Drohnen, NGOs und Angriff: Diese Woche im DRILLLINK

I. Google und die Drohnen

Erst vor kurzem startete Google zusammen mit dem Pentagon das umstrittene Militärprojekt „Maven“. Während mit „Maven“ künstliche Intelligenz für den Drohnenkrieg entwickelt werden soll, wurde fast zeitgleich der Slogan „Don’t be evil“ aus dem firmeninternen Verhaltenskodex gestrichen. Der einstige Weltverbessererkonzern schien sich langsam aber sicher auf die dunkle Seite der Macht zu schlagen, das Ansehen schwand.

Prompt kündigten zwölf Mitarbeiter aus Protest und 4000 Mitarbeiter unterschrieben eine Petition gegen die Zusammenarbeit mit dem Pentagon. Das schien Google nicht weiter ignorieren zu können. Der radikale Richtungswechsel: das umstrittene Projekt wurde als Reaktion auf die Petition aus dem eigenen Haus gestoppt und der Vertrag mit dem Pentagon über 2019 hinaus nicht verlängert.

So sehr uns der gelungene Protest gegen die militärische Nutzung von Algorithmen und KI freut: es überrascht doch sehr, dass ein milliardenschwerer Konzern wie Google einer Petition derart eindeutig folgt. Dass ein paar Mitarbeiter als letzte moralische Instanz den kompletten Konzern nun so einfach zurück auf die helle, zivile Seite der Macht führt, erscheint unwahrscheinlich. Ob Google seinen Standpunkt im Bezug auf die Angelegenheit tatsächlich überdacht hat, bleibt fraglich. Viel mehr hat wohl die negative Presse über das Drohnenprojekt, den Protest dagegen und der damit verbundene Imageschaden Google dazu bewegt die eigene vermeintlich weiße Weste im letzten Moment doch noch zu wahren.

Einerseits: Durch die Planung des Projekts büßte Google massiv an Ansehen ein. Der spontane Kurswechsel macht die Ereignisse nicht ungeschehen im Gedächtnis der Öffentlichkeit . Es bleibt offen wie stark sich die Angelegenheit noch auf das Image des Konzerns auswirken wird.
Andererseits: einen unangefochtenen Monopolisten wie Google scheint das bisschen Drohnen-Shitstorm kalt zu lassen.

 

II. Good NGO – Bad NGO?

Vor der allzu wohlwollenden Berichterstattung über NGOs durch Journalisten warnte Sebastian Frevel aktuell auf kress.de.
Inwieweit NGOs zu viel Spielraum in den Medien bekommen, wird auch auf Twitter unter dem Hashtag #NGODebatte diskutiert. In Frage gestellt wird dabei inwieweit NGOs mit ihrem Handeln tatsächlich das Wohl der Gesellschaft fördern.

Grundsätzlich ist absolut richtig: NGOs erscheinen in der Öffentlichkeit meist auf der Seite der „Guten“ zu stehen. Trotzdem ist auch deren Kommunikationsarbeit durch die eigene Agenda bestimmt. Was dort hineinpasst wird kommuniziert und genutzt, was nicht fällt unter den Tisch. Dabei gibt es sicher auch immer wieder kritische Maßnahmen seitens der NGOs. Berichte über Abmahnwellen sind da ein gutes Beispiel.
Das zeigt deutlich: auch NGOs sollten wie jede andere Organisation innerhalb der Gesellschaft kritisch betrachtet werden.
Diese korrekte, wie triviale Grundbotschaft macht auch der Artikel klar. Sich aber danach ausschließlich auf die bösen NGOs zu konzentrieren, wirkt ein wenig einseitig und wird einer solch komplexen Situation nicht gerecht. Weshalb hier eine – Zitat – “Warnung” explizit vor NGOs an Journalisten nötig ist, erschließt sich uns nicht ganz.

Die Bedingungen im gesellschaftlichen Diskurs sind für alle gleich, egal ob Organisation, Unternehmen oder Individuum: ohne Legitimation keine Handlungsfähigkeit. Selbstverständlich ist das Kommunizieren im Sinne der eigenen Agenda dabei unabdingbar. Davon können sich Unternehmen ebenso wenig lossagen wie NGOs.

Passend dazu bemerkt der Artikel: „Wenn Foodwatch eine Lebensmittel-Ampel fordert, ist nicht zu erwarten, dass sie auf ihrer Website darüber aufklären, was für und was gegen eine solche Ampel sprechen würde.“ Ganz richtig. Was aber verschwiegen wird: Ebenso wenig objektiv weißen Konzerne wie Coca Cola in ihrer öffentlichen Kommunikation darauf hin, was für und was gegen den Verzehr seiner Produkte spricht.
Weder von NGOs noch von Unternehmen ist also eine sonderlich objektive Berichterstattung zu erwarten. Dass die Ziele beider Parteien seriösen Journalisten bewusst ist, darf man doch wohl annehmen.

Man kann selbstverständlich der Meinung sein, dass Erwachsene genug Verstand besitzen, um die Gesundheitsrisiken von Cola zu kennen. Das macht die Aufklärung über derartige Probleme aber nicht weniger wichtig oder legitim.
Mit einer solchen „Warnung“ dann ausgerechnet auf jene zu zeigen die auf entsprechende Problematiken aufmerksam machen, ist fragwürdig.
Denn auch wenn die Parteien konträrer nicht sein könnten: im Endeffekt sitzen doch beide im selben Boot. Wenn auch auf den gegenüberliegenden Seiten. Gegenseitige Schuldzuweisungen führen dabei aber zu keinem Ergebnis.

 

III. Bayers Angriff

Auf den ersten Blick wirkt sie freundlich und offen, die Seite “hier-sind-die-fakten.de”, auf welcher der Konzern Bayer über Umweltprobleme diskutieren möchte. Es sollen nach eigenen Angaben „Meinungen, Sichtweisen und Fakten“ zusammenführen.
Präsentiert wird auf der Website unter anderem eine offene Diskussion mit der indischen Umweltaktivistin Vandana Shiva, welche seit Jahren gegen Konzerne wie Bayer kämpft.

Ein fader Beigeschmack – aus menschlich-ethischer sowie PR-technischer Sicht – ergibt sich trotzdem auf verschiedenen Ebenen während man die Diskussion liest:

Schon nach den ersten paar Zeilen ist klar: die „Diskussion“ ist von vornherein entschieden und wird zugunsten des vermeintlich fehlerfreien Bayer Konzerns ausgehen. Von der anfänglich auf der Startseite vorgetäuschten Offentheit und fairen Diskursbereitschaft ist dann nicht mehr viel übrig. Einzelne Argumente Shivas werden aufgegriffen und nacheinander mit Fakten untermauert widerlegt. Das einzige Ziel der Seite ist die „Gegnerin“ des Konzerns mundtot zu machen und ihr jegliche Glaubwürdigkeit abzusprechen. Unabhängig davon, wer hier Recht hat: Warum kommuniziert Bayer hier so angriffslustig, rechthaberisch und von oben herab? Der Konzern hat doch nach eigener Aussage die Fakten auf seiner Seite, wieso also die Stimmung weiter aufheizen? Gerade bei aktuell scharf diskutierten Themen wie Glyphosat oder Gentechnik sollte man vielleicht mehr auf echten Dialog setzen. Sich wie David gegen Goliath aufzuspielen und Diskussionsgegnern so arrogant gegenüberzustehen wirkt allerdings wenig sympathisch.

Durch Skandale um gekaufte Wissenschaftler ist die Glaubwürdigkeit der präsentierten Quellen ohnehin stark angekratzt. Sich dann derart arrogant auf die eigenen Quellen zu berufen ist in so einer Situation wohl unangebracht.
Auch im Angesicht von Berichten über fragwürdige PR-Praktiken innerhalb des Konzerns erscheint ein solchen Auftreten zusätzlich unpassend. Vor dem Hintergrund solcher Negativpresse sollte man vielleicht doch einen Gang zurück schalten und fairen Diskurs fördern, anstatt eine indische Umweltaktivistin auf der eigenen Website höflich und formell durch den Kakao zu ziehen.

Insgesamt wird schnell deutlich, dass es wohl nur darum geht, die eigene Reputation zu verbessern. In Zeiten der Kritik um die Übernahme von Monsanto wohl besonders wichtig. Ob sich die Vertrauenskrise allerdings auf diese Art und Weise lösen lässt, bleibt doch sehr fraglich. Zweifler und Gegner des Konzerns werden sich durch als „Dialog“ getarnte Konfrontation, gerade im aktuellen Kontext rund um den Konzern, wohl eher nicht umstimmen lassen.

 

 

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