#cosca17: Digitale Fanpost – Influencer und ihre Communities

Die Nutzung von sozialen Medien steigt zunehmend. Aus diesem Grund ist es nicht verwunderlich, dass in den vergangenen Jahren immer mehr Unternehmen diese in ihre Strategie aufnehmen und ihre eigenen Kanäle aktiv bespielen. Auf sozialen Netzwerken vertreten zu sein reicht jedoch nicht aus – die Community, die sich um die Unternehmen herum bildet, muss auch betreut werden.

Das Bindeglied zwischen sozialen Netzwerken und den Nutzern stellt das Community Management dar. Ziel des Community Managements besteht darin, Communities nachhaltig aufzubauen, denn nicht nur aus Marketingperspektive, sondern auch aus der Sales- und der Costumer Support-Perspektive bietet das Community Management ein hohes Potential. Loyalität zur Marke lässt sich aufbauen, womit ein höherer Umsatz generiert werden kann. Ebenso ist der Aufwand für die Bearbeitung von Verbraucherfragen vergleichsweise gering und somit kann durch Aktivität auf sozialen Netzwerken der Kundenservice entlastet werden.

Mittlerweile wird es jedoch immer schwieriger, mit der Community zu interagieren und sie mit Markenbotschafen zu erreichen. Über konventionelle Marketingmethoden wird es immer schwieriger, Generation Y und Z zu erreichen. Nutzer sozialer Medien werden immer jünger und deshalb setzen viele Unternehmen nun auf das  Influencer Marketing.

Communities bilden sich, wenn sich Personen zusammenfinden, die dieselben Interessen teilen. Bei Influencer Communities besteht das gemeinsame Interesse meist an der Person selbst – und genau das macht sie so interessant. Durch Influencer Marketing kann ein sehr hohes Engagement der Community erzielt werden, was konventionelle Marketingstrategien nur schwer erreichen.

Doch wie sieht es in den Communities der Influencer aus? Gibt es Unterschiede beim Community Management der neuen Superstars des Internets im Vergleich zum klassischen? Wie geht ein Influencer mit der Verantwortung um, gleichzeitig Content Creator und Community Manager zu sein? Und wenn wir schon dabei sind: welchen Einfluss hat die Community auf den Content?

Aufbau, Pflege und Weiterentwicklung der Community sind die Hauptbestandteile des Community Managements. Die genannten Punkte sind für Influencer besonders bedeutsam, denn der Influencer lebt quasi von seiner Community. Während viele Unternehmen mittlerweile Social Media– und Community Manager einstellen, ist es für Influencer schwer diese Aufgaben aus der Hand zu geben. Authentizität ist für die neuen Meinungsführer im Netz das A und O und ein Schlüssel zum Erfolg.

Durch gutes Community Management der Influencer entsteht im besten Fall Interaktion zwischen ihm und den Nutzern. Somit nimmt die Community starken Einfluss auf den Content des Influencers, denn viele Influencer berücksichtigen bei der Erstellung ihrer eigenen Inhalte User Generated Content. Doch wie nutzen Influencer eigentlich verschiedene Plattformen, um ihre Inhalte zu verbreiten? Und welche Rolle spielt die Lebenszeit des Contents auf den einzelnen Plattformen für Unternehmen, die mit den Meinungsführern kooperieren wollen?

Falls ihr euch für das Thema interessiert und noch mehr über Influencer Communities wissen wollt, kommt doch am Freitag auf dem #cosca17 vorbei! Ansonsten findet ihr hier nach dem Vortrag die Slides zum Vortrag!

Quellen zur Infografik

Snapchat:
http://www.futurebiz.de/artikel/snapchat-infografik-2016-statistiken-nutzerzahlen-werbung/
http://www.futurebiz.de/artikel/influencer-instagram-stories-snapchat-stories/
http://umww.de/wp-content/uploads/2017/04/Wave9_The_Meaning_of_Moments_Deutsche_Ergebnisse_DE.pdf

Facebook:
http://digiwis.de/blog/2011/05/09/ersetzen-facebook-seiten-in-zukunft-die-blogroll/
_ http://umww.de/wp-content/uploads/2017/04/Wave9_The_Meaning_of_Moments_Deutsche_Ergebnisse_DE.pdf
http://www.absatzwirtschaft.de/wer-nutzt-wirklich-facebook-snapchat-instagram-und-co-55345/

Instagram:
http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/instagram-aesthetik-die-neue-buehne-der-jugend-13374648.html
http://www.internetworld.de/onlinemarketing/influencer/einfluss-gewinnen-influencer-marketing-planen-umsetzen-
1114427.html


http://www.absatzwirtschaft.de/die-instagram-blogger-und-ihr-erfolgsrezept-gezieltes-content-marketing-lockt-die-werbeindustrie-94373/
http://umww.de/wp-content/uploads/2017/04/Wave9_The_Meaning_of_Moments_Deutsche_Ergebnisse_DE.pdf

YouTube
Josef Maaßen
https://broadmark.de/allgemein/wo-die-interaktionshoelle-youtube-deutschland-hinfuehrt/15516/
http://www.taz.de/!5389562/
http://umww.de/wp-content/uploads/2017/04/Wave9_The_Meaning_of_Moments_Deutsche_Ergebnisse_DE.pdf
_ https://www.rockit-internet.de/youtube-stars-sind-die-influencer-von-heute/

zu den Kommentaren

Der Weg zur authentischen Kommunikation

Jeder Mensch spielt verschiedene Rollen – fast wie in einem Theaterstück. Doch wie ist authentische Kommunikation im Social Web dann überhaupt noch möglich?

Es gibt verlässliche Rollen, wie die Rolle der Mutter oder die Rolle des Freundes und bei jeder dieser Rollen gibt es eine gewisse Art und Weise, wie man ihr gegenübertritt. Stellt euch vor, ihr würdet mit eurer Mutter bei Kaffee und Kuchen zusammensitzen und euch so verhalten, wie ihr es gegenüber euren Freunden bei einem abendlichen Bier tun würdet. Eine wie ich finde, eher unangenehme Vorstellung.

Doch wie ist das dann im Social Web, wenn wir im realen Leben schon mehrere Rollen einnehmen? Was empfinden wir dort als glaubwürdig und authentisch? Vor allem bei Personen, die uns eigentlich fremd sind?  Genau das hängt von der Kommunikation ab, die bereits stattgefunden hat. Beim Vortrag auf der re:publica von Konrad Langer und Oliver Brügmann von visumate GmbH erzählte Langer von seinem privaten Instagram-Account “konaction”. Sein Stil zeichnet sich aus durch  geometrische Formen, Stadtbilder und dem Spiel mit Farben und Kontrasten. Bevor er seinen Account zeigte, wurde ein Bild von ihm und dem Hund seiner Freundin in der Küche gezeigt (siehe Abbildung). Seine Frage dazu war, ob es authentisch wäre, dieses Bild auf seinem Account zu posten. Der erste Gedanke dabei war natürlich, dass nichts mehr Authentizität ausstrahlt als so ein Schnappschuss. Doch das ist nicht richtig. Dieses Bild würde nicht zu seiner Bildsprache und der sonstigen Kommunikation passen. Es würde die Erwartung seiner Follower nicht erfüllen. Dementsprechend wäre es nicht authentisch und nicht glaubwürdig. Es ist also wichtig, einem Stil treu zu bleiben und diesen wie einen roten Faden durchzuziehen.

Konrad Langer zusammen mit dem Hund seiner Freundin

Achtung: Stories können auch nach hinten los gehen

Mittlerweile gibt es nicht nur Snapchat- (siehe Mit den Followern im Bett – Storytelling auf Snapchat) und Instagram-Stories, sondern auch Facebook- und sogar Whatsapp-Stories. Wenn man diese richtig nutzt, kann es die authentische Kommunikation steigern und Neuigkeiten können damit schnell und effizient verbreitet werden. Durch diesen Firsthand Content kann zwar ein Blick hinter die Kulissen geworfen werden, jedoch sollte man gut aufpassen, denn manchmal ist weniger mehr. Wer hat schon Lust, ewig lange Stories von einer unbekannten Person oder einem Unternehmen durch zu klicken? Vor allem im Hinblick darauf, dass die Aufmerksamkeitsspanne im Social Web sehr gering ist. Wenn man zu viele Stories postet, kann das ins Belanglose abrutschen und vielleicht sogar zum Abspringen der Follower führen. Die Story sollte nicht einfach genutzt werden, nur weil es diese Funktion gibt. Vielmehr sollte sie einen Nutzwert haben und dem oben genannten roten Faden folgen. Konrad Langer dazu:

“Oft gibt es da eine klare Diskrepanz zwischen den auf Instagram gezeigten, durchgestylten, durchgeplanten Content und dem was dann in den Instagram-Storys gezeigt wird, wo dann auch so ein bisschen Luftleerer Raum gelassen wird, was mir das jetzt als Nutzwert bringt”

Die Zielgruppe hat die Hosen an

Es ist nichts Neues, wenn ich schreibe, dass die Zielgruppe das höchste Gut für ein Unternehmen ist. Sie ist letztendlich ja auch diejenige, die eine Leistung oder ein Produkt in Anspruch nimmt und dafür bezahlt. Deswegen sollte man sich immer vor Augen führen, was die Zielgruppe will und was sie anspricht. Damit das Unternehmen die Wünsche kennt und seiner Zielgruppe auch einen Mehrwert bieten kann, können Zielgruppen-Studien für Unternehmen sehr hilfreich sein. Zudem kann man durchaus auch über das Social Web die Follower fragen, was für sie relevant ist und was sie sich wünschen.

Doch auch Algorithmen können dabei helfen, zu zeigen, was relevant ist. In dem Artikel “Kommunikation im Netz – Recap von der republica 2017” von Cathrin Tusche, schreibt die Autorin, dass bei Facebook- und Instagram-Algorithmen bestimmen, was der Nutzer zu sehen bekommt und was nicht. Des Weiteren schreibt sie, dass nur der Content als relevant gilt, welcher in kürzester Zeit oft geliked, geteilt, kommentiert oder gespeichert wurde. Auch wichtig ist die Verweildauer auf Social Media-Posts. Wenn man sich also mit einem Post längere Zeit beschäftigt, bedeutet das im Umkehrschluss, dass es sich um relevanten Content handelt und es werden zukünftig ähnliche Inhalte gezeigt.

Wiedererkennbarkeit durch Alleinstellungsmerkmale

Wer sich von der Masse abheben möchte, sollte einen Unique Selling Point (USP) haben. Zuallererst sollte man sich Gedanken darüber machen, wofür man stehen will und für was nicht. Eine eigene Tonalität und eine einheitliche Visualisierung können eine Wiedererkennbarkeit schaffen. Wenn der Content dazu noch nachhaltig ist, ist man auf der sicheren Seite.

Edeka wurde in dem Vortag als ein best-practice Beispiel genannt: Das Unternehmen nutzt Instagram, um dort Essen, Getränke sowie Rezepte zu posten.

Die Macht der Influencer

In einem Zitat, welches Konrad Langer und Oliver Brügmann von Scott Cook mitgebracht hatten, heißt es:

“A brand is no longer what we tell the consumer it is – it is what consumers tell each other it is”

Man glaubt also nicht mehr der Werbung, sondern geht lieber online und liest sich Produktbewertungen durch oder sieht sich Videos an, in denen die besagten Produkte getestet werden. Man vertraut am meisten den Menschen, die so sind wie man selbst. Die meisten Social Media Influencer haben zu ihrer Community schon eine enge Beziehung. Sie können Botschaften meist glaubwürdiger vermitteln als die Unternehmen selbst. Auf Social Media ist es generell sinnvoll, immer erst eine Beziehung zu seinen Followern aufzubauen und danach Emotionen zu wecken. Denn man reagiert ganz anders auf Botschaften, wenn bereits eine Beziehung aufgebaut wurde, als wenn man sie von einer fremden Person mitgeteilt bekommt. Wenn sich ein Unternehmen dazu entscheidet, dass ein Influencer die eigene Marke repräsentieren soll , muss auch ein Influencer ausgewählt werden, der schon mit der Marke in Berührung kam und diese verkörpert. Er sollte an die Marke und deren Zielgruppe angepasst sein, ansonsten wäre es nicht authentisch.

Doch nicht nur Influencer bringen Glaubwürdigkeit rüber, sondern auch User Generated Content ist hierfür sehr gut geeignet. Wenn ein Kunde zufrieden mit einem Produkt ist und das mit der Welt teilt, ist das schon mal sehr positiv. Wenn man diesen Post dann als Unternehmen auf den eigenen Seiten publizieren kann, steigert das die Authentizität. Manchmal bekommt man dadurch auch eine tolle Geschichte zu dem Post mitgegeben und kann Erlebnisse miteinander teilen.

Das Wichtigste zum Schluss

Es gibt vieles, was man machen kann, um authentischer zu kommunizieren. Zum Abschluss hat Oliver Brügmann es nochmal auf den Punkt gebracht. Er sagte, dass an erster Stelle zwar immer eine Strategie stehen muss, jedoch im Mittelpunkt die Geschichte steht, welche von innen nach außen getragen wird. Man kann daraus Themen ableiten, wie auch die Protagonisten bestimmen und die Formate entwickeln. An letzter Stelle stehen die Kanäle und in dem Zusammenhang die Content-Formate, die dort adaptiert werden und letztendlich zielgruppenspezifisch verbreitet werden.

Die wichtigsten Punkte haben die Vortragenden nochmal in eine Visualisierung gepackt.

Zusammenfassung der wichtigsten Punkte für authentische Kommunikation

zu den Kommentaren

Netzwerkdurchsetzungsgesetz – unsere Rettung vor den Fake News?

Hate Speech, Fake News und die Rettung durch das Netzwerkdurchsetzungsgesetz (im folgenden: NetzDG). Den aktuellen Hype um diese Themen hat Markus Reuter von https://netzpolitik.org/ auf der re:publica hinterleuchtet, die wir für Euch besucht haben.

Mit dem Wahlkampf von Hillary Clinton und Donald Trump kamen auch die Fake News als eine große Welle über den Atlantik zu uns herüber geschwappt. Viele der Berichte rund um die zwei amerikanischen Präsidentschaftskandidaten wurden im Nachhinein als Fake News enttarnt und deren Inhalte revidiert.

Spätestens als Donald Trump öffentlich auf Twitter alle großen amerikanischen Nachrichtensender als “Fake News Medien” bezeichnete, wurden Fake News in das Bewusstsein der Bevölkerung gerufen.

Fake News: Tweet von Donald Trump

Schon immer gab es Nachrichten, die sich als nicht wahrheitsgetreu entpuppten. Eine sehr bekannte ist zum Beispiel die Bielefeld-Verschwörung, die besagt Bielefeld existiert nicht. Leider – oder unter anderen Umständen zum Glück – ist das Vertrauen hier in Deutschland in Nachrichten online wie offline sehr hoch. Früher waren Nachrichten der einzige Weg, um etwas über das Geschehen in der Welt zu erfahren. Die Nachrichten waren gut recherchiert und weitestgehend vertrauenswürdig.

Durch die Online Medien verbreiten sich Neuigkeiten heutzutage rasanter. Das ist für den User sehr von Vorteil, da brandaktuelle Neuigkeiten direkt für alle zugänglich sind. Auf der anderen Seite ist es für Journalisten und Nachrichtensender ein immenser Druck dieser Geschwindigkeit gerecht zu werden, Inhalte detailliert zu recherchieren und in angemessener Zeit zu veröffentlichen.

Das Problem an Fake News ist, dass sie wahrgenommen werden wie wahrheitsgetreue Nachrichten und schneller geschaffen werden können. Sie setzten sich in den Köpfen der Leser fest, welche sich dadurch eine Meinung bilden. Fake News mit dem Ziel der bewussten Steuerung von Meinungsbildern in der Gesellschaft können somit sehr gefährlich werden.

Nun kommen zu den ohnehin schon sehr schnellen Online Medien auch noch Social Bots hinzu. Social Bots sind algorithmusbasierte Computerprogramme, die in Sozialen Netzwerken Beiträge verbreiten. Eine detailliertere Erklärung dazu ist hier zu finden: www.Gedankentojaner.de. Durch die Geschwindigkeit der Verbreitung durch diese Programme, entsteht eine sehr hohe Reichweite der News. Wenn also Social Bots Fake News verbreiten, erreichen diese sehr viele Leser.

Nun liegt die Vermutung nahe, dass ein programmierter Algorithmus in Form eines Social Media Profils, als solcher auffallen sollte. Leider sind Social Bots nicht so leicht zu erkennen, wie zuerst gedacht. Durch die gut programmierten Algorithmen, sind die Social Bots lernfähig und täuschen ein menschliches User-Verhalten vor: Zum Beispiel die Verzögerung von Antworten, das Lernen neuer Wörter und das abwechslungsreiche Reagieren in Diskussionen.

Welchen Nachrichten und welchen Social Media Plattformen und Profilen können wir noch glauben?

Rettet uns das Netzwerkdurchsetzungsgesetz?

Durch das große Aufkommen von Fake News und der zunehmenden Hate Speech im Netz kam nun die spontane Idee auf, diese gesetzlich zu regulieren. Mit dem Netzwerkdurchsetzungsgesetz. Ich sage bewusst spontane Idee, da es sich als genau solche anfühlt. Undurchdacht, nicht ausgefeilt, lückenbehaftet.

Ziel des NetzDG ist es, in Zukunft strafbare Inhalte innerhalb kürzester Zeit zu eliminieren. Offensichtlich rechtswidrige Inhalte müssen dem Gesetzesentwurf zufolge innerhalb von 24 Stunden gelöscht werden. Andere rechtswidrige Inhalte innerhalb von sieben Tagen.So weit, so gut. Doch was sind rechtswidrige Inhalte? Da beginnt die erste Lücke des Gesetzesentwurfs: Eine Definition über rechtswidrige Inhalte ist nicht zu finden. Darüber hinaus: Wie sollen diese Inhalte innerhalb von sieben Tagen überprüft werden?

Facebook bekommt mit diesem Gesetz die Entscheidungsgewalt übertragen, was rechtswidrig ist und was nicht. Ein von einem Nutzer als rechtswidrig gemeldeter Inhalt verpflichtet Facebook dazu diesen zu überprüfen. Findet das nicht statt, oder wird ein rechtswidriger Inhalt nicht gelöscht, drohen Facebook Geldstrafen von bis zu 50 Millionen Euro. Darf Facebook somit entscheiden was rechtswidrig ist und was nicht?

Die logische Handlung von Facebook mit Androhung dieser Strafe, ist bei fraglichen Inhalten „im Zweifelsfall löschen um sich selbst zu schützen“.Umgekehrt gibt es allerdings keine Bußgelder für das Löschen von einem rechtmäßigen Inhalt. Wenn Facebook alle Inhalte löscht, die als rechtswidrig gemeldet wurden, ist Facebook straffrei. Heißt das für uns, wir müssen ab jetzt aufpassen was wir sagen? Ist das nicht ein Eingriff in die Meinungsfreiheit, auf die wir hier in Deutschland so stolz sind?

Die Zweite Lücke verbirgt sich hinter der Definition, welche Sozialen Netzwerke von dem Gesetz betroffen sind. Im Gesetzesentwurf heißt es:

„Dieses Gesetz gilt für Telemediendiensteanbieter, die mit Gewinnerzielungsabsicht Plattformen im Internet betreiben, die es Nutzern ermöglichen, beliebige Inhalte mit anderen Nutzern auszutauschen, zu teilen oder der Öffentlichkeit zugänglich zu machen (soziale Netzwerke). Plattformen mit journalistisch-redaktionell gestalteten Angeboten, die vom Dienstanbieter selbst verantwortet werden, gelten nicht als soziale Netzwerke im Sinne dieses Gesetzes.“

Mit dieser Definition könnten sogar Messenger Dienste wie WhatsApp oder Video Chat Dienste unter dieses Gesetz fallen. In der erweiterten Definition sind es laut Justizministerium ungefähr 10 Plattformen, die von dem Gesetz betroffen wären.

Ein weiterer Punkt des Gesetzes ist das Verhindern von wiederkehrenden rechtswidrigen Inhalten. Daten dürfen nicht wieder online gestellt werden, wenn sie einmal gelöscht wurden. Durch einen digitalen Fingerabdruck werden die Inhalt gekennzeichnet. Das würde bedeuten, dass eine digitale Zensur damit gefördert wird. Wenn das Löschen von Bildern damit automatisiert wird, weil sie gemeldet wurden, dann wird ein Bild auch in einem anderen Kontext als rechtswidrig bewertet und nicht veröffentlicht. Maschinen können diesen Job nicht übernehmen. Die Sozialen Netzwerkdienste müssten Geld in die Hand nehmen und Arbeitsstellen schaffen.

Der Widerstand gegen dieses Gesetz wurde vom ersten Vorlegen des Entwurfs an lauter. Auf der Sitzung des Bundesrats am 2.Juni wurde eine Empfehlung zur Änderung des Gesetzes abgegeben. Die Empfehlung fordert mehrere Änderungen und Verbesserungen des Gesetzesentwurfs. Der Wirtschaftsausschuss kritisiert zum Beispiel, dass der

„Gesetzentwurf [ist] in wichtigen Teilen durch unbestimmte und offene Formulierungen und Rechtsbegriffe gekennzeichnet“ sei.

Nichtsdestotrotz will Heiko Maas, nach aktuellem Stand, das Gesetz noch in dieser Legislaturperiode umsetzen und sich eine Niederlage nicht eingestehen.

Können wir das Netz noch verbessern?

Was ist, wenn es nur ein kleiner Teil der Gesellschaft ist, der Hate Speech im Netz verbreitet, Social Bots programmiert oder/und Fake News veröffentlicht. Gibt es keinen anderen Weg an diese Sache heranzugehen? Wenn wir diese Störquellen ausrotten, statt das System im Großen und Ganzen neu zu schreiben, flacht der Hype dann nicht ab? Sollte nicht erst dem ganzen auf den Grund gegangen werden, bevor ein Gesetz verabschiedet wird, dass die Sache im Grunde nicht besser macht?

Unlängst seit dem Fall von Tuğçe Albayrak im Jahr 2014, die als sie helfen wollte ums Leben kam, ist Zivilcourage bewusst in unseren Köpfen verankert. Wieso nicht auch Zivilcourage in Sozialen Netzwerken beweisen? Hinschauen, statt wegschauen. Würde damit das Netz nicht auch zu einem “besseren Ort“ werden? So wie dadurch ebenso der Umgang mit unseren Mitmenschen besser werden würde.

Ein weiterer Ansatz zur Verbesserung der Netzkompetenz ist, als allererstes Artikel bis zum Ende zu lesen bevor sie geteilt, geliked oder kommentiert werden. Viele Nutzer geben an, genau das nicht zu machen. Fake News haben damit ein leichtes Spiel zu überzeugen und sich zu verbreiten. Sie können nur identifiziert werden, indem wir sie kritisch hinterfragen und nicht alles glauben was wir Online lesen. Wir sollten mehr Zeit damit verbringen Nachrichten kritisch zu hinterfragen, statt uns so viele Posts wie möglich auf der Timeline von Facebook anzuschauen.

Sowohl bei Fake News als auch beim NetzDG fehlt ein gesamtgesellschaftlicher Lösungsansatz. Der Gesetzesentwurf ist ein Schnellschuss, der leider bislang in der Umsetzung schief ging.

Für den Anfang würde “Love out Loud”, wie das Motto der re:publica lautete, helfen. Laut heraus lieben statt wegschauen. Für mehr Liebe und weniger Hass und somit auch weniger Hass und Fake im Netz. “Shout out Loud”: Aussprechen, statt klein machen. ♥

zu den Kommentaren

Flashback re:publica 2017: “Neutralität ist eine Illusion”

Schiwa Schlei vom WDR
Schiwa Schlei vom WDR (rechts)

Wir haben für euch auf der re:publica 2017 Kübra Gümüsay Sascha Lobo, Magdalena Rogl und andere Netzpersönlichkeiten vor die Kamera bekommen. Wir haben sie gefragt, was ihre wichtigsten Tipps zum Arbeiten im Netz und für Berufseinsteiger in der Onlinekommunikation sind. Und für diejenigen, die das auf unserem Instagram-Kanal nicht gesehen haben, gibt’s hier hier die wichtigsten Statements im Überblick.

Social Listening

Fangen wir mit Magdalena Rogl an. Für die junge Head of Digital Channels bei Microsoft Deutschland ist bei der Onlinekommunikation das Zuhören besonders wichtig. Aber wieso Zuhören? Ich kann doch meinen Content hinter verschlossenen Türen für meine Zielgruppen recherchieren, aufbereiten und publizieren? Eben nicht! Ein Kind reift in seinem Leben auch erst durch Zuhören, Beobachten, Krabbeln und irgendwann kann es auf eigenen Beinen stehen und laufen. Wenn wir diesen Kreislauf auf einen Onlineauftritt für ein Unternehmen anwenden, erkennen wir, dass das Zuhören (im Fachjargon Monitoring und Listening genannt) die Grundlage darstellt für einen strategischen Auftritt in der Welt der Onlinekommunikation. Ich wage zu behaupten, dass wir online genauer zuhören können als offline. Wir können auf mehr Aussagen von Zielgruppen zugreifen, unsere Schlüsse daraus ziehen und sie vor allem besser kennenlernen. Gerade in der Themenfindung von bevorstehenden Content können Unternehmen durch das Online-Listening die relevanten Themen für Ihre Zielgruppen finden, abstimmen und veröffentlichen. Ansonsten läuft ein Unternehmen Gefahr, mit falschen Inhalten auf seine Stakeholder zuzugehen. Und schließlich gehört Zuhören zu jeder (Kommunikations-)Beziehung. Zusammenfassend: Zuhören und strategische Schlüsse in Bezug auf Content ziehen beugt der Fehlkommunikation vor.

 

 

Die Beherrschung der Social-Media Kanäle

Schiwa Schlei dagegen betont, wie wichtig es ist, die Kanäle, in denen man als Unternehmen vertreten ist, zu beherrschen. Sie ist Content-Chefin für WDR Cosmo und für die Online-Aktivitäten des Senders verantwortlich. Derzeit wirkt sie in dem Projekt “Türkei unzensiert” mit.

Schlei ist der Meinung, dass durch die Beherrschung der einzelnen Social-Media Kanäle erst gutes Marketing und Journalismus betrieben werden können. Ist das so? Definitiv!

Wenn ein Unternehmen sich nicht in den Social-Media-Kanälen auskennt, auf denen es unterwegs ist, besteht das Risiko, mit falschen Formaten auf seine Zielgruppe zuzusteuern. Jeder Kanal hat seine eigene Sprache und Formate. Seine Nutzer haben spezielle Erwartungen. Erst mit einem Verständnis dafür und der Beherrschung der Kanäle erkennt ein Unternehmen, wie es dort seinen Content aufbereiten muss. Dabei muss aber beachtet werden, dass nicht der Kanal bei der Erstellung von Content im Vordergrund stehen sollte. Nach dem Motto: „Ich mache mal Facebook, weil Facebook viele User hat“. Hier sollten die richtigen Nutzer und das Thema im Zentrum stehen.

 

 

 Die Chance durch kontinuierliche Weiterbildung

“Es wird sich ständig was tun” in der Onlinekommunikation. Um  am Puls der Zeit mit seinem Unternehmen zu agieren oder als Mitarbeiter die “richtigen” Impulse in einer Kommunikationsabteilung zu setzen, sieht der PR-Berater und Buchautor  Dominik Ruisinger nur eine Chance, um genau das zu bewerkstelligen: ”kontinuierliche Weiterbildung”. Wir erleben auf Blogs, Twitter und sonstigen sozialen Netzwerken laufend Veränderungen. Des Weiteren kommen immer weitere Kanäle und Technologien hinzu, die für ein Unternehmen eine Chance bieten, sich neu zu positionieren. Die Möglichkeiten dazu muss man jedoch erst erkennen und dazu verstehen, wie Neues funktioniert – lebenslanges Lernen ist der Schlüssel dazu.

 

 

Wachsam und neugierig bleiben!

Sascha Lobo der wohl bekannteste Berater und Aktivist in der deutschsprachigen  Netz-Community hat  für uns eine gleichzeitig schlimme und positive Botschaft und argumentiert ähnlich wie Ruisinger: “Man kann sich nie ausruhen”. Was steckt hinter dieser Aussage?

Lobo hat im zentralen Muster des Internets und der Digitalisierung erkannt, dass Erfolgsrezepte von gestern morgen schon nicht mehr funktionieren können. Aus diesem Grund, so betont er, kann und darf ein angehender Kommunikationsexperte sich nicht ausruhen. Um also erfolgreiche Strategien zu kreieren und etablieren, sollten wir wachsam und neugierig im Internet agieren. Dazu zählt auch, sich selbst und seine Konzepte stetig auf den Prüfstand zu stellen und kritisch zu hinterfragen.

 

 

Es gibt keine Neutralität im Journalismus

Das abschließende Wort hat die Aktivistin und Journalistin Kübra Gümüsay. Sie ist der festen Überzeugung, dass im Journalismus keine Neutralität existiere. Denn niemand sei neutral.

Damit hat sie recht – absolute Objektivität ist eine Illusion –  aber man müsste eine wichtige Aufgabe ergänzen: Auch wenn jede/r Journalist/in eine Position hat, so ist es doch ihre Aufgabe, möglichst viele verschiedene Perspektiven zu Wort kommen zu lassen.

 

 

Abschließend noch eine Feststellung: Wir sind für die Tipps der Profis sehr dankbar und waren begeistert, wie offen und spontan sie uns geholfen haben. Eine solche Offenheit für andere würden wir als einen weiteren wichtigen Punkt sehen für Kommunikationsakteure – online und offline.

tl;dr

Netzpersönlichkeiten aus Journalismus, PR und Beratung haben auf der rp17 angehenden Netzarbeitern wichtige Tipps mit auf den Weg gegeben: Zuhören, Ausprobieren, in Frage stellen und sich seiner Haltung bewusst sein. Wir geben euch einen Überblick.

zu den Kommentaren

Automatisierte Kreativität – wie verändert künstliche Intelligenz die Branche?

Jedes Jahr tauchen neue Technologien oder Trends auf, die die Kommunikationsbranche revolutionieren sollen. Jetzt scheint es jedoch einen Kandidaten zu geben, der dieses Versprechen halten kann: Die künstliche Intelligenz.

Vor nicht allzu langer Zeit schien die künstliche Intelligenz für die Allgemeinheit mehr Science Fiction als Wissenschaft zu sein. Obwohl erste Visionen und Forschungen schon in den 1940ern begannen, erschien ein denkender Computer für die meisten nur wie eine Möglichkeit der Zukunft und keine Tatsache der Gegenwart.

Doch im vergangenen Jahr sorgte plötzlich ein Ereignis für besondere Aufregung: Die von Google programmierte künstliche Intelligenz AlphaGo schlug einen der besten Spieler in dem aus China stammenden, strategischen Brettspiel “Go”. Ziel des Spiels ist es, mit seinen Spielsteinen mehr Gebiet zu umschließen als der Gegner. Mit seinen 4 einfachen Grundregeln hat das Spiel eine wesentlich höhere Anzahl an möglichen Spielzügen als beim Schach. Experten bezeichneten laut Business Insider einen der Spielzüge von AlphaGo als nahezu kreativ.

Go Spielbrett
Eine Partie Go auf dem Spielbrett

Nun scheinen in vielen beruflichen Bereichen alle Augen auf die neuen Entwicklungen von künstlicher Intelligenz gerichtet zu sein. Die größten Unternehmen der Welt, wie zum Beispiel Apple und Google, verkünden Projekte zur weiteren Erforschung und Entwicklung von künstlicher Intelligenz. Natürlich wurden auch auf der re:publica und der Media Convention in Berlin über jenes faszinierende Thema gesprochen. In einer Diskussion ging es vor allem um die Frage ob künstliche Intelligenz kreativ sein kann. Wenn ja, was bedeutet das für die Kommunikations- und Medienbranche?

Künstliche Intelligenz ist schon länger Alltag als man denkt

Erst bei genauerem betrachten wird klar, wie sehr intelligente Programme schon zu unserem alltäglichen Leben gehören. Durch sie weiß Netflix, welche Filme und Serien dem Nutzer vorgeschlagen werden sollen, Amazons “Alexa” kann dadurch eine bessere Personalisierung bieten, selbstfahrende Autos wie unter anderem von Tesla lernen dadurch im Straßenverkehr zurecht zu kommen. Bilderkennung wird zum Beispiel bei Facebook dazu genutzt, die Bilder auch für Menschen mit eingeschränktem Sehvermögen zugänglich zu machen. Siri kann durch Natural Language Processing auf Fragen antworten und sogar Pinterest arbeitet mit einer künstlichen Intelligenz. Christian Erxleben erklärt, dass die selbstlernende künstliche Intelligenz von Pinterest Bilder und deren Inhalt erkennt und anschließend passende Suchergebnisse für den Nutzer ausspielt und ebenfalls die Anzeigen in den Suchergebnissen auf deren Pins anpassen kann.

Obwohl es vielen nicht bewusst ist, hat sich das Verhalten der Kunden schon den schlauen Programmen angepasst. In einem Artikel für contently.com beschreibt Dillion Baker es als Erwartung:

“[…]our tolerance and our attention span right now as consumers is wildly, wildly, wildly shorter than it used to be. […] You’re dealing with a world where they’re expecting that you know who they are, you can understand their needs, and you can fulfill them in real time.”

Ohne künstliche Intelligenz wären viele dieser personalisierten Optionen in der gewünschten oder erwarteten Geschwindigkeit nicht möglich.

So sehr sie im Leben zu Hause anwesend ist, wird künstliche Intelligenz im Beruf ebenfalls eine große Rolle spielen und das nicht nur in Manufakturen und Fabriken. Auch in der Werbung haben sich schon viele mit dem Thema beschäftigt und erste Versuche in der Zusammenarbeit mit ihr gestartet.

Wie sieht künstliche Intelligenz in der Werbebranche aus?

Die Berühmtheit unter den künstlichen Intelligenzen ist momentan Watson von IBM. Dieser dürfte vielen durch Werbeclips wie diesen bekannt sein, in dem er sich mit Sänger und Songwriter Bob Dylan über seine Texte unterhält. Doch er kann mehr als nur Sprüche reißen. Watson wählte für einen Film von 20th Century Fox, der “zufälligerweise” von einer künstlichen Intelligenz handelt, das richtige Material für einen ansprechenden Trailer aus. Stefan Pfeiffer, der unter anderem im Marketing der IBM Deutschland, Österreich und Schweiz tätig ist, erklärte in der Diskussion “Automating Creativity – How Artificial Intelligence changes Creative Processes” auf der Media Convention Berlin, wie dem schlauen System dies gelang .

Neben Experimenten wie dem Schneiden eines Trailers oder dem Designen eines Kleides hat IBM noch andere Pläne mit seiner künstlichen Intelligenz. Durch Watson Ads soll Werbung interaktiv werden, der Kunde kann selbst die Initiative ergreifen, wenn er sich für ein Produkt interessiert, statt sich nur überreden zu lassen, so t3n.

Es gibt außerdem erste Versuche Werbung auch außerhalb von PC, Handy und Co. zu personalisieren. Eine Allwetter-Kamera mit einem speziellen System wurde in Tokio mit einem zuversichtlichen Ergebnis getestet. Die an einer Autobahn angebrachte Kamera identifizierte eine begrenzte Zahl an Automodellen und ordnete sie dann einer Zielgruppe zu. Anschließend wurde daran abgestimmte Werbung auf eine Außenwerbefläche gespielt. Giuseppe Rondinella berichtet auf Horizont, dass in Zukunft trotz Privatsphäre-Debatte nicht nur das Auto, sondern auch der Mensch erkannt werden kann um ihn dann einer Zielgruppe zuordnen zu können.

Diese Liste könnte noch einige Seiten weitergehen. Ein Poster in London, dass sich durch Eye-Tracking an die Betrachter anpasst, ein Online-Game von Volkswagen in dem man durch Geräusche einen virtuellen Wagen steuert oder eine Kampagne von Toyota in Zusammenarbeit mit Watson, die Facebook-Usern außergewöhnliche Aktivitäten auf Basis ihrer Interessen vorschlägt. Die Ideen scheinen kein Ende zu nehmen und der Einfluss, den künstliche Intelligenz auf die Werbebranche hat und auch in Zukunft haben wird, ist jetzt schon ein heiß diskutiertes Thema.

Schluss mit den langweiligen Aufgaben

Wie in den Beispielen schon deutlich zu sehen ist, spielt künstliche Intelligenz ein großes Thema in der Personalisierung von Werbung. Auch Werbetafeln können jetzt auf einzelne Personen zugeschnitten werden. Chris Pierantozzi von Saatchi LA bezeichnet Werbung, die einzelne Bruchstücke je nach gegebenen Informationen verändert und anpasst, als “flexible storytelling

Olivier Goethals von SapientRazorfish ist jedoch der Meinung, dass man sich mehr auf die Möglichkeiten in der Customer Experience konzentrieren sollte. Durch das System könne das Unternehmen den Kunden besser verstehen und somit zielgerichteter das passende Angebot zum passenden Zeitpunkt liefern. Er behauptet aus Werbung würde dann Service werden. Außerdem solle eine künstliche Intelligenz besser mit großen Mengen an Daten arbeiten können. Auch Henry Schuck, CEO von DiscoverOrg sieht eine Verbindung zwischen den intelligenten Programmen und der Verarbeitung von Daten und behauptet jede Marketingtätigkeit, die mit Daten und datenbasierten Entscheidungen zu tun hat werde früher oder später mit künstlicher Intelligenz in Berührung kommen. Daten-basierte Probleme sind sozusagen die Spezialität von KIs.

Gartner, ein Forschungs- und Beratungsunternehmen, prophezeit, dass im nächsten Jahr schon ein Fünftel des “business content” von künstlicher Intelligenz produziert werden wird. Schon jetzt werden Texte, die einem bestimmten Aufbau unterliegen von Programmen geschrieben. Auch hier basiert die Aufgabe auf konkreten Daten. Damit könnte die künstlicher Intelligenz einige Jobs ersetzen, heißt es. Doch viele Stimmen entgegnen, dass durch sie auch viele neue Jobs erzeugt werden oder bestehende Berufe einen großen Nutzen von künstlicher Intelligenz davontragen werden. Paul Roetzer argumentiert diese Meinung durch folgendes Beispiel:

“Consider how much time your team spends discovering keywords; planning blog post topics; writing, optimizing, […]. Now imagine if a machine performed the majority of those activities and a marketer’s primary role was to enhance rather than create. […] artificial intelligence is accelerating us toward a more intelligently automated future.”

Damit habe der Mensch mehr Zeit produktiv und kreativ zu arbeiten, denn trockene, aber täglich notwendige Aufgaben werden ihm abgenommen. Der Mensch hat die Ideen, die Maschine führt sie aus und lernt.

Scott Button geht in einem Artikel auf TheDrum noch einen Schritt weiter und spekuliert wie eine KI-Werbeagentur funktionieren könnte. Er beschreibt sie als Beratungsagentur, in der ein intelligentes System nach einzigartigen, preisverdächtigen Werbeideen sucht, während ein anderes diese Ideen auf Authentizität untersucht und somit Feedback an die erste zurückgibt.

Doch immer wenn es etwas Neues gibt, sehen Menschen nicht nur die möglichen Vorteile und Chancen davon, sondern es werden auch mögliche negative Aspekte untersucht.Gerade beim Thema künstliche Intelligenz, das schon so viele Menschen in diversen Filmen erfolgreich geschockt und gegruselt hat. Es gibt einige Probleme, Herausforderungen und Fragen in der Zukunft der künstlichen Intelligenz.

Das Ende der Menschheit?

Natürlich ist die erste Kritik, die meistgestellte Frage: Werden Maschinen die Menschen ersetzen? Doch wie oben schon ausführlich besprochen, fürchten sich nur wenige vor dem Verlust ihres Jobs durch eine künstliche Intelligenz. Trotzdem sind manche, darunter Dave Snyder von Firstborn, der Meinung bestimmte Berufe wie beispielsweise Marketing Manager werden von intelligenten Maschinen eingenommen. Er ist ebenfalls der Überzeugung, dass Zahlen und Daten das große Talent von künstlicher Intelligenz sind.

Künstliche Intelligenz der Roboter
Inwieweit können intelligente Maschinen unsere Arbeit ausführen?

Dabei sollte man jedoch nicht vergessen, dass diese Systeme nur so gut sind, wie die Daten die sie erhalten. Und sie benötigen viele Daten. Laut Goethals ist eine Abhängigkeit von diesen Daten kritisch, vor allem wenn sie nur wenigen großen Unternehmen gehören und somit die Möglichkeit besteht, dass nur ein KI-Anbieter über alle Daten verfügt.

Diese Unmengen an Daten können auch beim Nutzer einen negativen Effekt auslösen: eine “Über-Personalisierung” durch die künstliche Intelligenz, kann dem Nutzer ein mulmiges Gefühl geben, sodass er sich durch den Dienst unwohl fühlt, so Dillion Baker. Im Gegensatz dazu befürchten Kritiker, dass eine zu einseitige Nutzung des Systems den Kontakt zum Kunden verschlechtern könnte. Goethals meint, nur weil künstliche Intelligenz momentan der Renner ist, sollte trotzdessen auf deren sinnvolle Nutzung geachtet werden: Wenn sie keinen Mehrwert bietet, dann sollte man sie auch nicht verwenden.

Roetzer sieht eine weitere Herausforderung für künstliche Intelligenz in der ungenauen Definition. Durch den Hype werden viele alte Ideen einfach mit diesem neuen Titel geschmückt. Daraus entsteht ein Risiko für den Ruf der Technik, die tatsächlich künstliche Intelligenz ist.

Bei all den Zweifeln und Befürchtungen freut sich Christoph Pleitgen von Wotchit in der oben genannten Diskussion der Media Convention. Er merkt an, dass die Veranstaltung sich vor einigen Jahren vermutlich um das mögliche Ende der Menschheit und des Journalismus angesichts der künstlichen Intelligenz gedreht hätte. Es sei ein Fortschritt mehr darüber zu reflektieren und diskutieren, wie sie die kreativen Prozesse beeinflussen kann.

To be continued…

Es lässt sich heute nicht mit hundertprozentiger Genauigkeit sagen, wie die Zukunft mit den intelligenten Maschinen und Programmen aussehen wird. Aber alle sind sich sicher: Als kreativer Kopf, Redakteur, Medienunternehmen oder andere medienbezogene Entität wird man in den nächsten Jahren nicht um künstliche Intelligenz herum kommen. Alle sind sich sicher, dass sie unser Leben und unsere Arbeit in vielerlei Hinsicht verändern und vielleicht sogar verbessern werden.  Doch bis jetzt sind sie nur dazu bestimmt das menschliche Können und Wissen anzunehmen, anzupassen und zu nutzen. Auf der Media Convention wird künstliche Intelligenz mehrmals als “creative assistant” bezeichnet. Kreative sollen also mit ihr zusammen arbeiten, um die bestmöglichen Ergebnisse zu erzielen. Dafür muss man sich jedoch mit den Möglichkeiten auseinander setzen.

Viele Experten empfehlen daher, sich durch Recherche und ständiges informieren auf dem neuesten Stand zu halten. Stefan Pfeiffer schien auf der Media Convention einen noch besseren Vorschlag zu haben: „Play around with it and let it inspire you!“

zu den Kommentaren

Mit den Followern im Bett – Storytelling auf Snapchat

Eine Foto-App, bei der sich Bilder nach 10 Sekunden löschen – wer braucht das schon? Doch Snapchat kann so einiges mehr als das!

Snapchat gibt es mittlerweile seit 2011 und seitdem sind die Nutzerzahlen rasant angestiegen. Auch auf der re:publica war das Thema präsent. Es gab mehrere Sessions zu der App, welche alle sehr gut besucht waren. Doch was ist das eigentlich, dieses Snapchat? Und was macht die App so besonders?

Snapchat Benutzeroberfläche

Mal ganz von vorne…

Snapchat unterscheidet sich von vielen anderen Messaging Diensten durch seinen Aufbau. Statt Textnachrichten werden sogenannte „Snaps“ versendet. Das können Fotos, aber auch Videos sein. Diese sind nur temporär verfügbar, da sie maximal zehn Sekunden angesehen werden können. Da normale Fotos und Videos jedoch nicht besonders spannend sind, können die Snaps noch mit Filtern, Schriftzügen und Malereien „aufgepimpt“ werden. Die Filter werden täglich von Snapchat geupdatet, es kommen neue Filter dazu und ältere verschwinden wieder. So entsteht eine gewisse Dynamik und der Anreiz, die App zu verwenden.

Wem zehn Sekunden zu kurz sind, der kann seine Snaps auch der „Story“ hinzufügen. Stories sind ab der Veröffentlichung 24 Stunden sichtbar und können von allen Snapchatkontakten beliebig oft angesehen werden. Mit den Jahren hat sich Snapchat weiterentwickelt, sodass mittlerweile auch über die App gechattet werden kann. Bei Snapchat gibt es keine Notifications, wenn eine neue Story hochgeladen wurde. Wer up-to-date bleiben möchte, muss also regelmäßig die App checken. Damit passt sich die App dem  Nutzerverhalten der U20-Generation an, die keine Push-Notifications mehr als Anreiz benötigt.

Mit den Followern im Bett

Auf Snapchat ist eine vergleichsweise junge Zielgruppe zu finden. Das Durchschnittsalter der Nutzer liegt zwischen 14 und 20 Jahren. Anders als bei Facebook und Instagram gibt es auf Snapchat keine Algorithmen und Filterbubbles – und genau das macht Snapchat für viele Blogger, Journalisten und PR-Schaffende so attraktiv.

Sobald man einem Account folgt, wird dessen Story auch definitiv angezeigt. Zudem wird nicht zwischen privaten und öffentlichen Accounts unterschieden. Zwischen den Snapchat-Stories von Freunden taucht somit der Content von gefolgten Marken, Zeitschriften und Stars auf. Da die häufigste Nutzung von Snapchat morgens und Abends in der Horizontalen stattfindet, geht man mit den Followern buchstäblich ins Bett – und kommt ihnen so extrem nah.

Snapchat unterwegs

Ehrlicher und authentischer Content

Da auf Snapchat weder geliked noch kommentiert werden kann, besteht weniger der Druck, etwas zu posten was anderen gefällt. Das führt dazu, dass vorrangig authentischer Content gepostet wird. Seien es Schnappschüsse aus dem Schwimmbad oder lustige Videos mit Freunden – auf Snapchat ist alles möglich, außer gephotoshoppte und inszenierte Bilder. Viele Blogger machen sich das zunutze. Während auf Instagram schicke Selfies und Outfitbilder gepostet werden, findet man auf Snapchat kurze Videos vom Einkaufen im Supermarkt oder der letzten Partynacht, sowie Snaps mit lustigen Filtern über dem Gesicht. Durch Snapchat kann man hinter die Kulissen der scheinbar perfekten Blogger-Welt blicken und seinem Idol ganz nah sein.

Was hat Snapchat mit Storytelling zu tun?

Snapchat kann hervorragend für Storytelling genutzt werden. Allen voran beim Storytelling auf Snapchat ist Eva Schulz. Sie ist Snapchat-Reporterin bei „hochkant“, dem Snapchatkanal von „funk“, einem Online-Format von ARD und ZDF für 14- bis 29-Jährige.

Auf „hochkant“ werden von insgesamt drei Reportern tagesaktuelle News geliefert, sei es von den Wahlen in den USA oder vom Kirchentag in Berlin. Dadurch, dass bei Snapchat alles live ist und die Story publiziert wird, bevor sie überhaupt fertig ist, ist man als User sehr nah dran am Geschehen. Massenfeedback kann man auf Snapchat nicht erwarten, jedoch entstehen über die Chatfunktion oftmals persönliche Dialoge mit den Usern, so Schulz. Zudem ist für den Storyinhaber sichtbar, wer sich die Story angesehen hat und auch wenn ein Screenshot von einem Snap gemacht wurde. Somit hat man einen guten Anhaltspunkt, wie viele Menschen sich die Snaps angeschaut haben. Laut Schulz gäbe es zudem auf keinem Netzwerk so konstruktive und intensive Interaktion mit den Followern wie auf Snapchat. Perfektionismus ist hier nicht notwendig um gute Geschichten zu erzählen. Das authentische und persönliche ist das, was Snapchat wirklich ausmacht.

Schnappschuss von der Media Convention

Was ist zu beachten?

Wenn man nicht gerade Prominent ist, sollte man auf zu viele Selfieaufnahmen verzichten. Maximal dreimal hintereinander sollte das Gesicht in der Story zu sehen sein, spätestens dann muss etwas anderes gefilmt oder fotografiert werden. Sonst wird es für den Follower langweilig, so Schulz. Da die Aufmerksamkeitsspanne bei jugendlichen Nutzern oftmals geringer ist als bei Erwachsenen, sollte auf zu viel Gerede verzichtet werden. Durch die Kürze der Videos sind Erzählsprünge vorprogrammiert. Das sollte man sich zu Nutze machen und die Snaps geschickt zu einer Storyline verknüpfen. Um den Zuschauer nicht zu verlieren ist ein starker Anfang extrem wichtig. Jedoch muss man letztendlich auch einhalten, was man am Anfang verspricht. Um eine gute Geschichte zu erzählen, sollte man grob wissen was man vor hat, welche Geschichte es zu erzählen gibt und auf welche Reise man die Leute mitnehmen möchte. Gleichzeitig sollte man aber auch bereit sein alles über den Haufen zu werfen und Gelegenheiten nutzen, wenn sich beispielsweise zufällig ein Interview ergibt oder Begebenheiten sich ändern. Spontanität ist hier das A und O!

Da fast ein Drittel aller Snaps ohne Ton angesehen werden, ist es sehr zu empfehlen diese zusätzlich  zu beschriften. Zudem gilt: je vielfältiger die Snaps sind, desto besser! Die Filter bieten eine hervorragende Möglichkeit herumzuspielen und zu experimentieren – und auch um mal spontan etwas neues auszuprobieren, denn: nach 24 Stunden ist eh alles wieder verschwunden.

Viel Spaß beim Snappen!

Snapchat-Filter

 

Photocredit:
CC BY 2.0 – Daria Nepriakhina (unsplash.com)

zu den Kommentaren

Der Einsatz sozialer Medien in der Polizeiarbeit

Mittlerweile sind über zwei Wochen vergangen und der spannende Roadtrip zur diesjährigen re:publica nach Berlin geht mir immer noch nicht aus dem Kopf. In der, nach eigenen Angaben, größten Konferenz der digitalen Gesellschaft, drehte es sich in diesem Jahr besonders um die Themen Hassrede und Falschmeldungen. Wir, die Redakteure von PR-Fundsachen verfolgten drei Tage lang die Veranstaltung und geben euch einen kleinen Einblick der Sessions, die wir besucht haben.

Es gab auf der re:publica sehr interessante Themen. Ich persönlich interessierte mich für das Thema „Der Einsatz sozialer Medien in der Polizeiarbeit“. Die Digitalredakteurin Alexa Brandt, Kommunikationswissenschaftlerin Katharina Kleinen-von Königslöw, Polizist sowie Social Media- und Community Manager André Karsten und Kriminologe Thomas-Gabriel Rüdiger berichteten, wie wichtig es für die Gesellschaft sei, dass auch die Polizei im Internet aktiv wird. Es wurde erzählt, dass die Polizei immer häufiger im PR-Bereich soziale Kanäle nutzt. Mittlerweile sind viele Bundespolizisten mit mindestens einem Account im Netz aktiv. Die erste Punkt, der von Alexa Brandt geklärt wurde, war:

„Was macht überhaupt die Polizei auf sozialen Kanälen?“

Die deutsche Polizei betreibt Präventionsarbeit, um der Kriminalität im Netz den Kampf anzusagen. Außerdem betreibt sie Storytelling, um ihr Image aufzubauen und zu stärken. Frau Brandt informierte ebenfalls darüber, dass zur Polizeiarbeit im Netz Zeugenermittlung, klassische PR (Bsp. Berufsinfotag), Krisenkommunikation und Community Management dazu gehören, um mit den Usern in Kontakt zu treten. Um sich nicht nur als ernsten, sondern auch als authentischen Arbeitgeber im Netz zu präsentieren, gehört auch die nötige Portion Selbstironie dazu.

Schnellere Informationsbeschaffung

Fakt ist, dass der Großteil Teil unserer Gesellschaft über Facebook oder Twitter kommuniziert, also sollte das auch die Polizei tun, sagte der Polizist sowie Social Media- und Community Manager André Karsten! Seit Jahren ist die deutsche Polizei dabei die Relevanz sozialer Medien, für die Polizei zu erforschen. Die Polizei bekommt dadurch Kenntnisse über den Einsatzort. Auf dieser Grundlage kann die Polizei ihren Einsatz koordinieren. Dadurch könnten die Behörden über soziale Netzwerke direkt die Bürger erreichen, die vor Ort gewarnt werden müssten.

Der Vergleich zu anderen Ländern!

Der Kriminologe Thomas-Gabriel Rüdiger ist der Meinung, dass nach heutigem Stand die Nutzung von sozialen Kanälen von Polizeibeamten noch mangelhaft sei. Insgesamt nutzt die deutsche Polizei 216 Twitter-Accounts. In Niederlande hingegen sind es schon über 2500 Accounts und es werden sogar immer mehr. Laut Herrn Rüdiger haben in der Niederlande sogar einzelne Beamte einen eigenen Account, was die Ermittlung vereinfachen soll. Um mit der Niederlande mithalten zu können, müssten in Deutschland mindestens 10.000 Ordnungshüter im Netz vertreten sein.

Die Broken-Web-Theorie

Was ich sehr interessant fand, war das Prinzip der Broken-Web-Theorie, die von Thomas-Gabriel Rüdiger angesprochen wurde. Die Broken-Web-Theorie sagt aus, dass Straftaten vor allem dann Nachahmer finden, wenn ihre Taten nicht geahndet werden. Er ist der Meinung, dass die Polizeipräsenz im Netz wichtig sei, damit Kriminalität im Netz nicht außer Kontrolle gerät.

Polizist am Smartphone

Da die Session sich dem Ende neigte, war noch eine ganz wichtige Frage zu klären:

„Wie sieht die Polizeiarbeit im Netz in 5 Jahren aus?“

Die Kommunikationswissenschaftlerin Katharina Kleinen-von Königslöw war der Meinung, dass die Nutzung von sozialen Kanälen bei der Polizeiarbeit stets steigen und ein erfolgreiches Tool für schnelle Informationsbeschaffung sein wird, um mit der Gesellschaft in Kontakt treten zu können. Das Ignorieren sozialer Kanäle in der Polizeiarbeit wäre in unserer heutigen digitalen Gesellschaft daher unvorstellbar.

zu den Kommentaren

Virtual Reality – Was Nutzer anspricht und Spezialisten wissen sollten!

Oder: Wie man 6 Dimensionen der Freiheit nutzt, um Rezipienten volle Immersion im nicht-linearen, interaktiven virtuellen Storytelling zu ermöglichen. 🤓

Virtual Reality bleibt in 2017 ein spannendes Thema. Auch die re:publica befasste sich damit. Man konnte fast zu jeder Stunde eine Diskussionsrunde, einen Vortrag oder einen Workshop zum Thema VR auf der re:publica 17 besuchen. Dazu gab es mit dem labore:tory ganze 4 Stockwerke, die speziell dem Thema der virtuellen Welten und all ihrer Spielarten gewidmet waren. Die Chance mit Fachleuten aus der Branche in Dialog zu treten oder von ihren Erfahrungen zu profitieren, konnte ich mir nicht entgehen lassen.

Aber was sind die wichtigen Fragen, die es zu diesem Themenkomplex aus der Sicht eines Kommunikationsspezialisten zu beantworten gilt? Um sich eine Entscheidungsgrundlage zu schaffen, wäre wichtig zu wissen, was der Nutzer derzeit mit VR macht und was ihn in Zukunft daran interessieren wird, wie der aktuelle Nutzer aussieht und wie man ihn begeistern kann. Und natürlich wie man VR möglicherweise für die eigenen Kommunikationsziele nutzen kann. Diesen Fragen bin ich nachgegangen und habe meine Erkenntnisse in diesem Artikel zusammengefasst.

Was ist Virtual Reality?

Einen interessanten Einstieg bildet die Frage, was eigentlich unter Virtual Reality zu verstehen ist. Wikipedia hat hierzu eine einfache und schnelle Antwort parat:

“VR ist die Darstellung und gleichzeitige Wahrnehmung einer Wirklichkeit und ihrer physikalischen Eigenschaften in einer in Echtzeit computergenerierten, interaktiven virtuellen Umgebung.”

Wenn diese simulierte Realität in Wechselwirkung mit der normalen Realität steht, wird von Augmented Reality (AR) oder Mixed Reality (MR) gesprochen.Beispielsweise bei einer Einblendung virtueller Inhalte mittels einer Brille, wie der Micrososft Hololens, in das Sichtfeld der Nutzer. Hierfür gäbe es zahllose Möglichkeiten der Anwendung. Wäre es nicht wunderbar, in einem Laden nicht mehr den Verkäufern nach jagen zu müssen, sondern auf einen virtuellen Knopfdruck alle Details eines Produkts von einem Avatar erklärt zu bekommen? Aber bleiben wir in diesem Artikel bei der vollen VR. 

Erst seit einigen Jahren lässt sich die benötigte Technik für Endkunden zu erschwinglichen Preisen erwerben. Je nach Modell und zusätzlicher Ausstattung benötigt der Nutzer ein Set aus VR-Brille (Visueller Input, auch Head-Mounted Displays, oder kurz HMD, genannt), Headset (Audio Input) und Controllern (Interaktives Eingabeinstrument). Die Kosten hierfür belaufen sich zusammen auf etwa 1.100 € (Stand Mai 2017). Andere Möglichkeiten zur Nutzung von VR sind vorhanden, aber für den Nutzer längst nicht so erschwinglich. Eine dieser Alternativen wäre zum Beispiel die CAVE. Aber bleiben wir bei der derzeit verbreitetsten Nutzungsvariante in Form der VR-Brille und eines Headsets. Ist eine entsprechend leistungsstarke Hardware, wie ein PC oder eine PS4 vorhanden, kann der Nutzer via Websites, installierter Programme oder Spiele in der VR aktiv werden.

Was macht VR besser als 2D für den Nutzer ?

Eine der wichtigsten Antworten auf diese Frage geben John Cassey (Factory 42), Stephanie Llamas (Superdata Research), Aurelien Simon (Digital Catapult) und Robert Becker (IP Deutschland). In ihrer Session erläutern sie, dass es bei diesem neuen Medium vor Allem um die Qualität der Inhalte für den Nutzer gehen wird. Dabei wird in der Session vor allem von nativen Formaten für VR gesprochen. Also Inhalte, die spezielle für das Medium VR entwickelt werden oder wurden. Stephanie Llamas nennt hier als Beispiel, dass eine VR-Story dem Nutzer freie Wahl der Perspektive und Position lassen muss. Anders könnte er auch einen Film schauen. Die VR-Umgebung bietet dem Nutzer den Vorteil, dass er sich in alle Richtungen umschauen kann.

Eine Expertenrunde zum Thema Virtual Reality
Business Model instead of Marketing Case – The Who and How of making Money with Virtual Reality

Im Unterschied zum 2D-Film müssen die einzigartigen Möglichkeiten der VR hierbei voll ausgeschöpft werden, damit ein Nutzer den Vorteil seiner Investition auch erleben kann. Stellen wir uns  einen aktuellen Film vor. Derzeit geben Kameras die Perspektive vor. Man betrachtet durch ein Fenster eine Szene in einem Haus. Bei einem Film wartet der Zuschauer die nächste Szene ab. In der VR könnte er selbst entscheiden, wann er das Haus betreten will oder sich einfach umdrehen und zum nächsten Haus gehen. Diese neue Art der Erzählung wird als nicht-lineares, interaktives Storytelling bezeichnet.  Geschichten müssen mit Blick auf diese Möglichkeiten ganz anders als für klassische Filme inszeniert werden. Nur durch so erarbeiteten und spannend gestalteten Content kann der Nutzer dafür begeistert werden, sich die entsprechende Hardware zu kaufen.

Woraus sich die Frage ableitet, was interessanten VR-Content ausmacht und wie man ihn erkennt, um ihn in der Kommunikation einzusetzen

Worauf sollte bei VR Content für Nutzer geachtet werden?

“Der wichtigste Vorteil von VR für Nutzer ist die Möglichkeit Geschichten und Dinge zu erleben, die sie in der Realität nicht erleben können”

stellt Gregoire Parain (COO bei Novelab VR Studio) fest. Laut ihm kann der Nutzer für gute Unterhaltung schon heute aus einer Vielzahl an Angeboten wählen: Ob aus den stetig wachsenden Onlineangeboten wie  Netflix, Youtube, eSports und Co. oder alternativ den klassischen Offlinemedien, wie TV, Radio und haptischen Produkten. Um den interessierten, meist medienaffinen VR-Nutzer als Zielgruppe zu erreichen, muss man sich von 2D Angeboten abgrenzen. Sie gelten als technikaffin, experimentierfreudig, anspruchsvoll und finanzstark und sind somit beispielsweise oft Micro-Influencer oder haben als Opinion-Leader hohen Wert als Zielgruppe.

Um allerdings bei dieser Angebotsmenge einen Mehrwert für diese anspruchsvollen Nutzer und damit einen kommunikativen Wettbewerbsvorteil für sein Vorhaben durch die Nutzung von VR zu erlangen, wird seiner Meinung nach ebenfalls die Qualität des Contents ausschlaggebend sein. Er bezieht sich allerdings auf einen anderen Aspekt des bereits bekannten Quality of Content. Werfen wir einen Blick auf die Elemente neben der Geschichte und dem inhaltlichen Mehrwert, wichtig sind, um Nutzer zu begeistern.

Die VR-Dreifaltigkeit – 6 Dimension der Freiheit, Immersion und Interaktion

Immersion

Beschreibt den Grad des Eintauchens in die virtuellen Welten – idealerweise  ohne Ablenkung durch die eigentliche Realität. Diesen Zustand des vollständigen Eintauchens in die virtuelle Realität, also die vollständige Immersion nennt man auch Präsenz. Jeder, der bereits aus einem spannenden Moment eines Films herausgerissen wurde und somit diesen Moment des Mitfieberns verloren hat, kann verstehen, wieso Immersion besonders wichtig ist.

Das bedeutet, die richtige Hardware vorausgesetzt: Je mehr Sinne bedient werden können, desto höher der Grad an Immersion. Wobei mindestens Augen und Ohren vollständig mit Informationen aus der virtuellen Welt versorgt werden sollten. Informationen über das Rezeptionsverhalten und wie Sinneseindrücke bei den Nutzern wirken sind hier besonders wertvoll. Nur mit diesen Erkenntnissen können die Sinne besonders immersiv bedient und eine Geschichte interessant erzählt werden. Passende  Farben, Klänge und zukünftig auch Gerüche, Temperaturen, Tastterlebnisse und Vibrationen müssen für die Vermittlung von Botschaften ausgewählt werden. Sensory Mapping nennt sich eine Forschungsmethode, mit der diese Erkenntnisse gewonnen werden können. Sie sammelt unter Anderem durch neurologische GEhirnmessungen Details zu dieser Wechselwirkung zwischen virtuell erzeugten Sinneseindrücken und den durch sie ausgelösten Emotionen. Diese Erkenntnisse werden in Zukunft bei VR und dem Thema Immersion eine wichtige Rolle spielen. Einen sehr interessanten Einblick in die Welt der multisensorischen Möglichkeiten bot Grace Boyle auf der re.publica.

 

Wer hierzu auf dem Laufenden bleiben möchte, kann @gracekboyle folgen, von der mir folgendes Statement  in Erinnerung bleiben wird:

”Getting together the informations what is conceived how by different audiences is essential for putting together an awesome message and story.”

Besonders da er nicht nur bezogen auf sensorische Informationen anwendbar ist.

6 DoF – Die 6 Dimensionen der Freiheit

Dieser Begriff beschreibt die Freiheit des Nutzers, sich in allen Ebenen der Bewegung frei zu entscheiden, wo er sein möchte.
Oben und unten werden derzeit von vielen Nutzern noch nicht stark genutzt. Im Gegensatz zu den normalen Bewegungsrichtungen vorwärts, rückwärts, rechts und links. Für die Platzierung von wichtigen Inhalten kann sich derzeit also auf diese Richtungen konzentriert werden. Für die Geschichte und im Sinne der Immersion sollten allerdings alle 6 Richtungen einbezogen werden. Dieses Alleinstellungsmerkmal der VR gegenüber anderer Medien ermöglicht es Nutzern, sich frei zu bewegen und nicht durch Einschränkungen in ihrer Bewegungsfreiheit aus ihrem Erlebnis gerissen zu werden.

Interaktion

Ja, es handelt sich um die gleiche, immer angepriesene und erstrebenswerte Interaktion, wie bei anderen Medien auch. Bei VR sind allerdings ganz neue Arten der Interaktion denkbar. Wieso ein Formular ausfüllen, wenn man sich auch mit einem voll animierten oder gerenderten Avatar eines Chatbots unterhalten kann? Oder man für die jeweiligen Interaktionsmöglichkeiten seinen Namen zur Abwechslung wirklich tanzen muss? Klingt abgedreht? Ist es auch. Aber es ist eben alles möglich.
Und gerade das sollte einem guten Kommunikationsprofi bewusst sein, wenn er sich über Interaktionen mit dem Nutzer Gedanken macht. Denkbar ist jede Art der kreativen Produktplatzierung. Man stelle sich nur vor, dass der Nutzer in den neuen Tesla einsteigt und losfährt, um zum nächsten Teil der Handlung zu gelangen und nicht dem Protagonisten dabei zuschauen muss. Oder ein Kugelschreiber, mit dem der Nutzer direkt seine Unterschrift unter einen rechtskräftigen Vertrag setzen kann.
Dabei ist besonders interessant, dass eine virtuelle Realität alle Vorteile der älteren Medien nutzen kann. Zusätzlich kann man völlig neue Wege gehen, um mit den Nutzern zu interagieren. Warum nicht bei “Schnell und Aufgebracht 25 VR” (Ein imaginärer Streifen über Autos) einfach auf Pause drücken und beim Autohändler virtuell ein Auto kaufen? Ein Shop-in-Entertainment-Paket vielleicht?
Solche Ideen hätte ich mir von IP Deutschlands Vertreter Robert Becker gewünscht, der auf die Frage nach Ideen für Platzierungsformate darauf hingewiesen hat, dass die Technik noch jung sei und man noch nicht viel Erfahrung habe.
Es gilt bei Interaktion: Je intuitiver für den Nutzer, desto besser. Zumindest bei der Absicht mit ihm in Kontakt treten zu wollen. Da es auch hierbei interessant ist den Grad an Immersion möglichst hoch zu halten, sollte man sich wie immer am Nutzer orientieren und ihm aus seiner Perspektive heraus die Wahl geben, selbst zu entscheiden, was er machen möchte.

Behält man also die VR-Dreifaltigkeit und das nicht-lineare Storytelling im Blick, hat man das nötige Grundwissen, um VR-Formate und Content beispielsweise für die eigene Marke, die Botschaft des Kunden oder das neue Produkt zu untersuchen und die Nützlichkeit für die Kommunikationsziele zu beurteilen.

Ein komplexes und interessantes Thema. Und dabei haben wir die Produktion von VR-Inhalten noch gar nicht angeschnitten.

OK…. wie kreiere ich meine eigene Welt?

Aber das können wir ja kurz nachholen. Zwei Branchen produzieren derzeit mit unterschiedlichen Vor- und Nachteilen VR Inhalte. Die klassische videoproduzierende Industrie und die Game Studios. Also entweder eine aufgezeichnete Version der Wirklichkeit oder die komplett kreierte 3D-Welt erschaffen in einer Game-Engine.

Je nach Bedarf und Interesse der angestrebten Zielgruppe unter den Nutzern kann es kosteneffizienter und effektorientierter sein, einer der beiden Herangehensweisen an die Produktion den Vorzug zu geben. Hierbei sind die Cineasten wohl die derzeit günstigere Wahl. Die besten Fahrradläden, Fahrradwerkstätten und Fahrradshops in Darmstadt findet man im Internet, zum Beispiel auf der Informationsseite zum Thema Fahrrad fahren in Darmstadt. Die Game Developer werden aber zusehends häufiger gebucht, da ihre Expertise in 3D-Umgebungen weiter vorangeschritten ist und sie große Erfahrung mit der 3D-Interaktion haben.

Mit Tools wie Tiltbrush und Gravity Sketch kann auch kostenlos und recht intuitiv eigener VR-Content erstellt werden. Allerdings braucht dies Zeit, Interesse und führt ohne einen entsprechenden Hintergrund selten zu zielorientierten Ergebnissen. Aber beide Tools eignen sich hervorragend, um ein Gespür für die Möglichkeiten der VR zu bekommen oder eine Idee zu visualisieren, die man virtuell anfassen kann.

Learn, make or buy?

Wie erwähnt sind die Preise für die benötigte Hardware seit der Entwicklung der VR stark gefallen. Auch die Anschaffungskosten für das VR-Produktionsequipment sind günstiger geworden. Trotzdem setzt sich der Preis für eine VR-Produktion weiterhin vor Allem aus den investierten Arbeitsstunden der beteiligten Spezialisten zusammen. Das macht eine pauschale Aussage fast unmöglich. Der Zeitaufwand der Produktion hängt von vielen Faktoren, wie Umfang, Detailgrad und Produktionsart ab. Aber wer eine ansprechende Qualität haben möchte, muss  Story, Immersion, 6DoF und Interaktion für den Nutzer bereit halten.

Da Know-How hierfür der entscheidende Faktor ist, sind den Kosten keine Grenzen außer Wirtschaftlichkeit gesetzt. Derzeit mag es sich lohnen, auf neue Formate der VR zu achten und bereit zu sein, wenn ein neuer Trend aufkommt. Man denke an das virtuelle Facebook wie im Beitrag unten oder ein komplett neues virtuelles soziales Netzwerk. 

Hat man allerdings eine für den Nutzer interessante Geschichte, egal ob als Spiel oder als Film, lohnt sich der Gedanke, sein Produkt oder seine Marke mittels VR oder AR in Szene zu setzen. In jedem Fall macht es Sinn, sich mit dem neuen Medium VR besser früh als spät zu beschäftigen. So kann man sicher stellen, ob ein Schritt in die virtuelle Welt Vorteile für das eigene Unternehmen oder den Kunden biete und zum passenden Zeitpunkt gezielt VR für seine Ziele nutzen und mit passenden Inhalten einsteigen kann.
Denn es gibt derzeit keinen höheren, digitalen Interaktionsgrad, als den einer guten Virtual Reality für einen begeisterten Nutzer. Und lässt das nicht jedes moderne kommunikationsorientierte Herz höher schlagen?

zu den Kommentaren