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„Sozial ist, was Arbeit schafft“

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Diesen Slogan hörten wir fast täglich, als der Wahlkampf auf Hochtouren lief. Merkel, Stoiber, Westerwelle und andere riefen ihn den Wählern beständig vom Rednerpult zu. Ursprung des Slogans ist die Kampagne „Sozial ist…“ der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM). Mit der erfolgreichen und umstrittenen PR der vom Arbeitgeberverband Gesamtmetall getragenen Initiative haben wir uns im vergangenen Semester beschäftigt. Monitor (WDR) berichtete am 13. Oktober über die derzeitigen PR-Aktivitäten der INSM, fragte nach den Grenzen zwischen Journalismus und PR und appellierte an die journalistische Sorgfaltspflicht.

Die Botschaft der INSM ist klar: mehr Markt, weniger Staat. Um die Menschen für Reformen im Sinne der Arbeitgeber zu gewinnen, schafft sie Ereignisse und platziert ihre Themen in den Medien. Im Jahr 2002 hatte die INSM Dialoge in der Daily Soap „Marienhof“ gekauft. Nach ARD-Angaben wurden ihre Themen (Lohnnebenkosten sollen geringer werden, Arbeitszeiten höher) sieben Mal in der Fernsehserie platziert.

Jetzt setzt die INSM immer wieder mit Studien und Umfrageergebnissen Schlagzeilen: Anfang Oktober kürten die Initiative und das Magazin „Wirtschaftswoche“ Sachsen zum Bundesland mit der dynamischsten Wirtschaft. Sämtliche Medien berichteten anschließend über das Länder-Ranking und die Botschaften der INSM.

Die Initiative hat sich ein Image von Überparteilichkeit und wissenschaftlicher Kompetenz geschaffen. Ihre Botschafter vermittelt sie als scheinbar neutrale, unabhängige Experten für Interviews. Auch eigens produzierte sendefertige Beiträge soll sie zur Ausstrahlung anbieten. In diesem Zusammenhang wird die Frage nach einem zunehmenden Einfluss der PR auf den Journalismus laut. Damit Medien günstig produzieren können, sind sie auf eine „Arbeitserleichterung“ in Form von Zulieferungen angewiesen. Ist für Recherchen wenig Zeit, wird die Themensetzung für PR-Akteure umso leichter.

Christian Nuernbergk hat in seiner Magisterarbeit „Die Mutmacher“ (Abstract, pdf) die Öffentlichkeitsarbeit der INSM untersucht und unter die Lupe genommen, wie Journalisten mit dem PR-Material der Initiative umgehen. Er ermittelte, dass die Berichterstattung wenig differenziert und meistens völlig unkritisch war. Seine Analyse ließ nicht erkennen, dass die Journalisten zu den durch die PR der INSM initiierten Beiträgen eigene Recherchen anstellten.

Das Problem ist die mangelnde Transparenz, denn der Mediennutzer bleibt ahnungslos: Über die Geldgeber und die dahinter stehenden Interessen erfährt er nichts.

Quellen und Weblinks:

Hier gibt es den Beitrag von Monitor zum angucken und nachlesen.

Die Mutmacher – Eine explorative Studie über die Öffentlichkeitsarbeit der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (pdf)

INSM: Reformpolitik auch ohne Wählerauftrag

Verdi kritisiert politische Werbung im «Marienhof»

INSM entschuldigt sich für Schleichwerbung im «Marienhof»

Kampagne „Sozial ist…“

Die Beschreibung der INSM auf Wikipedia ist mit folgendem Kommentar versehen: „Die Neutralität dieses Artikels ist umstritten. (…) Versuche, den Artikel neutraler zu formulieren und entferne diesen Baustein erst, wenn er nicht mehr nötig ist.“ Vielleicht hat ja jemand Lust, weitere Erfahrungen mit Wikis zu sammeln?!

  1. Betriebsräte und Arbeitgeber wieder auf Augenhöhe?

    Erst traf es die Parteien, etwas später die Gewerkschaften und schließlich – dank der Lustreisen bei VW – die Betriebsräte – jetzt haben es auch die Arbeitgeber: ein Image-Problem. Wen wundert´s? Rekord-Gewinne auf der einen Seite und Betriebss…

  2. […] Denkfabriken wie die “Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft” geben sich gerne als große “Bürgerbewegungen” aus, die quer durchs Land das kollektive Bürgerbewußtsein präsentieren. Durch diese geschickt in den Medien inszenierte Überparteilichkeit wollen sie eben dieses Kollektiv davon überzeugen an den neuen, umgedeuteten Sozialstaat (“Sozial ist, was Arbeit schafft”) neoliberaler Prägung und die dazu notwendigen Reformen zu glauben. […]

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