Eine Community von Zugvögeln

In den letzten Tagen sind immer wieder rote Vögel in meinem Twitter-Feed aufgetaucht. Kommunikationsmenschen halten sie in den Händen – als Stellvertreter für ihre digitalen Zugvögel. Damit sind Vorbilder im Social Web gemeint. Denn Vorbilder brauche jeder, schreibt Klaus Eck. Er hat unter dem Hashtag #Zugvogel eine Blogparade gestartet, in der es darum geht, sichtbar zu machen, wer einen auf Facebook, Twitter und Co inspiriert. Das können Menschen sein, die überaus aktiv sind im Social Web und jeden Tag interessanten Content empfehlen oder selbst beisteuern. Aber auch solche, die nicht einmal einen Twitter Account besitzen – und trotzdem Einfluss haben.

Community von Zugvögeln
Zugvögel

Je öfter mir die Zugvögel auf Twitter begegnet sind, desto mehr musste ich darüber nachdenken, wer eigentlich mein „digitaler Zugvogel“ ist. Es gibt viele Menschen, die ich in meiner digitalen Umgebung nicht missen möchte. Sei es, weil sie meinen Tag mit Lesetipps versüßen, oder, weil sie sich nicht scheuen, als Kommunikationsprofis öffentlich zu politisch heiklen Themen Stellung zu beziehen. Aber wer hat am meisten Vorbild-Charakter? Schwer zu sagen.

Was mir statt einer Person sofort einfällt, ist ein Moment, der mich für Social Media begeistert hat: ein Media Monday am Mediencampus. Dort habe ich zum ersten Mal erlebt, was sich für eine Dynamik entwickeln kann, wenn man in einem Raum sitzt, in dem ein toller Speaker einen interessanten Vortrag hält – und ein Großteil des Publikums live mittwittert. Obwohl die KommilitonInnen aus dem Studiengang Onlinekommunikation gerade erst ins Studium gestartet waren, haben sie unter dem #onkomm-Hashtag getwittert, als gäbe es kein Morgen mehr. Und mich haben sie damit zum Twitter-Fan gemacht. Klar, dass ich auch die folgenden Media Mondays besucht und den #onkomm-Hashtag verfolgt habe.

Digitale Zugvögel
#onkomms und ihre digitalen Zugvögel

Erst, als ich ein Semester später in die PR-Vertiefung meines Studiums startete, gemeinsam mit KommilitonInnen anfing, für dieses Blog über Twittwochs und Webmontage zu schreiben und wir unseren eigenen Hashtag, #ojpr, etablierten, trat die #onkomm-Community in meinem digitalen Alltag in den Hintergrund. Doch das scheint nicht so zu bleiben. Während wir OJPRler gerade aus der Praxisphase unseres Studiengangs zurückkommen, sagen die Onkommler „Guuude“ und übernehmen dieses Blog. Die #onkomm-Vögel werden also erst richtig losgelassen.

Nach langem Überlegen ist mir übrigens doch eine Person eingefallen, die ich tatsächlich als meinen digitalen Zugvogel bezeichnen würde: meinen Studiengangsleiter Lorenz Lorenz-Meyer. Er war es schließlich, der uns Onlinejournalismus-Studis im ersten Semester dazu nötigte, uns bei Twitter anzumelden, Storify auszuprobieren und grundlegende WordPress-Fähigkeiten zu erwerben. Die Basics also.

Noch viel wichtiger aber: Er legte eine hundertprozentig authentische Begeisterung für Veranstaltungen, bei denen live im Social Web kommuniziert wird, an den Tag. Etwa berichtete er uns von Lachern im Publikum, wenn auf der Twitterwall ein witziger Tweet erscheint, der oder die Vortragende aber überhaupt nicht weiß, warum. Oder dem Gefühl, wenn man sich in einem Flickr-Album zum Barcamp entdeckt. Diese Faszination war es dann auch, die mich dazu motiviert hat, mit dem Kommilitonen Andreas Schindlbeck bei der diesjährigen Erstsemesterbegrüßung der h_da erstmals eine Twitterwall auszutesten. Die Wall zum Kochen und uns in die deutschen Twittertrends gebracht hat die nächste #onkomm-Generation, die schon bei der Begrüßung eine Community gebildet hat. Die Zugvögel fliegen weiter.

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„Ich bin dann mal live.“ – Periscope als PR Tool

Das soziale Netzwerk Twitter ist in den letzten paar Jahren zu einem unverzichtbaren Instrument für PR und Marketing geworden. Gerade als Tool für B2C Kommunikation ist Twitter hervorragend geeignet. In diesem Jahr hat das Unternehmen nun die neue App PERICSOPE auf den Markt gebracht, die denselben Weg wie „der große Bruder“ einschlagen könnte.

Was ist PERISCOPE und wie funktioniert es?

Periscope ist ein neuer Live-Streaming Dienst für Smartphones, der von Twitter ins Leben gerufen wurde. Die Nutzer haben die Möglichkeit sich Live-Streams von Twitter-Nutzern anzuschauen, denen Sie folgen, oder Sie können selbst ein Live-Video starten. Während des Streams können die Zuschauer Kommentare schreiben und wenn ihnen der Stream gefällt, mit einem Tippen auf die untere rechte Ecke, ein Herzchen vergeben. Ob die Videos auch als Wiederholung angeschaut werden können, kann man nach Ende des Livestreams selbst bestimmen.

Durch die Kommentar-Funktion können die Zuschauer in direkten Kontakt mit dem Streamer treten.
Durch die Kommentar-Funktion können die Zuschauer in direkten Kontakt mit dem Streamer treten.

Wie Unternehmen PERISCOPE nutzen können

Gerade bei Events bietet es sich an Periscope als Liveübertragungs-Tool zu nutzen. So kann man seinen Followern einen Eindruck von der Veranstaltung bieten, direkt auf Fragen und Feedback eingehen und einfach in den Dialog mit Kunden und Interessierten treten. Gerne werden bekannte Gesichter engagiert, um das Unternehmen auf Periscope zu vertreten. Auf der diesjährigen Automobilmesse in Frankfurt hat zum Beispiel der beliebte ProSieben-Moderator Joko Winterscheidt für den Automobilkonzern VW auf der App gestreamt. Joko ist über den Stand von VW gelaufen, hat die neusten Autos präsentiert und Fragen der Zuschauer an die Betreuer von Volkswagen weitergeleitet und direkt live beantwortet.

Aktive Periscope Nutzer

Zur Zeit wird Periscope vorallem in den Vereinigten Staaten genutzt, doch auch in Deutschland gibt es schon ein paar Unternehmen und Prominente, die den Dienst gekonnt einsetzen. Joko Winterscheidt, bekannt aus der ProSieben Show Circus Halligalli wurde hier schon erwähnt, aber auch sein ZDF-Kollege Jan Böhmermann, Moderator des Formats „Neo Magazin Royale“, hat eine Möglichkeit gefunden, den Streaming-Dienst einzusetzen. Jeden Mittwoch überträgt er einen Teil der Probe zu seiner Show über Periscope und  manchmal gibt es auch einen Stream während der Redaktionssitzungen.

 

Fazit

Periscope befindet sich, vorallem in Deutschland, gerade noch in den Startlöchern, doch das Potential ist immens. In den USA befassen sich schon viele große Konzerne mit dem neuen Tool und auch in Deutschland gibt es immer mehr Nutzer. Ich bin gespannt, welchen Stellenwert Periscope in Zukunft einnehmen wird und wann es, neben Facebook und Twitter, zum neuen „Must-Use“ in der PR Branche wird.

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Abgas-Skandal bei VW – Wie wird kommuniziert?

www.pixelio.de
© Bernd Kasper / pixelio.de

Der deutsche Automobilkonzern Volkswagen hat es zurzeit nicht einfach. Der Skandal um die Abgasmanipulation stellt das Unternehmen und natürlich auch die interne PR-Abteilung vor eine komplizierte Aufgabe. Wie kommuniziert man so einen Skandal in den  Medien? Wie mit den eigenen Mitarbeitern? Und vor allem: Welche Maßnahmen werden vorgenommen um zu verhindern, dass das Unternehmen seinen guten Ruf verliert?

Als die ersten Artikel über die Manipulation von Diesel Fahrzeugen der Marke Volkswagen veröffentlicht wurden, hat sich zuerst der amerikanische CEO von VW, Michael Horn, vor die Kamera gestellt, um sich zu den Vorwürfen zu äußern. Ein paar Tage darauf wurde auch ein Video-Statement vom damaligen Vorstandsvorsitzenden des Konzerns, Martin Winterkorn, veröffentlicht. Er entschuldigt sich für die Manipulation und verspricht diesen Umstand so transparent wie möglich zu beleuchten, indem eine externe Untersuchung in Auftrag gegeben wird. Außerdem richtet er auch ein paar beruhigende Worte an seine über 600.000 Mitarbeiter. Ein wichtiger Schritt seitens Winterkorn, denn vor allem die Mitarbeiter des Unternehmens sind durch den Skandal betroffen. Er nimmt also die Verantwortung auf sich und gibt damit seinen Posten als Vorstandsvorsitz auf.

Auf den großen sozialen Netzwerken finden sich hauptsächlich Links zu Pressemitteilungen auf der offiziellen Volkswagen Homepage und mehrere Video-Statements. Auf der deutschen Facebook Seite des Unternehmens wird eine weitere Stellungnahme gepostet:

 

Facebook Statement VW

 

In den USA, wo der Skandal bekannt geworden ist, wurde eine eigene Service-Homepageaufgesetzt, auf welcher besorgte Kunden auf dem neusten Stand gehalten werden.

 

 

Nach einigen Tagen wird Winterkorns Nachfolger bekannt gegeben. Thomas Müller, der zuvor bei der Partner-Marke Porsche im Vorstand saß, nimmt sich der schwierigen Aufgabe an und wird der neue Vorstandsvorsitzende von VW. In einem weiteren Video-Statement äußern sich er und weitere wichtige Vorstandsmitglieder des Unternehmens zum aktuellen Stand und zur Kündigung Winterkorns. Es wird um Vertrauen gebeten und eine Lösung für betroffene Kunden noch für den Oktober diesen Jahres angekündigt:

 

 

Die Kollegen in der PR Abteilung von VW haben es zur Zeit sicher nicht einfach, doch bisher wird schon vieles richtig gemacht. Das Schuldeingeständnis, die Videostatements, die externe Untersuchung und die beruhigenden Worte an die Mitarbeiter des Unternehmens sind Schritte in die richtige Richtung. Wenn man einen ähnlichen Kurs beibehält, sollte der Konzern die Krise überstehen können. Doch in Zukunft ist allergrößte Vorsicht, vor allem im Bereich der PR, geboten. Was Umweltschutz und Nachhaltigkeit angeht, hat das Unternehmen einiges an Glaubwürdigkeit verloren und das sollte man in der künftigen Kommunikation versuchen wieder aufzuarbeiten, um das Kundenvertrauen zurück zu gewinnen.

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Ein Werbeclip für alle Fälle

Nach 17 Jahren Vereinszugehörigkeit verlässt Bastian Schweinsteiger den FC Bayern. Kurz nachdem sein Wechsel bekannt wurde, veröffentlichte sein Sponsor und Kopfhörerhersteller „Beats by Dre“ einen rührenden Abschiedsclip – und verärgerte damit die Fans.

Mit dem Video „Bastian Schweinsteiger – An deiner Seite“ ist dem Hersteller ein echter Überraschungs-Coup gelungen. Kurz nach Veröffentlichung des Videos schnellten die Klickzahlen auf Youtube nach oben, vier Tage später lagen sie bei 2,3 Millionen Views. Der Grund für Aufregung: der sichtbar aufwendig produzierte Clip wirkt, als sei der Wechsel des Fußballers bereits seit längerer Zeit beschlossene Sache gewesen. Aber mitnichten.

Die Filmarbeiten für den teuer produzierten Werbeclip wurden bereits fünf Wochen vor dem Wechsel Schweinsteigers in einem Kölner Hotel gedreht. Die Aufnahmen zeigen den 30-Jährigen in einem Hotelzimmer, beim Verfassen eines Abschiedsbriefes. Zu melancholischer Musik blickt Schweinsteiger von einem Balkon auf die Dächer Münchens, er scheint sich zurück zu erinnern an Vergangenes. Im Hintergrund läuft ein Fernseher, man hört einen Kommentar der Sky-Kommentatoren Wolff-Christoph Fuß und Sebastian Hellmann. Sie sprechen von Schweinsteigers Erfolgen und dessen Wechsel, weg von München, hin zu einem neuen Verein – alles wirkt authentisch. Dabei wurden die Tonaufnahmen der Sprecher ebenfalls bereits vor Wochen aufgenommen, mehrere Szenarien, wie auch ein mögliches Karriereende und der Verbleib bei Bayern München wurden darin durchgespielt.

Die letzte der eingespielten Varianten, der Verbleib bei Bayern München, hätte den Fans des Fußball-Rekordmeisters wohl am besten gefallen. Die große Aufmerksamkeit für den Werbeclip wäre dann aber vermutlich auf der Strecke geblieben. Deshalb 1:0 für Beats by Dre.

Von Philipp Bender

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Zwischen Fahndungsplakaten und Katzenbildern – die Polizei und Social Media

Foto:  Twitter / @PolizeiBerlin_E
Foto: Twitter / @PolizeiBerlin_E

„Hasen-tweet: Wir müssen einem Hasen helfen, der auf einer Kreuzung in #Spandau nicht mehr weiter weiß.“ Was hier wie die Heldentat eines x-beliebigen Twitterers klingt, ist in Wahrheit eine Alltagssituation der Berliner Polizei. Denn längst haben auch deutsche Gesetzeshüter die Social-Media-Kanäle für ihre Polizeiarbeit entdeckt.

So wie auch die Bürgerschaft, ist die Polizei in den sozialen Netzwerken wie Facebook, Twitter und Co unterwegs und präsentiert sich mit einem persönlichen und unbürokratischen Kommunikationsstil. Die „Polizei 2.0“ erfreut sich dabei steigender Beliebtheit. Mitte Juni hielt die Berliner Polizei ihren dritten Twitter-Marathon ab und berichtete 24 Stunden lang über den Alltag Berliner Streifenpolizisten. Die Twitter-Gemeinde belohnte die Berliner mit 5000 neuen Followern auf knapp 60.000 nach dem Ende der Aktion. Die gleiche Aktion im Vorjahr steigerte die Anzahl von 4000 auf damals 20.000 Follower. Damit ist der Twitter-Marathon eines der bekanntesten Beispiele für Polizeiarbeit innerhalb sozialer Netzwerke.

Foto: Twitter / @Polizei_Ffm
Foto: Twitter / @Polizei_Ffm

Die Gesetzeshüter profitieren vor allem von der Schnelligkeit und den Verbreitungsmöglichkeiten der sozialen Netzwerke. Warnhinweise über Vollsperrungen und Zeugenaufrufe erreichen die Bürger schneller als über das Radio oder Fahndungsplakate und Zeitungsartikel. Das gilt besonders für die Zielgruppe der Jüngeren. Mit der Darstellung ihrer Arbeit gibt die Polizei auch einen breiten Einblick in ihren Alltag und macht ihn transparenter. Sie lenkt damit ab von ihrem teilweise negativ behafteten Image – der „Freund und Helfer“ soll wieder in den Vordergrund gerückt werden. Und das mit Erfolg. Denn wie überall im Netz präsentieren auch die Beamten Beiträge über gerettete Kätzchen oder eine verirrte Entenfamilie. Die bringen dann überproportional viele „Likes“, die Imagepflege funktioniert.

Mit ihrer Social-Media-Arbeit versucht die Polizei auch die Kontrolle über schwierige Situationen zu erlangen. Ein Beispiel dafür sind die Ausschreitungen anlässlich der EZB-Eröffnung in Frankfurt. Hier zeigte ein von Beamten gedrehtes Video, wie ein Polizeirevier von vermummten Randalierern angegriffen wurde und dabei mehrere Streifenwagen in Brand gerieten. Dieses Video ist eines der symbolträchtigsten Beispiele für die Gewaltbereitschaft der Protestierenden und wurde nicht nur zahlreich im Internet geteilt, sondern schaffte auch den Sprung in die Fernsehberichterstattung. In den Augen vieler Bürger legitimierte dieses Beweisvideo das harte Vorgehen der Ordnungshüter gegenüber dem gewaltbereiten Teil des Blockupy-Bündnisses.

Natürlich haben die bloggenden Beamten mit ihrem Auftritt „Polizei 2.0“ auch die Nachwuchsgewinnung im Visier. Nach dem Twitter-Marathon im Jahr 2014 erhielten die Berliner Beamten rund 10.000 Bewerbungen für 450 zu besetzende Stellen – die Zahlen in diesem Jahr könnten ähnlich sein.

Von Philipp Bender

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Aufmerksamkeit durch Provokation

Anti Leder Demo Bild

Hört man PETA (People for the Ethical Treatment of Animals), denken wohl die meisten Menschen an Undercover-Aufnahmen von Massenenzuchtbetrieben oder an mit Kunstblut verschmierte Aktivisten, die in gut besuchten Fußgängerzonen demonstrieren und Aufklärungsarbeit betreiben. Oftmals wird der Tierrechtsorganisation im Zusammenhang mit diesen Aktionen vorgeworfen, durch pure Provokation Aufmerksamkeit zu erhaschen. Doch selbst wenn: Was wäre so falsch daran?

PETA wurde 1980 von Alex Pacheco und Ingrid Newkirk in den USA gegründet und ist die weltweit größte Tierrechtsorganisation . Seit 1993 gibt es PETA Deutschland mit derzeit rund 30.000 Mitlgiedern. Weitere Schwesterorganisationen arbeiten in Großbritannien, Frankreich, den Niederlanden, Australien, Indien und Hongkong. Eines haben sie alle gemeinsam: Sie möchten über das enorme Tierleid auf der Welt aufklären, dass durch ihre Kampagnen und Recherchen der Öffentlichkeit vor Augen geführt wird.

Nackte Haut und Schockfotos – schaut her!

PETAs bestes PR-Instrument ist seit jeher die Einbeziehung von Testimonials. Promis wie Pamela Anderson, Paul McCartney oder P!NK zieren etliche Werbeplakate von Aufklärungskampagnen. Oftmals ist auf diesen Bildern viel nackte Haut zu sehen. Laut PETA erhalten die Promis dafür keine Gage. PETA Deutschland ist ein eingetragener Verein und finanziert sich ausschließlich über Spenden. Über 80 Prozent der Spendeneinnahmen fließen in die Öffentlichkeitsarbeit, politische Arbeit und Aufklärungskampagnen. Dies ist nicht verwunderlich, schaut man sich an, mit wie viel Aufwand und Mühe viele Kampagnen betrieben werden.

Denn der Sinn dieser Aktionen ist, dass wir wahrgenommen werden und unser wichtiges Tierrechtsanliegen nicht vergessen wird. (…) Es ist leider sehr schwer, „unsere“ Themen in den Medien und den Köpfen gerade der Menschen, die nicht eh schon Bescheid wissen, präsent zu halten. (PETA)

Die klare Ansage lautet: Lebt vegan! Doch der komplette Verzicht auf tierische Lebensmittel oder tierische Kleidung ist selbst für überzeugte Tierrechtler nicht zwingend Alltag. Nicht alle leben vegan und könnten sich deshalb von dieser radikalen Ansicht abgeschreckt fühlen. Selbst, wenn sich diese Menschen ihr Frühstücksei oder die Wurst beim Bauern ums Eck holen, und somit zumindest nicht die Massentierhaltung unterstützen, kollidiert das mit dem Leitbild von PETA, welches lautet:

  • Tiere sind nicht dazu da, dass wir sie essen.

  • Tiere sind nicht dazu da, dass wir an ihnen experimentieren.

  • Tiere sind nicht dazu da, dass wir sie anziehen.

  • Tiere sind nicht dazu da, dass sie uns unterhalten.

  • Tiere sind nicht dazu da, dass wir sie ausbeuten bzw. misshandeln.

    (PETA)

 

Ist dein Make-up eigentlich tierversuchsfrei?“

Vor allem in den sozialen Netzwerken bieten Beiträge von PETA immer wieder Zündstoff für rege Diskussionen. Oft liest man Kommentare wie: „Solche furchtbaren Bilder möchte ich nicht sehen. Muss das sein?“ Selbst überzeugten PETA-Anhängern sind manche Fotos einfach zu heftig. Hin und wieder teile auch ich in Facebook Beiträge von PETA und bin mittlerweile schon auf solche Reaktionen vorbereitet. Vor einiger Zeit teilte ich folgendes Foto:

Noch Hunger Bild Peta

Prompt wurde der Beitrag von einem Freund kommentiert: „Hey Annika, schon mal ausgecheckt, ob dein Make-up tierversuchsfrei ist?“ Über die Kommentarfunktion entstand eine Diskussion. Ob ich mich persönlich angegriffen fühlte. Ob ich wüsste, dass der Konzern Pernod Ricard (französischer Wein- und Spirituosen-Konzern) der wohl größte Sponsor des französischen Stierkampfes ist. Ich jobbe neben dem Studium in einer Bar, daher dieser Seitenhieb. Mein Kumpel verwies mich auf Wikipedia, dort könne ich mich informieren, welche Spirituosen garantiert nicht vegan sind. Dass ich mit dem Teilen des PETA-Beitrages ursprünglich nur auf die Missstände in vielen Schweinezuchtbetrieben hinweisen wollte, war schon längst vergessen.

Vermutlich sind solche Vorwürfe auch der Grund, warum PETA sich ausschließlich für den veganen Lebensstil ausspricht. Es scheint für viele Menschen unverständlich zu sein, wie man sich für Tierrechte einsetzen und trotzdem nicht perfekt darin sein kann. Und genau damit bietet man dann den Nährboden für Vorwürfe. So entstehen allerdings auch Diskussionen und Gespräche, die vielleicht doch den ein oder anderen zum Nachdenken anregen. Es sind bereits die kleinen Dinge, die eine enorme Veränderung herbeiführen können. Darf also eine Tierrechtsorganisation ihre Anliegen durch provokante Kampagnen, Aktionen und schockierendem Bildmaterial an die Öffentlichkeit herantragen? Ich bin der Meinung, sie darf nicht nur, sie muss sogar.

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& was ist das schon wieder?

Wir kennen sie alle – Videos, in welchen Social-Media-Nutzer sich literweise Wasser über den Kopf schütten und am Ende drei ihrer „Freunde“ dazu auffordern, das Gleiche zu tun. Den Hintergrund zu dieser umstrittenen Aktion müsste ich theoretisch gar nicht erläutern. Die sogenannte „Ice-Bucket-Challenge“ war DER virale Hit, bei der der eigentliche Sinn der Sache aber leider schnell in Hintergrund gerückt ist. Denn ursprünglich wurde die Aktion gegründet, um auf die Krankheit ALS aufmerksam zu machen. Jeder sollte spenden, ist jemand nicht dazu bereit, muss er sich einen Eimer Wasser über dem Kopf entleeren. Man kann natürlich auch beides machen – spenden und schütten. Irgendwann artete das Ganze dann so aus, dass die eigentliche „Challenge“ darin bestand, sich einmal kalt abzuduschen. Viele Kritiker sahen den Sinn dieser Aktion also schnell als verfehlt.

Aber die Ice-Bucket-Challenge ist längst nicht die einzige „healthcare Kampagne“, die über soziale Netzwerke polarisiert. Jedes Jahr am 28. Mai ruft die DKMS zum sogenannten „World Blood Cancer Day“ auf. Dabei soll auf die Knochenmarkspende aufmerksam gemacht werden, in dem User auf Facebook, Instagram, Twitter oder sonstigen Social Media Kanälen ein Foto mit sich und einem roten „&“-Zeichen posten und mit dem Hashtag #wbcd markieren. Im ersten Moment fehlt natürlich jeder Bezug von „&“ zu Blutkrebs. Die DKMS argumentiert damit, dass das Zeichen „für den gemeinsamen Kampf gegen Blutkrebs steht. Es meint: Du & Ich – nur gemeinsam können wir den Kampf gegen die Krankheit gewinnen.“ Das leuchtet ein. Ziel dieser Aktion ist es, so viele Menschen wie möglich damit zu erreichen und auf die Registrierung aufmerksam zu machen.

Zahlreiche Beiträge zum #wbcd2015. Quelle: instagram

2014 fand der erste World Blood Cancer Day statt und die Idee scheint sich langsam zu einer erfolgreichen Strategie für die weltweiten Knochenmarkspenderkarteien zu entwickeln. Zahlreiche Posts mit dem Hashtag #wbcd sind am 28. Mai eingetrudelt. Auch die DKMS selbst fasst ihre Aktion als gelungen zusammen:

Quelle: instagram
Quelle: instagram

Vielen stellt sich hier dennoch die Frage nach der Sinnhaftigkeit einer solchen Aktion. Was genau will die DKMS mit dieser Kampagne erreichen? Ein rotes &-Zeichen ist nicht sonderlich auffallend, so dass sich die Bilder von anderen extrem abheben würden. Eines ist aber klar: die DKMS beweist mit ihrer Aktion definitiv Aktualität und Trendbewusstsein, denn mit dem World Blood Cancer Day reiht sie sich ein in die Liste viraler Trends. Schließlich polarisierten auch schon die #icebucketchallenge oder die aktuelle #lovewins-Aktion und bekamen so weltweite Aufmerksamkeit. Für derartige Aktionen bieten sich soziale Netzwerke nun mal an und das hat auch die DKMS verstanden.

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Kann man schon so machen…

Quelle: truefruits.com
Quelle: truefruits.com

Pürierte Früchte aka Smoothies sind voll im Trend. Die Supermarktregale in den Obst- und Gemüseabteilungen sind voll mit den bunten Fläschchen. Dort fallen besonders die Smoothies der Marke True Fruits mit feschem Design und kecken Sprüchen auf den Flaschen auf. Im März diesen Jahres erschien die limitierte „Black Edition“. Mit diesem lieferte True Fruits seinen Kunden nicht nur ein außergewöhnliches Design, sondern auch wieder einmal einen amüsant provokanten Flaschentext:

„Hast du schon mal einer hässlichen Freundin, die aber total lieb ist ein Date besorgt? So fühlen wir uns gerade mit dem white, unserem wohl leckersten Smoothie, der aufgrund seiner blassen und unfruchtigen Optik leider viel zu selten in den Genuss eines knisternden Rendezvous mit Dir kommt. Was blieb uns also anderes übrig, als das Licht auszuknipsen, damit Du dich einzig und alleine auf seine inneren Werte konzentrieren kann. #schluckimdunkeln„

Dieser stieß allerdings einigen KundInnen sauer auf und es entwickelte sich rasch ein kleiner Shitstorm auf der Facebook Fanseite. Sexismus und Lookismus (die Diskriminierung einer Person aufgrund ihres Aussehens) lauteten die Vorwürfe. Nun gut, Shitstorms entwickeln sich ja mittlerweile ständig und überall. Schließlich darf jeder seine Meinung sagen, andere befürworten oder eben dagegen sein, man darf sich angegriffen fühlen und seinem Ärger Luft machen. Vorallem auf Social Media Plattformen hat man die Chance, sich direkt an ein Unternehmen zu wenden, gehört und vielleicht auch verstanden zu werden. Aber eben nur vielleicht.

Orientiert man sich an den gängigen Community Management Regeln, sollte ein Unternehmen auf einen Shitstorm verständnisvoll und defensiv reagieren, egal ob man die negative Kritik nachvollziehen kann oder nicht. Man kann es aber auch wie True Fruits machen: verständnislos und offensiv. Der Smoothiehersteller schießt sogar hart zurück, negative Kommentare werden mit Beleidigungen beantwortet und ins Lächerliche gezogen – alles natürlich in gewitzter, ironischer True Fruits Manier. In einem öffentlichem Statement via Facebook machen sie nochmal ganz klar deutlich, wie egal ihnen die Kritik ist und das sie zu Ihrem Flaschentext stehen:

Quelle: wuv.de
Quelle: wuv.de

 

 

 

Quelle: focus.de
Quelle: focus.de

Jeder PR-Mensch würde bei dieser Art von Reaktion die Nase rümpfen. Auch ich war anfangs etwas irritiert von diesem Verhalten seitens True Fruits. Schließlich spricht das gegen alles, was ich bisher bezüglich Community Management gelernt habe. Warum sollte ein Unternehmen so auf Kritik reagieren, noch Öl ins Feuer gießen und damit aus einem „Mini-Shitstorm“ einen deftigen Schlagabtausch inszenieren? Ich schaute mir das Ganze also etwas genauer an und stellte schnell fest, dass es sich um eine absolut gelungene Strategie handelt. Die Smoothiemacher generierten dadurch Aufmerksamkeit und vorallem überwiegend positives Feedback der Fans.

Man muss sich also nicht immer klein machen, sondern seinem Kurs treu bleiben und dazu stehen. Ein gewisses Risiko, Fans zu verlieren, besteht dabei natürlich immer – aber eben genauso die Chance treue Fans noch mehr an sich zu binden und Neue zu generieren. Natürlich kann man das nicht auf jedes Unternehmen und jede Situation beziehen. Im Falle von True Fruits ist das allerdings vollkommen zulässig, da die Fans diesen Humor kennen und lieben. Zudem sprechen sie sich gegen ständiges Rummäkeln und übertriebene Moralvorstellungen in Social Media aus. Dadurch haben sie sich Sympathie im Netz geschaffen. Man kann den Spieß also auch umdrehen, indem man sich eben nicht für seine Marke oder PR-Strategie entschuldigt. Zudem muss man sich auch immer die Frage stellen, ob es sich bei den Kritikern um potenzielle Kunden handelt, oder einfach um Menschen, die sich dazu berufen fühlen, Ungerechtigkeiten zu korrigieren. Vorallem bleibt Humor immer noch Geschmackssache.

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