Social Media im Namen des Gesetzes

Über das Recht zu schweigen, welches Beamte bei Festnahmen regelmäßig verlesen, verfügt bekanntlich jeder. André Karsten und sein Kollege Dennis Seeger von der Polizei Frankfurt am Main machen davon keinen Gebrauch, denn sie sind für ihren Arbeitgeber auf Twitter, Facebook und Instagram aktiv. Was das alles soll, schilderte Karsten auf dem #cosca16 in Dieburg.

André Karsten

Angesiedelt in der Pressestelle schalten und walten Polizeioberkommissar Karsten und Polizeihauptkommissar Seeger in ihrem eigenen Ressort: Social Media. Seit Januar 2014 sind die beiden unter dem Handle @Polizei_Ffm auf dem Micro-Blogging-Netzwerk Twitter aktiv. Mittlerweile erreichen die Tweets über Einsätze, Fahndungen und Geschwindigkeitskontrollen eine beachtliche Zahl von rund 65.700 Followern.

Polizei und Social Media – was soll das?

Ausgangspunkt für die Aktivität in den Sozialen Medien war Blockupy 2013: Der Polizei wurde bei ihrem Vorgehen gegen die Demonstrierenden mangelnde Transparenz unterstellt. Darüber hinaus gab es keine Kanäle für die Krisenkommunikation bei Katastrophenlagen. Zu diesem Zeitpunkt keimte die Idee, die gewaltige Reichweite von Social Media zu nutzen, um mit der Bevölkerung in Kontakt zu treten und – was Karsten besonders betont – einen Dialog zu starten. Im Jahr 2015 folgte die Facebook-Seite, die mit rund zehn Beiträgen pro Woche bespielt wird und mittlerweile beinahe 33.500 „Gefällt mir“-Angaben vorweisen kann. Seit Januar 2016 abonnierten außerdem rund 5.800 Nutzer den Instagram-Feed der Polizei Frankfurt.

GG, StGB, StPO, OWiG – oh jemine!

Thematisch liegt der Fokus der über die Kanäle verbreiteten Inhalte auf Einsätzen im Frankfurter Stadtgebiet. Aber auch Nachwuchswerbung und Präventionsmaßnahmen stehen auf dem Programm. In ihrer Kreativität wird das Social-Media-Duo jedoch nicht unerheblich eingeschränkt: So müssen sich die beiden strikt an gesetzliche Vorgaben halten, die durch Grundgesetz, Strafgesetzbuch, Strafprozessordnung, Ordnungswidrigkeitengesetz und weitere Gesetzestexte geregelt werden. Besonders der Datenschutz genießt hohen Stellenwert bei den Aktivitäten in den Sozialen Medien.

Akzeptanzmanagement mal anders

Situationen, vor denen andere Social-Media-Manager erzittern, meistern Karsten und Seeger mit Bravour: Beleidigungen werden schlagfertig gekontert, bei offensichtlich als Provokation gedachten Fragen geschickt der Wind aus den Segeln genommen. Oftmals passen sie die Tonalität ihrer Beiträge dem Soziolekt des Gesprächspartners an. Mit Erfolg! Nicht selten werden Nutzer, die vorher beleidigend aufgetreten sind, zu neuen Followern der Behörde. Schlagfertigkeit überrascht – vor allem, wenn sie von einem Staatsorgan ausgeht, das sonst eher für Alkoholkontrollen, Drogentests und Hausdurchsuchungen bekannt ist.

Reichweite für den Katastrophenfall generieren

Um bei einem eventuellen Katastrophenfall – sei es ein Flugzeugabsturz oder eine Terrordrohung – über die größtmögliche Reichweite verfügen zu können, plant die Frankfurter Polizei, die Aktivitäten in den Sozialen Netzwerken weiter auszubauen. Das Social-Media-Team verfolgt neue Trends stets mit dem Hintergedanken, ob diese für die Interessen der Polizei von Nutzen sind. Karsten kann sich demnach einen Account bei Snapchat genauso gut vorstellen wie einen Auftritt bei XING oder Pinterest. Es bleibt spannend, für welche Kanäle sich unser Freund und Helfer zukünftig noch entscheiden wird.

tl;dr
André Karsten und Dennis Seeger von der Polizei Frankfurt am Main sind für ihren Arbeitgeber auf Twitter, Facebook und Instagram aktiv. Sie sind in der Pressestelle im eigens dafür eingerichteten Ressort Social Media angesiedelt. Das Hauptziel des Engagements ist die Reichweitengenerierung für Katastrophenfälle, nebenbei sorgen die Beiträge für Transparenz der Polizeiarbeit und verfolgen präventive Absichten.

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