Was die PR-Branche vom digitalen Wandel hat

Wir wissen: Die digitale Kommunikation hat der PR neue Möglichkeiten eröffnet. Wir wissen auch: Durch Facebook & Co. hat sich (digitale) Öffentlichkeit anders entwickelt, als vor 15 Jahren gedacht. Was folgt also aus der Entwicklung von Öffentlichkeit heute für die PR? Sicher gibt es dazu viele Antworten – auf der Basis der wissenschaftlichen Überlegungen von Prof. Mag. Dr. Peter Winkler (FH Wien), stellen wir ein paar Aspekte vor.

Peter Winkler beim ScienceWednesday
Peter Winkler zu Gast beim ScienceWednesday am Mediencampus Dieburg der Hochschule Darmstadt, Foto: Steven Wolf (h_da)

Winkler ist überzeugt: Digitalität und omnipräsente Vernetzung definieren längst die Gesellschaft. Die Kommunikation innerhalb einer Öffentlichkeit wird bestimmt durch moderne Informationstechnologien und Netzwerke. Das eröffnet viele Möglichkeiten, birgt jedoch auch Gefahren.

Winkler hat unlängst beim ScienceWednesday am Mediencampus Dieburg der Hochschule Darmstadt erläutert, was Digitalität und Vernetzung für Öffentlichkeit und PR bedeuten. Er ist seit einiger Zeit Professor in Wien und hat für seine Arbeit “Eine PR der nächsten Gesellschaft” 2015 den Dissertationspreis der Fachgruppe PR der Deutschen Gesellschaft für Publizistik und Kommunikationswissenschaft verliehen bekommen.

Doch fangen wir im Bezug auf den Begriff „Öffentlichkeit“ von vorne an und zeichnen Winklers Argumentationslinie nach. Er teilt Öffentlichkeit in drei zeitliche Entwicklungsstufen ein:

1. Die Stammesgesellschaft der Vorzeit

Eingeborenenvölker und Stämme rund um den Globus konstituierten Öffentlichkeit allein durch das Medium der Sprache. Im Rahmen von Ritualen entwickelten sich sowohl Themen dieser Öffentlichkeit, als auch Tabus, welche die thematischen Grenzen umreißen.

2. Entwicklung einer medialen Gesellschaft

Mit der Erfindung des Buchdrucks entwickelten sich nach und nach verschiedene Printmedien, welche eine weitreichende Öffentlichkeit herstellen. Erstmals war es möglich, Inhalte oder Botschaften auch schriftlich festzuhalten und diese dann in großer Stückzahl zu verbreiten. Durch die größere Reichweite vergrößerte sich auch die Öffentlichkeit, wodurch neuerdings gesamte Regionen in einen öffentlichen Diskurs treten konnten.

3. Die Moderne

Die heutige moderne Gesellschaft wird von den Massenmedien bestimmt. Die rasante Entwicklung des Internets bietet unendliche Möglichkeiten der Informationsbeschaffung, es findet ein ständiger Austausch zwischen den Individuen innerhalb einer Öffentlichkeit statt. Alle mit Internetzugang können partizipieren.

Für Forscher und Experten war diese Entwicklung schon seit Jahrzehnten absehbar. Gleichzeitig waren die Anfänge der Digitalität geprägt durch einen starken Optimismus: Die „Cyberculture“ würde für mehr Deliberation sorgen, den freien Austausch von Meinungen in der Öffentlichkeit begünstigen und Gleichberechtigung fördern. Die „Kalifornische Ideologie“ der 90er Jahre definierte sich durch den Glauben, das Internet fördere Transparenz sowie freiere und einfachere Meinungsäußerung und somit den öffentlichen Diskurs.

Auch Anfang der 2000er, als das moderne Netz mehr und mehr Form annahm, dominierten eher utopische Idealvorstellungen der digitalen Kommunikation. Doch kam wirklich alles so, wie es sich die Optimisten einer „Cyberculture“ schon in den 70er Jahren vorstellten? Hat sich der öffentliche Diskurs wirklich verbessert? Sind die einzelnen Individuen freier und hat das Internet wirklich einen so positiven Einfluss auf die Gesellschaft wie ursprünglich angenommen?

Von der Utopie in die Dystopie

Um somit die Reise durch die digitalisierte Zeit der PR und Öffentlichkeit in die Moderne zu führen: Wir bewegen uns aktuell längst nicht mehr im Feld des utopischen Bildes.

Winklers pessimistische Sicht: Maskiert werden sämtliche Ideale seit den 2010er Jahren durch zunehmend dystopische Darstellungen. Mit der neueren Entwicklung des Netzes erhalte eine neue Dualität Einzug, bestehend aus Maschine und Medium. Auf Seiten der Maschine stehen demnach technische Voraussetzungen und Gegebenheiten. Diese definieren wiederum die Seite des Mediums, also den inhaltlichen Teil. So bestimmen bei einigen Plattformen wie Facebook beispielsweise ausschließlich Algorithmen, welche Neuigkeiten ein Nutzer in seinem Newsfeed gezeigt bekommt. Winkler resümiert:

„Medien zeichnen ein normativ überhöhtes Bild von digitaler Öffentlichkeit.“

Diese These begründet Winkler folgendermaßen: Schlüsselmedien wie Social Media erzeugen einen Überschuss. Das bedeutet, dass die digitale Öffentlichkeit eine nahezu unkontrollierte und unüberblickbare Masse geworden ist.

Laut Peter Winkler sind bei kritischer Betrachtung digitaler Öffentlichkeit heute drei propagierte Ideale auszumachen.

1. Kapitalistisches Ideal

Digitale Angebote sind auf ihre Nutzer zugeschnitten. Perfektioniert haben Unternehmen wie Facebook und Google die Fähigkeit, vermeintliche Bedürfnisse nach dem Vorbild des kapitalistischen Prinzips zu kreieren. Dabei befinden sich die Nutzer in einem Zwiespalt, den sie allerdings selten erkennen: Im Datenkapitalismus zahlen sie für die Nutzung solcher Plattformen. Ein “Big Other” macht diese Daten im Hintergrund zu Geld. Wer persönliche Daten an wen weiterverkauft, bleibt unbekannt. Datenbroker, digitale Verhaltensexperimente sowie Digital Extraction und Social Sorting bleiben dabei im Dunkeln. Um sich heutzutage bestmöglich, idealtypisch digital, präsentieren zu können, ist auch das Herausgeben eigener Daten unabdingbar. Die Frage ist nur, auf welche Art und Weise dies geschieht.

2. Akademisches Ideal

Aus akademischer Sicht bietet das Internet trotzdem auch heute den Raum, um Inspiration und Antworten zu finden. Auch die Forschung werde durch Vernetzung und offene Kollaborationen unterstützt. Dabei bestehe jedoch die Gefahr, dass Nutzer in der unendlichen Flut an Wissen und Informationen im Chaos versinken. Diese Orientierungslosigkeit wirkt sich kontraproduktiv auf Forschung, Lehre und Bildung aus, ist Winkler überzeugt. Zudem zeige sich der digitale Narzissmus auch unter dem Vorzeichen des akademischen Ideals darin, dass Nutzer ihr eigenes Wissen in den Vordergrund stellen. Die Selbstbezüglichkeit stehe häufig an erster Stelle.

3. Designideal

Durch das Optimum digitalen Designs werden Maschinen für jeden verständlich und ansprechend gestaltet. Weg von kryptischen Codes zu bestmöglich intuitiven Oberflächen. So wurde das Internet einfacher nutzbar und massentauglich gemacht. Hier werde versucht, mit Emotionen und der Intuitionen der Menschen bei der Nutzung, Vernetzung interessant zu machen, so Winkler. Damit  wird es jedem ermöglicht, sich selbst im Netz darzustellen. “Wir projizieren das Abbild des Menschen und wie wir sind – nun können wir uns gegenseitig dabei zuschauen”, stellt der Wissenschaftler fest.

Diese drei Ideale verbindet, dass Nutzer in jedem Bereich stetig das Optimum zu erreichen versuchen. Die Vorteile, welche Nutzer durch digitale Medien erlangen, fordern in vielerlei Hinsicht ihren Tribut. Peter Winkler:

“Das Netz ist mit der eigenen digitalen Öffentlichkeit überfordert.”

Abermals zeige sich hier ein digitaler Narzissmus durch eine zunehmende Selbstoptimierung.

Peter Winkler brachte diesbezüglich den oben genannten Begriff der Dualität der digitalen Medien ein. Einerseits: Medien genügen der Optimierung. Hier sei die Selbstoptimierung, genährt von Selbstbestimmung, Austausch und Transparenz bereits in vollem Gange. Andererseits: Die Medien beruhen auf ihrem technischen Ursprung und müssen sich dank algorithmengesteuerter Funktion der öffentlichen Entmündigung, Manipulation und Kontrolle verantworten.

Welche Methoden versprechen für die PR heute den Erfolg?

Winklers zentrale These: So schaffe es diese Entwicklung, dass sich ein gesteigertes Konkurrenzdenken in einen Wahn um unsere Identität verwandelt. Gleichzeitig stellt diese überzeichnete Selbstdarstellung einen Wegbereiter für neuartige Erscheinungen wie beispielsweise Influencer oder Online-Testimonials dar.

Peter Winkler erklärte auf unser Nachfragen, warum Influencer als Produkt solcher Entwicklung prädestiniert sind: Sie haben die Selbstoptimierung in ihrer Vorbildfunktion perfektioniert. Die Öffentlichkeit eifere ihnen nach. Trotz des kleinen Spektrums an Top-Themen, um die sich die Influencer-Welt dreht, erscheine sie wie ein Sog.

Der digitale Narzissmus hat für PR und Marketingkommunikation große Möglichkeiten im Netz eröffnet.

Influencer sind authentisch, da sie sich im Takt der modernen Zeit bewegen

Nichts ist so alt, wie der Post von gestern, wie der Tweet von vor einer Stunde, wie die Story von vor einer Minute. Die Zeit gibt den Ton an. Und nichts ist so toll, so investigativ, so makellos, wie das Bild, das sich gerade womöglich in Richtung einer Hyperselbstoptimierung entwickelt. Wenn alles Digitale immer sofort da und funktionieren und toll sein muss, können langfristige Investitionen oder Optimierungen noch bestehen? Anders ausgedrückt: Aus PR-Sicht sind Kommunikationsstrategien gefragt, die die Selbstoptimierung der Zielgruppen unterstützen.

Blick in die Zukunft

Peter Winkler schloss seinen Vortrag mit der Einschätzung ab, die Grenze der digitalen Öffentlichkeit werde sich entlang der Linie von inhaltlicher Selbstoptimierung und algorithmischer Kontrolle im Hintergrund einpendeln.

Das führte in der Diskussion ebenso zu der Frage, wie lange die Methode des Influencer Marketings noch funktionieren wird. Wie diverse Trends, die wiederkehren oder verschwinden, fragt man sich nun, wann das Maximum erreicht ist und ob es vielleicht in der besagten Hyperselbstoptimierung gipfelt.

Ist das die Nadel, die diese Blase zum Platzen bringen wird? Wenn ja, würde der Trend eine Gegenbewegung auslösen. Vielleicht gibt die Öffentlichkeit dann wirklich auf, sollte keine Nachfrage mehr besteht, den Konkurrenten bezwingen zu wollen oder sich der Nutzer einfach „zufrieden geben“? Vielleicht werden auch die kapitalistischen Stellschrauben andere sein. Bis dahin erscheint es aber wahrscheinlicher, alle zum selbstoptimierten Influencer zu machen – die Diskussion um Mikro-Influencer deutet den weg.

TL;DR

Öffentlichkeit unterliegt einem ständigen Wandel. Neben all den Vorteilen der digitalen Kommunikation sieht Prof. Mag. Dr. Peter Winkler jedoch auch fragwürdige gesellschaftliche Entwicklungen. Der Drang zum ständigen Vergleich und zur Selbstoptimierung ist beispielsweise kritisch zu beurteilen. Der PR-Branche eröffnet dieses Phänomen allerdings neue Möglichkeiten Kommunikation. Doch auch das Potential von Influencer Marketing und Online-Testimonials könnte sich erschöpfen.

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16 Tipps für die perfekte Event-Kommunikation

Wir onkomms im 4. Semester haben die letzten Wochen und Monate sehr viel über Content Strategy gelernt. Von verschiedenen Content Typen, über den Ablauf eines Content Audits und Message Architecture bis hin zur Erstellung von eigenen Konzepten und Durchführung der Kommunikation von zwei Branchenevents – wir beschäftigten uns mit einer großen Bandbreite an Themen in diesem Bereich. Der Fokus lag vor allem auf der Planung und Durchführung von Event-Kommunikation, bei der wir sehr viel ausprobieren und lernen konnten. Deswegen folgen nun meine 16 Tipps für die perfekte Event-Kommunikation. Garantiert auf Stresssituationen und spontane Änderungen geprüft. 😉

Alle Tipps beziehen sich auf die Event-Kommunikation aus Sicht des Vertreters eines Unternehmens, der die Veranstaltung als Besucher erlebt. Für Event-Kommunikation als Veranstalter einige der Tipps jedoch auch hilfreich.

 

Wann eignet sich Event-Kommunikation für wen?

Viele Vertreter eines Unternehmens besuchen regelmäßig externe Veranstaltungen wie Konferenzen, Barcamps oder Messen. Die große Anzahl an interessanten Informationen, Geschichten und Ideen, die hier ausgetauscht werden, sind für eine Zielgruppe weit über die Zahl der Teilnehmer hinaus relevant. Es sollten also nicht nur die Veranstalter sondern auch die Besucher dieser Events die Chance nutzen, von diesem zu kommunizieren.

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Besonders gut für die Berichterstattung eignen sich wichtige Branchenevents. Vor allem kleinere Firmen und Selbständige nutzen diese, um ihren Expertenstatus zu zeigen und Aufmerksamkeit von Branchenkollegen zu erlangen. Allerdings eignet sich eine Event-Kommunikation aus Sicht des Besuchers einer Veranstaltung auch für größere Unternehmen. Die Möglichkeiten, qualitativ sehr hochwertigen Content wie beispielsweise einen kleinen Clip des Events zu veröffentlichen, sind für diese eher gegeben. Vor allem wenn man nicht nur Unternehmensvertreter als Besucher zum Event schickt, sondern selbst ausstellt oder einen Vortrag hält, ist Event-Kommunikation unverzichtbar.

Bei großen Unternehmen eignet sich die Berichterstattung von einem Event auch für die interne Kommunikation. So erfahren alle Mitarbeiter, die nicht teilnehmen konnten, für die das Thema jedoch eine Relevanz hat, die wichtigsten Informationen.

 

Die erste Phase – Vorbereitung ist die halbe Miete

1. Ziel und Zielgruppe

Im wichtigsten und zugleich ersten Schritt muss die Zielgruppe, sowie das Ziel der Kommunikation bestimmt werden. Für Fachthemen interessieren sich meist Branchenkollegen, aber noch lange nicht alle Follower. Die zu bespielenden Kanäle müssen also mit großer Sorgfalt ausgewählt werden.

 

2. Identität

Abgesehen von der Corporate Identity des Unternehmen als Ganzes, sollte für diese Kommunikation nochmal genau festgehalten werden, wie man sich präsentieren möchte – sprich, mit welcher Identität man auftritt. Diese wird an die Vorlieben der Follower und den Konsens der Veranstaltung angepasst.

 

3. Aufgabenverteilung

Danach geht es an die Planung der Aufgabenverteilung. Je nach Konzept der Kommunikation können einige Mitarbeiter an dieser beteiligt sein oder eine Person managt alles alleine. In jedem Fall muss klar sein, wer zu welchem Zeitpunkt welche Rolle einnimmt und wie der Ablauf geplant ist. Auch die Gewichtung der verschiedenen Medien oder Kanäle muss feststehen. Wenn mehrere Personen beteiligt sind, sind auch Führungsrollen zum Beispiel in Form einer Chefredaktion eine riesige Hilfe bei einem möglichst reibungsfreien Ablauf.

 

4. Konzept verinnerlichen

Um eine einheitliche Kommunikation zu gewährleisten muss das Konzept der Event-Kommunikation, jedem Kommunikator bewusst sein. Ein detailliertes Briefing bei einer größeren Gruppe oder übersichtliche Notizen der eigenen Ideen bei einer „One-Man-Show“  eignen sich hier hervorragend.

 

5. Inhalte auf Nutzer anpassen

Um Abwechslung in die Kommunikation zu bringen, sollten schon vor dem Event verschiedene Formate für jeden Kanal überlegt werden. Da die Nutzer bestimmte Kanäle bevorzugen, sich die Followerschaft also in ihren Vorlieben für Content unterscheidet, kannst du auch unterschiedliche Strategien für jeden Kanal in Betracht ziehen. So gehen die Inhalte immer auf die Bedürfnisse der Follower ein und zeigen ggf. verschiedene Sichtweisen.

Material-Event-Kommunikation

6. Material vor Einsatz testen

Mein letzter Tipp für die Vorbereitung der Event-Kommunikation ist so simpel wie auch wichtig: Das gesamte Material, das bei der Kommunikation zum Einsatz kommt, sollte davor gecheckt werden. Sowohl Geräte wie Kamera, Mikrofon und Smartphone als auch Login Daten und Apps. Wenn alles einwandfrei funktioniert kann es los gehen!

 

Vor Ort – erstens kommt es anders, zweitens als man denkt

7. Fokussiert bleiben

Auf der Veranstaltung selbst solltest du aufpassen, dich nicht zu sehr in dieser zu verlieren. Geplantes, strukturiertes Kommunizieren ist gefragt: das Ziel, sowie deine Zielgruppe müssen immer im Hinterkopf sein. Das bedeutet nicht, Stimmung, Inhalte und Kontakte auf der Veranstaltung nicht zu genießen und aufzunehmen. Es ist nur wichtig, keine Nichtigkeiten mit den Follower zu teilen, sondern einen Mehrwert zu bieten und dem geplanten Konzept zu folgen.

 

8. Cross-Promo

Für eine Bekanntmachung der eigenen diversen Kanäle empfiehlt es sich, auch untereinander auf diese aufmerksam zu machen. Vor allem, wenn verschiedene Mitarbeiter diese bespielen und somit eine persönlichere Noten geben können, ist der Reiz groß, die Veranstaltung aus unterschiedlichen Blickwinkeln wahrzunehmen. Außerdem können somit neue Follower gewonnen werden, die davor nur einem der Kanäle folgten.

 

9. Interne Kommunikation

Ein organisatorischer Tipp: Es sollte einen einheitlichen, bereits zuvor implementierten Kommunikationskanal für die interne Kommunikation aller Mitarbeiter auf dem Event geben. Dieser eignet sich idealerweise für direkte und schnelle Absprachen, kann Dateien leicht versenden und vor allem von allen einheitlich genutzt werden. Für spontane Fragen muss jeder schnell erreichbar sein.

WhatsApp-Event-Kommunikation-Tool-interne-Kommunikation    Slack-Event-Kommunikation-Tool-interne-Kommunikation

10. Interaktion mit Followern

Kommunikation hat immer mehrere Seiten. Das solltest du auch bei der Event-Kommunikation nicht vergessen. Es gilt also nicht nur selbst zu veröffentlichen, sondern auch zuzuhören, was die anderen Teilnehmer, Follower oder Interessierte im Internet so schreiben, sagen oder zeigen. Interaktion ist gefragt und zu dieser kann auch gerne angeregt werden. Auf Reaktionen aus dem Netz einzugehen, sie zu teilen oder Fragen zu beantworten, verbessert die Beziehung zu den Follower und erhöht die Authentizität.

 

11. Abwechslungsreiche Formate

Wie schon im Teil über Vorbereitung erwähnt: Abwechslung in der Kommunikation macht Spaß und ist interessanter als immer gleiche Beiträge. Verschiedene Formate hast du idealerweise schon im Voraus geplant, aber natürlich kann auch spontane Inspiration genutzt werden. Diese ist oft sogar noch passender und echter.

 

12. Spontan und flexibel sein

Event-Kommunikation ist Live-Kommunikation. Es kann also immer wieder Unvorhergesehenes passieren. Um sich diese Situationen nicht anmerken zu lassen, ist ein Plan B in der Hinterhand unerlässlich. Hier ist auch die reibungslose interne Kommunikation eine große Hilfe. Wenn eine Session, von der man sich viel erhofft hat, total langweilig ist und man nichts Sinnvolles daraus an die Follower weitergeben kann, sollte jemand anderes spontan von einem anderen Ort der Veranstaltung einspringen können.

 

Nach dem Event – tiefergehende Inhalte, aus Fehlern lernen und am Ball bleiben

13. Aufwändigere Contentformen

Event-Kommunikation-Celebrate-Content-cosca17-Blogpost

Das Event ist vorbei, ist die Arbeit nun getan? Nein, jetzt fängt die intensivste Arbeit erst an. Aufwändigere Contentformen wie Artikel, Video oder Podcasts lassen sich während eines Events vorbereiten, aber oft aus Zeitnot nicht fertigstellen. Also sollte es jetzt ans Schneiden, Recherchieren, Schreiben und Veröffentlichen der fertigen Ergebnisse gehen. Hier erreicht man nochmal eine andere Zielgruppe, kann mit Expertise glänzen und andere Branchenvertreter intensiv einbinden (z.B. in Form eines Interviews).

 

14. Schau was die anderen veröffentlicht haben

Durch ein bisschen Recherche kannst du dir etwas Arbeit ersparen und qualitativ hochwertige und vollständige Inhalte bieten, wenn man auf Folien von Präsentationen, Bildmaterial oder Live-Mitschnitte, die hochgeladen wurden, verweist. (Hier gibt es beispielsweise eine solche Auswahl vom Cosca17.)

 

15.  Vergiss das Community Management nicht!

Auch wenn die Veranstaltung vorbei ist, gibt es vielleicht noch die ein oder andere Rückfrage oder Anmerkung von deinen Followern. Geh auf diese ein, liefere ggf. noch Content oder Informationen nach und bedanke dich für Rückmeldungen. Stell dir vor, die Veranstaltung wäre deine Geburtstagsfeier in deiner Wohnung gewesen. Dann antwortest du auch deinen  Freunden, die sich für den schönen Abend bedanken. Oder du fragst alle Gäste, wem die gelbe Jacke gehört, die du noch in der Küche gefunden hast. Genau so solltest du dich um deine Follower kümmern. Natürlich nicht nur nach der Event-Kommunikation, sondern auch sonst immer.

 

16. Aus Fehlern lernen

Mein letzter Tipp ist die sorgfältige Nachbesprechung im Team. Fehler passieren. Vor allem bei Live-Kommunikation gehört das zur Normalität. Auch wenn etwas nicht nach Plan verlief, ist das überhaupt kein Grund das Projekt als Misserfolg zu sehen. Wir machen Fehler, um aus ihnen zu lernen. Also auf in die Nachbesprechung mit dem Team, alles, was schief lief, offen und ohne Vorwürfe ansprechen und gemeinsam nach Lösungen suchen, wie man es nächstes Mal vermeiden oder besser machen kann.

Team-cosca17-Event-Kommunikation

Wenn du diese Tipps vor, während und nach dem nächsten Event anwendest, von dem du berichtest, ist ein guter Ablauf garantiert. Das Team der PR-Fundsachen hat sie während der re:publica 17 sowie dem Content Strategy Camp 2017 getestet, angewendet und für gut befunden. Man kann jedoch immer verbessern, deswegen gilt hier bei der perfekten Event-Kommunikation wie bei jedem anderen Prozess:

 

Try, learn, adapt and repeat.

 

Quellen: xing-events.com | event-partner.deklenkhoursch.de | haufe-akademie.de

Bildquellen: iconfinder.com | pexels.com | PR-Fundsachen Flickr (©Alina Drewitz)

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Die 100 Millionen Challenge

„Im Gegensatz zu vielen anderen hier wollen wir tatsächlich etwas verkaufen“ – Mit diesen Worten leiteten Selina und Max von Mynewsdesk ihre Session beim Content Strategie Camp 2017 in Dieburg ein. Mynewsdesk (im Folgenden MND), eine Plattform für digitale PR mit Hauptsitz in Stockholm, stellt die 100 Millionen Challenge vor. Die beiden Mitarbeiter der Niederlassung in Leipzig erklären, was  Mynewsdesk geschafft hat. Aber was ist die 100 Millionen Challenge? Warum hat man davon so wenig bis gar nichts gehört? Und was meinen die mit 100 Millionen?

Royal PR – Eine Kampagne aus dem Königreich

Die 100 Millionen Challenge wurde von den Londoner MND Kollegen ins Leben gerufen und fand auf der Insel großen Zuspruch. Eine Herausforderung mit einer Earned Media Kampagne 100 Millionen Menschen erreichen: Wie also kann ein mittelständiges Unternehmen mit der Kommunikation so erfolgreich sein? Um dieser Frage auf den Grund zu gehen, fangen wir bei null an.

Früher erzählte man sich spannende Geschichten aus aller Welt am Lagerfeuer. In Zeiten von Web 2.0, Industrie 4.0 und Big Data sieht das anders aus. Man muss die Menschen dementsprechend abholen und mitnehmen. Ziel war es, eine Herausforderung einzugehen, einem mittelständigen Unternehmen mit einer einzigen Geschichte die 100 Millionen „Aufrufe“ zu ermöglichen und dabei moderne Technologien einzusetzen. Und das alles in einem kurzen Zeitraum. Voraussetzung: Das Unternehmen sollte eine coole Message mit entsprechendem Produkt mitbringen, jedoch bereit für purpose-driven communication, also einer zielgerichteten, zweckmäßigen Kommunikation, sein. Max erklärt, dass sie damit weg von der direkten Produktkommunikation und sich mehr zu einem höher gelegenen Ziel bewegen wollen.

Safety First! Zwei Stufen, ein Unternehmen

Moderne Herausforderungen und kleine Stufen wurden hier verbunden: Auf der ersten Stufe galt es, ein passendes Unternehmen aus rund 500 Bewerbungsmails zu wählen. In gleichem Zuge wurde eine Partneragentur hinzugezogen, um Content und Ideen umzusetzen, denn das Produkt ist eine Softwarelösung (dran bleiben! 😉 ). Die zweite Stufe beschrieb, nicht mehr und nicht weniger, die Konzeption der Kampagne.

Aber wer ist denn nun dieses coole Unternehmen?

Es ist niemand geringeres als Hövding! Was für’n Ding? Hövding, das sind die, die diesen Fahrrad-Airbag erfunden haben. Genau der, welcher sich bei einem Sturz automatisch öffnet. Hövding deshalb, da es als mittelständiges Unternehmen mit innovativem Produkt und einer positiven Agenda alle Voraussetzungen seitens MND erfüllt. Hinzu kam die Bereitschaft, ein kleines Risiko einzugehen und mehr auf Awareness zu setzen. Für MND hieß das: Safety First, eben.

Give a Beep

Mit einer kreativen Kampagne ohne Paid-Media, also nur mit dem Produkt und der Kampagnenstory eine hohe Reichweite generieren – die nächste Herausforderung.
Entstanden ist „Give a Beep“. In den letzten fünf Jahren hat sich die Anzahl der Radfahrer in London fast verdreifacht. Damit stieg auch die Gefahr auf mehr Unfälle deutlich.

„I’m supposed to press this [Flic] when I feel scared or frustrated. That’s when I give a beep.“ sagt ein 11-Jähriger Radfahrer aus London im Kampagnenvideo.

Insgesamt wurden 500 Radfahrer in der englischen Hauptstadt mit einem sogenannten Flic, einem GPS-Gerät, ausgestattet. Trifft man auf einen gefährlichen Spot, drückt man auf diesen Flic, welcher die Koordinaten an eine interaktive Karte sendet. Man sendet also einen „Beep“. Eine Karte mit potenziellen Gefahrenstellen war jedoch nicht der einzige Zweck dieser Aktion. Mit jedem Beep wurde eine Mail an Londons Bürgermeister, Sadiq Khan, gesendet. Sein Postfach wurde regelrecht überflutet, denn es waren während des Kampagnenzeitraums insgesamt 5000 Mails bzw. Gefahrenstellen.
Jeder Besitzer dieses Flics konnte damit das Leben anderer Radfahrer retten und zur Verkehrssicherheit Londons beitragen. Toller Nebeneffekt für ein Unternehmen, das maßgeblich zur Sicherheit von Bikern beiträgt: Der Absatz hat sich verdoppelt.

Timeline in Zahlen

Im März 2016 begann die vierwöchige Bewerbungsphase bei MND. Der Partner (Hövding) stand im April fest und so startete die Konzeption, deren Ergebnis Give a Beep war. Es folgte die Bespielung sämtlicher Kanäle über ein von MND entwickeltes Tool. Mit drei Veröffentlichungen pro Woche wurden Blogbeiträge, Videos, Social Media Posts, Pressemitteilungen und News auf den verschiedensten Kanälen gestreut. Ende Juli 2016 war es soweit und so wurden 100 Millionen einzelne Personen erreicht. An dieser Stelle muss ich eines erwähnen: Ja, es wurde zu Anfang von 100 Millionen Aufrufen gesprochen. Jetzt sind es plötzlich erreichte Personen. Ich war etwas enttäuscht…
Zurück zu den Zahlen: Es wurden 4000+ Shares auf Social Media, 8500+ Views auf Facebook und YouTube, 2780 Besuche des Newsrooms (eine Steigerung von 297%), eine doppelte Sales-Rate wie im Vorjahr, internationale Reichweite und somit insgesamt 100 Millionen Menschen erreicht. (Das war Clickbaiting im Sessiontitel, nicht aber von mir).

8 Schritte zu Earned Media

Zum Ende der Session gab es noch ein kleines Extra: Worauf sollte man bei Earned-Media-Kampagnen wie Give a Beep achten? Eine einfache Schritt-für-Schritt-Übersicht:

Tipps für Earned Media - 8 Schritte zu Earned Media

Mehr zum Linkedin-Profil hier und hier.

Klingt alles sehr logisch und vertraut, als grobe Gedankenstütze ist es vielleicht hilfreich.

*Alpha Publikum (auch Alpha-Audience) sind Menschen, die sich mit den gleichen Themen beschäftigen wie ein Unternehmen. Für uns heißt das: Leute, bei welchen es von Anfang an klar ist, dass sie sich für ein bestimmtes Thema interessieren werden und dafür nicht gecatched werden müssen.

Was haben nun die Schweden damit zu tun?

MND setzt sich laut Max intensiv damit auseinander, wie PR funktioniert. So haben sie vier Punkte definiert, die sie dabei als Schwerpunkte sehen:

Schwerpunkte Mynewsdesk PR

Eine Software namens „Newsroom“, welche diese vier Punkte abdeckt, wurde daraus entwickelt und lässt sich durch das Erwerben einer 12-monatigen Lizenz als Content-Hub in den Presse-/ Publishbereich eines Unternehmens implementieren. Damit lässt sich Content gegliedert in mehreren Bereichen einfach verbreiten. So bietet die Software allerhand wichtige Tools wie ein Karussell der letzten Veröffentlichungen, einen Bereich für Veranstaltungen, Bilder und Videomaterial, Social Media Feeds, Ansprechpersonen, Pressemitteilungen, News und mehr. Der Newsroom soll Beziehungen zu Journalisten vereinfachen und Zeit für persönliche Beziehungen zu diesen geben (Stichwort: follow-up). Nüchtern betrachtet ist der Newsroom also ein Management-Tool für den Pressebereich der Website.

 

Mynewsdesk Hövding Newsroom
Screenshot: Der Pressebereich von Hövding mit dem Mynewsdesk Newsroom-Tool (Quelle: Hövding www.hovding.de / Mynewsdesk https://www.mynewsdesk.com/de/hovding).

Um niemandes Arbeit kleinzureden kann dieses Tool natürlich enorm helfen. Denn mit integriertem Timer für Veröffentlichungen, Dokumenten-Upload-Möglichkeit (Bspw. Pressetexte als PDF) und nach Zielgruppe und Thema kategorisierte Kontakt- und Verteilerlisten. Gibt es also eine neue Mitteilung zum Thema Auto, wählt man seine entsprechende Kontaktliste, um Redakteuren und Journalisten aus der passenden Branche Bescheid zu geben. Umgekehrt funktioniert das auch: Journalisten können den Newsroom abonnieren und bekommen bei jeder Neuigkeit eine Mitteilung. Außerdem kann die Reichweite ausgewertet werden, fast im Google-Analytics-Style. Praktisch.

Durch dieses Tool hat die Kampagne für Hövding die 100 Millionen erreicht.

Die eigenen Hände

Am Ende des Tages liegt es natürlich in der eigenen Hand: wollen wir etwas Eigenes auf die Beine stellen und jeden noch so kleinen, auch mal nervigen, Schritt per Handarbeit, aber mit Liebe ausführen oder wollen wir unsere Daten für eine Jahresgebühr von 230€ aufwärts (Quelle: arcticstartup) aus der Hand geben? Das bleibt nun jedem selbst überlassen.

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Shitstorm – Fluch oder Segen | How to manage

Ein Semesterprojekt von Alina Drewitz und Elisabeth Riehle.

Wir alle sind ihnen schon einmal begegnet, denn vor allem in Zeiten von Social Media haben sie große Plattformen gefunden: Shitstorms. Aber wie entstehen sie überhaupt und kann man sie voraussehen und sogar für sich nutzen?

Wir haben mit zwei Profis über das Thema gesprochen: Prof. Dr. Lars Rademacher, Professor für Public Relations und Studiengangsleiter Onlinekommunikation und Prof. Dr. Philipp Rauschnabel, Marketing Researcher, Consultant, Speaker & Instructor und Experte in Branding, Social Media, Augmented Reality Smart Glasses / AR, haben ihre Eindrücke und Erfahrungen mit uns geteilt.

Herausgekommen ist eine Infografik, die als Guide Community Manager in Krisensituationen unterstützen soll.

Was ist ein Shitstorm?

Ab wann negative Kommentare als Shitstorm gelten, ist nicht klar abgrenzbar. Was einen Shitstorm allerdings ausmacht, sind viele negative, emotionale, beleidigende Kommentare, die die Stimmung gewollt in eine Richtung lenken und somit quasi eine Art “gleichgerichteten Strom” bilden, so Lars Rademacher.

Philipp Rauschnabel, der zusammen mit Nadine Kammerlander und Björn Ivens bereits die Studie “Collaborative Brand Attacks in Social Media: Exploring the Antecedents, Characteristics, and Consequences of a New Form of Brand Crises” veröffentlicht hat, beschreibt es als eine “kollaborative Attacke auf eine Marke” und erklärt so auch den Namen Collaborative Brand Attack.

Gerade außerhalb des deutschsprachigen Raumes ist es empfehlenswert nicht Shitstorm zu sagen, denn übersetzt bedeutet es das, was dort steht. Deshalb die Begriffe  “Collaborative Brand Attack”  oder “Online Firestorm” – beschreiben genau das gleiche Szenario mit passenderen Worten 😉

Kann man einen Shitstorm voraussehen?

“Voraussehen kann man das gar nicht, da es sehr schnell passiert”, so Philipp Rauschnabel, “man kann es aber bemerken”. Denn ob und wie die Community auf Beiträge reagiert ist von vielen Faktoren abhängig: So spielen aktuelle Geschehnisse, persönliches Befinden und auch soziale Einflüsse eine Rolle bei den Reaktionen auf Inhalte im Netz. Man kann jedoch aufmerksam verfolgen, ob die Stimmung innerhalb der Community oder unter einem bestimmten Beitrag kippt und sich ins Negative bewegt.

Auch wenn man einen Shitstorm nicht voraussehen kann, so sollte man ihn jedoch schon bei der Planung des Contents berücksichtigen. Dabei hilft es beispielsweise, verschiedene Rezipientenpositionen einzunehmen, sagt Lars Rademacher. Sich also in die Rolle der Community reindenken, aus den verschiedensten Positionen und alle Inhalte auch immer kritisch betrachten. Zudem gibt er zu bedenken: “Es gibt nicht selten die Situation, dass so etwas mit Absicht passiert. Also jemand verstößt gegen die political correctness und produziert dadurch einen Aufschrei. Es will gar nicht jeder einen Shitstorm vermeiden.“ Und auch das sollte man immer im Hinterkopf behalten und darauf eingestellt sein.

Hoch lebe der Community Manager!

Sollte ein Beitrag innerhalb einer Community in einen Shitstorm ausarten, liegt es am Community Manager die Situation wieder unter Kontrolle zu bekommen. Aber wie reagiert man angemessen in so einer Situation und was sollte man lieber sein lassen? Auch hier gibt es kein richtig und falsch, denn es ist ja nie genau absehbar, wie die Community worauf reagiert.

Philipp Rauschnabel empfiehlt dem Community Manager moderierend in das Geschehen einzugreifen und die Kontrolle über die Situation zu gewinnen. “Ruhe bewahren, transparent argumentieren und nicht löschen – Fehler gegebenenfalls sofort eingestehen und korrigieren, sofern das möglich ist”, rät der Experte.

Lars Rademacher ergänzt, dass das Löschen von vereinzelten Kommentaren mit klarer Ansage warum dann angebracht ist, wenn sie volksverhetzende oder rassistische Aussagen enthalten. Ansonsten sieht auch er die Chancen des Community Managers ganz klar im Dialog mit den Leuten.

Sollte man Shitstorms provozieren und diese positiv für das Unternehmen nutzen?

Kann man machen, muss man aber nicht 😉 Was bei einem Shitstorm passiert und welche Ausmaße Kommentare und Aktionen der Nutzer annehmen können, ist wie bereits erwähnt nie genau vorhersehbar. Einen Shitstorm bewusst zu provozieren, könnte also auch nach hinten losgehen. Ein provokantes Thema ansprechen, um einen Missstand aufzudecken und einen Shitstorm dabei in Kauf zu nehmen, ist allerdings sehr mutig und legitim.

Einen Shitstorm in etwas Positives zu wandeln, sollte zudem immer das Ziel sein – und das ist auch möglich, wie das Beispiele der Schengener Feuerwehr aus Luxemburg zeigt: Nachdem es viel Spott für einen Feuerwehrmann gab, der bei einem Einsatz in kurzen Hosen fotografiert wurde, startete die Feuerwehr mit #domengboxun (zu Deutsch zieh meine Hosen an) eine Offensive gegen Trolle und Hater. Um Urteilen zu können, sollte man den Hintergrund eines jeden Bildes erst einmal kennen. In diesem Fall war es so, dass der Feuerwehrmann in seiner Freizeit zufällig in der Nähe eines Brandes war, sich wenigstens seine Jacke und seinen Helm schnappen konnte und sofort zu Hilfe eilte.

Exakter Notfallplan vs. Flexibilität?

Die Mischung macht’s! Beide Profis sind sich einig: Man sollte einen Masterplan in der Hinterhand haben, aber auf jeden Shitstorm individuell und flexibel reagieren. Wichtig ist, dass Mitarbeiter gleichermaßen gebrieft werden und wissen, welchen Standpunkt sie vertreten und mit welchen Statements sie argumentieren können.

Es sollten also immer Guidelines parat stehen, die einen groben Weg vorgeben, aber eine flexible Handhabung zulassen. Klingt machbar, oder?

Und danach?

Das Wichtigste nach einem Shitstorm ist, wieder zum Normalzustand zurückzufinden – die Community für sich gewinnen, den Shitstorm aufarbeiten,  und für die Zukunft gewappnet sein. Die Angst, dass so etwas noch einmal passieren könnte sollte einem nicht im Weg stehen, sondern daran erinnern, auch in Zukunft auf Shitstorms vorbereitet zu sein.

Geheimtipps der Profis!

Ob ein Shitstorm nun zum Fluch oder Segen wird, hängt ganz von der Community, vom Unternehmen und dem Community Manager ab. Vorbereitung ist das A und O! Wer weiß, wie bei einem Shitstorm zu reagieren ist, kann ihn nicht verlieren 😉 Mit einem lustigen Spruch auf den Lippen, etwas Sympathie, Humor und der nötigen Ernsthaftigkeit können Unternehmen auch in Krisensituationen ihre Community für sich gewinnen, wenn sie nur richtig darauf vorbereitet sind.

Infografik Shitstorm

tl;dr

Shitstorms sind nicht immer vorhersehbar, aber bemerkbar und man sollte sie bei jeder Planung bedenken. Allerdings bedeutet ein Shitstorm nicht gleich Fluch, sondern kann auch ein Segen für ein Unternehmen oder eine Marke sein, wenn richtig damit umgegangen wird. Das Löschen oder Ignorieren ist dabei nicht die richtige Vorgehensweise – der Community Manager sollte stattdessen den Dialog mit der Community suchen und mit Hilfe von vorher zurecht gelegten Guidelines die Werte des Unternehmens oder der Marke präsentieren und so die Community wieder für sich gewinnen.

Many thx

Außerdem möchten wir uns an dieser Stelle noch herzlich bei Lars Rademacher und Philipp Rauschnabel für ihre Zeit und ihren Input bedanken: Durch Sie ist unser Projekt einzigartig geworden und durch den Kontakt mit Ihnen konnten auch wir persönlich viel mitnehmen – DANKE! 🙂

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#cosca17 – Interessante Zahlen rund um das Content Strategy Camp

Die fünfte Auflage des Content Strategy Camps (#cosca17) am Mediencampus in Dieburg ist seit wenigen Tagen beendet. Was den vielen Teilnehmern bleibt, sind spannende Eindrücke aus den zahlreichen Vorträgen und Diskussionen. In den folgenden Wochen möchten die PR-Fundsachen einige spannende Sessions in die Berichterstattung aufnehmen und deren Inhalte reflektieren und konkretisieren. Bevor wir jedoch inhaltlich starten, haben wir interessante Zahlen und Statistiken parat. Mit freundlicher Unterstützung von Brandwatch war es uns möglich die Twitter-Aktivitäten der Community live einzusehen und perfekt zu visualisieren.

Dass Twitter der Hauptkanal der Community war, ist keine Überraschung. Mehr als 200 Teilnehmerinnen und Teilnehmer twitterten sich teilweise in die deutschen Twitter-Trends (siehe Grafik). Am Ende des #cosca17 waren es mehr als 2600 Tweets, die den Hashtag #cosca17 beinhalteten. Den größten Peak gab es am Freitag, 23.06.17, mit 1820 Erwähnungen.

#cosca17 in den Twitter-Trends

Die spannendsten Statistiken

Statisiken zu Buzz

Top Tweets der Community

Top 3 Tweets

Hashtags und Top Tweeter

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Tl;dr – Zusammenfassung der #cosca17 Statistiken

Wichtigen Statistiken rund um das Cosca17

Das Team der PR-Fundsachen möchte nochmal einen besonderen Dank an Brandwatch ausrichten, die für die Statistiken verantwortlich waren. Ebenso möchten wir der Community für spannende Tage am Mediencampus danken. Gerne würden wir eure Meinungen über unsere Berichterstattung vor Ort erfahren. Wenn ihr Interesse habt, dann nehmt bitte an unserer kurzen Umfrage teil. Es dauert nur wenige Minuten und hilft uns sehr weiter. Vielen Dank.

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Der Weg zur authentischen Kommunikation

Jeder Mensch spielt verschiedene Rollen – fast wie in einem Theaterstück. Doch wie ist authentische Kommunikation im Social Web dann überhaupt noch möglich?

Es gibt verlässliche Rollen, wie die Rolle der Mutter oder die Rolle des Freundes und bei jeder dieser Rollen gibt es eine gewisse Art und Weise, wie man ihr gegenübertritt. Stellt euch vor, ihr würdet mit eurer Mutter bei Kaffee und Kuchen zusammensitzen und euch so verhalten, wie ihr es gegenüber euren Freunden bei einem abendlichen Bier tun würdet. Eine wie ich finde, eher unangenehme Vorstellung.

Doch wie ist das dann im Social Web, wenn wir im realen Leben schon mehrere Rollen einnehmen? Was empfinden wir dort als glaubwürdig und authentisch? Vor allem bei Personen, die uns eigentlich fremd sind?  Genau das hängt von der Kommunikation ab, die bereits stattgefunden hat. Beim Vortrag auf der re:publica von Konrad Langer und Oliver Brügmann von visumate GmbH erzählte Langer von seinem privaten Instagram-Account “konaction”. Sein Stil zeichnet sich aus durch  geometrische Formen, Stadtbilder und dem Spiel mit Farben und Kontrasten. Bevor er seinen Account zeigte, wurde ein Bild von ihm und dem Hund seiner Freundin in der Küche gezeigt (siehe Abbildung). Seine Frage dazu war, ob es authentisch wäre, dieses Bild auf seinem Account zu posten. Der erste Gedanke dabei war natürlich, dass nichts mehr Authentizität ausstrahlt als so ein Schnappschuss. Doch das ist nicht richtig. Dieses Bild würde nicht zu seiner Bildsprache und der sonstigen Kommunikation passen. Es würde die Erwartung seiner Follower nicht erfüllen. Dementsprechend wäre es nicht authentisch und nicht glaubwürdig. Es ist also wichtig, einem Stil treu zu bleiben und diesen wie einen roten Faden durchzuziehen.

Konrad Langer zusammen mit dem Hund seiner Freundin

Achtung: Stories können auch nach hinten los gehen

Mittlerweile gibt es nicht nur Snapchat- (siehe Mit den Followern im Bett – Storytelling auf Snapchat) und Instagram-Stories, sondern auch Facebook- und sogar Whatsapp-Stories. Wenn man diese richtig nutzt, kann es die authentische Kommunikation steigern und Neuigkeiten können damit schnell und effizient verbreitet werden. Durch diesen Firsthand Content kann zwar ein Blick hinter die Kulissen geworfen werden, jedoch sollte man gut aufpassen, denn manchmal ist weniger mehr. Wer hat schon Lust, ewig lange Stories von einer unbekannten Person oder einem Unternehmen durch zu klicken? Vor allem im Hinblick darauf, dass die Aufmerksamkeitsspanne im Social Web sehr gering ist. Wenn man zu viele Stories postet, kann das ins Belanglose abrutschen und vielleicht sogar zum Abspringen der Follower führen. Die Story sollte nicht einfach genutzt werden, nur weil es diese Funktion gibt. Vielmehr sollte sie einen Nutzwert haben und dem oben genannten roten Faden folgen. Konrad Langer dazu:

“Oft gibt es da eine klare Diskrepanz zwischen den auf Instagram gezeigten, durchgestylten, durchgeplanten Content und dem was dann in den Instagram-Storys gezeigt wird, wo dann auch so ein bisschen Luftleerer Raum gelassen wird, was mir das jetzt als Nutzwert bringt”

Die Zielgruppe hat die Hosen an

Es ist nichts Neues, wenn ich schreibe, dass die Zielgruppe das höchste Gut für ein Unternehmen ist. Sie ist letztendlich ja auch diejenige, die eine Leistung oder ein Produkt in Anspruch nimmt und dafür bezahlt. Deswegen sollte man sich immer vor Augen führen, was die Zielgruppe will und was sie anspricht. Damit das Unternehmen die Wünsche kennt und seiner Zielgruppe auch einen Mehrwert bieten kann, können Zielgruppen-Studien für Unternehmen sehr hilfreich sein. Zudem kann man durchaus auch über das Social Web die Follower fragen, was für sie relevant ist und was sie sich wünschen.

Doch auch Algorithmen können dabei helfen, zu zeigen, was relevant ist. In dem Artikel “Kommunikation im Netz – Recap von der republica 2017” von Cathrin Tusche, schreibt die Autorin, dass bei Facebook- und Instagram-Algorithmen bestimmen, was der Nutzer zu sehen bekommt und was nicht. Des Weiteren schreibt sie, dass nur der Content als relevant gilt, welcher in kürzester Zeit oft geliked, geteilt, kommentiert oder gespeichert wurde. Auch wichtig ist die Verweildauer auf Social Media-Posts. Wenn man sich also mit einem Post längere Zeit beschäftigt, bedeutet das im Umkehrschluss, dass es sich um relevanten Content handelt und es werden zukünftig ähnliche Inhalte gezeigt.

Wiedererkennbarkeit durch Alleinstellungsmerkmale

Wer sich von der Masse abheben möchte, sollte einen Unique Selling Point (USP) haben. Zuallererst sollte man sich Gedanken darüber machen, wofür man stehen will und für was nicht. Eine eigene Tonalität und eine einheitliche Visualisierung können eine Wiedererkennbarkeit schaffen. Wenn der Content dazu noch nachhaltig ist, ist man auf der sicheren Seite.

Edeka wurde in dem Vortag als ein best-practice Beispiel genannt: Das Unternehmen nutzt Instagram, um dort Essen, Getränke sowie Rezepte zu posten.

Die Macht der Influencer

In einem Zitat, welches Konrad Langer und Oliver Brügmann von Scott Cook mitgebracht hatten, heißt es:

“A brand is no longer what we tell the consumer it is – it is what consumers tell each other it is”

Man glaubt also nicht mehr der Werbung, sondern geht lieber online und liest sich Produktbewertungen durch oder sieht sich Videos an, in denen die besagten Produkte getestet werden. Man vertraut am meisten den Menschen, die so sind wie man selbst. Die meisten Social Media Influencer haben zu ihrer Community schon eine enge Beziehung. Sie können Botschaften meist glaubwürdiger vermitteln als die Unternehmen selbst. Auf Social Media ist es generell sinnvoll, immer erst eine Beziehung zu seinen Followern aufzubauen und danach Emotionen zu wecken. Denn man reagiert ganz anders auf Botschaften, wenn bereits eine Beziehung aufgebaut wurde, als wenn man sie von einer fremden Person mitgeteilt bekommt. Wenn sich ein Unternehmen dazu entscheidet, dass ein Influencer die eigene Marke repräsentieren soll , muss auch ein Influencer ausgewählt werden, der schon mit der Marke in Berührung kam und diese verkörpert. Er sollte an die Marke und deren Zielgruppe angepasst sein, ansonsten wäre es nicht authentisch.

Doch nicht nur Influencer bringen Glaubwürdigkeit rüber, sondern auch User Generated Content ist hierfür sehr gut geeignet. Wenn ein Kunde zufrieden mit einem Produkt ist und das mit der Welt teilt, ist das schon mal sehr positiv. Wenn man diesen Post dann als Unternehmen auf den eigenen Seiten publizieren kann, steigert das die Authentizität. Manchmal bekommt man dadurch auch eine tolle Geschichte zu dem Post mitgegeben und kann Erlebnisse miteinander teilen.

Das Wichtigste zum Schluss

Es gibt vieles, was man machen kann, um authentischer zu kommunizieren. Zum Abschluss hat Oliver Brügmann es nochmal auf den Punkt gebracht. Er sagte, dass an erster Stelle zwar immer eine Strategie stehen muss, jedoch im Mittelpunkt die Geschichte steht, welche von innen nach außen getragen wird. Man kann daraus Themen ableiten, wie auch die Protagonisten bestimmen und die Formate entwickeln. An letzter Stelle stehen die Kanäle und in dem Zusammenhang die Content-Formate, die dort adaptiert werden und letztendlich zielgruppenspezifisch verbreitet werden.

Die wichtigsten Punkte haben die Vortragenden nochmal in eine Visualisierung gepackt.

Zusammenfassung der wichtigsten Punkte für authentische Kommunikation

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Mit den Followern im Bett – Storytelling auf Snapchat

Eine Foto-App, bei der sich Bilder nach 10 Sekunden löschen – wer braucht das schon? Doch Snapchat kann so einiges mehr als das!

Snapchat gibt es mittlerweile seit 2011 und seitdem sind die Nutzerzahlen rasant angestiegen. Auch auf der re:publica war das Thema präsent. Es gab mehrere Sessions zu der App, welche alle sehr gut besucht waren. Doch was ist das eigentlich, dieses Snapchat? Und was macht die App so besonders?

Snapchat Benutzeroberfläche

Mal ganz von vorne…

Snapchat unterscheidet sich von vielen anderen Messaging Diensten durch seinen Aufbau. Statt Textnachrichten werden sogenannte „Snaps“ versendet. Das können Fotos, aber auch Videos sein. Diese sind nur temporär verfügbar, da sie maximal zehn Sekunden angesehen werden können. Da normale Fotos und Videos jedoch nicht besonders spannend sind, können die Snaps noch mit Filtern, Schriftzügen und Malereien „aufgepimpt“ werden. Die Filter werden täglich von Snapchat geupdatet, es kommen neue Filter dazu und ältere verschwinden wieder. So entsteht eine gewisse Dynamik und der Anreiz, die App zu verwenden.

Wem zehn Sekunden zu kurz sind, der kann seine Snaps auch der „Story“ hinzufügen. Stories sind ab der Veröffentlichung 24 Stunden sichtbar und können von allen Snapchatkontakten beliebig oft angesehen werden. Mit den Jahren hat sich Snapchat weiterentwickelt, sodass mittlerweile auch über die App gechattet werden kann. Bei Snapchat gibt es keine Notifications, wenn eine neue Story hochgeladen wurde. Wer up-to-date bleiben möchte, muss also regelmäßig die App checken. Damit passt sich die App dem  Nutzerverhalten der U20-Generation an, die keine Push-Notifications mehr als Anreiz benötigt.

Mit den Followern im Bett

Auf Snapchat ist eine vergleichsweise junge Zielgruppe zu finden. Das Durchschnittsalter der Nutzer liegt zwischen 14 und 20 Jahren. Anders als bei Facebook und Instagram gibt es auf Snapchat keine Algorithmen und Filterbubbles – und genau das macht Snapchat für viele Blogger, Journalisten und PR-Schaffende so attraktiv.

Sobald man einem Account folgt, wird dessen Story auch definitiv angezeigt. Zudem wird nicht zwischen privaten und öffentlichen Accounts unterschieden. Zwischen den Snapchat-Stories von Freunden taucht somit der Content von gefolgten Marken, Zeitschriften und Stars auf. Da die häufigste Nutzung von Snapchat morgens und Abends in der Horizontalen stattfindet, geht man mit den Followern buchstäblich ins Bett – und kommt ihnen so extrem nah.

Snapchat unterwegs

Ehrlicher und authentischer Content

Da auf Snapchat weder geliked noch kommentiert werden kann, besteht weniger der Druck, etwas zu posten was anderen gefällt. Das führt dazu, dass vorrangig authentischer Content gepostet wird. Seien es Schnappschüsse aus dem Schwimmbad oder lustige Videos mit Freunden – auf Snapchat ist alles möglich, außer gephotoshoppte und inszenierte Bilder. Viele Blogger machen sich das zunutze. Während auf Instagram schicke Selfies und Outfitbilder gepostet werden, findet man auf Snapchat kurze Videos vom Einkaufen im Supermarkt oder der letzten Partynacht, sowie Snaps mit lustigen Filtern über dem Gesicht. Durch Snapchat kann man hinter die Kulissen der scheinbar perfekten Blogger-Welt blicken und seinem Idol ganz nah sein.

Was hat Snapchat mit Storytelling zu tun?

Snapchat kann hervorragend für Storytelling genutzt werden. Allen voran beim Storytelling auf Snapchat ist Eva Schulz. Sie ist Snapchat-Reporterin bei „hochkant“, dem Snapchatkanal von „funk“, einem Online-Format von ARD und ZDF für 14- bis 29-Jährige.

Auf „hochkant“ werden von insgesamt drei Reportern tagesaktuelle News geliefert, sei es von den Wahlen in den USA oder vom Kirchentag in Berlin. Dadurch, dass bei Snapchat alles live ist und die Story publiziert wird, bevor sie überhaupt fertig ist, ist man als User sehr nah dran am Geschehen. Massenfeedback kann man auf Snapchat nicht erwarten, jedoch entstehen über die Chatfunktion oftmals persönliche Dialoge mit den Usern, so Schulz. Zudem ist für den Storyinhaber sichtbar, wer sich die Story angesehen hat und auch wenn ein Screenshot von einem Snap gemacht wurde. Somit hat man einen guten Anhaltspunkt, wie viele Menschen sich die Snaps angeschaut haben. Laut Schulz gäbe es zudem auf keinem Netzwerk so konstruktive und intensive Interaktion mit den Followern wie auf Snapchat. Perfektionismus ist hier nicht notwendig um gute Geschichten zu erzählen. Das authentische und persönliche ist das, was Snapchat wirklich ausmacht.

Schnappschuss von der Media Convention

Was ist zu beachten?

Wenn man nicht gerade Prominent ist, sollte man auf zu viele Selfieaufnahmen verzichten. Maximal dreimal hintereinander sollte das Gesicht in der Story zu sehen sein, spätestens dann muss etwas anderes gefilmt oder fotografiert werden. Sonst wird es für den Follower langweilig, so Schulz. Da die Aufmerksamkeitsspanne bei jugendlichen Nutzern oftmals geringer ist als bei Erwachsenen, sollte auf zu viel Gerede verzichtet werden. Durch die Kürze der Videos sind Erzählsprünge vorprogrammiert. Das sollte man sich zu Nutze machen und die Snaps geschickt zu einer Storyline verknüpfen. Um den Zuschauer nicht zu verlieren ist ein starker Anfang extrem wichtig. Jedoch muss man letztendlich auch einhalten, was man am Anfang verspricht. Um eine gute Geschichte zu erzählen, sollte man grob wissen was man vor hat, welche Geschichte es zu erzählen gibt und auf welche Reise man die Leute mitnehmen möchte. Gleichzeitig sollte man aber auch bereit sein alles über den Haufen zu werfen und Gelegenheiten nutzen, wenn sich beispielsweise zufällig ein Interview ergibt oder Begebenheiten sich ändern. Spontanität ist hier das A und O!

Da fast ein Drittel aller Snaps ohne Ton angesehen werden, ist es sehr zu empfehlen diese zusätzlich  zu beschriften. Zudem gilt: je vielfältiger die Snaps sind, desto besser! Die Filter bieten eine hervorragende Möglichkeit herumzuspielen und zu experimentieren – und auch um mal spontan etwas neues auszuprobieren, denn: nach 24 Stunden ist eh alles wieder verschwunden.

Viel Spaß beim Snappen!

Snapchat-Filter

 

Photocredit:
CC BY 2.0 – Daria Nepriakhina (unsplash.com)

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Die Renaissance des Podcasts: Aus der Nische zum Massenmedium

Podcasts sind so angesagt wie nie zuvor. Manch einer spricht gar von einem regelrechten Boom. Trotz allem haben Podcasts den Sprung aus der Nische noch nicht endgültig geschafft. Wie kam es zum Hype und welche weiteren Hürden müssen noch überwunden werden?

Auch auf der re:publica waren Podcasts in aller Munde. Neben besuchten Sessions trafen wir uns vor Ort mit Max Jacob Ost vom Fußball-Podcast Rasenfunk, der uns einige Fragen beantwortete und seine Eindrücke aus dem Alltag eines Podcast-Produzenten teilte.

Interview mit Max Jacob Ost
Max Jacob Ost (rechts) vom Rasenfunk Fußball-Podcast

Immer mehr Deutsche hören zu

Laut der ARD/ZDF-Onlinestudie 2016 liegt die aktuelle Anzahl der Podcast-Hörer bei 7,5 Millionen Menschen in Deutschland. Immerhin 3,5 Millionen Hörer mehr als noch im Jahr 2014. Für ein fast 20 Jahre altes Medium ein beachtlicher Aufwärtstrend. Wie ist dieser Aufschwung zu erklären?

Anzahl der Nutzer von Podcasts in Deutschland bis 2016
Anzahl der Podcast-Nutzer in Deutschland

Für Max kommen da zwei Faktoren zusammen: Die einst sehr technisch geprägte Podcast-Szene hat sich infolge der einfacher werdenden Produktionsmöglichkeiten auch dem Mainstream geöffnet. Vielfalt ist das Stichwort: Sport, Politik oder Lifestyle – Podcasts informieren, unterhalten und helfen beim Einschlafen. Darüber hinaus können Hörer eigenständig entscheiden, wann sie was hören möchten. Egal, ob beim Kochen, im Fitnessstudio oder auf dem Weg zur Arbeit: On demand beherrscht den Markt – linearer Konsum war gestern.

Stiefmutter Apple und iTunes vergeudetes Potenzial

Obwohl noch ca. 70 % aller Podcasts über iTunes abgerufen werden, scheint Branchenprimus Apple seine zentrale Podcast-Bibliothek weitestgehend zu vernachlässigen. Die unübersichtliche Benutzeroberfläche, eine schlechte Suchfunktion und die seit Jahren von öffentlich-rechtlichen Formaten dominierten iTunes-Charts verdeutlichen diesen Eindruck aus der Sicht des Nutzers.

Apple iTunes Podcast-Mediathek
Apple iTunes Podcast-Mediathek

Aber auch die Podcast-Produzenten haben an der Abhängigkeit von iTunes zu knabbern. Wer auf der Suche nach Metriken ist, die über die einfachen Download- und Abonnentenzahlen hinausgehen, wird bitter enttäuscht. Fehlende Analysemöglichkeiten zur Vermarktung bei Hörerschaft und Werbepartnern hemmen die Professionalisierung der Formate.

Als Podcast-Romantiker hält sich die Melancholie bei Max diesbezüglich jedoch in Grenzen. Denn mit mehr Zahlen steigt auch die Gefahr, dass der Podcast-Markt zukünftig von einer Werbeflut überschwemmt wird. Kann man mit dem Podcasting also kein Geld verdienen und bleibt es für die meisten Produzenten nur ein sehr zeitaufwendiges Hobby?

It’s all about the money

Für die Vorbereitung der Rasenfunk-Schlusskonferenz investiert Max ca. 12–14 Stunden, exklusive der Aufzeichnung und Postproduktion. Zusätzlich zu Beruf und Familie ein nicht zu unterschätzender, zeitlicher Aufwand. Grund genug, den Rasenfunk zum Beruf machen zu wollen. Wie geht man dieses Vorhaben richtig an? Zur Monetarisierung von Podcasts haben sich drei unterschiedliche Herangehensweisen herauskristallisiert:

Der vermutlich erfolgreichste Weg ist die Einführung einer Pay Wall. Zusätzliche Inhalte im Austausch gegen Bezahlung – klingt nach einem fairen Deal. Da iTunes keine Bezahlfunktion unterstützt, nutzen Produzenten neben PayPal oder direkter Überweisung das Angebot vom Crowdfunding-Service Patreon. Nutzer haben hier die Möglichkeit, einen regelmäßigen, selbstbestimmten Beitrag zur Unterstützung der aufgeführten Projekte zu zahlen.

Mit zunehmender Reichweite werden Podcasts auch für Werbetreibende interessanter. In den USA belief sich das Werbevolumen in 2016 auf 167 Millionen US-Dollar – Tendenz steigend. Die Werbebotschaft wird meist vom Podcast-Moderator selbst zu Beginn einer Episode vorgetragen und wirkt dementsprechend authentisch.

Werbevolumen in den USA
Werbevolumen in den USA

Max hingegen hat sich für das zäheste der drei Modelle entschieden. Er finanziert sich ausschließlich durch Spenden und nimmt derzeit zwischen 800 und 1.000 Euro ein. Um seinen eigentlichen Beruf als freischaffender Social-Media-Berater aufgeben zu können, müsste sich diese Summe mindestens verdreifachen. Dennoch möchte er auf Premiuminhalte und Werbung verzichten. Seine Hörer mit kleinem Geldbeutel und die Unabhängigkeit gegenüber Werbetreibenden sind ihm wichtiger. Es braucht also eine größere Reichweite, um den Rasenfunk auf eigene Beine zu stellen.

Streaming-Dienste in Lauerstellung

Eine größere Hörerschaft, Monetarisierungsmöglichkeiten und mehr Statistiken versprechen insbesondere die Streaming-Dienste Spotify, Deezer und Amazon-Tochter Audible. Abseits von iTunes und RSS-Feeds dringen sie in den Markt ein und möchten das Medium Podcast endlich massentauglich machen. Mit der exklusiven Bereitstellung des erfolgreichsten deutschen Podcasts „Fest & Flauschig“ von Jan Böhmermann und Olli Schulz gelang Spotify bereits ein erster Coup. Mit ihrem Call for Papers-Format wählte Audible einen anderen Ansatz auf der Suche nach neuen Formaten.

Spotify auf iPad

Innerhalb der Community mehren sich jedoch auch kritische Stimmen, die den Podcast als ur-demokratisches Medium in Gefahr sehen. Durch entstehende Abhängigkeiten einer Plattformisierung könnten Zugangsbarrieren aufgebaut werden und die lebendige Community auseinanderbrechen.

Was braucht es denn zur Massentauglichkeit?

In einer aktuellen Statista-Umfrage nannten Befragte die fehlende Zeit als einen der Hauptgründe gegen das Hören von Podcasts. Auch wenn die Einstiegshürde mit einer zweistündigen Folge des Rasenfunks sehr hoch sei, hält Max diese Annahme für einen Irrglauben: „Wenn man dem Medium erst mal eine Chance gibt, kommt man so schnell nicht mehr davon los. Denn beim Abwaschen oder auf dem Weg zur Uni findet man plötzlich die Zeit.“

Ein weiteres Hemmnis ist die Unbekanntheit vieler Podcasts. Christian Bollert, Geschäftsführer des Internetradios detektor.fm, sieht hierbei insbesondere „die Anderen“ in der Pflicht. Auf der re:publica legte er in seiner Session „Wie Podcasts mehr Leute erreichen können“ den Finger in die Wunde und formulierte einen Wunschzettel, um das Medium Podcast weiter voranzubringen:

Zuallererst braucht es „offene Standards statt closed Shops“. Dazu gehört die barrierefreie Bereitstellung der Podcasts sowie die Versorgung der Produzenten mit Daten & Statistiken. Digitalkonzerne, Öffentlich-Rechtliche und Podcast-Szene müssen hierfür zusammenarbeiten.

Die eigentliche Grundvoraussetzung für das Streamen von Podcasts ist aber eine stabile Internetverbindung. Da Podcasts oftmals unterwegs gehört werden, sieht Christian auch die Mobilfunkanbieter in der Pflicht: „Wieso bezahlen wir im europäischen Vergleich so viel für unsere mobilen Daten? Warum werden in Deutschland nach wie vor keine echten Flatrates angeboten?“

Auch in Sachen Netzneutralität besteht Handlungsbedarf. Wenn bestimmte Dienste, wie beispielsweise Spotify, bevorzugt werden und das Datenvolumen nicht belastet wird, sehen kleinere Podcast-Produzenten alt aus.

Fragt Christian bei Autobauern oder der Deutschen Bahn nach einer Podcast-Strategie, schaut er meist in ratlose Gesichter. Entertainment-Systeme in Autos, Zügen und Flugzeugen werden immer größer und aufwendiger. An die Einbindung von Podcast-Datenbanken dachte offensichtlich noch niemand.

Innerhalb der Podcast-Community wächst der Wunsch nach der Entwicklung einer sozialen Audioplattform. Bisherige Ansätze wie Clammr oder Anchor haben noch nicht im gewünschten Maße gefruchtet. Es bleibt abzuwarten, ob die Live-Audio-Funktion von Facebook hierbei einen neuen Stein ins Rollen bringt.

Die Nische als Chance?

Es braucht also noch so einiges, um den Podcast der breiten Masse schmackhaft zu machen. Einige Beteiligte haben die Zeichen der Zeit bereits erkannt, andere scheinen die Attraktivität des Mediums zu übersehen. Vielleicht ist das aber auch gar nicht so schlecht. Die Podcast-Szene lebt von ihrer aktiven Community, der dezentralen Organisation und den vielen Idealisten wie Max, die den Podcast vor einer zu starken Kommerzialisierung schützen möchten. Mit dem Nischendasein hat es sich in eine Position gebracht, aus der das Medium langsam und stetig wachsen kann.

 

tl;dr

Podcasts erfreuen sich großer Beliebtheit. Derzeit hören ca. 7,5 Millionen Deutsche Podcasts. iTunes wird als zentrale Podcast-Bibliothek von Apple vernachlässigt und bietet wenig Möglichkeiten für Nutzer und Produzenten. Streaminganbieter haben die Zeichen der Zeit erkannt und positionieren sich im Podcastgeschäft. Die Podcast-Community hingegen fordert offene Standards und sucht die Zusammenarbeit mit Digitalkonzernen und Öffentlich-Rechtlichen.

Photo credit:
CC BY 2.0 – My Podcast Set I by Patrick Breitenbach (Flickr)

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