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Auf ein Blähwort: Die Nichtkunst der Pressemitteilung

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Schreiben ist ein Handwerk. Wie Schreinern, Mauern, Autos reparieren oder Königskobras züchten. Man kann es auch als Kunstform ausüben, aber dazu sollte man geboren oder zumindest berufen sein. Das sind die wenigsten. Ein Handwerk also. Das gilt in der Regel für Journalisten, so gut wie immer für die Verfasser von Pressemitteilungen. Und wie jedes Handwerk kann man es erlernen. Es existieren einige grundsolide Regeln, an die man sich halten sollte, und schon kann man für sich in Anspruch nehmen, ein PR-Schreiberling mindestens mittelmäßigen Zuschnitts zu sein.

Diese Regeln sind nicht wirklich kompliziert: Vermeide unnötige Fremdwörter, bilde möglichst kurze, leicht verständliche Sätze, hüte dich vor nichtssagendem Geschwafel, lasse selbstlobhudelnde Phrasen á la „Eine bessere Butter werden sie nie auf dem Brötchen haben“ (Beispiel) links liegen und mache einen großen Bogen um Blähwörter.

Ah, Blähwörter. Sie machen mit einem Satz, was ein halbes Kilo Bohneneintopf mit den Eingeweiden anstellt. Daher der unschmeichelhafte Name. Diese Bläh- oder auch Füllwörter kann man in Büchern nachschlagen. Ambitionierte Schreibpädagogen haben sich die Mühe gemacht, diese Sprachböhnchen zu langen Listen zusammenzufassen und sie meist im Mittelteil einschlägiger (Fach-)Bücher in die Welt hinauszusenden. Manchmal alphabetische geordnet, manchmal nach Kategorien.

Sehen wir uns so eine Liste mal genauer an. Da hätten wir zum Beispiel „zweifelsohne“. Sicher ein schönes Wort, aber offensichtlich ein überflüssiges. Ups! Ich darf wohl nicht verschweigen, dass „sicher“ und „offensichtlich“ ebenfalls auf der Liste stehen, die ich gerade vor mir habe. Nur ein paar Zeilen über „zweifelsohne“. Ach herrje, „wohl“ steht auch drauf. Und „auch“ auch.

Das kann nur bedeuten, dass mein Schreibstil trotz einiger Übung und ehrlichem Bemühen noch viel zu blumig und aufgedunsen ist. Das ist dumm, vor allem für den armen Redakteur, der mein Gequaddel lesen und möglichst vollständig verwerten soll. Und mich selbst betrübt es sehr. Verflucht, „selbst“ und „sehr“ hätte ich laut Liste auch nicht verwenden dürfen. Und „auch“ natürlich auch wieder nicht. Ebensowenig wie „wieder“. Sie verstehen schon. So langsam erscheint mir diese Verbotsliste grotesk. Gerne würde ich widersprechen. Würde gerne etwas einwenden wie: „Aber es kann doch nicht sein, dass man so viele Wörter nicht verwenden darf!“ Aber „aber“ steht auf der Liste.

  1. MatthiasNo Gravatar

    „Gerne würde ich wiedersprechen.“

    Autsch!

    widersprechen!!! – wider = gegen

    wieder sprechen (können)

    Nichts für ungut!

    • Denis MohrNo Gravatar

      is korrigiert. danke für den hinweis.

  2. Valerie DietrichNo Gravatar

    Ich schließe mich der Botschaft dieses Beitrags an, nämlich dass man es mit dem Verzicht auf bestimmte Wörter auch übertreiben kann. Viele solcher „Blähwörter“ sind sicher vermeidbar und überflüssig, aber andere gehören einfach zum Sprachgebrauch dazu und sie lassen sich nicht einfach ersetzen. So weit kommt´s noch, dass man seine inhaltlichen Aussagen den „erlaubten“ Wörtern anpassen muss ;).

  3. RayaNo Gravatar

    Toller Text!

  4. CaroDiasNo Gravatar

    Suuuupperrr Text! So machen die PR-Fundsachen Spaß!

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