Hasskommentare im Netz: Warum #OrganisierteLiebe wichtig ist

Kübra Gümüşay ist Journalistin, Aktivistin und Co-Gründerin von #SchauHin. An Tag 02 der re:publica erklärte sie uns in einem sehr emotionalen Appell, wieso wir anfangen müssen, Liebe zu organisieren.

Wieso? Weil Hass organisiert ist. Weil wir Hass nicht totschweigen können. Weil Hass nicht verschwindet oder weniger wird, nur weil man ihn ignoriert und wegschaut, wenn man ihn sieht. Sie traf mit dem Zitat  „In the End, we will remember not the words of our enemies, but the silence of our friends.“ von Martin Luther King Jr. eine ziemlich passende Aussage.

Spread love, not hate

Kübra argumentiert in ihrem Vortrag: Es kann nicht sein, dass Menschen aufgehört haben, sich für rassistische Kommentare – egal ob in sozialen Netzwerken oder real talk – zu schämen. Es kann nicht sein, dass es okay ist, gezielt Hass auf Social Media zu verbreiten und dafür auch noch Likes zu erhalten. Es darf nicht sein, dass so etwas „normal“ ist und akzeptiert oder sogar befürwortet wird. Wir dürfen uns nicht daran gewöhnen, dass in Kommentarspalten und Facebook-Diskussionen geschimpft, gehetzt oder beleidigt wird.

Auch digitaler Hass, ist realer Hass

Im Internet scheint generell für viele nichts real. Internet ist nichts zum Anfassen. Im Netz scheint alles so „weit weg“. Was man sich aber stets vor Augen halten muss: Auch digitaler Hass ist realer Hass. Am anderen Ende der Leitung sitzt schließlich ein Mensch und kein Roboter.  Ein Wesen mit Gefühlen, in der Lage Emotionen zu verstehen, einzuordnen und zu bewerten. Jemand, der sich ganz bewusst dafür entscheidet, mit rechtspopulistischen Kommentaren Hass zu schüren. Es ist kein erfundener Hass, er ist real. Er ist da. Von jedem sichtbar. Von jedem lesbar. Und für manche ‚likebar‘.

Wir dürfen nicht zulassen, dass uns der Hass der uns in manchen Netzwerken zu erschlagen scheint, die Leichtigkeit und Unbeschwertheit nimmt.

Aber wie sieht #OrganisierteLiebe jetzt aus?

„Wenn du etwas gut findest, dann sag das doch!“ Kübra ruft die Community, Kommunikationsprofis und alle, die verantwortlich handeln möchten dazu auf, sich ebenfalls zu organisieren. Wir müssen „Organisierte Liebe“ organisiertem Hass entgegensetzen. „Wir, die Gesamtgesellschaft müssen lauter sein, als die, die Hass verbreiten und Ressentiments schüren,“ so die 27-Jährige. „Wo kämen wir hin, wenn sich nur Juden gegen Antisemitismus und nur Schwarze gegen Rassismus wehren würden?“ Es ist eine Aufgabe für ALLE und nicht nur für die Betroffenen.

Was wir also tun können? „Stürmen wir die Kommentarspalten und überlassen wir sie nicht denen, die Hass schüren. Verbreiten wir Informationen gegen Populismus. Geben wir im Netz die Dinge weiter, die gut sind – feiern wir sie. Werden wir Fan von denen, die Gutes tun – nicht erst, wenn sie tot sind.“

Wer den Vortrag von Kübra in seiner gesamten Form und Länge hören und sehen will, kommt hier zu dem Vortrag von der re:publica.

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