Abgas-Skandal bei VW – Wie wird kommuniziert?

www.pixelio.de
© Bernd Kasper / pixelio.de

Der deutsche Automobilkonzern Volkswagen hat es zurzeit nicht einfach. Der Skandal um die Abgasmanipulation stellt das Unternehmen und natürlich auch die interne PR-Abteilung vor eine komplizierte Aufgabe. Wie kommuniziert man so einen Skandal in den  Medien? Wie mit den eigenen Mitarbeitern? Und vor allem: Welche Maßnahmen werden vorgenommen um zu verhindern, dass das Unternehmen seinen guten Ruf verliert?

Als die ersten Artikel über die Manipulation von Diesel Fahrzeugen der Marke Volkswagen veröffentlicht wurden, hat sich zuerst der amerikanische CEO von VW, Michael Horn, vor die Kamera gestellt, um sich zu den Vorwürfen zu äußern. Ein paar Tage darauf wurde auch ein Video-Statement vom damaligen Vorstandsvorsitzenden des Konzerns, Martin Winterkorn, veröffentlicht. Er entschuldigt sich für die Manipulation und verspricht diesen Umstand so transparent wie möglich zu beleuchten, indem eine externe Untersuchung in Auftrag gegeben wird. Außerdem richtet er auch ein paar beruhigende Worte an seine über 600.000 Mitarbeiter. Ein wichtiger Schritt seitens Winterkorn, denn vor allem die Mitarbeiter des Unternehmens sind durch den Skandal betroffen. Er nimmt also die Verantwortung auf sich und gibt damit seinen Posten als Vorstandsvorsitz auf.

Auf den großen sozialen Netzwerken finden sich hauptsächlich Links zu Pressemitteilungen auf der offiziellen Volkswagen Homepage und mehrere Video-Statements. Auf der deutschen Facebook Seite des Unternehmens wird eine weitere Stellungnahme gepostet:

 

Facebook Statement VW

 

In den USA, wo der Skandal bekannt geworden ist, wurde eine eigene Service-Homepageaufgesetzt, auf welcher besorgte Kunden auf dem neusten Stand gehalten werden.

 

 

Nach einigen Tagen wird Winterkorns Nachfolger bekannt gegeben. Thomas Müller, der zuvor bei der Partner-Marke Porsche im Vorstand saß, nimmt sich der schwierigen Aufgabe an und wird der neue Vorstandsvorsitzende von VW. In einem weiteren Video-Statement äußern sich er und weitere wichtige Vorstandsmitglieder des Unternehmens zum aktuellen Stand und zur Kündigung Winterkorns. Es wird um Vertrauen gebeten und eine Lösung für betroffene Kunden noch für den Oktober diesen Jahres angekündigt:

 

 

Die Kollegen in der PR Abteilung von VW haben es zur Zeit sicher nicht einfach, doch bisher wird schon vieles richtig gemacht. Das Schuldeingeständnis, die Videostatements, die externe Untersuchung und die beruhigenden Worte an die Mitarbeiter des Unternehmens sind Schritte in die richtige Richtung. Wenn man einen ähnlichen Kurs beibehält, sollte der Konzern die Krise überstehen können. Doch in Zukunft ist allergrößte Vorsicht, vor allem im Bereich der PR, geboten. Was Umweltschutz und Nachhaltigkeit angeht, hat das Unternehmen einiges an Glaubwürdigkeit verloren und das sollte man in der künftigen Kommunikation versuchen wieder aufzuarbeiten, um das Kundenvertrauen zurück zu gewinnen.

zu den Kommentaren

Ein Werbeclip für alle Fälle

Nach 17 Jahren Vereinszugehörigkeit verlässt Bastian Schweinsteiger den FC Bayern. Kurz nachdem sein Wechsel bekannt wurde, veröffentlichte sein Sponsor und Kopfhörerhersteller „Beats by Dre“ einen rührenden Abschiedsclip – und verärgerte damit die Fans.

Mit dem Video „Bastian Schweinsteiger – An deiner Seite“ ist dem Hersteller ein echter Überraschungs-Coup gelungen. Kurz nach Veröffentlichung des Videos schnellten die Klickzahlen auf Youtube nach oben, vier Tage später lagen sie bei 2,3 Millionen Views. Der Grund für Aufregung: der sichtbar aufwendig produzierte Clip wirkt, als sei der Wechsel des Fußballers bereits seit längerer Zeit beschlossene Sache gewesen. Aber mitnichten.

Die Filmarbeiten für den teuer produzierten Werbeclip wurden bereits fünf Wochen vor dem Wechsel Schweinsteigers in einem Kölner Hotel gedreht. Die Aufnahmen zeigen den 30-Jährigen in einem Hotelzimmer, beim Verfassen eines Abschiedsbriefes. Zu melancholischer Musik blickt Schweinsteiger von einem Balkon auf die Dächer Münchens, er scheint sich zurück zu erinnern an Vergangenes. Im Hintergrund läuft ein Fernseher, man hört einen Kommentar der Sky-Kommentatoren Wolff-Christoph Fuß und Sebastian Hellmann. Sie sprechen von Schweinsteigers Erfolgen und dessen Wechsel, weg von München, hin zu einem neuen Verein – alles wirkt authentisch. Dabei wurden die Tonaufnahmen der Sprecher ebenfalls bereits vor Wochen aufgenommen, mehrere Szenarien, wie auch ein mögliches Karriereende und der Verbleib bei Bayern München wurden darin durchgespielt.

Die letzte der eingespielten Varianten, der Verbleib bei Bayern München, hätte den Fans des Fußball-Rekordmeisters wohl am besten gefallen. Die große Aufmerksamkeit für den Werbeclip wäre dann aber vermutlich auf der Strecke geblieben. Deshalb 1:0 für Beats by Dre.

Von Philipp Bender

zu den Kommentaren

Zwischen Fahndungsplakaten und Katzenbildern – die Polizei und Social Media

Foto:  Twitter / @PolizeiBerlin_E
Foto: Twitter / @PolizeiBerlin_E

„Hasen-tweet: Wir müssen einem Hasen helfen, der auf einer Kreuzung in #Spandau nicht mehr weiter weiß.“ Was hier wie die Heldentat eines x-beliebigen Twitterers klingt, ist in Wahrheit eine Alltagssituation der Berliner Polizei. Denn längst haben auch deutsche Gesetzeshüter die Social-Media-Kanäle für ihre Polizeiarbeit entdeckt.

So wie auch die Bürgerschaft, ist die Polizei in den sozialen Netzwerken wie Facebook, Twitter und Co unterwegs und präsentiert sich mit einem persönlichen und unbürokratischen Kommunikationsstil. Die „Polizei 2.0“ erfreut sich dabei steigender Beliebtheit. Mitte Juni hielt die Berliner Polizei ihren dritten Twitter-Marathon ab und berichtete 24 Stunden lang über den Alltag Berliner Streifenpolizisten. Die Twitter-Gemeinde belohnte die Berliner mit 5000 neuen Followern auf knapp 60.000 nach dem Ende der Aktion. Die gleiche Aktion im Vorjahr steigerte die Anzahl von 4000 auf damals 20.000 Follower. Damit ist der Twitter-Marathon eines der bekanntesten Beispiele für Polizeiarbeit innerhalb sozialer Netzwerke.

Foto: Twitter / @Polizei_Ffm
Foto: Twitter / @Polizei_Ffm

Die Gesetzeshüter profitieren vor allem von der Schnelligkeit und den Verbreitungsmöglichkeiten der sozialen Netzwerke. Warnhinweise über Vollsperrungen und Zeugenaufrufe erreichen die Bürger schneller als über das Radio oder Fahndungsplakate und Zeitungsartikel. Das gilt besonders für die Zielgruppe der Jüngeren. Mit der Darstellung ihrer Arbeit gibt die Polizei auch einen breiten Einblick in ihren Alltag und macht ihn transparenter. Sie lenkt damit ab von ihrem teilweise negativ behafteten Image – der „Freund und Helfer“ soll wieder in den Vordergrund gerückt werden. Und das mit Erfolg. Denn wie überall im Netz präsentieren auch die Beamten Beiträge über gerettete Kätzchen oder eine verirrte Entenfamilie. Die bringen dann überproportional viele „Likes“, die Imagepflege funktioniert.

Mit ihrer Social-Media-Arbeit versucht die Polizei auch die Kontrolle über schwierige Situationen zu erlangen. Ein Beispiel dafür sind die Ausschreitungen anlässlich der EZB-Eröffnung in Frankfurt. Hier zeigte ein von Beamten gedrehtes Video, wie ein Polizeirevier von vermummten Randalierern angegriffen wurde und dabei mehrere Streifenwagen in Brand gerieten. Dieses Video ist eines der symbolträchtigsten Beispiele für die Gewaltbereitschaft der Protestierenden und wurde nicht nur zahlreich im Internet geteilt, sondern schaffte auch den Sprung in die Fernsehberichterstattung. In den Augen vieler Bürger legitimierte dieses Beweisvideo das harte Vorgehen der Ordnungshüter gegenüber dem gewaltbereiten Teil des Blockupy-Bündnisses.

Natürlich haben die bloggenden Beamten mit ihrem Auftritt „Polizei 2.0“ auch die Nachwuchsgewinnung im Visier. Nach dem Twitter-Marathon im Jahr 2014 erhielten die Berliner Beamten rund 10.000 Bewerbungen für 450 zu besetzende Stellen – die Zahlen in diesem Jahr könnten ähnlich sein.

Von Philipp Bender

zu den Kommentaren

Aufmerksamkeit durch Provokation

Anti Leder Demo Bild

Hört man PETA (People for the Ethical Treatment of Animals), denken wohl die meisten Menschen an Undercover-Aufnahmen von Massenenzuchtbetrieben oder an mit Kunstblut verschmierte Aktivisten, die in gut besuchten Fußgängerzonen demonstrieren und Aufklärungsarbeit betreiben. Oftmals wird der Tierrechtsorganisation im Zusammenhang mit diesen Aktionen vorgeworfen, durch pure Provokation Aufmerksamkeit zu erhaschen. Doch selbst wenn: Was wäre so falsch daran?

PETA wurde 1980 von Alex Pacheco und Ingrid Newkirk in den USA gegründet und ist die weltweit größte Tierrechtsorganisation . Seit 1993 gibt es PETA Deutschland mit derzeit rund 30.000 Mitlgiedern. Weitere Schwesterorganisationen arbeiten in Großbritannien, Frankreich, den Niederlanden, Australien, Indien und Hongkong. Eines haben sie alle gemeinsam: Sie möchten über das enorme Tierleid auf der Welt aufklären, dass durch ihre Kampagnen und Recherchen der Öffentlichkeit vor Augen geführt wird.

Nackte Haut und Schockfotos – schaut her!

PETAs bestes PR-Instrument ist seit jeher die Einbeziehung von Testimonials. Promis wie Pamela Anderson, Paul McCartney oder P!NK zieren etliche Werbeplakate von Aufklärungskampagnen. Oftmals ist auf diesen Bildern viel nackte Haut zu sehen. Laut PETA erhalten die Promis dafür keine Gage. PETA Deutschland ist ein eingetragener Verein und finanziert sich ausschließlich über Spenden. Über 80 Prozent der Spendeneinnahmen fließen in die Öffentlichkeitsarbeit, politische Arbeit und Aufklärungskampagnen. Dies ist nicht verwunderlich, schaut man sich an, mit wie viel Aufwand und Mühe viele Kampagnen betrieben werden.

Denn der Sinn dieser Aktionen ist, dass wir wahrgenommen werden und unser wichtiges Tierrechtsanliegen nicht vergessen wird. (…) Es ist leider sehr schwer, „unsere“ Themen in den Medien und den Köpfen gerade der Menschen, die nicht eh schon Bescheid wissen, präsent zu halten. (PETA)

Die klare Ansage lautet: Lebt vegan! Doch der komplette Verzicht auf tierische Lebensmittel oder tierische Kleidung ist selbst für überzeugte Tierrechtler nicht zwingend Alltag. Nicht alle leben vegan und könnten sich deshalb von dieser radikalen Ansicht abgeschreckt fühlen. Selbst, wenn sich diese Menschen ihr Frühstücksei oder die Wurst beim Bauern ums Eck holen, und somit zumindest nicht die Massentierhaltung unterstützen, kollidiert das mit dem Leitbild von PETA, welches lautet:

  • Tiere sind nicht dazu da, dass wir sie essen.

  • Tiere sind nicht dazu da, dass wir an ihnen experimentieren.

  • Tiere sind nicht dazu da, dass wir sie anziehen.

  • Tiere sind nicht dazu da, dass sie uns unterhalten.

  • Tiere sind nicht dazu da, dass wir sie ausbeuten bzw. misshandeln.

    (PETA)

 

Ist dein Make-up eigentlich tierversuchsfrei?“

Vor allem in den sozialen Netzwerken bieten Beiträge von PETA immer wieder Zündstoff für rege Diskussionen. Oft liest man Kommentare wie: „Solche furchtbaren Bilder möchte ich nicht sehen. Muss das sein?“ Selbst überzeugten PETA-Anhängern sind manche Fotos einfach zu heftig. Hin und wieder teile auch ich in Facebook Beiträge von PETA und bin mittlerweile schon auf solche Reaktionen vorbereitet. Vor einiger Zeit teilte ich folgendes Foto:

Noch Hunger Bild Peta

Prompt wurde der Beitrag von einem Freund kommentiert: „Hey Annika, schon mal ausgecheckt, ob dein Make-up tierversuchsfrei ist?“ Über die Kommentarfunktion entstand eine Diskussion. Ob ich mich persönlich angegriffen fühlte. Ob ich wüsste, dass der Konzern Pernod Ricard (französischer Wein- und Spirituosen-Konzern) der wohl größte Sponsor des französischen Stierkampfes ist. Ich jobbe neben dem Studium in einer Bar, daher dieser Seitenhieb. Mein Kumpel verwies mich auf Wikipedia, dort könne ich mich informieren, welche Spirituosen garantiert nicht vegan sind. Dass ich mit dem Teilen des PETA-Beitrages ursprünglich nur auf die Missstände in vielen Schweinezuchtbetrieben hinweisen wollte, war schon längst vergessen.

Vermutlich sind solche Vorwürfe auch der Grund, warum PETA sich ausschließlich für den veganen Lebensstil ausspricht. Es scheint für viele Menschen unverständlich zu sein, wie man sich für Tierrechte einsetzen und trotzdem nicht perfekt darin sein kann. Und genau damit bietet man dann den Nährboden für Vorwürfe. So entstehen allerdings auch Diskussionen und Gespräche, die vielleicht doch den ein oder anderen zum Nachdenken anregen. Es sind bereits die kleinen Dinge, die eine enorme Veränderung herbeiführen können. Darf also eine Tierrechtsorganisation ihre Anliegen durch provokante Kampagnen, Aktionen und schockierendem Bildmaterial an die Öffentlichkeit herantragen? Ich bin der Meinung, sie darf nicht nur, sie muss sogar.

zu den Kommentaren

& was ist das schon wieder?

Wir kennen sie alle – Videos, in welchen Social-Media-Nutzer sich literweise Wasser über den Kopf schütten und am Ende drei ihrer „Freunde“ dazu auffordern, das Gleiche zu tun. Den Hintergrund zu dieser umstrittenen Aktion müsste ich theoretisch gar nicht erläutern. Die sogenannte „Ice-Bucket-Challenge“ war DER virale Hit, bei der der eigentliche Sinn der Sache aber leider schnell in Hintergrund gerückt ist. Denn ursprünglich wurde die Aktion gegründet, um auf die Krankheit ALS aufmerksam zu machen. Jeder sollte spenden, ist jemand nicht dazu bereit, muss er sich einen Eimer Wasser über dem Kopf entleeren. Man kann natürlich auch beides machen – spenden und schütten. Irgendwann artete das Ganze dann so aus, dass die eigentliche „Challenge“ darin bestand, sich einmal kalt abzuduschen. Viele Kritiker sahen den Sinn dieser Aktion also schnell als verfehlt.

Aber die Ice-Bucket-Challenge ist längst nicht die einzige „healthcare Kampagne“, die über soziale Netzwerke polarisiert. Jedes Jahr am 28. Mai ruft die DKMS zum sogenannten „World Blood Cancer Day“ auf. Dabei soll auf die Knochenmarkspende aufmerksam gemacht werden, in dem User auf Facebook, Instagram, Twitter oder sonstigen Social Media Kanälen ein Foto mit sich und einem roten „&“-Zeichen posten und mit dem Hashtag #wbcd markieren. Im ersten Moment fehlt natürlich jeder Bezug von „&“ zu Blutkrebs. Die DKMS argumentiert damit, dass das Zeichen „für den gemeinsamen Kampf gegen Blutkrebs steht. Es meint: Du & Ich – nur gemeinsam können wir den Kampf gegen die Krankheit gewinnen.“ Das leuchtet ein. Ziel dieser Aktion ist es, so viele Menschen wie möglich damit zu erreichen und auf die Registrierung aufmerksam zu machen.

Zahlreiche Beiträge zum #wbcd2015. Quelle: instagram

2014 fand der erste World Blood Cancer Day statt und die Idee scheint sich langsam zu einer erfolgreichen Strategie für die weltweiten Knochenmarkspenderkarteien zu entwickeln. Zahlreiche Posts mit dem Hashtag #wbcd sind am 28. Mai eingetrudelt. Auch die DKMS selbst fasst ihre Aktion als gelungen zusammen:

Quelle: instagram
Quelle: instagram

Vielen stellt sich hier dennoch die Frage nach der Sinnhaftigkeit einer solchen Aktion. Was genau will die DKMS mit dieser Kampagne erreichen? Ein rotes &-Zeichen ist nicht sonderlich auffallend, so dass sich die Bilder von anderen extrem abheben würden. Eines ist aber klar: die DKMS beweist mit ihrer Aktion definitiv Aktualität und Trendbewusstsein, denn mit dem World Blood Cancer Day reiht sie sich ein in die Liste viraler Trends. Schließlich polarisierten auch schon die #icebucketchallenge oder die aktuelle #lovewins-Aktion und bekamen so weltweite Aufmerksamkeit. Für derartige Aktionen bieten sich soziale Netzwerke nun mal an und das hat auch die DKMS verstanden.

zu den Kommentaren

Kann man schon so machen…

Quelle: truefruits.com
Quelle: truefruits.com

Pürierte Früchte aka Smoothies sind voll im Trend. Die Supermarktregale in den Obst- und Gemüseabteilungen sind voll mit den bunten Fläschchen. Dort fallen besonders die Smoothies der Marke True Fruits mit feschem Design und kecken Sprüchen auf den Flaschen auf. Im März diesen Jahres erschien die limitierte „Black Edition“. Mit diesem lieferte True Fruits seinen Kunden nicht nur ein außergewöhnliches Design, sondern auch wieder einmal einen amüsant provokanten Flaschentext:

„Hast du schon mal einer hässlichen Freundin, die aber total lieb ist ein Date besorgt? So fühlen wir uns gerade mit dem white, unserem wohl leckersten Smoothie, der aufgrund seiner blassen und unfruchtigen Optik leider viel zu selten in den Genuss eines knisternden Rendezvous mit Dir kommt. Was blieb uns also anderes übrig, als das Licht auszuknipsen, damit Du dich einzig und alleine auf seine inneren Werte konzentrieren kann. #schluckimdunkeln„

Dieser stieß allerdings einigen KundInnen sauer auf und es entwickelte sich rasch ein kleiner Shitstorm auf der Facebook Fanseite. Sexismus und Lookismus (die Diskriminierung einer Person aufgrund ihres Aussehens) lauteten die Vorwürfe. Nun gut, Shitstorms entwickeln sich ja mittlerweile ständig und überall. Schließlich darf jeder seine Meinung sagen, andere befürworten oder eben dagegen sein, man darf sich angegriffen fühlen und seinem Ärger Luft machen. Vorallem auf Social Media Plattformen hat man die Chance, sich direkt an ein Unternehmen zu wenden, gehört und vielleicht auch verstanden zu werden. Aber eben nur vielleicht.

Orientiert man sich an den gängigen Community Management Regeln, sollte ein Unternehmen auf einen Shitstorm verständnisvoll und defensiv reagieren, egal ob man die negative Kritik nachvollziehen kann oder nicht. Man kann es aber auch wie True Fruits machen: verständnislos und offensiv. Der Smoothiehersteller schießt sogar hart zurück, negative Kommentare werden mit Beleidigungen beantwortet und ins Lächerliche gezogen – alles natürlich in gewitzter, ironischer True Fruits Manier. In einem öffentlichem Statement via Facebook machen sie nochmal ganz klar deutlich, wie egal ihnen die Kritik ist und das sie zu Ihrem Flaschentext stehen:

Quelle: wuv.de
Quelle: wuv.de

 

 

 

Quelle: focus.de
Quelle: focus.de

Jeder PR-Mensch würde bei dieser Art von Reaktion die Nase rümpfen. Auch ich war anfangs etwas irritiert von diesem Verhalten seitens True Fruits. Schließlich spricht das gegen alles, was ich bisher bezüglich Community Management gelernt habe. Warum sollte ein Unternehmen so auf Kritik reagieren, noch Öl ins Feuer gießen und damit aus einem „Mini-Shitstorm“ einen deftigen Schlagabtausch inszenieren? Ich schaute mir das Ganze also etwas genauer an und stellte schnell fest, dass es sich um eine absolut gelungene Strategie handelt. Die Smoothiemacher generierten dadurch Aufmerksamkeit und vorallem überwiegend positives Feedback der Fans.

Man muss sich also nicht immer klein machen, sondern seinem Kurs treu bleiben und dazu stehen. Ein gewisses Risiko, Fans zu verlieren, besteht dabei natürlich immer – aber eben genauso die Chance treue Fans noch mehr an sich zu binden und Neue zu generieren. Natürlich kann man das nicht auf jedes Unternehmen und jede Situation beziehen. Im Falle von True Fruits ist das allerdings vollkommen zulässig, da die Fans diesen Humor kennen und lieben. Zudem sprechen sie sich gegen ständiges Rummäkeln und übertriebene Moralvorstellungen in Social Media aus. Dadurch haben sie sich Sympathie im Netz geschaffen. Man kann den Spieß also auch umdrehen, indem man sich eben nicht für seine Marke oder PR-Strategie entschuldigt. Zudem muss man sich auch immer die Frage stellen, ob es sich bei den Kritikern um potenzielle Kunden handelt, oder einfach um Menschen, die sich dazu berufen fühlen, Ungerechtigkeiten zu korrigieren. Vorallem bleibt Humor immer noch Geschmackssache.

zu den Kommentaren

o2 can do …

Die Mobilfunkmarke o2 setzt neuerdings auf ein ganz anderes Metier: Autos. Ja, richtig gehört. Zumindest auf den ersten Blick. Auf der neuen Website „Autosbrauchenliebe.de“, die vom Unternehmen Telefonica Deutschland eingerichtet wurde, merkt man nach kurzer Recherche: dahinter steckt die Marke o2, die jetzt auf Content Marketing setzt. Besucht man die Seite, wird man zunächst mit „Carl, dem Autoversteher“ konfrontiert. Der kompetente Mann mit Schnauzer scheint für jedes Autoproblem eine Lösung parat zu haben. So hilft er im aktuellen Video einer Familie mit einem „schizophrenen Auto“. Im Clip, der dramaturgisch stark an die Aufmachung von diversen Restauranttester-Formaten erinnert, wird erst ganz am Ende klar, für welches Produkt hier geworben wird: die o2 Car Connection.

Quelle: www.autosbrauchenliebe.de
Quelle: www.autosbrauchenliebe.de

Dabei handelt es sich um eine App, die laut Hersteller „wichtige fahrzeugrelevante Daten auf das eigene Smartphone sendet“. Zwei Wochen vor Erscheinen des Videos hatte Telefonica bereits einen Teaser ohne vorhandenen Hinweis auf die Marke veröffentlicht. Scrollt man sich ein wenig durch die Homepage, erkennt man ganz unten im rechten Eck der Seite das Logo von o2.

Quelle: www.autosbrauchenliebe.de
Quelle: www.autosbrauchenliebe.de

Natürlich ist o2 damit nicht die erste Marke, die sich des Content Marketings bedient. Kampagnen wie zum Beispiel die aktuelle Werbung der Deutschen Telekom mit „Familie Heins“ machen vor, wie erfolgreich eine derartige Werbemethode sein kann. Unterhaltsam sind solche Produkte allemal. Mit realistischen Charakteren wie Carl und der vermeintlich echten Familie versuchen Werbestrategen ein Gefühl der Normalität an die Kunden zu vermitteln. Und das scheint zu funktionieren. Auch wenn es kein innovatives Konzept ist, mit der o2 jetzt arbeitet, schadet sie den Umsätzen mit Sicherheit nicht.

zu den Kommentaren

Der vorauseilende Gehorsam der „Generation Facebook“

Viele der Beiträge, die hier in den PR-Fundsachen erscheinen, haben ihren Ursprung nicht im stillen Kämmerlein. Einmal in der Woche besprechen wir Studis aktuelle Diskussionen der PR-Fachcommunities, aber auch neue Entwicklungen in der Welt des Digitalen und der sozialen Netzwerke insgesamt. In fünfminütigen Elevator Pitches stellen wir uns dann gegenseitig PR-Kampagnen vor – oder Themen, die in irgendeiner Weise für uns als Kommunikationsmenschen interessant sein könnten.

Als wir in einer dieser Diskussionen auf politische Meinungsäußerung im Social Web zu sprechen gekommen sind, konfrontierte der Professor uns Studierende mit unserer eigenen – zumindest digitalen – Politikverdrossenheit. Er beobachte bei unserer Generation einen vorauseilenden Gehorsam, nichts Politisches in Social Media zu posten. Das finde er übertrieben.

Neben dem „Da kann man eh nichts machen“-Defätismus, mit dem eine grundsätzliche Entpolitisierung einher geht, hat das weitgehende Schweigen meiner Generation zu politischen Themen auf Facebook und Co. aus meiner Sicht einen weiteren Grund. Ich glaube, es ist die Angst, später im Leben, vielleicht im Bewerbungsgespräch, einen Nachteil zu haben, durch das, was man einmal gepostet hat. Auf eine Online-Aussage reduziert zu werden, als verzerrtes Bild seiner selbst wahrgenommen zu werden.

Angst vor dem eigenen digitalen Spiegelbild?
Angst vor dem eigenen digitalen Spiegelbild? Foto: m.a.d.78, flickr

Wie oft wurde uns eingebläut, ja keine Partyfotos, auf denen wir betrunken zu sehen sind, ins Netz zu stellen? Das Internet vergisst nichts, wurde uns gesagt. Und jetzt? Jetzt sind wir so eingeschüchtert, dass wir denken: Wenn das Internet nichts vergisst, dann sage ich lieber nichts. Oder nichts, womit ich anecken könnte.

Auf der anderen Seite ist die Gefahr, dass durch unser Post-Verhalten falsche Annahmen über uns gemacht werden, durchaus konkret. Als ich zum Beispiel einmal über Facebook mehrere “taz”-Artikel angesurft habe, da hat mir das soziale Netzwerk eine Gruppe vorgeschlagen: „Sozialistische Irgendwas Gruppe Frankfurt“. Den genauen Namen weiß ich nicht mehr, weil ich sie so schnell weggeklickt habe. Hey, Facebook: Ja, ich lese hin und wieder diese alternative Tageszeitung aus Berlin. Aber nein, ein eingefleischter Sozialist bin ich deshalb noch lange nicht. Der Algorithmus hat einen falschen Schluss über meine Persönlichkeit aus meinem Leseverhalten geschlossen und mich in eine Schublade gesteckt.

Was passiert, wenn die Personalabteilung eines potentiellen Arbeitgebers diese Daten nutzt? Das Problem ist, dass wir selbst noch nicht wissen, wo wir später einmal landen werden. Vielleicht werde ich in einem konservativen Unternehmen arbeiten, vielleicht in einer kleinen NGO. Wege verbauen will ich mir keine. Doch was ist die Folge, wenn junge Menschen damit rechnen, dass Personalabteilungen in Zukunft versuchen werden, an ihre Facebook-Daten zu kommen? Die “FAZ” hat es 2012 so beschrieben: „Es gibt ein verstärktes Bewusstsein für etwaige Konsequenzen übermäßiger Mitteilungsfreude, etwa wenn der Chef Partyfotos oder politische Meinungsbekundungen sieht. Viele Nutzer haben daher mit Privatsphäreeinstellungen auf der Seite ihre Profile so angelegt, dass die meisten Inhalte nicht für die Öffentlichkeit einsehbar sind, sondern nur für ihre Freunde.“ In anderen Worten: Weil es der Chef oder die Chefin sehen könnte, exponiere ich mich politisch nicht öffentlich. Vorauseilender Gehorsam.

Algorithmen denken zwar nicht, stecken uns aber trotzdem in Schubladen. Foto: G. Kraftschik CC-BY
Algorithmen denken zwar nicht, können uns aber trotzdem in Schubladen stecken. Foto: G. Kraftschik CC-BY

Erst vor Kurzem hat mir bei ein Kommilitone aus einem anderen Studiengang der h_da erzählt, ein Freund von ihm sei gefeuert worden, kurz nachdem sein Vorgesetzter anarcho-libertäre Facebook-Postings von ihm entdeckt hatte. Wir alle kennen die Geschichte der US-amerikanischen Pressesprecherin, die auf Twitter über Obamas Töchter gelästert hat und solch einen Shitstorm kassiert hat, dass sie zurückgetreten ist.

Ich denke, junge Menschen können sich im Social Web nur unter einer Bedingung frei zu politischen Themen äußern: Sie sollten keine Angst davor haben müssen, dass in Zukunft irgendjemand ihre Posts aus dem Keller holt und diese – außerhalb ihres eigentlichen Kontextes – gegen sie verwendet. Eine Lösung wäre das im Juni von den Justiz- und Innenministern der EU in einer Datenschutzreform gestärkte Recht auf Vergessen. Es würde ermöglichen, später einmal zu verlangen: Facebook, lösche, was ich damals gepostet habe. Das braucht heute niemanden mehr zu interessieren.

zu den Kommentaren