Echo, WhatsApp, Startup: Diese Woche im DRILLLINK

Der DRILLLINK ist ab sofort auch mit Meinungsstärke zurück! Jeden Freitag durchleuchten wir aktuelle Themen und geben unseren Senf dazu. Diese Woche schallt das Echo gleich dreifach zurück.

 

I.Worst Practice der Krisenkommunikation beim Echo

Nach dem Skandal rund um den Musikpreis Echo wird dieser nun als Reaktion auf den öffentlichen Druck hin sogar abgeschafft. Uwe Kohrs beleuchtet im pr-journal, dass vor allem auch die verfehlte PR und mangelndes kommunikatives Management Schuld daran trägt.
Unsere Meinung: treffend geschriebener Kommentar, der das schwache Krisenmanagement beim Echo aufzeigt. Denn nicht die aus ethischen Gründen grenzwertige Prämierung alleine sorgte für den Skandal, sondern auch der öffentliche Umgang mit der Verfehlung bei der Preisvergabe. Eine klare Haltung seitens der Echo Verantwortlichen zum Thema suchte man vergebens.
Leider musste dadurch nicht nur der Echo alleine einen Imageschaden hinnehmen. Verfolgt man Artikel und zugehörige Kommentare zum Thema, so vermisst man oftmals eine ausgewogene und zielführende Diskussion. Das Ergebnis der Angelegenheit: Rap als gesamtes Genre steht nun unnötigerweise bei vielen im Verruf, während die Befürworter entsprechender Texte und Botschaften wohl kaum zum Nachdenken angeregt wurden – ganz im Gegenteil. Schade, dass eine eigentlich sehr wichtige öffentliche Diskussion aufgrund verfehlter PR nun sehr unsachlich geführt wird.

 

II. WhatsApp und Storytelling

Eine Linkempfehlung muss nicht tagesaktuell sein, wenn der Artikel auch heute noch interessant ist. Also: Im Dezember griff die Heilbronner Zeitung Stimme.de zu einem bisher selten genutzten Kommunikationskanal – zumindest für eigene journalistische Berichterstattung: anlässlich des 70. Jahrestages der Bombardierung Heilbronns berichtete die Redaktion über den Tag verteilt per WhatsApp über die Ereignisse, die sich am 4. Dezember 1944 in Heilbronn ereignet haben.

Interessante Hintergründe über die Realisierung eines solchen Storytelling-Projekts bietet der #DIGILAB Blog. Unsere Meinung: Die Idee, Interessierten mit einigen kleinen Nachrichtenbausteinen die Geschehnisse von damals noch einmal live miterleben zu lassen, erscheint uns sehr innovativ. Das Echo der LeserInnen war denn auch groß und durchweg positiv. Die Zielgruppe wird im Alltag erreicht. Von dieser modernen journalistischen Variante des Storytellings kann auch die PR-Branche in Zukunft lernen. WhatsApp gilt es hierbei als relevanten Kommunikationskanal zu erschließen. Gerade die direkte Interaktion mit Einzelpersonen, kann – richtig eingesetzt – ja sehr effektiv sein. Einige Herausforderungen müssen von Praktikern allerdings bezwungen werden: mangels automatisiertem Tool musste die Redaktion jeden Kontakt, der sich für die Aktion anmeldet, händisch in das Adressbuch und anschließend in die entsprechende Broadcast-Liste zum Versenden der Nachrichten, eintragen. Das kostet Zeit und Nerven.
Zudem stellt sich die Frage, wie PR-Praktiker die optimale Kommunikation auf einem “neuen” Kanal wie WhatsApp gestalten sollten und was Rezipienten dort anspricht. Anhaltspunkte bieten Aktionen wie bei Daimler, als eine junge Mitarbeiterin einen Tag lang aus ihrem Arbeitsalltag per WhatsApp berichtet hat – die Frage ist nur, warum man nach solchen Beispielen mit der Lupe suchen muss. Ignoriert die Branche einen der wichtigsten Digitalkanäle? Vielleicht erfahren wir ja beim Content Strategy Camp (#cosca18) mehr dazu.

 

III. Der PR-Stunt von Savedroid 

“Was geht denn hier ab?” Dieser Satz muss wohl einigen Savedroid-Enthusiasten durch den Kopf geschossen sein. Denn der CEO von Savedroid hat am 18. April einfach mal einen Exit-Scam durchgeführt. Dabei verschwindet das Unternehmen mit den Geldern der Kunden und Investoren von der Radarfläche. Es handelt sich also um schwersten Betrug. Besucher der Website des Frankfurter StartUps wurden bis zum nächsten Tag lediglich vom “AAAAND IT’S GONE”-Meme begrüßt. Savedroid ist eine App, deren Hauptfunktion dem smarten Sparen gewidmet war. Mittlerweile setzt das StartUp in der Kommunikation und Entwicklung hauptsächlich auf savedroid ICO. Ganz nach der “give the power to the people”-Manier will Savedroid dem Otto-Normalverbraucher die komplexen Kryptowährungen schmackhaft machen. Es geht also um Investitionen und damit auch um Vertrauen.

Bisher sammelte das Frankfurter StartUp 40 Millionen Euro ein. Mit dem Fake-Exit-Scam dürfte das Vertrauen der Nutzer nicht wirklich gestiegen sein. Ein Tag und drölf Shitstormposts später erscheint ein Video. Gründer Yassin Hankir erklärt die Intention hinter dem PR-Stunt. Die Aktion sollte darauf aufmerksam machen, wie schnell so ein Exit-Scam passieren kann. Gar nicht mal so übel. Über die Umsetzung lässt sich dennoch streiten. Der Blockchain-Bundesverband e. V. distanziert sich in einer öffentlichen Stellungnahme vom Savedroid PR-Stunt. Für ein StartUp, das sich klar und deutlich im Bereich Blockchain positioniert, ist das wohl ein fatales Echo.

 

 

 

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