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Kommunikatoren par excellance – Die mentale Metamorphose

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Und Gott kommunizierte, es werde Licht. Und es ward Licht. (Gen. 1, 3 – Freie Übersetzung eines Öffentlichkeitsarbeiters)

Wir stehen am Anfang. Aus uns soll einst ein allgegenwärtiger und doch fortwährend verkannter Menschenschlag werden. PRler, auch PR-Menschen, -Typen, -Fuzzis betitelt (sogar in den eigenen Reihen). Pressesprecher, Kommunikatoren, Redner, Schreiber, Vertsteher, Mitteiler, Vermittler von Botschaften – idealerweise mit Kern, im schlimmsten Falle auch ohne. Unser Studiengang (Online-Journalismus, Schwerpunkt Online-PR ab Semester sechs) hilft uns dabei, gibt uns peu à peu alle Instrumente an die Hand, die für nötig erachtet werden, um gute, sogar hervorragende Kommunikations-Menschen zu werden, die ihre Dienste gewinnbringend auf dem freien Markt anbieten können. Das, so eine subjektive Einschätzung, gelingt recht gut.

Nun eine kurze Zäsur, die den Einschub einer stammtisch-philosophischen Frage erlaubt, bei der man geneigt sein dürfte, die Augen zu verdrehen: Hat die täglich voranschreitende Umsetzung dieses hehren Ziels Auswirkungen – persönliche Auswirkungen – auf die Menschen, die sie betrifft? Die Antwort lautet: Und wie!

Die unvermeidliche Dauer-Konfrontation mit termini technici der Branche, mit dem elaborierten Code der Public-Relations-Initiierten, zeitigt schrittweise Wirkung und ist für offene Ohren kaum zu leugnen. 

Im Kleinen angefangen erhebt sich langsam ein mittelgroßes Brausen, das durch den Geist des PR-Adepten fegt und in crescendierender Weise das ewige Lamento nach variantenreicher Sprachwahl, Wortvielfalt, Synonymen- und Antonymenbildung übertönt. Plötzlich sieht man sein Sprachzentrum umstukturiert, zugespitzt und an den oberen Enden zu einer ebenso wahren wie notwendigen Erkenntnis verknotet: Alles ist Kommunikation. Ein Gedanke, der nicht nur bei teilprofunden Kennern von Friedemann Schulz von Thuns‘ Denkansätzen, insbesondere seines Vier-Seiten-Modells, und der anderer Sinnierer ähnlichen Kalibers (Niklas Luhmann etc.) offene Türen einrennt.

Unverhofft stellt man fest, dass im akademischen Umfeld ausschließlich alles nur noch „kommuniziert“ wird. „Wurden die Prüfungstermine schon kommuniziert?“, „Ich werde das später an alle kommunizieren“, „Es gibt Dinge, die sollte man lieber face-to-face kommunizieren – wirkt vertraulicher“, „Das kann man so am Rande mitkommunizieren“, „Ich wünschte, jemand hätte das mal früher kommuniziert“. Faktisch aus der Alltagssprache ausradiert sind sämtliche alternativen Begriffe, die menschliche Verständigung umschreiben. Nimmerwieder gesehen Wörter wie sagen, sprechen, mitteilen, kundtun, anmerken, verbreiten, erwähnen, hinweisen, empfehlen, auffordern, preisgeben und dergleichen noch seitenweise mehr.

Was bedeutet das also? Nun, nicht viel. Lediglich, dass man mit zunehmender Vertiefung in die Materie in eine Meta-Ebene vorstößt, von der aus betrachtet alles als Kommunikation und daraus resultierende Übermittlungsakte gedacht werden kann/ soll/ muss. Chancendenken an allen Fronten. Trivialitäten gibt es nicht. Nicht beim Einkaufen, beim geselligen Bier-Miteinander, beim Vorstellungsgespräch oder beim unverbindliche 5-Minuten-Plausch mit dem Vorgesetzten. Hinter jedem Wort steht die Frage nach Botschaft, Zielgruppe, Ausspielkanal und Wirkung. 

Was hier nach schaler PRler-Paranoia müffelt, ist nur folgerichtig und mit großer Wahrscheinlichkeit das Wesen dessen, worauf unsereins getrimmt werden soll und sollte. Weshalb auch nicht, es ist elemantares Handwerkszeug – auch wenn es bisweilen nervt und die Massen der selbsternannten Rechtschaffenen irritert.

Wahrlich, ich kommuniziere euch: Es ist schon alles ganz gut so, wie es ist.

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