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Die PRaktiker (3): Felix Struening

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Felix Struening

Steckbrief zur Person

Name: Felix Struening

Alter: 27

Aktuelle Tätigkeit: Felix Struening berät und betreut als Freelancer vor allem Start-Ups bei ihren ersten PR-Schritten. Derzeit arbeitet er für SIMSA, ein Berliner Start-Up, das SMS-Gruppen für alle anbietet. Nebenher leitet er die Redaktion BuchTest mit Rezensionen zu Sach- und Fachbüchern.

PR-Fundsachen: Herr Struening, wie sind Sie zur PR gekommen?

Ich habe bereits zu Schulzeiten angefangen mich journalistisch zu betätigen und ging dann den mehr oder weniger üblichen Weg: Jugendseite einer Lokalzeitung, Praktikum bei einer überregionalen Zeitung mit vier Buchstaben, freie Tätigkeit während des Studiums. Ich entdeckte relativ schnell das Netz für mich und gründete 2001 die Buchrezensions-Webseite buchtest.de.

Doch von meinen journalistischen Projekten konnte ich nicht wirklich leben. Also begann ich das, was ich gut konnte – Texten – für Werbezwecke einzusetzen. Dabei entwickelte ich mich immer mehr zum Online-PR-Allrounder, der textet, etwas von Suchmaschinenoptimierung versteht, Social Media wie Facebook oder Twitter verwendet und auch mal das ganze Konzept für eine Webseite oder Kampagne entwirft. Mittlerweile hat sich daraus die komplette Pressearbeit mit einem umfangreichen Netzwerk von Journalisten und Bloggern entwickelt.

PR-Fundsachen: Schließen sich Ihrer Meinung nach Journalismus und PR gegenseitig aus?

Nein, wenn man beides klar kennzeichnet. Die gute, alte Trennung von Werbung und Redaktion verschwimmt aber leider bei vielen Webseiten. Allerdings ist auch die Toleranz dessen gestiegen. Das hängt wohl auch mit Google zusammen: Muss man beispielsweise im Feuilleton einer Zeitung peinlichst darauf achten, dass die Anzeige zu einem Buch nicht auf der Seite steht, auf der das selbe Buch besprochen wird, richtet Google seine Werbung genau nach den Inhalten, die auf einer Webseite zu finden sind. Und irgendwie stört das nun Keinen.

Andererseits ist es ja auch naheliegend, zum redaktionellen Text passende Werbung anzubieten. Ebenso passend können Journalisten PRler sein und andersherum: Beide sind zwar auf der jeweils gegenüberliegenden Seite des Kommunikationsprozesses, aber beide arbeiten letzten Endes am gleichen Projekt. Wer also beides beherrscht, versteht, wie sein Gegenüber tickt.

Eine Mischform von Journalismus und PR sind vor allem Corporate Blogs, weil diese zum Teil gute – journalistisch recherchierte – Inhalte bieten, die jedoch Keyword- bzw. Suchmaschinen-optimiert sind. Hier fällt es nicht immer leicht, Schleichwerbung etc. zu erkennen.

PR-Fundsachen: Welche Fähigkeiten sollten kommende PRler Ihrer Meinung nach in den Beruf mitbringen?

PRler sollten wie Journalisten eine riesige Portion Neugier mitbringen. Denn zum einen müssen sie sich ständig mit neuen Trends und Techniken vertraut machen, um bei den schnellen Entwicklungen im Web 2.0 mithalten zu können, zum anderen müssen sie verstehen, wie ihre Zielgruppe tickt – und das geht nur durch Zuhören, Zuhören und nochmals Zuhören. PRler müssen dabei selbstständig denken, denn große Kauf- und Verhaltensstudien sind oft unrentabel und zu langsam. Im Internet werden sie jedoch bei genauem Zuhören schnell verstehen, was ihre Zielgruppe denkt, sagt und letztlich kauft.

Weiterhin sollten PRler den Mut haben, immer wieder etwas auszuprobieren und dies auch gegenüber ihren Vorgesetzten durchzusetzen. PRler sind zu guter Letzt (im Idealfall) Menschen, denen man vertraut. So werden sie selbst zu Multiplikatoren, deren Nachrichten gerne weitergegeben werden. Dafür müssen sie aber integer sein. Ehrliche Kommunikation zahlt sich auf lange Sicht immer aus, denn erstens vergisst das Internet nichts und zweitens findet irgendwann irgendwer heraus, was faul an der Geschichte war.

PR-Fundsachen: Was glauben Sie, wohin sich die Online-PR in der Zukunft entwickeln wird?

Mit dem Social Web besteht die ernsthafte Möglichkeit, dass das „PR“ nicht mehr nur für Public, sondern vor allem auch für Personal Relations steht. Unternehmen müssen nicht mehr mit dem Megafon ihre Werbebotschaften raus schreien und sich auf wenige große Multiplikatoren verlassen. Stattdessen gilt es den Kunden da zu treffen, wo dieser schon ist. Allerdings haben dies bisher nur wenige Unternehmen verstanden. Also werden Facebook, Twitter & Co. einfach nur als weitere Kanäle der Einweg-Kommunikation genutzt. Wer die Potenziale von Social Media richtig nutzt, kann also viel gewinnen – doch das kostet sehr viel Zeit und Engagement.

Herr Struening, vielen Dank für das Interview!

Sämtliche im Rahmen der Kurzinterviewreihe „Die PRaktiker“ entstandenen Antworten und Texte sind ebenso wie die Bilder Eigentum unserer Interviewpartner und erscheinen mit ihrer Genehmigung, sofern nicht anders mit uns ausgemacht, ausschließlich im Studiengangsweblog zum Schwerpunkt Online-PR der Hochschule Darmstadt, den PR-Fundsachen (https://www.pr-fundsachen.de/). Sollte Interesse an einem der Texte/ Interviews bestehen, bitten wir darum, sich mit uns bzw. unserem Interviewpartner in Verbindung zu setzen.

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