Daten-Paradoxon, Intelligenzkritik und PR-Bilanz: Diese Woche im DRILLLINK

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Wer zum Wochenende, das zumindest bei uns in Hessen durch einen Feiertag eingeläutet wurde, gerne in unsere Link-Schatzkiste greift, wird zu dieser Ausgabe die Lust am Lesen englischer Texte mitbringen müssen. Wem das zu viel ist, erhält mit unserer kurzen Zusammenfassung einen guten Überblick über die drei PR-Themen der Woche. Der Feierabend sei euch gegönnt, viel Spaß beim Lesen!

I. Wenn die Maschine den Menschen besser versteht als der Mensch sich selbst

Um künstlicher Intelligenz Leben einzuhauchen, gilt es, Intelligenz zuvor ganzheitlich zu begreifen. Genau darum geht es in einem sehr lesenswerten Interview auf quantamagazine.org mit Judea Pearl, einem scharfen Kritiker des Bereichs künstliche Intelligenz. Ein Punkt seiner kritischen Argumentation lässt sich mit der Kantenglättung eines Graphen vergleichen und erklären: Pearl findet, künstliche Intelligenz werte Datenmengen bislang einfach nur aus und entdecke dabei halt die ein oder andere versteckte Regelmäßigkeit.

Was nach seinen Forschungsarbeiten über die Korrelation von Ursache und Wirkung fehle, sei die Fähigkeit der Maschinen, selbstständig begründen zu können. Die asymmetrische Sprache der Mathematik biete hierfür jedenfalls nicht das benötigte Fundament, das es braucht, ein menschliches Verständnis zu erfassen. Aber das ist nicht alles: Die Entwicklung künstlicher Intelligenz solle sich hin zu moralischen Entitäten, einem freien Willen und auch der dadurch erst möglichen Inklusion des Bösen hin bewegen. Also weg vom Diagnosemodus hin zu einem kausalen Modell. Das Böse beschreibt Pearl im Übrigen wie folgt: Wenn eine Maschine sich für ein mögliches Handeln entgegen der universellen erlernten Normen der Gesellschaft entscheidet.

Was uns aus PR-Sicht dazu durch den Kopf geht: Klar, der Einzug der künstlichen Intelligenz in der PR ist längst vollzogen. Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt: Mit Hilfe von Maschinen, schneller qualitativ hochwertigen Content generieren können oder ganze Konzepte schreiben können werden, soweit so gut. Die Unfähigkeit des Menschen, sich selbst zu beschreiben, lässt sich womöglich als eine perspektivische Verzerrung für dieses Themengebiet verstehen. Und die führt dazu, dass die Maschine das Abbild des augenblicklichen Verständnisses ist, die durch selbstlernende Funktionen auch in der Lage ist, den Mensch mit ultrahoher Leistung zu übertreffen – und ihn handlungsunfähig machen kann. Was der Gesellschaft momentan auch Angst macht, kann also genau die Folge sein, wenn sich Pears’ Forschung und die neuen Technologien auf diesen Fortschritt zubewegen. Sofern die Kommunikation von Robotern, die unserer Intuition entsprechen soll, funktioniert und ethischen sowie humanitären Grundsätzen entspricht, sollte diese Dystopie besser eine Dystopie bleiben.

Wir sind gespannt, wie sich die Landschaft hier weiter entwickeln wird. Ich stelle mir spontan einen von Coca Cola gesponserten Roboter vor, der auf Weihnachtsmärkten Cokes an Familien ausgibt (und dabei nicht die Softwarekomponenten Mitgefühl, Gerechtigkeit und schlechtes Gewissen bewusst ignoriert), zwischendurch ein paar Fotos twittert und jüngst aufgeschnappte tolle Zeilen postet. Anschließend wertet er aus, wie erfolgreich und viral sein ganzheitlicher Einsatz war und lernt gleich für das nächste Mal dazu.

II. Praxisgeprüfte PR-Bilanz

Der Kommunikationsberater Timo Lommartzsch zog kürzlich bei einer DPRG-Veranstaltung Zwischenbilanz, wo aus seiner Sicht  PR in digitalen Zeiten steht. Die wichtigsten Erkenntnisse: Wenn digitale Trends in Unternehmen Einzug halten, empfiehlt sich zunächst ein integrierter Ansatz für die Gesamtkommunikation. Durch ein rasantes Verschwimmen der Grenzen bedeutet das für PR-Fachleute, dass sie sich immer stärker Know-how zu Online-Marketing-Themen aneignen müssen. Umgekehrt benötigt das Marketing zunehmend PR-Kompetenz. Die interne Kommunikation ist dem Wandel ebenfalls unterlegen und sollte für Veränderungen flexibel sein. Essenziell für die Kommunikationsstrategie der PR-Fachleute: der Aufbau von Vertrauen und Reputation eines Unternehmens oder einer Organisation sowie das Vertrauen der Nutzer und ein gutes Netzwerk. Und nicht zu vergessen: Es braucht starken, zielgruppengenauen Content gepaart mit einem stimmigen Distributionskonzept, das es der PR ermöglicht, „owned, earned und paid media“ in die Tat umzusetzen.

III. Das Daten-Paradoxon

Blick über das große Gewässer: In ihrem jährlichen Internet-Trendbericht präsentierte Mary Meeker vor kurzem auf der Code Conference in Rancho Palos Verdes, Kalifornien, die Trends des Jahres. Logisch: Mit steigender Digitalisierung der Menschen stagniert das Wachstum der Smartphone-Welt. Da hilft womöglich der weltweite durchschnittlich sinkende Verkaufspreis auch nicht mehr weiter. Wo gleichzeitig bereits mehr als die Hälfte der Menschheit online ist, gilt es nun, am Stellschräubchen der Surfdauer zu drehen. Und auch hier prallen verschiedene Interessen aufeinander: Einerseits sollen die Zahlen steigen, andererseits möchte man auch immer weniger Zeit am Handy verbringen. Dabei wird es noch komplizierter: Tech-Unternehmen stehen vor dem Paradoxon der Privatsphäre. Einerseits möchten viele Anbieter mit Hilfe personenbezogener Daten besserer Nutzererlebnisse schaffen, andererseits sind gerade diese Daten in der Diskussion, wenn es um den Schutz der Privatsphäre geht. Der Report stellt einen großen Fundus dar, der rund um aktuelle Entwicklungen der Internetnutzung aus US-Sicht informiert.

 

Plus: Wer Lust auf fünf unschlagbare Argumente für die Digitalisierung hat, ist auf dem aktuellen Beitrag des Blog der Digitalagentur RCKT genau richtig. Sie nutzt den Karneval der Kulturen in Berlin, um alle Vorzüge der Ära der Digitalisierung darzustellen. Da macht unser Studium gleich fünffach Spaß!

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