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Lego, Rap und Deepfakes: Wie der Iran den Informationskrieg mit KI führt

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Seit dem sogenannten „Zwölf-Tage-Krieg“ zwischen Israel und dem Iran im Sommer 2025 kursieren Videos auf Social Media, die auf den ersten Blick aussehen wie der typische KI-Content: Lego-Figuren, Rap-Beats, bissige Witze. In einem Video drückt Trump einen Knopf, der eine Rakete auf eine iranische Schule schickt. Kontrovers und innerhalb von Stunden millionenfach geteilt.

Stell dir vor, du scrollst durch TikTok, siehst ein witziges Lego-Video mit Rap-Musik und merkst erst Minuten später, dass du gerade iranische Staatspropaganda geschaut hast. Willkommen im Informationskrieg 2025.

Dahinter steckt „Explosive Media“, eine iranische Medienorganisation, die KI-generierte Satireclips für die iranische Regierung produziert. Nach außen gibt sie sich als unabhängige Studierendengruppe aus – aber gegenüber der BBC räumte ihr Sprecher ein, dass die iranische Regierung Kunde ist. Überraschung.

Der Lego-Stil, die Rap-Beats, die Popkultur-Referenzen – das ist alles andere als zufällig. Es ist eine präzise Kalibrierung dessen, was westliche Zielgruppen online wirklich erreicht. Das Tückische daran: Es sieht nicht aus wie Propaganda. Es fühlt sich an wie Unterhaltung. Und genau deshalb funktioniert es.

Der Witz ist nicht die Botschaft – er liegt im Transportweg. Politische Ideen werden in Diss Tracks und Memes verpackt, bevor du überhaupt gemerkt hast, dass du gerade politischen Content konsumierst. Und der Erfolg ist messbar: Die Videos liefen auf iranischem Staatsfernsehen und gleichzeitig viral in sozialen Netzwerken und das mit Milliarden Impressionen.

Neben den offensichtlich satirischen Lego-Videos läuft parallel etwas deutlich Unheimlicheres. Während des Zwölf-Tage-Krieges kursierten KI-Deepfakes und sogar Videospielmaterial, das echte Kampfhandlungen imitieren sollte. Gefälschte Szenen zeigten zerstörte israelische Kampfflugzeuge und einstürzende Gebäude in Tel Aviv. Ein Video auf Facebook zeigte israelische Offizielle, die angeblich um einen Waffenstillstand baten: „Wir können nicht länger gegen den Iran kämpfen.“

Die drei meistgesehenen Deepfake-Videos des Krieges kamen zusammen auf 100 Millionen Aufrufe. Verbreitet über TikTok, Telegram und X – wo selbst Grok, der KI-Chatbot von Elon Musk, die Fakes laut Berichten nicht zuverlässig erkennen konnte.

Rechtswissenschaftler reden inzwischen vom „Liar’s Dividend“ und „Truth Decay“: eine Medienwelt, in der KI-Fakes so verbreitet sind, dass selbst echte Beweise nicht mehr geglaubt werden – weil ja alles ein Deepfake sein könnte. Das ist das eigentlich Perfide: Diese Propaganda muss gar nicht überzeugen. Es reicht, wenn niemand mehr irgendetwas glaubt.

Und das ist kein iranisches Problem. Russland setzt seit Jahren auf ähnliche Taktiken, China baut seine Kapazitäten im Bereich synthetischer Medien massiv aus, und auch kleinere staatliche Akteure werden in den nächsten Jahren Zugang zu denselben Tools haben. Die eigentliche Frage ist also nicht, ob wir weitere KI-Propagandakampagnen sehen werden. Die Frage ist, wie Gesellschaften, Plattformen und Bildungssysteme darauf vorbereitet sind. Medienkompetenz muss dabei schon in der Schule anfangen – nicht als Pflichtfach, das niemand ernst nimmt, sondern als echte Kernkompetenz für eine Welt, in der du nie wieder sicher sein kannst, ob das Video, das du gerade geteilt hast, echt war. Denn die Schlachtfelder sind nicht mehr nur geografisch. Sie sind in unserem Feed.  

Und die einzige echte Verteidigung dagegen? Zu wissen, dass das passiert. Wer lacht, sollte sich kurz fragen: Wer hat diesen Witz eigentlich geschrieben – und warum?

Methodischer Hinweis:

Quellen:

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