Roboter erobern Hotels

Immer mehr smarte Roboter, autonome elektronische Helfer und künstliche Intelligenz: Die Digitalisierung entwickelt sich immer weiter. Was man normalerweise in einem Science-Fiction-Film sieht, ist z.B. in Japan bereits Realität. Hier werden statt menschlicher Mitarbeiter Roboter eingesetzt.

Roboter Mario
Solche Roboter findet man in Zukunft immer häufiger in Hotels

„Hi I am A.L.O.“ steht auf der aus Metall geformten Brust. Sein Piepsen erinnert an R2-D2 aus der „Star Wars-Saga.“ Mit konstanter Geschwindigkeit rollt er durch die Flure des „Aloft Cupertino“- Hotels in Kalifornien.  Er ist sogar so freundlich, dass er Menschen im Fahrstuhl zuerst aussteigen lässt. Verschlossene Türen kann er jedoch nicht öffnen, da ihm kein Greifarm, wie man es von R2-D2 kennt, angebracht wurde.

Anders als bei „Star Wars“ ist A.L.O. nicht im Raumschiff unterwegs, sondern arbeitet als Serviceroboter in der Hotellerie. A.L.O. ist 91 cm groß, wiegt stolze 45 Kilo und liefert all das, was Gäste aufs Zimmer bestellen möchten. Zahnpasta, Getränke, Zeitschriften, Hygieneartikel und sogar Kondome. Ein Mitarbeiter legt den vom Gast gewünschten Gegenstand in das Ladefach des kleinen Helfers, tippt die Zimmernummer ein und schickt ihn los. Am Zimmer angekommen, benachrichtigt er diesen. Wird die Tür geöffnet, so öffnet der Roboter seine Ladeklappe und der Gast entnimmt die gewünschten Artikel. Nachdem die Bestellung ausgeführt wurde, fragt der Roboter den Hotelgast, ob er zufrieden ist und wackelt bei einem Lob mit seiner Ladeklappe.

A.L.O. hat zwischenzeitlich Zwillingsbrüder bekommen. In anderen kalifornischen Hotels rollen mittlerweile ebenfalls einige Roboter herum, wie zum Beispiel im „Crowne Plaza San José“, im „Holiday Inn Express Redwood“ oder im „Residence Inn by Marriott“ in Los Angeles. Ein Roboter ging sogar auf Dienstreise und arbeitete 2016 in Aloft Hotels in München, Stuttgart, London und Dubai.

 

Arbeit, Arbeit, Ladestation

Es gibt bereits viele Blechbutler, die in Hotels, auf Kreuzfahrtschiffen und in Restaurants beschäftigt werden. Eingesetzt werden sie für den Roomservice, übernehmen Kellnertätigkeiten, bedienen Gäste am Empfang, verstauen Gepäck oder mixen als Barkeeper Drinks. Ein Multitalent also. Ist der Akku leer, wird er einfach aufgeladen. Einige können sogar ein Lächeln schenken. Diese Roboter findet man künftig immer häufiger. Sie sind in der Lage, auf Dauer Servicepersonal zu ersetzen, um Personalkosten zu sparen. „Besonders gefährdet sind in den nächsten 20 Jahren Tätigkeiten wie Empfangsmitarbeiter, Kellner, Roomservice und Kofferträger“, sagt Wirtschaftswissenschaftler Carl Benedikt Frey von der University of Oxford.

Ganze 35 Prozent der Jobs in den kommenden 20 Jahren sollen von intelligenten Robotern übernommen werden. „Es betrifft vor allem Logistik, Transport, Verkauf, Verwaltung, aber auch Berufe im Dienstleistungsbereich – wie im Tourismus.“ Eines bleibt jedoch schwer ersetzbar: Zimmermädchen. „Betten machen und beziehen, das können Roboter nicht. Es ist einfach zu kompliziert“, erklärt Frey.

Arbeiten bis der Akku leer ist
Roboter „arbeiten“ so lange bis der Akku aufgeladen werden muss.

Der Dinosaurier – Roboter

Wie in vielen Dingen sind auch beim Thema Roboter die Japaner Vorreiter. 2015 hatte in Japan in einem Freizeitpark das Hotel „Henn-na“ eröffnet. Übersetzt bedeutet dies soviel wie „das seltsame Hotel.“

Hier werden Gäste von einem Dino-Roboter und einem kleinen Männchen empfangen. Im Zimmer sagt eine pinkfarbene Blechpflanze das Wetter vorher.  Im „Robot-Restaurant“ wird man statt von schicken Kellnern von Ninja-Robotern bedient. Den Namen des Hotels hätte man wohl nicht besser wählen können.

 

Empfangsdame Chihira-Kanae

Der Technologieriese Toshiba hat eine Roboter-Empfangsdame, deren Name Chihira-Kanae ist. Die freundliche Japanerin Mitte 30 gestikuliert mit Händen und Füßen. Auch auf die Mimik wurde Wert gelegt, denn sie kann lächeln, mit den Augen zwinkern und verfügt sogar über eine Gesichtserkennungssoftware. Chihira-Kanae ist sogar sprachtalentiert und spricht Deutsch, Englisch, Japanisch und Chinesisch. Sie wird jedoch nicht nur als Empfangsdame, sondern auch als Messehostess eingesetzt und begrüßte bereits viele reisebegeisterte Besucher auf der weltgrößten Reisemesse, der ITB in Berlin. Durch die noch nicht ganz ausgereifte Technik wirken die Bewegungen jedoch noch sehr wie die einer Puppe. Es ist geplant, diese Roboter bei den Olympischen Spielen 2020 in Tokio als Hostess einzusetzen.

 

19 Sprachen – kein Problem für Mario

Nicht nur in Japan trifft man auf Roboter, die einem am Empfang oder an der Bar begrüßen. Im „Ghent Marriott-Hotel“ in Belgien arbeitet der erste humanoide Roboter der Welt, Mario. Das Sechs-Kilo-Männchen spricht ganze 19 Sprachen und begrüßt Gäste am Empfang. Im New Yorker „Yotel“-Hotel sitzt ein Gelenkarmroboter hinter einer Sicherheitsscheibe, nimmt das Gepäck der Gäste entgegen und verstaut dieses.

Mittlerweile lässt sich auch der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband auf Roboter ein. Sprecherin Stefanie Heckel: „In einigen Bereichen können wir uns in der Tat den Einsatz von Robotern vorstellen, denken wir zum Beispiel an das Housekeeping oder standardisierte Rezeptionsdienstleistungen.“

Selbst im Luxushotel „Schloss Elmau“ in Oberbayern werden einmal Roboter arbeiten. „Aber nur in Bereichen ohne direkten Gastkontakt“, sagt Besitzer Dietmar Müller-Elmau. „Viele standardisierte Aufgaben, die nicht gerne von intelligenten Mitarbeitern erledigt werden, können Roboter in zehn Jahren zuverlässiger und effizienter erledigen.“

 

Sie tragen Müll raus

Brian McGuinness, Global Brand Leader bei Starwood Hotels sagt, dass die Hotelgäste sich bereits mit den Robotern angefreundet haben. Sie müssten sogar oft für Selfies herhalten.  Immer mehr bestellen etwas aufs Zimmer, um die programmierten Maschinen kennenzulernen. Für sie gibt es keine Pausen. Wenn sie gerade keine Gäste bedienen, stehen sie den Zimmermädchen zur Seite, indem sie den Müll rausbringen oder ein extra Handtuch ins Bad legen. Die Gäste sind begeistert.

 

„Pepper“ wird nicht seekrank

Sogar auf Kreuzfahrtschiffen werden die Servicebots eingesetzt. “Pepper” begrüßt auf der „Aida Prima“ und „Costa Diameda“ die Gäste und hilft ihnen beim Check-in auf Deutsch, Englisch und Italienisch. Hansjörg Kunze, Vice President Communication & Sustainability bei “Aida Cruises” ist stolz: „Pepper ist weltweit der erste Roboter, der die wichtigsten menschlichen Emotionen lesen kann. Eine 3D-Kamera ermöglicht es ihm, Bewegungen sowie Mimik und Gestik von Personen zu erkennen. Die Passagiere können auf diese Weise mit dem elektronischen Crewmitglied interagieren.“ Auch auf Fragen zum Tagesprogramm und Ausflugszielen hat Pepper stets eine Antwort parat. Bemerkenswert ist auch, dass er Spa-Termine und Tische im Restaurant reservieren kann.

Seine Seetauglichkeit ist erste Sahne – selbst bei hohem Seegang wird ihm nicht schlecht. Pepper eroberte bereits das weltgrößte Kreuzfahrtschiff „Harmony of the Seas“ von Royal Caribbean Cruises. Hier wird er tatsächlich als tanzender Barkeeper eingesetzt und mixt den Gästen Cocktails.

Kreuzfahrtschiffe - ein Einsatzgebiet für Roboter
Auch auf Kreuzfahrtschiffen werden Roboter bereits eingesetzt.

Wünschenswert

Der Reiseanbieter Travelzoo bestätigt den Trend, dass Roboter auf dem Tourismusmarkt gern gesehen sind. Nur der Einsatz als Steward ist den Befragten (noch) zu unsicher. Bestätigt wurde dies von einer internationale Umfrage. Die Befragten wünschen sich, dass Roboter künftig an der Rezeption, als Portier, Gepäckträger, Butler oder Kellner in Hotels eingesetzt werden. Bis 2020 sollen Roboter eine große Rolle im Alltag der Reisebranche spielen.

Ein weiterer Vorteil der Assistenten ist, dass sie arbeiten können, bis der Akku aufgeladen werden muss. Außerdem arbeiten sie effizienter und folgen strikter den erteilten Aufgaben. Die meisten der Befragten finden es gut, wenn Roboter wie Maschinen aussehen, dafür aber wie Menschen sprechen können.

 

Ein Kurzschluss

Roboter arbeiten effizient und zuverlässig. Sie sind in vielen Bereichen einsetzbar. A.L.O., der Butler, ist innerhalb von eineinhalb Jahren nur ein einziges Mal ausgefallen. Warum? Weil ein Gast seine feuchten Duschtücher in die Ladeklappe gestopft hatte und es somit zu einem Knall kam. Ein Kurzschluss, der aber schnell wieder behoben werden konnte. Seitdem befindet sich A.L.O. wieder auf den Rollen.

 

Fazit

Roboter in Hotels sind jetzt schon ein voller Erfolg. Immer mehr Gäste wünschen sich die menschenähnlichen Gestalten. Ihre verschiedenen Einsatzmöglichkeiten und Sprachfähigkeiten machen sie zum Allround-Talent.

Ein Nachteil ist dies allerdings für viele Mitarbeiter in Bereichen wie Logistik, Verwaltung oder Rezeption, welche bereits jetzt und in naher Zukunft durch menschenähnliche Gestalten ersetzt werden. Also Augen auf beim nächsten Hotelbesuch. 😉

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Intelligente Hotelzimmer


Auf der Suche nach den neuesten Trends in der Tourismusbranche sind wir auf eine spannende Neuigkeit gestoßen. Diese überzeugt mit innovativer Nachhaltigkeit für die immer stärker wachsende Digitalisierung. Die Hotelkette Marriott kooperiert nun mit den bekannten Tech-Unternehmen Samsung und Legrand. Gemeinsam lanchen die drei Unternehmen das erste intelligente Hotelzimmer, dem  “IoT (Internet of Things) Guestroom Lab”.

Intelligente Hotelzimmer
So könnte es künftig in Hotelzimmern aussehen.

Mehrere IoT-Systeme, Geräte und Anwendungen sollen in den intelligenten Zimmern miteinander interagieren können, um das Hotelerlebnis der Zukunft für Gäste individueller zu gestalten.

Durch diese SmartRooms wird den Gästen die Möglichkeit geschaffen, ihren Aufenthalt noch komfortabler zu gestalten. Der Hotelbetrieb wird durch diese Lösung zunehmend optimiert, auch in Hinblick auf Nachhaltigkeit.

Marriott richtet seine Strategie auf eine Zukunft aus, in der die Hotelbesitzer eine nahtlose, transparente und flexible End-to-End-Lösung haben, die nur minimale Ausstattung erfordert. Durch ein integriertes Aufenthaltserlebnis sollen Gäste problemlosen Zugriff auf ihre Daten und Informationen haben. Hinzu kommt auch eine Steuerung der Raumfunktion per Sprache oder App.

Dem Hotelbetrieb würden diese Systeme zu Nutzen kommen, indem der individuelle Service vorangetrieben wird. Die Dienste des Hotels können dadurch dem Gast jederzeit zur Verfügung gestellt werden.

Mehr Individualisierung

Mittels künstlicher Intelligenz gestützter Software kann die Tourismusbranche schon heute Leistungen besser individualisieren.

Durch diese Software ist es in der Tat möglich, verschiedenste Gewohnheiten von Gästen zu speichern: Ein Paar frühstückt zum Beispiel lieber um acht Uhr, das andere lieber in seinem Zimmer und so weiter. Jedem Gast wird somit die Möglichkeit geschaffen, einzigartig zu werden.

Da immer mehr Personalisierung von Gästen gewünscht wird, könnte dies auch zu neuen Umsätzen verhelfen. In Zukunft ist es auch erdenklich, dass ein intelligentes Zimmer Gäste per Gesichtserkennung im Spiegel identifiziert. Beispielsweise könnte die bevorzugte Temperatur eingestellt oder die Dekoration, je nach Vorliebe, angepasst werden.

Durch die Beacon-Technology wäre es auch möglich, diese Vorlieben von unterwegs zu steuern. Mit Beacon bezeichnet man einen Sender oder Empfänger, basierend auf Bluetooth Low Energy (BLE) oder auch der Bluetooth Smart Technologie. Man kann diese Technologie als Weiterentwicklung einer Bluetooth-Verbindung sehen, denn jeder Beacon macht Smartphones in der Nähe ausfindig. Die Idee dahinter: Man weiß, wann der Kunde sich auf dem Weg zum Hotel befindet. An dieser Stelle lassen sich ebenso die Zimmertemperatur anpassen, die Gardinen öffnen oder Getränke kalt stellen.

Intelligente Hotelzimmer - Gezieltes Personalisieren
Gezieltes Personalisieren durch App,- und Sprachsteuerung.

Was wünschen sich die Gäste?

Um diese Frage zu beantworten zu können, helfen Hotel-Apps, welche immer häufiger von der Hotellerie angeboten und genutzt werden.

Nicht nur die Zimmertür lässt sich durch diese öffnen, es können sogar durch einen intelligenten Chatbot, der immer mehr dazu lernt, Fragen rund um das Hotel beantwortet werden. Nachdem der Gast dem Datenschutzgesetz zugestimmt hat, speichert die App alle möglichen Informationen über diesen. So erhält er ein möglichst abwechslungsreiches und personalisiertes Angebot.

Einem Gast, der zum Beispiel über die App regelmäßig einen Termin bei einem Trainer im Fitnessstudio bucht, wird bei weiteren Hotelbesuchen über verschiedene Angebote wie Personal Workouts informiert. Dies funktioniert ebenso, wenn man sich einen Cocktail aufs Zimmer bestellt: Dem Gast werden dann weitere Getränke angeboten. Big Data lässt an dieser Stelle grüßen. Damit kann man einen Service, den in teuren Hotels ein guter Concierge leistet, nämlich die Wünsche seiner Kunden zu erkennen, in digitaler Form auch auf günstigere Hotels ausdehnen.

Eine dreimonatige Testphase soll Aufschluss darüber geben, ob weitere IoT-Technologien entwickelt werden sollen. Die nächsten fünf Jahre sorgen dafür, dass diese Technologien weiter ausreifen, um in Hotelzimmern ein persönliches Ambiente anbieten zu können. Dies würde nicht nur den Genuss der Gäste steigern, sondern auch dem Hotelbetrieb ermöglichen, mehr auf die Gäste einzugehen und immer fortschrittlichere Dienste leisten zu können.

Intelligente Hotelzimmer - Individuelle Wünsche für den Gast
Dem Gast sollen individuelle Wünsche erfüllt werden.

Überblick

Die Digitalisierung breitet sich immer weiter aus, so auch in der Hotellerie. Jedoch wird es auch hier, wie in allen Lebensbereichen, Vor-und Nachteile mit sich bringen. In den kommenden Jahren wird sich zeigen ob Gäste mit den SmartRooms vertraut werden. Für Hotels lohnt es sich allemal, da sie einen fortschrittlichen, wie individualisierten Service anbieten können und zudem Kosten sparen.

KommOnTour ist fasziniert von dieser Neuigkeit und wird diese neuartige Innovation definitiv weiterverfolgen. Mit Spannung erwarten wir die Weiterentwicklung der IoT-Technologien und was uns in Zukunft noch erwarten wird.

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