PR-Fundsachen

PR-Studenten der Hochschule Darmstadt über Public Relations und Social Media

Fundstücke der Woche #KW7

Grafik BITKOM zur Online-Zeit. Quelle: http://somest.at/ACgBvLOnline-Zeit ist Social Media-Zeit: Eine aktuelle, repräsentative Studie des Hightech-Verbandes BITKOM befasst sich mit der Frage, womit deutsche User ihre Zeit im Netz verbringen. Das erstaunliche Ergebnis:  Der Großteil der Online-Zeit, nämlich 22,6 %, wird in sozialen Netzwerken verbracht.

 

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RSS – Am Rande des Abgrunds?

Immer wieder wird in der Blogosphäre darüber diskutiert, welche Zukunft RSS-Feeds haben. Aktuell sorgt Webdesigner und Blogger Kroc Camen mit seinem Blogeintrag „RSS Is Dying, and You Should Be Very Worried“ für heftige Diskussionen um die Zukunft des RSS-Feeds und dessen Einbindung in Browser. Seit dem 1. Januar 2011, als er die erste Version seines Blogeintrags veröffentlichte, stürmen Leser und Follower auf ihn ein. Worum geht es eigentlich?

In seinem Eintrag beklagt Kroc Folgendes:

In einer Studie zu Firefox 4.0 Beta ergab sich für den RSS-Button in der Adresszeile lediglich eine Nutzungsrate von drei bis sieben Prozent. Daher wird Mozilla wird beim Update auf Firefox 4.0 komplett auf den direkt sichtbaren RSS-Button in der Adressleiste verzichten.

Kroc wirft Mozilla vor, geringe Nutzung mit geringem Interesse zu verwechseln. Die Nutzungszahlen resultieren laut Kroc aus schlechtem Design und fehlender Aussagekraft des RSS-Buttons, die seiner Meinung nach jegliche Hinweise auf die Funktionalität des Buttons vermissen lässt. Der User könne nicht einschätzen, was passiere, wenn er auf den RSS-Button klicke, daher verzichte er lieber.

Durch mangelnde Verbreitung von RSS sei dem User sowohl Facebook als auch Twitter sehr viel vertrauter. Daher werde er sich auf Dauer mit Hilfe dieser Seiten informieren. Kroc beklagt dabei unter anderem, dass der User die Möglichkeit verliere, sich zu informieren, ohne etwa Facebook über sein Online-Nutzungsverhalten zu informieren. Wenn RSS verschwinde, seien User und Anbieter von Websites nahezu gezwungen, Facebook, Twitter und Co. zu nutzen, um aktuelle Informationen zu erhalten beziehungsweise bereit zu stellen. Der User wolle dies möglicherweise jedoch nicht. Unternehmen etwa müssten außerdem ihrerseits bei der Bereitstellung von Informationen mindestens einen Fremdaccount pflegen. Ein leicht zu nutzender Standard verschwinde vom Markt. Google verstärke dieses Verschwinden. (Googles Browser Chrome besitzt von Haus aus keine RSS-Unterstützung. Diese kann mithilfe eines Add-Ons nachträglich installiert werden.)

Fazit der Kritik von Kroc: Ein Redesign des Buttons und seine vermehrte Integration in die sichtbare Oberfläche des Browsers sei dringend notwendig, um die Nutzung zu verstärken. Der Standard, der sowohl Nutzern als auch Anbietern Unabhängigkeit gewährleiste, müsse gesichert bleiben. Dies liege in der Hand der Browseranbieter.
Offensichtlich ist Mozilla sehr aufmerksam beim Monitoring: Asa Dotzler, bekannter Mit-Entwickler und Community Director bei Mozilla, äußerte sich bereits am 2. Januar in Kroc Camens Forum zu diesem Blogeintrag. Krocs Kritik sei nicht nachvollziehbar, da Mozilla die RSS-Unterstützung in Firefox 4.0 sogar verbessert habe. Der direkte Unterpunkt sei im Lesezeichen-Menü prominent platziert.

Mit seiner neuen Bezeichnung sei er außerdem besser verständlich. Mozilla habe keinerlei wichtige Bestandteile von RSS wie die Dynamischen Lesezeichen entfernt und lege nach wie vor großen Wert darauf, RSS stetig zu verbessern.
Die Äußerungen Asa Dotzlers baute Kroc Camen sehr schnell in den Blogartikel ein, den er seit seinem Erscheinen vielfach ergänzt und aktualisiert hat. Auch der Titel lautet nun „RSS is [Dying] Being Ignored And You Should Be Very Worried“
Man darf gespannt sein, wie sich sowohl die Diskussion als auch die Verbreitung und Nutzung von RSS entwickeln. Wie ist Ihre Meinung dazu? Hat sich Ihre Nutzung von RSS mit dem Aufkommen von Facebook und Twitter bereits verändert? Glauben Sie, dass RSS auf Dauer seine Berechtigung verlieren wird?

“Mach mit” und “spiel mit mir” – ein kurzer Überblick über zwei schicke, sehr unterschiedliche Crowdsourcing-Aktionen

Junge Menschen legen viel Wert auf Marken und tauschen sich öffentlich zum Beispiel in Sozialen Netzwerken darüber aus. Zu diesem Ergebnis kommt die internationale Studie „The Reset Generation“ von Medianetwork Initiative, für die mehr als 7.500 Personen aus 15 Ländern im Alter zwischen 18 und 24 Jahren befragt wurden. Die Ergebnisse wurden am 7.Dezmeber 2010 beim Eurobest Festival in Hamburg vorgestellt. In der Studie gab ein Drittel der Teilnehmer an, dass sie an der Produktgestaltung teilhaben wollen. Gerade diese Aussage sollte Unternehmen aufhorchen lassen, denn hier liegt ein großes Potenzial: Crowdsourcing.

Der schwäbische Schokoladenhersteller Ritter Sport kommt dem Wunsch der Konsumenten nach: Unter dem Slogan „Ritter Sport Blog Schokolade – von euch, mit euch, für euch“ sucht der Nasch-Konzern eine neue Schokoladensorte, die diesmal der Konsument selbst kreieren soll. Ganz nach dem Prinzip von Chocri, kann man hier nicht nur Zutaten für die neue Kreation, sondern auch Namen und Design vorschlagen. Die Aktion startete am 13. Dezember. Mitmachen kann man per Kommentar auf dem Corporate Blog des Unternehmens oder über die Deutsche Fanpage auf Facebook (zusätzlich gibt auch eine Application als Widget mit zugehörigem Embed-Code). Eine interne Jury werde alle Ideen prüfen, verspricht das Familienunternehmen. Danach stellt Ritter Sport die besten 20 Vorschläge zur Online-Abstimmung. Das letzte Wort hat dann wiederum der Kunde. Verkauft werden soll das gute Stück dann ausschließlich im Netz. So macht sich der Konzern auch gleich noch die Eigenschaften des viralen Marketings zu Nutze und der Exklusivitätsfaktor der mitmachenden Web-Gemeinde kommt dabei ebenfalls nicht zu kurz. Schon nach drei Tagen wurden bei Ritter Sport knapp 600 Vorschläge eingereicht, bis heute, eine Woche nach Startschuss, sind es laut eigener Aussage schon ca. 750.

Screenshot PhyloHier noch ein Beispiel für eine etwas andere Nutzung von Crowdsourcing, die nicht auf Absatzförderung zielt: Phylo, das ist der Name eines simplen aber genialen Crowdsourcing-Games, welches von der School of Computer Science der Kanadischen McGill Universität entwickelt wurde. Das Spiel ist ganz einfach erklärt: zwei Stränge, auf denen man bunte Kästchen hin und her schiebt und diese einander farblich zuordnet. Doch das wirklich geniale an diesem Game ist: mit jedem richtig zugeordnetem Paar können Spieler zur Genforschung beitragen und Medizinern helfen, der Heilung von Krebs oder auch verschiedenen Erbkrankheiten näher zu kommen.

>>Our new online game enables players to have fun while contributing to genetic research – players can even choose which genetic disease they want to help decode. We’re hoping that people will enjoy playing the game and that many participants will sign up. This is an opportunity for people to use their free time to contribute in an extremely important way to medical research. Many human diseases are caused by defects in the DNA code, and researchers are only just beginning to unravel this link. << Dr. Jérôme Waldispuhl, School of Computer Science

Die bunten Kästchen stehen hierbei für jeweils ein Genom (Erbgut) der DNA und die Stränge für verschiedene Spezies. So stellen die Spieler verschiedene Übereinstimmungen des Erbguts zwischen verschiedenen Spezies heraus. Einfach mal spielen und die Welt verbessern!

Die PRaktiker (SPEZIAL): Alle Interviews der Fundsachen-Serie in einem Buch

Wie wird man eigentlich PR-Praktiker? Welche Fähigkeiten muss man mitbringen, und wie verändern Web und Social Media den Beruf? Diese Fragen stellen seit Sommer 2009 Studenten des Studiengangs Online-Journalismus (Schwerpunkt PR) der Hochschule Darmstadt Kommunikationsverantwortlichen aus Unternehmen, Agenturen und öffentlichen Einrichtungen.

Die Idee zur Serie “Die PRaktiker” hatte Daniel Rehn, inzwischen diplomierter Online-Journalist. Seit seinem ersten Interview mit Kerstin Hoffmann haben 17 weitere PR-Praktiker den Fundsachen einen Einblick in ihren beruflichen Alltag gegeben.

Entstanden ist ein umfassendes Bild der Arbeitswelt (Online-)PR, das nun im eBook “Die PRaktiker” zugänglich gemacht wird und alle geführten Interviews kompakt auf 44 Seiten bündelt. Das Institut für Kommunikation und Medien dankt allen Gesprächspartnern sowie der Software AG, die das eBook finanziell fördert, für ihre wertvolle Unterstützung und wünscht viel Spaß beim Lesen.

Das Buch “Die PRaktiker” ist auch erschienen bei Books On Demand: ISBN 978-3-8391-6308-5, Paperback, 44 Seiten

Weiterbildung “Zukunft Online-PR 2010″: Brücke zwischen Hochschule und Praxis

Zukunft Online PR 2010 - Das Seminar

Nach monatelanger Vorbereitung war es letzte Woche endlich soweit, Zukunft Online-PR – Das Seminar fand in der Exlibris-Konferenzetage in Darmstadt statt.

Nachdem wir, PR-Studierende der Hochschule Darmstadt, ein halbes Jahr mit der Konzeption, Planung und Vermarktung des Seminars im Rahmen eines Semesterprojekts verbracht hatten, konnten wir am 11. und 12. November endlich die 14 Teilnehmer in Darmstadt begrüßen.

Erfahrene PR-Praktiker wie Uwe Knaus (Manager Unternehmenskommunikation Daimler AG), Stephan Fink (Fink&Fuchs Public Relations AG) und Prof. Dr. Thomas Pleil (Professor für PR an der Hochschule Darmstadt) vermittelten den Teilnehmern einen praxisnahen und wissenschaftlich fundierten Einblick in die Chancen und Möglichkeiten von Social Media für Unternehmen.

Das Repertoire des Seminars reichte von der Vorstellung verschiedener Social Media Tools, bis hin zum Erarbeiten einer eigenen Social Media-Strategie. Auch wichtige Themen wie Social Media Monitoring und der Umgang mit Social Media im Fall einer Krise kamen zur Sprache.

Zu Beginn der Planungsphase hatten wir uns bewusst für ein Seminar in kleinem Rahmen entschieden. So war es uns möglich, auch Teile mit Workshop-Charakter im Seminar zu integrieren. Je nach Wünschen und Vorwissen der Teilnehmer konnten wir differenzieren: Für einige war das Ausprobieren von Tools interessant, andere hatten schon die Aufgabe mitgebracht, eine Strategie zu entwickeln. Die Spanne reichte vom geplanten Blog bis zur umfassenden Strategie, zu der zumindest die Richtung erarbeitet werden konnte. Denn wir wollten, dass die Teilnehmer aus dem Seminar so viel wie möglich für ihre tägliche Berufspraxis mitnehmen können.

Dies wurde auch sofort genutzt und so findet sich sicher bald das ein oder andere Unternehmen mehr auf Twitter, Facebook und Co.

Zwar ist das Seminar jetzt erst einmal vorbei, weitere ähnliche Veranstaltungen, auch beispielsweise inhouse bei Unternehmen, sind denkbar. Bei Interesse freuen wir uns über eine Email an jk.jessen at zukunftonlinepr.de.

Uni Leipzig in der Aus- und Weiterbildung der Kommunikationsbranche auf Platz Eins

Die dpa-Tochter news aktuell und Faktenkontor wollten es wieder einmal genau wissen: Wie ist es um die Aus- und Weiterbildung in der deutschen Kommunikationsbranche bestellt? Zwischen dem 08. und 20. Juli 2010 wurden insgesamt 1.121 Fach- und Führungskräfte aus PR-Agenturen und Pressestellen befragt, an welchen Punkten sie in Sachen Fortbildung Positives wie Negatives sehen.

Für Studenten – also uns – besonders interessant sind aus dem 26-seitigen Katalog die Seiten 18 bis 22, die sich im Schwerpunkt der Ausbildung zukünftiger High Potentials widmen. So sehen 35,5 Prozent der Befragten ein Studium als Grundvoraussetzung für einen erfolgreichen Einstieg in die Kommunikationsbranche, während ein Studium mit PR-Zusatzausbildung mit 30,1 Prozent auf Platz zwei folgt. Explizit ausgewiesene Studiengänge im Bereich Kommunikationsmanagement/ PR auf Master- bzw. Bachelorbasis rangieren in der Einschätzung der Umfrageteilnehmer mit 14,0 bzw. 10,3 Prozent erst auf dem dritten bzw. vierten Rang, was künftigen Absolventen aber keinen Grund zum Kopfzerbrechen geben sollte: Spezifische Studiengänge gibt es erst seit wenigen Jahren, sodass bisher nur wenige Jahrgänge das Studium abgeschlossen und in der Berufswelt einen Eindruck hinterlassen haben.

Innerhalb dieses Abschnittes wird unter anderem auch nach den favorisierten PR-Studiengängen in Deutschland gefragt, bei denen die Uni Leipzig (Master Communication Management) mit jeder fünften Antwort der Teilnehmer (20,2 Prozent) die Spitzenposition vor der TU München (MBA Communication & Leadership – berufsbegleitend), 11,9 Prozent, und der Uni Hohenheim (Master Kommunikationsmanagement), 10,2 Prozent, belegt.

Die Topkräfte der akademischen Forschung und Ausbildung sind demnach auch Prof. Dr. Ansgar Zerfaß (33,3 Prozent) und Prof. Dr. Günter Bentele (29,6 Prozent) der Uni Leipzig vor Prof. Dr. Dr. Claudia Mast (Hohenheim, 20,6 Przent) und Prof. Dr. Miriam Meckel (St. Gallen, 16,8 Prozent).

Aus Darmstädter Sicht kann man nun fragen, warum sich weder unser Studiengang Online-Journalismus mitsamt seinem Schwerpunkt Öffentlichkeitsarbeit/Online-PR noch Prof. Dr. Thomas Pleil in dieser Aufzählung wiederfinden lassen. Nun ja, die Fragestellung impliziert die Antwort im Grunde, wird doch nur nach Master-Studiengängen gefragt.

Irgendwann in der Zukunft, wenn auf die letzten Diplomjahrgänge die ersten Bachelor-Absolventen folgen und ein Master an der Hochschule Darmstadt Einzug halten könnte, wird sich auch unsere Hochschule in der Umfrage wiederfinden.

Bis dahin gratulieren wir unseren Kommilitonen an all den ausgezeichneten Unis und Hochschulen zu ihren guten Plätzen im Ranking!

Das Ganze gibt es übrigens auch als Blogpost bei newsaktuell.de/blog, der sich mit den Gesamtergebnissen der Umfrage auseinandersetzt.

Mehr Wert schaffen – Profilwerkstatt und PR-Studenten präsentieren Studie zu Social Media in der B2B-Kommunikation

Die Frage, ob Social Media überhaupt relevant für die Business-to-Business-Kommunikation sind, war schnell beantwortet. Über die Frage, wann und in welcher Form Social Media eines Tages zum Alltag in der Unternehmenskommunikation gehören werden, ließ sich vortrefflich diskutieren, oder zumindest Expertise austauschen. Im achten Forum für Vordenker der Profilwerkstatt am Dienstagabend im Darmstadtium.

Der Anlass war für unseren Studiengang und speziell den Schwerpunkt Public Relations ein erfreulicher: Thomas Pleil stellte den zahlreichen Zuhörern die frisch veröffentlichte Studie „Mehr Wert schaffen – Social Media in der B2B-Kommunikation“ vor.  Unsere Kommilitonen des Vorgängerjahrgangs hatten sie im Namen des Instituts für Kommunikation und Medien (IKuM) und im Auftrag der Profilwerkstatt erarbeitet. Die Studie schlägt bereits erste Wellen im Netz: hier, hier oder hier.

Social-Media-Klassentreffen

Die anschließende Podiumsdiskussion leitete Holger Schmidt, Netzökonom und Wirtschaftsredakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Und während unsere Kollegen in Hannover den Kommunikationsberater 2.0 suchten, diskutierten der PR-Berater Klaus Eck, Nerses Chopurian, Director Seller Communications bei eBay Europe, Jan Westerbarkey, der unterhaltsame CEO von Westaflex, Norbert Eder, Vice President Corporate Communications bei der Software AG, und Thomas Pleil über einen Forschungsbereich, der, so heißt es im Vorwort der Studie, „noch in den Kinderschuhen steckt.“

Denn während in den USA Social Media in der Business to Business-Kommunikation längst ein Thema ist, B2B-Unternehmen gar aktiver im Social Web sind als B2C-Unternehmen, wie Stephan Fink mit Hinweis auf eine Studie von business.com während des Vortrags via Twitter anmerkte, ist das Potenzial von Social Media im B2B-Bereich in Deutschland bislang kaum thematisiert worden.

Um den Einsatz von Social Media in der Business to Business-Kommunikation zu untersuchen, hatten die Studenten Fachdiskussionen um B2B und Social Web sowie bisher erschienene Studien zum Thema analysiert. Sie führten zwölf Experteninterviews und untersuchten vier Fallbeispiele aus vier verschiedenen Branchen: die Social Media-Aktivitäten der Software AG, der Triodos Bank (einer Bank für nachhaltige Geldanlagen), der Westaflex GmbH (einem deutschen Haustechnikhersteller) und der Cirquent GmbH (IT-Consulting).

Social Media – vielseitig verwendbar

Als die wichtigsten Einsatzfelder von Social Media in der B2B-Kommunikation stellten sich die interne Kommunikation und das Wissensmanagement, die Kundenkommunikation und der Kunden-Support heraus. Nerses Chopurian erzählte, ebay sei es gelungen, dass Kunden sich gegenseitig beim Support helfen – das spare dem Unternehmen immense Kosten. Geeignet ist das Social Web weiterhin zum Recruiting neuer Mitarbeiter. Ein gelungenes dafür ist das Recruiting-Konzept von Daimler. Daimler Career  gefällt auf Facebook bereits über 1300 Menschen, auf Twitter folgen über 1900. Das Beispiel am Rande zeigt: Social Media können für Unternehmen in der B2B-Kommunikation einen Mehrwert schaffen.

Im Social Web vernetzen sich die B2B-Entscheider. Über 90 Prozent von ihnen nutzen das Internet für die vorbereitende Informationsbeschaffung, zeigte eine Studie von Virtual Identity in Kooperation mit Google Deutschland. Das Web ist bei deutschen B2B-Entscheidern fester Bestandteil des Arbeitsalltags geworden.

Social Media können die Reputation und die Sichtbarkeit eines Unternehmens im Internet erhöhen, insbesondere wenn es gelingt, eigene Themen zu setzen oder sich an Fachdiskussionen zu beteiligen. Es gäbe heutzutage kaum ein Thema, das nicht im Netz diskutiert wird, wies Thomas Pleil auf eine große Chance für die Unternehmen hin.

Für Martina Keller, Geschäftsführerin der Profilwerkstatt, ist dabei entscheidend: „Die Inhalte der Kommunikation sind wichtiger als der Kanal, auf dem Kommunikation stattfindet.“ Klaus Eck ergänzte, Content-Strategie, Agenda Setting und gutes Storytelling seien unabdingbar, um mit Hilfe von Social Media einen Mehrwert zu generieren. Und dann gälte immer noch: „Gute Inhalte bedeuten nicht automatisch viele Leser“

Die Software AG, erzählte Norbert Eder in diesem Zusammenhang, habe schlechte Erfahrungen mit einem Unternehmensblog gemacht. Durch die heterogene Kundenstruktur interessierten die Einträge jeweils nur Teile der Zielgruppe. Die Leser blieben aus. Ein Problem vieler großer Unternehmen.

Unternehmenskultur vs. Social Media

Nicht nur das „Was“ – auch das „Wie“ spielt in der Kommunikation im Social Web eine wichtige Rolle. Glaubhaft und erfolgreich wird sie nämlich erst, wenn nicht das Unternehmen als solches, sondern die Menschen dahinter mit ihren Zielgruppen kommunizieren. Dass sich dieses Vertrauen auszahlen kann, macht Jan Westerbarkey deutlich: „Wenn die Produkte zweier Firmen vergleichbar sind, entscheidet am Ende die Nasenspitze“

Die andere Seite: In vielen Unternehmen ist die Kluft zwischen Unternehmenskultur und den ungeschriebenen Social-Media-Gesetzen ist groß. „Wenn ein Unternehmen Angst davor hat, seine Mitarbeiter kommunizieren zu lassen, stimmt etwas im Unternehmen nicht“, sagt Thomas Pleil.

Mirko Lange fasst die Diskussion auf Twitter treffend zusammen: „Wenn ich die richtige Kultur habe, ist erfolgreiche Social Media eine zwingende Konsequenz. Wenn nicht, ist Social Media harte Arbeit.“

Harte Arbeit ist auch das Formulieren einer klaren Strategie, die am Anfang jedes erfolgreichen Social-Media-Engagements stehen muss. Vom CEO, über den Betriebsrat, Kundenservice, PR und Marketing müssten alle Teile des Unternehmens an der gemeinsamen Social-Media-Policy mitarbeiten. „Das sei ein langwährender Prozess“, sagt Klaus Eck.

Den PR-Praktikern wird in diesem Zusammenhang eine neue Rolle zu Teil. Thomas Pleil sieht sie künftig als „Enabler“, oder “Facilitator”, wie sein Grazer Kollege Heinz Wittenbrink das neue Berufsbild von Kommunikatoren bezeichnet. Sie befähigen die Mitarbeiter eines Unternehmens im Social Web zu kommunizieren.

Das Fazit des Abends: Die Möglichkeiten Social Media in der internen und externen Kommunikation von B2B-Unternehmen einzusetzen sind zahlreich. In der Praxis werden sie bislang selten genutzt. „Die Unternehmen streuen Samen im Social-Media-Beet und schauen, wo etwas wächst“, beschreibt Thomas Pleil die derzeitige Phase. Der Vorteil für die Unternehmen: Ein paar Samen kosten nicht viel. Und doch, es kann eine Rose aus ihnen werden.

Aus den Ergebnissen ihrer Studie haben die Studenten zehn Social-Media-Empfehlungen entwickelt, die Entscheidern und Kommunikatoren helfen sollen, eine eigene Abwägung der Chancen und Risiken treffen zu können. Dünger für die Samen, um im Bild zu bleiben:

  1. Unternehmen sollten überprüfen, ob der Einsatz von Social Media zu ihrer Unternehmens- und Kommunikationskultur passt.
  2. Unternehmen sollten darüber nachdenken, ob sie öffentlich Dialoge führen können und wollen.
  3. Unternehmen sollten realistische und überprüfbare Kommunikationsziele formulieren.
  4. Unternehmen sollten überprüfen, ob sich in ihrer Branche ein virtuelles Netzwerk implementieren lässt.
  5. Unternehmen sollten sich fragen, welche ihrer externen Stakeholder sie über Social Media erreichen, und sie sollten wissen, wo sie sich aufhalten.
  6. Unternehmen sollten Themen setzen und wissen, welche Themen sie setzen wollen.
  7. Unternehmen sollten vorab analysieren, welche Tools ihnen helfen, ihre Social-Media-Strategie umzusetzen.
  8. 8.Social Media macht man nicht „nebenher“. Unternehmen sollten prüfen, ob sie das Know-how und die Kapazitäten für Social Media haben.
  9. Unternehmen sollten vor allem das mittlere Management von ihrer Strategie überzeugen und für alle akzeptable Regeln zur Social Media-Nutzung aufstellen.
  10. Unternehmen sollten prüfen, ob und inwieweit sie Social Media auch für die interne Kommunikation einsetzen können.

Die Studie „Mehr Wert schaffen – Social Media in der B2B-Kommunikation“ gibt Unternehmen im B2B-Sektor einen praxisorientierten Leitfaden für den Einsatz von Social Media an die Hand. Erhältlich ist sie als Book-on-Demand unter www.BoD.de (ISBN-Nr.: 9 783839 181843, Preis: 19 Euro). Einen Auszug aus der Studie finden Sie unter www.profilwerkstatt.de.

Linktipp: 50 eBooks rund um Social Media-Marketing

Wer am Wochenende nichts mit seiner freien Zeit anzufangen weiß, dem sei ein Blick in die von Stefan Petersen erstellte Liste mit nicht weniger als 50 eBooks und Whitepapers rund um Social Media mit dem Schwerpunkt Marketing ans Herz gelegt.

Neben vielen Studien und Werken von Renommierten aller Couleur (Edelman, Nielsen, Economist, …) gibt es auch handwerkliche Anleitungen mit Tipps und Tricks rund um Social Media, Communities und Markenbindung bis hin zu Social Media-Nutzungszahlen und Co., die im Schnitt maximal ein Jahr alt sind – falls überhaupt. Wie bereits erwähnt, ein Blick lohnt sich, aber man sollte viel Zeit dafür einplanen.

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