#NewWork – Heute regiert die Digitalisierung den Arbeitsplatz

„Ein Analoger wird bei uns nicht happy – wie sollen wir mit ihm kommunizieren? Briefe schreiben?“ – Florian Bauhuber, Geschäftsführer von Tourismuszukunft.

In den frühen 80iger Jahren war der Schreibtisch eines Manangers vollgestellt mit diversen Büchern, Akten, einem Faxgerät, einem Taschenrechner, einem Telefon, einem Kalender, Bilder an der Wand und einem Computer, dessen Bildschirm fast so breit wie der Tisch selbst war. Fast 40 Jahre später sind Bilder an der Wand, sowie Faxgerät oder Bücher überflüssig geworden. Denn der Beschäftigte von heute benötigt nun nicht mehr als einen Laptop, sein Smartphone, Internetzugang und bei Sonnenschein die Sonnenbrille. Und Schuld daran ist die Digitalisierung!

 

Die Agentur Tourismuszukunft

Florian Bauhuber ist seit 2008 Geschäftsführer von Toursimuszukunft. Auf dem #cosca17 beschrieb er den Weg seiner Agentur in die Digitalisierung. Das Interesse der Barcamp-Besucher war groß – der Zweifel, ob dieses Arbeitsmodell wirklich nachhaltig ist auch. Florian setze sich entspannt auf den Tisch und leitete die Session mit den Worten, „Wir waren mal das…“ ein. Auf seiner Folie sind ca. 20 Mitarbeiter im typisch adretten Anzug und einem gezeichneten Lächeln zu sehen. Wer kennt es nicht? Das typisch deutsche Arbeitsmodell: ein lokales Büro, mehrere Arbeitszimmer, die neben Tischen und Stühlen ausgestattet mit Grünpflanzen sind, Arbeitszeiten von 8-17 Uhr, Überstunden werden hingenommen und für die Mitarbeiter ist der beliebteste Weg, der zum Kaffeeautomaten oder der Toilette. Florians Agentur hingegen glänzte zusätzlich mit einem Tischkicker, der in der Mittagspause oder nach Feierabend für den Spaßfaktor sorgte. „Wir dachten, wir sind eine coole Firma, in der jeder sein will.” Florian Bauhuber berichtete davon, wie sich gut ausgebildete Mitarbeiter nach und nach aus der Firma verabschiedeten. Ist die Digitalisierung Schuld daran? Florian vermutet, „Ihr Drang nach Offenheit, Neugier und Flexibilität ist einfach zu groß, um sie an einen Ort zu binden.”, deshalb zog der Geschäftsführer rechtzeitig die Notbremse und leitete die Transformation ein.

 

Flexible Arbeitsplätze machen den Anfang

Laut einer Umfrage von Indeed im Jahr 2016, ist ein flexibler Arbeitsplatz für drei Viertel der deutschen Arbeitnehmer ein wichtiges Kriterium (vgl. Presseportal, 2016). Die Werbeagentur „be a part“ in Darmstadt transformierte sich beispielsweise aus einer strukturierten und hierarchischen Arbeitsweise zu einem flexiblen Arbeitsplatz: Geschäftsführerin Nancy Graf unterschreibt nun keine Urlaubsanträge mehr. Ihre Arbeitnehmer entscheiden seit 2014 selbst, wann, wo und wie viel sie arbeiten. Dieses Arbeitsmodell funktioniert hervorragend und wird gerne von den Mitarbeitern angenommen, die dadurch motivierter, entspannter und vor allem produktiver sind. Trotz Arbeitsplatzfreiheiten stellt die Geschäftsführerin ein lokales Büro mit hauseigenem Fitnessraum für ihre Mitarbeiter zur Verfügung, das von vielen regelmäßig und zum intensiven Austausch genutzt wird. Tourismuszukunft hingegen ging einen Schritt weiter. Florian Bauhuber transformierte seine Agentur zu einem Netzwerkunternehmen ohne Büro. Er schaffte den Spagat zwischen Vertrauensarbeit und Home-Office.

 

Die Transformation zum Netzwerkunternehmen

Netzwerkunternehmen, New Work oder digitale Nomaden – wie soll man ein Unternehmen oder eine Agentur und die Mitarbeiter beschreiben, die ihre Arbeit ohne lokales Büro, ohne feste Arbeitszeiten und ohne sesshaftes Arbeitszimmer verrichten? Lassen wir die Benennung nebensächlich sein. Denn eins wird deutlich: die Arbeitswelt steht im Umbruch und die Digitalisierung trägt einen großen Anteil dazu bei. Florian Bauhuber reagierte darauf mit sieben Glaubenssätzen, die ich in wenigen Sätzen erläutere:

(1) Zusammenarbeit funktioniert besser in Netzwerken statt in Silos

Die Digitalisierung fordert hohe Flexibilität, Dynamik und lebenslanges Lernen in allen Bereichen unseres Alltages. Um diesen Ansprüchen auch in einem Unternehmen gerecht zu werden, ist ein Umdenken im klassischen Projektmanagement nötig. Silodenken und Projekte mit langwierigen Entscheidungsabwicklungen von oben haben im 21. Jahrhundert kaum noch Bestand. Agile Projekte öffnen Türen für schnelle Reaktionen und Innovation.

 

(2) Informationen dürfen nicht mehr aus machtpolitischem Interesse einbehalten, sondern müssen geteilt werden

Wie sagt ein schönes Sprichwort? Sharing is caring! Weg vom Konkurrenzdenken hin zum Wissensaustausch untereinander. Das fördert den Teamgeist, die Motivation und die Qualität der Arbeit.

 

 (3) Führungskräfte sind Ermöglicher und keine Herrscher

Florian Bauhuber ist zwar Geschäftsführer von Tourismuszukunft, jedoch nimmt er nicht die Rolle eines Herrschers ein. Er ist der Ermöglicher:

Florian Bauhuber twittert

 (4) Vielfalt schlägt Spezialisierung

Das Unternehmen hat die Erfahrung gemacht, dass Vielfalt effektiver als Spezialisierung ist. Jeder Netzwerkpartner* hat unterschiedliche Interessen und Arbeitserfahrungen in unterschiedlichen Bereichen. Jeder Einzelne bringt Vielfalt in die Agentur, die nicht durch starre Strukturen eingegrenzt werden sollte. Mauern schränken ein, doch Vielfalt ist grenzenlos.

  

(5) Die Potenzialentfaltung der Mitarbeiter ist wertvoller als normierte Prozesse

Menschen haben unterschiedliche Bedürfnisse und bevorzugen unterschiedliche Arbeitsroutinen: Arbeiten am Morgen, nachmittags oder bis tief in die Nacht – jeder hat eigene Leistungshöhe- und -tiefpunkte während des Tages. In einem Arbeitsalltag von 8-17 Uhr ist die Entfaltung persönlicher Arbeitsroutinen praktisch unmöglich. Deshalb gibt Tourismuszukunft seinen Kollegen* alle Freiheiten, die sie benötigen, um sich selbst und innerhalb ihrer Projekten zu entfalten und produktiv zu sein. Das gilt nicht nur für die Arbeitszeit, sondern schließt den Arbeitsort mit ein. Das Netzwerkunternehmen hat zurzeit 12 Standorte in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Mit Hilfe der Digitalisierung werden Hürden, die ohne Arbeitsbüro entstehen, wie große Entfernungen, Absprachen, Informationsaustausch oder alltägliche Witze überwunden. Whatsapp, Socialcast oder Hangout sind nur wenige Tools, die das Arbeitsmodell New Work möglich macht. Beispielsweise gibt es bei Tourismuszukunft jeden Montag ein Hangout Meeting und vier Mal im Jahr ein ganz reales Treffen, face-to-face, an einem schönen Ort.

 

(6) Scheitern ist unvermeidbar und Vertrauen erfolgskritisch

Scheitern ist die beste Art und Weise, zu lernen. Dabei sollte Scheitern kein gesellschaftliches Tabuthema sein, sondern man sollte aus diesen Erfahrungen lernen und wachsen. Außerdem ist Vertrauen das A und O in einer Arbeitswelt ohne lokales Büro. Jeder Netzwerkpartner* der Agentur Tourismuszukunft ist selbst verantwortlich, seine Deadlines pünktlich und gewissenhaft abzuliefern.

 

(7) Vor allem aber: Der Kundennutzen definiert die Strategie

Arbeiten ist mehr als als nur Geld verdienen. Tourismuszukunft steht mit seinen Kunden stetig im Dialog, um die Strategie auf ihre spezifischen Wünsche und Bedürfnisse aufzubauen.

 

Haben diese Arbeitsmodelle Zukunft?

Pauschal sind Freiheiten und Flexibilität bei der Arbeit nicht für alle Persönlichkeiten das richtige Modell. Dank der Digitalisierung ist es heute aber möglich, Menschen den Wunsch nach einem flexiblen Arbeitsplatz zu erfüllen. Ob dieses Modell nachhaltig oder tatsächlich zukunftsfähig ist, werden wir in den kommenden Jahren weiterhin selbst beobachten können.

 

 

*Nachdem es auf Twitter die Anregung gab, dass es sich bei einem Netzwerkunternehmen weniger um Mitarbeiter und eher um Netzwerkpartner oder Kollegen handelt, habe ich nachträglich meinen Blogbeitrag dementsprechend angepasst. Danke für den Hinweis.

Quellen:

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