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Goldener Windbeutel für Etikettenschwindel: Die Reaktionen der Preisträger

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Wer bis heute noch dachte, die Milch-Schnitte sei tatsächlich eine leichte Zwischenmahlzeit, wird jetzt eines Besseren belehrt. Die Verbraucherorganisation Foodwatch zeichnetet das Produkt der Firma Ferrero vergangene Woche mit dem Goldenen Windbeutel 2011 aus – einem Negativpreis für den dreistesten Werbeschwindel des Jahres. „Die Milch-Schnitte ist ein kleines Stück Torte“, begründete Anne Markwardt von Foodwatch in einem Beitrag des ZDF heute journals diese Wahl. Die Organisation stellte fest, dass die Milch-Schnitte entgegen ihrem leichten und sportlichen Werbeimage einen Zucker- und Fettanteil von 60 Prozent enthält.

Foodwatch: Goldener Windbeutel 2011

Der Lebensmittelkonzern Danone schaffte es mit seinem Wunderjoghurt „Activia“ mit der vermeintlich positiven Wirkung auf die Darmflora auf Platz zwei der Abstimmung. Den dritten Platz belegten die angeblich vitaminhaltigen nimm2 Bonbons von Storck.

Schon seit 2009 verleiht Foodwatch den Goldenen Windbeutel, um auf unlautere Praktiken der Lebensmittelindustrie aufmerksam zu machen und die Konsumenten zu bestärken, für ihre Rechte einzutreten. Deshalb sind die Verbraucher auch aktiv in die Kampagne eingebunden. Über eine Online-Abstimmung können sie bestimmen, welches Produkt den Goldenen Windbeutel für die dreisteste Werbelüge verdient. Zur Wahl stehen jedes Jahr fünf Produkte, die eine Expertenjury vorschlägt. Für das Votum hat Foodwatch die Internetseite abgespeist.de eingerichtet, auf der über die ausgewählten Produkte informiert wird. Dieses Jahr beteiligten sich knapp 118.000 Personen an der Internetabstimmung.

Eine Zahl, die man vielleicht ernst nehmen sollte. Aber wie reagierten die Prämierten auf ihre Auszeichnung? Der Süßwarenhersteller Ferrero scheint Krisenkommunikation hier nicht besonders wichtig zu finden. Der Gewinner des Goldenen Windbeutels lehnte es ab, die Negativauszeichnung anzunehmen und teilte in einer Pressemitteilung lediglich mit: „Die hier gewonnenen Erkenntnisse und Erfahrungen geben uns keine Hinweise darauf, dass die Verbraucher die Werbung für Milchschnitte als irreführend empfinden“. Und das, obwohl laut Auswertung der Kampagne mehr als 51.000 Verbraucher die Milch-Schnitten-Werbung genau so bezeichneten.

Danone dagegen reagierte schnell. Gleich nach dem Start der Abstimmung meldete sich der Activia-Hersteller mit einer E-Mail-Aktion zu Wort, um die Kritik von Foodwatch als ungerechtfertigt zurückzuweisen. Auch auf der Homepage von Danone stößt man direkt auf eine Gegendarstellung der von Foodwatch angeprangerten Fehlinformationen. Jeder von der Verbraucherorganisation angesprochene Punkt wird dort versucht zu widerlegen. Bleibt die Frage, ob der Verbraucher am Ende eher Foodwatch oder Danone glauben möchte. Der drittplatzierte Storck setzt einfach auf die Gewohnheiten der Konsumenten: Es sei doch alles in Ordnung, nimm2 werde schließlich seit fast 50 Jahren gekauft.

Prämierte Vorgänger der letzten Jahre handhabten das zum Teil etwas anders. Zwar kritisieren viele Unternehmen die Foodwatch-Kampagne als wenig transparent, dennoch nahmen einige Lebensmittelkonzerne ihre Produkte vom Markt. Und der Suppenhersteller Escoffier veränderte als Reaktion auf die Kampagne die Rezeptur seiner Champignonsuppe. Auch wenn das auf den ersten Blick wie ein Eingeständnis wirken mag, gibt es doch dem Verbraucher das Gefühl, ernst genommen zu werden. Langfristig vielleicht die bessere Werbestrategie.