Darknet – unser Internet der Zukunft?

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Wir, die Redakteure von PR-Fundsachen, waren die letzten drei Tage in Berlin auf der re:publica unterwegs und stets auf der Suche nach interessanten Themen. Die Session „Lebensretter und Schmuddelkind des Internets“ hat mich neugierig gemacht, da auch ich mich schon mit dem Darknet beschäftigt habe. Der Begriff  „Darknet“ verunsichert und wirkt mysteriös, doch wie mysteriös ist das Darknet denn wirklich?

Von sehr unterschiedlichen Standpunkten aus erklärten die drei Gäste, Daniel Moßbrucker (Reporter ohne Grenzen), Ahmad Alrifaee (Syrischer Journalist) und Andreas May (Generalstaatsanwalt) ihren Bezug zum Darknet.

Das Darknet oder auch Dark Web genannt ist mit normalen Browsern wie Google Chrome, Firefox, Opera oder Safari nicht zugänglich. Um im Darknet aktiv zu werden, muss man sich zuerst den sogenannten „Tor“-Browser herunterladen. Danach ist man auf .onion-Webadressen angewiesen, da der Tor-Browser einen „normalen“ Link aus einem „normalen“ Browser, wie oben genannt, nicht aufrufen kann.

Eine solche Webadresse („DuckDuckGo“ -Suchmaschine) sieht wie folgt aus: http://3g2upl4pq6kufc4m.onion/      

So funktioniert das Tor-Netzwerk

Das Tor Netzwerk verwendet verschiedene Methoden, um eine vollständige Anonymisierung zu gewährleisten. Alle fließenden Datenpakete sind, ähnlich wie bei WhatsApp, Ende-zu-Ende verschlüsselt. Zudem werden alle Verbindungen über mindestens drei zufällig ausgewählte Knotenpunkte des Tor-Netzwerkes umgeleitet, bevor sie den End Server erreichen.

Die Kombination aus Verschlüsselung und zufälliger Umleitung führt dazu, dass Datenpakete nicht (oder nur sehr schwierig) zurückverfolgt werden können.

Das Darknet als Chance für Aktivisten

Egal, ob Schmuddel-Websites, Gore Videos oder Marktplatz für Drogen und Waffen: Im Darknet scheint alles möglich. Doch an die positiven oder sogar lebensrettenden Möglichkeiten des Darknets denken die wenigsten. Der syrische Journalist Ahmad Alrifaee war auf das verschlüsselte Darknet angewiesen, da er auf diesem Wege seine Beiträge und Videos ohne Zensur aus dem Land schaffen konnte. Das syrische Regime verhaftet normalerweise Journalisten, die selbigem kritisch gegenüber stehen. Auch einige seiner Freunde hat es erwischt. Somit war das Darknet für ihn eine lebensrettende Maßnahme, um andere Länder und Organisationen mit Bildern und Videos aus erster Hand über die kritische Lage in Syrien zu informieren. Ohne das Darknet hätte er sich auf sehr dünnes Eis begeben, da es nach seinen Angaben nur wenige Stunden dauerte, bis Anhänger des Regimes Wohnungsdurchsuchungen veranlassten. Viele seiner Freunde sind aufgeflogen, da sie das Darknet nicht nutzten.

In Deutschland hingegen hat der Generalstaatsanwalt Andreas May dem illegalen Geschäft im Darknet den Kampf angesagt. Da es auf technischer Ebene so gut wie unmöglich ist, Waffen- oder Drogenhändler zu enttarnen, geben sich Ermittler selbst als mögliche Käufer aus. So treten sie mit den Verkäufern in direkten Kontakt. Andreas May betonte, dass es sehr mühsam ist, die Händler von Drogen und Waffen zu enttarnen. Denn nur eine Handvoll erscheinen zu einem persönlichen Treffen, um die Waren zu übergeben. Innerhalb der letzten beiden Jahren haben die Ermittler rund 50 Händler dingfest machen können.

Den illegalen Markt tolerieren

Der Referent für Informationsfreiheit Daniel Moßbrucker arbeitet für die NGO „Reporter ohne Grenzen“ und sieht das Darknet als Chance für all diejenigen, die in ihrem Land nicht die Möglichkeit haben, ohne Zensur zu publizieren oder zu informieren. Es ist womöglich sogar die einzige Chance für Reporter und Journalisten, Informationen sicher außer Landes zu bringen. Reporter ohne Grenzen betreibt selbst zwei Knotenpunkte im Darknet. Das Risiko, dass dort auch Drogen oder Waffen verkauft werden, geht die NGO ein, da sie an die Menschen denkt, die auf das Darknet angewiesen sind.

Die Zukunft des Internet sehe ich allerdings nicht im Darknet, da sich „normales“ Surfen, wie man es sonst kennt, dort als eher zeitaufwändig  gestaltet. Durch die Verschlüsselung über die verschiedenen Server kann es durchaus einige Sekunden oder manchmal sogar Minuten dauern, bis die gewünschte  Webseite aufgerufen wird. Die Webadressen muss man sich im sogenannten Hiddenwiki (Listen mit Webadressen) zusammensuchen. Laut Daniel Moßbrucker funktionieren rund 80 Prozent dieser Webadressen nicht.

Allerdings ist das Darkweb für Menschen, die in jenen Ländern leben, in denen das Internet zensiert wird, eine Möglichkeit, um zum Beispiel Facebook zu nutzen. In Nordkorea wird das Internet streng überwacht und Facebook ist über das „normale“ Internet nicht zu erreichen. Facebook hat also auch den Nutzen verstanden, einen Server im Darknet zu hosten, der all denjenigen, die sonst keine Chance haben, Facebook zu nutzen, den Dienst bereitstellt.

Ich vermute, dass das Darknet in dieser Form immer bestehen wird und vergleiche es oft mit einer Großstadt. In einer Großstadt gibt es schöne Parks und eher unschöne Ecken. Ich sehe das normale Internet, wie wir es kennen und wie es die breite Masse nutzt, als den Stadtkern. Das Darknet ist der Brennpunkt, wie es Ihn in fast jeder Stadt gibt. Die Justiz tut alles in Ihrer Macht stehende, um die Brennpunkte einzudämmen und den Stadtkern sauber zu halten. Ich bin zugleich dagegen, den Menschen, die auf das Darknet angewiesen sind, diese Grundlage zu entziehen und finde den gewissenhaften Umgang mit diesem Teil des Internets gerechtfertigt.

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