re:publica, Klaus Kocks, Berufsethos: Diese Woche im DRILLLINK

 

Die Branche erlebte in vielerlei Hinsicht eine bewegte Woche, was auch die neue Ausgabe des DRILLLINK widerspiegelt. Aber lest selbst:

 

I. re:publica vs. Bundeswehr

Nachdem die Organisatoren der re:publica die deutsche Bundeswehr von der diesjährigen Veranstaltung ausgeschlossen hatten, reagierte diese mit ihrer eigenen PR-Aktion. Dem „Verbot“ zum Trotz zeigte die Armee dennoch provokant ihre Präsenz – mit einem eigenen Stand vor dem Eingang der Veranstaltung.

Die unschöne Situation hätte aber auch von Seiten der re:publica vermieden werden können. Was uns aus Kommunikatorensicht fehlt, ist eine Antwort auf die simple Frage: Was genau rechtfertigt den Ausschluss der BW? Die Rede ist davon, dass Uniformen auf der Digitalmesse „grundsätzlich nicht erwünscht“ seien. Zudem wolle man „vergifteten Ideologien“ (Johnny Haeusler, Mitveranstalter) keine Bühne bieten. Worin genau diese bestünden, wurde leider nicht ganz klar. Ein weniger angriffslustiges und sachliches Statement seitens der re:publica-Organisatoren hätte die Situation wohl diplomatischer klären können.

Dennoch lässt sich die Bundeswehr hier unnötig provozieren. Auf einer zivilen Veranstaltung ohne Uniform aufzutreten, hätte der Truppe sicherlich keinen Zacken aus der Krone gebrochen. So blieb aber nur, die eigene PR-Mission vor den Türen der Messe zu starten. Ein solches Verhalten wiederum lässt Zweifel daran aufkommen, ob es der Bundeswehr mit einer offiziellen Teilnahme an der Veranstaltung und am sachlichen Diskurs jemals ernst war.

Den Ausschluss – ob gerechtfertigt oder nicht – hätte die Bundeswehr unserer Meinung nach trotzdem respektieren sollen. So bleibt nur der bittere Nachgeschmack einer infantilen Aktion, welche höchstens beiderseitige Ressentiments stärkt und in einer breiten Öffentlichkeit läuft. Im Zusammenhang mit der re:publica, die Menschen zusammenführen möchte und Offenheit zelebriert, erscheint das besonders unpassend. Beide Seiten hätten hier professioneller reagieren können.

 

II. Klaus Kocks’ scharfe Kritik am PR-Preis der DPRG

Nach der Kritik an der Verleihung des PR Preises der DPRG vom PR-Journal, meldet sich dort nun auch PR-Urgestein Klaus Kocks in einem Leserbrief zu Wort. Gewohnt sprachgewaltig kritisiert er, was den Abend seiner Meinung nach zu einer „wohl peinlichen Award-Verleihung“ machte.

Zum einen prangert er die Abwesenheit jeglicher politischer Statements im Rahmen der Veranstaltung an. Auch hätten – bis auf ein oder zwei Ausnahmen – die geehrten Projekte schlicht zu wenig „Gewicht“. Nicht zuletzt sei es gegen die Berufsehre der PR, sich für seine Arbeit gegenseitig zu rühmen.
Vor allem dem letzten Argument stimmen wir zu. Auch aus studentischer Sicht fällt auf: die Selbstinszenierung innerhalb der PR-Branche wirkt von außen teilweise überzogen.

 

Tim Bartelsen: „An Cases kann man als Studierender viel lernen – dafür müssen diese nicht mal ein bestimmtes „Gewicht“ mitbringen. Dass die Cases aber im Rahmen einer Gala vorgestellt werden müssen, erschließt sich mir nicht ganz.“

 

Zusammenfassend handelt es sich aus unserer Sicht um einen lesenswerten Kommentar. Nicht nur, weil angebrachte Kritik vorgebracht wird, sondern auch, weil diese sprachlich gewandt formuliert wurde.

 

III. „Ich kann nicht Vertrauen von Journalisten einfordern, wenn ich sie bescheiße.“ – Martin Brüning im Interview

Über Berufsethos und Haltung spricht Martin Brüning, Kommunikationschef bei Rewe, in einem Interview mit prreport.de.

Er betont die Wichtigkeit eines „Ethos der Wahrhaftigkeit“ für PR-Praktiker. Positive Botschaften durch Storytelling in den Vordergrund zu rücken und gleichzeitig der „Wahrheit verpflichtet zu sein“, widerspreche sich nicht. In Zeiten, in denen das Vertrauen der Bevölkerung in Institutionen, Unternehmen und die Medien schwindet, halten wir diesen Aufruf für besonders wichtig. Denn Vertrauen gewinnt man mit Wahrheit und Verlässlichkeit.
Brüning betont: Dabei müsse man sich auch klar gegen diejenigen in Unternehmen stellen, die PR als Kontrolle der Pressestimmen sehen. Vielmehr skizziert er Pressearbeit als ein Geben und Nehmen. Wer Vertrauen durch Journalisten einfordert, aber selbst nicht vertrauenswürdig handelt, wird keinen Erfolg haben.

Gerade für uns Nachwuchskräfte ein lesenswertes Interview, das auch die große Verantwortung im Bereich PR ins Bewusstsein ruft.

 

zu den Kommentaren