Ein Mensch: Der Königsweg zur Öffentlichkeitsarbeit

Anfang Mai beschrieb PR-Fundsachen-Autor Eric Scharfenort die Job-Entwicklungen in der Kommunikations-Branche. Gerade Berufseinsteigern fällt es demnach schwer, den Arbeitsmarkt zu überblicken. Auch Fachmedien und Blogs diskutierten in den letzten Wochen mehrfach über den Arbeitsmarkt und wie der Berufsstart gelingt. Als Geschäftsführer einer PR-Agentur weiß Ulf-Hendrik Schrader, was PR-Einsteiger mitbringen müssen. In seinem Gastbeitrag für PR-Fundsachen gibt er der Diskussion eine neue Richtung.

Ein Mensch: Der Königsweg zur Öffentlichkeitsarbeit

In letzter Zeit haben einige PR-Experten im Netz eine Diskussion darüber geführt, welche Kandidaten für den Beruf der Public Relations besonders geeignet sind. Es ist keine Überraschung, dass die Ausbildung in Form des Studiums im Zentrum des Disputs steht. Es ist aber auch keine Selbstverständlichkeit.Den Aufschlag machte der PR Report mit dem Artikel: „Die PR ist eine durchakademisierte Welt“. Der Tenor ist deutlich: Eine Karriere müsse mit einem abgeschlossenen Studium beginnen, am besten Jura oder BWL/VWL, da die Geschäftsleitung ein klares Verständnis betriebswirtschaftlicher Zusammenhänge erwarte. Nun stellt sich allerdings die Frage, ob jemand, der gelernt hat wissenschaftlich zu arbeiten und zum Diplom ein hohes Maß an Faktenwissen mitbringen sollte, auch den nötigen Transfer in der Praxis hinbekommt. Denn im Alltag der Öffentlichkeitsarbeit hat man es primär mit Kommunikation zu tun. Sei es der Umgang mit Journalisten, Mitarbeitern oder Kunden.

Wo lernt man Flexibilität?
Auch das Einarbeiten in fremde Themen ist eine wesentliche Grundvoraussetzung, die flexibles Denken und hohe mentale Anpassungsfähigkeit erfordert. Beides sind nicht unbedingt Fähigkeiten, die in den oben genannten Studiengängen gefördert werden. Denn allein die enorme Betonung des Faktenwissens in diesen Bereichen ködert nicht selten Charaktere, die sich gern hinter Textbergen verschanzen oder Zahlenberge wälzen.Genau das jedoch ist im Alltag der Öffentlichkeitsarbeit eher kontraproduktiv. Auch der Einspruchvon Oliver Jorzik, PR-Dozent und PR-Trainer, streift hier nur die Oberfläche, das jedoch in der richtigen Richtung, wenn er schreibt, dass es auf die Anforderungen der jeweiligen Kunden ankäme. Politologen reden eben gern mit ihresgleichen und Gesundheits- oder Ernährungswissenschaftler haben einen guten Stand bei Firmen, die genau diesen Markt rund um Wellness und Medizin adressieren.

Eine Fachausbildung ist gut, aber nicht hinreichend
Diese Verengung auf die Ansprüche der Kunden greift zu kurz. Denn ein PR-Mensch muss Erfahrung im Bereich der Medien haben und schreiben können, er oder sie sollte aber vor allem verstehen, was Kunden wollen und ihnen aufzeigen können, was davon möglich und überhaupt zielführend ist. Außenperspektive ist mindestens ebenso wichtig. Da ist dann weniger Expertise im Faktenlernen gefragt sondern das kreative Anpassen des eigenen Wissens an veränderliche Umgebungsvariablen. Dabei muss man auch noch einen inneren Kompass hochhalten können und die Ergebnisse der Kollegen und freien Mitarbeiter im Auge behalten.Es geht hier in Sachen Kompetenz also zunächst darum, sich schnell und tief in Themen einzuarbeiten. Dabei muss man immer auch mehrere Perspektiven von verschiedenen beteiligten Teilöffentlichkeiten im Auge behalten und eben nicht nur die Wünsche der Fachleute bedienen. Der Einwand von Jorzik ist gut, aber ein guter PRler ist ähnlich wie ein guter Journalist immer auch Anwalt der Leser und der Stakeholder und muss das Wichtige, die Nachricht, erkennen und aufbereiten. Wer zu nahe am Fach ist, verliert diese Außensicht schnell. Es helfen an dieser Stelle auch keine Berufsfeldstudien.

Zwar ist es sehr sinnvoll und wünschenswert, wenn das Handwerkszeug sowie die einzelnen Werkzeuge einer Agentur zumindest bekannt sind und verstanden wurden. Aber ihr Einsatz ist dann schon wieder so abhängig von der Branche der Kunden, der Aufgabe in der internen Kommunikation, dem strategischen Zuarbeiten der Geschäftsleitung oder der schlichten Nachbereitung von Events, dass man nur on the job wirklich erkennen und bewerten kann, was jemand zu leisten imstande ist.

Fazit:
Zeugnisse verhindern nicht selten den offenen Blick auf die Entwicklungsmöglichkeiten einer Person. Die Bewerber brauchen vor allem einen klaren Zugang zum eigenen Potenzial und den Willen zu überzeugen. Das muss jeder Bewerber mitbringen, da ist weder ein Jurastudium wirklich förderlich noch ein abgebrochenes Theologiestudium hinderlich.

Als PR-Studierende interessiert das PR-Fundsachen-Team, wie der Start ins Berufsleben gelingt. Worauf achten Sie bei Bewerbern? Wie haben Sie Ihren Chef von sich überzeugt? Ob als Kommentar oder Blogpost – Teilen Sie mit uns Ihre Erfahrungen!

 

Ulf-Hendrik Schrader

 

Ulf-Hendrik Schrader ist Geschäftsführer der Aufgesang Public Relations GmbH, die mit 14 Mitarbeitern national und international marktführende Unternehmen der digitalen Wirtschaft sowie branchenübergreifend eine Vielzahl erfolgreicher kleiner und mittelständischer Unternehmen berät. Schrader hält für verschiedene Bildungsträger Seminare zu Online-PR. Er ist Autor zahlreicher Fachartikel sowie Studien, Herausgeber des Online-PR-Newsletters und Mitveranstalter des ConventionCamp, der größten Internet(Un)Konferenz Deutschlands.

zu den Kommentaren

Die PRaktiker (22): Markus Weik

Markus Weik, Senior Executive bei FTI Consulting
Steckbrief zur Person

Name: Markus Weik

Alter: 33

Aktuelle Tätigkeit: Markus Weik arbeitet als Senior Executive für die Strategic Communications Practice von FTI Consulting am Standort Frankfurt. Dort berät er Kunden unter anderem aus den Bereichen Immobilien, Asset Management, Private Equity und Automobil. Der studierte Amerikanist und Sportwissenschaftler engagiert sich zurzeit, das deutsche Team für strategische Beratung in digitaler/online Kommunikation und Reputation Management in sozialen Netzwerken aufzubauen.

(mehr …)

zu den Kommentaren

Die PRaktiker (20): Marcel Bernet

Steckbrief zur Person

Name: Marcel Bernet

Alter: 52

Aktuelle Tätigkeit: Marcel Bernet ist Gründer und Inhaber von Bernet PR, Autor, Dozent und Blogger. Er twittert, ist mit Bernet PR bei Facebook vertreten und Initiant des Social Media Gipfel.

PR-Fundsachen: Herr Bernet, wie sind Sie zur PR gekommen?

Marcel Bernet: Nach einem BWL-Studium wusste ich nicht so recht, wie weiter. Marketing war mein Schwerpunkt gewesen. Am liebsten wäre ich einfach nur rumgereist – was ich tat, bis alle Studiendarlehen aufgebraucht waren. Also habe ich einen ersten Job angenommen, in einem Handelshaus; mit vielen Reisen. Bis mir das dann auch zu viel wurde – und so ging das weiter: Einfach immer rausfinden, was mir gar nicht oder eher schon passt. Was rückblickend ganz logisch aussehen mag, war ein stetes Suchen, Ausprobieren – und Nichtwissen.

Näher angeschaut habe ich mir Werbung, Journalismus und PR – worauf ich in einer PR-Agentur landete. Das war das richtige: Eine schöne Kombination von Strategie und Praxis, Analyse und Umsetzen, immer viel zu lernen und intensivem Umgang mit der Sprache. Nach fünf Jahren in dieser Agentur folgte ein Abstecher in eine New Yorker Agentur. Dort war ich gleichzeitig Korrespondent für zwei Schweizer Wochenzeitungen.

Nach der Rückkehr entschied ich mich für die Selbständigkeit. Damals war ich gerade Vater von Zwillingen geworden, jetzt sind sie 21, Bernet PR wird 20.

PR-Fundsachen: Welche Fähigkeiten sollten kommende PRler in den Beruf mitbringen?

Marcel Bernet: Im Mittelpunkt stehen für mich, in dieser Reihenfolge:

1. Die Freude an der Sprache und am Austausch
PR-Profis müssen auch heute noch gerne schreiben. Ein Konzept, ein Drehbuch, einen Artikel, eine Medienmitteilung. Die Freude am Schreiben muss sich paaren mit der Lust, aus der Schreibstube hinaus zu gehen. Menschen zu treffen, ihnen zuzuhören, sich ihnen mitzuteilen.

2. Lust auf das Vereinfachen von Komplexitäten
Wer analytisch stark ist, erkennt sofort, was ansteht. Komplexe Sachverhalte schnell erfassen und daraus das Einfache, Wesentliche zu destillieren – das hilft nicht nur PR-Beratern, sondern auch PR-Verantwortlichen in Unternehmen. Strategische Gesamtsicht und die Fähigkeit, Themen auf den Punkt zu bringen, sind im expandierenden Online-Universum gefragter denn je.

3. Gestaltungswille
Analysen alleine bringen nichts, wenn sie nicht in Taten geformt werden. Gestaltungswille ist für mich die Lust, ein Gesamtkunstwerk zu erschaffen – ganz viele kleine Dinge zu gestalten, mit zahlreichen internen und externen Partnern, und sie alle auf ein Ganzes auszurichten.

PR-Fundsachen: Wohin wird sich die Online-PR in der Zukunft entwickeln?

Marcel Bernet: Ich halte es da mit Clay Shirky: Wer sagt, er wisse, wohin sich der Umbruch entwickelt, der lügt. Schon 1996 habe ich in Vorträgen gesagt, dass sich das Internet durchsetzen wird. Wusste ich es? Für die Zukunft sehe ich drei Ahnungen – sie sind im bernetblog näher ausgeführt:

Wir werden den Übergang zu Online als wirklichem Leitmedium meistern: Online wird der Kanal mit der grössten Mitwirkung, Multiplikation und Meinungsbildung sein.

PR wird sich stärker einsetzen müssen für eine offene, öffentliche Dialogkultur – intern wie extern. Wir werden noch besser lernen, Social Media in Krisensituationen zu moderieren.

Um die neuen, breiter abgestützten Kommunikationsflüsse zu moderieren, werden sich PR, Werbung, Kundendienst und Marketing besser aufeinander abstimmen.

Die Gesamtsicht wird immer zentraler – und immer anspruchsvoller. Mir kommt es vor, wie wenn Unternehmen eine neue Sprache finden müssten, und zwar als Ganzes. Eine Sprache, die verkauft – aber nicht nur. Die vermittelt. Die eingeht auf Anstösse, sich aber auch gegen Spam und Verleumdung wehrt.


PR-Fundsachen: Herr Bernet, vielen Dank für dieses Interview!

Sämtliche im Rahmen der Kurzinterviewreihe „Die PRaktiker“ entstandenen Antworten und Texte sind ebenso wie die Bilder Eigentum unserer Interviewpartner und erscheinen mit ihrer Genehmigung, sofern nicht anders mit uns ausgemacht, ausschließlich im Studiengangsweblog zum Schwerpunkt Online-PR der Hochschule Darmstadt, den PR-Fundsachen (http://www.pr-fundsachen.de/). Sollte Interesse an einem der Texte/ Interviews bestehen, bitten wir darum, sich mit uns bzw. unserem Interviewpartner in Verbindung zu setzen.
zu den Kommentaren

Die PRaktiker (18): Susanne Franke


Steckbrief zur Person

Name: Susanne Franke

Alter: 39

Aktuelle Tätigkeit: Corporate Communication Manager für namics (u.a. auf Twitter unter @namics, im Corporate Blog http://blog.namics.com), ab Januar 2011 verantwortlich für Marketing und Kommunikation bei Goldbach Interactive, Dozentin für Social Media an der HTW Chur http://www.fh-htwchur.ch/htw und Bloggerin.

PR-Fundsachen: Frau Franke, wie sind Sie zur PR gekommen?

Seit 1992 arbeitete ich erst als Geschäftsleitungs-, später als Marketing-Assistentin. Das ist immer auch ein Kommunikationsjob. Besonders in kleinen Unternehmen ist Marketing und PR Chefsache, heute ja auch in großen. Erst 1995 wagte ich mich in ein internationales Unternehmen und ans richtige Marketing. Vorerst als Assistentin. Später erhielt ich eigene Bereiche und 2001 durfte ich für GFT das Schweizer Marketing und PR zum Leben erwecken. Das war mein PR-Start. Der IT- und Web-Branche bin ich seit 1998 treu. Dort schlägt der Internetpuls und ich muss nicht im Hosenanzug agieren.

PR-Fundsachen: Welche Fähigkeiten sollten kommende PRler in den Beruf mitbringen?

Sozial- und Medienkompetenz! Lernfähigkeit und Aufrichtigkeit. Die Zeiten des Schönredens in der PR sind vorbei. Wenn ein PR-Mensch ehrlich und authentisch ist, wird er mehr bewegen. Bescheidenheit dürfte auch wertvoll sein, denn die Kommunikation eines Unternehmens wird dank Social Media von immer mehr Menschen getragen, nicht mehr ausschließlich von der PR-Abteilung. Es melden sich viele Menschen öffentlich zu Wort, von denen man lernen kann. Wir brauchen ein feines Gespür, diese Dialoge zu moderieren. Wir sind nicht mehr nur Sender, sondern Kommunikatoren.

PR-Fundsachen: Wohin wird sich die Online-PR in der Zukunft entwickeln?

Wer weiß das schon? Ich glaube, der Dialog wird noch mehr in den Fokus rücken und die direkte Kommunikation. Die interne Kommunikation spielt eine wichtigere Rolle. Wir sind weniger abhängig von bestehenden Publikationen (klassische Medien) und die Rolle der Journalisten wird neu definiert. Menschen, mit denen ein Unternehmen kommuniziert, sind weniger klaren Bezugsgruppen zuzuordnen. Ich glaube sogar, dass sich die Definitionen ganz auflösen werden. Darum wird die Sozial- und Medienkompetenz von PRlern wichtig sein wie auch eine ordentliche Portion Flexibilität. Wir werden selbständiger kommunizieren und müssen Teil interner und externer Kommunikationsprozesse sein, statt nur Informationen zu verwerten. Das gibt noch Hausaufgaben auf, besonders für hierarchisch strukturierte Unternehmen. Die Kommunikation verändert sich weg von juristischen Personen, also von Unternehmen, hin zu Menschen, die sich austauschen.

PR-Fundsachen: Frau Franke, vielen Dank für das Interview!

(Das Interview führte Daniel Rehn)

zu den Kommentaren

Die PRaktiker (17): Norbert Eder

Steckbrief zur Person

Name:  Norbert Eder

Alter:  46

Aktuelle Tätigkeit: Norbert Eder war bis Oktober 2010 Leiter der Unternehmenskommunikation der Software AG und arbeitet derzeit als Kommunikationsberater. Zu Beginn des Jahres begleitete Norbert Eder die Bewerbung der Region im Spitzencluster-Wettbewerb des BMBF (Bundesministerium für Bildung und Forschung) und baute nach dem Gewinn des Wettbewerbs die Kommunikation des Software-Clusters in der Region Rhein-Main-Neckar auf. Er ist gewähltes Mitglied im Vorstand der IKT-Fachgruppe des Bundesverbandes deutscher Pressesprecher (BdP). Seit 2008 ist Norbert Eder zudem als ehrenamtlicher Dozent für Unternehmenskommunikation am Lehrstuhl für Online-Kommunikation an der Hochschule Darmstadt tätig.

PR-Fundsachen: Herr Eder, wie sind Sie zur PR gekommen?

Norbert Eder: Über die fachliche Schiene. Ich habe Volkswirtschaftslehre und Politik studiert und arbeitete während des Studiums als freier Mitarbeiter einer Regionalzeitung. Wegen den schlechten Arbeitsbedingungen und dem extrem umkämpften Arbeits­markt als Journalist habe ich zunächst als Ökonom gearbeitet, bevor ich dann als Pressesprecher eines Wirtschaftsverbandes die PR zum Hauptberuf machte.

PR-Fundsachen: Welche Fähigkeiten sollten kommende PRler Ihrer Meinung nach in den Beruf mitbringen?

Norbert Eder: Ein perfekter Umgang mit Informations- und Kommunikationstechnologien wird zunehmend wichtiger. Dies ist notwendig, um sich zu informieren, um die Kommunikation zu produzieren, zu organisieren und zu betreiben. Aus Mangel an Ressourcen und Budgets wachsen die bisher getrennten Aufgabenbereiche des Erstellens der Inhalte und die des Managements der Kommunikation in einer Person zusammen. Das heißt zum Beispiel, die interne Kommunikation eines Unternehmens wird von einer Person geleitet, die die Texte für die Mitarbeiterzeitung schreibt, es als ePaper programmiert, Aktuelles in das Blog schreibt, das sie aufgebaut hat, sie schreibt ein Drehbuch für die Mitarbeiterkommunikation (beispielsweise von der CeBIT) und setzt es mit einer Flip Cam selbst um.

PR-Fundsachen: Wohin wird sich die PR, insbesondere mit dem Schwerpunkt Online-PR, in Zukunft entwickeln?

Norbert Eder: Ich denke, die PR im Bereich Unternehmenskommunikation wird mehr mit allgemeinen Managementthemen eines Unternehmens beauftragt werden, als das bisher der Fall ist. Das heißt, aus PR wird Reputations- oder Imagemanagement und das schließt Unternehmenskultur, Change Management und Prozesseffizienz, Public Affairs, CSR, Employer Branding, Kunden- und Marktkommunikation ein. Gerade Change Management und Prozesseffizienz sind klassische Management­aufgaben, die nicht per se mit der PR-Abteilung in Verbindung gebracht werden, deren Erfolg aber von der Kommunikation abhängt. Das Unternehmen der Zukunft ist das „kommunikative Unternehmen“. Die Rolle der PR ist, die Mitarbeiter und das Management bei all diesen Prozessen kommunikativ zu beraten und zu begleiten. Die Online-PR wird diesen Trend verstärken, weil sie die Möglichkeit der direkten Stakeholder-Kommunikation ermöglicht. Und Online-PR wird die Instrumente zur Umsetzung liefern, sie ist Toolbox und Enabler. Den Rahmen bilden allerdings Managementthemen und inhaltliche Fragen.

PR-Fundsachen: Herr Eder, vielen Dank für dieses Interview!

zu den Kommentaren

Die PRaktiker (15): Mike Schnoor

Steckbrief zur Person

Name: Mike Schnoor

Alter:31 Jahre

Aktuelle Tätigkeit: Mike Schnoor ist Teamleiter PR & Corporate Communications bei sevenload, einem der weltweit größten Social Media Networks für WebTV, Videos und Fotos. In der Rheinmetropole Köln verantwortet er bei sevenload die Öffentlichkeitsarbeit, Unternehmenskommunikation und Verbandsarbeit des Unternehmens. Zu seinen ehrenamtlichen Tätigkeiten zählen sein Engagement als Unitleiter Business Development / Marketing und Gründungsmitglied der Fachgruppe Social Media im Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW) e.V sowie die Organisation des Twittwoch Köln.

PR-Fundsachen: Herr Schnoor, wie sind Sie zur PR gekommen?

Mike Schnoor: Wie gelangt man zu einer verantwortungsvollen Position? Von meinen Anfängen im Zeitungsverlag bis zum nuklearen Winter der Internetbranche nach der Jahrtausendwende begeisterten mich Medien. Schreiben war eine Leidenschaft, dessen größte Errungenschaft die Meinungsbildung der Leser ist.

Während meines Studiums des Internationalen Managements befasste ich mich fast täglich mit Weblogs – nicht nur als Leser, sondern als aktiver Autor. Themen aus Social Media oder dem damaligen Web 2.0, die gesamte Medienlandschaft, Management, Marketing, Kommunikation und Public Relations bildeten nach kurzer Zeit die eigentlichen Schwerpunkte meines Blogs unter www.sichelputzer.de – beim Schreiben setze ich mittlerweile auf eine fachliche Ausrichtung. Als einer der wenigen meiner Kommilitonen vertraute ich damals auf diese digitale Selbstinszenierung zur Stärkung meiner persönlichen Online Reputation.

Wohl aus diesem Engagement wurde das damals noch junge Start-up Unternehmen sevenload auf mich aufmerksam und bot mir die einzigartige Chance an, die Pressearbeit von sevenload.com in klassischen und herausfordernden Social Media Umfeldern zu gestalten. Das Unternehmen konnte durch diese einzigartige Konstellation der Pressearbeit zahlreiche Erfolge feiern und sich als authentisches Unternehmen am Markt positionieren.

Als Kommunikator des Unternehmens entwickelte ich einen sicheren Kompass, um zwischen effizienter und wirksamer PR-Arbeit und authentischer Social Media Kommunikation glaubwürdig zu navigieren. Unser Unternehmen ist auf den Grundpfeilern von Social Media gebaut. Wir haben uns mit Premium-TV-Inhalten und Musikvideos bei sevenload zu einem Teil der Lösung für die moderne Unterhaltungsindustrie entwickelt. Deswegen freuen wir uns über unsere Mitarbeiter, wenn Sie sich aktiv mit ihrem Fachwissen in Sozialen Netzwerken beteiligen und unser digitales Produkt durch ihr Engagement technisch und inhaltlich weiter verbessern.

PR-Fundsachen: Welche Fähigkeiten sollten kommende PRler in den Beruf mitbringen?

Mike Schnoor: Begeisterungsfähigkeit, Leidenschaft und Freude an der Kommunikation sind die wichtigsten Voraussetzungen, um in der modernen Medienwelt auch wirklich Fuß fassen zu können. Im Kern jeglicher Anforderungen an PRler findet sich der Grundgedanke fachbereichsübergreifend zu denken. In absehbarer Zeit müssen PRler wie bisher auch Spezialisten in ihren jeweiligen Fachausrichtungen sein, jedoch benötigen Unternehmen und Agenturen echte Generalisten mit Weitblick, die sich von ihren Scheuklappen befreien und Brücken schlagen können zwischen der Fachdisziplin Public Relations und anderen Unternehmensbereichen.

Vor dem Hintergrund von Social Media muss PR beispielsweise auch mit Marketing, Vertrieb, Kundenservice oder Personalwesen zusammenarbeiten. Im Netz sind entsprechende Anlaufstellen zu schaffen, wo sich zukünftige Mitarbeiter, die Kunden mit ihren Rezensionen oder Kritik, aber auch potenzielle Wettbewerber tagtäglich aufhalten. Zusammenhalt für das Erreichen der Unternehmensziele, ein gemeinschaftliches Gefühl der Kommunikation und die Miteinbeziehung sämtlicher Fachbereiche darf von Public Relations verstärkt gestaltet werden. Schließlich ist alles und jeder ein möglicher Kommunikator oder Multiplikator dank der geringen Eintrittsbarrieren zur Publikation und neuen kommunikativen Freiheiten im Netz. Diese neue Form der Medienkompetenz wird in Kombination mit den bisherigen Instrumenten der PR zur Voraussetzung für den Erfolg jeglicher Maßnahmen und Aktivitäten sein, woran sich kommende PRler messen müssen.

PR-Fundsachen: Wohin wird sich die Online-PR in der Zukunft entwickeln?

Mike Schnoor: In unserer deutschen Presselandschaft nutzen mittlerweile zahlreiche Verlage das Potenzial von Social Media zur Informationsverbreitung, Monetarisierung und Kommunikation von redaktionellen Inhalten. Die Wasserträger der Verlage, ihre Redaktionen und Journalisten, verhalten sich ähnlich. Sie optimieren jedoch ihre professionelle Arbeitsweise mit Social Media – im Grunde genommen als Werkzeug: Journalisten nutzen beispielsweise Twitter als Tool zur Informationsbeschaffung bei den für sie wichtigsten Quellen. Das Echtzeit-Web dient ihnen dabei als Themen-Seismograph für ihre Recherche.

Kommen Journalisten und Unternehmensvertreter zusammen, treffen sie sich als Menschen im Dialog auf Augenhöhe. Sie verstehen Social Media als Werkzeug zur aktiven Pressearbeit und für den Austausch untereinander – jeden Tag, rund um die Uhr und teilweise sogar im Urlaub. Wer Twitter und Social Media zur Pflege seiner digitalen Beziehungen nicht einsetzt, wird künftig nicht mehr über klassische Pressearbeit von den wichtigsten Meinungsbildnern wahrgenommen werden.

Nicht nur der klassische Journalist, sondern einzelne Personen werden künftig als Meinungsbildner in der Öffentlichkeit wahrgenommen. Digitale Beziehungen müssen mit Kunden, Partnern, Mitarbeitern, Expatriates, Familienangehörigen, Freunden, Konsumenten, Sachbearbeitern, Auszubildenden, Studierenden, Redaktionen, Politikern, Fachbereichen, Bloggern, Twitternutzern, Konkurrenten geführt werden – im Prinzip erfordert das Aufgabenspektrum der Online-PR die richtige Ansprache von unzähligen Zielgruppen und ihre Steuerung. Eine gelungene Beeinflussung dieser unterschiedlichen Meinungsbildnern und Multiplikatoren entwickelt sich dabei zu einer willkommenen Herausforderung und gleichzeitig zu einer authentischen und transparenten Form der modernen Kommunikation in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit.

PR-Fundsachen: Herr Schnoor, vielen Dank für dieses Interview!

Sämtliche im Rahmen der Kurzinterviewreihe „Die PRaktiker“ entstandenen Antworten und Texte sind ebenso wie die Bilder Eigentum unserer Interviewpartner und erscheinen mit ihrer Genehmigung, so fern nicht anders mit uns ausgemacht, ausschließlich im Studiengangsweblog zum Schwerpunkt Online-PR der Hochschule Darmstadt, den PR-Fundsachen (http://www.pr-fundsachen.de). Sollte Interesse an einem der Texte/ Interviews bestehen, bitten wir darum, sich mit uns bzw. unserem Interviewpartner in Verbindung zu setzen.

zu den Kommentaren

Die PRaktiker (14): Stephan Fink


Steckbrief zur Person

Name: Stephan Fink

Alter: 52

Aktuelle Tätigkeit: Stephan Fink ist Sprecher des Vorstands der Fink und Fuchs Public Relations AG und verantwortlich für die Bereiche Business Development und Beratung. Stephan Fink twittert und ist Mitautor des Blogs der Fink und Fuchs Public Relations AG. Seit 2006 ist Stephan Fink Mitglied der Medienpolitischen Kommission des Landes Hessen.

PR-Fundsachen: Herr Fink, wie sind Sie zur PR gekommen?

Stephan Fink: Ein wenig durch Zufall: Ich habe damals Betriebswirtschaft mit den Schwerpunkten Marketing, Bankbetriebslehre und Informations- & Kommunikationsmanagement studiert. Zum Ende des Studiums bot sich mir zunächst die Chance, als Freier für ausgesuchte Marketing-Fachmedien wie W&V, Zv&Zv oder Copy zu schreiben. Parallel dazu lernte ich einige Jungs kennen (ja, es waren nur Jungs), die in der vielzitierten „Garage“ an ihrem persönlichen Software-Traum bastelten. Heute nennt man solche Unternehmen „IT-Startup“, damals waren das die ersten Kunden, die ich in Marketing- und Kommunikationsfragen beriet. In diesem Zusammenhang kam ich zur PR – eine Disziplin, für die es in Deutschland bis Mitte der 90er Jahre in Deutschland keinerlei strukturierte Ausbildung oder gar Studiengänge gab.
Mit dem PC-Boom Ende der 80er Jahre ergab sich an der Schnittstelle zwischen Herstellern komplexer Technologien und professionellen wie auch privaten Anwendern großer Erklärungsbedarf, was eine riesige Chance für professionelle PR-Kommunikation eröffnete. Zusammen mit Martin Fuchs gründete ich deshalb 1988 die Fink & Fuchs Public Relations GmbH. Wie ich heute weiß, war dies eine gute Entscheidung. Denn die rasante technologische Entwicklung, der Wandel der Medienlandschaft und die damit verbundene Weiterentwicklung der PR haben uns immer neue und spannende Aufgaben beschert.

(mehr …)

zu den Kommentaren

Die PRaktiker (13): Anja Beckmann

Steckbrief zur Person

Name: Anja Beckmann

Alter: 37

Aktuelle Tätigkeit: Als Inhaberin von Anja Beckmann PR – Agentur für Kommunikation (Köln) greift sie auf 17 Jahre Erfahrung aus Journalismus und PR zurück: Anja Beckmann hat die Unternehmenskommunikation von Starbucks geleitet, die Marken-PR des weltweit zweitgrößten Nahrungsmittelunternehmens Kraft Foods verantwortet, war für die Agentur FischerAppelt und sieben Jahre lang als Journalistin tätig. Mit ihrer eigenen Agentur betreut sie nun Kunden in den Bereichen interne und externe Kommunikation sowie Corporate Social Responsibility (CSR). Nachdem ihr Schwerpunkt lange Zeit auf Pressearbeit und Online-PR lag, spielt Social Media eine zunehmend große Rolle. Anja Beckmann nutzt auch für sich selbst das Web 2.0 und kommuniziert über ihr Blog, Facebook und Twitter.

PR-Fundsachen: Frau Beckmann, wie sind Sie zur PR gekommen?

Anja Beckmann: Ursprünglich wollte ich Journalistin werden: Denn ich konnte schon immer gut schreiben, war neugierig auf Menschen und Themen. Mit 18 Jahren fing ich als freie Journalistin bei unserer lokalen Tageszeitung an. Vor und während meines Germanistik-Studiums war ich dann sieben Jahre lang für verschiedene Printmedien und Hörfunksender im Einsatz. Doch über Praktika stellte ich fest, dass die PR noch mehr meinen Vorstellungen entspricht.

Der PR-Beruf ist einfach sehr vielfältig: Das Aufgabenspektrum reicht von der Beratung über die Konzeption bis hin zur Umsetzung der Maßnahmen – dazu gehört auch das Texten. Ich kommuniziere zu Unternehmen und Produkten, mache sie so bekannt, positioniere sie im Wettbewerb, stärke ihren guten Ruf und schütze sie durch Issues- und Krisenmanagement gleichzeitig.

Schon während meines PR-Volontariats bei der Agentur FischerAppelt habe ich Markenartikler betreut. Danach war ich sieben Jahre lang für Kraft Foods tätig und habe als Pressesprecherin die Marken- und Produkt-PR verantwortet – unter anderem für Milka, Jacobs und Philadelphia. Von diesen bekannten Marken ging es zu Starbucks: Bei der Kaffeehauskette habe ich die deutsche Unternehmenskommunikation geleitet, mit den Bereichen interne und externe Kommunikation sowie CSR. Ein wichtiges Thema dort war Social Media – Starbucks hat weltweit über sieben Millionen Facebook-Fans und rund eine Million Twitter-Follower. Mit meiner eigenen Agentur „Anja Beckmann PR“ liegt mein Schwerpunkt nun auf Pressearbeit, Online-PR und Social Media für Unternehmen, Produkte und Dienstleistungen.

PR-Fundsachen: Welche Fähigkeiten und Kenntnisse sollten kommende PRler in den Beruf mitbringen?

Anja Beckmann: Für kommende PRler spielt neben dem Fachwissen auch die Persönlichkeit eine wichtige Rolle. Sie sollten kommunikativ, begeisterungsfähig, kreativ und aufgeschlossen sein. Wichtig ist zudem die Fähigkeit, übergreifend zu denken und mit anderen zu kooperieren. Ob Marketing, Human Resources, Vertrieb oder Kundenservice – nur im Zusammenspiel mit diesen Abteilungen ist eine integrierte Kommunikation möglich.

Frühzeitig sollte der PR-Nachwuchs sich überlegen, welchen Weg er beruflich einschlagen will: Möchte er später als PR-Generalist oder Spezialist arbeiten? Entsprechend sollte er seine Kenntnisse entwickeln. Ein Generalist benötigt den Überblick über ganz unterschiedliche PR-Bereiche – zum Beispiel Pressearbeit, interne Kommunikation, Krisenkommunikation, Public Affairs, Investor Relations oder CSR. Ein Spezialist geht bei seinem Fachbereich dagegen sehr in die Tiefe. Zudem sollten PR-Leute Trends in ihrem Berufsfeld erkennen können und ihre Kenntnisse stets aktuell halten. Wurde Krisenkommunikation als PR-Trendthema von CSR abgelöst, so ist es nun Social Media.

PR-Fundsachen: Wohin wird sich die Online-PR in der Zukunft entwickeln?

Anja Beckmann: Eine Website ist inzwischen Standard für Unternehmen. Auch die Kontaktpflege zu den Online-Ablegern der klassischen Medien gehört zum PR-Instrumentarium. Ich glaube, dass künftig auch Social Media fester Bestandteil im Kommunikationsmix sein wird – wo immer es zum Unternehmen und seinen Zielgruppen passt. Zurzeit sind Markenartikler und Technologieunternehmen in diesem Feld die Vorreiter. Bleibt zu hoffen, dass auch die andere Unternehmen mit langfristig angelegten Strategien nachziehen. Und dafür brauchen PR-Berater oder -Manager relativ neues Wissen und Fertigkeiten: Sie müssen die Social Media-Landschaft sowie ihre Meinungsführer kennen, über Plattformen wie Facebook oder Twitter zielgruppengerecht kommunizieren können und gleichzeitig neue Trends im Blick behalten.

PR-Fundsachen: Frau Beckmann, vielen Dank für dieses Interview!

Sämtliche im Rahmen der Kurzinterviewreihe „Die PRaktiker“ entstandenen Antworten und Texte sind ebenso wie die Bilder Eigentum unserer Interviewpartner und erscheinen mit ihrer Genehmigung, so fern nicht anders mit uns ausgemacht, ausschließlich im Studiengangsweblog zum Schwerpunkt Online-PR der Hochschule Darmstadt, den PR-Fundsachen (http://www.pr-fundsachen.de/). Sollte Interesse an einem der Texte/ Interviews bestehen, bitten wir darum, sich mit uns bzw. unserem Interviewpartner in Verbindung zu setzen.

zu den Kommentaren