A/B-Testing und Personalisierung: Was Unternehmen durch personalisierten Content erreichen können!

Wie kann man Content genau auf die Bedürfnisse der Nutzer zuschneiden? Wir haben uns von einem Profi Tipps geben lassen: Annemarie Sowa ist Merchandising- and Content-Managerin für Personalisierung bei Thomas Cook. In einem Interview verrät sie uns, wie A/B-Testing dabei hilft, Content zu personalisieren und gezielt an die Nutzer anzupassen.

Was ist A/B-Testing eigentlich?

Beim A/B-Testing werden zwei Versionen einer Website verglichen. Durch die Tests kann festgestellt werden, welche der beiden Versionen bei den Nutzern besser ankommt. Beide Varianten werden den Nutzern dabei per Zufallsprinzip angezeigt. Durch A/B-Tests soll also zum einen die Website-Performance verbessert und gleichzeitig die Conversion-Rate gesteigert werden, die das Verhältnis zwischen Website-Besuchern und getätigten Transaktionen beschreibt.

Annemarie Sowa von Thomas Cook hat uns in einem Interview Fragen rund um das Thema A/B-Testing und einer damit verbundenen Personalisierung beantwortet. Als Merchandising and Content Managerin für Personalisierung in der E-Commerce-Abteilung des Reiseveranstalters kennt sie sich bestens in den beiden Bereichen aus.

 

Annemarie, wo und wie genau setzt Ihr A/B-Testing bei Thomas Cook ein?

Annemarie: Wir nutzen das in allen Online-Kanälen: Webseite, E-Mail-Marketing und Social Media. Das A/B-Testing wird auf der Webseite hauptsächlich genutzt, um Kampagnen gegen eine Nullgruppe auszuspielen und entsprechende Validierungs-Ergebnisse zu erzielen. Daraus lässt sich schließen, ob die Kampagne generell umgesetzt werden kann, überarbeitet werden muss oder eine andere folgen sollte. Die Nullgruppe meint User, die keine Kampagne ausgespielt bekommen. Auch wenden wir sogenannte Multivariantentests an, in dem wir zum Beispiel zwei Kampagnen und eine Nullgruppe gegeneinander laufen lassen.
Bei E-Mails kann ein A/B-Test zum Beispiel auch nur anhand der Betreffzeile erfolgen. Hier kann durch die Tests beobachtet werden, welche Betreffzeile eine höhere Öffnungsrate erzielt.

 

Inwiefern kommt hier die Personalisierung ins Spiel?

Bei der Personalisierung gibt es einen Unterscheid zwischen der persönlichen Ansprache des Kunden, zum Beispiel durch eine Anrede, und der Individualisierung, auf Grundlage von Transaktionsdaten. Das wäre zum Beispiel, wenn ein User aufgrund seines Suchverhaltens personalisierte Inhalte angezeigt bekommt.

 

Eines der Ziele von A/B-Testing ist es, die Conversion Rate zu steigern. Hast Du hier konkrete Beispiele, an denen Ihr uns Erfolge für die von Euch angewendeten Tests zeigen könnt?

Annemarie: Ich habe ein Beispiel für einen Multivariantentest mitgebracht, der momentan auf unseren Seiten ThomasCook.de und Neckermann-Reisen.de ausgespielt wird. Hier werden zwei Kampagnen gegen eine Nullgruppe ausgespielt. Wir testen die Anzeige der letzten Suchen gegen die Anzeige der letzten Suchen mit Detailanzeigen (Destination und Hotel).

Der Test zeigt schön auf, wie man auch „nur die letzten Suchen“ personalisiert abbilden kann. Wenn der Kunde sogar im Kunden-Bereich eingeloggt ist, wird der Name mit in die Kampagne integriert. Der Test ist bisher erst drei Wochen live. Trotz der kurzen Laufdauer konnte jedoch schon bei beiden Kampagnen eine Steigerung der Conversion Rate von zwei Prozent gegenüber der Nullgruppe erreicht werden, die keine Kampagne zur Personalisierung ausgespielt bekommen hat. Bei den beiden Kampagnen ist es dann bisher wohl ein Kopf-an-Kopf-Rennen (lacht), wobei sich das im Laufe der Zeit sicher noch abgrenzen wird.

 

Ist A/B-Testing allein ausreichend, um das Nutzerverhalten analysieren zu können?

Annemarie: Nein. Für das Nutzerverhalten selbst gibt es mittlerweile viele intelligente Algorithmen, die das Nutzerverhalten analysieren und entsprechende Kampagnen aussteuern. Das Nutzerverhalten ist so individuell wie der Mensch selbst. Das A/B-Testing ist ein kleiner Teil davon und zielt auf den Erfolg von Kampagnen ab. Durch intelligente Algorithmen kann beispielsweise zusätzlich zu Empfehlungen die Platzierung von Layern dem Nutzerverhalten angepasst werden.

 

A/B-Testing ist nicht nur im E-Commerce ein wichtiges Thema, sondern kann auch auf redaktionellen Seiten zum Einsatz kommen. Was kannst Du anderen Unternehmen mit auf den Weg geben, die bisher noch keine Erfahrungen mit dem Testing haben?

Annemarie: Hierzu gibt es ein treffendes Zitat von Herb Kelleher, das lautet: „We have a strategic plan. It’s called doing things.“ Man benötigt keine große Erfahrung im A/B-Testing, man benötigt viel Geduld und muss stetig laufende Kampagnen beobachten. Kleine Schritte machen, diese dann lieber ausbauen als gleich das große Ganze zu wollen, ist unser Tipp in diesem Bereich.

 

Habt Ihr auch schlechte Erfahrungen beim A/B-Testing gemacht?

Annemarie: Schlechte Erfahrungen sind vielleicht etwas hoch gegriffen, aber klar, nicht jede Kampagne wird zum Erfolg durch das A/B-Testing. Auch wir haben die Erfahrung gemacht, dass manche Kampagnen dazu geführt haben das Klickverhalten zu reduzieren. Hier gilt es schnell zu handeln.

 

Was habt Ihr in Zukunft an neuen Themen im Bereich Online-Marketing und Personalisierung geplant?

Annemarie: Im Rahmen der Digitalisierung ist für uns der nächste Schritt in Richtung Product Recommendations. Auf diesen Test freuen wir uns bereits sehr und sind auf die ersten Zahlen gespannt. Durch intelligente Algorithmen wird hier das Klickverhalten der User analysiert. Anhand dieses Verhaltens wird dem User dann ein statistischer Zwilling zugewiesen, d.h. ein User mit ähnlichem Verhalten, der bereits eine Reise bei uns gebucht hat. Dadurch können dem Nutzer noch gezielter Maßnahmen ausgespielt werden.

Danke Annemarie für das tolle Interview!

 

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Tourismusmarketing mit VR und AR: Vom Engaging Content zur Traumreise

Technologien wie Virtual Reality oder Augmented Reality wirken hervorragend auf Reisefreudige. AR lässt den Reisekatalog zum Leben erwecken und VR findet Anwendung in Reisebüros. Eine kurze Pre-Trip Experience auf Hawaii würde wohl keiner ablehnen. Wie können VR und AR eingesetzt werden und warum wirken sie? Die Antwort ist Engaging Content und Immersive Marketing.

 

Unterschied Virtual Reality und Augmented Reality

Jeder hat schon einmal mal von Virtual Reality gehört, aber wie genau funktioniert VR? Virtual Reality erschafft eine realitätsnahe Immersion. Alle realen Bewegungen und Interaktionen zwischen Usern werden in der digitalen Welt simuliert. Inhalte werden über Display und Lautsprecher wiedergegeben.

VR zeigt dem Nutzer virtuelle Welten. Jedoch erweitert Augmented Reality die Wirklichkeit um imaginäre Elemente. So kann die Umwelt an kontextbezogenen Informationen angereichert werden. Visuelle Inhalte verschmelzen mit dem realen Bild. Mit der Traveler Insight App werden verstaubte Reisekataloge zum Leben erweckt. Hierzu scannt man auf der Seite seines Wunschhotels das AR-Symbol und prompt ploppen mehr Bilder oder Videos auf. Sie bereiten Lust zu verreisen. Klick hier, wenn du mehr über die Psychologie hinter VR-Marketing erfahren möchtest.

Augmented Reality kann dich durch eine neue Stadt navigieren und Öffnungszeiten von Restaurants oder Museen direkt am Gebäude virtuell platzieren. Lästiges Googeln gehört so der Vergangenheit an. Darüber hinaus kann AR das klassische Urlaubserlebnis revolutionieren. Die Kamera vom Tablet oder Smartphone erfasst Standorte und Sehenswürdigkeiten, wodurch auf dem Bildschirm parallel Informationen angezeigt werden. AR kann eine Geschichte, die vor mehreren Jahren am Ort stattfand, wieder erlebbar machen. Die Time Traveler App lässt dich in Berlin miterleben, wie Frida Schulze in letzter Minute aus ihrem Fenster in den Westen sprang.

VR – eine Chance für Reisebüros

VR bietet hingegen ganz andere Möglichkeiten! Reisebüros wie Thomas Cook haben sich bereits seit 2017 mit dieser Technologie ausgestattet. Die Anwendung findet im Marketing insofern statt, dass zum Zwecke der Produktpräsentation von Reiseplanung- bis entscheidung VR unterstützend wirkt. Diese Technik bietet Kunden Einblicke in Reiseziele, die für die meisten zuhause nicht erlebbar sind – die VR-Technologie findet sich bis dato noch nicht in vielen Wohnzimmern. Falls VR doch vorhanden ist, spricht nichts gegen einen Urlaub auf Balkonien, wie Anabelle Kern berichtet.

VR senkt die Hemmschwelle, um etwas Neues auszuprobieren.

Eine Frau trägt eine VR-Brille.
So könnte eine Pre-Trip Experience Reise aussehen.

Beispiel: Der Reisefreudige setzt die VR-Brille auf und befindet sich am Strand auf Hawaii. Der Sand rieselt durch seine Finger und die Wellen rauschen. Die Testreise überzeugt den Kunden, sodass er den 20-Stunden Flug nach Hawaii in Kauf nimmt. Weiterhin schaut er sich den Ausblick aus Zimmer 33 an und schaut gegen eine Wand. Der Ausblick aus Zimmer 304 zeigt den Sonnenuntergang über dem Meer und auch diese Auswahl ist getroffen. So können Kunden Entscheidungen einfacher treffen, wodurch VR maßgeblich bei der Reiseplanung assistiert.

 

Engaging Content und Immersive Marketing nutzen

Die Pre-Trip Experience erzeugt Fernweh, indem Kunden durch den VR-Einsatz emotional intensiver und somit erfolgreicher stimuliert werden. Das Reiseziel und Erlebnis an sich werden greifbar. Der Kunde wird auf emotionaler Ebene abgeholt und taucht in den Content einer Marke oder eines Produktes ein. Hier präsentiert sich „Engaging Content“ von seiner aller feinsten Seite. Engaging Content eröffnet potenziellen Reisenden auf eine interaktive Weise etwas Unerwartetes, worüber sie noch tiefer nachdenken werden.

Gleichzeitig nennt sich das Ganze auch „Immersive Marketing“. VR-Content hinterlässt einen immersiven Eindruck beim Kunden, wenn er emotional und zielgerichtet aufbereitet ist. Es geht darum, den Kunden positive Gefühle zu vermitteln und ihn in den Bann zu ziehen.

Wer seine bevorstehende Reise bereits mit eigenen Augen gesehen hat, wird diese Bilder bis zum Urlaub im Kopf behalten. Expedia hat mit ihrem 360°-Video „How Far Australia“  3,5 Millionen Klicks generiert. Das Video lässt sich am besten mit einer VR-Brille genießen, aber es fasziniert auch auf dem einfachen Smartphone. Das ist ein gutes Beispiel zur Vermarktung einer Reise, allerdings ist der Effekt größer, wenn aus der Ich-Perspektive gefilmt wird.

Ausblick

Man kann erwarten, dass VR- und AR-Technologien im Tourismusmarketing intensiver eingesetzt werden. Engaging Content und Immersive Marketing werden, aufgrund ihrer Effekte, in der Tourismusbranche verstärkt angewendet.

Tl;dr

Tourismusmarketing kann durch Engaging Content und Immersive Marketing effektiver werden. Engaging Content nimmt den potenziellen Touristen mit Hilfe von Virtual Reality auf eine interaktive Reise mit. Von Emotionen und positiven Gefühlen geprägt (Immersive Marketing), wird der Kunde enthusiastischer sein, zu reisen. Reisekataloge können durch Augmented Reality mediale Unterstützung erhalten und Touristen auf ihrer Reise begleiten.

 

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