Märchen 2.0: Wie Instagram, Tinder und Co. die Disney-Märchen wieder erzählen

Disney Filme versetzen uns zurück in unsere Kindheit und erinnern uns an die magischen Abenteuer unserer Lieblingshelden. Da kommt bei vielen jungen Mädchen der Traum auf, später auch einmal eine Märchen-Prinzessin zu sein. Was passiert aber, wenn man ein Märchen nicht mehr von der Realität unterscheiden?
Wie Instagram, Tinder und Snapchat uns die Scheinwelt á la Walt Disney vorspielen.

 

Es war einmal vor langer Zeit eine wunderschöne Prinzessin…

So beginnen die meisten Märchen, die von einem schönen und makellosen Leben eines jungen Mädchens erzählen. Jene Geschichten, in denen die Prinzessin von ihrem Märchenprinzen gerettet wird und beide gemeinsam glücklich bis an ihr Lebensende sind. Mit Hilfe von Magie und Zauberei entkommt sie ihrem Elend und findet ihren Weg zum Glück.

 

Dieses “Erfolgsrezept” ist in fast allen Disney Filmen vorzufinden und kann als Wiedererkennungsmerkmal wahrgenommen werden. Die Figuren und Handlungen sind fern von jeglicher Realität und spielen in einer Traumwelt. Während erwachsene Zuschauer die unrealistischen Geschehnisse gut einschätzen können, fällt es Kindern schwer, zwischen Fakt und Fiktion zu unterscheiden. Der fehlende Bezug zur Realität der Märchen kann zu einem verzerrten Weltbild führen. Daraus entwickeln sich unrealistische Erwartungshaltungen an das Leben und die Liebe, weshalb Disney bereits des Öfteren in der Kritik stand. Es wird ein hoher Druck der Perfektion auf die Rezipienten ausgeübt, die das selbe Leben wie im Film führen wollen. Auch wenn sich diese von den Inhalten distanzieren können, da es sich um einen fiktiven Film handelt, eifern sie den Idealen in ihrem Unterbewusstsein nach. Wirft man ein Blick auf die sozialen Medien ist unschwer zu erkennen, dass auch dort falsche Vorstellungen durch eine Scheinwelt vermittelt werden.

Traum einer Märchen-Prinzessin
https://www.hdaustria.at/blog/disney-filme-ueber-schoenheitsideale-rollenbilder-und-deren-einfluss-auf-kinder/

 

Mehr Schein als Sein

Die sozialen Medien erzählen die Märchen Geschichten wieder. Die Trennung zwischen Realität und Illusion fällt hier jedoch schwerer. In Form von schönen Strandbildern, teuren Autos und einem perfekten Körper, wird das Ideal eines erfolgreichen Lebens digital vermittelt. Dass die Mehrheit dieser Aufnahmen gefälscht oder optimiert sind, wissen viele Nutzer nicht. Hierdurch wird ein hoher Druck auf die Rezipienten ausgeübt, die ebenfalls ein erfolgreiches Leben führen wollen- zumindest auf den sozialen Kanälen. Es wird mehr Wert darauf gelegt, glücklich auszusehen, als sich so zu zeigen, wie man sich wirklich fühlt. Diese geblendeten Nutzer sind in einer Traumwelt eingesperrt und versuchen dort ihr Märchen zu erschaffen. Dabei laufen sie Gefahr, sich in ihr Unglück zu stürzen, wenn sie ihren Idealen nicht entsprechen.

 

Wie aus Cinderella Tinderella wurde

Im Märchen von Cinderella findet die Prinzessin ihren Prinzen aufgrund ihres gläsernen Schuhs. Ein wahrer Traum für viele Fans, die sich ebenfalls wünschen, die Auserwählte des Prinzen zu sein. Weshalb sollte das dann nicht auch im echten Leben funktionieren? Wo bei Cinderella ein Schuh passt (oder eher “matcht”), findet auf Tinder ein Match mit dem Profil statt. Die Voraussetzung ist, dass das Gegenüber einem optisch gefällt, denn man ist schließlich auf der Suche nach dem Traumprinzen. So oberflächlich die App auch erscheint, ist sie der Hoffnungsträger vieler Nutzer, die einzig wahre Liebe zu finden. Frei nach dem Motto “Liebe auf den ersten Blick”, stürzen sich viele Singles in die Partnersuche. Eine Untersuchung in der Schweiz hat jedoch ergeben, dass sich nur bei 12% der befragten Nutzer eine Beziehung aus einem Tinder Date ergeben hat. Die Realität zeigt, dass ein gegenseitiges Swipe nach rechts kein Garant für die wahre Liebe ist.

Wie der Märchenprinz der heutigen Tinderella aussieht
https://www.youtube.com/watch?v=bLoRPielarA

Schneewittchen und die sieben Filter

Doch nicht nur das Märchen von Cinderella wird durch die sozialen Kanäle weitererzählt, sondern auch das von Schneewittchen und den sieben Zwergen.
“Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist die Schönste im ganzen Land?”- fragte die böse Stiefmutter ihren Zauberspiegel. Dieser Frage gehen aber auch die Social Media Prinzessinnen von heute nach und versuchen sich über Instagram und Snapchat zu profilieren. Mit Hilfe von Filtern und Co setzen sie sich gekonnt in Szene und zeigen sich von ihrer schönsten Seite. Dass sie sich dabei auf ihr Aussehen beschränken, kümmert sie nicht. Denn die Anerkennung der Community ist das, worauf es ankommt. Diesen oberflächlichen Trend erkennt man auch am Ruhm unzähliger Beauty Blogger. Die Likes, Kommentare und mögliche Kooperationen mit Unternehmen ernten sie aufgrund ihres äußeren Erscheinungsbildes. Während die sieben Zwerge Schneewittchen aus ihrer misslichen Lage halfen, tun dies heutzutage die Filter. Meist sieht das Endprodukt nicht mehr so aus wie das Original, doch die Scheinwelt á la Walt Disney wird auch hier weiter gelebt.

 

Hilflose Schönheiten sind nicht mehr en vogue

Disney stand bereits durch das ”frauenfeindliche Rollenbild” in ihren Filmen des Öfteren in der Kritik. Die weiblichen Figuren waren hilflos und machtlos. Ihre Haupttätigkeit bestand im Putzen und Kochen. Umgeben von bösen Stiefmüttern und Stiefschwestern in einer ungerechten Welt, konnte sie nur ein Prinz aus dem Elend retten. Das Aussehen spielt eine entscheidende Rolle und gilt als wichtigstes Merkmal einer jeden Prinzessin. Die daraus entstehende Gefahr für kleine Mädchen ist klar erkennbar. Im frühen Alter wird ihnen bereits vermittelt, dass sie sich um den Haushalt kümmern sollten und stets gut auszusehen haben. Dieses Rollenbild herrschte zur Entstehungszeit der alten Disney Filme. Die moderne Frau von heute ist jedoch oft unabhängig und emanzipiert. Das hat auch Disney erkannt und wirkte seiner Kritik mit Filmen, wie die “Eiskönigin” oder “Rapunzel- neu verföhnt” entgegen. In diesen Werken steht die Persönlichkeit der Heldinnen im Vordergrund, die sich auf eine Selbstfindungsreise begeben. Disney hat den Einfluss der Medien auf das Rollenverständnis und die Selbstwahrnehmung von Kindern erkannt und gehandelt.

 

Auf den sozialen Medien sind zwar keine Kinder unterwegs, aber viele Heranwachsende. Der negative Einfluss der Medien ist besonders hier erkennbar. Das Ideal von schlanken Models führt zu einem Magerwahn, welcher in Form von Challenges weitergeführt und verbreitet wird. Trotz der vielen Gefahren und der andauernden Oberflächlichkeit, sind auch hier erste Entwicklungen in eine gute Richtung zu erkennen. Durch die Aufmerksamkeit auf Fake News wurde die Wahrnehmung der Nutzer verbessert, die die vorliegenden Inhalte öfter hinterfragen. Dass ein zunehmendes Misstrauen gegenüber den sozialen Kanälen entsteht, erkennt man außerdem an der häufig geforderten Authentizität. Diese wird als bedeutender Erfolgsfaktor für Unternehmen und Influencer gepriesen. Dabei stellt sich die Frage, weshalb diese Meinungsführer erst aufgefordert müssen “echt” zu sein? Ist das nicht der Beweis dafür, dass auf den sozialen Medien viel getrickst wird?

Der Unterschied zwischen Instagram und der Realität
Instagram @imrececen

Schönheit liegt im Auge des Betrachters

Trotz der Modernisierung der Rollenbilder ist die Emanzipation der Frauen noch nicht vollkommen in den sozialen Medien eingedrungen. Durch die Fokussierung auf Likes und Kommentare entsteht eine verzerrte Vorstellung von Anerkennung. Heranwachsende und jene, die von den Social Apps geblendet sind, sollten die wesentlichen Dinge nicht aus den Augen verlieren. Instagram und Co finden nur online statt und bieten nicht genügend Möglichkeiten die ganze Persönlichkeit darzustellen. Die Talente und der Charakter sollten im Vordergrund stehen, da sie einen Menschen ausmachen. Die abstrakte Märchenwelt der sozialen Kanäle spiegelt nicht die Realität wieder, sondern nur einen Teil davon. Daher gilt der Appell an alle Social Media Prinzessinnen: Schönheit liegt im Auge des Betrachters!

Und da diese Weisheit nicht gestorben ist, gilt sie auch noch heute.

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Social „Schleiching“ – Grauzone der Produktvermarktung

Die sozialen Netzwerke sind total im Trend, abwechslungsreich und generieren eine wahnsinnig hohe Reichweite – besonders bei der jüngeren und besserverdienenden Zielgruppe.

Somit bieten soziale Netzwerke, wie Instagram und YouTube, Unternehmen eine große Chance, sich von der klassischen Werbung abzuheben. Influencer für die eigene Marke werben zu lassen, ist verlockend einfach. Doch leider ist die Grenze zwischen legaler Produktvermarktung und illegaler Schleichwerbung sehr dünn.

Mit dem stetigen Wachstum der genannten Plattformen steigt auch die Verwendung von Schleichwerbung. Somit ist mit härterem Durchgreifen seitens der Mitbewerber und klageberechtigten Organisationen zu rechnen. In den vergangenen Wochen entfachte deshalb eine große „Abmahnungswelle“ auf Instagram und YouTube, wegen fehlender Werbekennzeichnung seitens der Influencer. Der Verband des Sozialen Wettbewerbs kündigt die Auflösung des rechtsfreien Werberaums an.

Was ist Schleichwerbung überhaupt?

Nun stellt sich die Frage, was Schleichwerbung eigentlich ist.

Oftmals ist die Abgrenzung schwammig: Bis wohin geht Marketing und ab wann ist es Schleichwerbung? Der Rundfunkstaatsvertrag hat eine Definition für die Schleichwerbung formuliert:

„Schleichwerbung ist die Erwähnung oder Darstellung von Waren eines Herstellers oder eines Erbringers von Dienstleistungen in Programmen, wenn sie vom Veranstalter absichtliche zu Werbezwecken vorgesehen ist und mangels Kennzeichnung die Allgemeinheit hinsichtlich des eigentlichen Zwecks dieser Erwähnung oder Darstellung irreführen kann.“

Des Weiteren wird die Schleichwerbung durch das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG §4 Nr.3) verboten. Dies bedeutet, dass jede zu bewerbende Maßnahme so gekennzeichnet werden muss, dass ihr werbender Charakter von den Nutzern direkt erkannt wird.

Zusammenfassend ist Schleichwerbung also das Täuschen des Verbrauchers über die Werbeabsichten und somit ist dies ein Verstoß gegen den Grundsatz der Werbewahrheit („Truth in advertising“). Dadurch verschwimmen die Grenzen zwischen Unterhaltung, Werbung und PR. Die Akteure bewegen sich in einer rechtlichen Grauzone, in der es noch keine eindeutigen Regelungen gibt.

Der wachsende Hype um die Testimonials auf den sozialen Netzwerken

Schon vor der Zeit des Internets wurden Testimonials beim klassischen Marketing gerne verwendet. Die Unternehmen und Marken setzen hierbei vor allem auf Prominente Influencer, um den Charakter des zu bewerbenden Produktes zu unterstreichen. Denn wie schon viele Studien bewiesen haben: Konsumenten schenken bekannten Gesichtern ein größeres Vertrauen als zum Beispiel dem Unternehmen selbst.

Genau an diesem Punkt kommt die Plattform Instagram ins Spiel. Lange Zeit gab es in diesem sozialen Netzwerk kein offizielles Werbeformat, weswegen die Unternehmen User mit einer hohen Reichweite als Ihre „Testimonials“ ausgewählt haben. Somit können sie ihre Ware mit einem relativ geringen Streuverlust an die Zielgruppe bringen und dass mit vergleichsweise geringen Ressourcen! Viele Unternehmen haben diese Chance erkannt und setzen auf Influencer Marketing. Leider nehmen häufig genau diese Unternehmen die Werbungskennzeichnungspflicht nicht wahr. Dies sieht man an dem folgenden Beispiel:

Hierbei handelt es sich um ein recht bekanntes Unternehmen, welches dem hier aufgezeigten Influencer mit mehr als 230.000 Followern die Produkte kostenlos zur Verfügung stellt, damit dieser eine positive „Rezension“ darüber veröffentlicht. Doch gekennzeichnet ist dieser gesponserte Beitrag nicht! Auf diese Weise kommt beim Nutzer schnell das Gefühl auf, dass die vorhandene Kooperation verschleiert wird. Somit wird dem Zuschauer suggeriert, dass die dargestellte Ware aus reiner Überzeugung vorgestellt wird und nicht, weil es dafür die Produkte kostenfrei gab oder sogar noch zusätzlich Geld gezahlt wurde.

Es gibt jedoch mittlerweile auch viele Blogger und YouTuber, die ihre Kooperationen ehrlich angeben. Dies verdeutlicht das folgende Beispiel:

Ehrlichkeit währt in diesem Fall immer noch am längsten. Die Nutzer und Follower sind nicht blöd – ihnen fällt schnell auf, dass es sich um eine Kooperation handelt. Tritt dieser Fall ein, leidet vor allem das Image des Bloggers und das sollte in erster Linie nicht das Ziel sein. Jeder Influencer sollte also selber darauf achten, seine Beiträge so zu gestalten, dass die Trennung von Unterhaltung und Werbung für seine Follower zu erkennen ist.

„Schleiching Uwe“ – Die Abmahnwelle

Sie sind die Stars im Social Web: Influencer in den sozialen Medien, die hunderttausende Follower bei Instagram und YouTube haben und ihr Geld mit Produktwerbung verdienen. Hierzu gehört auch Uwe Schüler, bekannt als „Flying Uwe“. Auf seinem YouTube Kanal besitzt er bereits mehr als 1 Million Follower und auch auf Instagram hat er bereits um die 330.000 Abonnenten. Täglich unterhält er seine User mit Einblicken in seinen Alltag als Sportler, kommentiert Videospiele oder veranstaltet Pranks (Streiche).

Flying Uwe musste kürzlich die Konsequenzen der Schleichwerbung am eigenen Leib verspüren. Er ist der erste deutsche Influencer, der von der Medienanstalt Hamburg/Schleswig-Holstein zu einer Geldstrafe von satten 10.500€ verurteilt wurde. Grund hierfür ist ein fortgesetzter Verstoß gegen die Werbekennzeichnungspflicht. Selbst nach mehrmaligem Hinweisen der Medienanstalt HSH, die dargestellten Produkte in seinen Videos als Dauerwerbesendung zu kennzeichnen, hatte er diese bewusst ignoriert. „Das Internet ist kein rechtsfreier Raum. Wer professionell auf YouTube oder ähnlichen Plattformen agiert, muss sich auch an die geltenden Werbebestimmungen halten“. So lautete das Statement von Medienratsvorsitzenden Lothar Hay.

Dieser Fall soll als eine Art Abschreckung und Warnung für andere Influencer stehen und zeigen, dass sich ab sofort etwas ändern wird. Wie genau diese Änderungen aussehen ist bisher noch unklar. Sicher ist jedoch, dass man sich in Zukunft Gedanken darübermachen muss, was man postet und wie man es kennzeichnet.

Richtiges Kennzeichnen ist nicht schwer

Um einen kleinen Überblick darüber zu bekommen, was überhaupt gekennzeichnet werden muss und was kennzeichungsfrei ist, sind hier noch einmal die wichtigsten Punkte zusammengestellt.

Eine Werbekennzeichnung ist notwendig, wenn für die Darstellung der Ware ein Entgelt gezahlt wurde oder das Produkt generell im Mittelpunkt steht. Des Weiteren muss jedes Produkt, dessen Wert größer als 1.000€ ist, gekennzeichnet werden.

Produkte, die man selbst erworben hat, müssen nicht gekennzeichnet werden. Auch unwissentlich zugesendete Ware, welche anschließend sachlich präsentiert werden, fallen bei der Werbekennzeichnungspflicht heraus.

Grundsätzlich ist man bei der Präsentation von Produkten immer auf der sicheren Seite, wenn man diese mit „Werbung“ und „Anzeige“ beschreibt. Auch ein einleitender Texthinweis wie: „Ich habe das Produkt kostenlos erhalten“ oder ähnliches, sind ebenso hilfreich. Produkte die durch eine Kooperation vorgestellt werden, sollten mit „Sponsored by“ oder „Powered by“ gekennzeichnet werden.

 

Wenn diese Punkte beachtet werden, gibt es keine Angriffsfläche für den Verdacht auf Schleichwerbung und es herrscht eine transparente Kommunikation. Illegale Produktvorstellungen sorgen nicht nur für rechtliche Probleme, sie können ebenso für ein Imageschaden beim Unternehmen oder auch bei dem betroffenen Influencer sorgen. Schlussendlich muss für eine einheitliche Regelung gesorgt werden, an dem sich Jeder orientieren kann.

Instagram ist bereits daran, eine Lösung für das Werbungsproblem zu finden. Zukünftig sollen bezahlte Fotos und Storys mit einem Hinweis sowie mit einem Link zur entsprechenden Firma, welche beworben wird, versehen werden. Dies soll, laut Instagram, für mehr Transparenz sorgen – und das auch auf den ersten Blick!

Quellen:

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Die Kommunikatoren von morgen – Sind wir vorbereitet auf das, was die Zukunft bringt?

Die Kommunikatoren der Zukunft

Wir Redakteure der PR-Fundsachen lassen uns aktuell zu Onlinekommunikatoren an der Hochschule Darmstadt ausbilden. Kommunikatoren, die später in den Bereichen PR und Marketing arbeiten wollen – oder es zumindest in Betracht ziehen. Doch bereitet uns das Studium auf die zukünftige Arbeit vor? Sind wir für die Voraussetzungen und Ansprüche der zukünftigen Kommunikation gewappnet?

Content Strategy Camp als Treffpunkt der Kommunikatoren

Das Content Strategy Camp (kurz #cosca17) war auch dieses Jahr wieder eine Veranstaltung mit vielseitigen Sessions rund um Content-Strategie und Kommunikation. Und auch dieses Mal waren einige Studierende der Onlinekommunikation auf dem Mediencampus unterwegs und haben sich unter die Barcamp-Besucher und Kommunikationsexperten gemischt.

Tim Bartelsen, Student der Onlinekommunikation im zweiten Semester, nahm das diesjährige Barcamp zum Anlass, um über die Kommunikatoren-Ausbildung der Zukunft zu diskutieren. Wie werden Kommunikationsexperten zukünftig arbeiten. Wie werden – oder müssen – sie ausgebildet werden?

Inspiriert von dieser Session möchte ich folgend einige weiterführende Ideen aufführen.


PR- und Kommunikations-Studium in Deutschland

Um einen ersten Eindruck zu erhalten, in welchen Bereichen Kommunikatoren heute überhaupt ausgebildet werden können, halte ich es für sinnvoll, zunächst Studiengänge im Bereich Kommunikation zu suchen. Studycheck.de listet aktuell in der Fachrichtung PR und Kommunikation 15 Studiengänge auf.

PR- und Kommunikation-Studiengänge in Deutschland
PR- und Kommunikation-Studiengänge in Deutschland, https://www.studycheck.de/studium/medien-kommunikation/pr-kommunikation

Ganz hoch im Kurs stehen dabei traditionelle Public Relations- (bei 8 Hochschulen [HS]) und Unternehmenskommunikation-Studiengänge (9 HS) sowie Kommunikationsmanagement (10 HS) und visuelle Kommunikation (8 HS). Moderne Varianten wie Digitale Kommunikation und Online-Kommunikation sind erst an wenigen Hochschulen vertreten. Aussagen über den inhaltlichen Fortschritt der vermittelten Kompetenzen lassen sich daraus trotzdem nur bedingt schließen – wenn man nicht gerade Zeit und Geld für 15 Vollzeitstudien hat.

Die Grundlagen der Kommunikation zu lehren ist ein wichtiger erster Schritt. Nicht weniger wichtig ist es doch auch, auf zukünftige Entwicklungen einzugehen und vorbereitet zu sein. Die Digitalisierung hat unsere Kommunikation enorm beeinflusst. Digitale Themen sind wichtig für die Kommunikatoren und müssen auch in den klassischen Studiengängen mit aufgegriffen werden.


Aufgaben der Kommunikatoren von morgen

Was muss der Kommunikator von morgen leisten? Wo sind seine Aufgaben? Ich unterscheide hier zwischen drei verschiedenen Rollen, um die Entwicklungen in den verschiedenen Bereichen zu verdeutlichen. Zu jeder Rolle greife ich ein Phänomen oder einen Zukunftstrend auf, der die Aufgaben des Kommunikationsexperten möglicherweise beeinflussen wird. Sicherlich ist diese Auflistung nicht vollständig, doch vermittelt sie einen ersten Überblick über mögliche Herausforderungen für den Kommunikationsexperten.


Die Gestalter – Neue Interfaces, neue Aufgaben

Kommunikationsdesign ist immer noch sehr gefragt in den Hochschulen im Lande. Insbesondere Gestalter, die sich auf User Interfaces spezialisieren wollen, werden sich auf Veränderungen einstellen müssen. Denn Benutzeroberflächen ändern sich und damit auch der Arbeitsbereich für den Designer. Vom Desktop-Rechner zum kleinen Smartphone. Vom Display zum Sprachinterface.

Neben dem klassischen Display-Interface zeigen uns die Big Player aus dem Silicon Valley, dass Sprache immer mehr Bedeutung in der Interaktion und Kommunikation hinzugewinnt. Künftige Kommunikationsdesigner werden sich mit Conversational Interfaces (CI), also Sprachsteuerungen wie Amazons Alexa oder Apples Siri, auseinandersetzen müssen.

Das Design von solchen Interfaces wird immer nutzerorientierter: Nutzerführung und Nutzungskontext müssen für den Anwender effektiv und sinnvoll gestaltet werden, da eine Orientierung für den User ohne visuelle Oberfläche weitaus schwieriger ist.

Künstliche Intelligenz Designer
Zwetana Penova, Die Studierende von heute sind die Designer der Zukunft (https://www.slideshare.net/ZwetanaPenova/die-studierende-von-heute-sind-die-designer-der-zukunft)

Mit Conversational Interfaces haben die Gestalter unter den Kommunikatoren auch Berührungspunkte mit künstlicher Intelligenz. Der Designer wird daher ein Grundverständnis für Mathematik, Soziologie, Psychologie, Software-Entwicklung und Robotik brauchen, um die Sprachinterfaces zu verstehen und eine gute User Experience schaffen zu können.


Die Strategen – Die Qual der Wahl

Fast täglich sprießen neue Apps in den Stores von Android und iOS aus dem Boden. Neue Social Media-Plattformen, neue Messenger. Und damit auch oft neue Formate für digitales Storytelling oder eine noch direktere Interaktion mit dem User.

Kommunikationsstrategen müssen nicht nur dafür sorgen, dass sie mit ihren Unternehmen auf allen Plattformen vertreten sind, wo sich ihre Zielgruppen befinden. Nein, auch direkte Kommunikationswege mit dem Stakeholder müssen durchdacht und Formate entwickelt werden. Die Strategen der Zukunft sollten sich regelmäßig mit den neuen Kanälen und Formaten beschäftigen, um auf dem Laufenden zu bleiben und Strategien auf eine bestmögliche User Journey zu optimieren.

Die Herausforderung ist es, gerade im Studium nicht bei den traditionellen Kommunikationskanälen stehen zu bleiben, sondern stetig neue strategische Möglichkeiten zur Kommunikation zu entwickeln.


Die Produzenten – Maschinen als Herausforderung

„Journalisten per se sind nicht zwingend die besten Content-Strategen. Das haben sie nicht gelernt. Sie sind aber geeignet, Content zu erstellen – und mit anderen Gewerken zu kooperieren.“
Kai Heddergott

Die Digitalisierung ist bereits soweit vorangeschritten, dass immer mehr Textinhalte von Maschinen geschrieben werden. Das Erstaunliche dabei: Roboter können Medien nicht nur lesen, sondern mittlerweile sogar verstehen. „Roboterjournalismus“ ist im Vormarsch.

Diese „semantische Welle der Digitalisierung“ – wie Prof. Dr. Wolfgang Wahlster, Geschäftsführer des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz, es Ende letzten Jahres beschrieb (vgl. Quelle) – führt dazu, dass der künftige Journalist und Content-Produzent weitaus gezielter kommunizieren muss, um dem Roboterjournalismus entgegenwirken zu können.

„In Zukunft kommt es […] immer mehr darauf an, den Nutzern die Inhalte zu liefern, die sie wollen, wann sie wollen und wo sie wollen.“
Andreas Eder

Die Content-Produzenten müssen sich näher an der Zielgruppe des entsprechenden Mediums orientieren, den Konsumenten da abholen, wo er aktiv ist und die Werkzeuge einsetzen, die ihnen das jeweilige Medium bieten.


Auch wenn ich hier nun zwischen den drei Rollen „Gestalter“, „Stratege“ und „Produzent“ unterscheide, ist eines wichtig: Zukünftige Kommunikatoren sollten in mehreren Bereichen unterwegs sein und sich Kompetenzen in verschiedenen Disziplinen aneignen. Kommunikatoren arbeiten an der Schnittstelle und sollten sich auch als Generalisten verstehen – bestenfalls mit eigenem Spezialgebiet.


5 Takeaways für angehende Kommunikatoren

Die Entwicklungen sind vielfältig und die Ausbildung von Kommunikatoren muss entsprechend flexibel angepasst werden. Das gilt für die neuen aber auch klassischen Studiengänge, die Kommunikatoren ausbilden.

Obwohl diese Entwicklungen divers sind, habe ich hier fünf Takeaways aus der #cosca17-Session mit Tim Bartelsen entnehmen können:


(1) Spezialisiere dich auf ein Thema.

Es gibt viele, die in der PR- und Marketing-Branche mitmischen. Es ist wichtig sich bereits während der Ausbildung zum Kommunikator klar zu machen, in welchem Bereich man später mal arbeiten möchte. Dafür ist es sinnvoll seine Stärken zu finden und sich gegebenenfalls auf bestimmte Thematiken zu spezialisieren. Ob strategisch, gestalterisch oder im Bereich Management – das Kommunikationsstudium bietet viele Möglichkeiten.


(2) Aber, schau über den Tellerrand!

Auch wenn eine Spezialisierung in ein Thema sehr gut ist, werden heutzutage immer mehr Generalisten gesucht. Es ist wichtig, als Stratege auch in die Produktion reinzuschnuppern, um später Hand in Hand mit Kollegen arbeiten zu können und Arbeitsabläufe zu verstehen.

„Wir brauchen spezialisierungsfähige Generalisten.“
Kai Heddergott


(4) Besuche Barcamps und ähnliche Veranstaltungen.

Eine weitere Möglichkeit sich weiterzubilden und neue Inhalte kennen zu lernen, sind Veranstaltungen wie BarCamps oder Konferenzen wie die re:publica. Dort erhält man oft viel neuen Input und trifft neue Leute aus der Branche.


(5) Vernetze dich mit Branchenkollegen!

Neue Leute kennenzulernen ist in der Arbeitswelt der Kommunikatoren äußerst wichtig. Vernetze dich also mit deinen Arbeits- und Branchenkollegen und sammle fleißig (digitale) Visitenkarten. Vielleicht brauchst du diese Kontakte später mal für eigene Projekte.


Die Kommunikatoren von morgen müssen kommunikativ, flexibel und vor allem interessiert sein. Interessiert an dem was ist und dem was kommt.


tl;dr

Was müssen die Kommunikatoren der Zukunft leisten? Wie müssen sie dafür ausgebildet werden? Ob Stratege, Gestalter oder Produzent. Das Kommunikationsstudium bietet vielfältige Möglichkeiten. Die Zukunft bietet uns diverse Entwicklungen, die die Aufgaben von Kommunikationsexperten beeinflussen. Neue Interfaces, mehr Kanäle und Maschinen als Herausforderer. Die Kommunikatoren von morgen müssen daher kommunikativ, flexibel und interessiert sein.


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Kundenservice 2.0: Kommuniziere ich bald nur noch mit einem Roboter?

Quellen

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Personalisierter Content (und woher er kommt)

Die Zeiten, in denen Content für jeden gleich aussah sind schon lange vorbei. Personalisierte Inhalte sind auf dem Vormarsch und aus vielen Online-Angeboten nicht mehr wegzudenken.

Aber wie funktioniert das?

Zuerst einmal sollte sich jeder, der beim Browsen keine Anonymisierung verwendet (Proxys, Private Modus des Browsers etc.) bewusst sein, dass er auch personalisierte Inhalte angezeigt bekommt. Ob er nun will, oder nicht. Kann man sich dagegen wehren? Ja. Aber dazu später mehr.

Am einfachsten lässt sich Personalisierung am Beispiel von Amazon erklären. Jeder der das Onlineshopping-Portal schon einmal benutzt hat weiß, dass die Startseite nach jeder Suche anders aussieht. Der Grund dafür liegt auf der Hand – Amazon versucht, sich unseren Interessen anzupassen und somit schneller Kaufanreize zu schaffen. Unsere vergangenen Suchanfragen sind mit unserem Nutzerkonto verknüpft und so fällt es Amazon leicht, Muster und Präferenzen zu erkennen. Trotzdem funktioniert diese Anpassung auch, wenn wir gar nicht eingeloggt sind. Wie das?

Kekse! Kekse überall!

Kekse? Ja, Kekse. Cookies um genau zu sein. Cookies sind kleine Textdateien, die Webseiten in unserem Browser speichern und auch wieder abrufen können. Sie enthalten unter anderem Informationen über zuvor besuchte Seiten, Sprache, Standort, Interessen etc..

Viele Websitebetreiber machen sich Cookies zunutze, indem sie ihr Angebot entsprechend der gespeicherten Informationen anpassen. Für viele mag sich das überraschend, oder sogar erschreckend anhören, doch ohne Cookies, würde im Internet so einiges komplizierter werden. Beispielsweise sind sie notwendig, um Nutzer beim Login zu authentifizieren (durch sog. Session-IDs)

Wer sich genauer über die Funktionsweise von Cookies informieren möchte, kann das hier tun.

Amazon Cookies
Mit Google Chrome lassen sich gespeicherte Cookies ganz einfach anzeigen: F12 drücken, auf den Menüpunkt „Applications“ navigieren und links auf „Cookies“ klicken

Der gläserne Nutzer?

Die Personalisierung von Content ist inzwischen so weit fortgeschritten, dass Onlineportale detaillierte Verhaltensmuster über ihre User erstellen und auswerten können. Hier ein Beispiel:

Ich bestelle über Amazon üblicherweise Technikprodukte, wie PC-Komponenten. Dementsprechend sieht auch meine persönliche Startseite aus:

Personalisierte Amazon Startseite
Personalisierte Amazon Startseite

Anfang jedes Jahres hat meine Mutter Geburtstag. Von mir bekommt sie unter Anderem immer eine neue CD von Künstlern, die ihr gefallen könnten. Logischerweise werden diese ebenfalls über Amazon geordert, wer fährt denn auch heute noch zu Media Markt, um sich eine CD zu kaufen?

Die Webanalyse-Abteilung bei Amazon sieht das und zieht Ihre eigenen Schlüsse aus diesem Verhalten. Grob herunter gebrochen könnte das ungefähr so aussehen:

 

Nutzer ist Technik-Fan -> Wir zeigen ihm Produkte, die in diese Kategorie fallen

Einmal im Jahr (immer im Januar) bestellt Nutzer eine CD mit ruhiger Gitarrenmusik -> Auffälliges verhalten, das vom üblichen Schema abweicht

Interpretation: Jedes Jahr im Januar ist ein wiederkehrendes Event an dem Nutzer eine andere Produktkategorie verwendet

Reaktion: Jeden Januar werfen wir ihm CDs mit ruhiger Gitarrenmusik auf die Startseite, damit er auch nicht vergisst bei uns zu bestellen

 

Und plötzlich darf ich mir jeden Januar folgendes Ansehen:

Personalisierte Amazon Startseite
Personalisierte Amazon Startseite

Maschinen steuern unsere Customer Journey

Das obige Beispiel ist an Komplexität kaum zu unterbieten und dient nur zur Veranschaulichung. Der aktuelle Stand der Personalisierung ist aber schon viel weiter.
Beispielsweise versucht Google derzeit mit Hilfe von künstlicher Intelligenz, Werbeanzeigen immer mehr auf den individuellen User abzustimmen.

Aber wollen wir das? Sollen zukünftig nur noch Algorithmen darüber entscheiden, welche Produkte wir auf Amazon angezeigt bekommen? Und wie viele Informationen will ich überhaupt über mich preisgeben? All diese Fragen muss jeder für sich selbst beantworten, es gibt sowohl Vor- als auch Nachteile durch diese Entwicklung. Für diejenigen, die sich von diesem Trend eher abwenden wollen, gibt es aber diverse Möglichkeiten, Tracking und Personalisierung zu verhindern.

Beispielsweise bietet jeder Browser einen Privaten Modus (Chrome: Inkognito-Modus, Firefox: Privater Modus, Safari: Privates Surfen). Dieser verhindert unter anderem, dass Cookies von Webseiten dauerhaft im eigenen Browser gespeichert werden. Zusätzlich bieten alle modernen Browser die Möglichkeit, sogenannter „Do-Not-Track-Anforderungen“ (DNT)  zu senden. Diese verhindern, dass Persönliche Daten zur Erstellung von Benutzerprofilen gespeichert werden. Diese bieten jedoch leider keine 100%ige Sicherheit, da viele Websitebetreiber DNTs nicht mehr akzeptieren.

Wem das noch nicht reicht, kann zusätzlich durch die Verwendung von einem (oder mehreren) Proxyserver(n) seine Identität und seinen Standort verschleiern. Was das ist und wie das funktioniert, lässt sich hier nachlesen.

 

 

Quellen:

Slideshare Ferdinand V. Seggern Im Rahmen des #cosca17 (23.06.2017)

„Personalisierung in Online-Shops – was bringt es und wann funktioniert es?“ – Novalent Magazin (09.06.2015)

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Schockwerbung: Ein aggressives Mittel für das gesellschaftliche Wohlergehen

 

Werbung überrascht und begeistert uns, sofern sie ansprechend gestaltet ist. Um jedoch erfolgreich zu sein, muss die Aufmerksamkeit des Rezipienten erlangt werden. In Zeiten der Informationsflut und sämtlichen AdBlockern wird das jedoch immer schwieriger.  Ein Ansatz, um schnell Aufmerksamkeit zu gewinnen, ist Schockwerbung. Dabei setzen die Produzenten meist auf Angst und Empörung. Ein gutes Beispiel dazu ist Anfang April in Paris entstanden.

 

Frankreich kämpft seit längerem mit unvorsichtigen Fußgängern, welche des Öfteren bei Rot über die Ampel gehen. Die Franzosen sind jedoch hierbei nicht die Einzigen. Ein kurzer Blick auf die Straßen der Großstädte zeigt, dass es mittlerweile ganz normal ist, bei Rot über die Ampel zu gehen. Die Zahl der Verkehrstoten in der EU ist nach 14 Jahren erstmal wieder gestiegen (Stand 2015). Im Kampagnen-Video wird die Zahl der jährlichen Verkehrsopfer in Paris auf 4.500 geschätzt. Dabei sind ausschließlich Fußgänger gemeint.

 

Rot gleich Tod? Die Kampagne!

 

Die digital ausgelegte Kampagne “La Securite Routiere d’île-de-France” der französischen Verkehrsbehörde (DRIEA) versucht nun, das Bewusstsein der Menschen dahingehend zu wecken. Dies scheint zu gelingen: Das Video zur Kampagne hat mehr als 235.200 YouTube Views und weist 2.730.000 Ergebnisse bei der Google Suche auf (Stand Juli 2017). Die Idee der Kampagne ist simpel und genial. Überquert ein Fußgänger bei Rot die Ampel, ertönt von der Reklametafel ein Geräusch eines rasenden Autos. In diesem erschreckenden Moment wird ein Bild aufgenommen und auf die nahe liegende Anzeige übertragen. Das entstandene Portrait wird mit einer Message ergänzt, welche die Betroffenen zum Nachdenken anregen soll.

Die Reaktionen sind erschreckend und aus diesem Grund auch sehr authentisch. Aufgrund des lauten Tons und der Unvorhersehbarkeit des Vorgangs wird auch der Video-Zuschauer in den Bann gezogen. Die Fußgänger sehen sich selbst, wie sie dem Tod (digital) ins Auge blicken. Glücklicherweise ist von einer echten Gefahr in dem Moment abzusehen, der Schock sitzt tief.

Es sind die ungewohnten Situationen, die die Betroffenen aus dem Alltag reißen. Nach einem kurzen Entsetzen folgt die Einsicht, dass man mit dieser Unaufmerksamkeit sein Leben riskiert.

 

“Even a slight wrong move can be your last – don’t take the risk to face death.” Mit diesem Satz endet das Video, womit die Message ein letztes Mal gekonnt platziert wird. Die Schockwerbung ist außerordentlich emotional geladen, was den viralen Hit in so kurzer Zeit erklärt. Es ist ein umfassendes Thema, welches die Mehrheit betrifft und direkt adressiert.

Anzeige mit Momentaufnahme des Schocks

Erste Erfolge durch Schockwerbung

Die Reaktion der Medien steigert die Bekanntheit und Relevanz dieser Kampagne. In vielen Beiträgen wird bereits versprochen, dass man NIE wieder über eine rote Ampel gehen wird. Das deutsche Internetportal Web.de hat hierzu eine fortlaufende Abstimmung veröffentlicht.

Ist die Maßnahme der Schockkampagne zu extrem?

 

Könnten Sie sich eine derartige Maßnahmen auch in Deutschland vorstellen?

Bildquelle: Web.de/Magazin/Leben/digital/SieSiehtDemTodInsAuge, 19.05.2017

Obwohl ein großer Teil der Befragten die Schock-Kampagne befürwortet, bleibt die Meinung geteilt. Kritiker argumentieren, dass der Schreck zu groß sei und mit einer echten Gefahr verbunden sein könnte. Vor allem ältere Menschen könnten ernsthafte Folgen von diesem Schock mit sich tragen, was die Eignung dieser Kampagne in Frage stellt. Andere verteidigen weiterhin das Überqueren der Straße bei Rot. Sofern man sicherstellt, dass keine Gefahr in Sicht ist, sei es für sie in Ordnung. Die ersten Komiker haben bereits die Idee, den Bewegungssensor absichtlich einzuschalten, um ein lustiges Bild von sich zu schießen.

 

Auch wenn die Meinungen gespalten sind, zeigt die Kampagne ihre Wirkung. Unzählige Menschen tauschen sich über ein Verhalten aus, welches man in der Regel im Kindesalter beigebracht bekommt.

 

Doch nicht nur die Franzosen versuchen mit aggressiven Mitteln gesellschaftskritische Themen anzugehen. Seit Mai 2016 sind auf den Zigarettenschachteln schockierende Bilder abgedruckt, die die Folgen von Tabakkonsum darstellen. Ob diese Methode in Deutschland jedoch wirklich erfolgreich ist und die Raucherzahl vermindert, bleibt fraglich. Die Meinungen dazu spalten sich ebenfalls. Nichtsdestoweniger ist die Kauflust beim Anblick dieser Bilder bei den Rauchern gesunken.  Aufmerksamkeit hat diese Aktion sicherlich auf sich gelenkt, doch tritt der gewünschte Erfolg auch in Zukunft weiterhin auf?

 

AIDA – auf Attention kommt es an, egal wie

 

Treu der bekannten Werbeformel AIDA setzt die Schockwerbung auf Aufmerksamkeit – und das um jeden Preis. Der Eyecatcher ist nicht zu übersehen und ruft meist negative Gefühle hervor. Solche Gefühle und Themen, mit denen man sich länger auseinandersetzt, als mit einem heiteren Witz. Genau diesen Denkanstoß hat die Schockwerbung als Ziel. Neben dem reinen Konsum sollen sich die Rezipienten ernsthafte Gedanken machen und ihr “Fehlverhalten” überdenken. Damit verspricht sich diese Methode einen langfristigen Erfolg, da die Menschen davon “abgeschreckt sind”.

 

Die drei wichtigsten Komponenten der Schockwerbung sind:

1.Unverwechselbarkeit: Anders sein und charakteristisch auffallen!

2.Mehrdeutigkeit: Mehr Menschen erreichen, indem man Platz für Interpretationen lässt.

3.Überschreitung von Grenzen: Durch die Nichtbeachtung von gesellschaftlichen Konventionen wird das Publikum zum Nachdenken angeregt.

 

Der Überraschungseffekt, welcher bei der Schockwerbung auftritt, beschleunigt den Prozess der Informationsverarbeitung. Menschen reagieren kognitiv stärker auf Inhalte, die sie nicht erwarten. Zudem steigt ihre anschließend auftretende Neugierde und entwickeln eigene Assoziationen diesbezüglich. Auf diese Weise nehmen sie sich die Botschaft zu Herzen und bemühen sich dementsprechend zu handeln.

 

Der Vorreiter ist und bleibt United Colors of Benetton

Schockwerbung ist nichts Neues und wird von manchen mutigen und gesellschaftskritischen Organisationen angewandt. In den 1980er Jahren überraschte mit United Colors of Benetton ein Unternehmen die Rezipienten mit seiner “unangebrachten” Werbung. Mit ihrer Werbekampagne lösten sie einen öffentlichen Skandal aus. In der Fotostrecke waren eine Nonne und ein Pfarrer küssend abgebildet. Andere Plakate zeigen die blutige Uniform eines ermordeten Soldaten. Während vor allem die älteren Rezipienten empört reagierten, verstand die junge Zielgruppe das Statement hinter den schockierenden Bildern. Die bewusstseinskrititschen Themen Krieg, Kulturen oder AIDS wurden öffentlich stark diskutiert. Der Bekleidungskonzern zielte in erster Linie auf die Steigerung des sozialen Bewusstseins ab. Sie lenkten die Aufmerksamkeit auf soziale Missstände, indem sie das Publikum mit Tabuthemen provozierten.

 

Im Gegensatz zu NGOs ist für viele Unternehmen das verbundene Risiko mit Schockwerbung viel zu hoch. Neben einer negativen Rückmeldung, Umsatzverlusten oder Produkt-Boykotten, kann es auch zu einem Imageverlust kommen. Dennoch trauen sich einige “Rebellen”, unsere Gesellschaft zu kritisieren und gehen mit ihrer Werbung in die Geschichte ein. Einen langfristigen Erfolg kann die Schockwerbung haben, wie im Fall von United Colors of Benetton. Denn wer hätte gedacht, dass eine 20-Jährige Studentin über eine Werbung schreibt, die sie nie live gesehen hat?

tl;dr
Schockwerbung ist ein effektives Mittel, welches von einigen mutigen und gesellschaftskritischen Organisationen angewendet wird. In den 1980er Jahren überraschte United Colors of Benetton die Rezipienten mit seiner “unangebrachten” Werbung. Seit April 2017 setzt eine französische Kampagne auf dieses Instrument, um seine Bürger davon abzuhalten, bei Rot über die Straße zu gehen.

 

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#NewWork – Heute regiert die Digitalisierung den Arbeitsplatz

„Ein Analoger wird bei uns nicht happy – wie sollen wir mit ihm kommunizieren? Briefe schreiben?“ – Florian Bauhuber, Geschäftsführer von Tourismuszukunft.

In den frühen 80iger Jahren war der Schreibtisch eines Manangers vollgestellt mit diversen Büchern, Akten, einem Faxgerät, einem Taschenrechner, einem Telefon, einem Kalender, Bilder an der Wand und einem Computer, dessen Bildschirm fast so breit wie der Tisch selbst war. Fast 40 Jahre später sind Bilder an der Wand, sowie Faxgerät oder Bücher überflüssig geworden. Denn der Beschäftigte von heute benötigt nun nicht mehr als einen Laptop, sein Smartphone, Internetzugang und bei Sonnenschein die Sonnenbrille. Und Schuld daran ist die Digitalisierung!

 

Die Agentur Tourismuszukunft

Florian Bauhuber ist seit 2008 Geschäftsführer von Toursimuszukunft. Auf dem #cosca17 beschrieb er den Weg seiner Agentur in die Digitalisierung. Das Interesse der Barcamp-Besucher war groß – der Zweifel, ob dieses Arbeitsmodell wirklich nachhaltig ist auch. Florian setze sich entspannt auf den Tisch und leitete die Session mit den Worten, „Wir waren mal das…“ ein. Auf seiner Folie sind ca. 20 Mitarbeiter im typisch adretten Anzug und einem gezeichneten Lächeln zu sehen. Wer kennt es nicht? Das typisch deutsche Arbeitsmodell: ein lokales Büro, mehrere Arbeitszimmer, die neben Tischen und Stühlen ausgestattet mit Grünpflanzen sind, Arbeitszeiten von 8-17 Uhr, Überstunden werden hingenommen und für die Mitarbeiter ist der beliebteste Weg, der zum Kaffeeautomaten oder der Toilette. Florians Agentur hingegen glänzte zusätzlich mit einem Tischkicker, der in der Mittagspause oder nach Feierabend für den Spaßfaktor sorgte. „Wir dachten, wir sind eine coole Firma, in der jeder sein will.” Florian Bauhuber berichtete davon, wie sich gut ausgebildete Mitarbeiter nach und nach aus der Firma verabschiedeten. Ist die Digitalisierung Schuld daran? Florian vermutet, „Ihr Drang nach Offenheit, Neugier und Flexibilität ist einfach zu groß, um sie an einen Ort zu binden.”, deshalb zog der Geschäftsführer rechtzeitig die Notbremse und leitete die Transformation ein.

 

Flexible Arbeitsplätze machen den Anfang

Laut einer Umfrage von Indeed im Jahr 2016, ist ein flexibler Arbeitsplatz für drei Viertel der deutschen Arbeitnehmer ein wichtiges Kriterium (vgl. Presseportal, 2016). Die Werbeagentur „be a part“ in Darmstadt transformierte sich beispielsweise aus einer strukturierten und hierarchischen Arbeitsweise zu einem flexiblen Arbeitsplatz: Geschäftsführerin Nancy Graf unterschreibt nun keine Urlaubsanträge mehr. Ihre Arbeitnehmer entscheiden seit 2014 selbst, wann, wo und wie viel sie arbeiten. Dieses Arbeitsmodell funktioniert hervorragend und wird gerne von den Mitarbeitern angenommen, die dadurch motivierter, entspannter und vor allem produktiver sind. Trotz Arbeitsplatzfreiheiten stellt die Geschäftsführerin ein lokales Büro mit hauseigenem Fitnessraum für ihre Mitarbeiter zur Verfügung, das von vielen regelmäßig und zum intensiven Austausch genutzt wird. Tourismuszukunft hingegen ging einen Schritt weiter. Florian Bauhuber transformierte seine Agentur zu einem Netzwerkunternehmen ohne Büro. Er schaffte den Spagat zwischen Vertrauensarbeit und Home-Office.

 

Die Transformation zum Netzwerkunternehmen

Netzwerkunternehmen, New Work oder digitale Nomaden – wie soll man ein Unternehmen oder eine Agentur und die Mitarbeiter beschreiben, die ihre Arbeit ohne lokales Büro, ohne feste Arbeitszeiten und ohne sesshaftes Arbeitszimmer verrichten? Lassen wir die Benennung nebensächlich sein. Denn eins wird deutlich: die Arbeitswelt steht im Umbruch und die Digitalisierung trägt einen großen Anteil dazu bei. Florian Bauhuber reagierte darauf mit sieben Glaubenssätzen, die ich in wenigen Sätzen erläutere:

(1) Zusammenarbeit funktioniert besser in Netzwerken statt in Silos

Die Digitalisierung fordert hohe Flexibilität, Dynamik und lebenslanges Lernen in allen Bereichen unseres Alltages. Um diesen Ansprüchen auch in einem Unternehmen gerecht zu werden, ist ein Umdenken im klassischen Projektmanagement nötig. Silodenken und Projekte mit langwierigen Entscheidungsabwicklungen von oben haben im 21. Jahrhundert kaum noch Bestand. Agile Projekte öffnen Türen für schnelle Reaktionen und Innovation.

 

(2) Informationen dürfen nicht mehr aus machtpolitischem Interesse einbehalten, sondern müssen geteilt werden

Wie sagt ein schönes Sprichwort? Sharing is caring! Weg vom Konkurrenzdenken hin zum Wissensaustausch untereinander. Das fördert den Teamgeist, die Motivation und die Qualität der Arbeit.

 

 (3) Führungskräfte sind Ermöglicher und keine Herrscher

Florian Bauhuber ist zwar Geschäftsführer von Tourismuszukunft, jedoch nimmt er nicht die Rolle eines Herrschers ein. Er ist der Ermöglicher:

Florian Bauhuber twittert

 (4) Vielfalt schlägt Spezialisierung

Das Unternehmen hat die Erfahrung gemacht, dass Vielfalt effektiver als Spezialisierung ist. Jeder Netzwerkpartner* hat unterschiedliche Interessen und Arbeitserfahrungen in unterschiedlichen Bereichen. Jeder Einzelne bringt Vielfalt in die Agentur, die nicht durch starre Strukturen eingegrenzt werden sollte. Mauern schränken ein, doch Vielfalt ist grenzenlos.

  

(5) Die Potenzialentfaltung der Mitarbeiter ist wertvoller als normierte Prozesse

Menschen haben unterschiedliche Bedürfnisse und bevorzugen unterschiedliche Arbeitsroutinen: Arbeiten am Morgen, nachmittags oder bis tief in die Nacht – jeder hat eigene Leistungshöhe- und -tiefpunkte während des Tages. In einem Arbeitsalltag von 8-17 Uhr ist die Entfaltung persönlicher Arbeitsroutinen praktisch unmöglich. Deshalb gibt Tourismuszukunft seinen Kollegen* alle Freiheiten, die sie benötigen, um sich selbst und innerhalb ihrer Projekten zu entfalten und produktiv zu sein. Das gilt nicht nur für die Arbeitszeit, sondern schließt den Arbeitsort mit ein. Das Netzwerkunternehmen hat zurzeit 12 Standorte in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Mit Hilfe der Digitalisierung werden Hürden, die ohne Arbeitsbüro entstehen, wie große Entfernungen, Absprachen, Informationsaustausch oder alltägliche Witze überwunden. Whatsapp, Socialcast oder Hangout sind nur wenige Tools, die das Arbeitsmodell New Work möglich macht. Beispielsweise gibt es bei Tourismuszukunft jeden Montag ein Hangout Meeting und vier Mal im Jahr ein ganz reales Treffen, face-to-face, an einem schönen Ort.

 

(6) Scheitern ist unvermeidbar und Vertrauen erfolgskritisch

Scheitern ist die beste Art und Weise, zu lernen. Dabei sollte Scheitern kein gesellschaftliches Tabuthema sein, sondern man sollte aus diesen Erfahrungen lernen und wachsen. Außerdem ist Vertrauen das A und O in einer Arbeitswelt ohne lokales Büro. Jeder Netzwerkpartner* der Agentur Tourismuszukunft ist selbst verantwortlich, seine Deadlines pünktlich und gewissenhaft abzuliefern.

 

(7) Vor allem aber: Der Kundennutzen definiert die Strategie

Arbeiten ist mehr als als nur Geld verdienen. Tourismuszukunft steht mit seinen Kunden stetig im Dialog, um die Strategie auf ihre spezifischen Wünsche und Bedürfnisse aufzubauen.

 

Haben diese Arbeitsmodelle Zukunft?

Pauschal sind Freiheiten und Flexibilität bei der Arbeit nicht für alle Persönlichkeiten das richtige Modell. Dank der Digitalisierung ist es heute aber möglich, Menschen den Wunsch nach einem flexiblen Arbeitsplatz zu erfüllen. Ob dieses Modell nachhaltig oder tatsächlich zukunftsfähig ist, werden wir in den kommenden Jahren weiterhin selbst beobachten können.

 

 

*Nachdem es auf Twitter die Anregung gab, dass es sich bei einem Netzwerkunternehmen weniger um Mitarbeiter und eher um Netzwerkpartner oder Kollegen handelt, habe ich nachträglich meinen Blogbeitrag dementsprechend angepasst. Danke für den Hinweis.

Quellen:

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Shitstorm – Fluch oder Segen | How to manage

Ein Semesterprojekt von Alina Drewitz und Elisabeth Riehle.

Wir alle sind ihnen schon einmal begegnet, denn vor allem in Zeiten von Social Media haben sie große Plattformen gefunden: Shitstorms. Aber wie entstehen sie überhaupt und kann man sie voraussehen und sogar für sich nutzen?

Wir haben mit zwei Profis über das Thema gesprochen: Prof. Dr. Lars Rademacher, Professor für Public Relations und Studiengangsleiter Onlinekommunikation und Prof. Dr. Philipp Rauschnabel, Marketing Researcher, Consultant, Speaker & Instructor und Experte in Branding, Social Media, Augmented Reality Smart Glasses / AR, haben ihre Eindrücke und Erfahrungen mit uns geteilt.

Herausgekommen ist eine Infografik, die als Guide Community Manager in Krisensituationen unterstützen soll.

Was ist ein Shitstorm?

Ab wann negative Kommentare als Shitstorm gelten, ist nicht klar abgrenzbar. Was einen Shitstorm allerdings ausmacht, sind viele negative, emotionale, beleidigende Kommentare, die die Stimmung gewollt in eine Richtung lenken und somit quasi eine Art “gleichgerichteten Strom” bilden, so Lars Rademacher.

Philipp Rauschnabel, der zusammen mit Nadine Kammerlander und Björn Ivens bereits die Studie “Collaborative Brand Attacks in Social Media: Exploring the Antecedents, Characteristics, and Consequences of a New Form of Brand Crises” veröffentlicht hat, beschreibt es als eine “kollaborative Attacke auf eine Marke” und erklärt so auch den Namen Collaborative Brand Attack.

Gerade außerhalb des deutschsprachigen Raumes ist es empfehlenswert nicht Shitstorm zu sagen, denn übersetzt bedeutet es das, was dort steht. Deshalb die Begriffe  “Collaborative Brand Attack”  oder “Online Firestorm” – beschreiben genau das gleiche Szenario mit passenderen Worten 😉

Kann man einen Shitstorm voraussehen?

“Voraussehen kann man das gar nicht, da es sehr schnell passiert”, so Philipp Rauschnabel, “man kann es aber bemerken”. Denn ob und wie die Community auf Beiträge reagiert ist von vielen Faktoren abhängig: So spielen aktuelle Geschehnisse, persönliches Befinden und auch soziale Einflüsse eine Rolle bei den Reaktionen auf Inhalte im Netz. Man kann jedoch aufmerksam verfolgen, ob die Stimmung innerhalb der Community oder unter einem bestimmten Beitrag kippt und sich ins Negative bewegt.

Auch wenn man einen Shitstorm nicht voraussehen kann, so sollte man ihn jedoch schon bei der Planung des Contents berücksichtigen. Dabei hilft es beispielsweise, verschiedene Rezipientenpositionen einzunehmen, sagt Lars Rademacher. Sich also in die Rolle der Community reindenken, aus den verschiedensten Positionen und alle Inhalte auch immer kritisch betrachten. Zudem gibt er zu bedenken: “Es gibt nicht selten die Situation, dass so etwas mit Absicht passiert. Also jemand verstößt gegen die political correctness und produziert dadurch einen Aufschrei. Es will gar nicht jeder einen Shitstorm vermeiden.“ Und auch das sollte man immer im Hinterkopf behalten und darauf eingestellt sein.

Hoch lebe der Community Manager!

Sollte ein Beitrag innerhalb einer Community in einen Shitstorm ausarten, liegt es am Community Manager die Situation wieder unter Kontrolle zu bekommen. Aber wie reagiert man angemessen in so einer Situation und was sollte man lieber sein lassen? Auch hier gibt es kein richtig und falsch, denn es ist ja nie genau absehbar, wie die Community worauf reagiert.

Philipp Rauschnabel empfiehlt dem Community Manager moderierend in das Geschehen einzugreifen und die Kontrolle über die Situation zu gewinnen. “Ruhe bewahren, transparent argumentieren und nicht löschen – Fehler gegebenenfalls sofort eingestehen und korrigieren, sofern das möglich ist”, rät der Experte.

Lars Rademacher ergänzt, dass das Löschen von vereinzelten Kommentaren mit klarer Ansage warum dann angebracht ist, wenn sie volksverhetzende oder rassistische Aussagen enthalten. Ansonsten sieht auch er die Chancen des Community Managers ganz klar im Dialog mit den Leuten.

Sollte man Shitstorms provozieren und diese positiv für das Unternehmen nutzen?

Kann man machen, muss man aber nicht 😉 Was bei einem Shitstorm passiert und welche Ausmaße Kommentare und Aktionen der Nutzer annehmen können, ist wie bereits erwähnt nie genau vorhersehbar. Einen Shitstorm bewusst zu provozieren, könnte also auch nach hinten losgehen. Ein provokantes Thema ansprechen, um einen Missstand aufzudecken und einen Shitstorm dabei in Kauf zu nehmen, ist allerdings sehr mutig und legitim.

Einen Shitstorm in etwas Positives zu wandeln, sollte zudem immer das Ziel sein – und das ist auch möglich, wie das Beispiele der Schengener Feuerwehr aus Luxemburg zeigt: Nachdem es viel Spott für einen Feuerwehrmann gab, der bei einem Einsatz in kurzen Hosen fotografiert wurde, startete die Feuerwehr mit #domengboxun (zu Deutsch zieh meine Hosen an) eine Offensive gegen Trolle und Hater. Um Urteilen zu können, sollte man den Hintergrund eines jeden Bildes erst einmal kennen. In diesem Fall war es so, dass der Feuerwehrmann in seiner Freizeit zufällig in der Nähe eines Brandes war, sich wenigstens seine Jacke und seinen Helm schnappen konnte und sofort zu Hilfe eilte.

Exakter Notfallplan vs. Flexibilität?

Die Mischung macht’s! Beide Profis sind sich einig: Man sollte einen Masterplan in der Hinterhand haben, aber auf jeden Shitstorm individuell und flexibel reagieren. Wichtig ist, dass Mitarbeiter gleichermaßen gebrieft werden und wissen, welchen Standpunkt sie vertreten und mit welchen Statements sie argumentieren können.

Es sollten also immer Guidelines parat stehen, die einen groben Weg vorgeben, aber eine flexible Handhabung zulassen. Klingt machbar, oder?

Und danach?

Das Wichtigste nach einem Shitstorm ist, wieder zum Normalzustand zurückzufinden – die Community für sich gewinnen, den Shitstorm aufarbeiten,  und für die Zukunft gewappnet sein. Die Angst, dass so etwas noch einmal passieren könnte sollte einem nicht im Weg stehen, sondern daran erinnern, auch in Zukunft auf Shitstorms vorbereitet zu sein.

Geheimtipps der Profis!

Ob ein Shitstorm nun zum Fluch oder Segen wird, hängt ganz von der Community, vom Unternehmen und dem Community Manager ab. Vorbereitung ist das A und O! Wer weiß, wie bei einem Shitstorm zu reagieren ist, kann ihn nicht verlieren 😉 Mit einem lustigen Spruch auf den Lippen, etwas Sympathie, Humor und der nötigen Ernsthaftigkeit können Unternehmen auch in Krisensituationen ihre Community für sich gewinnen, wenn sie nur richtig darauf vorbereitet sind.

Infografik Shitstorm

tl;dr

Shitstorms sind nicht immer vorhersehbar, aber bemerkbar und man sollte sie bei jeder Planung bedenken. Allerdings bedeutet ein Shitstorm nicht gleich Fluch, sondern kann auch ein Segen für ein Unternehmen oder eine Marke sein, wenn richtig damit umgegangen wird. Das Löschen oder Ignorieren ist dabei nicht die richtige Vorgehensweise – der Community Manager sollte stattdessen den Dialog mit der Community suchen und mit Hilfe von vorher zurecht gelegten Guidelines die Werte des Unternehmens oder der Marke präsentieren und so die Community wieder für sich gewinnen.

Many thx

Außerdem möchten wir uns an dieser Stelle noch herzlich bei Lars Rademacher und Philipp Rauschnabel für ihre Zeit und ihren Input bedanken: Durch Sie ist unser Projekt einzigartig geworden und durch den Kontakt mit Ihnen konnten auch wir persönlich viel mitnehmen – DANKE! 🙂

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#cosca17 – Interessante Zahlen rund um das Content Strategy Camp

Die fünfte Auflage des Content Strategy Camps (#cosca17) am Mediencampus in Dieburg ist seit wenigen Tagen beendet. Was den vielen Teilnehmern bleibt, sind spannende Eindrücke aus den zahlreichen Vorträgen und Diskussionen. In den folgenden Wochen möchten die PR-Fundsachen einige spannende Sessions in die Berichterstattung aufnehmen und deren Inhalte reflektieren und konkretisieren. Bevor wir jedoch inhaltlich starten, haben wir interessante Zahlen und Statistiken parat. Mit freundlicher Unterstützung von Brandwatch war es uns möglich die Twitter-Aktivitäten der Community live einzusehen und perfekt zu visualisieren.

Dass Twitter der Hauptkanal der Community war, ist keine Überraschung. Mehr als 200 Teilnehmerinnen und Teilnehmer twitterten sich teilweise in die deutschen Twitter-Trends (siehe Grafik). Am Ende des #cosca17 waren es mehr als 2600 Tweets, die den Hashtag #cosca17 beinhalteten. Den größten Peak gab es am Freitag, 23.06.17, mit 1820 Erwähnungen.

#cosca17 in den Twitter-Trends

Die spannendsten Statistiken

Statisiken zu Buzz

Top Tweets der Community

Top 3 Tweets

Hashtags und Top Tweeter

Hashtag und Top Tweeters

Top Autoren

Tl;dr – Zusammenfassung der #cosca17 Statistiken

Wichtigen Statistiken rund um das Cosca17

Das Team der PR-Fundsachen möchte nochmal einen besonderen Dank an Brandwatch ausrichten, die für die Statistiken verantwortlich waren. Ebenso möchten wir der Community für spannende Tage am Mediencampus danken. Gerne würden wir eure Meinungen über unsere Berichterstattung vor Ort erfahren. Wenn ihr Interesse habt, dann nehmt bitte an unserer kurzen Umfrage teil. Es dauert nur wenige Minuten und hilft uns sehr weiter. Vielen Dank.

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