwichtig.

Aus der positiven Grundhaltung heraus ergibt sich in diesem Fall also offensichtlich nicht direkt die logische Folgehandlung. Aber warum? Diese Frage stellte auch #onkomm-Professor Dr. Lars Rademacher auf Twitter. Wir von den PR-Fundsachen beteiligten uns natürlich an der Diskussion:

 

Influencer sind v.a. bekannt für die Streuung trivialer Botschaften – hier ist der Erfolg ja überwältigend. Sobald es komplex wird, wird der (Fach-)Presse vllt. einfach immer noch die höhere Vermittlungsleistung zugetraut. Dann ist natürlich die Frage, wie viele Pressestellen überwiegend komplexe Botschaften verarbeiten. Und da kommt man dann bestimmt recht schnell auf die [min.] 41%, die Influencer-PR für irrelevant halten… – Tim Bartelsen

 

Ergänzend dazu lässt sich neben komplexer Vermittlungskompetenz, möglicher mangelnder Glaubwürdigkeit und zu niedriger Passgenauigkeit (und damit Kommunikationskomplexität!) die Frage stellen, inwieweit Influencer einfach das ultimative Instrument für jeden und alle darstellen (sollen). – Lea Matusiak

 

Man sollte darüber hinaus noch erwähnen, dass das Umfragedesign natürlich einen kausalen Schluss zwischen Haltung und Handlung auch nicht so einfach zulässt. Allgemein zu fragen, ob Influencer wichtiger werden, drückt ja nicht automatisch aus, dass man diese Entwicklung auch gut findet.

 

III. Prinz Harry und Meghan – Hochzeit

Jetzt aber mal zur echten Liebe. Die Royal Wedding. Ja, und wir geben zu: Auch wir haben am Samstag einige Minuten vor dem Fernseher verbracht – vielleicht auch Stunden… Viel interessanter als die Hochzeit selbst sind ja aber in der Regel die Diskussionen im Voraus: Welches Kleid trägt die Braut? Wann kommt der öffentliche Kuss? Und wie konnte diese Hochzeit ein solches PR-Desaster werden?

Ihr lest richtig. Genau diese Frage brachte die Daily Mail drei Tage vor der Hochzeit auf. In zehn Punkten versucht Kolumnistin Sarah Vine darzulegen, was alles in der Kommunikation rund um die Vorbereitungen der Hochzeit schiefgelaufen ist. Und da man hier – mal ganz nüchtern betrachtet – durchaus etwas über die PR für Großereignisse und Einzelpersonen lernen kann, wollen wir uns die Vorwürfe mal etwas genauer ansehen.

Im Gegensatz zur Autorin, die (typisch für die Yellow Press) sehr redundant schreibt, möchten wir das Ganze auf drei Kernpunkte zusammendampfen.

 

1) Meghan komme aus (teilweise) schwierigen Familienverhältnissen.

Das ist kein Kommunikationsproblem und daher in dieser Analyse zu vernachlässigen. Niemand kann etwas für seine Familie.

 

2) Das Königshaus habe über die schwierigen Familienverhältnisse nichts gewusst und deshalb auch nicht darüber kommunizieren können.

Merkste selbst, gell? Umgekehrt wird eher ein Schuh daraus: Der Palast hat sehr wohl über die Familienverhältnisse gewusst und die Storys darum nicht noch zusätzlich befeuert. Das freut die Boulevardpresse natürlich wenig, ist aber aus Kommunikationssicht durchaus nachvollziehbar. Der Kommunikationsinhalt stammt hier eindeutig aus dem Privatleben von Meghan und ist daher nicht geeignet, offensiv in irgendwelche Kampagnen gepackt zu werden. Wenn dann Artikel wie der Vorliegende erscheinen, könnte man auf Offensive schalten. Aber in diesem Fall: Absolut unnötig. Das Königshaus schweigt, die Daily Mail bellt und im Kopf bleiben bei den meisten Menschen nur die schönen Bilder der Hochzeit zurück.

 

3) Prinz Harry und Meghan stünden dem Trubel um ihre Personen stets ablehnend gegenüber. In diesem Zusammenhang könne man keine Hollywood-Hochzeit mit Schloss, Kutsche und einer ganze Reihe VIPs feiern.

Erst einmal: Doch, man kann – wie man am Samstag gesehen hat. Auf den zweiten Blick lässt sich hier aber eine Lücke im Taktikverbund der adeligen Kommunikation erkennen. Prinz Harry ging vor der Hochzeit tatsächlich erstaunlich oft mit der Botschaft hausieren, dass er gerne ein “normal guy” wäre. Und auch Meghan ließ bisher eher wenige Starallüren erkennen. PR lebt von der Einheit aus Sagen und Handeln. Diese Einheit ist hier nicht zu erkennen – natürlich auch aus Gründen der Tradition. Aber wie wäre es denn, wenn man eine Royal Wedding einfach mal ganz anders – zur Abwechslung etwas bodenständiger – begehen würde? Bei Prinz Harry und Meghan wäre es authentisch gewesen. Schade um die vergebene Chance.

Insgesamt war die Royal Wedding sicherlich kein PR-Desaster – wie man auch unschwer an der begeisterten Netzreaktion erkennen konnten. Man sieht auch: Kommunikation aus gefestigten Strukturen heraus zu machen, bringt entscheidende Vorteile mit sich. Und das britische Königshaus ist wohl die gefestigtste Struktur von allen…

zu den Kommentaren