Wo erreichen wir wen?

Gibt es eine Faustregel bei der Platzierung von Content im Social Web? Bei der Auseinandersetzung mit dieser Frage sieht PR-Student Martin Imruck ein Problem bei der Erreichbarkeit der Stakeholder.
Gibt es eine Faustregel bei der Platzierung von Content im Social Web? Bei der Auseinandersetzung mit dieser Frage sieht PR-Student Martin Imruck ein Problem: Die Vielzahl der Plattformen. (Bild: Imruck)

Nach dem Start unserer Blogparade zum Thema „Content Strategie“ habe ich mich gezielt mit dem Thema Content-Platzierung im Social Web beschäftigt. Welche Kanäle bieten sich an, nach welchen Gesetzmäßigkeiten können wir arbeiten und gibt es diese überhaupt? „Wo erreichen wir wen?“, ist die Frage, die ich mir im Redaktionsalltag für FuPa.net und die Verlagsgruppe Rhein Main immer wieder stelle.

Im Jahr 2015 leben über 7,4 Milliarden Menschen auf der Welt. Etwas mehr als die Hälfte der Erdbewohner besitzt einen Internetzugang. Die Anzahl der „Onliner“ steigt ebenso, wie die der sozialen Plattformen, die in einem enormen Tempo aus dem digitalen Boden sprießen. Doch je mehr Kanäle PR-Praktikern zur Verfügung stehen, desto mehr Möglichkeiten haben sie, zu kommunizieren. Und umso schwerer ist es für sie, ihre Stakeholder zu erreichen. Dieser theoretische Ansatz soll sich einen Weg durch den Dschungel der Social Networks bahnen und dorthin vordringen, wo es nur wenige Botschaften im PR-Alltag schaffen: zu den Zielgruppen.

Werfen wir zunächst einen Blick auf eine Gruppe der größten und beliebtesten Social Media Plattformen weltweit. Die Zahlen wurden mittels eines Zwischenwertes ermittelt und sollen als Orientierung dienen. Da auch immer mehr Unternehmen „WhatsApp“ als Kommunikationskanal nutzen, ist auch er aufgeführt.

Social Media Anbieter Nutzer in Deutschland Nutzer Weltweit
Facebook 28 Millionen  1,4 Milliarden
Twitter 10 Millionen 300 Millionen
Google Plus   9 Millionen 350 Millionen
Xing   6 Millionen   20 Millionen
Instagram   5 Millionen 300 Millionen
Whatsapp 35 Millionen 750 Millionen

Die Frage ist folgende: Ist es so einfach, zu sagen, eine Person „X“ mit dem Interesse „Y“ nutzt das soziale Netzwerk „Z“? Die Antwort ist ziemlich einfach – sie lautet: „Nein, ist es nicht“. Die Nutzungsmotive der User sind die jeweiligen Social Media Kanäle sind ebenso unterschiedlich, wie die Beweggründe innerhalb einer Zielgruppe an sich. Dazu kommt, dass viele Nutzer auf mehreren Plattformen gleichzeitig unterwegs sind. Das erfolgreiche Verbreiten einer Botschaft über Social Media an eine möglichst große Gruppe seine Stakeholder gestaltet sich daher sehr schwierig.

So kann stets nur ein Bruchteil erreicht werden, da zum einen nicht alle Stakeholder auch automatisch dem Social Media Kanal des Unternehmens folgen. Einige wissen vielleicht gar nicht von dem Unternehmen und seinem Auftritt, obwohl sie die Thematik unglaublich interessiert. Dazu kommt, dass Plattformen mit dem größten Nutzeranteil – vor allem Facebook – ihre Meldungen durch ihren Algorithmus nur einem Bruchteil der User zuspielen. Die Facebook-Seite selbst wird von den Usern eher selten direkt anvisiert. Die Mitglieder einer Zielgruppe und die Nutzer eines sozialen Netzwerkes haben also nur in seltenen Ausnahmen die gleichen Interessen und Verhaltensweisen. Nach aktuellem Dafürhalten der Branche haben die Plattformen mit den meisten Nutzern Recht.

Modell der Zielgruppen innerhalb eines Zielraumes. Grafik: Martin Imruck
Modell der Zielgruppen innerhalb eines Zielraumes. Grafik: Martin Imruck

Das bloße Denken in Zielgruppen oder Stakeholdern macht bei der Platzierung einer Botschaft demnach keinen Sinn. Meiner Ansicht nach ist der Ort der Botschaftsplatzierung vielmehr einem „Zielraum“ gleichzusetzen, der möglichst viele Interessensvertretungen einschließt. Wie die Grafik zeigt, umfasst dieser Zielraum, in dessen Mitte die Botschaft steht, nicht alle Zielgruppen. Einige Interessensgruppen fallen komplett in den definierten Raum, andere weisen innerhalb ihrer Mitglieder nur eine Teilmenge auf, für welche die Botschaft des Unternehmens von Interesse ist.

Über einen spezifischen Social Media Kanal lassen sich diese vielfältigen Zielgruppen nicht ansprechen. Daher schließt sich die Suche nach einer geeigneten Plattform an, die allen Interessensgemeinschaften den Zugriff auf Informationen ermöglicht. Die weltweit über drei Milliarden Menschen mit Internetzugang haben in der Summe etwa zwischen 3,5 und 4,5 Milliarden Email-Konten. Bei allen Ausspielkanälen, ist Email die Plattform mit den meisten Nutzern. Mailing bietet den Unternehmen eine Informationsübermittlung, die vor allem folgende Eigenschaften umfasst:

  • Unabhängig
  • Systematisch
  • Chronologisch
  • Umfassend
  • Einheitlich

Über drei Milliarden Stakeholder, die sich über ihre Mailkonten bequem die wichtigsten Botschaften per Newsletter kostenlos zusenden lassen können. Damit ergibt sich für das Unternehmen die Option, News gezielt zu versenden. Damit können sie den Zielraum pflegen – und kontinuierlich erweitern.

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#RotationCuration

Nicht nur Privatpersonen können einen Twitter Account besitzen und fröhlich vor sich hin twittern. Seit 2011 gibt es das Prinzip RotationCuration. Bei diesem Konzept wird ein einzelner Social Media Account von Woche zu Woche an eine andere Person weitergegeben. Klingt erst einmal sehr kompliziert und verrückt, funktioniert aber.

2011 haben sich zwei Institutionen aus Schweden gedacht: Wieso hat eigentlich jeder einen eigenen Twitter Account, wenn wir einen für das gesamte Land kreieren können? Gesagt getan. So entstand erstmals in der Geschichte ein Twitter Account für ein ganzes Land: @Schweden.

Das Prinzip funktioniert, indem man sich auf der Seite der Gründer als “Kurator” für eine Woche bewirbt. Die Zugangsdaten werden wöchentlich weitergegeben. Der Grundgedanke dieser Idee basiert darauf, dass eine einzelne Stimme nicht ausreicht, um ein ganzes Land zu repräsentieren. Indem ganz verschiedene Menschen über @Schweden von ihrem Leben und aus ihrer Perspektive berichten, soll das Land stärker mit der Welt und die Welt stärker mit dem Land verknüpft werden. Bisher hat sich dieser Trend aber nur auf Instagram und Twitter durchgesetzt.

Auch in Deutschland und Europa findet diese Idee Zuspruch. Bereits 2012 wurden die Accounts @I_am_Germany und @iameurope gegründet. Über den Account @iameurope wird fleißig aus allen Ländern getwittert. Auch hier geht es wieder darum, alle Menschen aus Europa miteinander zu vernetzen und zu vereinen. Somit kann man erfahren, was in unseren Nachbarländern passiert  und welche Probleme es dort gibt.

Ein etwas anderes Projekt, welches sich aus RotationCuration ableitet, ist das #LocationRotation Projekt. Auch hierbei werden Twitter Accounts weitergegeben, jedoch geht es nicht primär um ein Land, sondern eher um eine „Location“, also eine Stadt oder eine kulturelle Einrichtung. Beispielsweise gibt es den Account @WeAreUkraine. Hier können alle Ukrainer, egal ob sie in der Ukraine oder in einem anderen Land leben, twittern und ihre Meinung frei äußern. Bei diesem Projekt geht es eher um kulturelle und ethnische Beiträge, zum Beispiel um das Land besser kennenzulernen. Natürlich steht hier das Thema „Ukraine Krise“ ebenfalls auf der Tagesordnung. Menschen können darüber schreiben wie sich das Leben in der Ukraine verändert hat. Aber auch Ukrainer, die in einem anderen Land leben, können hierzu ihre Sichtweise schildern.

In Deutschland existieren solche #LocationRotation Accounts für Frankfurt, München und Hamburg.

Als Kurator kann sich grundsätzlich jeder bewerben, der einen eigenen Twitter Account besitzt und Spaß daran hat zu twittern. Vorausgesetzt wird, das mindestens zweimal in der Woche gewittert wird, dabei spielt der Inhalt keine Rolle.

 

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Bild empört sich über Taktlosigkeit

"Bild ist scheiße" im Twitterfeed von Bild.de
Dieser Screenshot wurde an einen Tweet von @extra3 angehängt.

Wie zweischneidig automatische Twitterfeeds sein können, zeigte uns letzte Woche eine PR-Aktion der Bild. Am Freitag (04. April) liefen alle Tweets mit dem Hashtag #KaempfenSchumi auf der Startseite des Bild-Sportressorts ein – ohne manuelle Prüfung durch die Redaktion. Ein gefundenes Fressen für Bild-Gegner, mit der Boulevard-Zeitung abzurechnen: So twitterte der Nutzer @mvandot unter dem Schumi-Hashtag und fügte ein Bild bei, auf dem dick „BILD IST SCHEIßE“ geschrieben stand.

 

Hihi oder geschmacklos?

Die Satiriker von @extra3 machten einen Screenshot von diesem Fauxpas und verbreiteten ihn auf Twitter. Kurze Zeit später war der automatische Feed von der Seite verschwunden, die Bild gibt sich verärgert: Über solche Themen scherzt man schließlich nicht.

Den Stein ins Rollen hatte zuvor die Nutzerin @sophieyassmann gebracht, die mit einem Screenshot vom eingebundenen Tweet „Bild ist blöd“ demonstrierte, wie Nutzer eine Hashtag-Einbettung missbrauchen können. Höchstwahrscheinlich hätte dieser kleine Scherz keine große Beachtung gefunden, wenn die Bild nicht darauf per Tweet geantwortet hätte – und es als „geschmacklos“ bezeichnete. Durch diese Äußerung scheint sich die Bild erst recht ein Eigentor geschossen zu haben. Schließlich steht sie selbst oft genug in der Kritik, nicht genug Feingefühl zu besitzen.

 

Tweet-Antwort von Bild: "Kann man #hihi finden oder #geschmacklos
Der Tweet von @sophiyassmann und die Antwort von @BILD
"Bild ist blöd" im Twitter-Feed von Bild.de
Diesen Screenshot verbreitete @sophiyassmann auf Twitter.

Kein Imageverlust für die Bild

Vielleicht aber war die Antwort auch eine bewusste Provokation, um aufgebrachte Nutzer weiter anzustacheln. Mehr Tweets bedeuten größere Publicity. Auch wenn die Twitterer in ihren Beiträgen über die Zeitung herziehen –  das Image der Bild ist einfach schon zu gefestigt.

Sucht man auf Twitter nach #KaempfenSchumi, findet man sowohl amüsierte Tweets zu der automatischen Einbettung als auch brüskierte Kommentare, die jede Art von Scherz im Zusammenhang mit Schumachers Verletzung für unmoralisch halten. Dabei haben die Witze inhaltlich überhaupt nichts mit dem Rennfahrer zu tun. Die Nutzer diskutieren hier aneinander vorbei.

  • Die Botschaft, die bei Bild-Gegnern ankommt: Bild bettet Twitter ungefiltert ein.
  • Die Botschaft, die bei Bild-Lesern ankommt: Bild sorgt sich um Schumacher, taktlose Twitterer nehmen diese Sorge nicht ernst.

Am Ende kann die Bild doch nur gewinnen. Dieser kleine Twitter-Streich wird wohl kaum jemanden dazu bewegen, seine Meinung über die Zeitung zu ändern. Dafür war er aber umso medienwirksamer. Denn die Botschaft der Bild, Solidarität mit Schumacher zu vermitteln, ist wahrscheinlich bei den meisten Lesern angekommen.

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Twitter führt Broad Match ein

Mit einer neuen Werbetechnik „Broad Match“ für „Keyword Targeting“ will Twitter Unternehmen den Kontakt zu potentiellen Kunden vereinfachen.

Foto: Twitter Blog - Twitter erklärt wie Broad Match funktioniert
Foto: Twitter Blog – Twitter erklärt wie Broad Match funktioniert

Auf Twitter wird häufig eine Slang-Sprache benutzt – ein Nachteil für werbetreibende Nutzer. Die neue Technik soll Konversationen mit Synonymen, Rechtschreibfehler und Wortabkürzungen besser verstehen und Schlüsselwörter einfacher erkennen. So kann beispielsweise ein Coffee Shop Betreiber mit seiner Kampagne „love coffe“ erkennen, wenn die Wörter „luv coffee“ oder „love latte“ in Tweets fallen und dementsprechend Werbung schalten. Umgekehrt, wenn der Betreiber kein Espresso verkauft, kann er mit einem Pluszeichen die Begriffskombination „love+latte“ festlegen. So werden nur Tweets mit „luv latte“ angezeigt und „luv espresso“ wird ausgeschlossen.

Das bedeute für den einzelnen Nutzer keineswegs mehr Anzeigen im Feed, versichert Twitter. Aber für das Unternehmen mehr Anzeigenauslieferung und dadurch mehr Werbeeinnahmen.

Die Funktion steht ab sofort über ads.twitter.com  zur Verfügung.

Foto: Screenshot Truecaller App
Foto: Screenshot Truecaller App

Kooperation mit Truecaller

In Sachen Werbung und Monetarisierung drückt Twitter auf  Tempo. Erst kürzlich gab das Unternehmen Truecaller die Kooperation mit Twitter bekannt. Damit will Twitter mehr Nutzer aus Indien erreichen.

Die schwedische Truecaller hat ein Telefonverzeichnis entwickelt, das über Mobile App zugänglich ist. Damit können Verbraucher via Telefonnummer Nutzer auf  Twitter finden.

Truecaller verfüge in Indien bereits eine starke Präsenz, heißt es auf  TechCrunch.

Es wird zunächst für die Android-App verfügbar sein.

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Twitternde Mitarbeiter – Vodafone setzt auf Rotation Curation

Vodafone hat diese Woche mit dem Twitter Account @being_vodafone ein spannendes Projekt gestartet. Im wöchentlichen Wechsel twittern Mitarbeiter zukünftig über ihren Arbeitsalltag und geben so Einblicke hinter die Kulissen des Netzanbieters. Vom Sachbearbeiter bis zum Abteilungsleiter konnte sich jeder Mitarbeiter für eine Woche Twitter-Dienst bewerben.

Während der CeBit vom 5. bis 9. März wird der Account sogar täglich weitergereicht und auch CEO Jens Schulte-Bockum wird einen Tag lang das Ruder übernehmen. Bei Inhalt und Häufigkeit der Tweets gibt es offiziell keine Vorgaben von Unternehmensseite, doch in einer Pressemitteilung gab Vodafone bekannt, dass vor allem am neu gebauten Campus in Düsseldorf gezwitschert werden wird. Seit Dezember 2012 läuft der schrittweise Umzug von insgesamt rund 5000 Mitarbeitern, der bis März 2013 abgeschlossen sein soll.

Neu ist die Idee übrigens nicht, denn der Trend zum sogenannten „Rotation Curation“ entstand bereits im Dezember 2011.

Und wer hat’s erfunden?

Ausnahmsweise nicht die Schweizer, denn erstmals tauchte das Konzept in Schweden auf. Das schwedische Institut, zuständig für die Vebreitung von Informationen über das skandinavische Land, startete damals den Twitter Account @Sweden. Jeder Schwede kann diesen Account sieben Tage lang übernehmen und sein Heimatland auf die für ihn richtige Weise in der Twitter Welt repräsentieren. Getwittert werden seitdem tagesaktuelle Themen, Plätze die unbedingt besucht werden sollten oder ganz private Geschichten der gerade zuständigen Personen. Bis heute entstanden rund 80 Twitter Accounts, die sich dem „Rotation Curation“ verschrieben haben. Auffällig ist jedoch, dass bislang überwiegend Länder und Städte Vorteile in dieser Art der Kommunikation sehen.

Das schwedische Institut war bereits zuvor durch ausgefallene Social Media Nutzung aufgefallen. Mit einer digitalen Botschaft in der Alltags-Simulation „Second Life“ bewiesen sie schon 2007 ihre Kreativität.

Spannende Möglichkeiten für Unternehmen

Mit Vodafone ist jetzt erstmals ein Unternehmen auf den Trend aufgesprungen. Insbesondere beim Thema Employer Branding könnte „Rotation Curation“ spannend werden und auch Vodafone scheint hier Chancen zu sehen. Der Zeitpunkt für den Start des Accounts fast zeitgleich mit dem Ende des Umzugs auf den neuen Campus spricht dafür. Das neue Gebäude wurde nämlich nach einem besonders modernen Konzept entworfen. Es gibt keine Einzelbüros mehr, nicht einmal feste Schreibtische weist Vodafone seinen Mitarbeitern zu. Jeder kann sich mit seinem Laptop dort andocken, wo es gerade am besten passt. Den Mittelpunkt des neuen Komplexes bildet der sogenannte Berkshire Garden, ein Park mit 80 bis zu 15 Metern hohen Bäumen, der für alle Düsseldorfer frei zugänglich ist und für Erholung während der Arbeit sorgen soll.

Vodafone hat also einiges in den Wohlfühlfaktor investiert und möchte künftige Arbeitnehmer natürlich davon in Kenntnis setzen. Ein wöchentlich wechselnder Mitarbeiter, der via Twitter über seinen Arbeitsalltag in diesem modernen Umfeld berichtet, ist hierfür der ideale Botschafter. Zufall oder geschickte Employer Branding Strategie? Was es auch sein mag, auf „Rotation Curation“ wird man in der Unternehmenskommunikation zukünftig eventuell häufiger stoßen.

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Mysteriöses Follower Wachstum bei der FDP

Hat die FDP wirklich Twitter-Follower gekauft? Der rasante Anstieg von 6000 auf 36.000 Follower in nur einer Woche machte zahlreiche Online-Medien aufmerksam und brachte die FDP in Erklärungsnot. Der Benchmarking-Website Pluragraph.de, die auf den Follower-Boom aufmerksam geworden ist, erklärten die Liberalen, dass die Abkürzung FDP der Grund sei: Im Portugiesischen fände fdp nämlich für das Schimpfwort „filho da puta“ (Hurensohn) Verwendung. Ein unwahrscheinliches Szenario, denn einen so schnellen Anstieg ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt erklärt die Theorie nicht.

Follower Entwicklung von @fdp_de
Quelle: pluragraph.de

 

Woher aber kommen die vielen neuen Fans? Menschlicher Natur sind sie nicht, denn die Fake-Quote liegt mittlerweile bei stattlichen 84%. Der Verdacht eines Fake-Profil-Kaufs liegt also nahe, wird von der FDP aber entschieden zurückgewiesen. Gegenüber sueddeutsche.de sagte FDP-Sprecher Peter Blechschmidt: „Ich kann definitiv erklären, dass wir weder Twitter- noch Facebook-Accounts kaufen“.

In dieser Aussage gestützt wird die FDP jetzt von fandealer.de, die angeblich für den sprunghaften Anstieg verantwortlich sein sollen. In einer Pressemitteilungen gab fandealer bekannt:

„Die Freie Demokratische Partei (FDP) hat zu keinem Zeitpunkt den Kauf von Twitter Followern auf www.fandealer.de in Auftrag gegeben.“

Wenn es die FDP nicht war – wer war es dann? Die Antwort liefert fandleader prompt mit:

„Eine eingehende Überprüfung des Kampagnenurhebers und dessen Benutzerkontos ergab, dass die Kampagne für die Twitter-Seite der FDP von einem politischen Mitbewerber auf www.fandealer.de lanciert wurde. Das entsprechende Benutzerkonto wurde zweifelsfrei mit einer E-Mail Adresse einer anderen deutschen Partei eingerichtet.“

Den Namen der Partei nannte fandealer aus Datenschutzgründen allerdings nicht.

Ist das Rätsel um den mysteriösen Follower-Boom damit gelöst? Nur zu Teilen, wie fandealer in der Pressemitteilung erklärt:

„Entgegen verschiedener Medienberichte wurden über das Portal www.fandealer.de lediglich 922 der über 30.000 neuen Follower der FDP vermittelt.“

Es bleibt also weiterhin ungeklärt, was es mit den restlichen 29.000 neuen Followern auf sich hat. Fast alle von ihnen sollen aus dem Ausland stammen. Auch die Frage, warum eine andere deutsche Partei der FDP 922 Follower kauft, bleibt offen. Um einen Skandal auszulösen wäre diese Anzahl allein wohl deutlich zu gering gewesen.

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Burger King an McDonald’s verkauft?

Am Montagabend haben sich Hacker einen Spaß mit dem offiziellen Twitter Account von Burger King USA erlaubt. Als Tweet war zu lesen: „Wir wurden gerade an @McDonalds verkauft.“ Der Meldung folgten weitere, ähnlich absurde Tweets. (siehe Bild). Zudem haben die Hacker das Profilbild und das Coverbild der Twitter Seite geändert und dort die Logos des Konkurrenten McDonald’s eingefügt.

Bild des gehackten Twitter Accounts.
Bild des gehackten Twitter Accounts. (Quelle: Screenshot von Twitter)

Bei dem Angriff auf Burger King handelt es sich wohl um einen gezielten Angriff, aus bisher noch unbekannter Quelle. Erste Vermutungen deuten auf eine Untergruppierung der bekannten Hackergruppe „Anonymus“  hin, zu dessen Zugehörigkeit sich aber theoretisch jeder bekennen kann.

Der Burger King Account wurde nach rund 90 Minuten gesperrt, die entsprechenden Tweets wurden gelöscht. Mittlerweile ist der Normalzustand (@BurgerKing) wieder hergestellt. Weiterer Schaden wurde vermutlich nicht angerichtet. Immerhin hat der Hackerangriff für Burger King zu fast 30.000 neuen Followern geführt. Die Sperrung des Accounts war aus Sicht von Burger King erstmal die sicherste Möglichkeit um dem Hacker das Handwerk zu legen. Der Account ging nach der Sperrung relativ schnell wieder Online und die wenigsten Nutzer dürften überhaupt etwas von dem eigntlichen Hack gemerkt haben.  Wichtig ist auch zu erwähnen das der Hack keine Gefahr für die Follower von Burger King dargestellt hat.

Burger King meldet sich zurück.
Burger King meldet sich zurück. (Quelle: Twitter Screenshot)

McDonald’s hat sich über seinen offiziellen Twitter Kanal bereits zu dem Vorfall geäußert und distanziert sich von dem Hackerangriff.

Tweet von McDonald's
Statement von McDonald’s
(Quelle: Twitter Screenshot)

Anfang Februar wurden erneut massenweise Twitter Accounts gehackt, dieses mal waren es rund eine viertel Millionen. Twitter hat die betroffenen Nutzer informiert und rät Ihnen das Passwort zu ändern. Zu den Betroffenen zählt unter anderem auch die Schauspielerin Jessica Alba.

Wie kann man seinen Account schützen?

Hier ein paar grundsätzliche Tipps zum Thema Account Sicherheit im Überblick:

Hacker der Gruppe Anonymus
Ein Hacker der bekannten Gruppe Anonymus. (Quelle: alles-schlumpf via photopin cc)

Wahrscheinlich ist ein Großteil der User über folgende Punkte aufgeklärt. Doch gerade bei Accounts die von Unternehmen oder Organisationen verwendet werden, sollte man verstärkt auf Sicherheit achten. Jeder Account, der nicht entsprechend gesichert ist, ist automatisch eine Gefahr für all seine Follower.

Passwortsicherheit:
Falls Sie Ihr Passwort in dieser Liste finden, sollten sie es schleunigst ändern. Die Top 5 der unsichersten Passwörter sind:
1. password
2. 123456
3. 12345678
4. abc123
5. qwerty
Um sich Zugang zu einem Account zu verschaffen, braucht man also nicht unbedingt Hackerwissen, man kann schlicht und einfach raten.
Bei den meisten Anbietern sorgt allerdings ein Sicherheitsmechanismus dafür, dass nach mehrmaliger Falscheingabe des Passwortes der Account vorläufig gesperrt wird.

Verschiedene Passwörter nutzen:
Benutzen Sie für jede Plattform auf der Sie aktiv sind ein anderes Passwort. So verhindern Sie dass Hacker Zugang auf Ihre anderen Profile, oder gar Ihren E-mail Account erhalten. Hier muss man das Rad nicht jedes mal neu erfinden. Die Änderung von einem Zeichen innerhalb des Passworts kann den Zugriff schon deutlich erschweren.

Phishing-Attacken:
Bei Direktnachrichten von Kontakten mit Inhalten wie: „Guck mal ich habe dich auf diesem Photo gesehen – LINK“, sollte man keinesfalls auf den Link klicken. Wenn man den Kontakt kennt, kann man gegebenenfalls nachfragen. Bei Kontakten die man nicht kennt, sollte man diese Meldung als Spam markieren.

Nutzung von fremden Netzwerken:
Gerade wenn man in fremden Netzwerken unterwegs ist, sich an fremden Endgeräten anmeldet oder öffentliche HotSpots benutzt, ist erhöhte Vorsicht geboten. Die Daten werden innerhalb des Netzwerks unverschlüsselt gesendet und sind so theoretisch von jedem Netzwerkteilnehmer ohne großen Aufwand sichtbar. Bei der Nutzung von mobilen Endgeräten ist hier erhöhte Vorsicht geboten. So ist es sinnvoll sich zumindest mit einer Firewall abzusichern.

Falls der Twitter Account gehackt wurde, sollte man sich an den Support von Twitter wenden.

Weitere Tipps zum Thema Sicherheit gibt es hier.

Eine 100-prozentige Sicherheit gibt es leider nicht. Will jemand mit entsprechenden Kenntnissen einen Account hacken, so findet er einen Weg. Deshalb ist es umso wichtiger seine Accounts regelmäßig zu überprüfen.

Es sei dahingestellt ob der Burger King Account gehackt wurde, weil nicht genug auf Sicherheit geachtet wurde oder weil sich jemand einen Spaß erlaubt hat. Gewissen Hackergruppen ist es durchaus zuzutrauen, in jeden beliebigen Account einzudringen. Warum es dieses mal BurgerKing getroffen hat ist also nicht genau zu sagen. Bleibender Schaden wurde nicht angerichtet, der Channel ist wieder online, als sei nichts gewesen. Was bleibt ist ein kleines Medienecho, 30.000 neue Follower für Burger King und die Gewissheit dass auch Accounts von Weltkonzernen gehackt werden können.

 

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Twitter startet Videodienst „Vine“

Die Gerüchte, dass Twitter sich breiter aufstellen wolle, brodelten schon einige Zeit, doch seit letzter Woche ist es offiziell: Twitter hat den Social-Media-Dienst „Vine“ aufgekauft. Wir zeigen, was Vine kann und weshalb man dieses Tool unbedingt im Auge behalten sollte.

Beispiel für einen Videoclip auf Vine

Der Aufbau des neuen Videodienstes ist denkbar einfach: Mit einer App und einem kamerafähigen Smartphone können Sechs-Sekunden-Clips aufgenommen werden, die man anschließend in den Sozialen Netzwerken teilen kann. In der Praxis sieht das Ganze dann so oder so aus.

An sich ist die Idee, die hinter Vine steckt nicht neu. Es gibt bereits zahlreiche Social-Media-Videoplattformen, wie beispielsweise Viddy oder Keek, die ebenfalls darauf setzen Videos schnell und einfach mit Kontakten zu teilen. Jedoch hat Vine seinen Konkurrenten gegenüber einen wichtigen Vorteil: Aufgenommene Videos lassen sich nicht nur bei Vine sondern auch direkt in den eigenen Twitterstream einbeinden, Facebook-Unterstützung soll bald folgen.

Die integrierte Tonspur lässt Vine dabei  auch an den viel genutzten Formaten GIF oder PNG – die ebenfalls als platzsparende Möglichkeit zur Darstellung von Bewegtmaterial dienen können, aber kein Audio unterstützen –  vorbeiziehen. Damit ist Vine momentan nicht nur die schnellste Möglichkeit, Videos bei Twitter einzubinden, sondern auch die zuverlässigste.

Inhaltliche Punktlandung

Vine ist jedoch nicht einfach nur ein neuer „Player“ unter den Sozialen Netzwerken. Sollte die Netzgemeinde den neuen Dienst annehmen – angesichts der Pläne, die Twitter mit Vine hat, scheint ein Scheitern eher unwahrscheinlich – könnten sich für Kommunikationsexperten ganz neue Chancen ergeben.

Das Informationsangebot im Netz ist heute bereits riesig und ohne Suchmaschinen und Aggregatoren eigentlich nicht mehr zu bewältigen. Für „große“ Produktionen, wie Dossiers oder ausschweifende Dokumentationen ist kein Platz mehr im schnellen Netz. Oder wann haben Sie das letzte mal spontan ein zwanzigminütiges Video angeschaut? Sechs Sekunden hingegen, fallen nicht so sehr ins Gewicht. Die eigene Aufmerksamkeit wird sympathischerweise nur für eine extrem kurze Zeit beansprucht.

Im Umkehrschluss bedeutet das natürlich auch, ein Besinnen auf das Wesentliche. In sechs Sekunden ist kein Platz für Hintergrundinformationen oder Details, sondern nur für eine einzige Botschaft. Wer seine Inhalte erfolgreich verbreiten will, wird nicht umhin kommen sich auf den alten, journalistischen „Küchenzuruf“ zu besinnen.

In der Praxis könnte Vine beispielsweise dem klassischen Pressetext zu mehr Beachtung verhelfen. Pressemitteilungen werden ohnehin nicht gern gelesen oder nur überflogen. Texte, die in den ersten Sekunden nicht überzeugen, wandern in den Papierkorb. Hier könnte ein sechs sekündiges Video, welches die Kernbotschaft auf kreative Art und Weise verarbeitet, die Reichweite der eigenen Inhalte stark erhöhen. Wer mehr zu konkreten und praxistauglichen Anwendungen für Vine erfahren möchte und des Englischen mächtig ist, wird auf PR Newswire fündig.

Aller Anfang ist schwer

Unterdessen kämpft Vine bereits mit unsachgemäßer Handhabung: Bereits in der ersten Woche etablierten sich zahlreiche Hashtags unter denen Nutzer nicht-jugendfreies Material veröffentlichten. Die Nutzungsrichtlinien verbieten anstößiges oder pornographisches Material nicht per se. Zwar besteht die Möglichkeit entsprechenden Content zu melden, doch eine Löschung bzw. Sperrung erfolge erst, wenn die Beschwerden zahlreicher werden.

Ob sich hinter der Verbreitung von pornographischem Material über Vine mehr versteckt, als Schabernack einiger ungestümer Trolle, ist schwer zu sagen. Umso mehr hat Vine jedoch von seinem derzeit einzigen offiziellen Partner Apple zu befürchten.

Der Konzern hatte in der Vergangenheit seine Richtlinien im hauseigenen App-Store immer wieder verdeutlicht. Apps, die Nutzern das Teilen oder den Zugang zu nicht-jugendfreien Inhalten ermöglichen, wurden vom Marktplatz verbannt. Twitter und Vine müssen hier strategisches Kalkül beweisen: Ein Verbot der entsprechenden Inhalte wäre nur mit rigorosem Monitoring zu bewältigen – eine sehr kostspielige Angelegenheit für den Videodienst. Die Verbannung der App vom iOS-Store könnte Vine, welches sich noch immer in den Kinderschuhen befindet, jedoch empfindlich treffen.

Cat-Content ist nicht alles

Apple ist aber nicht Vines einziges Problem. Der Videodienst ist derzeit alles andere als ausgereift. Eine Umsetzung für Android und andere mobile Betriebssysteme steht noch aus. Auch Facebook unterstützt den Dienst bisher nicht und bis tatsächlich die ersten professionellen Veröffentlichungen mit Vine vom Stapel laufen, wird es wohl auch noch eine Weile dauern.

Es liegt also zunächst an den Nutzern selbst, das Potential von Vine zu erkunden. Möglicherweise könnten sich sechs Sekunden als zu kurz herausstellen, um kernige Botschaften zu transportieren. Auf der anderen Seite wäre es auch denkbar, dass Vine unseren Umgang im Social Web auf eine ähnliche Weise verändert, wie Twitter selbst es getan hat. Ob Vine oder Nicht-Vine, lässt sich momentan nicht eindeutig sagen. Fakt ist jedoch, dass der Videodienst das Zeug dazu hat, mehr zu sein als eine Schleuder für Cat-Content.

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