Agiles Marketing – Trendthema oder eine umsetzbare Methode für Unternehmen?

„Es gibt immer mehr Kanäle. Immer mehr Tools. Immer mehr Daten. Das ist mit den bisherigen Funktional-Strukturen oftmals nicht mehr zu stemmen. Es geht heute im Marketing wie im Mannschaftssport um crossfunktionales Teamwork. Die Mitspieler wechseln ihre Rollen, man versucht ständig die Stärken, das Know-how, die Erfahrungen der verschiedenen Teamkollegen unterschiedlich einzusetzen.“
Ralf Strauß, Präsident des Deutschen Marketing Verbands

 

Unser Leben wird immer schneller. 24 Stunden am Tag reichen schon lange nicht mehr aus, um die To-do-Liste abzuarbeiten. In Zeiten von Globalisierung und Medialisierung ist Veränderung unser täglicher Begleiter, der uns durch das World Wide Web verfolgt und uns zu schnelleren und flexibleren Reaktionen zwingt.

Mit diesen veränderten Voraussetzungen haben auch Unternehmen zu kämpfen. Die Herausforderungen im Marketing haben sich in den letzten 20 Jahren deutlich verändert. Dadurch wird ein Thema immer mehr zum Trend: agiles Marketing! Handelt es sich hierbei nur um ein neues Buzzword oder einer Möglichkeit für den zukünftigen Erfolg?

 

Von Anfang an: Was ist agiles Marketing?

Die Vorgehensweise des agilen Marketings leitet sich von einer bereits bekannten Methode des Projektmanagements, der Scrum-Methode, ab. Sie baut darauf auf, dass schnelle und wiederholende Vorgänge dazu führen, dass Fehler schneller bemerkt werden und somit direkt auf Änderungen reagiert werden kann. Scrum beruht auf der Erfahrung, dass das angestrebte Endergebnis des Projektes zu komplex ist, als dass es im Vorfeld vollständig in einem Plan beschrieben werden kann. Viele Anforderungen und der Lösungsweg sind zu Beginn noch unklar. Deshalb liefert man das Endergebnis in mehreren Teilergebnissen ab. Diese Teilergebnisse können genutzt werden, um zu kontrollieren, ob das Vorgehen und das bisher umgesetzte Produkt den Anforderungen entspricht. Man arbeitet kontinuierlich an der Optimierung, um das bestmögliche Endergebnis zu erhalten.

Agile Methoden und Vorgehensweisen sind dafür da, Veränderungen zu unterstützen und langsame Planung zu unterbinden. Lange Kommunikationswege und übermäßig Bürokratie sollen hierbei verhindert werden. Durch diese offenen und flexiblen Methoden unterscheidet sich das agile Marketing vom klassischen Marketing. Es wird schneller, effizienter und zielgerichteter auf sich verändernde Kundenbedürfnisse und Märkte eingegangen.

 

Die 7 Leitlinien des agilen Marketings

Die Umstrukturierung vom klassischen Marketing zu agilem Marketing gelingt nicht nur mit der Veränderung von Abläufen und Unternehmensstrukturen, sondern benötigt auch Veränderungen im Denken und Handeln der Mitarbeiter.

Um die damit verbundenen Veränderungen greifbar zu machen, erarbeitete 2012 eine Gruppe von Marketingexperten das „Agile Marketing Manifesto“. Darin enthalten sind 7 Grundwerte, die das agile Gedankengut und die Prinzipien des agilen Vorgehens wiederspiegeln.

Agiles Marketing Manifesto
Agiles Marketing Manifesto

Validiertes Lernen

Grundlage dieses Lernens ist der Fortschrittprozess. Durch das Ausprobieren einer Idee und die anschließende Auswertung der Messergebnisse wird die Wirkung validiert. Der Ablauf von Umsetzen, Messen und Lernen wird als Kreislauf-Modell bezeichnet und ist kennzeichnend für das agile Marketing. Strategien und Maßnahmen werden in kurzen, regelmäßigen Zeitabständen ausgerollt. Diese Methode ermöglicht ein schnelles Feedback.

Kundenfokussierte Zusammenarbeit
„Der Kunde ist König“- Der Kunde muss in den Prozess einbezogen werden. Das Vorgehen im Team muss den Kunden zu jedem Zeitpunkt im Fokus haben und auch bei Entscheidungen sollte die Zielgruppe nicht aus den Augen gelassen werden.

Iterative Kampagnen
Wie oben bereits erklärt, ist agiles Marketing ein Kreislauf-Modell. Im Gegensatz zu konventionellen Marketingvorgehen basiert das agile Marketing auf einem nicht-linearen-Ansatz. Es werden kleine Strategien umgesetzt, um so schnell den Erfolg oder Misserfolg einer Kampagne testen zu können. Im Anschluss wird das Vorgehen mit den angepassten Veränderungen wiederholt. Dies geschieht bis zur optimalen Zielerreichung.

Prozess der Kundenerkenntnis
Man sollte versuchen, den Kunden zu verstehen. Marketingmaßnahmen stehen und fallen durch die Meinung und das Empfinden des Kunden. Deshalb ist es wichtig, dass der eigene Kunde sehr genau gekannt und analysiert wird. Neue Erkenntnisse und Daten über die Kunden müssen stetig in die Arbeit einfließen und es dürfen nicht vor Beginn nur statische Annahmen getroffen werden.

Flexible Planungen
Die Planung ist beim agilen Marketing das A und O. Wichtig ist hierbei, dass Freiräume gelassen werden, den Plan jederzeit an unvorhergesehene Gegebenheiten anzupassen und somit flexibel zu bleiben. Jeder Plan muss einen Spielraum für verschiedene Szenarien und kontinuierliche Anpassung gewährleisten.

Auf Veränderungen reagieren
Auf Veränderung zu reagieren ist wichtiger, als einem Plan zu folgen. Die Freiräume in der Planung geben die Möglichkeit, auf Veränderungen zu reagieren. Dies sollte definitiv genutzt werden, um langfristig konkurrenzfähig zu bleiben. Auch wenn es bedeutet, dass die komplette Planung neu überdacht werden muss.

Viele kleine Experimente
Viele kleine Experimente beinhalten ein kleineres Risiko, als die Durchführung eines großen Tests. Verzeichnet ein kleines Experiment einen Erfolg oder Misserfolg, können frühzeitig Verbesserungsideen ausgearbeitet werden.

 

Wie wird eine Marketingabteilung agil?

Auf dem Content Strategie Camp 2017 haben wir uns innerhalb einer offenen Diskussionsrunde mit der Frage beschäftigt, wozu agiles Marketing genutzt und in die Unternehmensstruktur eingebaut werden kann. Heiko Stapf (@criamon), zertifizierter Scrum-Trainer und Experte im agilen Produktmanagement, hat Einblicke gegeben, wie die Einführung des agilen Marketings bei seinem aktuellen Arbeitgeber abgelaufen ist.

1. Das Team

Das Scrum-Team besteht aus fünf bis zehn Personen. Die einzelnen Scrum-Mitglieder kommen aus unterschiedlichen und für das Projekt relevanten Themenbereichen, um eine schnelle und reibungslose Kommunikation zwischen verschiedenen Abteilungen zu gewährleisten. Das Scrum-Team besitzt zudem ein Scrum-Master und einen Product-Owner. Der Scrum-Master hat den Erfolg des Scrums im Fokus und fungiert als Moderator. Er leitet die täglichen Meetings und kümmert sich um die Einhaltung der von ihm aufgestellten Regeln. Der Product Owner hat den Erfolg des Projektes als Hauptaugenmerk und den damit verbundenen bestmöglichen Nutzen für das Unternehmen und kommuniziert mit den Stakeholdern.

2. Der Ablauf

Wichtiger Bestandteil beim Ablauf des agilen Marketings sind die Sprints. Ein Sprint dauert in der Regel zwei bis vier Wochen. Die Sprints dienen als Teilprojektabschnitt. Zu Beginn eines jeden Sprints findet die Sprint-Planung statt. Dabei wird bestimmt, welche Aufgaben im folgenden Sprint zeitlich umgesetzt werden können und wie die Durchführung dazu aussehen soll. Die einzelnen Aufgaben werden im Sprint-Backlog notiert. Grundlage für das Sprint-Backlog sind die User Stories. Diese helfen, die Aufgaben aus der Kundensicht zu betrachten und anschließend die Aufgabe mit dem größten Nutzen und der höchsten Priorisierung festzulegen. Um den Stand der Umsetzung regelmäßig zu verfolgen, werden täglich kurze Treffen (Daily Scrum) abgehalten. Sie dauern in der Regel nicht länger als 15 Minuten und finden immer zu einem festen Zeitpunkt statt. Nach Ende des Sprints werden die Ergebnisse in sogenannten Sprint-Reviews bewertet. So können schon nach kurzer Zeit Probleme und Hindernisse erkannt und frühzeitig entgegengewirkt werden. Das Sprint-Review fungiert als eine Art „lessons learned“ und hilft dabei die zukünftigen Sprints noch effizienter zu gestalten.

3. Der Impuls

Um bei der Umstrukturierung vom klassischen zum agilen Marketing nicht an hierarchischen Strukturen und veränderungsunwilligen Mitarbeitern zu scheitern, muss ein Impuls „von oben“ kommen. Die Unterstützung des Standortleiters oder anderen Vorgesetzten ist wichtig, um die Maßnahme vor den einzelnen Abteilungen zu rechtfertigen. Es werden eventuell einzelne Mitarbeiter täglich benötigt, deren Arbeitszeit ungerne zweckentfremdet wird. Um agiles Marketing dem Vorgesetzten als attraktive Idee zu präsentieren, bieten sich ein häufiges und unterbewusstes Erwähnen des Projektes im gemeinsamen Gespräch an. Ebenso die Aufzeichnung von Vorteilen, Kosteneinsparungsmöglichkeiten und die schnellere Umsetzung von Projekten mit höherer Erfolgsquote, reicht oft für die Einleitung eines Pilotenprojektes aus. Da für jeden Sprint klare KPIs festgelegt werden und schnell Rückschlüsse auf den Erfolg des Projektes gezogen werden können, dient dies ebenso als nachweisbarer Indikator für den Erfolg des Projektes. Anhand der Erfolgsindikatoren ist die Verhandlungsbasis für die Einführung von agilem Marketing um einiges vereinfacht.

 

Alle guten Dinge sind – agil?

Der Arbeitsprozess beim agilen Marketing ist sehr flexibel und lässt sich schnell an veränderte Gegebenheiten anpassen. Damit ergeben sich unzählige Möglichkeiten, um auf die Bedürfnisse des Kunden in kurzer Zeit zu reagieren. Auch im Hinblick auf das Budget können Kosteneinsparungen erzielt werden. Agiles Marketing alleine kann aber keinen nachhaltigen Erfolg versprechen. Eine professionelle Marketingstrategie und agiles Marketing als fester Bestandteil im Marketing Mix und der Unternehmenskultur sollten der Weg zum Erfolg sein. Als große Sparte des Marketings kann auch das digitale Marketing von den Vorteilen der agilen Methode profitieren. Grund dafür ist die rapide Veränderung im Online-Marketing, die ein schnelles Agieren erfordert. Mehrere kleine Unterprojekte sind sinnvoller, als die Ausarbeitung eines umfangreichen Online-Marketing-Plans. Wenn dabei noch die Vorteile von klassischen und digitalen Marketing geschickt miteinander verzahnt werden, hat man verstanden, dass es sich um eine notwendige Entwicklung handelt, die der Zielgruppe gerecht werden kann.

Agiles Marketing erfordert allerdings auch moderne Strukturen und eine Unternehmenskultur, die offen und flexibel ist.

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Personalisierter Content (und woher er kommt)

Die Zeiten, in denen Content für jeden gleich aussah sind schon lange vorbei. Personalisierte Inhalte sind auf dem Vormarsch und aus vielen Online-Angeboten nicht mehr wegzudenken.

Aber wie funktioniert das?

Zuerst einmal sollte sich jeder, der beim Browsen keine Anonymisierung verwendet (Proxys, Private Modus des Browsers etc.) bewusst sein, dass er auch personalisierte Inhalte angezeigt bekommt. Ob er nun will, oder nicht. Kann man sich dagegen wehren? Ja. Aber dazu später mehr.

Am einfachsten lässt sich Personalisierung am Beispiel von Amazon erklären. Jeder der das Onlineshopping-Portal schon einmal benutzt hat weiß, dass die Startseite nach jeder Suche anders aussieht. Der Grund dafür liegt auf der Hand – Amazon versucht, sich unseren Interessen anzupassen und somit schneller Kaufanreize zu schaffen. Unsere vergangenen Suchanfragen sind mit unserem Nutzerkonto verknüpft und so fällt es Amazon leicht, Muster und Präferenzen zu erkennen. Trotzdem funktioniert diese Anpassung auch, wenn wir gar nicht eingeloggt sind. Wie das?

Kekse! Kekse überall!

Kekse? Ja, Kekse. Cookies um genau zu sein. Cookies sind kleine Textdateien, die Webseiten in unserem Browser speichern und auch wieder abrufen können. Sie enthalten unter anderem Informationen über zuvor besuchte Seiten, Sprache, Standort, Interessen etc..

Viele Websitebetreiber machen sich Cookies zunutze, indem sie ihr Angebot entsprechend der gespeicherten Informationen anpassen. Für viele mag sich das überraschend, oder sogar erschreckend anhören, doch ohne Cookies, würde im Internet so einiges komplizierter werden. Beispielsweise sind sie notwendig, um Nutzer beim Login zu authentifizieren (durch sog. Session-IDs)

Wer sich genauer über die Funktionsweise von Cookies informieren möchte, kann das hier tun.

Amazon Cookies
Mit Google Chrome lassen sich gespeicherte Cookies ganz einfach anzeigen: F12 drücken, auf den Menüpunkt „Applications“ navigieren und links auf „Cookies“ klicken

Der gläserne Nutzer?

Die Personalisierung von Content ist inzwischen so weit fortgeschritten, dass Onlineportale detaillierte Verhaltensmuster über ihre User erstellen und auswerten können. Hier ein Beispiel:

Ich bestelle über Amazon üblicherweise Technikprodukte, wie PC-Komponenten. Dementsprechend sieht auch meine persönliche Startseite aus:

Personalisierte Amazon Startseite
Personalisierte Amazon Startseite

Anfang jedes Jahres hat meine Mutter Geburtstag. Von mir bekommt sie unter Anderem immer eine neue CD von Künstlern, die ihr gefallen könnten. Logischerweise werden diese ebenfalls über Amazon geordert, wer fährt denn auch heute noch zu Media Markt, um sich eine CD zu kaufen?

Die Webanalyse-Abteilung bei Amazon sieht das und zieht Ihre eigenen Schlüsse aus diesem Verhalten. Grob herunter gebrochen könnte das ungefähr so aussehen:

 

Nutzer ist Technik-Fan -> Wir zeigen ihm Produkte, die in diese Kategorie fallen

Einmal im Jahr (immer im Januar) bestellt Nutzer eine CD mit ruhiger Gitarrenmusik -> Auffälliges verhalten, das vom üblichen Schema abweicht

Interpretation: Jedes Jahr im Januar ist ein wiederkehrendes Event an dem Nutzer eine andere Produktkategorie verwendet

Reaktion: Jeden Januar werfen wir ihm CDs mit ruhiger Gitarrenmusik auf die Startseite, damit er auch nicht vergisst bei uns zu bestellen

 

Und plötzlich darf ich mir jeden Januar folgendes Ansehen:

Personalisierte Amazon Startseite
Personalisierte Amazon Startseite

Maschinen steuern unsere Customer Journey

Das obige Beispiel ist an Komplexität kaum zu unterbieten und dient nur zur Veranschaulichung. Der aktuelle Stand der Personalisierung ist aber schon viel weiter.
Beispielsweise versucht Google derzeit mit Hilfe von künstlicher Intelligenz, Werbeanzeigen immer mehr auf den individuellen User abzustimmen.

Aber wollen wir das? Sollen zukünftig nur noch Algorithmen darüber entscheiden, welche Produkte wir auf Amazon angezeigt bekommen? Und wie viele Informationen will ich überhaupt über mich preisgeben? All diese Fragen muss jeder für sich selbst beantworten, es gibt sowohl Vor- als auch Nachteile durch diese Entwicklung. Für diejenigen, die sich von diesem Trend eher abwenden wollen, gibt es aber diverse Möglichkeiten, Tracking und Personalisierung zu verhindern.

Beispielsweise bietet jeder Browser einen Privaten Modus (Chrome: Inkognito-Modus, Firefox: Privater Modus, Safari: Privates Surfen). Dieser verhindert unter anderem, dass Cookies von Webseiten dauerhaft im eigenen Browser gespeichert werden. Zusätzlich bieten alle modernen Browser die Möglichkeit, sogenannter „Do-Not-Track-Anforderungen“ (DNT)  zu senden. Diese verhindern, dass Persönliche Daten zur Erstellung von Benutzerprofilen gespeichert werden. Diese bieten jedoch leider keine 100%ige Sicherheit, da viele Websitebetreiber DNTs nicht mehr akzeptieren.

Wem das noch nicht reicht, kann zusätzlich durch die Verwendung von einem (oder mehreren) Proxyserver(n) seine Identität und seinen Standort verschleiern. Was das ist und wie das funktioniert, lässt sich hier nachlesen.

 

 

Quellen:

Slideshare Ferdinand V. Seggern Im Rahmen des #cosca17 (23.06.2017)

„Personalisierung in Online-Shops – was bringt es und wann funktioniert es?“ – Novalent Magazin (09.06.2015)

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Fünf Tricks zur Erkennung von Verhaltensmanipulation

Als Mensch wird man jeden Tag aufs Neue unterbewusst manipuliert. Angefangen im Supermarkt, der mit einer Wohlfühlatmosphäre lockt, um Kunden zum Kauf zu animieren.  Günstigere Produkte stehen unten im Regal, teurere dagegen auf Augenhöhe, weil der Blick dort zuerst hinfällt. An der Kasse, der „Quengelzone“ stehen dann genau die Produkte, die man eigentlich nicht braucht, aber unbedingt haben möchte. Natürlich fallen die beim Warten immer besonders ins Auge.

 

Google Werbeanzeigen für Schuhe

 

Psychologische Tricks zur Verkaufsförderung werden aber nicht nur im Supermarkt angewendet. Webseiten wenden diese Phänomene auch an. Google zeigt seine Ads beispielsweise ganz oben in den Suchergebnissen an, weil darauf der Blick der Nutzer als Erstes fällt. Aber auch andere Seiten nutzen Tricks, um das Nutzerverhalten zu beeinflussen. Ferdinand von Seggern stellte beim Content Strategy Camp fünf dieser psychologischen Kniffe zur User Manipulation vor:

 

  1. Endowment Effekt – Anreize schaffen:

    Netflix, Amazon oder Spotify nutzen dieses Phänomen besonders gerne. Sie bieten einen gratis Probemonat oder besonders günstige Angebote an, um ihre Kunden auf sich aufmerksam zu machen. Ist der Anreiz erst einmal da, möchten viele Neukunden den Dienst nicht mehr aufgeben und willigen ein auch höhere Summen dafür zu bezahlen. Psychologisch gesehen liegt es daran: Besitze ich etwas, ist der gefühlte Wert der Sache höher. Das heißt ich sehe die Sache als wertvoller an, als sie tatsächlich ist. Marketer nutzen den Endowment-Effekt und schicken Warenproben oder bieten Probeabos an. Es reicht aus, dass mir z.B. ein Kleidungsstück einfach nur zugeschickt wird. Ich probiere es an, betrachte es im Spiegel und baue so eine Bindung auf und möchte es behalten. Dafür nehmen Nutzer sogar eine deutliche Preissteigerung in Kauf.

     

  2. Vorsprung durch Investitionen:

    Nutzer, die am Anfang eine Investition getätigt haben, bekommen einen Vorsprung. Viele Spieleapps wie Farmville sind so erfolgreich geworden. Ich kann mir zu Beginn des Spiels durch Geld einen Vorteil gegenüber anderen Spielern verschaffen, indem ich mir zum Beispiel ein besseres Gartengerät leiste. Bietet das Spiel dann zu einem späteren Zeitpunkt ein kostenloses Gerät mit mehr Vorteilen an, bleiben trotzdem viele Spieler bei ihrem alten. Denn sie haben für ihr Werkzeug vorher Geld ausgegeben, also haben etwas investiert.
    Dieses Prinzip wird auch bei vielen Treuekarten genutzt, funktioniert also auch “ohne Geld”. Wenn ich schon vier Getränke im selben Laden gekauft habe, möchte ich auch das fünfte, um ein Freigetränk zu erhalten. Habe ich einmal mit einer Aktion angefangen, dann möchte ich sie auch für mich nutzen und einen Vorteil daraus ziehen.

     

  3. Appointment Dynamic:

    Nutzer erstellen sich zu einem Zeitpunkt einen Account auf einer Plattform. Wenn sie kontinuierliche Vorteile davon haben, kommen sie wieder. Das „Payback-Prinzip“ gibt es schon seit Jahren. Ich melde mich einmal an und bekomme immer wieder Rabatte dafür. Spotify hat  dieses Phänomen auch ins Internet übertragen. Nach der Anmeldung kann man kostenlos und unbegrenzt Songs hören. Anders würde es aussehen, wenn man nur eine begrenzte Anzahl von Liedern hören könnte und  dafür bezahlen müsste: Ohne Appointment Dynamic wäre Spotify niemals so erfolgreich geworden.

     

  4. Cognitive Load Theory:

    Der mentale Aufwand für eine Sache muss so gering wie möglich sein. Denn es gibt viele Nutzer, die schnell ein bestimmtes Ziel erreichen wollen. Die Theorie erklärt sich eigentlich von selbst. Je weniger Schritte ich zum Beispiel bei einem Anmeldeprozess brauche, desto größer wird die Conversionrate sein.
    Dieses Phänomen ist mir selbst vor wenigen Wochen begegnet. Auf einer Immobilienseite hätte ich mich erst anmelden müssen und hätte zusätzlich sehr viele Daten preisgeben müssen. Auf einer anderen Seite hatte ich die Möglichkeit dem Anbieter ohne Anmeldung eine Nachricht zu schreiben. Auch wenn die andere Variante eventuell sicherer ist, habe ich mich für die schnellere der beiden entschieden und dort eine Anfrage verschickt. Das Ziel der Cognitive Load Theory laut von Seggern: „Komplexe Systeme einfach nutzbar machen.“

     

  5. Processing Fluency:

    Hierbei geht es darum, dass einfache Informationen besser verarbeitet werden können und eher im Gedächtnis bleiben. Ist eine Seite zu kompliziert aufgebaut und enthält zu viele Informationen auf einmal, verarbeitet der User die Informationen langsamer und springt schneller ab. Entscheidend dabei ist auch das Design einer Webseite.

     Unübersichtliche Startseite von Otto.deDie Seite von Sieh mich an ist übersichtlicher im Design

     

    Bei diesen zwei Beispielen sieht man einen schönen Unterschied. Bei Otto findet man sich erst nach ein paar Minuten auf der Seite zurecht. Die Seite von Sieh an ist dagegen übersichtlicher mit weniger zu verarbeitenden Informationen gestaltet.

    Ein guter Tipp ist zum Beispiel bei einem Bestellprozess immer anzuzeigen, wie viele Schritte der Nutzer noch vor sich hat und wo er sich gerade befindet. So weiß dieser auf was er sich einlässt.

 

Marketer nutzen diese Phänomene gerne für sich um User für ihre Website oder ihr Produkt zu begeistern. Durch diese Auswahl von Tricks beeinflusst man Nutzer unterbewusst. Sie bauen eine Bindung zur Webseite und dem Produkt auf. Eine engere Bindung verbessert im Endeffekt auch die Conversionrate.

 

Quellen:
https://www.slideshare.net/FerdinandvSeggern/einfhrung-in-die-user-manipulation-70136474
http://t3n.de/news/sanfte-manipulation-5-einfache-619087/
http://www.werbepsychologie-verkaufspsychologie.de/erklaerung-endowment-effekt

https://www.wuv.de/marketing/werbewirkung_einfach_ist_schwer


Bildquellen:

  1. https://www.google.de
  2. https://www.otto.de
  3. https://www.sieh-an.de
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Virtual Reality – Was Nutzer anspricht und Spezialisten wissen sollten!

Oder: Wie man 6 Dimensionen der Freiheit nutzt, um Rezipienten volle Immersion im nicht-linearen, interaktiven virtuellen Storytelling zu ermöglichen. 🤓

Virtual Reality bleibt in 2017 ein spannendes Thema. Auch die re:publica befasste sich damit. Man konnte fast zu jeder Stunde eine Diskussionsrunde, einen Vortrag oder einen Workshop zum Thema VR auf der re:publica 17 besuchen. Dazu gab es mit dem labore:tory ganze 4 Stockwerke, die speziell dem Thema der virtuellen Welten und all ihrer Spielarten gewidmet waren. Die Chance mit Fachleuten aus der Branche in Dialog zu treten oder von ihren Erfahrungen zu profitieren, konnte ich mir nicht entgehen lassen.

Aber was sind die wichtigen Fragen, die es zu diesem Themenkomplex aus der Sicht eines Kommunikationsspezialisten zu beantworten gilt? Um sich eine Entscheidungsgrundlage zu schaffen, wäre wichtig zu wissen, was der Nutzer derzeit mit VR macht und was ihn in Zukunft daran interessieren wird, wie der aktuelle Nutzer aussieht und wie man ihn begeistern kann. Und natürlich wie man VR möglicherweise für die eigenen Kommunikationsziele nutzen kann. Diesen Fragen bin ich nachgegangen und habe meine Erkenntnisse in diesem Artikel zusammengefasst.

Was ist Virtual Reality?

Einen interessanten Einstieg bildet die Frage, was eigentlich unter Virtual Reality zu verstehen ist. Wikipedia hat hierzu eine einfache und schnelle Antwort parat:

“VR ist die Darstellung und gleichzeitige Wahrnehmung einer Wirklichkeit und ihrer physikalischen Eigenschaften in einer in Echtzeit computergenerierten, interaktiven virtuellen Umgebung.”

Wenn diese simulierte Realität in Wechselwirkung mit der normalen Realität steht, wird von Augmented Reality (AR) oder Mixed Reality (MR) gesprochen.Beispielsweise bei einer Einblendung virtueller Inhalte mittels einer Brille, wie der Micrososft Hololens, in das Sichtfeld der Nutzer. Hierfür gäbe es zahllose Möglichkeiten der Anwendung. Wäre es nicht wunderbar, in einem Laden nicht mehr den Verkäufern nach jagen zu müssen, sondern auf einen virtuellen Knopfdruck alle Details eines Produkts von einem Avatar erklärt zu bekommen? Aber bleiben wir in diesem Artikel bei der vollen VR. 

Erst seit einigen Jahren lässt sich die benötigte Technik für Endkunden zu erschwinglichen Preisen erwerben. Je nach Modell und zusätzlicher Ausstattung benötigt der Nutzer ein Set aus VR-Brille (Visueller Input, auch Head-Mounted Displays, oder kurz HMD, genannt), Headset (Audio Input) und Controllern (Interaktives Eingabeinstrument). Die Kosten hierfür belaufen sich zusammen auf etwa 1.100 € (Stand Mai 2017). Andere Möglichkeiten zur Nutzung von VR sind vorhanden, aber für den Nutzer längst nicht so erschwinglich. Eine dieser Alternativen wäre zum Beispiel die CAVE. Aber bleiben wir bei der derzeit verbreitetsten Nutzungsvariante in Form der VR-Brille und eines Headsets. Ist eine entsprechend leistungsstarke Hardware, wie ein PC oder eine PS4 vorhanden, kann der Nutzer via Websites, installierter Programme oder Spiele in der VR aktiv werden.

Was macht VR besser als 2D für den Nutzer ?

Eine der wichtigsten Antworten auf diese Frage geben John Cassey (Factory 42), Stephanie Llamas (Superdata Research), Aurelien Simon (Digital Catapult) und Robert Becker (IP Deutschland). In ihrer Session erläutern sie, dass es bei diesem neuen Medium vor Allem um die Qualität der Inhalte für den Nutzer gehen wird. Dabei wird in der Session vor allem von nativen Formaten für VR gesprochen. Also Inhalte, die spezielle für das Medium VR entwickelt werden oder wurden. Stephanie Llamas nennt hier als Beispiel, dass eine VR-Story dem Nutzer freie Wahl der Perspektive und Position lassen muss. Anders könnte er auch einen Film schauen. Die VR-Umgebung bietet dem Nutzer den Vorteil, dass er sich in alle Richtungen umschauen kann.

Eine Expertenrunde zum Thema Virtual Reality
Business Model instead of Marketing Case – The Who and How of making Money with Virtual Reality

Im Unterschied zum 2D-Film müssen die einzigartigen Möglichkeiten der VR hierbei voll ausgeschöpft werden, damit ein Nutzer den Vorteil seiner Investition auch erleben kann. Stellen wir uns  einen aktuellen Film vor. Derzeit geben Kameras die Perspektive vor. Man betrachtet durch ein Fenster eine Szene in einem Haus. Bei einem Film wartet der Zuschauer die nächste Szene ab. In der VR könnte er selbst entscheiden, wann er das Haus betreten will oder sich einfach umdrehen und zum nächsten Haus gehen. Diese neue Art der Erzählung wird als nicht-lineares, interaktives Storytelling bezeichnet.  Geschichten müssen mit Blick auf diese Möglichkeiten ganz anders als für klassische Filme inszeniert werden. Nur durch so erarbeiteten und spannend gestalteten Content kann der Nutzer dafür begeistert werden, sich die entsprechende Hardware zu kaufen.

Woraus sich die Frage ableitet, was interessanten VR-Content ausmacht und wie man ihn erkennt, um ihn in der Kommunikation einzusetzen

Worauf sollte bei VR Content für Nutzer geachtet werden?

“Der wichtigste Vorteil von VR für Nutzer ist die Möglichkeit Geschichten und Dinge zu erleben, die sie in der Realität nicht erleben können”

stellt Gregoire Parain (COO bei Novelab VR Studio) fest. Laut ihm kann der Nutzer für gute Unterhaltung schon heute aus einer Vielzahl an Angeboten wählen: Ob aus den stetig wachsenden Onlineangeboten wie  Netflix, Youtube, eSports und Co. oder alternativ den klassischen Offlinemedien, wie TV, Radio und haptischen Produkten. Um den interessierten, meist medienaffinen VR-Nutzer als Zielgruppe zu erreichen, muss man sich von 2D Angeboten abgrenzen. Sie gelten als technikaffin, experimentierfreudig, anspruchsvoll und finanzstark und sind somit beispielsweise oft Micro-Influencer oder haben als Opinion-Leader hohen Wert als Zielgruppe.

Um allerdings bei dieser Angebotsmenge einen Mehrwert für diese anspruchsvollen Nutzer und damit einen kommunikativen Wettbewerbsvorteil für sein Vorhaben durch die Nutzung von VR zu erlangen, wird seiner Meinung nach ebenfalls die Qualität des Contents ausschlaggebend sein. Er bezieht sich allerdings auf einen anderen Aspekt des bereits bekannten Quality of Content. Werfen wir einen Blick auf die Elemente neben der Geschichte und dem inhaltlichen Mehrwert, wichtig sind, um Nutzer zu begeistern.

Die VR-Dreifaltigkeit – 6 Dimension der Freiheit, Immersion und Interaktion

Immersion

Beschreibt den Grad des Eintauchens in die virtuellen Welten – idealerweise  ohne Ablenkung durch die eigentliche Realität. Diesen Zustand des vollständigen Eintauchens in die virtuelle Realität, also die vollständige Immersion nennt man auch Präsenz. Jeder, der bereits aus einem spannenden Moment eines Films herausgerissen wurde und somit diesen Moment des Mitfieberns verloren hat, kann verstehen, wieso Immersion besonders wichtig ist.

Das bedeutet, die richtige Hardware vorausgesetzt: Je mehr Sinne bedient werden können, desto höher der Grad an Immersion. Wobei mindestens Augen und Ohren vollständig mit Informationen aus der virtuellen Welt versorgt werden sollten. Informationen über das Rezeptionsverhalten und wie Sinneseindrücke bei den Nutzern wirken sind hier besonders wertvoll. Nur mit diesen Erkenntnissen können die Sinne besonders immersiv bedient und eine Geschichte interessant erzählt werden. Passende  Farben, Klänge und zukünftig auch Gerüche, Temperaturen, Tastterlebnisse und Vibrationen müssen für die Vermittlung von Botschaften ausgewählt werden. Sensory Mapping nennt sich eine Forschungsmethode, mit der diese Erkenntnisse gewonnen werden können. Sie sammelt unter Anderem durch neurologische GEhirnmessungen Details zu dieser Wechselwirkung zwischen virtuell erzeugten Sinneseindrücken und den durch sie ausgelösten Emotionen. Diese Erkenntnisse werden in Zukunft bei VR und dem Thema Immersion eine wichtige Rolle spielen. Einen sehr interessanten Einblick in die Welt der multisensorischen Möglichkeiten bot Grace Boyle auf der re.publica.

 

Wer hierzu auf dem Laufenden bleiben möchte, kann @gracekboyle folgen, von der mir folgendes Statement  in Erinnerung bleiben wird:

”Getting together the informations what is conceived how by different audiences is essential for putting together an awesome message and story.”

Besonders da er nicht nur bezogen auf sensorische Informationen anwendbar ist.

6 DoF – Die 6 Dimensionen der Freiheit

Dieser Begriff beschreibt die Freiheit des Nutzers, sich in allen Ebenen der Bewegung frei zu entscheiden, wo er sein möchte.
Oben und unten werden derzeit von vielen Nutzern noch nicht stark genutzt. Im Gegensatz zu den normalen Bewegungsrichtungen vorwärts, rückwärts, rechts und links. Für die Platzierung von wichtigen Inhalten kann sich derzeit also auf diese Richtungen konzentriert werden. Für die Geschichte und im Sinne der Immersion sollten allerdings alle 6 Richtungen einbezogen werden. Dieses Alleinstellungsmerkmal der VR gegenüber anderer Medien ermöglicht es Nutzern, sich frei zu bewegen und nicht durch Einschränkungen in ihrer Bewegungsfreiheit aus ihrem Erlebnis gerissen zu werden.

Interaktion

Ja, es handelt sich um die gleiche, immer angepriesene und erstrebenswerte Interaktion, wie bei anderen Medien auch. Bei VR sind allerdings ganz neue Arten der Interaktion denkbar. Wieso ein Formular ausfüllen, wenn man sich auch mit einem voll animierten oder gerenderten Avatar eines Chatbots unterhalten kann? Oder man für die jeweiligen Interaktionsmöglichkeiten seinen Namen zur Abwechslung wirklich tanzen muss? Klingt abgedreht? Ist es auch. Aber es ist eben alles möglich.
Und gerade das sollte einem guten Kommunikationsprofi bewusst sein, wenn er sich über Interaktionen mit dem Nutzer Gedanken macht. Denkbar ist jede Art der kreativen Produktplatzierung. Man stelle sich nur vor, dass der Nutzer in den neuen Tesla einsteigt und losfährt, um zum nächsten Teil der Handlung zu gelangen und nicht dem Protagonisten dabei zuschauen muss. Oder ein Kugelschreiber, mit dem der Nutzer direkt seine Unterschrift unter einen rechtskräftigen Vertrag setzen kann.
Dabei ist besonders interessant, dass eine virtuelle Realität alle Vorteile der älteren Medien nutzen kann. Zusätzlich kann man völlig neue Wege gehen, um mit den Nutzern zu interagieren. Warum nicht bei “Schnell und Aufgebracht 25 VR” (Ein imaginärer Streifen über Autos) einfach auf Pause drücken und beim Autohändler virtuell ein Auto kaufen? Ein Shop-in-Entertainment-Paket vielleicht?
Solche Ideen hätte ich mir von IP Deutschlands Vertreter Robert Becker gewünscht, der auf die Frage nach Ideen für Platzierungsformate darauf hingewiesen hat, dass die Technik noch jung sei und man noch nicht viel Erfahrung habe.
Es gilt bei Interaktion: Je intuitiver für den Nutzer, desto besser. Zumindest bei der Absicht mit ihm in Kontakt treten zu wollen. Da es auch hierbei interessant ist den Grad an Immersion möglichst hoch zu halten, sollte man sich wie immer am Nutzer orientieren und ihm aus seiner Perspektive heraus die Wahl geben, selbst zu entscheiden, was er machen möchte.

Behält man also die VR-Dreifaltigkeit und das nicht-lineare Storytelling im Blick, hat man das nötige Grundwissen, um VR-Formate und Content beispielsweise für die eigene Marke, die Botschaft des Kunden oder das neue Produkt zu untersuchen und die Nützlichkeit für die Kommunikationsziele zu beurteilen.

Ein komplexes und interessantes Thema. Und dabei haben wir die Produktion von VR-Inhalten noch gar nicht angeschnitten.

OK…. wie kreiere ich meine eigene Welt?

Aber das können wir ja kurz nachholen. Zwei Branchen produzieren derzeit mit unterschiedlichen Vor- und Nachteilen VR Inhalte. Die klassische videoproduzierende Industrie und die Game Studios. Also entweder eine aufgezeichnete Version der Wirklichkeit oder die komplett kreierte 3D-Welt erschaffen in einer Game-Engine.

Je nach Bedarf und Interesse der angestrebten Zielgruppe unter den Nutzern kann es kosteneffizienter und effektorientierter sein, einer der beiden Herangehensweisen an die Produktion den Vorzug zu geben. Hierbei sind die Cineasten wohl die derzeit günstigere Wahl. Die besten Fahrradläden, Fahrradwerkstätten und Fahrradshops in Darmstadt findet man im Internet, zum Beispiel auf der Informationsseite zum Thema Fahrrad fahren in Darmstadt. Die Game Developer werden aber zusehends häufiger gebucht, da ihre Expertise in 3D-Umgebungen weiter vorangeschritten ist und sie große Erfahrung mit der 3D-Interaktion haben.

Mit Tools wie Tiltbrush und Gravity Sketch kann auch kostenlos und recht intuitiv eigener VR-Content erstellt werden. Allerdings braucht dies Zeit, Interesse und führt ohne einen entsprechenden Hintergrund selten zu zielorientierten Ergebnissen. Aber beide Tools eignen sich hervorragend, um ein Gespür für die Möglichkeiten der VR zu bekommen oder eine Idee zu visualisieren, die man virtuell anfassen kann.

Learn, make or buy?

Wie erwähnt sind die Preise für die benötigte Hardware seit der Entwicklung der VR stark gefallen. Auch die Anschaffungskosten für das VR-Produktionsequipment sind günstiger geworden. Trotzdem setzt sich der Preis für eine VR-Produktion weiterhin vor Allem aus den investierten Arbeitsstunden der beteiligten Spezialisten zusammen. Das macht eine pauschale Aussage fast unmöglich. Der Zeitaufwand der Produktion hängt von vielen Faktoren, wie Umfang, Detailgrad und Produktionsart ab. Aber wer eine ansprechende Qualität haben möchte, muss  Story, Immersion, 6DoF und Interaktion für den Nutzer bereit halten.

Da Know-How hierfür der entscheidende Faktor ist, sind den Kosten keine Grenzen außer Wirtschaftlichkeit gesetzt. Derzeit mag es sich lohnen, auf neue Formate der VR zu achten und bereit zu sein, wenn ein neuer Trend aufkommt. Man denke an das virtuelle Facebook wie im Beitrag unten oder ein komplett neues virtuelles soziales Netzwerk. 

Hat man allerdings eine für den Nutzer interessante Geschichte, egal ob als Spiel oder als Film, lohnt sich der Gedanke, sein Produkt oder seine Marke mittels VR oder AR in Szene zu setzen. In jedem Fall macht es Sinn, sich mit dem neuen Medium VR besser früh als spät zu beschäftigen. So kann man sicher stellen, ob ein Schritt in die virtuelle Welt Vorteile für das eigene Unternehmen oder den Kunden biete und zum passenden Zeitpunkt gezielt VR für seine Ziele nutzen und mit passenden Inhalten einsteigen kann.
Denn es gibt derzeit keinen höheren, digitalen Interaktionsgrad, als den einer guten Virtual Reality für einen begeisterten Nutzer. Und lässt das nicht jedes moderne kommunikationsorientierte Herz höher schlagen?

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Kann man schon so machen…

Quelle: truefruits.com
Quelle: truefruits.com

Pürierte Früchte aka Smoothies sind voll im Trend. Die Supermarktregale in den Obst- und Gemüseabteilungen sind voll mit den bunten Fläschchen. Dort fallen besonders die Smoothies der Marke True Fruits mit feschem Design und kecken Sprüchen auf den Flaschen auf. Im März diesen Jahres erschien die limitierte „Black Edition“. Mit diesem lieferte True Fruits seinen Kunden nicht nur ein außergewöhnliches Design, sondern auch wieder einmal einen amüsant provokanten Flaschentext:

„Hast du schon mal einer hässlichen Freundin, die aber total lieb ist ein Date besorgt? So fühlen wir uns gerade mit dem white, unserem wohl leckersten Smoothie, der aufgrund seiner blassen und unfruchtigen Optik leider viel zu selten in den Genuss eines knisternden Rendezvous mit Dir kommt. Was blieb uns also anderes übrig, als das Licht auszuknipsen, damit Du dich einzig und alleine auf seine inneren Werte konzentrieren kann. #schluckimdunkeln„

Dieser stieß allerdings einigen KundInnen sauer auf und es entwickelte sich rasch ein kleiner Shitstorm auf der Facebook Fanseite. Sexismus und Lookismus (die Diskriminierung einer Person aufgrund ihres Aussehens) lauteten die Vorwürfe. Nun gut, Shitstorms entwickeln sich ja mittlerweile ständig und überall. Schließlich darf jeder seine Meinung sagen, andere befürworten oder eben dagegen sein, man darf sich angegriffen fühlen und seinem Ärger Luft machen. Vorallem auf Social Media Plattformen hat man die Chance, sich direkt an ein Unternehmen zu wenden, gehört und vielleicht auch verstanden zu werden. Aber eben nur vielleicht.

Orientiert man sich an den gängigen Community Management Regeln, sollte ein Unternehmen auf einen Shitstorm verständnisvoll und defensiv reagieren, egal ob man die negative Kritik nachvollziehen kann oder nicht. Man kann es aber auch wie True Fruits machen: verständnislos und offensiv. Der Smoothiehersteller schießt sogar hart zurück, negative Kommentare werden mit Beleidigungen beantwortet und ins Lächerliche gezogen – alles natürlich in gewitzter, ironischer True Fruits Manier. In einem öffentlichem Statement via Facebook machen sie nochmal ganz klar deutlich, wie egal ihnen die Kritik ist und das sie zu Ihrem Flaschentext stehen:

Quelle: wuv.de
Quelle: wuv.de

 

 

 

Quelle: focus.de
Quelle: focus.de

Jeder PR-Mensch würde bei dieser Art von Reaktion die Nase rümpfen. Auch ich war anfangs etwas irritiert von diesem Verhalten seitens True Fruits. Schließlich spricht das gegen alles, was ich bisher bezüglich Community Management gelernt habe. Warum sollte ein Unternehmen so auf Kritik reagieren, noch Öl ins Feuer gießen und damit aus einem „Mini-Shitstorm“ einen deftigen Schlagabtausch inszenieren? Ich schaute mir das Ganze also etwas genauer an und stellte schnell fest, dass es sich um eine absolut gelungene Strategie handelt. Die Smoothiemacher generierten dadurch Aufmerksamkeit und vorallem überwiegend positives Feedback der Fans.

Man muss sich also nicht immer klein machen, sondern seinem Kurs treu bleiben und dazu stehen. Ein gewisses Risiko, Fans zu verlieren, besteht dabei natürlich immer – aber eben genauso die Chance treue Fans noch mehr an sich zu binden und Neue zu generieren. Natürlich kann man das nicht auf jedes Unternehmen und jede Situation beziehen. Im Falle von True Fruits ist das allerdings vollkommen zulässig, da die Fans diesen Humor kennen und lieben. Zudem sprechen sie sich gegen ständiges Rummäkeln und übertriebene Moralvorstellungen in Social Media aus. Dadurch haben sie sich Sympathie im Netz geschaffen. Man kann den Spieß also auch umdrehen, indem man sich eben nicht für seine Marke oder PR-Strategie entschuldigt. Zudem muss man sich auch immer die Frage stellen, ob es sich bei den Kritikern um potenzielle Kunden handelt, oder einfach um Menschen, die sich dazu berufen fühlen, Ungerechtigkeiten zu korrigieren. Vorallem bleibt Humor immer noch Geschmackssache.

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(Likies für alle) Von Robotern, Klonen…und Keksen

So mancher Teilnehmer des Content Strategy Camps hätte sich am liebsten geklont, um zeitgleich mehreren Sessions beiwohnen zu können. Wiederum andere sprachen über Roboterjournalismus, diesem futuristisch klingendem Begriff, von dem wir derzeit wahrlich nicht so weit entfernt sind, wie vom Klonen. Doch auch ohne medizinische Meilensteine gab das #cosca15 ein tolles Bild ab:

 Von Nadine Deiß und Martin Imruck

Interessante Vorträge mit kompliziert-klingenden Überschriften und im Anschluss angeregtes Diskutieren – das Content Strategy Camp hat den Mediencampus in Dieburg für zwei Tage in ein Schlaraffenland für PR-Praktiker verwandelt. Voller Vorfreude und mit großen Erwartungen wurden die Räumlichkeiten des ehemaligen Postgeländes gestürmt und der Großteil der Gäste schmolz nur so dahin angesichts des Überangebots an fachlicher Kompetenz und gemeinschaftlichem Ideenaustausch. Das gleiche Schicksal wiederfuhr übrigens auch den beliebten Likies-Keksen, die sich in der prallen Sonne am Samstagmittag so langsam in ihre Bestandteile auflösten.
Cosca15

Cosca15 twittert sich in die Charts

Auch das Hashtag des Barcamps war in aller Munde und schob sich bereits am Freitagmorgen in die Twitter-Trends. Dort hielt es sich bis Sonntag hartnäckig in der Spitzengruppe. Content Strategy und Content Marketing in Theorie und Praxis beherrschten diese beiden Tage des Barcamps. Im bunten Angebot aus Beiträgen zu Corporate Blogging, Storytelling, Krisenkommunikation und Praxisbeispielen kam der Spaß auch beim Bullshit-Bingo niemals zu kurz.

Hier einige der ausgefallensten Session-Namen:

  • Facebook vs. YouTube: Zahlen können lügen
  • Content-Finding am Beispiel eines Spühlschwamms
  • Stell dir vor du bist eine Content-Strategie und keiner sucht nach dir
  • Sarkasmus, Satire, Trolle erlegen – Unterhaltung um jeden Preis
  • Samstags Martinee (alias Redaktionskonferenz)

Die interessantesten Tweets vom #cosca15

  • „Die Likies schmelzen !“
  • „Hol mal einer das 100 Liter Kaffee-Fass!“
  • „Die IHK macht dieses Jahr einen Betriebsausflug zum #cosca15!“

Blogecho – das sagen die Besucher

Hier geht’s zu den Bildern des cosca15!

Und wer immer noch nicht genug hat oder leider nicht dabei sein konnte, hier die Zusammenfassung einzelner Sessions!

 

 

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Wie viel kann gute PR retten?

 

annika mcdonalds

Der nächste McDonalds in meiner Nähe ist schnell zu finden: Man muss einfach den Mülltüten am Straßenrand folgen. Eine höhere Erfolgsquote hat man hier vor allem nachts und am Wochenende, wenn partywütige Teenager nach dem Discobesuch der Heißhunger auf schnelles Essen packt. Um es mit den Worten eines amerikanischen Youtubers zu sagen: „When I think of McDonalds, this is exactly what I think about. I think about their garbage being all over the streets. And I don’t blame McDonalds, it`s just the general to eat there“. Doch wie konnte es so weit kommen, dass der Fastfood-Riese Nummer eins ein solch schlechtes Image hat?

Ein Clubhaus am Abgrund

Mit der nachlassenden Nachfrage und einem angekratzten Ruf hat nicht nur McDonalds zu kämpfen. Viele der großen Fastfood-Ketten sehen sich in der Krise. Hören wir einen der großen Namen dieser Industrie, denken wir oft an Berichterstattungen über Lebensmittelskandale, sinkende Umsatzzahlen oder Negativschlagzeilen aufgrund von Niedriglohn-Beschäftigung. Das Junkfood-Image, mit dem sich McDonalds und Co. Milliardenumsätze verschafften, ist nicht mehr zeitgemäß. Das Ernährungsbewusstsein hat sich in den letzten Jahren auch in den USA stark gewandelt. Vor allem junge Menschen legen zunehmend Wert auf Bio-Produkte sowie fairen Handel in der Lebensmittelindustrie. Da scheinen selbst die fetzigsten Image-Kampagnen, die McDonalds als trendiges Clubhaus inszenieren, keine Wirkung mehr zu zeigen. Neuerdings sollen Kunden zudem direkt am Tisch bedient werden, um das Geschmackserlebnis noch komfortabler zu machen. Für viele erscheinen solche Strategien jedoch oftmals als der letzte klägliche Versuch, das angekratzte Image wieder zu polieren. Doch ist es an diesem Punkt nicht bereits zu spät dafür? Hat sich das negativ behaftete Bild über das Unternehmen nicht schon längst in den Köpfen der Kunden manifestiert?

Schnell und billig vs. schnell und gesund

Auch die US Amerikaner verspüren den Drang nach schnellem aber gesundem Essen. Das sich beides vereinen lässt, zeigen Ketten wie Chipotle Mexican Grill oder Panera Bread, die seit einigen Jahren das Fast-Food Feld von hinten aufräumen. Sie verzichten auf künstliche Farb- und Geschmacksstoffe sowie Konservierungsstoffe und verwenden hauptsächlich Zutaten aus biologischem Anbau. Die Produkte können aus finanzieller Hinsicht bei Preisknallern wie zum Beispiel dem Cheeseburger für einen Euro wahrscheinlich nicht mithalten. Steigende Umsatzzahlen zeigen jedoch, dass die Kunden verstanden haben: Gute Qualität hat nun mal ihren Preis. Die ehemaligen Platzhirsche wie McDonalds oder Burger King sieht man weitestgehend nur noch am Stadtrand oder in weniger hübschen Wohnvierteln.

PR an ihren Grenzen

Für Unternehmen ist es lukrativer, Bestandskunden zu halten, als neue Kunden zu gewinnen. Doch wenn nicht nur die Neukunden ausbleiben, sondern sich sogar ehemalige Bestandskunden abwenden, stellt dies eine ganz andere Herausforderung dar. Ob diese Image-Schäden mit knackigen PR -Strategien behoben werden können, bleibt fraglich.
Die schillernden Farben, in denen sich McDonalds in Kampagnen wie „Mein Burger“ oder „Monopoly“ präsentiert, verblassen. Doch das Problem liegt nicht in der PR Arbeit. Das Problem ist die Unternehmensphilosophie, die Marke selbst und das, wofür sie steht.

 

von Annika Beck

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Plague – Virales Marketing per Fingerzeig

Wir alle wissen spätestens seit der Ice Bucket Challenge, was virales Verbreiten von Inhalten im Netz bedeutet. Content, sei es Bild, Ton oder Video, wird wie verrückt über alle möglichen Social Media Kanäle geteilt. Wie wäre es nun aber Inhalte verbreiten zu können, ohne einem sozialen Netzwerk angehören zu müssen? Plague hat die Antwort hierauf: Die App teilt Content einfach und schnell über Geolokation.

Das litauische Unternehmen Deep Sea Marketing wollte eine Möglichkeit finden um virale Contentverbreitung im Netz noch einfacher zu machen. Sie entwickelten Plague, eine App, die nicht etwa über existierende Freundeskreise Inhalte verbreitet, sondern ganz einfach Leute in der Umgebung des Users ortet und an diese den Content weiterträgt. Mögliche Inhalte zu diesem Zeitpunkt sind Bilder, Texte, kurze Gifs und Links. Gefällt einem, was man sieht, wischt man nach oben und teilt diesen Beitrag augenblicklich mit Personen, die sich in der Nähe befinden. Ist man vom gebotenen Content nicht überzeugt oder gar gelangweilt, wischt man auf dem Display nach unten und schiebt es somit “in die Tonne”.

Um fremde Inhalte zu teilen und zu verbreiten, ist eine Registrierung nicht nötig. Hier kann auch ohne Anmeldung munter geswiped werden. Registrierte User können zusätzlich eigene Inhalte erstellen und Statistiken zur Beitragsreichweite einsehen.

Genau wie ein Grippevirus, sucht Plague die räumlich und körperlich am nächsten gelegenen Personen auf und gibt die Inhalte an diese weiter. Bei der Registrierung kann man frei wählen welchen Benutzernamen man sich geben möchte. Es wird auch nur dieser bei den eigenen Beiträgen angezeigt, inklusive des Ortes, an dem der Inhalt hochgeladen wurde. Wenn einem ein Beitrag besonders gut oder schlecht gefällt oder man einfach seinen Senf abgeben möchte, hat der User die Möglichkeit einen Kommentar zu hinterlassen und somit mit anderen Benutzern eine Unterhaltung zu beginnen.

BildPlague
So sieht das Runter- und Hochwischen in Plague aus.

Persönliches Fazit: Aktuelles “Nice-to-have” mit spannendem Zukunftspotenzial

Natürlich habe ich mir die App direkt aus dem App Store geladen, da ich mir ein eigenes Bild machen wollte. Plague birgt meines Erachtens nach großes Potential in den verschiedensten Bereichen der digitalen Kommunikation, vor allem aber im Bezug auf Marketing bzw. virales Marketing. Aktuell merkt man dem Stand der App noch an, dass sie noch in den Kinderschuhen steckt. Viele Aktionen bietet einem Plague noch nicht, das gängige Angebot fügt sich aus einigen generischen Bildern und wenigen selbst erstellten Fotos/Textzeilen zusammen, die in die virale Verbreitung oder das Datennirvana gewischt werden können. Laut Entwicklern soll künftig neben der aktuellen GPS-Ortung noch eine Bluetooth Option angeboten werden, um nahegelegene Personen aufzuspüren und sich mit ihnen verknüpfen zu können.

Plague bietet ein hohes Potenzial und muss jetzt nur noch weiterentwickelt und optimiert werden. Auch das anonyme Teilen ist für viele Nutzer sicherlich sehr attraktiv, gleichzeitig sehe ich aber auch ein Gefahrpotenzial, was das unkontrollierte Verbreiten anstößiger, extremistischer oder anderweitig unangebrachter Inhalte angeht. Ob sich solche Hiobsbotschaften bewahrheiten werden oder die App ausschließlich positiv den Markt erobern wird, werden die künftigen Entwicklungen zeigen. Bis dahin werde ich gespannt weiter swipen, tolle Inhalte teilen und den Plague-Virus weiter verbreiten.

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