PR-Fundsachen

PR-Studenten der Hochschule Darmstadt über Public Relations und Social Media

Fake-Accounts in Unternehmen: Wer ist Lena Berger?

Social Media, so die Verheißung, bringt dem Kunden endlich die Menschen hinter dem Firmenlogo näher. Schnöde Kontaktformulare und generische E-Mail-Adressen hinter sich lassend, gibt sich der moderne Mitarbeiter mit seinem Namen, Bild und Durchwahl zu erkennen.

Im Recruiting ist die menschliche Ansprache fast noch wichtiger. Firmen mit Personalbedarf durchsuchen Business-Netzwerke wie Xing nach geeigneten Kandidaten, um sie direkt anzusprechen. Das klingt dann etwa so:

Hallo Herr Riechers,

ich habe gesehen, dass Ihr Profil sehr gut auf die von uns angebotene Tätigkeit als Reiseautor passt und erlaube mir daher Sie anzuschreiben. Besonders Ihre Erfahrungen im Online-Journalismus sowie Ihr Interesse für Reisen waren hierfür ausschlaggebend.

Ein Traum. Da kommt ein Unternehmen, besser noch: eine Mitarbeiterin mit Personalverantwortung, auf mich zu und will mir einen Job verschaffen. Selbst auf meinen Lebenslauf und meine Qualifikation ist sie eingegangen. Auch wenn der Hauptteil natürlich Part eines Massenmailings ist, ist es persönlicher als ein Aushang beim Arbeitsamt.

Wenn ich noch Fragen habe, kann ich mich an sie oder ihre Kollegen wenden. Zum Schluss grüßt sie mich recht herzlich und unterzeichnet mit ihrem Namen: Lena Berger*.

Ihr Photo steht gleich links oberhalb der Nachricht und – soviel Ehrlichkeit muss sein – sie sieht ganz passabel aus. Richtig gut sogar. Sie könnte glatt ein Modell sein. Sie ist ein Modell.

Die Dame ist nicht Lena Berger.

Da ihr Profilbild ein Stück zu sehr nach Hochglanz und Photostudio riecht, fragen wir jemanden, der sich damit auskennt: TinEye. Die Suchmaschine versteht sich darauf, von Bildern Kopien und Abwandlungen zu finden. In Sachen Frau Berger ist TinEye durchaus gesprächig (siehe nebenstehenden Screenshot; die TinEye-Ergebnisse und Links sind 72 Stunden gültig, und können beispielsweise mit dieser istock-Datei neu erzeugt werden).

Über sechs Ecken kennt Jeder Jeden (sic!)”, sagt Uwe Frers. Er ist der Chef von Lena Berger und Geschäftsführer der Tripsbytips GmbH, eine 2006 gegründete Reisecommunity. Das mit den sechs Ecken scheint bisher gut geklappt zu haben, zumindest rekrutierte Tripsbytips viele junge Menschen für das Berliner Büro.

Nur Lena ist unauffindbar. Oder waren diese ganzen jungen Menschen alle einmal Lena? Gerade Startups sind von einer hohen Fluktuation innerhalb der Belegschaft betroffen, da Praktikanten oft ungern länger als ein halbes Jahr bleiben wollen. Dem Kunden trotzdem eine Konstante zu bieten – das geht dann nicht. Oder eben doch. Vor allem bei Internetunternehmen reicht es oft, jegliche Korrespondenz in schriftlicher Form abzuwickeln und auch per Telefon ist kein Problem. Kaum einer wird zwei Mal pro Woche bei Lena Berger anrufen und sich so ihre Stimme merken. Ein Kundenkontakt im realen Leben ist nicht vorgesehen. Auch für Kollegin Sara Maier dürfte es bei einem persönlichen Treffen schwierig werden.

Was soll all das? Wieso spielt ein Unternehmen eine Belegschaft vor, die es nicht gibt? Fragen, die eigentlich Nina Franke beantworten müsste – schließlich ist sie Personalreferentin bei Myprinting. Nunja.

Der Grund sei “pragmatischer Natur”, sagt Frers auf Anfrage und gibt sich offen:

“[W]ir verwenden XING zur Suche von potentiellen Freelancern und festen Mitarbeitern. Da diese Suchen teilweise auch von Praktikanten durchgeführt werden und selbige keine suchfähigen Pro-Accounts besitzen, verwenden wir Lena Berger als neutrales Suchprofil, auf das jeder aus dem Team zugreifen kann.”

Doch auch bei Tripsbytips bleibt es eben nicht nur bei der Suche. Die Praktikanten-Lenas sprechen die Kandidaten eben auch über diese falsche Identität an. Die Täuschung klappt vor allem bei Xing so gut, weil die Plattform bisher durch Fake-Accounts so gut wie nicht aufgefallen ist. Dass Xing dieses Verfahren ausdrücklich missbilligt, lässt sich in den AGB nachlesen:

4. Pflichten des Nutzers

4.1 Der Nutzer ist verpflichtet,

4.1.1 ausschließlich wahre und nicht irreführende Angaben in seinem Profil und seiner Kommunikation mit anderen Nutzern zu machen und keine Pseudonyme oder Künstlernamen zu verwenden,

4.1.2 nur solche Fotos seiner Person an die XING-Websites zu übermitteln, die den Nutzer klar und deutlich erkennen lassen. Der Nutzer stellt sicher, dass die öffentliche Wiedergabe der von ihm übermittelten Fotos auf den XING-Websites erlaubt ist. Die Übermittlung von Fotos oder Abbildungen anderer oder nicht existierender Personen oder anderer Wesen (Tiere, Fantasiewesen etc.) ist nicht gestattet.

Das aber dürfte nur wenige aufhalten, und ein AGB-Häkchen ist leicht gesetzt, vor allem bei den kostenlosen Mitgliedschaften. Im Umkehrschluss könnte man also meinen, dass zumindest bei zahlenden Premiummitgliedern die Wahrscheinlichkeit von Fake-Profilen tendenziell geringer ausfallen müsste.

Müsste. Denn dass selbst diese Kosten nicht gescheut werden, demonstriert das Beispiel der Myprinting GmbH aus München. Deren Mitarbeiterin Stefanie Hofmann lädt zur Diskussion in die “Medialounge Berlin“. Selbstbeschreibung auf Xing:

“Die Media Lounge findet quartalsweise zum offline NETTworken statt. Letztendlich steht hinter jedem Medium der Mensch. Und dieser lebt von Kommunikation.”

Stefanie Hofmann dürften die Teilnehmer dieser Gruppe nie zu Gesicht bekommen haben, trotzdem fungiert sie gar als Moderatorin.

Und damit ist sie in guter Gesellschaft. Die Kollegin Annette Schwarz darf ebenfalls eine Gruppe moderieren, das Pendant der Medialounge im Norden.

Myprinting-Geschäftsführer Johannis Hatt ist all dies nicht bekannt. Wer oder was dahinterstecke, ob “Freund/Feind – intern/extern” – er wisse nichts. An Xing habe er nun eine Anfrage gestellt, um herauszufinden, wer das Profil angelegt hat. Das dürfte mit Hilfe der hinterlegten Kontodaten für den Premiumaccount nicht schwierig sein, doch auch über eine Woche nach der ersten Anfrage liegen Hatt keine neuen Informationen vor.

Sollte sich bei einem Kunden oder anderen Stakeholdern der Verdacht erhärten, Myprinting spiele mit falschen Identitäten, würde eine Marke in Mitleidenschaft gezogen, die ganz andere Dimensionen aufweist: HP.

Zwar sind Myprinting und die HP-Tochter Snapfish zwei eigenständige Entitäten, doch wird das selbst für den interessierten Laien nur schwer klar, führen doch Corporate Links wie Kundenservice und Über uns auf Snapfishseiten und das Impressum sogar direkt zu HP. Eine Snapfish-Sprecherin aber bestätigt: “Die Partnerschaft von myprinting und Snapfish ist […] eher vertrieblicher Art.”

Kunden brauchen, so scheint es, eine Konstante, auch wenn der Personalapparat dies gar nicht zulässt. Ob sich die Umworbenen im Schein der Hochglanz-Stockphotos heimelig fühlen oder eher Misstrauen hegen, wird vom Einzelfall abhängen. Je akribischer ein Profil aufgebaut und je persönlicher die Kommunikation mit eben jenem abläuft, desto weniger Verdacht wird der gemeine Kunde aber vermutlich schöpfen. In einer Social-Media-Welt, in der es den Unternehmen immer mehr um Vetrauensaufbau geht, kann eine solche Kundenverblendung jedoch schnell ins Gegenteil umschlagen.

Denn selbst die Profis des perfekten Alibis machen hin und wieder Fehler.

* Nach einem ersten Kontakt und Konfrontation mit dem Fake-Bild wurde das Originalphoto kommentarlos ausgetauscht.

BP und CSR: Eine Tragödie in fünf Akten

Viele schreiben über die Öl-Katastrophe im Golf von Mexiko: Biologen mahnen, Physiker rechnen, Chemiker prüfen und PR-Praktiker hören zu. Ob Natur-, Geistes-, oder Kommunikationswissenschaft – Die Umweltkatastrophe veranschaulicht viele Theorien in der Praxis.

So verschieden die Perspektiven, so ähnlich das Fazit: Eine Katastrophe, die einem Drama gleicht. Ein Trauerspiel mit BP in der Hauptrolle. Eine Tragödie in fünf Akten.

Eine etwas andere Betrachtung.

Erster Akt – Vom Aufziehen des Sturms

Die Sonne geht auf, wandert über den Horizont und wirft lange Schatten über Felder. Gräser erstrecken sich zwischen Feldwegen und Flussläufen, dazwischen wachsen Sonnenblumen, es riecht nach gemähtem Gras. Durch die Sonne erstrahlt das Land in Regenbogenfarben, sie spendet Energie und ist der Antrieb des Lebens. Die Welt eingehüllt in den Mantel der Natürlichkeit. Ein Unternehmen eingehüllt in den Mantel der Nachhaltigkeit – das sagt uns das Logo von BP: Die Sonne im Zentrum als Energiequelle, umgeben von der Natur…

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Wenn jeder Rappen zählt

Trotz Wirtschaftskrise zählt Deutschland nach wie vor zu den spendenfreudigsten Ländern. Das bestätigt der Deutsche Spendenmonitor 2009 des Marktforschungsunternehmen TNS Infratest. Die aktuelle Befragung ergab, dass im Jahr 2009 mit 2,9 Milliarden Euro rund 100 Millionen Euro mehr gespendet wurden als im Vorjahr.

Zwar sei die Zahl der Spender von 27 Millionen auf 25 Millionen Bundesbürger zurückgegangen, aber die einzelnen Spender hätten insgesamt mehr gestiftet. Laut der Umfrage unterstützen knapp 40 Prozent aller Deutschen nationale und internationale Hilfsorganisationen.

Worauf man bei seiner Spende achten sollte

Gerade jetzt in der Weihnachtszeit, in der der Geldbeutel bei einigen etwas lockerer sitzt, gibt es zahlreiche Aufrufe zu Spendenaktionen. Allerdings sollte man sich zunächst informieren, ob es sich dabei tatsächlich um seriöse Unternehmen handelt. Um das beantworten zu können, rät der deutsche Spendenrat die “Goldenen Regeln für Spender” zu beachten:

  • Die Organisation, der gespendet werden soll, ist als gemeinnützig anerkannt.
  • Die Organisation stellt auf Wunsch aussagekräftiges Material über die Aktivitäten und über die Organisation selbst zur Verfügung.
  • Die Organisation informiert die Spender regelmäßig über durchgeführte und aktuelle Projekte.
  • Die Organisation unterlässt aggressive Werbung.
  • Die Organisation hat sich zu Transparenz und Offenheit verpflichtet. Dafür steht das Logo des Deutschen Spendenrates e.V. oder das Zeichen des Deutschen Zentralsinstitut für soziale Fragen (DZI).
  • Die Organisation veröffentlicht einen Geschäftsbericht oder Jahresbericht mit Aussagen über die Mittelverwendung.

Neben diesen Punkten stellt sich Spendenwilligen natürlich noch die Frage, für wen oder welches Projekt man überhaupt spenden möchte, denn die Konkurrenz ist groß.

Mit rund-um-die-Uhr-Beschallung die Werbetrommel rühren

Für besondere Medienpräsenz sorgte in den letzten Tagen die Spendenaktion „Jeder Rappen zählt“, initiiert von der Schweizer Radio- und Fernsehgesellschaft SRG. Hier moderierte ein Radioteam vom 14. bis 19. Dezember täglich 18 Stunden in einem Glascontainer auf dem Bundesplatz in Bern. Auf SF 2 und Radio DRS konnten Hörer und Zuschauer die Spendenshow live verfolgen, Musikwünsche einreichen und mit den Moderatoren plaudern.

Doch das war nicht alles, auch Live-Musik und Promi-Besuche sorgten für Stimmung, so dass sich um den Pavillon viele Neugierige sammelten, um das Treiben durch die Scheibe zu verfolgen. Sinn und Zweck des Ganzen war, die Bevölkerung zum Spenden zu animieren und sie dazu anzuregen, sich mit eigenen Aktionen an der Großaktion zu beteiligen.

Der gesamte Erlös von über 7 Millionen Franken soll jetzt vollständig in Malariaprojekte fließen. Das Konzept der Aktion stammt aus den Niederlanden, genau wie die erste weltweit erfolgreiche Container-Reality-Show „Big Brother“.

Lob und Kritik an der Container-Show

Neben viel Lob erntete die Spendenaktion wegen der pr-lastigen Umsetzung auch Kritik, insbesondere von Hilfswerken wie dem Caritas Verband oder der Heilsarmee. Vor allem letztere prangerte an, dass die Kosten und der Nutzen der Spendenaktion in keinem Verhältnis stünden.

„Von uns erwartet die Öffentlichkeit, dass wir wirtschaftlich mit unseren Ressourcen umgehen“, so Martin Küenzi in Hilfswerke kritisieren SRG auf dem Nachrichtenportal nzz.ch. Man fühle sich in seinen Bemühungen benachteiligt, da sich Non-Profit-Organisationen solche großen PR-Aktionen gar nicht leisten könnten. „Die Weihnachtszeit ist der falsche Zeitpunkt dafür, bei dieser gewaltigen Medienpräsenz verschwinden unsere eigenen Aktivitäten“, beklagte sich Küenzi.

Was immer man von solchen inszenierten Spenden-Aktionen auch halten mag, in den Schweizer Medien hat die Kampagne auf jeden Fall für Aufmerksamkeit gesorgt. Bleibt nur zu hoffen, dass die PR tatsächlich das halten kann, was sie den Spendern versprochen hat und man in Zukunft auch erfahren wird, was mit dem Geld erreicht werden konnte.

McDonald’s goes Öko, oder?

Alles wird grüner, denn Grün steht für Öko und Öko liegt voll im Trend. Das weiß auch McDonald’s und unterzieht sich einer optischen Erneuerungskur.

Die Filialen in Deutschland sollen Anfang kommenden Jahres ihre Farbe ändern. Das sagte Holger Beeck, stellvertretender Deutschlandchef von McDonald’s, der Financial Times Deutschland.

Statt auf einem roten Hintergrund solle das goldene M dann auf einem grünen prangen. Ein “Bekenntnis zur und Respekt vor der Umwelt” sei das. Vielleicht ist es aber auch der Versuch das leidige Thema “Beispiel für Corporate Evil” durch Greenwashing der Corporate Identity beenden zu wollen, wie es im Guardian heißt.

Ob das neue Öko-Image durch Maßnahmen gestützt werden soll, die der Umwelt zu Gute kommen, hat Beeck noch nicht angekündigt. Spätestens im Januar 2010 sind wir schlauer.

Die Diekmann-Show – Ein kurzes Traktat über Scheintransparenz

Die ungeschönte Wahrheit? Unverblümt und in your face? Okay: Viele mögen Kai Diekmann nicht. Nun, damit muss man rechnen, wenn man Chefredakteur der BILD-Zeitung ist. Kai Diekmann weiß das – und zieht die Kosequenzen. Er geht in die Gegenoffensive.

Seit Montag (26. Oktober) ist sein ganz persönliches Blog online. Ein schick in BILD-Farben aufgemachter kleiner Tritt nach allen, die ihm vorwerfen, sich nicht öffentlich der Kritik stellen zu wollen. Schon vom Launch an ist die Diekmann-Show vollgepackt mit zahlreichen Posts, die sich in vielsagende Kategorien wie “Ich”, “Meine kleine Welt”, “Unter Kollegen”, “Anwalts Liebling”, und “Mein Fanclub” gliedern. Nicht fehlen darf natürlich die Rubrik “Meine taz”, in der er gegen die linksgerichteten Berliner Kollegen betzt – oder sie gleich mokant an seinem Ego abprallen lässt.

Interessantes findet sich im Themenbereich “3 Fragen an mich“, der bisher leider nur einen Eintrag enthält. Hier interviewt Diekmann sich selbst und gibt dabei Antwort auf die Frage, was ihn so plötzlich zum Blogger mache. Seine Antwort enthält alles, was man wissen muss: “Ich bin einfach unheilbar eitel. Deshalb halte ich es ja auch für eine gute Idee, Interviews mit mir selbst zu führen… Es geht eher um öffentliche Aberkennung [sic!]. taz, Süddeutsche, Spiegel usw. bemühen sich redlich, werden mir aber einfach nicht gerecht – ich bin viel, viel schlimmer! Und nicht nur ich, die anderen auch.”

Es dürfte klar sein, wohin hier welcher Hase läuft. Springer hat dem BILD-Chef ein wohlvorbereitetes Werkzeug geschmiedet, mit dem er seinen Gegnern den polemischen Wind aus den Segeln nehmen, Vorwürfe und brisante Thematiken nippifizieren und selbst nach Lust und Laune Gift gegen alles verspritzen kann, was ihm beliebt.

Die Medienkollegen haben es registriert. Hurtig veröffentlichte die taz online einen offenen Brief an Springer-Chef Mathias Döpfner, in dem Redakteur David Denk ein wenig uninspiriert Diekmanns mangelnde Auslastung als Chefreakteur bestichelt. Zeit.de ging das Ganze seriöser an und bestellte schnell mal den Medienjournalist, A-Blogger und BILD-Blog-Gründer Stefan Niggemeier zum Interview.

Dieser durchschaut das Vorhaben natürlich sofort: “Es ist schon clever, sich so darzustellen, als sei man total locker und offen für Kritik – insbesondere wenn man es nicht ist.” Und: “Bislang hat Diekmann sich weitgehend aus der Öffentlichkeit ferngehalten und so versucht, sich Kritik nicht stellen zu müssen. Die neue Variante ist viel geschickter: Er entzieht sich einer ernsten Auseinandersetzung trotzdem – dadurch, dass er selber sagt, was er für ein schlimmer Finger ist, die Kritik läppisch wirken lässt und alles ironisiert.” Auf die Frage, ob sich Diekmann damit unangreifbar mache, urteilt Niggemeier: “Es wirkt zumindest unangreifbar. Und es hat dazu noch einen deutlich höheren Unterhaltungswert als die alte Methode. Immerhin kann man es sich nun durchlesen und denken ‘was für eine coole Sau’.”

Und jetzt die alles entscheidende Frage: Was hat das alles in diesem Blog zu suchen? Die Anwort ist zu banal, um sie in großer Ausführlichkeit zu geben: Hier macht jemand, dem bewusst ist, vielerorten für ein dekadentes Schwein mit tiefsitzendem Hass auf die 68er gehalten zu werden, zum Schein auf  kommunikative Transparenz. Springer und Diekmann machen PR für Diekmann. Und damit unabdingbar für die BILD-Zeitung. Denn dies ist “ein Blog von und mit mir: meine Meinung, mein Merchandising, meine kleine Welt (aus der sich BILD nicht ganz wegdenken lässt, zugegeben).”

Spieleindustrie: Die Angst vor der PR

Peinliche Eigen-PR und unnötiges Abtauchen: Die Ereignisse von Winnenden haben zu ein paar seltsamen Kommunikationsmanövern geführt.

In einer beispiellosen PR-Aktion des Warenhauses „Galeria Kaufhof“ gab das Unternehmen Mitte März bekannt, alle Spielesoftware mit einer Altersfreigabe „ab 18“ nicht mehr anzubieten und auszusortieren. Die Umsatzeinbußen dürften sich in Grenzen halten, schaut man sich die mögliche Zielgruppe des „Kaufhof“ an. Rechnet man jetzt noch die Gelder für neue Kassensysteme und besser geschulte Kassiererinnen mit ein, die man aufbringen müsste um den Strafzahlungen zu entgehen, die anfallen, wenn mal wieder „ab 18“-Software an Zwölfjährige vertickt wird, fragt man sich, ob diese Maßnahme nicht sogar wirtschaftlich Sinn macht.

Das aus dieser PR-Aktion resultierende Saubermann-Image aber ist in jedem Fall unbezahlbar. Übrigens: Das von Medien häufig zitierte Vorzeige-Killerspiel „Counter Strike“ wird man nach wie vor in jedem Kaufhof erwerben können, denn es ist „ab 16“ freigeben.

Auch Politiker versäumen nicht aus der schrecklichen Tat von Winnenden einen persönlichen Vorteil ziehen zu wollen. An starke Pauschalisierungen und populistisches Gerede hat man sich ja mittlerweile fast gewöhnt, der CSU-Politiker Joachim Herrmann schafft es aber, in einer aktuellen Pressemitteilung einen neuen Tiefpunkt zu erreichen und schießt auf der Jagd nach konservativen Wahlstimmen weit über das Ziel hinaus. So schafft er es nicht nur den ohnehin schon negativ konnotierten Begriff des „Killerspiels“ durch das abstoßende Wort „Tötungstrainingssoftware“ zu ersetzen, sondern stellt gewalthaltige Videospiele auf eine Stufe mit Drogenkonsum und Kinderpornographie. So heißt es jedenfalls in der Pressemitteilung:

„In ihren schädlichen Auswirkungen stehen sie auf einer Stufe mit Drogen und Kinderpornografie, deren Verbot zurecht niemand in Frage stellt.“

Diese extrem tiefen Tiefschläge, die Herrmann da austeilt, stoßen zumindest auf ein wenig Gegenwehr in der Industrie. Die großen Branchenverbände Deutschlands fordern öffentlich eine Entschuldigung des CSU-Politikers.

„Das momentane Verhalten des Bayerischen Innenministers erinnert sehr stark an einen politischen Egoshooter, der sich mit rein populistischen und inhaltlich fragwürdigen Aussagen zu profilieren versucht.“ [Olaf Wolters, Geschäftsführer des BIU]

Man wundert sich, dass es erst derart harsche Polemik braucht, um eine Reaktion aus der Industrie zu bekommen. Darüber hinaus passiert aber bisher erschreckend wenig. Wie kann es beispielsweise sein, dass die Stadt Stuttgart eine Großveranstaltung der ESL, der „elektronischen Bundesliga“ für Computerspiele, aus Pietäts-Gründen absagt, eine der größten Waffenmessen aber im gleichen Monat stattfindet? Proteste von Seiten der Industrie oder der Veranstalter der ESL gab es kaum, die Waffenfreunde dagegen haben sich erfolgreich gegen die Stadt Stuttgart gewehrt.
Kuriosum am Rande: Noch vor dem Start der Waffenmesse wurden einige Gewehre gestohlen. Das ist natürlich weitaus ungefährlicher als das, von der USK „ab 16“ freigegebene, “Counter Strike”.

Wirtschaft und Politik polieren auf Kosten von sogenannten „Killerspielen“ ihr Image auf Hochglanz. Und die Videospiele-Industrie hält nicht dagegen. Meine lieben PR- Damen und -Herren der Publisher, Entwickler und wo immer Sie auch sitzen: Ihre Produkte werden einseitig dafür benutzt um sinnlose und grausame Morde zu begründen. Sie lassen es zu, dass Ihre Kundschaft stigmatisiert und auf eine Stufe mit Konsumenten von Kinderpornographie gestellt wird. Es kann nicht allein Aufgabe der Fachpresse sein, sich gegen die häufig falschen, haltlosen und überzogenen Vorwürfe zu wehren.

Es ist auch eine Aufgabe der Gesellschaft gegenüber über die einfache Sündenbock-Suche hinweg zu kommen – helfen Sie ihr dabei. Sorgen Sie dafür, dass differenzierter diskutiert wird und helfen Sie dabei mit, dass eine solche Tat von der Gesellschaft besser verarbeitet werden kann. Stellen Sie einen Dialog her, der die aktuellen pauschalen Abhandlungen seitens Medien und Politik durchbricht. Ihre Ignoranz gegenüber diesem Thema könnte man als stilles Eingeständnis werten.

Weitere Blogs:
Böse Killerspiele und billige PR-Tricks
PR-trächtige Selbstzensur
Reaktion auf Winnenden: Kaufhof nimmt alle USK und FSK 18 Titel aus dem Sortiment

Neue Erkenntnisse?
Britische Studie: Rennspiele machen aggressiver als Shooter

Kurios:
Besuch-Verbot von F!XMBR für Ü18-Kaufhof-Mitarbeiter

Kooperation – Flickr und Getty Images

Getty Images, die größte Bildagentur der Welt, plant nun auch in Deutschland die Zusammenarbeit mit Flickr. Ab Anfang März sollen einige zehntausend Flickr-Bilder lizensiert und vermarktet werden. Das Magazin „Focus“ berichtet, dass ausgesuchte Mitglieder des Foto-Portals bereits Ende Januar eine Einladung per E-Post bekommen haben. Getty möchte deren Amateur-Bilder gerne professionell vermarkten.

Wer als ausgewähltes Flickr-Mitglied seine Fotos zur Verfügung stellen möchte, muss einen Zweijahresvertrag unterzeichnen. Die Bilder der „Flickr-Collection“ bei Getty Images sollen mit 20 bis 30 Prozent vergütet werden. Der Erlös soll höher sein als bei den sogenannten „Microstock-Agenturen“. Branchen-Experten sehen dagegen alle Angebote unter 50 Prozent als kritisch an, denn die Verwaltung darf in ihren Augen nicht mehr wert sein als die schöpferische Arbeit.

Einigen Amateur- und Hobbyfotographen wird aber wahrscheinlich der Ruhm, ihr Bild auf dem Cover bekannter Magazine oder Werbeplakate zu sehen, schon ausreichen. Für die professionellen Fotographen wird durch die „Flickr-Collection“ die Bildvermarktung allerdings noch schwieriger als sie sowieso schon ist.

Die Fachtagung „Zukunft Online-PR 2009“ geht an den Start

Noch zwei Tage, dann startet die zweite Fachtagung „Zukunft Online-PR“. Bis heute Nacht 00:00 Uhr hatten Interessierte die Möglichkeit, sich anzumelden. Nun steht es fest: Wir erwarten 164 Gäste, die sich mit neuen Herausforderungen des Web 2.0 beschäftigen und diese mit uns diskutieren wollen. Es haben sich 204 Mitglieder unserer Gruppe bei Xing angeschlossen und im Twitter folgen uns 222 User.

17 Studenten und Studentinnen werden uns, das Projektteam, an diesem Tag unterstützen. Die Pressemitteilungen sind alle raus, die Moderation steht, die Referenten sind vorbereitet und das Catering ist bestellt. Es kann also losgehen.

Wir freuen uns sehr, dass wir hochkarätige PR-Fachleute als Referenten und für unsere Workshops gewinnen konnten. Natürlich werden wir an diesem Tag auch live twittern und bloggen. Für alle Gäste gibt es die Möglichkeit, sich über ein offenes W-Lan am Twitterstrom unter dem Hashtag #zopr zu beteiligen. Die Blogbeiträge können Sie dann hier in den PR-Fundsachen finden. Aufgrund der großen Resonanz haben wir einen weiteren Workshop ins Leben gerufen: Neben den bereits publizierten Workshops wird es einen offenen Workshop mit Uwe Knaus und Thomas Pleil geben, wo Fragen gestellt und Erfahrungen ausgetauscht werden können.

Wir freuen uns auf einen ereignisreichen Tag mit hoffentlich vielen Diskussionen, Anregungen und neuen Erfahrungen.

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