Die 100 Millionen Challenge

„Im Gegensatz zu vielen anderen hier wollen wir tatsächlich etwas verkaufen“ – Mit diesen Worten leiteten Selina und Max von Mynewsdesk ihre Session beim Content Strategie Camp 2017 in Dieburg ein. Mynewsdesk (im Folgenden MND), eine Plattform für digitale PR mit Hauptsitz in Stockholm, stellt die 100 Millionen Challenge vor. Die beiden Mitarbeiter der Niederlassung in Leipzig erklären, was  Mynewsdesk geschafft hat. Aber was ist die 100 Millionen Challenge? Warum hat man davon so wenig bis gar nichts gehört? Und was meinen die mit 100 Millionen?

Royal PR – Eine Kampagne aus dem Königreich

Die 100 Millionen Challenge wurde von den Londoner MND Kollegen ins Leben gerufen und fand auf der Insel großen Zuspruch. Eine Herausforderung mit einer Earned Media Kampagne 100 Millionen Menschen erreichen: Wie also kann ein mittelständiges Unternehmen mit der Kommunikation so erfolgreich sein? Um dieser Frage auf den Grund zu gehen, fangen wir bei null an.

Früher erzählte man sich spannende Geschichten aus aller Welt am Lagerfeuer. In Zeiten von Web 2.0, Industrie 4.0 und Big Data sieht das anders aus. Man muss die Menschen dementsprechend abholen und mitnehmen. Ziel war es, eine Herausforderung einzugehen, einem mittelständigen Unternehmen mit einer einzigen Geschichte die 100 Millionen „Aufrufe“ zu ermöglichen und dabei moderne Technologien einzusetzen. Und das alles in einem kurzen Zeitraum. Voraussetzung: Das Unternehmen sollte eine coole Message mit entsprechendem Produkt mitbringen, jedoch bereit für purpose-driven communication, also einer zielgerichteten, zweckmäßigen Kommunikation, sein. Max erklärt, dass sie damit weg von der direkten Produktkommunikation und sich mehr zu einem höher gelegenen Ziel bewegen wollen.

Safety First! Zwei Stufen, ein Unternehmen

Moderne Herausforderungen und kleine Stufen wurden hier verbunden: Auf der ersten Stufe galt es, ein passendes Unternehmen aus rund 500 Bewerbungsmails zu wählen. In gleichem Zuge wurde eine Partneragentur hinzugezogen, um Content und Ideen umzusetzen, denn das Produkt ist eine Softwarelösung (dran bleiben! 😉 ). Die zweite Stufe beschrieb, nicht mehr und nicht weniger, die Konzeption der Kampagne.

Aber wer ist denn nun dieses coole Unternehmen?

Es ist niemand geringeres als Hövding! Was für’n Ding? Hövding, das sind die, die diesen Fahrrad-Airbag erfunden haben. Genau der, welcher sich bei einem Sturz automatisch öffnet. Hövding deshalb, da es als mittelständiges Unternehmen mit innovativem Produkt und einer positiven Agenda alle Voraussetzungen seitens MND erfüllt. Hinzu kam die Bereitschaft, ein kleines Risiko einzugehen und mehr auf Awareness zu setzen. Für MND hieß das: Safety First, eben.

Give a Beep

Mit einer kreativen Kampagne ohne Paid-Media, also nur mit dem Produkt und der Kampagnenstory eine hohe Reichweite generieren – die nächste Herausforderung.
Entstanden ist „Give a Beep“. In den letzten fünf Jahren hat sich die Anzahl der Radfahrer in London fast verdreifacht. Damit stieg auch die Gefahr auf mehr Unfälle deutlich.

„I’m supposed to press this [Flic] when I feel scared or frustrated. That’s when I give a beep.“ sagt ein 11-Jähriger Radfahrer aus London im Kampagnenvideo.

Insgesamt wurden 500 Radfahrer in der englischen Hauptstadt mit einem sogenannten Flic, einem GPS-Gerät, ausgestattet. Trifft man auf einen gefährlichen Spot, drückt man auf diesen Flic, welcher die Koordinaten an eine interaktive Karte sendet. Man sendet also einen „Beep“. Eine Karte mit potenziellen Gefahrenstellen war jedoch nicht der einzige Zweck dieser Aktion. Mit jedem Beep wurde eine Mail an Londons Bürgermeister, Sadiq Khan, gesendet. Sein Postfach wurde regelrecht überflutet, denn es waren während des Kampagnenzeitraums insgesamt 5000 Mails bzw. Gefahrenstellen.
Jeder Besitzer dieses Flics konnte damit das Leben anderer Radfahrer retten und zur Verkehrssicherheit Londons beitragen. Toller Nebeneffekt für ein Unternehmen, das maßgeblich zur Sicherheit von Bikern beiträgt: Der Absatz hat sich verdoppelt.

Timeline in Zahlen

Im März 2016 begann die vierwöchige Bewerbungsphase bei MND. Der Partner (Hövding) stand im April fest und so startete die Konzeption, deren Ergebnis Give a Beep war. Es folgte die Bespielung sämtlicher Kanäle über ein von MND entwickeltes Tool. Mit drei Veröffentlichungen pro Woche wurden Blogbeiträge, Videos, Social Media Posts, Pressemitteilungen und News auf den verschiedensten Kanälen gestreut. Ende Juli 2016 war es soweit und so wurden 100 Millionen einzelne Personen erreicht. An dieser Stelle muss ich eines erwähnen: Ja, es wurde zu Anfang von 100 Millionen Aufrufen gesprochen. Jetzt sind es plötzlich erreichte Personen. Ich war etwas enttäuscht…
Zurück zu den Zahlen: Es wurden 4000+ Shares auf Social Media, 8500+ Views auf Facebook und YouTube, 2780 Besuche des Newsrooms (eine Steigerung von 297%), eine doppelte Sales-Rate wie im Vorjahr, internationale Reichweite und somit insgesamt 100 Millionen Menschen erreicht. (Das war Clickbaiting im Sessiontitel, nicht aber von mir).

8 Schritte zu Earned Media

Zum Ende der Session gab es noch ein kleines Extra: Worauf sollte man bei Earned-Media-Kampagnen wie Give a Beep achten? Eine einfache Schritt-für-Schritt-Übersicht:

Tipps für Earned Media - 8 Schritte zu Earned Media

Mehr zum Linkedin-Profil hier und hier.

Klingt alles sehr logisch und vertraut, als grobe Gedankenstütze ist es vielleicht hilfreich.

*Alpha Publikum (auch Alpha-Audience) sind Menschen, die sich mit den gleichen Themen beschäftigen wie ein Unternehmen. Für uns heißt das: Leute, bei welchen es von Anfang an klar ist, dass sie sich für ein bestimmtes Thema interessieren werden und dafür nicht gecatched werden müssen.

Was haben nun die Schweden damit zu tun?

MND setzt sich laut Max intensiv damit auseinander, wie PR funktioniert. So haben sie vier Punkte definiert, die sie dabei als Schwerpunkte sehen:

Schwerpunkte Mynewsdesk PR

Eine Software namens „Newsroom“, welche diese vier Punkte abdeckt, wurde daraus entwickelt und lässt sich durch das Erwerben einer 12-monatigen Lizenz als Content-Hub in den Presse-/ Publishbereich eines Unternehmens implementieren. Damit lässt sich Content gegliedert in mehreren Bereichen einfach verbreiten. So bietet die Software allerhand wichtige Tools wie ein Karussell der letzten Veröffentlichungen, einen Bereich für Veranstaltungen, Bilder und Videomaterial, Social Media Feeds, Ansprechpersonen, Pressemitteilungen, News und mehr. Der Newsroom soll Beziehungen zu Journalisten vereinfachen und Zeit für persönliche Beziehungen zu diesen geben (Stichwort: follow-up). Nüchtern betrachtet ist der Newsroom also ein Management-Tool für den Pressebereich der Website.

 

Mynewsdesk Hövding Newsroom
Screenshot: Der Pressebereich von Hövding mit dem Mynewsdesk Newsroom-Tool (Quelle: Hövding www.hovding.de / Mynewsdesk https://www.mynewsdesk.com/de/hovding).

Um niemandes Arbeit kleinzureden kann dieses Tool natürlich enorm helfen. Denn mit integriertem Timer für Veröffentlichungen, Dokumenten-Upload-Möglichkeit (Bspw. Pressetexte als PDF) und nach Zielgruppe und Thema kategorisierte Kontakt- und Verteilerlisten. Gibt es also eine neue Mitteilung zum Thema Auto, wählt man seine entsprechende Kontaktliste, um Redakteuren und Journalisten aus der passenden Branche Bescheid zu geben. Umgekehrt funktioniert das auch: Journalisten können den Newsroom abonnieren und bekommen bei jeder Neuigkeit eine Mitteilung. Außerdem kann die Reichweite ausgewertet werden, fast im Google-Analytics-Style. Praktisch.

Durch dieses Tool hat die Kampagne für Hövding die 100 Millionen erreicht.

Die eigenen Hände

Am Ende des Tages liegt es natürlich in der eigenen Hand: wollen wir etwas Eigenes auf die Beine stellen und jeden noch so kleinen, auch mal nervigen, Schritt per Handarbeit, aber mit Liebe ausführen oder wollen wir unsere Daten für eine Jahresgebühr von 230€ aufwärts (Quelle: arcticstartup) aus der Hand geben? Das bleibt nun jedem selbst überlassen.

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4. Deutscher Preis für Onlinekommunikation

Was haben Raupen im Salat, der 1. FC Köln und ein Jahr in Berlin gemeinsam? Wir haben uns die Nominierten und Gewinner des Deutschen Preis für Onlinekommunikation genauer angeschaut.

Im vierten Jahr in Folge wurde gestern Abend in Berlin der Deutsche Preis für Onlinekommunikation verliehen. Ausgerichtet wird der Preis von dem Magazin pressesprecher, um die Leistungen der digitalen Kommunikation zu ehren. In 37 Kategorien traten herausragende Kampagnen gegen zukunftsweisende Projekte und Strategien aus dem Bereich digitaler Kommunikation gegeneinander an.

Für die PR-Fundsachen haben wir drei Kategorien ausgesucht, die uns besonders angesprochen haben.

Supergeil gewinnt Virale Kommunikation:

Edeka Kampagne Supergeil
Weitere Videos aus der „Supergeil“-Reihe

In der Kategorie „Virale Kommunikation“ gewinnt Friedrich Liechtenstein für EDEKA mit diesem verdammten Ohrwurm. Das Lied Supergeil gab es bereits Anfang 2013. Die Agentur Jung von Matt hat die Single über ein Jahr später für den Lebensmittelhandel EDEKA als virales Marketingvideo aufgearbeitet. „Supergeil“ hat mittlerweile über zehn Millionen Views auf Youtube. Darüber hinaus gibt es diverse Ausläufer des dreiminütigen Clips. So wünscht Friedrich Liechtenstein beispielsweise einen „supergeilen“ Geburtstag oder besingt „supergeile“ Kollegen. Bei der gestrigen Verleihung des Preises für Onlinekommunikation trat Friedrich Liechtenstein als Pausenact auf. Gemessen an der Resonanz der Netzgemeinde hat Jung und Matt wohl alles richtig gemacht mit der Auswahl dieses skurrilen Werbebotschafters.

 

Vodafone gewinnt Onlinekrisenkommunikation:

Vodafone Operation Pandora
Operation „Pandora“
Foto: http://prreportawards.de/gewinner/issues-reputation-management/

Nach dem Datenklau im September beauftragte Vodafone seine Kommunikationsabteilung damit, den drohenden Reputationsschaden abzuwenden und die Operation „Pandora“ ins Leben zu rufen. Die Kommunikationsabteilung erstellte unter anderem mithilfe der Politik-, Sicherheits-, und Rechtsabteilung sowie von Hotline-, Shop-, Marketing- und Social-Media-Experten ein Konzept zur Krisenabwendung in großem Stil. Am 12. September ab 6 Uhr begann die Kommunikation nach Außen. Briefe an alle Betroffenen, Erklärfilme, speziell für den Rundfunk eingerichtete Interviewräume sowie ein sogenannter Social Media War Room, in dem Rechtsanwälte, Datenschützer, Community- und Mediamanager bereit standen, gehörten zu den Kommunikationsmaßnahmen. Dies alles wurde von einem umfangreichen Monitoring der Ereignisse begleitet. Die Kommunikationsabteilung schaffte es, zwei Millionen betroffene Kunden, 11.000 interne Mitarbeiter, 5.000 Hotline-Betreuer, 1.600 Shops und 20 Community Manager am Morgen des ersten Kristentagesüber die Geschehnisse zu unterrichten. Innerhalb von zwei Tagen konnte Vodafone die bisher größte Datenkrise abwenden. Mit in der Kategorie Onlinekrisenkommunikation war auch der erfolgreich abgewendete Vapiano-Shitstorm.

Sind Sie Klaus-Heidi? gewinnt Online Competition:

Klaus-Heidi Andersson
Der Gewinner: Klaus-Heidi Andersson

Im Oktober 2013 hatte die Lufthansa eine brillante Idee. Sie stellte der schwedischen Bevölkerung die Frage „Är du Klaus-Heidi?“ Die Fluggesellschaft veröffentlichte ein Video auf Youtube, in dem sie von einem lockerleichten Leben in Berlin erzählten. Die Konditionen klangen verlockend: in charmantem Berlinerisch wurde den Bewerbern ein One-Way-Flug in unsere Hauptstadt, ein Jahr lang in einer hippen Wohnung in Kreuzberg, ein Deutschkurs und ein trendiges Fahrrad versprochen. Alles für umme. Die einzige Voraussetzung: Ändere deinen Vornamen in Klaus-Heidi. Das Video wurde innerhalb von kürzester Zeit in ganz Skandinavien zum Internethit. Ganze 42 Schweden wagten den lebensverändernden Schritt, nahmen an der Aktion teil und änderten ihren Vornamen. Der Gewinner der Aktion: Michael Andersson, bzw. Klaus-Heidi Andersson aus dem kleinen Örtchen Fjugesta in der Nähe von Stockholm. Für weniger mutige Schweden hielt die Lufthansa immerhin vergünstige Flüge bereit. Wir finden: Eine tolle Competition, die uns und viele Schweden begeistert hat.

 

Die komplette Winnerlist gibt es hier zu finden.

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Dünn ist Doof?

Der weibliche Körper in den Medien – eine scheinbar niemals endende Diskussion. Im Photoshop-Zeitalter erregen Kampagnen, die sich gegen den Size Zero-Wahn wenden daher besondere Aufmerksamkeit. Nicht selten ziehen sie viral durch soziale Netzwerke und kommen so dem Image der beworbenen Marke zugute.

Diesen Effekt wollte die Dessousfirma Triumph wohl für sich nutzen und wirbt mit einer kurvigen Kampagne für ihre junge Linie BeeDees. Mit dem neuen Angebot „Curvy Cups“ möchte Triumph nach eigener Aussage „Frauen mit großer Oberweite supporten“, denn „Schließlich wollen wir, dass ihr eure Kurven lebt und liebt, so wie wir es tun.“

Provokant oder peinlich? BeeDees bedient sich altbekannter SprücheFoto: BeeDees
Provokant oder peinlich? BeeDees bedient sich altbekannter Sprüche Foto: BeeDees

Das ist zunächst einmal ein begrüßenswerter Ansatz, doch die frechen Werbesprüche sind etwas unglücklich gewählt. Die berliner Agentur glow ist für provokante Dessous-Werbung bekannt, hat sich für die „freche“ BeeDees-Kampagne aber eher altbekannter Phrasen bedient. Sprüche wie „Frauen sind wie Straßen, je kurviger sie sind, desto gefährlicher sind sie“ erinnern doch stark an die Jungs-Witze, die man sich in der sechsten Klasse erzählt hat (zur Erinnerung hier ein Spruch, der mindestens genauso witzig ist: „Jungs sind wie Toiletten, entweder besetzt oder beschissen, hihi“).

Noch schwieriger ist der Slogan „Echte Männer stehen auf Kurven – nur Hunde spielen mit Knochen.“, der vielleicht gut gemeint ist, aber nicht so wirkt – er suggeriert, dass dünne Frauen nicht begehrenswert sind. Das obligatorische Passantenbefragungsvideo in der Fußgängerzone liefert glow gleich mit, inklusive gut aussehender Frauen, die zu seichter Klaviermusik ihre Meinung zum besten geben. Hat man schon hundert mal gesehen, scheint aber zu funktionieren. Die Aussage des Videos: „Echte Frauen gibt es eben in allen Größen und Formen.“  Eine etwas widersprüchliche Kampagne also, die falsch verstanden werden kann. Der Shitstorm blieb trotz dieser Mängel  aus – Glück gehabt.

Da gefiel mir die glow-Kampagne für das Unterwäschelabel blush schon besser. Im Sommer 2013 ging der Slogan „Dear Edward Snowden, there’s still a lot to uncover“ neben dem Foto eines Dessousmodels um die Welt – virales Marketing vom Feinsten.

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Smilestorm statt Shitstorm

Wer online publiziert weiß: das Internet ist kein Ponyhof – egal ob Blog, Onlinemagazin oder YouTube-Kanal, je größer das Publikum, desto mehr Hater, die statt konstruktiver Kritik verletzende Kommentare hinterlassen. Die Zeitschrift GLAMOUR hat deshalb am Montag eine Kampagne gegen Cybermobbing gestartet: „#smilestorm – stop hating. with kindness.

#smilestorm - Kampagne gegen Cybermobbing
Foto: Glamour

Die Idee ist einfach aber genial: jeden fiesen Kommentar einfach mit einem Lächeln, bzw. #smilestorm kontern. „Die Regeln des sozialen Umgangs und der Höflichkeit sollten auch in der digitalen Welt gelten“, sagt GLAMOUR-Chefredakteurin Andrea Ketterer. „Mit der Aktion #smilestorm wollen wir uns für ein respektvolles Miteinander im Netz einsetzen und für das sich verbreitende Phänomen des Hating sensibilisieren. Wir wollen eine Debatte anstoßen und animieren, überall dort den Hashtag #smilestorm als ein positives ‚Stopp-Zeichen‘ zu setzen, wo besonders aggressive Kommunikation auffällt.“

Die Kampagne startet mit einem großen Special, sowohl online als auch in der neuen Printausgabe. Unterstützt wird sie von bekannten Gesichtern: Jessica Weiß, Katja Schweizberger, Fabian Kölmel, Cro, Nils Bokelberg – insgesamt rund 30 bekannte Blogger und Promis berichten über ihre Meinung und Erfahrungen zum Thema in Texten, Videos, Interviews und Zeichnungen.

#smilestorm Aktionslogo, via GLAMOUR
#smilestorm Aktionslogo, via GLAMOUR

Bei der Planung von #smilestorm wurde die Redaktion von der Kreativagentur The Hyphe untersetützt, die Logo, Hashtag und Claim entwickelten. Wer mehr über die Entstehung der Kampagne erfahren möchte kann sich das Making-of-Video ansehen. Zivilcourage ist ein wichtiges Thema bei Condé Nast – Erst Ende 2013 initiierte das Männermagazin GQ die Kampagne #Mundpropaganda gegen Homophonie, die von Schauspielern und Musikern unterstützt wurde.

Dass man das Internet durch diese Aktion nicht zum Ponyhof machen kann ist GLAMOUR sicher bewusst, dennoch wäre es schön, wenn sie so viel Aufmerksamkeit bekommt, dass manche Menschen in Zukunft zweimal nachdenken, bevor sie Kommentare abschicken. Schön ist auch, dass #smilestorm uns mal wieder bewusst macht, dass nichts so entwaffnend ist wie ein Lächeln.

Die Entwicklung von #smilestorm kann man übrigens bei Storify verfolgen.

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Mysteriöses Follower Wachstum bei der FDP

Hat die FDP wirklich Twitter-Follower gekauft? Der rasante Anstieg von 6000 auf 36.000 Follower in nur einer Woche machte zahlreiche Online-Medien aufmerksam und brachte die FDP in Erklärungsnot. Der Benchmarking-Website Pluragraph.de, die auf den Follower-Boom aufmerksam geworden ist, erklärten die Liberalen, dass die Abkürzung FDP der Grund sei: Im Portugiesischen fände fdp nämlich für das Schimpfwort „filho da puta“ (Hurensohn) Verwendung. Ein unwahrscheinliches Szenario, denn einen so schnellen Anstieg ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt erklärt die Theorie nicht.

Follower Entwicklung von @fdp_de
Quelle: pluragraph.de

 

Woher aber kommen die vielen neuen Fans? Menschlicher Natur sind sie nicht, denn die Fake-Quote liegt mittlerweile bei stattlichen 84%. Der Verdacht eines Fake-Profil-Kaufs liegt also nahe, wird von der FDP aber entschieden zurückgewiesen. Gegenüber sueddeutsche.de sagte FDP-Sprecher Peter Blechschmidt: „Ich kann definitiv erklären, dass wir weder Twitter- noch Facebook-Accounts kaufen“.

In dieser Aussage gestützt wird die FDP jetzt von fandealer.de, die angeblich für den sprunghaften Anstieg verantwortlich sein sollen. In einer Pressemitteilungen gab fandealer bekannt:

„Die Freie Demokratische Partei (FDP) hat zu keinem Zeitpunkt den Kauf von Twitter Followern auf www.fandealer.de in Auftrag gegeben.“

Wenn es die FDP nicht war – wer war es dann? Die Antwort liefert fandleader prompt mit:

„Eine eingehende Überprüfung des Kampagnenurhebers und dessen Benutzerkontos ergab, dass die Kampagne für die Twitter-Seite der FDP von einem politischen Mitbewerber auf www.fandealer.de lanciert wurde. Das entsprechende Benutzerkonto wurde zweifelsfrei mit einer E-Mail Adresse einer anderen deutschen Partei eingerichtet.“

Den Namen der Partei nannte fandealer aus Datenschutzgründen allerdings nicht.

Ist das Rätsel um den mysteriösen Follower-Boom damit gelöst? Nur zu Teilen, wie fandealer in der Pressemitteilung erklärt:

„Entgegen verschiedener Medienberichte wurden über das Portal www.fandealer.de lediglich 922 der über 30.000 neuen Follower der FDP vermittelt.“

Es bleibt also weiterhin ungeklärt, was es mit den restlichen 29.000 neuen Followern auf sich hat. Fast alle von ihnen sollen aus dem Ausland stammen. Auch die Frage, warum eine andere deutsche Partei der FDP 922 Follower kauft, bleibt offen. Um einen Skandal auszulösen wäre diese Anzahl allein wohl deutlich zu gering gewesen.

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Der Kunde steht im Vordergrund

Vor ein paar Tagen brachte Meedia einen Artikel mit vier Hinweisen für Zeitungs- und Zeitschriftenverlage heraus. Es ging um die Zukunft der Printprodukte. Meedia gab den Tipp die Leser (besonders die Abonnenten) und nicht die Anzeigenkunden in den Vordergrund zu stellen und auf deren Bedürfnisse zu reagieren. Außerdem werden Erfolge in den „kleinen Verlagen gefeiert, die mehr Gespür für die Nischen haben.“ Dazu kommt, dass die Texte von Journalisten die sich in verschiedenen Themengebieten besser auskennen, bei den Lesern besser ankommen. Denn oft sind in den Zeitungen und Zeitschriften die Texte „zusammengeschrieben und aufgewärmt“.

Nun hat der Online-PR Blog einen ähnlichen Artikel gepostet. Wieder geht es um das Jahr 2013 – diesmal die Online-PR Trends. Auch hier wird darum gebeten den Kunden in den Vordergrund zu stellen. Außerdem soll das Wissen aus den Bereichen PR, Marketing, Vertrieb und SEO genutzt werden. Es kann dem Unternehmen helfen ihre Inhalte erfolgreich im Netz zu platzieren und so auch die Kundengewinnung zu steigern.

Public Relations

Es geht darum, dass eine Online Pressemitteilung ein wirkungsvolles Medium ist. Es können ganz einfach multimediale Elemente und Hyperlinks (auch zur Unternehmenswebseite oder dem Corporate Blog) platziert werden und damit wird nicht nur der Inhalt aufgewertet, sondern die Online Pressemitteilung gewinnt auch an Leseanreiz.

Content Marketing

Ziel ist zwar Kundengewinnung, aber auch Kundenbindung. So wird der Informationsbedarf des Kunden in den Vordergrund gestellt. Durch die Bereitstellung nützlicher Tipps, Anleitungen oder Ratschlägen können Leser auf entsprechende Produkte und Dienstleistungen des Unternehmens aufmerksam gemacht werden.  Tipp vom Online-PR Blog: Zuhören im Web 2.0 – Ganz leicht kann herausgefunden werden was die Zielgruppe bewegt und benötigt.

Vertrieb

Informationen über Probleme und Herausforderungen beim Kaufentscheidungsprozess der Kunden hat u. a. der Vertrieb oder auch der Kundenservice. Diese haben entscheidende Informationen über die Bedürfnisse potenzieller Kunden und können dadurch der Entwicklung relevanter Inhalte im Netz für PR-Kampagnen helfen.

Social Media

Die neuen Plattformen vom Social Web eröffnen Unternehmen viele neue Möglichkeiten. Der direkte Dialog mit Kunden steht im Vordergrund. Das Unternehmen kann nicht nur helfen bei der Kaufentscheidung, sondern kann sich selbst auch Feedback einholen. Das schafft Transparenz und stärkt die Reputation nachhaltig.

SEO

Suchmaschinenoptimierte Texte fördern nicht nur die Sichtbarkeit, sondern auch die Reichweite der Online-PR Kampagne. Für solche Texte darf aber der Fokus nicht nur auf der Textentwicklung liegen, sondern viel wichtiger ist das Wissen um Keyword Relevanz, Keyword Dichte und Link Building. Damit sind Unternehmen im Netz  besser aufzufinden. Außerdem können Kaufabschlüsse durch die Einbindung von Links gefördert werden.

Im Jahr 2013 steht ganz klar der Kunde im Vordergrund, sofern die Unternehmen die Tipps vom Online-PR Blog und Meedia folgen. Wir dürfen gespannt sein ob das ein oder andere Unternehmen sich den ein oder anderen Tipp vornimmt und umsetzt. Die Zeit wird dann zeigen ob die Tipps hilfreich waren oder nicht.

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Seehofer wants your Beteiligung – „Aufbruch Bayern“ auf YouTube


Im Stile Uncle Sams ruft der bayrische Ministerpräsident Horst Seehofer die Bürger zu mehr Beteiligung auf. Fotomontage: Desirée Grobecker

Ihre Social-Media-Kampagne startete die bayrische Staatsregierung im Sommer 2010. Intensiv nutzt sie Twitter, Facebook und die eigene Corporate Website, um mit den Bürgern des Freistaats in Kontakt zu treten. So konnten diese vom 16. Juni bis zum 15. August vergangenen Jahres über die „Dialog-Plattform“ der Kampagne Vorschläge zur Verbesserung der Familien-, Bildungs- und Innovationspolitik einreichen, diese diskutieren und bewerten. Über 100.000 Bürger habe innerhalb zweier Monate 740 Ideen, Vorschläge und Best-Practice-Beispiele diskutiert. Die besten davon wurden von der Staatsregierung ausgezeichnet und mit Preisen belohnt, nachzulesen in folgender Pressemitteilung.

Jetzt versucht die Staatregierung an diese Erfolge anzuknüpfen. Seit einigen Tagen kursiert ein YouTube-Video im Netz, in dem der bayrische Ministerpräsident, Horst Seehofer (CSU), mit einer ausufernden Geste, ganz im Stile „Uncle Sams“, seine Bürger zu mehr Beteiligung an der Politik aufruft. Per Videobotschaft oder in den Kommentaren können die Bürger nun auch über diesen Kanal Fragen stellen und Vorschläge machen.

Was dahinter steht: virales Marketing und der Anspruch, die Bürger direkt auf Augenhöhe anzusprechen und sie so aus ihrem „virtuellen Wohnzimmer“ abzuholen. Der 50-Sekunden-Clip ist seit fünf Tagen online und hatte am Sonntag bereits mehr als 64.000 Aufrufe und knapp 200 Kommentare. Dass diese nicht durchweg positiv ausfallen und einige Bürger kritische Fragen zum Negativ-Wahlwerbespot „Männlein im Walde“ („404 – Page not found“ – aber für euch, liebe Leser, der Cache-Link) stellen, war zu erwarten – die Staatsregierung jedoch offenbar nicht darauf vorbereitet:

„Als Sie noch vor ein paar Tagen auf den Werbespot ihrer Partei gegen die Grünen angesprochen wurden, sagten Sie, das Internet sei nicht von Bedeutung…Das hat sich wohl in kürzester Zeit geändert…Wenn das so ist, dann wäre es schön, wenn Sie erneut zu diesem Spot der CSU Stellung beziehen würden.
Danke!“
BastiDoener
„@BastiDoener Der Bayernkanal ist Teil der Informationsarbeit der Bayerischen Staatsregierung im Rahmen ihres verfassungsrechtlichen Informationsauftrags. Deshalb werden Fragen und Kommentare, die einen parteipolitischen Bezug haben, nicht beantwortet.“
Bayern

oder

„Ich habe schon drei Fragen gestellt alle wurden bisher gelöscht, diese ist meine Letzte:“Wie steht die CSU Pressefreiheit und Zensur gegenüber. Ist es wahr das die CSU vor hat Videospiele mit gewalttätigen Inhalten zu verbieten? (Und wie oft werden meine Fragen noch gelöscht?)“
ThePinselkind

Dabei steht Horst Seehofer (CSU) doch laut eigener Aussage für Dialog und Beteiligung. Die Beteiligung klappt prima, am Dialog muss in Bayern noch gearbeitet werden.

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Das war 2010 – Kleiner PR-Rückblick

Das Jahr 2010 neigt sich dem Ende zu und überall gibt es jetzt Jahresrückblicke, die das vergangene Jahr noch einmal Revue passieren lassen. Da es dieses Jahr auch einige Ereignisse gab, die direkt oder indirekt die PR betrafen, haben wir mal ein paar davon gesammelt und sie hier als kleinen Rückblick zusammengefasst. Wir erheben hierbei keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Wem also noch das ein oder andere Ereignis einfällt, der darf das gerne in den Kommentaren einfügen.

Die Arbeit als Pressesprecher ist nicht immer einfach. Besonders  dann nicht, wenn man Pressesprecher von Wolfgang Schäuble ist. Weil Michael Offer Unterlagen auf einer Pressekonferenz im November nicht rechtzeitig verteilen ließ, rügte Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble ihn vor laufenden Kameras. Offer zog daraufhin seine Konsequenzen und trat als Pressesprecher zurück.
Hier gibt’s das Video zur Pressekonferenz:

Für einen Social-Media-Eklat sorgten dieses Jahr auch Greenpeace und Nestlé. Greenpeace veröffentlichte im März ein Video, in dem Nestlé beschuldigt wurde, in seinem Schokoriegel Kitkat Palmöl zu verwenden und dadurch Orang Utans zu töten. Greenpeace verbreitete das Video mit Hilfe von Social Media. Nestlé reagierte verärgert, versuchte das Video sperren zu lassen, nahm sogar seine Facebook-Seite aus dem Netz. Das verärgerte vor allem Social Media Nutzer, die Nestlés Vorgehensweise kritisierten und nicht verstehen konnten, warum Nestlé versuchte, Social Media Aktivitäten zu unterbinden, statt den Leuten genau dort zu begegnen.
Das Kampagnen-Video noch einmal zum Anschauen:

Eines der spektakulärsten Ereignisse des Jahres war die Explosion der Ölplattform Deepwater Horizon im Golf von Mexiko. Im April brach auf der Bohrinsel Feuer aus, mehrere Menschen starben und unzählige Tonnen Öl gelangten ins Meer. Für viele reagierte BP auf den Vorfall nicht angemessen. Einige unbedachte Äußerungen und Handlungen des BP-Vorstandsvorsitzenden Tony Hayward verschlechterten zudem den Ruf von BP. Nach zahlreichen PR-Pannen trat Hayward dann im Juli von seinem Posten zurück.

Aus PR-Sicht richtig reagiert, hat dagegen OTTO. Im November hatte das Versandhaus zu einem Modelcontest aufgerufen. Der Gewinner sollte einen Monat lang das Facebook-Profil von Otto zieren. Viele Tausend Leute nahmen am Contest teil. Die Facebook-Nutzer konnten über den Sieger abstimmen. Und dazu wählten die Nutzer ausgerechnet Sascha. Er hatte, aus Spaß, als Brigitte verkleidet beim Contest mitgemacht. Weder er noch OTTO hatten mit diesem ungewöhnlichen Sieg gerechnet. Doch die Verantwortlichen des Versandhändlers nahmen es gelassen und luden „Brigitte“ zum Fotoshooting. Das Ergebnis ist momentan auf der Facebook-Seite von OTTO zu sehen.

Alles andere als gelassen hat dagegen die Baden-Württembergische Landesregierung auf die Proteste gegen Stuttgart 21 reagiert. Im Laufe des Jahres wurden die Proteste zum umstrittenen Bahnprojekt immer größer. Zum endgültigen Eklat kam es schließlich, als die Polizei am 30. September mit Wasserwerfern und Pfefferspray massiv gegen die Demonstranten vorging. Viele Bürger waren daraufhin enttäuscht von der Reaktion der Landesregierung, die eher auf Konfrontation statt auf Diskurs zu setzen schien. Auch ein eingeleitetes Schlichtungsverfahren konnte dem angekratzten Image nicht wirklich helfen. Dass immer wieder Vorwürfe auftauchten, PR-Agenturen hätten eine Pro-Stuttgart 21-Bewegung initiiert (Astroturfing) trug natürlich auch nicht zu einer Verbesserung bei. Derweil gehen die Proteste auch nach dem Schlichtungsverfahren weiter, ebenso die Baumaßnahmen.

Dass der Einsatz von Social Media in Unternehmen wichtig und sinnvoll ist, sehen mittlerweile immer mehr Leute ein. Auch dass dafür eine gewisse Kenntnis der Netzwerke und Tools wichtig ist, leuchtet immer mehr Leuten ein. Um das aber alles nutzen zu können, muss sich ein Unternehmen erst einmal die für es relevanten Accounts sichern. Was passiert, wenn ein Unternehmen das verpasst, zeigt das Beispiel der Deutschen Bahn. Ein Nutzer hatte sich vor der Bahn den Twitter-Account „@deutschebahn“ gesichert und verfasst dort nun regelmäßig amüsante und ironische Kommentare über die Bahn. Peinlich für die Bahn, lustig für die über 2500 Follower.

Die Social Media Aktivitäten der Bahn sind generell eher umstritten. In Erinnerung geblieben ist in diesem Jahr neben Stuttgart 21 besonders die „Chef-Ticket-Problematik“ auf Facebook. Die Bahn rief eine Facebook-Seite ins Leben, um dieses Ticket zu bewerben. Kunden der Bahn und Facebook-Nutzer hofften auf einen öffentlichen Diskurs der Bahn mit ihren Kunden, wurden aber enttäuscht. Dafür musste die Bahn heftige Kritik einstecken. Mittlerweile ist die Facebook-Seite wieder deaktiviert.

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