Der Trend zum Social Media Newsroom

Ein Großteil der Unternehmen setzt mittlerweile auf Onlinekommunikation und versucht ihre Stakeholder über Social Media zu erreichen. Aus diesem Grund bauen viele Unternehmen aktuell einen Social Media Newsroom auf, in dem alle Medien integriert werden. Vorteil: sämtliche Nachrichten und Informationen sind mit einem Klick direkt einseh- und aufrufbar. So hat Google zum Beispiel seine Quartalsergebnisse über ein kurzes Statement mit Link zur Homepage bekannt gegeben und auf eine klassische Pressemitteilung verzichtet (was bei Reuters nicht wirklich gut ankam).

Doch was steckt hinter dem neu aufkommenden Phänomen Social Media Newsroom?

(mehr …)

zu den Kommentaren

Auf ein Blähwort: Die Nichtkunst der Pressemitteilung

Schreiben ist ein Handwerk. Wie Schreinern, Mauern, Autos reparieren oder Königskobras züchten. Man kann es auch als Kunstform ausüben, aber dazu sollte man geboren oder zumindest berufen sein. Das sind die wenigsten. Ein Handwerk also. Das gilt in der Regel für Journalisten, so gut wie immer für die Verfasser von Pressemitteilungen. Und wie jedes Handwerk kann man es erlernen. Es existieren einige grundsolide Regeln, an die man sich halten sollte, und schon kann man für sich in Anspruch nehmen, ein PR-Schreiberling mindestens mittelmäßigen Zuschnitts zu sein.

Diese Regeln sind nicht wirklich kompliziert: Vermeide unnötige Fremdwörter, bilde möglichst kurze, leicht verständliche Sätze, hüte dich vor nichtssagendem Geschwafel, lasse selbstlobhudelnde Phrasen á la „Eine bessere Butter werden sie nie auf dem Brötchen haben“ (Beispiel) links liegen und mache einen großen Bogen um Blähwörter.

Ah, Blähwörter. Sie machen mit einem Satz, was ein halbes Kilo Bohneneintopf mit den Eingeweiden anstellt. Daher der unschmeichelhafte Name. Diese Bläh- oder auch Füllwörter kann man in Büchern nachschlagen. Ambitionierte Schreibpädagogen haben sich die Mühe gemacht, diese Sprachböhnchen zu langen Listen zusammenzufassen und sie meist im Mittelteil einschlägiger (Fach-)Bücher in die Welt hinauszusenden. Manchmal alphabetische geordnet, manchmal nach Kategorien.

Sehen wir uns so eine Liste mal genauer an. Da hätten wir zum Beispiel „zweifelsohne“. Sicher ein schönes Wort, aber offensichtlich ein überflüssiges. Ups! Ich darf wohl nicht verschweigen, dass „sicher“ und „offensichtlich“ ebenfalls auf der Liste stehen, die ich gerade vor mir habe. Nur ein paar Zeilen über „zweifelsohne“. Ach herrje, „wohl“ steht auch drauf. Und „auch“ auch.

Das kann nur bedeuten, dass mein Schreibstil trotz einiger Übung und ehrlichem Bemühen noch viel zu blumig und aufgedunsen ist. Das ist dumm, vor allem für den armen Redakteur, der mein Gequaddel lesen und möglichst vollständig verwerten soll. Und mich selbst betrübt es sehr. Verflucht, „selbst“ und „sehr“ hätte ich laut Liste auch nicht verwenden dürfen. Und „auch“ natürlich auch wieder nicht. Ebensowenig wie „wieder“. Sie verstehen schon. So langsam erscheint mir diese Verbotsliste grotesk. Gerne würde ich widersprechen. Würde gerne etwas einwenden wie: „Aber es kann doch nicht sein, dass man so viele Wörter nicht verwenden darf!“ Aber „aber“ steht auf der Liste.

zu den Kommentaren

Pressemitteilungen: Es gibt keinen Königsweg

„Fast die Hälfte der Pressemitteilungen, die die befragten Journalisten erhalten, ist für sie vor
dem Hintergrund ihres Ressorts bzw. ihrer thematischen Spezialisierung grundsätzlich irrelevant“, heißt es in dem Ergebnis des ersten Mediakompass‘ von convento und w.komm. Zwar basieren 42 Prozent aller tagesaktuellen Meldungen auf Pressemitteilungen und anderen Pressematerialen, doch vor allem die Journalisten aus dem TV/HF-Bereich beklagen die wenig gezielte Zusendung von Mitteilungen.

Unterschiede in der Nutzung der PR-Materialien zeigen sich in den verschiedenen Mediengattungen: Journalisten der Wochenmagazine und Special-Interest-Blätter greifen häufiger auf PR-Material zurück, als die Kollegen der Tageszeitung. Hier spielen die klassischen Nachrichtenagenturmeldungen eine deutlich größere Rolle als in den anderen Medien.

Richtig interessant wird es bei dem Ergebnis zur Frage, was für Journalisten der Auslöser ist, sich intensiver mit einem Thema auseinander zusetzen. Die Antwort ist eindeutig: Persönliche Erlebnisse und Erfahrungen stehen mit 80 Prozent an erster Stelle. Danach folgen die tagesaktuellen Top-Ereignisse und Pressemitteilungen.

Die oftmals umstrittene Frage (und auch bei uns in der Textwerkstatt häufig diskutiert), wie Journalisten gerne die Texte erhalten wollen – direkt in einer E-Mail oder als Word-Anhang – bekommt dank der Umfrage eine Antwort. Hier hilft ebenfalls der Blick in die verschiedenen Mediengattungen: Journalisten aus Tageszeitungen bevorzugen mit 90 Prozent den gesamten Text direkt in der Email, jeder zweite von ihnen möchte zudem die Pressemitteilung als Word-Dokument. Bei den Kollegen der Fachzeitung ist es umgekehrt: 80 Prozent bevorzugen den Word-Anhang und die Hälfte wünscht die Mitteilung direkt in der Email.

Diese und weitere Erkenntnisse des ersten Mediakompass‘ lassen hoffen, dass es bei dem angekündigten halbjährlichen Turnus der Umfrage, auch in Zukunft weitere Aufschlüsse über das Arbeitsumfeld und das Verhältnis von Journalisten und PR-Verantwortlichen gibt. Der Königsweg im Umgang miteinander wird wohl vorerst weiterhin von Branche und Mediengattung abhängig sein, doch je mehr man über seinen Gegenüber und dessen Arbeitweisen erfährt, je besser wird das Verhältnis werden.

Die ausführlichen Ergebnisse der Umfrage (öffnet als .pdf):
Summary Mediakompass

zu den Kommentaren

Netzausfall bei T-Mobile-Panne und die anderen lachten

„Aufgrund einer technischen Störung steht Ihnen das T-Mobile-Netz zurzeit nicht zur Verfügung“, konnte man am vergangenen Dienstag irgendwann zwischen 16 und 17 Uhr auf der Internetseite der Deutschen Telekom lesen. Freunde, Verwandte und Kollegen, die versuchten einen der knapp 40 Millionen T-Mobile Kunden zu erreichen, hörten nur das Besetzt-Zeichen. „Anruf abgelehnt“ hieß es, für mindestens drei Stunden! Erst ab ca. 21 Uhr lief alles wieder wie gewohnt.

Was war passiert? Der technische Supergau war passiert: Ein bundesweiter Ausfall im T-Mobile Mobilfunknetz. Laut einer Pressemitteilung sei das Ganze durch einen Fehler in der Software bedingt gewesen, wie die Deutsche Telekom in einer Pressemeldung am Dienstag abend erklärte.

„Wir bedauern diesen Vorfall und möchten uns bei unseren Kunden für die entstandenen Unannehmlichkeiten entschuldigen“, hieß es dort von Günther Ottendorfer, Geschäftsführer Technik von T-Mobile Deutschland.

Mehr gab es erstmal nicht! Am 22.04.2009 kündigte die Telekom dann weiter an:

„Als Geste können unsere Kunden am kommenden Sonntag, den 26. April, umsonst Standard-SMS im Inland in alle Netze verschicken“, so Georg Pölzl, Sprecher der Geschäftsführung von T-Mobile Deutschland.

Im Folgenden finden Sie zwei Beispiele, die zeigen zu welch genialen Werbeideen ein solcher Netzausfall auch führen kann:

E-Plus erstellte sofort die Google-Adwordsanzeige: „Mit E-Plus keine Netzausfälle“, welche beim Suchwort “Netzausfall” bei Google.de zu lesen war.

Der Privatsender HitRadio FFH bot seinen Hörern an, wichtige Nachrichten an Bekannte einfach über den Radiosender weiterzugeben.

Mein Fazit: Sehr gelungen, nur schade ist, dass der Telekom nichts besseres eingefallen ist, als beim größten Netzwerkausfall, den es bisher überhaupt in Deutschland gab, irgendwann zwischen 16 und 17 Uhr eine leicht zu übersehende Meldung auf ihrer Startseite zu schalten.

zu den Kommentaren