Mit den Followern im Bett – Storytelling auf Snapchat

Eine Foto-App, bei der sich Bilder nach 10 Sekunden löschen – wer braucht das schon? Doch Snapchat kann so einiges mehr als das!

Snapchat gibt es mittlerweile seit 2011 und seitdem sind die Nutzerzahlen rasant angestiegen. Auch auf der re:publica war das Thema präsent. Es gab mehrere Sessions zu der App, welche alle sehr gut besucht waren. Doch was ist das eigentlich, dieses Snapchat? Und was macht die App so besonders?

Snapchat Benutzeroberfläche

Mal ganz von vorne…

Snapchat unterscheidet sich von vielen anderen Messaging Diensten durch seinen Aufbau. Statt Textnachrichten werden sogenannte „Snaps“ versendet. Das können Fotos, aber auch Videos sein. Diese sind nur temporär verfügbar, da sie maximal zehn Sekunden angesehen werden können. Da normale Fotos und Videos jedoch nicht besonders spannend sind, können die Snaps noch mit Filtern, Schriftzügen und Malereien „aufgepimpt“ werden. Die Filter werden täglich von Snapchat geupdatet, es kommen neue Filter dazu und ältere verschwinden wieder. So entsteht eine gewisse Dynamik und der Anreiz, die App zu verwenden.

Wem zehn Sekunden zu kurz sind, der kann seine Snaps auch der „Story“ hinzufügen. Stories sind ab der Veröffentlichung 24 Stunden sichtbar und können von allen Snapchatkontakten beliebig oft angesehen werden. Mit den Jahren hat sich Snapchat weiterentwickelt, sodass mittlerweile auch über die App gechattet werden kann. Bei Snapchat gibt es keine Notifications, wenn eine neue Story hochgeladen wurde. Wer up-to-date bleiben möchte, muss also regelmäßig die App checken. Damit passt sich die App dem  Nutzerverhalten der U20-Generation an, die keine Push-Notifications mehr als Anreiz benötigt.

Mit den Followern im Bett

Auf Snapchat ist eine vergleichsweise junge Zielgruppe zu finden. Das Durchschnittsalter der Nutzer liegt zwischen 14 und 20 Jahren. Anders als bei Facebook und Instagram gibt es auf Snapchat keine Algorithmen und Filterbubbles – und genau das macht Snapchat für viele Blogger, Journalisten und PR-Schaffende so attraktiv.

Sobald man einem Account folgt, wird dessen Story auch definitiv angezeigt. Zudem wird nicht zwischen privaten und öffentlichen Accounts unterschieden. Zwischen den Snapchat-Stories von Freunden taucht somit der Content von gefolgten Marken, Zeitschriften und Stars auf. Da die häufigste Nutzung von Snapchat morgens und Abends in der Horizontalen stattfindet, geht man mit den Followern buchstäblich ins Bett – und kommt ihnen so extrem nah.

Snapchat unterwegs

Ehrlicher und authentischer Content

Da auf Snapchat weder geliked noch kommentiert werden kann, besteht weniger der Druck, etwas zu posten was anderen gefällt. Das führt dazu, dass vorrangig authentischer Content gepostet wird. Seien es Schnappschüsse aus dem Schwimmbad oder lustige Videos mit Freunden – auf Snapchat ist alles möglich, außer gephotoshoppte und inszenierte Bilder. Viele Blogger machen sich das zunutze. Während auf Instagram schicke Selfies und Outfitbilder gepostet werden, findet man auf Snapchat kurze Videos vom Einkaufen im Supermarkt oder der letzten Partynacht, sowie Snaps mit lustigen Filtern über dem Gesicht. Durch Snapchat kann man hinter die Kulissen der scheinbar perfekten Blogger-Welt blicken und seinem Idol ganz nah sein.

Was hat Snapchat mit Storytelling zu tun?

Snapchat kann hervorragend für Storytelling genutzt werden. Allen voran beim Storytelling auf Snapchat ist Eva Schulz. Sie ist Snapchat-Reporterin bei „hochkant“, dem Snapchatkanal von „funk“, einem Online-Format von ARD und ZDF für 14- bis 29-Jährige.

Auf „hochkant“ werden von insgesamt drei Reportern tagesaktuelle News geliefert, sei es von den Wahlen in den USA oder vom Kirchentag in Berlin. Dadurch, dass bei Snapchat alles live ist und die Story publiziert wird, bevor sie überhaupt fertig ist, ist man als User sehr nah dran am Geschehen. Massenfeedback kann man auf Snapchat nicht erwarten, jedoch entstehen über die Chatfunktion oftmals persönliche Dialoge mit den Usern, so Schulz. Zudem ist für den Storyinhaber sichtbar, wer sich die Story angesehen hat und auch wenn ein Screenshot von einem Snap gemacht wurde. Somit hat man einen guten Anhaltspunkt, wie viele Menschen sich die Snaps angeschaut haben. Laut Schulz gäbe es zudem auf keinem Netzwerk so konstruktive und intensive Interaktion mit den Followern wie auf Snapchat. Perfektionismus ist hier nicht notwendig um gute Geschichten zu erzählen. Das authentische und persönliche ist das, was Snapchat wirklich ausmacht.

Schnappschuss von der Media Convention

Was ist zu beachten?

Wenn man nicht gerade Prominent ist, sollte man auf zu viele Selfieaufnahmen verzichten. Maximal dreimal hintereinander sollte das Gesicht in der Story zu sehen sein, spätestens dann muss etwas anderes gefilmt oder fotografiert werden. Sonst wird es für den Follower langweilig, so Schulz. Da die Aufmerksamkeitsspanne bei jugendlichen Nutzern oftmals geringer ist als bei Erwachsenen, sollte auf zu viel Gerede verzichtet werden. Durch die Kürze der Videos sind Erzählsprünge vorprogrammiert. Das sollte man sich zu Nutze machen und die Snaps geschickt zu einer Storyline verknüpfen. Um den Zuschauer nicht zu verlieren ist ein starker Anfang extrem wichtig. Jedoch muss man letztendlich auch einhalten, was man am Anfang verspricht. Um eine gute Geschichte zu erzählen, sollte man grob wissen was man vor hat, welche Geschichte es zu erzählen gibt und auf welche Reise man die Leute mitnehmen möchte. Gleichzeitig sollte man aber auch bereit sein alles über den Haufen zu werfen und Gelegenheiten nutzen, wenn sich beispielsweise zufällig ein Interview ergibt oder Begebenheiten sich ändern. Spontanität ist hier das A und O!

Da fast ein Drittel aller Snaps ohne Ton angesehen werden, ist es sehr zu empfehlen diese zusätzlich  zu beschriften. Zudem gilt: je vielfältiger die Snaps sind, desto besser! Die Filter bieten eine hervorragende Möglichkeit herumzuspielen und zu experimentieren – und auch um mal spontan etwas neues auszuprobieren, denn: nach 24 Stunden ist eh alles wieder verschwunden.

Viel Spaß beim Snappen!

Snapchat-Filter

 

Photocredit:
CC BY 2.0 – Daria Nepriakhina (unsplash.com)

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