Flashback re:publica 2017: “Neutralität ist eine Illusion”

Schiwa Schlei vom WDR
Schiwa Schlei vom WDR (rechts)

Wir haben für euch auf der re:publica 2017 Kübra Gümüsay Sascha Lobo, Magdalena Rogl und andere Netzpersönlichkeiten vor die Kamera bekommen. Wir haben sie gefragt, was ihre wichtigsten Tipps zum Arbeiten im Netz und für Berufseinsteiger in der Onlinekommunikation sind. Und für diejenigen, die das auf unserem Instagram-Kanal nicht gesehen haben, gibt’s hier hier die wichtigsten Statements im Überblick.

Social Listening

Fangen wir mit Magdalena Rogl an. Für die junge Head of Digital Channels bei Microsoft Deutschland ist bei der Onlinekommunikation das Zuhören besonders wichtig. Aber wieso Zuhören? Ich kann doch meinen Content hinter verschlossenen Türen für meine Zielgruppen recherchieren, aufbereiten und publizieren? Eben nicht! Ein Kind reift in seinem Leben auch erst durch Zuhören, Beobachten, Krabbeln und irgendwann kann es auf eigenen Beinen stehen und laufen. Wenn wir diesen Kreislauf auf einen Onlineauftritt für ein Unternehmen anwenden, erkennen wir, dass das Zuhören (im Fachjargon Monitoring und Listening genannt) die Grundlage darstellt für einen strategischen Auftritt in der Welt der Onlinekommunikation. Ich wage zu behaupten, dass wir online genauer zuhören können als offline. Wir können auf mehr Aussagen von Zielgruppen zugreifen, unsere Schlüsse daraus ziehen und sie vor allem besser kennenlernen. Gerade in der Themenfindung von bevorstehenden Content können Unternehmen durch das Online-Listening die relevanten Themen für Ihre Zielgruppen finden, abstimmen und veröffentlichen. Ansonsten läuft ein Unternehmen Gefahr, mit falschen Inhalten auf seine Stakeholder zuzugehen. Und schließlich gehört Zuhören zu jeder (Kommunikations-)Beziehung. Zusammenfassend: Zuhören und strategische Schlüsse in Bezug auf Content ziehen beugt der Fehlkommunikation vor.

 

 

Die Beherrschung der Social-Media Kanäle

Schiwa Schlei dagegen betont, wie wichtig es ist, die Kanäle, in denen man als Unternehmen vertreten ist, zu beherrschen. Sie ist Content-Chefin für WDR Cosmo und für die Online-Aktivitäten des Senders verantwortlich. Derzeit wirkt sie in dem Projekt “Türkei unzensiert” mit.

Schlei ist der Meinung, dass durch die Beherrschung der einzelnen Social-Media Kanäle erst gutes Marketing und Journalismus betrieben werden können. Ist das so? Definitiv!

Wenn ein Unternehmen sich nicht in den Social-Media-Kanälen auskennt, auf denen es unterwegs ist, besteht das Risiko, mit falschen Formaten auf seine Zielgruppe zuzusteuern. Jeder Kanal hat seine eigene Sprache und Formate. Seine Nutzer haben spezielle Erwartungen. Erst mit einem Verständnis dafür und der Beherrschung der Kanäle erkennt ein Unternehmen, wie es dort seinen Content aufbereiten muss. Dabei muss aber beachtet werden, dass nicht der Kanal bei der Erstellung von Content im Vordergrund stehen sollte. Nach dem Motto: „Ich mache mal Facebook, weil Facebook viele User hat“. Hier sollten die richtigen Nutzer und das Thema im Zentrum stehen.

 

 

 Die Chance durch kontinuierliche Weiterbildung

“Es wird sich ständig was tun” in der Onlinekommunikation. Um  am Puls der Zeit mit seinem Unternehmen zu agieren oder als Mitarbeiter die “richtigen” Impulse in einer Kommunikationsabteilung zu setzen, sieht der PR-Berater und Buchautor  Dominik Ruisinger nur eine Chance, um genau das zu bewerkstelligen: ”kontinuierliche Weiterbildung”. Wir erleben auf Blogs, Twitter und sonstigen sozialen Netzwerken laufend Veränderungen. Des Weiteren kommen immer weitere Kanäle und Technologien hinzu, die für ein Unternehmen eine Chance bieten, sich neu zu positionieren. Die Möglichkeiten dazu muss man jedoch erst erkennen und dazu verstehen, wie Neues funktioniert – lebenslanges Lernen ist der Schlüssel dazu.

 

 

Wachsam und neugierig bleiben!

Sascha Lobo der wohl bekannteste Berater und Aktivist in der deutschsprachigen  Netz-Community hat  für uns eine gleichzeitig schlimme und positive Botschaft und argumentiert ähnlich wie Ruisinger: “Man kann sich nie ausruhen”. Was steckt hinter dieser Aussage?

Lobo hat im zentralen Muster des Internets und der Digitalisierung erkannt, dass Erfolgsrezepte von gestern morgen schon nicht mehr funktionieren können. Aus diesem Grund, so betont er, kann und darf ein angehender Kommunikationsexperte sich nicht ausruhen. Um also erfolgreiche Strategien zu kreieren und etablieren, sollten wir wachsam und neugierig im Internet agieren. Dazu zählt auch, sich selbst und seine Konzepte stetig auf den Prüfstand zu stellen und kritisch zu hinterfragen.

 

 

Es gibt keine Neutralität im Journalismus

Das abschließende Wort hat die Aktivistin und Journalistin Kübra Gümüsay. Sie ist der festen Überzeugung, dass im Journalismus keine Neutralität existiere. Denn niemand sei neutral.

Damit hat sie recht – absolute Objektivität ist eine Illusion –  aber man müsste eine wichtige Aufgabe ergänzen: Auch wenn jede/r Journalist/in eine Position hat, so ist es doch ihre Aufgabe, möglichst viele verschiedene Perspektiven zu Wort kommen zu lassen.

 

 

Abschließend noch eine Feststellung: Wir sind für die Tipps der Profis sehr dankbar und waren begeistert, wie offen und spontan sie uns geholfen haben. Eine solche Offenheit für andere würden wir als einen weiteren wichtigen Punkt sehen für Kommunikationsakteure – online und offline.

tl;dr

Netzpersönlichkeiten aus Journalismus, PR und Beratung haben auf der rp17 angehenden Netzarbeitern wichtige Tipps mit auf den Weg gegeben: Zuhören, Ausprobieren, in Frage stellen und sich seiner Haltung bewusst sein. Wir geben euch einen Überblick.

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