Oberbürgermeister dank aktiver Internetnutzung

Ob Merkels Webseite, Gabriels Twitter-Account oder Özdemirs Facebook-Profil – immer mehr Spitzenpolitiker präsentieren sich auch im Netz, um an Diskussionen teilzunehmen, selbst über Neuigkeiten zu berichten oder dem potenziellen Wähler eine etwas persönlichere Seite neben dem Politikeralltag zu zeigen. Doch auch auf Kommunalebene gewinnt das Internet als Kommunikationskanal immer mehr an Bedeutung.

Es ist fast schon selbstverständlich, dass Mandatsträger als Volksvertreter auch im Internet auf eigenen Kanälen zu finden sind – ob mit einem ganzen Medien-Team wie hinter Frau Merkels Internetauftritt oder höchstpersönlich an den Tasten. Auf den großen Politikbühnen eigentlich ein Muss sollte man meinen, doch es hat sich noch längst nicht zu allen herumgesprochen. Auf der kleineren Kommunalebene sieht es nochmals etwas anders aus: Nur wenige Politiker sind online aktiv, um sich zu profilieren und an Diskussionen zu beteiligen. Doch gerade hier ist der persönliche Kontakt zum Wähler sehr wichtig und durch soziale Medien leicht umzusetzen. Natürlich ist lange nicht jeder Bürger über das Internet zu erreichen, doch durch die steigende Zahl der Nutzer steigt auch die Bedeutung des Online-Auftrittes.

Ein aktuelles Beispiel für den Wert des Social Web für Kommunalpolitiker ist die überraschende Wahl von Dr. Florian Janik zum neuen Erlanger Oberbürgermeister.

Auch am Wahltag auf Twitter sehr aktiv: Erlangens neuer Oberbürgermeister
Auch am Wahltag auf Twitter sehr aktiv: Erlangens neuer Oberbürgermeister

In der fränkischen Großstadt, deren Einwohner zu einem Drittel internetaffine Studenten sind, dann doch keine große Überraschung, so könnte man behaupten. Doch gerade für Herausforderer, deren Gegner bloß auf den klassischen Straßenwahlkampf setzen, bietet das Netz viele Vorteile. Diese nutzte der 34-jährige SPD-Politiker Janik auf zahlreichen Kanälen gegen den 27 Jahre älteren Amtsinhaber Siegfried Balleis der CSU.

„Ich denke, es gibt viele Leute, die den Wahlkampf ausschließlich online, vor allem über Social Media wahrgenommen haben. Und es war ja auch unsere Strategie, alle Medien zu besetzen.“ (Janik)

Medienbeobachter und auch der einfache vernetzte Bürger stellen immer wieder fest, dass es kein Hexenwerk ist, eine eigene Seite ab und zu mit neuem Content zu füllen. Seien es „nur“ 140 Zeichen von der aktuellen Konferenz oder ein Foto der letzten Wahlkampfaktion. Auch ehrenamtliche Kommunalpolitiker können so mit einfachen und kostengünstigen Mitteln die bisherigen Kommunikationsmaßnahmen ergänzen und dabei sogar Zeit sparen. Außerdem bietet das Internet die Möglichkeit, Kontaktdaten, Neuigkeiten und wichtige Informationen schnell zugänglich zu machen – eine E-Mail-Adresse sollte natürlich vorhanden sein.

Das Netz bringt natürlich auch Risiken mit sich: Ist erst einmal eine missverständliche Aussage gepostet, so findet diese schnell viele Leser und bietet ihnen eine einfache Plattform für Diskussionen bis hin zum Shitstorm. Wenn man allerdings Chancen und Risiken abwägt und wie im normalen Politikeralltag genaue Planung und möglichst auch ein unterstützendes Team voraussetzt, lohnt sich ein Online-Auftritt. Wer es vernachlässigt, über das Internet Nähe zu den Wählern zu suchen, muss befürchten, gleich aus dem Rennen zu fliegen.

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