Die Bewertungsgesellschaft

Bewertungsgesellschaft
(Erstellt mit snappa.io)

Ob Filme, Hotels, Ex-Kollegen oder Posts in Sozialen Netzwerken: Bewertungen gehören mittlerweile zum Leben dazu. Doch woran liegt das? Warum vertrauen wir so auf sie? Und wie können Unternehmen davon profitieren?

Gehirn aus, Bewertungen an

Jeder kann mit seiner Kritik Einfluss auf die Entscheidungen anderer nehmen und eine gewisse Art von Macht ausüben. Bestenfalls profitiert die Allgemeinheit von der Kritik und kann vor sogenannten Fehlkäufen bewahrt werden. Wer fühlt sich nicht gerne als Experte und gibt seine eigene Meinung einer großen Masse preis? In einer Welt des „Funktionierens” ist es doch toll, dass einem Entscheidungen abgenommen werden. Wie soll man sich denn zwischen zwei verschiedenen Jobs entscheiden, wenn man beim Italiener nicht mal zwischen Spaghetti Bolognese und Lasagne wählen kann? Das Problem sind die Wahlmöglichkeiten: Es gibt einfach zu viele. Wir sind froh, wenn wir auf Online-Bewertungsportalen nachlesen können, wie gut oder schlecht das Essen schmeckt.

Besonders beliebt dabei sind Sterne. Der Soziologe Grant Blank von der Universität Oxford sieht Sterne als sehr wertvoll an, da sie „eine Hierarchie schaffen und damit extrem komplexe Entscheidungen vereinfachen: nicht nur, in welches Restaurant man geht, sondern auch auf welches College. Ohne Sterne-Bewertungen wäre es viel schwieriger, überhaupt eine Entscheidung zu treffen.” Man vertraut der Intelligenz des Schwarms. Es wird schon passen, wenn es viele gute Bewertungen gibt.

PR und Vertrauen, hmm joa schwierig

Es zeigt sich, dass Vertrauen eine der zentralen Herausforderungen im Web ist, in dem doch sonst jeder publizieren und jedes Unternehmen seine Versprechen machen kann. Doch auch der Professor für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft Michael Kunczik weiß: „Image- und Vertrauensprobleme begleiten die PR so lange, wie es sie gibt.” Ein möglicher Lösungsansatz: Word-of-Mouth Marketing. Es basiert auf der Weitergabe einer persönlichen Empfehlung. Einer zwanzigjährigen Studentin glaubt man eher, dass ein Laptop gut ist, als einem millionenschweren Unternehmen. Im Umkehrschluss bedeutet das, dass Unternehmen darauf aus sind, ihre Produkte und Dienstleistungen von uns bewerten zu lassen. Verstärkt das indirekt gesellschaftliches Bewerten?

Den Ex-Kollegen online bewerten? Logo!

Aktuell wird in Sozialen Netzwerken viel über eine App namens Peeple diskutiert. Sie ermöglicht es, Menschen online mit Sternen zu bewerten. Sicher, Plattformen wie diese gibt es bereits an vielen Stellen, allerdings war und ist keine bisher so plakativ wie Peeple. In der App können positive und negative Bewertungen über Personen im eigenen Bekannten- und Kollegenkreis abgegeben werden – und die ganze Welt kann es sehen. Man muss nicht einmal angemeldet sein, um bewertet zu werden. Ein Punkt für „ziemlich blöd” und fünf Punkte für „super Typ” – eine gut gemeinte Methode, um die eigene Online-Reputation aufzubessern? Wohl kaum. Im Gegenteil. Wo soll denn hier die Grenze zwischen Mobbing und objektiver Bewertung gezogen werden?

Interessant ist, dass die App zwar angekündigt, aber immer noch nicht gelauncht wurde. Möglicherweise sind die zwei Gründerinnen aufgrund des ernormen Drucks im Social Web verunsichert: Jennifer Lepies, Online-Redakteurin bei „Technology Review”, bezeichnet die App sogar als „sozialen Albtraum”. Der Shitstorm führte bisher so weit, dass die Peeple-Website, sowie sämtliche Social Media Accounts vorerst auf Eis gelegt wurden. Inzwischen sollen sogar einige Änderungen innerhalb der App vorgesehen sein. Wir sind gespannt.

Bis zu 30 Prozent aller Online-Rezensionen sind fake

Online-Bewertungen sind ein lukratives Geschäft – das haben Agenturen für „Textservice” und „Shop-Texte” längst verstanden. Man muss sich vorstellen: Mitarbeiter einer solchen Agentur sitzen den ganzen Tag da und schreiben im Auftrag eines Unternehmens die blumigsten Online-Rezensionen – auch wenn das jeder PR-Ethik und auch dem Wettbewerbsrecht widerspricht. Bei diesen Bewertungs-Marathons werden sich sicherlich einige Wörter und Ausdrücke wiederholen. Und genau hier kann angesetzt werden, um die Authentizität eines Kommentars zu überprüfen. Informatiker der Cornell University in New York arbeiten an einer Software, die gefälschte Bewertungen auf Basis von bestimmten wiederkehrenden Mustern entlarven soll. Auch wenn Kommentare besonders euphorisch formuliert sind, kann das ein Indiz für Betrug sein. Da wären wir übrigens wieder beim Thema PR und Vertrauen.

Am Ende bleibt deshalb nur eins (Surprise, Surprise): Restaurant aussuchen, hingehen, ausprobieren, fertig!

tl;dr

Täglich bewerten wir Dinge und Personen, online und offline. Ein Sensibilisierungsversuch.

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„Ich bin dann mal live.“ – Periscope als PR Tool

Das soziale Netzwerk Twitter ist in den letzten paar Jahren zu einem unverzichtbaren Instrument für PR und Marketing geworden. Gerade als Tool für B2C Kommunikation ist Twitter hervorragend geeignet. In diesem Jahr hat das Unternehmen nun die neue App PERICSOPE auf den Markt gebracht, die denselben Weg wie „der große Bruder“ einschlagen könnte.

Was ist PERISCOPE und wie funktioniert es?

Periscope ist ein neuer Live-Streaming Dienst für Smartphones, der von Twitter ins Leben gerufen wurde. Die Nutzer haben die Möglichkeit sich Live-Streams von Twitter-Nutzern anzuschauen, denen Sie folgen, oder Sie können selbst ein Live-Video starten. Während des Streams können die Zuschauer Kommentare schreiben und wenn ihnen der Stream gefällt, mit einem Tippen auf die untere rechte Ecke, ein Herzchen vergeben. Ob die Videos auch als Wiederholung angeschaut werden können, kann man nach Ende des Livestreams selbst bestimmen.

Durch die Kommentar-Funktion können die Zuschauer in direkten Kontakt mit dem Streamer treten.
Durch die Kommentar-Funktion können die Zuschauer in direkten Kontakt mit dem Streamer treten.

Wie Unternehmen PERISCOPE nutzen können

Gerade bei Events bietet es sich an Periscope als Liveübertragungs-Tool zu nutzen. So kann man seinen Followern einen Eindruck von der Veranstaltung bieten, direkt auf Fragen und Feedback eingehen und einfach in den Dialog mit Kunden und Interessierten treten. Gerne werden bekannte Gesichter engagiert, um das Unternehmen auf Periscope zu vertreten. Auf der diesjährigen Automobilmesse in Frankfurt hat zum Beispiel der beliebte ProSieben-Moderator Joko Winterscheidt für den Automobilkonzern VW auf der App gestreamt. Joko ist über den Stand von VW gelaufen, hat die neusten Autos präsentiert und Fragen der Zuschauer an die Betreuer von Volkswagen weitergeleitet und direkt live beantwortet.

Aktive Periscope Nutzer

Zur Zeit wird Periscope vorallem in den Vereinigten Staaten genutzt, doch auch in Deutschland gibt es schon ein paar Unternehmen und Prominente, die den Dienst gekonnt einsetzen. Joko Winterscheidt, bekannt aus der ProSieben Show Circus Halligalli wurde hier schon erwähnt, aber auch sein ZDF-Kollege Jan Böhmermann, Moderator des Formats „Neo Magazin Royale“, hat eine Möglichkeit gefunden, den Streaming-Dienst einzusetzen. Jeden Mittwoch überträgt er einen Teil der Probe zu seiner Show über Periscope und  manchmal gibt es auch einen Stream während der Redaktionssitzungen.

 

Fazit

Periscope befindet sich, vorallem in Deutschland, gerade noch in den Startlöchern, doch das Potential ist immens. In den USA befassen sich schon viele große Konzerne mit dem neuen Tool und auch in Deutschland gibt es immer mehr Nutzer. Ich bin gespannt, welchen Stellenwert Periscope in Zukunft einnehmen wird und wann es, neben Facebook und Twitter, zum neuen „Must-Use“ in der PR Branche wird.

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Abgas-Skandal bei VW – Wie wird kommuniziert?

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© Bernd Kasper / pixelio.de

Der deutsche Automobilkonzern Volkswagen hat es zurzeit nicht einfach. Der Skandal um die Abgasmanipulation stellt das Unternehmen und natürlich auch die interne PR-Abteilung vor eine komplizierte Aufgabe. Wie kommuniziert man so einen Skandal in den  Medien? Wie mit den eigenen Mitarbeitern? Und vor allem: Welche Maßnahmen werden vorgenommen um zu verhindern, dass das Unternehmen seinen guten Ruf verliert?

Als die ersten Artikel über die Manipulation von Diesel Fahrzeugen der Marke Volkswagen veröffentlicht wurden, hat sich zuerst der amerikanische CEO von VW, Michael Horn, vor die Kamera gestellt, um sich zu den Vorwürfen zu äußern. Ein paar Tage darauf wurde auch ein Video-Statement vom damaligen Vorstandsvorsitzenden des Konzerns, Martin Winterkorn, veröffentlicht. Er entschuldigt sich für die Manipulation und verspricht diesen Umstand so transparent wie möglich zu beleuchten, indem eine externe Untersuchung in Auftrag gegeben wird. Außerdem richtet er auch ein paar beruhigende Worte an seine über 600.000 Mitarbeiter. Ein wichtiger Schritt seitens Winterkorn, denn vor allem die Mitarbeiter des Unternehmens sind durch den Skandal betroffen. Er nimmt also die Verantwortung auf sich und gibt damit seinen Posten als Vorstandsvorsitz auf.

Auf den großen sozialen Netzwerken finden sich hauptsächlich Links zu Pressemitteilungen auf der offiziellen Volkswagen Homepage und mehrere Video-Statements. Auf der deutschen Facebook Seite des Unternehmens wird eine weitere Stellungnahme gepostet:

 

Facebook Statement VW

 

In den USA, wo der Skandal bekannt geworden ist, wurde eine eigene Service-Homepageaufgesetzt, auf welcher besorgte Kunden auf dem neusten Stand gehalten werden.

 

 

Nach einigen Tagen wird Winterkorns Nachfolger bekannt gegeben. Thomas Müller, der zuvor bei der Partner-Marke Porsche im Vorstand saß, nimmt sich der schwierigen Aufgabe an und wird der neue Vorstandsvorsitzende von VW. In einem weiteren Video-Statement äußern sich er und weitere wichtige Vorstandsmitglieder des Unternehmens zum aktuellen Stand und zur Kündigung Winterkorns. Es wird um Vertrauen gebeten und eine Lösung für betroffene Kunden noch für den Oktober diesen Jahres angekündigt:

 

 

Die Kollegen in der PR Abteilung von VW haben es zur Zeit sicher nicht einfach, doch bisher wird schon vieles richtig gemacht. Das Schuldeingeständnis, die Videostatements, die externe Untersuchung und die beruhigenden Worte an die Mitarbeiter des Unternehmens sind Schritte in die richtige Richtung. Wenn man einen ähnlichen Kurs beibehält, sollte der Konzern die Krise überstehen können. Doch in Zukunft ist allergrößte Vorsicht, vor allem im Bereich der PR, geboten. Was Umweltschutz und Nachhaltigkeit angeht, hat das Unternehmen einiges an Glaubwürdigkeit verloren und das sollte man in der künftigen Kommunikation versuchen wieder aufzuarbeiten, um das Kundenvertrauen zurück zu gewinnen.

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PR um jeden Preis?

Quelle: Flickr, "Audi AG"
Quelle: Flickr, „Audi AG“

In der PR heißt es immer wieder: Aufmerksamkeit kann man nicht kaufen, sondern man muss sie sich verdienen. Ist das wirklich so? Und wie groß wäre der Aufwand sich diese zu verdienen? Klar ist, sie steht nicht neben Spaghettis oder Süßigkeiten im Supermarktregal und kostet 3,99€.

Um Aufmerksamkeit zu generieren, benötigt es zunächst immer eine Idee, die einen möglichst intsensiven Reiz auslöst. Ein relevantes Ereignis oder eine bedeutende Nachricht als Aufhänger zu nehmen ist leicht. Natürlich schlägt beispielsweise die Meldung von Sepp Blatters Rücktritt bei der FIFA in der Medienwelt ein wie eine Bombe. Aber es geht auch ohne Breaking News: Kreative Ideen wie die ALS Ice Bucket Challe

nge oder der Harlem Shake zeigen, wie schnell sich in sozialen Medien Erfolg erzielen lässt. Aber was hat eine Eiswasser-Dusche mit einem Zappel-Tanz zu tun? Und was haben eine unheilbare Nervenkrankheit und ein Trap-Lied von Baauer gemeinsam? Ganz einfach: Sie animieren die Zuschauer zum Mitmachen. Im Fall der ALS Ice Bucket Challenge wurden so sogar Millionen von Menschen zum Träger einer Nachricht, die auf die Nervenkrankheit aufmerksam machen sollte. Aber ganz so einfach ist es selbstredend nicht. Um den Nerv der Zeit zu treffen, gehört neben einer guten Idee auch immer ein bisschen Glück.

Wie schwer sich Unternehmen, Politiker oder Sportvereine bei ihren Bemühungen um Aufmerksamkeit tun, ist regelmäßig zu beobachten. Da wirbt der Waschmittelhersteller Ariel mal eben mit aufgedruckten Fußballtrikots mit der Rückennummer 88 auf dem Verpackungskarton. Blöd, dass das in der Neonazi-Szene ein anerkannter Code für „Heil Hitler“ ist. Oder wer erinnert sich nicht an Peer Steinbrücks Stinkefinger auf dem Titelbild der Süddeutschen Zeitung? Mitten im Wahlkampf-Finale führte die Aktion zu viel Aufmerksamkeit für den damaligen Spitzenkandidaten der SPD. Profitiert hat jedoch nur die SZ. Im Netz war Steinbrück fortan nur noch der Pannen-Peer oder Peerlusconi – sein Image geriet dadurch weiter auf den Abstieg. Apropos Abstieg: Auch der SC Paderborn versuchte sich im Finale der vergangenen Bundesligasaison an einer ungewöhnlichen PR-Kampagne. Ein selbstinszenierter Einbruch in die eigene Benteler Arena hievte die sonst so graue Maus auf die Startseiten der deutschen Medienlandschaft. Als die Ostwestfalen ihren eigenen Coup enttarnten, gab es von Seite der Presse wenig Verständnis. Es hagelte Kritik, Häme und schonungslose Kommentare aus Publikationen der gesamten Republik.

Aufmerksamkeit zu erzeugen ist wahrscheinlich die Mutter aller PR-Aufgaben, allerdings sollte sie dann natürlich hilfreiche Resonanz mit sich bringen. Das ist bei den gewählten Beispielen offensichtlich nicht gelungen. PR um jeden Preis kann nicht die Lösung sein. Es sei denn, der SC Paderborn möchte in Zukunft das IT-Girl des Profi-Fußballs werden. Daniela Katzenberger oder Michaela Schäfer würden sich über eine Zusammenarbeit sicher freuen.

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Kann man schon so machen…

Quelle: truefruits.com
Quelle: truefruits.com

Pürierte Früchte aka Smoothies sind voll im Trend. Die Supermarktregale in den Obst- und Gemüseabteilungen sind voll mit den bunten Fläschchen. Dort fallen besonders die Smoothies der Marke True Fruits mit feschem Design und kecken Sprüchen auf den Flaschen auf. Im März diesen Jahres erschien die limitierte „Black Edition“. Mit diesem lieferte True Fruits seinen Kunden nicht nur ein außergewöhnliches Design, sondern auch wieder einmal einen amüsant provokanten Flaschentext:

„Hast du schon mal einer hässlichen Freundin, die aber total lieb ist ein Date besorgt? So fühlen wir uns gerade mit dem white, unserem wohl leckersten Smoothie, der aufgrund seiner blassen und unfruchtigen Optik leider viel zu selten in den Genuss eines knisternden Rendezvous mit Dir kommt. Was blieb uns also anderes übrig, als das Licht auszuknipsen, damit Du dich einzig und alleine auf seine inneren Werte konzentrieren kann. #schluckimdunkeln„

Dieser stieß allerdings einigen KundInnen sauer auf und es entwickelte sich rasch ein kleiner Shitstorm auf der Facebook Fanseite. Sexismus und Lookismus (die Diskriminierung einer Person aufgrund ihres Aussehens) lauteten die Vorwürfe. Nun gut, Shitstorms entwickeln sich ja mittlerweile ständig und überall. Schließlich darf jeder seine Meinung sagen, andere befürworten oder eben dagegen sein, man darf sich angegriffen fühlen und seinem Ärger Luft machen. Vorallem auf Social Media Plattformen hat man die Chance, sich direkt an ein Unternehmen zu wenden, gehört und vielleicht auch verstanden zu werden. Aber eben nur vielleicht.

Orientiert man sich an den gängigen Community Management Regeln, sollte ein Unternehmen auf einen Shitstorm verständnisvoll und defensiv reagieren, egal ob man die negative Kritik nachvollziehen kann oder nicht. Man kann es aber auch wie True Fruits machen: verständnislos und offensiv. Der Smoothiehersteller schießt sogar hart zurück, negative Kommentare werden mit Beleidigungen beantwortet und ins Lächerliche gezogen – alles natürlich in gewitzter, ironischer True Fruits Manier. In einem öffentlichem Statement via Facebook machen sie nochmal ganz klar deutlich, wie egal ihnen die Kritik ist und das sie zu Ihrem Flaschentext stehen:

Quelle: wuv.de
Quelle: wuv.de

 

 

 

Quelle: focus.de
Quelle: focus.de

Jeder PR-Mensch würde bei dieser Art von Reaktion die Nase rümpfen. Auch ich war anfangs etwas irritiert von diesem Verhalten seitens True Fruits. Schließlich spricht das gegen alles, was ich bisher bezüglich Community Management gelernt habe. Warum sollte ein Unternehmen so auf Kritik reagieren, noch Öl ins Feuer gießen und damit aus einem „Mini-Shitstorm“ einen deftigen Schlagabtausch inszenieren? Ich schaute mir das Ganze also etwas genauer an und stellte schnell fest, dass es sich um eine absolut gelungene Strategie handelt. Die Smoothiemacher generierten dadurch Aufmerksamkeit und vorallem überwiegend positives Feedback der Fans.

Man muss sich also nicht immer klein machen, sondern seinem Kurs treu bleiben und dazu stehen. Ein gewisses Risiko, Fans zu verlieren, besteht dabei natürlich immer – aber eben genauso die Chance treue Fans noch mehr an sich zu binden und Neue zu generieren. Natürlich kann man das nicht auf jedes Unternehmen und jede Situation beziehen. Im Falle von True Fruits ist das allerdings vollkommen zulässig, da die Fans diesen Humor kennen und lieben. Zudem sprechen sie sich gegen ständiges Rummäkeln und übertriebene Moralvorstellungen in Social Media aus. Dadurch haben sie sich Sympathie im Netz geschaffen. Man kann den Spieß also auch umdrehen, indem man sich eben nicht für seine Marke oder PR-Strategie entschuldigt. Zudem muss man sich auch immer die Frage stellen, ob es sich bei den Kritikern um potenzielle Kunden handelt, oder einfach um Menschen, die sich dazu berufen fühlen, Ungerechtigkeiten zu korrigieren. Vorallem bleibt Humor immer noch Geschmackssache.

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Weniger als ein Goldfisch

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Unser Alltag ist geprägt von Smartphones, Laptops und Online-Medien, die unsere Denk- und Lebensweise immer mehr beschleunigen. Ein Selbstversuch: Setzen Sie sich einmal acht Sekunden lang bewusst und ausschließlich mit der Startseite Ihres Facebook-Accounts auseinander. Vermutlich wird Ihnen diese Zeitspanne schon lange vorkommen und Ihnen werden Dinge auffallen, die Sie vorher nie bemerkt hatten. Vor allem die Verwendung von Suchmaschinen hat enorme Auswirkungen auf unsere Konzentrationsfähigkeit.

 

Vor zwei Wochen saß ich während des Content Strategy Camps in einer Session mit dem Thema Storytelling. Geschichten zu erzählen und Menschen zu emotionalisieren wird vor allem für geglücktes Marketing oder PR immer wichtiger. Der Dozent sprach im Laufe des Vortrags eine aktuelle Studie des National Center for Biotechnology Information an, die mich schockierte. Im Jahr 2000 betrug unsere Aufmerksamkeitsspanne noch zwölf Sekunden. Ein Goldfisch kann sich für neun Sekunden konzentrieren – wir sind inzwischen bei acht angekommen.

Die Studie offenbarte noch weitere Ergebnisse: Ein Büromitarbeiter checkt im Durchschnitt pro Stunde 30 Mal sein E-Mail Postfach. Und auch im emotionalen Bereich zeigt unser „always online“-Lebensstil vor allem bei den jüngeren Generationen erschreckende Auswirkungen: Jeder vierte Teenager vergisst wesentliche Details oder Informationen, die sein näheres Umfeld oder seine Familie betreffen. Wir scheinen verlernt zu haben, unseren eigenen internen Speicher – unser Gehirn – zu benutzen. Schließlich ist alles auf unseren Smartphones oder Tablets abgespeichert. Und wenn man andere Informationen benötigt, kann man ja immer noch danach googlen.

Das digitale Zeitalter wird zum Nervenkiller

Wir überfliegen Nachrichtenseiten und sind auch nach Feierabend noch für Kollegen oder den Chef erreichbar. Wir schauen Fernsehen, während wir die richtige Antwort auf eine „Wer wird Millionär?“-Frage googlen und uns gleichzeitig mit Freunden via Facebook zum Grillen verabreden. Und dann wundern wir uns, dass wir uns gestresst fühlen.

Dieser Stress entsteht, weil man denkt, etwas Wichtiges zu verpassen. Offensichtlich sind die meisten Informationen allerdings nebensächlich und trivial. Und dennoch: Würde ich beispielsweise nicht regelmäßig meinen Facebook-Account checken, würde ich wesentliche und wichtige Absprachen und Ankündigungen bezüglich meines Studiums verpassen. Denn die hauptsächliche Kommunikation mit meinen Kommilitonen verläuft über Facebook (egal ob nachts oder tagsüber, am Wochenende oder Werktag).

Als Konsequenz passt sich uns das Internet an und ist jederzeit, schnell und nahezu überall verfügbar. Auch die Strategien in Sachen Online-Marketing und Anzeigenformate fügen sich dem humanen, wissenshungrigen Eiltempo. Der US-amerikanische Wirtschaftsjournalist Nicholas Carr analysiert in seinem Buch „Wer bin ich, wenn ich online bin… Und was macht mein Gehirn solange?“ genau diese Entwicklung: Wir überfliegen Texte, Posts, Tweets immer automatisierter und setzen uns selten mit Inhalten konzentriert auseinander. Wir möchten immer up to date sein – in der Regel tun wir das über Online-Medien.

In unserer digitalisierten Welt

„(…) gewöhnen wir durch zunehmende Internetnutzung unser Gehirn immer mehr daran, abgelenkt und zerstreut zu werden – sprich: Informationen sehr schnell und sehr effizient zu verarbeiten, aber ohne dauerhafte Aufmerksamkeit“.

Doch was bedeutet das für Unternehmen und Arbeitgeber?

Viele Unternehmen haben bereits auf diesen Trend reagiert. PR-Maßnahmen oder Werbung über das Internet müssen auffallen, fesseln und in wenigen Sekunden die wichtigsten Informationen liefern. Es zählen die Klicks, Follower und Views und oftmals gar nicht, ob der potentielle Kunde vorm Bildschirm dann tatsächlich etwas bei einem Online-Versandhaus bestellt und zum Käufer wird. Bei Youtube ist es die Auto-Play Funktion, die am Ende eines Videos automatisch ein neues startet. Das Datenmonster Google perfektioniert sein Werbesystem, bei dem Versuch, schnellstmöglich unsere Interessen herauszufinden und passende Botschaften und Werbevorschläge dann so auffällig und optimal wie möglich anzuzeigen.

„Jeder Klick, den wir im Internet machen, bedeutet eine Unterbrechung unserer Konzentration (…) – und es ist im wirtschaftlichen Interesse von Google, dass wir so oft wie irgend möglich klicken. Das Letzte, was das Unternehmen will, ist, zu gemütlichem Lesen oder langsamem, konzentrierten Denken anzuregen“, so Carr.

Die oben genannte Studie zeigt außerdem, dass wir sowieso nur rund ein Drittel der Wörter einer Internetseite beachten. Wäre es nicht erfrischend, diesem Informationswahn mit einem Hauch Minimalismus entgegenzusteuern?

 

Zitate entnommen aus: Nicholas Carr: „Wer bin ich, wenn ich online bin… und was macht mein Gehirn solange? Wie das Internet unser Denken verändert“, Karl Blessing Verlag, 2010.

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(Likies für alle) Von Robotern, Klonen…und Keksen

So mancher Teilnehmer des Content Strategy Camps hätte sich am liebsten geklont, um zeitgleich mehreren Sessions beiwohnen zu können. Wiederum andere sprachen über Roboterjournalismus, diesem futuristisch klingendem Begriff, von dem wir derzeit wahrlich nicht so weit entfernt sind, wie vom Klonen. Doch auch ohne medizinische Meilensteine gab das #cosca15 ein tolles Bild ab:

 Von Nadine Deiß und Martin Imruck

Interessante Vorträge mit kompliziert-klingenden Überschriften und im Anschluss angeregtes Diskutieren – das Content Strategy Camp hat den Mediencampus in Dieburg für zwei Tage in ein Schlaraffenland für PR-Praktiker verwandelt. Voller Vorfreude und mit großen Erwartungen wurden die Räumlichkeiten des ehemaligen Postgeländes gestürmt und der Großteil der Gäste schmolz nur so dahin angesichts des Überangebots an fachlicher Kompetenz und gemeinschaftlichem Ideenaustausch. Das gleiche Schicksal wiederfuhr übrigens auch den beliebten Likies-Keksen, die sich in der prallen Sonne am Samstagmittag so langsam in ihre Bestandteile auflösten.
Cosca15

Cosca15 twittert sich in die Charts

Auch das Hashtag des Barcamps war in aller Munde und schob sich bereits am Freitagmorgen in die Twitter-Trends. Dort hielt es sich bis Sonntag hartnäckig in der Spitzengruppe. Content Strategy und Content Marketing in Theorie und Praxis beherrschten diese beiden Tage des Barcamps. Im bunten Angebot aus Beiträgen zu Corporate Blogging, Storytelling, Krisenkommunikation und Praxisbeispielen kam der Spaß auch beim Bullshit-Bingo niemals zu kurz.

Hier einige der ausgefallensten Session-Namen:

  • Facebook vs. YouTube: Zahlen können lügen
  • Content-Finding am Beispiel eines Spühlschwamms
  • Stell dir vor du bist eine Content-Strategie und keiner sucht nach dir
  • Sarkasmus, Satire, Trolle erlegen – Unterhaltung um jeden Preis
  • Samstags Martinee (alias Redaktionskonferenz)

Die interessantesten Tweets vom #cosca15

  • „Die Likies schmelzen !“
  • „Hol mal einer das 100 Liter Kaffee-Fass!“
  • „Die IHK macht dieses Jahr einen Betriebsausflug zum #cosca15!“

Blogecho – das sagen die Besucher

Hier geht’s zu den Bildern des cosca15!

Und wer immer noch nicht genug hat oder leider nicht dabei sein konnte, hier die Zusammenfassung einzelner Sessions!

 

 

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Musicians meet Social Network

Bildquelle: Wikimedia Commons, Author: Radiusfirst
Bildquelle: Wikimedia Commons, Author: Radiusfirst

Wenn Beethoven heute noch leben würde, hätte er auch einen Twitter-Account? Warum nicht? Zu solchen Gedanken hat mich Heike Matthiesen (@gitarra) auf der Musikmesse in Frankfurt geführt. In ihrem Vortrag ging es darum, ob Klassikszene und Social Media zusammen funktionieren können.

Die Kommunikation im Social Web fällt allen Musikern schwer. Die häufigsten Antworten auf die Frage „Was hindert Sie daran, Twitter zu nutzen?“ sind:

-Ich möchte die Leute nicht mit Belanglosigkeiten nerven
– Passt nicht zu meinem Image
-Mein Fokus soll sich nicht auf die Kommunikation, sondern auf die Musik richten
-Ich vertraue der Kritik nicht
-Ich fühle mich unsicher in Bezug auf das Medienrecht.

Bei den klassischen Musikern gibt es da andere Schwierigkeiten. Sie sind Träger einer großen Tradition, von einer Kultur, die unsere Seele und Ohren fasziniert. Sie spielen Musik, die oft schon vor Jahrhunderten gespielt wurde, mit der Hoffnung, dass es zum besten Live-Erlebnis für das Publikum wird. Das birgt schon die erste Gefahr: Die Künstler schaffen einmalige Momente. Sie möchten diese Einmaligkeit als einen besonderen Faktor haben. Das bedeutet, die meisten klassischen Musiker können es nicht leiden, bei der Aufführung gefilmt zu werden. Der Zauber ginge dadurch verloren, dass der Zuschauer schon nicht im Moment ist, sondern sich mit der Reproduktion des Moments beschäftigt.

Ein anderer Aspekt, den Heike Matthiesen erwähnt hat, ist der „Content“. Woraus besteht inhaltlich eine typische Facebook-Seite eines Künstlers? Sie besteht aus seinen Werken. Sie sind das Einzige, was der Künstler zum Anschauen und Anhören ausstellen kann. Und hier findet sich das zweite große Problem: Wie kann man das eigene Werk gleichzeitig an die Öffentlichkeit bringen und schützen? Doch niemand verspricht, dass man nach dem online Anschauen noch Lust hat,das Ganze live zu erleben. Aber gehen wir mal davon aus, dass der Künstler den Social Networks vertraut. Das Video mit dem Konzert ist da, ein Aufruf zum „Liken“ und „Sharen“ auch. Es passiert aber nichts. Die Anzahl der Follower und potentiellen Fans bleibt konstant. In diesem Fall macht die Kommunikation den Weg für eine Selbstvermarktung frei. Um aber langfristige und feste Beziehungen mit dem Publikum aufzubauen, muss man die Musik nicht nur spielen, sondern auch kommunizieren. Das heißt über die Musik reden, eigene Eindrücke untereinander zu teilen und erklären, warum die Musik ein Teil des Lebens ist.

Eine weitere Schwierigkeit für die Künstler: Der Trend von der  Desktopnutzung zur Mobilnutzung.  Durch Handys wird die Informationsmenge, die beim Nutzer ankommt, noch kleiner. Will heißen: Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Video mit einem beeindruckenden Klavierspiel schon nach 2 Minuten  ausgeschaltet wird, ist sehr hoch. Wie die Musiker darauf reagieren sollen, bleibt noch offen.

Also, auch in der Klassik-Branche – „Schweigen ist Silber, Reden ist Gold“. Und hätte Beethoven auch einen Twitter-Account, würde ich dem auf jeden Fall folgen. Und ihr?

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