(Likies für alle) Von Robotern, Klonen…und Keksen

So mancher Teilnehmer des Content Strategy Camps hätte sich am liebsten geklont, um zeitgleich mehreren Sessions beiwohnen zu können. Wiederum andere sprachen über Roboterjournalismus, diesem futuristisch klingendem Begriff, von dem wir derzeit wahrlich nicht so weit entfernt sind, wie vom Klonen. Doch auch ohne medizinische Meilensteine gab das #cosca15 ein tolles Bild ab:

 Von Nadine Deiß und Martin Imruck

Interessante Vorträge mit kompliziert-klingenden Überschriften und im Anschluss angeregtes Diskutieren – das Content Strategy Camp hat den Mediencampus in Dieburg für zwei Tage in ein Schlaraffenland für PR-Praktiker verwandelt. Voller Vorfreude und mit großen Erwartungen wurden die Räumlichkeiten des ehemaligen Postgeländes gestürmt und der Großteil der Gäste schmolz nur so dahin angesichts des Überangebots an fachlicher Kompetenz und gemeinschaftlichem Ideenaustausch. Das gleiche Schicksal wiederfuhr übrigens auch den beliebten Likies-Keksen, die sich in der prallen Sonne am Samstagmittag so langsam in ihre Bestandteile auflösten.
Cosca15

Cosca15 twittert sich in die Charts

Auch das Hashtag des Barcamps war in aller Munde und schob sich bereits am Freitagmorgen in die Twitter-Trends. Dort hielt es sich bis Sonntag hartnäckig in der Spitzengruppe. Content Strategy und Content Marketing in Theorie und Praxis beherrschten diese beiden Tage des Barcamps. Im bunten Angebot aus Beiträgen zu Corporate Blogging, Storytelling, Krisenkommunikation und Praxisbeispielen kam der Spaß auch beim Bullshit-Bingo niemals zu kurz.

Hier einige der ausgefallensten Session-Namen:

  • Facebook vs. YouTube: Zahlen können lügen
  • Content-Finding am Beispiel eines Spühlschwamms
  • Stell dir vor du bist eine Content-Strategie und keiner sucht nach dir
  • Sarkasmus, Satire, Trolle erlegen – Unterhaltung um jeden Preis
  • Samstags Martinee (alias Redaktionskonferenz)

Die interessantesten Tweets vom #cosca15

  • „Die Likies schmelzen !“
  • „Hol mal einer das 100 Liter Kaffee-Fass!“
  • „Die IHK macht dieses Jahr einen Betriebsausflug zum #cosca15!“

Blogecho – das sagen die Besucher

Hier geht’s zu den Bildern des cosca15!

Und wer immer noch nicht genug hat oder leider nicht dabei sein konnte, hier die Zusammenfassung einzelner Sessions!

 

 

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Musicians meet Social Network

Bildquelle: Wikimedia Commons, Author: Radiusfirst
Bildquelle: Wikimedia Commons, Author: Radiusfirst

Wenn Beethoven heute noch leben würde, hätte er auch einen Twitter-Account? Warum nicht? Zu solchen Gedanken hat mich Heike Matthiesen (@gitarra) auf der Musikmesse in Frankfurt geführt. In ihrem Vortrag ging es darum, ob Klassikszene und Social Media zusammen funktionieren können.

Die Kommunikation im Social Web fällt allen Musikern schwer. Die häufigsten Antworten auf die Frage „Was hindert Sie daran, Twitter zu nutzen?“ sind:

-Ich möchte die Leute nicht mit Belanglosigkeiten nerven
– Passt nicht zu meinem Image
-Mein Fokus soll sich nicht auf die Kommunikation, sondern auf die Musik richten
-Ich vertraue der Kritik nicht
-Ich fühle mich unsicher in Bezug auf das Medienrecht.

Bei den klassischen Musikern gibt es da andere Schwierigkeiten. Sie sind Träger einer großen Tradition, von einer Kultur, die unsere Seele und Ohren fasziniert. Sie spielen Musik, die oft schon vor Jahrhunderten gespielt wurde, mit der Hoffnung, dass es zum besten Live-Erlebnis für das Publikum wird. Das birgt schon die erste Gefahr: Die Künstler schaffen einmalige Momente. Sie möchten diese Einmaligkeit als einen besonderen Faktor haben. Das bedeutet, die meisten klassischen Musiker können es nicht leiden, bei der Aufführung gefilmt zu werden. Der Zauber ginge dadurch verloren, dass der Zuschauer schon nicht im Moment ist, sondern sich mit der Reproduktion des Moments beschäftigt.

Ein anderer Aspekt, den Heike Matthiesen erwähnt hat, ist der „Content“. Woraus besteht inhaltlich eine typische Facebook-Seite eines Künstlers? Sie besteht aus seinen Werken. Sie sind das Einzige, was der Künstler zum Anschauen und Anhören ausstellen kann. Und hier findet sich das zweite große Problem: Wie kann man das eigene Werk gleichzeitig an die Öffentlichkeit bringen und schützen? Doch niemand verspricht, dass man nach dem online Anschauen noch Lust hat,das Ganze live zu erleben. Aber gehen wir mal davon aus, dass der Künstler den Social Networks vertraut. Das Video mit dem Konzert ist da, ein Aufruf zum „Liken“ und „Sharen“ auch. Es passiert aber nichts. Die Anzahl der Follower und potentiellen Fans bleibt konstant. In diesem Fall macht die Kommunikation den Weg für eine Selbstvermarktung frei. Um aber langfristige und feste Beziehungen mit dem Publikum aufzubauen, muss man die Musik nicht nur spielen, sondern auch kommunizieren. Das heißt über die Musik reden, eigene Eindrücke untereinander zu teilen und erklären, warum die Musik ein Teil des Lebens ist.

Eine weitere Schwierigkeit für die Künstler: Der Trend von der  Desktopnutzung zur Mobilnutzung.  Durch Handys wird die Informationsmenge, die beim Nutzer ankommt, noch kleiner. Will heißen: Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Video mit einem beeindruckenden Klavierspiel schon nach 2 Minuten  ausgeschaltet wird, ist sehr hoch. Wie die Musiker darauf reagieren sollen, bleibt noch offen.

Also, auch in der Klassik-Branche – „Schweigen ist Silber, Reden ist Gold“. Und hätte Beethoven auch einen Twitter-Account, würde ich dem auf jeden Fall folgen. Und ihr?

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Gamification als Kommunikationstool

Bildquelle: timothyhughesuk.files.wordpress.com
Bildquelle: timothyhughesuk.files.wordpress.com

Ob Spannung, Freude oder die Illusion, sich für eine kurze Zeit in eine andere Welt zu begeben: Spiele haben eine vielfältige und einzigartige Wirkung auf den Menschen. Schon Kinder benutzen Spiele, um die Welt um sie herum zu erforschen und neues zu lernen.

In der PR geht es in erster Linie darum Beziehungen zwischen Unternehmen und der Öffentlichkeit herzustellen. Dabei geht es oft auch darum Sachverhalte zu erklären und den Menschen beizubringen, wieso eine bestimmte Handlung oder Maßnahme durchgeführt wird. Dies kann man natürlich durch die Verbreitung von Pressemitteilungen oder die Nutzung verschiedener Kommunikationskanäle erreichen. Die Effektivität solcher Maßnahmen ist manchmal aber nur schwer abzuschätzen. Spannende Geschichten und eigene Erlebnisse werden von unserem Publikum am besten wahrgenommen und am ehesten weiter verbreitet. Diesen Umstand kann man sich durch Gamification zu Nutze machen.

Beispiele aus der Health-PR und Consumer-PR

Bildquelle: pharmaceuticalintelligence.com
Bildquelle: pharmaceuticalintelligence.com

Als erstes Beispiel dient hier das Facebook Spiel „Syrum“, welches vom Pharmaunternehmen Boehringer Ingelheim im Jahr 2012 erstellt wurde. In Syrum ging es darum, dass der Spieler in die Rolle von Forschern schlüpft, welche in einem Labor an der Erforschung neuer Wirkstoffe und Medikamente arbeiten. Wie es für soziale Facebook-Spiele üblich ist, konnte man auch hier Freunde einladen, die einem „bei der Arbeit“ helfen und bestimmte Aufgaben schneller ablaufen lassen. Anders als vergleichbare Social-Games, wie zum Beispiel Farmville oder Candy Crush, nutzte Syrum nicht die üblichen “pay-to-win” Modelle für Spieleverbesserungen. Stattdessen bot Syrum dem Spieler die Möglichkeit, sich ein Video anzusehen oder einen kurzen Text zum Thema pharmazeutische Forschung zu lesen um Verbesserungen freizuschalten. Boehringer Ingelheim wollte mit diesem Spiel erreichen, dass die Rolle der pharmazeutischen Forschung in der Öffentlichkeit besser verstanden wird. Pharmaunternehmen stehen vor allem in den USA häufig in der Kritik, weil die Preise für ihre Medikamente als zu hoch empfunden werden. Gleichzeitig wissen viele nicht, dass der Preis eines Medikaments die Forschung von circa zehn Vorgängern und zehn nachfolgenden neuen Produkten mitfinanziert.

Bildquelle: fitness-gadget.ru
Bildquelle: fitness-gadget.ru

Nike+ vereint eine rege Fitnesscommunity in einer App, wodurch die Nutzer den Erfolg ihres Trainings messen können. Die Motivation der Nutzer wird durch ein Feedback-Schema erhalten, welches wiedergibt, was man gemacht hat, welche Fortschritte und welche Ziele erreicht wurden. Die Nutzer können ihre Statistiken und Trainingserfolge mit anderen teilen, Teams gründen oder Wettbewerbe eröffnen. Neben der Pflege der Kundenbindung und Loyalität erreicht Nike so auch, dass potenzielle Neukunden die App auch benutzen und die Marke über einen weiteren Kanal ihre Bekanntheit steigert.

Was muss ein Spiel also erfüllen, um den Spieler zu fesseln und ihm gleichzeitig etwas mitzuteilen?

Im Prinzip hat jedes Spiel bestimmte Regeln, ein klares Ziel für den Spieler und es erweckt im Spieler den Wunsch, unnötige Hindernisse zu überwinden. Gute Spiele lassen dem Nutzer gleichzeitig aber auch genügend Freiräume, um selbst Entscheidungen zu treffen und mit den eventuellen Konsequenzen umgehen zu müssen. So haben die Spieler stets das Gefühl, die Kontrolle über das Spiel zu haben und ihren eigenen Weg zu finden.

In erster Linie geht es darum seine Zielgruppe zu erkennen und die Art des Spiels dementsprechend anzupassen. So gibt es beispielsweise kurzweilige, einfache Spiele, interaktive Spiele, herausfordernde oder strategische Spiele sowie Spiele mit einem ernsten Hintergrund.

Während man bei der Konzeption eines Spiels schnell dazu verleitet wird ein Spiel für jüngere Zielgruppen zu erstellen, stellt man in der Praxis häufig fest, dass ausgerechnet diese Zielgruppe ein Spiel sehr schnell aufgibt. Während sie dazu tendieren Spiele schnell zu entdecken und auszuprobieren, neigen sie auch dazu das Spiel schneller wieder zu verlassen, wenn es ihren Erwartungen nicht entspricht. Auch jemand der in seiner Freizeit viel mit Spielen beschäftigt ist, tendiert dazu das potenzielle Spiel schneller zu verlassen. Der Grund liegt darin, dass „zu spielerische“ Werke schnell mit den Spielen großer Hersteller mit entsprechenden Entwicklungsbudgets verglichen werden.

Fazit

Ein „PR-Spiel“ muss also professionell gestaltet werden und Spaß machen, darf aber unter keinen Umständen den Informationsaspekt aus den Augen verlieren. Sonst wird riskiert, dass die Spieler das Spiel schon nach kurzer Zeit verlassen.

Letztendlich bleibt noch folgendes zu sagen: Nicht jedes Thema eignet sich dafür als Spiel umgesetzt zu werden. Gleichzeitig muss man sich auch gut überlegen, was das Spiel kommunizieren und wer damit erreicht werden soll, denn ein 19-jähriger reagiert auf das Spiel anders als ein 50-jähriger. Zusätzlich muss man stets bedenken, dass solche Spiele je nach Umfang auch ein entsprechend hohes Budget brauchen.

 

Autorin: Julia Anna Moor

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Tweets aus der Raumstation

„Es war ein ziemlicher Erfolg: viele Gäste, Twitter Trending Topic Platz 2 hinter Bayern in der Champions League und erstmals auch Video-Livestreams“, resümiert Fink & Fuchs PR Vorstand Stephan Fink im Newsroom seiner Agentur den 12. Twittwoch Rhein-Main. Der fand in der vergangenen Woche am Frankfurter Flughafen statt. In den Vorträgen ging es um ein spannendes Thema: Social Media in Luft- und Raumfahrt.

Ganz wichtig am Twittwoch: W-LAN für die Twitternden.
Ganz wichtig am Twittwoch: W-LAN.

Einen passenderen Ort als das futuristisch anmutende Fraport-Forum hätten die Veranstalter, Social Media Manager Nico Kirch, Marketing Director Sascha Hüsing und Agenturvorstand Stephan Fink, für den 12. Twittwoch Rhein-Main wohl nicht finden können. Immerhin betonte ein Fraport-Vertreter, der die 120 Twittwoch-TeilnehmerInnen im Namen des Flughafenbetreibers begrüßte, die vielleicht wichtigste Grundlage der sozialen Medien sei die Vernetzung. Und die werde an fast keinem Ort in Deutschland so gelebt, wie am Frankfurter Flughafen: die infrastrukturelle des Verkehrs und die menschliche der rund 60 Millionen Fluggäste pro Jahr. Die entsprechende Geräuschkulisse durfte natürlich auch während der Vorträge nicht fehlen.

Wer mit Swarmapp am Airport eincheckt, dem kann es schon mal passieren, direkt vom Flughafenbetreiber Willkommen geheißen zu werden – zum Beispiel mit einem „Ei Gude, wie?“ auf Twitter. Dafür ist ein Communication Center Team zuständig, das rund um die Uhr arbeitet und zehn Sprachen spricht. Neben der Weltsprache Hessisch zum Beispiel Türkisch oder Spanisch.

 

 

„Wir sind da sehr flexibel in der Ansprache unserer Passagiere“, erklärt Yasmin Tuncay, Social Media Managerin bei Fraport, in ihrem Vortrag „Community Management 24/7 des Airport Hubs FRA“. Es ist der erste von dreien am Twittwoch. Die Kommunikation mit der Community geschehe „sehr live“, betont sie.  „Gerade bei Twitter nehmen wir das Feedback ernst.“ Etwa mit Passagieren, die aus dem Flugzeug twittern, wie lange es denn noch bis zum Abflug dauere. Auf die Frage aus dem Publikum, was das Communication Center Team mit Themen mache, die drohen, sich zu verselbstständigen, sagt sie, ihr Arbeitgeber habe eine Monitoring-Agentur beauftragt, um genau diese Themen früh mit zu bekommen. Gerade im Winter hat ein Flughafen viel zu tun, um den Betrieb am laufen zu halten. Stichwort: De-Icing. Wenn deshalb Flüge ausfallen, können die Gemüter schnell hochkochen. In solchen Krisensituationen müsse mit Fingerspitzengefühl von Fall zu Fall entschieden werden, ob auf jede Frage geantwortet werden könne, sagt die PRlerin.

Neben dem Team des Communication Center bespielen MitarbeiterInnen der Unternehmenskommunikation und RedakteurInnen die Social Media Kanäle der Fraport. In diesem Jahr startet das Unternehmen die Kampagne „#FRAmoments“, um die Community ­– dazu zählt das Unternehmen sowohl Reisende als auch MitarbeiterInnen – dazu zu bringen, emotionale Momente mit Fraport zu teilen, damit der Flughafenbetreiber sie wiederum weiter teilen und für das eigene Image nutzen kann.

Vorträge in´s Netz gestreamt: Kamera.
Vorträge in´s Netz gestreamt: Kamera.

 

Um’s Image ging es auch im zweiten Vortrag des Twittwochs. Bevor Carolin Biebrach begonnen hat, unter dem Titel “Die Luft hängt voller Geschichten“ über Storytelling bei der Lufthansa zu reden, hatte sie die TeilnehmerInnen gefragt, welche Attribute sie mit der Fluggesellschaft verbinden. Nachdem ihr „deutsch“ und „unentschlossen“ an den Kopf geworfen wurden, ergänzte sie selbst „altbacken“ und „kleinkariert“, um festzustellen: „Wir können so, wie wir zurzeit wahrgenommen werden, nicht mehr weiter machen.“

Statt um Transport, Technik und Transaktionen gehe es Lufthansa von nun an um Erlebnisse, Menschen und Beziehungen. Mit Storytelling sollen mit Reise verbundene Empfindungen in den Fokus der Onlinekommunikation gerückt werden. „Wir haben die Geschichten. Auch andere haben die Geschichten. Wir müssen sie erzählen“, sagt die Verantwortliche für Digital Innovations.

 

 

Auf Instagram klappt das besonders gut. Mit einem Anstieg von 28 000 auf 93 000 Abonnenten in acht Monaten habe es dort ein großes Wachstum gegeben. „Wachstum…“, raunt sofort ein Twittwoch-Teilnehmer im Publikum ironisch. Es gehe aber nicht darum, direkten Abverkauf zu generieren, sondern die Lufthansa wieder in’s „Mindset“ rein zu holen. Und zwar bei der “Lost Generation” 18- bis 35-jähriger Reisender, die die Lufthansa „nicht auf dem Schirm haben“, weil: zu altbacken, zu traditionell. Bei denen soll die Message ankommen: Hey, so langweilig, wie du denkst, sind wir gar nicht.

Dafür produziert Lufthansa Content. Und wenn Carolin Biebrach von Content spricht, meint sie oft: Videocontent. Zum Beispiel das Video „Are you Klaus-Heidi?“, das ihre schwedischen KollegInnen haben produzieren lassen. Es ist 2013 Mittelpunkt einer viralen Kampagne gewesen, die junge Menschen aus Schweden dazu aufgerufen hat, ihren Namen in den genderneutralen Namen „Klaus-Heidi“ ändern zu lassen, um ein Jahr lang von der Lufthansa ein Berliner Hipsterleben in Saus und Braus inklusive minimalistisch eingerichteter Wohnung und Rennrad finanziert zu bekommen. Der Clip hat für lautes Gelächter im Publikum gesorgt und damit bestätigt, was die Vortragende kurz zuvor behauptet hat: „Eigentlich sind wir ganz witzig.“

 

 

Die TeilnehmerInnen unterhalten hat auch der dritte und letzte Vortragende des 12. Twittwoch Rhein-Main: Andreas Schepers, Communication Officer der European Space Agency (ESA) in Darmstadt, dem „europäischen Houston“. Seine Kurzbeschreibung der europäischen Behörde, für die er arbeitet, – „wir bauen Raketen“ – steht für den simplen, witzigen Ton, in dem er rund 50 Minuten über die Onlinekommunikation der ESA gesprochen hat. Und da gab es einiges zu berichten.

 

 

2014 hätte die ESA nämlich fast das Internet kaputt gemacht. Ist es doch das Jahr gewesen, in dem die Behörde ihre Kometenmission Rosetta online live kommunizierte. Und in dem das „Space-Selfie“ des deutschen Astronauten Alexander Gerst um die Welt ging.  Schepers betont, „Astro Alex“, der auf Twitter mehr als 200 000 Follower hat, sei in erster Linie Wissenschaftler. Seine Disziplin: komplexe, schwer zu erklärende Grundlagenforschung. Trotzdem muss laut dem Communication Officer die ESA als Organisation, die Steuermittel aufwendet, den Menschen erklären, was sie macht. „Und dabei“, sagt er, „sind natürlich die sozialen Medien ein super Geschenk.“

Fotos sind im Social Web das Hauptkommunikationsmittel der ESA. Ob in hoher Auflösung bei Facebook hochgeladene Nachtbilder mit Blick auf die Erde, oder Spacies auf Twitter. Das Problem ist nur, dass es mit dem Internetzugang auf einer Raumstation so eine Sache ist. Die Station befindet sich oftmals außerhalb der Sichtweite der Telekommunikationssatelliten. „Astro Alex“ hat laut Andreas Schepers zwar einen eigenen Laptop mit an Bord. Doch das Interface von Twitter oder Facebook baue sich im Browser nicht auf. Das Netz ist in einer Raumstation nämlich, wie es der Vortragende ausdrückt, „ganz, ganz, ganz, ganz langsam.“ Die Frage, ob Alexander Gerst nun selbst getwittert habe, beantwortet der PRler mit: „Ja – per Mail.“ Der Selfies knipsende Raumfahrer habe sich sein Mailprogramm extra so eingestellt, dass nach 140 Zeichen ein Umbruch kommt.

Die Verhashtaggung oder Übersetzung der Tweets habe man oftmals in Darmstadt vorgenommen. Interessanter als Twitter ist für die ESA während Alexander Gersts Mission jedoch Facebook gewesen. Denn: „Wir haben Leute erreicht, wo wir sonst niemals unsere Message hingebracht haben.“ Auch im Zuge der Kometenmission Rosetta ist die ESA neue Wege in der Onlinekommunikation gegangen. Einen eigenen Kurzfilm mit dem Darsteller von Game of Thrones´ Littlefinger, Aidan Gillen, hat die Behörde produzieren lassen und bei einem Sci-Fi-Filmfestival in London gezeigt. Das habe sich, gemeinsam mit einer neuen, offeneren Kommunikationsstrategie, ausgezahlt: „In Großbritannien hat das eine neue Euphorie für die Raumfahrt ausgelöst“, sagt Andreas Schepers. Was wiederum dazu geführt habe, dass einige Mitgliedsstaaten zur Finanzierung der europäischen Behörde ESA tiefer in den Geldbeutel gegriffen haben.

 

 

Wie wichtig das richtige Timing für den Erfolg eines Postings sein kann, hatte schon Carolin Biebrach am Beispiel eines Fotos der deutschen Elf verdeutlicht. Die ESA zeigt, wie fatal sich ein falscher Zeitpunkt auswirken kann: Ausgerechnet für den Tag, an dem Rosetta auf einem Kometen landen wollte, hatte sich Kim Kardashian vorgenommen, mit ihrem entblößten, gephotoshopten Hinterteil das Internet „kaputt zu machen“. Hat nicht geklappt. Stattdessen hat das Internet die Sonde der ESA per Fotocollage auf dem Po der Promi-Dame platziert. Da kann Andreas Schepers nur sagen: „Sorry, Kim.“

Vernetzt: Twittwoch-TeilnehmerInnen diskutieren die Landung der ESA-Sonde auf Kim Kardashians Hinterteil.
Vernetzt: Twittwoch-TeilnehmerInnen.

 

Noch ein wenig Bretzeln, Cola und Vernetzung nach dem dritten Vortrag und der kurzweilige Twittwoch am Frankfurter Flughafen ist schon wieder vorbei gewesen. Das nächste Mal wird er am 15. April um 18 Uhr wieder in Frankfurt stattfinden. An welchem Ort sich getroffen wird, steht laut Veranstalter Sascha Hüsing allerdings noch nicht fest.

Von Julia Anna Moor und Tom Weimar

Fotos: Tom Weimar

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Zuhören und abräumen – das Agenturenranking von „BrandEins“ und der Deutsche PR-Preis

Das Wirtschaftsmagazin „Brand Eins“ widmet sich in einem Sonderheft dem Thema Agenturen. Was können die besser machen, um aus der Masse herauszustechen? Und welche Rolle spielen die Auftraggeber?

Eine der Königsdisziplinen zwischenmenschlicher Kommunikation lautet bekanntlich: Zuhören! Was simpel klingt, wird gerade in der zugehörigen Branche aber längst nicht immer beherzigt. Grund genug für das Wirtschaftsmagazin „Brand eins“, dem Thema ein ganzes Heft zu widmen – mit dem Schwerpunkt Agenturen, für die sich – ebenso wie die Aufträge verteilenden Unternehmen – das Zuhören lohnen kann. Wie das funktioniert und warum Big Data für Unternehmen nicht unbedingt der richtige Weg ist, mehr über seine Kunden zu erfahren, darüber bietet das Themenheft sehr lesenswerte Antworten. Das Herzstück der Ausgabe bildet aber ein Agenturenranking: Zusammen mit Statista hat die Redaktion ein Auswahlverfahren erstellt, das abbilden soll, was wirklich zählt: Die Empfehlung von Branchenkennern (und Konkurrenten!) und die Zufriedenheit der Kunden, zum Beispiel. 5000 Führungskräfte in Agenturen wurden zur Online-Umfrage eingeladen, bei der auch Empfehlungen für Kollegen ausgesprochen werden sollten. Rund 1200 haben sich zurückgemeldet, anschließend konnten dann noch ausgewählte Kunden ihre Stimme abgeben.

 

Aussagekraft für die Branche

Herausgekommen ist ein Ranking, in dem insgesamt 53 Agenturen in sechs Kategorien aufgelistet wurden – zwar nicht nach im wissenschaftlichen Sinne objektiven Kriterien, aber eben doch mit einiger Aussagekraft für die Branche selbst: Denn mit den Erstplatzierten fischerAppelt sowie den Zweitplatzierten achtung! wurden hier gleich zwei Favoriten genannt, die auch beim „Internationalen Deutschen PR-Preis 2014“ der Deutschen Public Relations Gesellschaft (DPRG) und des F.A.Z.-Instituts abräumten, der am 23. Januar in Frankfurt verliehen wurde. Die Entscheidung über die Preisträger lag bei einer 39-köpfigen Jury unter Leitung von Prof. Dr. Ansgar Zerfaß, der an der Uni Leipzig lehrt und der vielen PR-Studierenden auch als Autor einschlägiger Fachbücher bekannt sein dürfte.

 

DPRG2014
Verleihung des Internationalen Deutschen PR-Preis 2014 in Frankfurt, Quelle: Deutsche Public Relations Gesellschaft e.V.

Ausgezeichnet wurde hier unter anderem die „Chris Morrin Show“ des gleichnamigen Van-Enthusiasten mit Geek-Brille und Trucker-Cap, die fischerAppelt für Mercedes-Benz konzipierte. Ohne Übertreibung darf man auch die im Ranking Zweitplatzierten von achtung! als Abräumer bezeichnen: Die Agentur war acht Mal nominiert und konnte ganze vier Mal einen Preis mit nach Hause nehmen, unter anderem für den bereits zuvor mehrfach ausgezeichneten „Streitatlas“, der für die Rechtschutzversicherung Advocard konzipiert wurde. Nur zwei Beispiele dafür, wie spannend Online-Kommunikation heute umgesetzt werden kann – auch für Traditionsunternehmen oder eben für Branchen, die gemeinhin nicht als Inbegriff der Kreativität gelten.

Alle Preisträger der DPRG-Verleihung 2014 gibt`s hier zu sehen.

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„The Walking Dead“ so lebendig wie noch nie

Ob als Werbekiosk an Bahnhöfen und Cafés oder als Großleinwand mitten in der Stadt: Wenn es um PR- oder Werbekampagnen geht, nutzen Kommunikationsagenturen immer häufiger die innovativen Möglichkeiten der digitalen Außenwerbung. Dank fortgeschrittener „Digital out of home“-Techniken verpasste die neue Werbung der fünften Staffel der Zombieserie „The Walking Dead“ einigen Fußgängern den Schock ihres Lebens.

Diese warteten nichts böses ahnend an einer Tramhaltestelle in Wien auf ihre nächste Sraßenbahn.Was dann jedoch passierte, wird ihnen wohl noch lange in Erinnerung bleiben.

Zwei Tage lang lief die von der Wiener Kreativagentur Move 121 konzipierte Kampagne auf dem Screen an der Haltestelle. Um das Video so realistisch wie möglich zu gestalten, lieferte eine mit dem Bildschirm verbundene Livekamera die passenden Bilder der Umgebung. Ein Kamerateam filmte bereits vorher die schaurigen Zombies in einer Greenbox. Beide Videos miteinander verknüpft, erweckten die Toten in Wien zum Leben.

Augmented Reality: die erweiterte Realität
Warum aber funktioniert die Kampagne so gut? Durch die Kombination von Original- und gestellten Filmaufnahmen, fällt es dem Zuschauer schwer zwischen virtueller und wahrhaftiger Realität zu unterscheiden. In der erweiterten Realität, im Fachjargon „Augmented Reality“ genannt, wird er nicht wie bei einem PC-Spiel oder einem Film in eine andere Welt voller Zombies entführt. Die Zombies kommen in seine Welt – am richtigen Ort zur richtigen Zeit.

Auch die schwedische Agentur Garbergs hat sich von den neuen Formen der digitalen Außenwerbungen inspirieren lassen. In Anlehnung an die Produktkampagne zu einem Haarpflegemittel von Apotek Hjärtat setzt auch diese Agentur auf den ausschlaggebenden Schockmoment.

Eins zeigen beide Kampagnen klar und deutlich, egal ob wir uns zutiefst erschrecken oder erschüttert sind über das was wir sehen: Wenn solche Emotionen bei einer digitalen Außenwerbung hervorgerufen werden, dann haben die kreativen Köpfe dahinter mit Sicherheit alles richtig gemacht.

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Das Weihnachtsmärchen von Montblanc

Pünktlich zur Vorweihnachtszeit startet Montblanc ihre diesjährige Weihnachtskampagne. Montblanc ist bekannt für hochwertige Schreibgeräte, Schmuck, sowie Lederwaren an.

Die französische Bestseller-Autorin Tatiana Rosnay verfasste speziell für Montblanc eine wundervolle Geschichte, die vor allem von der Magie der Weihnachtszeit, aber auch von Einsamkeit und einem ganz besonderen Brief handelt.

Élise fährt Jahr für Jahr bis ins siebte Arrondissement, um sich die Schaufenster anzuschauen. Menschen voll bepackt mit Weihnachtsgeschenken laufen durch die Straße und erinnern Élise an das, was sie nicht hat. An Ihr kleines, kaltes Zuhause, in dem Sie sich nicht wohl fühlt, an ihre offenen Rechnungen, ihren Ex-Freund, der mit ihrer besten Freundin durchgebrannt ist und daran, dass sie Weihnachten alleine verbringen wird. Doch als Sie die Rue de Rennes überqueren wollte, fand Sie eine lederne Brieftasche…

Die Agentur Scholz & Friends aus Berlin hatte die Idee zur Kreation und Umsetzung des Wintermärchens.

„A Parisian Winter Tale“ wurde bis ins Detail vom Wiener Produktionsstudio Salon Alpin gefertigt. Die Miniatur-Winterwelt wurde in vielen Stunden, mit Liebe bis ins kleinste Detail erschaffen, entsprechend dem Kampagnenmotto „Made by hand. Given from the heart”. „Weihnachten ist für uns eine der wichtigsten Zeiten im Jahr. Die Kampagne von Scholz & Friends zeigt, wofür Montblanc steht: Handarbeit, Liebe zum Detail, vereint mit höchster Gestaltungsqualität, und Herzblut für unsere Produkte“, erklärt Lüder Fromm.

fi_ka-2_m

Seit dem 25.11. ist der erste Teil des dreiteiligen Films online, der auch nur im Internet zu sehen ist. Wochenweise folgt Teil zwei und drei. In über 30 Ländern soll das Wintermärchen gezeigt werden und Vorfreude auf Weihnachten machen. Zu sehen sind sie auf dem Youtube-Channel von Montblanc, sowie auf wintertale.montblanc.com.

Weiter verbreitet wird „A Parisian Winter Tale“ auch über Social-Media-Kanäle wie Twitter und Facebook, PR sowie in der Montblanc-Weihnachtsbroschüre.

Ein Stück des Weihnachtszaubers aus „A Parisian Winter Tale“ können Sie sich nach Hause holen und Ihren eigenen Papier-Weihnachtsbaum basteln.

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PR in der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung

Dass Public Relations nicht nur für Unternehmen eine wichtige Rolle spielen, hat auch das diesjährige Praxisprojekt mit der Deutschen Humanitären Stiftung gezeigt. Doch was zeichnet eigentlich die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit im Kulturbereich aus? Vier kurze Fragen an Silke Tomé, Mitarbeiterin im Kommunikationsteam der Senckenberg Gesellschaft – die unter anderem eines der größten Naturkundemuseen Deutschlands in Frankfurt am Main unterhält.

Silke Tomé Foto: Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung
Silke Tomé
Foto: Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung

Frau Tomé, aus Ihrer Sicht: Was sind die besonderen Herausforderungen der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit in einer Einrichtung wie der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung?

Erst einmal gibt es nur eine begrenzte Anzahl an Mitarbeitern, die die gesamte Kommunikation koordinieren, während der Umfang an Aufgaben immer mehr zunimmt. Als naturwissenschaftliche Gesellschaft sind wir vor eine weitere Herausforderung gestellt: Mitarbeiter, deren zentrale Aufgabe eigentlich Wissenschaft und Forschung sind, müssen dafür sensibilisiert werden, dass es auch wichtig ist, ihre Ergebnisse für die Öffentlichkeits- und Pressearbeit aufzubereiten.
Was viele vielleicht nicht sofort wissen: Das gleichnamige Museum ist nur ein Teil der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung, die unter anderem ein Forschernetzwerk mit mehreren Standorten in ganz Deutschland unterhält – und die sich zum Ziel gesetzt hat, wissenschaftliche Erkenntnisse einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Welche unterschiedlichen Stakeholder muss man als Kommunikationsstab hier eigentlich im Auge behalten?

Grundsätzlich gehören alle Einrichtungen und Museen zur Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung. Sie ist deshalb der Ausgangspunkt unserer Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Neben den Mitarbeitern und Mitgliedern der Gesellschaft zählen unter anderem die Zuwendungsgeber, Sponsoren, Spender, außerdem die Presse und natürlich die allgemeine Öffentlichkeit zu den wichtigen Zielgruppen. Für die Museen im Speziellen sprechen wir Menschen aller Altersgruppen an – also Familien mit Kindern, Großeltern mit ihren Enkeln, Jugendliche, Erwachsene und Schulen. Darüber hinaus wird die Arbeit der Senckenberg Gesellschaft natürlich auch in der Wissenschaft wahrgenommen, wo unter anderem Kontakte zu anderen Forschern und auch Politikern entstehen.

Und wie funktioniert die Ansprache der unterschiedlichen Zielgruppen? Welche Aufgaben betreut das Kommunikationsteam konkret?

Unser Team betreut unterschiedlichste Maßnahmen vom Mitarbeiternewsletter, der ausschließlich elektronisch versendet wird, bis hin zu klassischer Pressearbeit mit Pressemitteilungen, Pressekonferenzen und so weiter. Außerdem erstellen wir den elektronischen Newsletter, bearbeiten Flyer und Poster, kümmern uns um die Media-Kontakte wie Anzeigenwerbung und Out-of-Home Media und betreuen die unterschiedlichen Social Media-Kanäle. Inzwischen ist die Senckenberg Gesellschaft auf Facebook, Twitter, Instagram, Youtube sowie mit eigenen Blogs im Netz vertreten. Zusätzlich organisieren wir Veranstaltungen wie Vortragsreihen, Ausstellungseröffnungen, Preisverleihungen oder Mitgliederversammlungen.

Im Team wird nicht nur die externe Presse- und Öffentlichkeitsarbeit koordiniert, es gibt auch eigene Maßnahmen für die interne Kommunikation.

Zur internen Kommunikation gehören bei uns vor allem regelmäßige Newsletter für alle Mitarbeiter sowie Mailings, die je nach aktuellem Anlass erstellt werden.

 

Vielen Dank für das Interview!

 

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